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cebit 2010 – alles recht so?

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cebit 2010 – alles recht so?


Denkanstöße zu rechtlichen Herausforderungen eines neuen Kommunikationszeitalters

Jüngst in ein neues Jahrzehnt aufgebrochen, sehen wir uns mit Türöffnung der CeBIT 2010 intensiver denn je mit der zunehmenden Verbreitung der Informationstechnologien wachsenden gesellschaftspolitischen und auch rechtlichen Aufgaben konfrontiert. Insbesondere im Bereich des Internet! Irgendwie bekommen wir die Gefahren des Netzes nicht unter Kontrolle, so scheint es.

Es ist gar nicht so lange her, als der Siegeszug des WWW begann, unser Leben zu verändern. Die rechtlichen Fragestellungen erschienen uns zunächst einfach, grundsätzliche Antworten auf alles erschöpfend und schnell gefunden zu sein. Wie erfolgt ein Vertragsschluss im Internet? Darf man private E-Mails am Arbeitsplatz checken? Wann brauche ich für eine Website ein Impressum? Muss ich es dulden, ein ohne meine Zustimmung aufgenommenes Bild online wiederzufinden? „Alles rechtlich alt hergekommene Grundsatzfragen im neuen Gewand!“, so hieß es und man war sich auch unter Gelehrten einig: Ein sogenanntes „Internetrecht“ als eigenständiges Rechtsgebiet gäbe es eigentlich nicht. Fast alles werde alten Mustern folgen und ließe sich überwiegend mit den bestehenden Gesetzen regeln.

Doch es war der User selbst, der im Netz schnell alte Gewohnheiten und von Umsichtigkeit geprägte „Offline-Verhaltensmuster“ ablegte und nach anfänglicher, ja geradezu fortschrittsfeindlich wirkender Ängstlichkeit dann zunehmend unvorsichtiger, scheinbar leichtgläubiger wurde, bis ihn die bisweilen teuer erkaufte Errungenschaft der vordergründig grenzenlosen Freiheit der Informationstechnologien einholte und den Ruf nach einem „Recht der neuen Medien“ nun doch lauter werden ließ.

Spamming, Phishing, Stalking, Daten- und Identitätsklau, Pornographie und Jugendschutz, die Aushöhlung des geistigen Eigentums und die Ausnutzung des Vorsprungs durch Rechtsbruch im Verbraucherschutz- oder Wettbewerbsrecht: dies alles scheint schon seit Jahren nach permanentem gesetzgeberischem Handeln zu schreien, hat das eine oder andere sinnvolle Gesetz hervorgebracht, ruft aber immer öfter auch Kontroversen auf den Plan. Gerade hat Frankreich im Februar 2010 ein neues Gesetzespaket zur inneren Sicherheit eingeführt. Niedlich klingt die Abkürzung: Loppsi. Doch angesichts des „Loi d’orientation et de programmation pour la performance de la sécurité intérieure“, wie das Gesetz richtig heißt, dürfte sich Herr Rousseau zumindest im Grabe rühren und nach einem druckfrischen Exemplar zwecks genauer Lektüre verlangen. Das Gesetz habe, so die Kritiker, für das Internet vor allem Überwachung und Netzsperre zum Inhalt. Letzteres will heißen: Zensur.

Ist unser auf Demokratieverständnis, Meinungsfreiheit und -vielfalt, Fortschrittsglaube und gesellschaftliche Selbstverantwortung gründendes positives Bild vom Internet, welches wir noch in den neunziger Jahren begleitet von lediglich vorsichtigen Warnrufen hochhielten, überkommen? Die Geister, die wir mit dem Verlangen nach privaten DSL-Hochgeschwindigkeitsanschlüssen in jedem Haushalt riefen, werden wir sie nun angesichts der zahlreichen Probleme der Vernetzung, der -je nach dem- Anonymität oder Gläsernheit im Netz sowie der grenzenlosen und jederzeitigen Verfügbarkeit rechtswidriger Inhalte nicht mehr los?

Brauchen wir zum Beispiel eine neue Netzordnung? Gibt es einen größeren Kontext als den, den unsere nationale und EU-Gesetzgebung sowie andere Rechtsordnungen oder Bündnisse mit multilateralen Abkommen im Auge haben können? Ist der technische Fortschritt nicht ohnehin immer um ein vielfaches schneller, als es die Gesetzgebung je sein mag? Jede ach so kleine Lücke ist, so befürchten wir doch, wiederum groß genug, um ein noch so filigran entwickeltes und durchdachtes Sicherungssystem wieder auszuhebeln.

Es erscheint aber in erster Linie kaum möglich zu sein, mithilfe bestehender Gremien, Organe und Einrichtungen das Recht zu Gunsten eines sicheren Netzes weltweit zu harmonisieren und geschweige denn eine neue Netzordnung dann allerorts faktisch durchzusetzen. Vor Grenzen macht das Netz bekanntermaßen nicht halt. Man flüchtet in die Metaphorik und spricht von der Quadratur des Netzes, so heißt auch eine französische Aktivistengruppe „La Quadrature Du Web“.
Das Internet ist ein Spiegel der Gesellschaft. Wir sind gefragt, nachzudenken, öffentlich zu diskutieren und Antworten auf die Frage zu finden, was wir uns von einer im Sinne unserer Wertvorstellungen zukunftsfähigen Netzstruktur und von sicheren Informationstechnologien im Spannungsfeld zur Freiheit im Netz erwarten.

Ein richtiger Ort für derartige Fragestellungen, ist die CeBIT in Hannover.

Sie hat wegen ihrer in jeder Hinsicht bestehenden gesellschaftlichen Relevanz einen Besuch verdient!

Markus Werner, Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht in Hannover

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die tiersitterin – angela kruth

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die tiersitterin – angela kruth


Name: Angela Kruth
Alter: 29
Beruf: Tierpflegerin
Familienstand: ledig
Sternzeichen: Widder

An einem bitterkalten Morgen im Februar ticken auch die Uhren im Erlebnis-Zoo Hannover etwas langsamer: In Afrika ist der Sambesi zugefroren, und Sonnenanbeter wie Löwen und Flamingos sind nicht im Gehege zu sehen. Stattdessen nutzen Enten den vereisten Fluss als Highway, um zur nächsten Futterstelle zu watscheln und hinterlassen dabei eindrucksvolle Spuren im Schnee. Natürlich ist die Ruhe trügerisch. Hinter den Kulissen herrscht reges Treiben, schließlich müssen rund 2.235 Tiere versorgt, gefüttert, gemessen und gewogen werden.

Auch in der Showarena ist viel los: Die Stars der täglichen Veranstaltung werden für ihren Auftritt vorbereitet, doch deren Lampenfieber scheint sich in engen Grenzen zu halten. Die Aras kreischen putzfidel im Käfig, der alte Nasenbär Manolo macht Kletterübungen, und die Gürteltiere Fred und Wilma Feuerstein halten neugierig ihre Rüssel in die Höhe, denn Angela Kruth gibt ihnen gerade ein paar leckere Rosinen zu fressen. Die Tierpflegerin arbeitet seit zehn Jahren im Erlebnis-Zoo Hannover und trainiert in der Showarena zusammen mit ihren Kollegen Detlef, Kerstin und dem Azubi Carsten verschiedene Arten, zum Beispiel den Lannerfalken Karim, den Uhu Karl-Heinz, die Stinktiere Thymian und Lavendel und die Tigerpython Moses Junior. „Ein Tier entscheidet im Grunde allein, ob es für die nächste Show eingesetzt wird oder nicht“, sagt die 29-Jährige, die im Laufe der Jahre ein feines Gespür für ihre Zöglinge entwickelt hat. „Wenn Nasenbär Manolo schlecht drauf ist, bleibt er in seinem Käfig und schläft. Im Winter ist das oft der Fall, weil er keine kalten Füße mag.“

So wie der Mensch, habe auch jedes Tier seinen eigenen Kopf und Charakter und verhalte sich bei Übungen je nach Verfassung und Witterung mal aufmerksam und lernwillig oder faul und begriffsstutzig. Deshalb verlaufen die Shows nicht immer nach Plan: Ara Inka, der wie die anderen Papageien frei über das Gelände fliegen kann, habe zum Beispiel schon einen Ausflug in die List unternommen, nachdem er von einem Flugzeugmotor aufgeschreckt wurde. Und das Gürteltier Fred Feuerstein habe sich einmal bei einer Publikumsveranstaltung in ein tiefes Loch eingegraben, statt den Anweisungen der Trainerin zu folgen. Später musste der gepanzerte Geselle dann mit dem Spaten aus der Erde befreit werden. „Normalerweise hören unsere Gürteltiere auf ihre Namen, aber sie lassen sich eben auch gern ablenken, wenn sie ein Leckerli wie eine Nacktschnecke entdecken“, sagt Kruth, die in einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen ist und ihre Ausbildung im Rostocker Zoo absolviert hat. „Wichtig ist, dass mit den Tieren kein Zirkus gemacht wird, sondern dass sie artgerecht behandelt werden. Die Show ist wie Biologieunterricht zum Anfassen. Die Zuschauer erfahren dabei viel über die Lebensweise der Arten.“

Mit ihrem naturverbundenen Beruf und der grünen Wahlheimat Hannover ist die 29-Jährige, die in der List wohnt, zufrieden. Auch privat begleiten sie ein paar tierische Genossen. Wenn Kruth abends von der Arbeit kommt, versorgt sie zu Hause die beiden mongolischen Wüstenrennmäuse Brunhilde und Ursula sowie drei namenlose Tausendfüssler: „Es ist sehr entspannend, sie im Terrarium zu beobachten.“


Kurz nachgefragt…

1. Dein bester Freund im Zoo? Das ist meine Kollegin Kerstin, aber die Papageiendame Inka, ein Ara, ist mir auch sehr ans Herz gewachsen.

2. Lieblingsplatz im Zoo…? Die Showarena.

3. …und in Hannover? Der Maschpark.

4. Was können wir von Tieren lernen? Menschen sind Universaldilettanten, ganz im Gegensatz zu den Tieren, das sind Spezialisten.

5. Sprichst du mit den Tieren? Ja, ich spreche mit ihnen, gebe akustische Kommandos, mache aber auch Zeichen.

6. Haben Tiere auch mal ihre Tage? Ja. Sie haben Phasen, in denen sie ganz eigene Pläne haben.

7. Wann hast du dich zuletzt tierisch vergnügt? Beim Musical „Tanz der Vampire“ in Oberhausen.

8. Welches Buch liest du gerade? „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë.

9. Schönste Liebesszene im Kino? Die letzte Szene aus „Anna und der König“: der gemeinsame Tanz.

10. Welche Musik hörst du? Ich mag Grönemeyer. Und die nächste CD von Peter Maffay werde ich mir auch kaufen.

11. Bester TV-Comedian? Ralf Schmitz.

12. Hast du einen Schuh-Tick? Nein, ich gehe nicht gern shoppen. Aber Schuhe kaufe ich mir schon hin und wieder.

13. Worauf sollten Zoobesucher achten? Sie sollten die Tiere beobachten, das entspannt ungemein.


Simone Niemann

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was vermisst du im winter am meisten?

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was vermisst du im winter am meisten?


Nachgefragt haben: Freya Vogelsang, Christin Peters


Adrian, 19: Wärme


Bettina, 19: Wärme


Amando, 17: Singende Vögel, grüne Bäume


Klara, 25: Fahrrad fahren


Indritt, 20: Die Sonne


Mareike, 18: Warmes Wetter

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der arztroman in extra großer schrift


Dr. Sebastian Süden hatte sich in sein Arbeitszimmer zurückgezogen. Er machte Ordnung in den Schubladen seines Schreibtisches, obwohl es dort eigentlich nichts aufzuräumen gab. Er war kein Mensch, der an Erinnerungen hing. Was erledigt war, gehörte in die Ablage P. Nach einiger Mühe entdeckte er schließlich den Schriftverkehr zu einem Verkehrsunfall – so ein Trottel war ihm auf dem Parkplatz des Krankenhauses in die Quere gekommen. Er hatte den Prozess damals verloren. Zufrieden zerriss er die wenigen Blätter in kleine Stücke und warf sie in den Papierkorb.
Merle starrte ihn weiter an, die ganze Zeit. Er wurde die Augen seiner jüngsten Tochter nicht los. Diese großen, braunen, enttäuschten und ängstlichen Augen. Sein Blick wanderte über den Schreibtisch zu dem kleinen Bilderrahmen, aus dem ihm seine drei Töchter entgegen lächelten.

Sie hatten ihm das Foto vor genau einem Jahr zum Geburtstag geschenkt.
Dann klopfte es kurz an der Tür und Maria öffnete, bevor er sie hereinbitten konnte. „Wenn Du nicht zu spät zu Deiner eigenen Party kommen willst, dann solltest Du Dich jetzt allmählich fertig machen“, sagte sie. „Oder willst du dich doch lieber drücken?“ Dr. Sebastian Süden hätte in diesem Augenblick nichts lieber getan als das. Seine Rede, über die er sich vor ein paar Stunden noch so köstlich amüsiert hatte, sie schien ihm jetzt lächerlich, ja kindisch. Warum sollte er sich vor aller Welt bloßstellen? Und vor allem vor seinen Kindern? Sie würden vielleicht noch nicht denn Sinn seiner Worte verstehen, aber sie würden an den Gesichtern der Gäste ablesen können, dass ihr Vater genau das war, was sie ohnehin längst über ihn dachten: ein Monster.

„Bevor ich jetzt zu meiner Hinrichtung gehe, möchte ich dir noch etwas sagen, Maria.“ „Das klingt aber spannend, Sebastian. Richtig dramatisch.“ „Ich möchte, dass du weißt, dass ich verstehen kannst, was du tust. Du hast vollkommen recht damit. Du hast recht mit allem, was du getan hast und tun wirst. Ich bitte dich nur um einen Gefallen. Lass die Kinder nicht dabei sein. Sie müssen das nicht sehen, was immer du auch vorhast.“ „Da kann ich dich beruhigen, Sebastian. Die Kinder habe ich gerade abholen lassen. Sie kommen erst zurück, wenn du deine Koffer gepackt hast und verschwunden bist.“ Werde ich sie sehen dürfen?“ fragte Dr. Süden und kannte die Antwort, die seine Frau ihm jedoch schuldig blieb. „Ich muss mich jetzt weiter um die Vorbereitungen kümmern“, sagte Maria stattdessen und wandte sich zum gehen. „Ich bin ein ziemlicher Idiot“, stellte Dr. Süden fest. „Eine späte, aber durchaus richtige Einsicht, Liebling. Ach, was kommt denn jetzt. Weinst du etwa? Die Masche ist nun wirklich ganz neu. Ich hätte nicht gedacht, dass du zu Tränen überhaupt fähig bist. Was ist denn passiert?“ Maria war ehrlich erstaunt. Sie hatte ihn in all den Jahren ihrer Ehe niemals weinen sehen. „Ich komme gleich“, sagte er und drehte den Kopf zur Seite. „Lass mich jetzt bitte alleine.“ „Verlass dich drauf“, sagte Maria und schloss die Tür.

Fortsetzung folgt…

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hintenrum-talibanisierung durch wintereinbruch

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hintenrum-talibanisierung durch wintereinbruch


Ich hoffe ja nur, dass zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Kolumne der Winter im sibirisch-brutalen Wintersinne vorbei ist. Im Moment herrscht aber leider immer noch Professor Dr. Fucking Bofrost. Jedes Mal, wenn ich zur Haustür heraustrete, spüre ich einen überraschend schmerzhaften Kälteschock auf der Haut – so als schlüge mir jemand mit voller Wucht ins Gesicht und zischte mir dann mit französischem Akzent zu: Isch forrdere Satisfaction, Monsieur!
Wäre dem so, würde ich die Aufforderung zum Duell sofort annehmen, um dem Elend ein Ende zu bereiten – so oder so. Aber in der Realität ist ja niemand zum Schießen oder Fechten da.

In der Wirklichkeit steht ja nur der Winter vor mir und hält grinsend ein Thermometer hoch, das minus 15 Grad anzeigt. Und so schlittere ich weiter auf dem vereisten Bürgersteig meiner jeweiligen Destination entgegen, mich dabei fragend, wie sich die Verantwortlichen eigentlich das Leben von alten gehbehinderten Rollator-Omis bei diesem Wetter vorstellen…

Kann mir irgendsoein Schlaumeierchen eigentlich mal den Zusammenhang zwischen der Klimaerwärmung und den aktuellen Kälteeinbrüchen erklären? Eine Zeitlang sah es ja ganz erwärmungstheoriekonform so aus, als würde es das ganze Jahr über immer kuscheliger. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich vor zehn Jahren mit jemandem eine ausschweifende Unterhaltung darüber führte, in der es darum ging, dass es eben gar keine richtigen Winter mehr gäbe. Ja, früher, da habe man von Ende November bis Anfang März Schlitten fahren können. Heutzutage aber gäbe es nix als Matsch und Regen und feuchte Schleim-Füße. Und dann jammerten wir und beklagten uns. Es war eine langatmige Klima- und Wetter-Kritik mit sentimentalen Einschüben. Wir tauschten Schnee-Anekdoten aus und wärmten uns an Frosterinnerungen.

Mit feuchten Augen erzählte ich, dass ich damals meinem Schlitten sogar einen Namen gegeben hatte: „Iltschi”. Was insofern logisch war, als dass ich mich zwei Jahre lang nur mit „Winnetou” anreden ließ. Ich weiß zwar nicht, ob es tatsächlich einen Winnetou-Roman gibt, der in Schneelandschaften spielt – ich glaube, ich verwechsele das mit den Winterimpressionen aus der Lederstrumpf-Serie mit Helmut Lange –, aber das ist ja auch wurscht. Jedenfalls waren mein Gesprächspartner und ich uns einig, dass diese – in unserer Erinnerung schön gefärbten – kalten Zeiten nie wieder kommen würden. Und was ist jetzt? Seit Jahresanfang gehe ich nur noch am äußersten Rand des Bürgersteigs, damit keine herabfallenden Eiszapfen meinen Schädel durchbohren. Und gestern dachte ich kurz darüber nach, ob ich mir nicht zwei Huskies zulegen sollte, die mich auf „Iltschi“ – meinem sich inzwischen im Besitz meiner Tochter befindlichen Gefährten – zum Einkaufen ziehen könnten.

Kurzum, vielleicht habe ich es schon erwähnt: Der Winter geht mir tierisch auf den Senkel! Das Schlimmste sind die ästhetischen Katastrophen, die die Kälte verursacht. Seit bestimmt sechs Wochen habe ich außerhalb meiner Wohnung kein offenes Frauenhaar mehr gesehen. Mit Hilfe des Winters haben die Taliban in Niedersachsen die Macht übernommen. Selbst die weiblichen deutschen Teenager, die ihrer Umwelt sonst bei jeder Temperatur ihre leider nicht immer ansehnlichen Bauchnabel und ihre mit Stringtangas durchfurchten Arschansätze präsentieren, sind komplett verhüllt. Oben auf dem Kopf tragen sie bis zu den Augenbrauen heruntergezogene Strickmützen, und unten im Gesicht zuppeln sie ihre Wollschals so weit über die triefenden Nasen, dass nur noch ein Augenschlitz übrig bleibt. Zum Abschluss wird das ganze Ensemble dann noch mit Hilfe einer zusammengeschnürten Kapuze endgültig burkaisiert.

Aber ich gestehe: Ich bin auch nicht besser. Ich trage bei allen Außenerledigungen einen grauen „Herren-Mantel“. Obwohl ich Mäntel hasse. Damit sieht man immer aus, als wolle man bald in Pension gehen, um sich nach 45 Jahren hartem Arbeitsleben seinem Hobby, der Verschönerung des Vorgartens mittels Waschbeton, widmen zu können. Aber was soll ich machen, es ist doch so finster und auch so bitterkalt? Gerne hätte ich auch eine Angora-Unterhose, aber seit ich mal im TV gesehen habe, dass man, um Angora-Wolle zu gewinnen, den armen Hasen die Haare bei lebendigem Leibe brutal ausreißt, habe ich von diesem Wunsch Abstand genommen. Ich bin mir sicher, dass Winnetou das nicht gutgeheißen hätte.

In diesem Sinne: Hough! Und möge die wiederkehrende Sonne unser aller harten, gefriergetrockneten Gedanken in softeisförmige, geschmeidige Visionen voller Love, Peace and Happiness verwandeln! Hä? Egal, mir fröstelt, da darf man auch mal verbal schwächeln…

Hartmut El Kurdi

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shakespeare’s „ein sommernachtstraum“

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shakespeare’s „ein sommernachtstraum“


Ein Musical von Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig

Shakespeare’s Sommernachtstraum – kann man sich dafür einen besseren Ort vorstellen als die Herrenhäuser Gärten? Bereits vor sechs Jahren wurde das Sommernachtstraum-Musical dort uraufgeführt – und bescherte zehntausenden ZuschauerInnen aus ganz Norddeutschland zusammen mit „Kleider machen Liebe“ und „Was ihr wollt“ vergnügliche Sommerabende. Schon damals entwickelten Kunze und Lürig die Idee, sich dem Thema Shakespeare in Musicalform langfristig zu widmen. Nun ist ihre Trilogie vollendet.

In den kommenden fünf Jahren werden „Der Sturm“, „Kleider machen Liebe“ und „Ein Sommernachtstraum“ in der Sommersaison zum festen Programm des historischen Gartentheaters der Herrenhäuser Gärten gehören. In diesem Jahr steht noch ausschließlich „Ein Sommernachtstraum“ auf dem Spielplan. In den folgenden Jahren werden dann die beiden weiteren Inszenierungen hinzukommen. Eine echte, bleibende Attraktion für die Herrenhäuser Gärten, die damit für Besucher aus ganz Deutschland noch attraktiver werden dürften. Um das zu ermöglichen, hat man in den vergangenen Wochen und Monaten erfolgreich Kooperationen geschmiedet. Hannover Concerts, die Stadt Hannover, Hannover Marketing, die Herrenhäuser Gärten und nicht zuletzt Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig haben sich in enger Zusammenarbeit auf eine Vertragslaufzeit von fünf Jahren geeinigt. Allein 21 Vorstellungen sind in diesem Jahr geplant und dabei wird nun nichts mehr dem Zufall überlassen. Kunze und Lürig wollen als Autorenteam ihre Vision vom Musiktheater in bestmöglicher Qualität auf die Bühne bringen. Und sie haben sich dazu mit Jürgen Hoffmann für die Produktionsleitung und Christian von Götz für die Regie professionelle Unterstützung gesichert. Hoffman verfügt über langjährige Erfahrungen im Theater- und Tourneebereich, Christian von Götz gehört nach mehr als 60 Inszenierungen im In- und Ausland zu den gefragtesten deutschen Musiktheaterregisseuren der jüngeren Generation. Hannover darf sich auf großes Theater freuen.

GAH

Auftakt zur Sommerspielzeit 2010 ist Freitag, der 30. Juli. Beginn 20 Uhr (Einlass 19 Uhr). Eintrittskarten von 21 bis 41,50 Euro zzgl. Gebühren. Für den Aufpreis von 21,50 Euro gibt es dazu ein 3-Gänge-Menü in der Schlossküche der Herrenhäuser Gärten. Weitere Vorstellungen: 30. Juli, 1. August, 5./6./7./8. August, 12./13./14./15. August, 19./20. August, 22. August, 26./27./28./29. August, 02./03. September, 5. September 2010.

Eintrittskarten gibt es in der Tourist Information gegenüber dem Hauptbahnhof, in allen CTS Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse ab 18:00 Uhr. Tourist Information, Ernst-August-Platz 8, 30159 Hannover
Tickethotline: 0511 / 12345-222



Ein Sommernachtstraum – in Kürze für Einsteiger

Es geht ganz schön durcheinander beim Sommernachtstraum. Wer da mit wem wann und wo aufwacht, nachdem Puck mit seinen magischen Augentropfen am Werke war, das ist gar nicht so leicht zu durchschauen – wenn man es noch nicht selbst gesehen hat. Hier ein kleiner Abriss der klassischen Variante, der vielleicht ein bisschen Licht ins Dunkel bringt. Man darf gespannt sein, was Kunze und Lürig aus dem Stoff gemacht haben.

In Athen wollen Theseus (Herzog von Athen) und Hippolyta (Königin der Amazonen) heiraten. Das lassen wir jetzt erstmal so stehen, denn die beiden sind später nicht direkt in die Irrungen und Wirrungen verwickelt. Obwohl Theseus schon Einfluss nimmt, aber dazu gleich mehr. Egeus (ein Athener) kommt mit seiner Tochter Hermia zu Theseus. Im Schlepptau: Der junge Athener Lysander. Und zur Orientierung hier die erste wirklich wichtige Information. Hermia und Lysander sind ein Liebespaar. Das allerdings passt Egeus so gar nicht. Er wünscht sich Demetrius zum Schwiegersohn. Demetrius ist nebenbei kein Kind von Traurigkeit. Hermias Schönheit hat es ihm angetan und um ihre Hand hat er bei Egeus bereits angehalten, aber verlobt ist er auch schon, und zwar mit Helena, einer Freundin Hermias. Das allerdings scheint Egeus egal zu sein. Er bittet Theseus um ein Machtwort, damit seine Tochter Demetrius heiratet. Und weil das Wort eines Vaters noch etwas gilt zu jenen Zeiten, lässt sich Theseus nicht lange bitten. Hermia soll sich dem Willen des Vaters fügen, basta! Falls nicht, droht der Tod oder das Nonnenkloster, wobei man durchaus darüber streiten kann, welche Strafe schlimmer ist. Binnen kurzer Frist soll sie sich entscheiden. Und das tut Hermia, allerdings nicht im Sinne ihres Vaters. Sie entwickelt mit Lysander einen Plan, um aus Athen zu fliehen. Zuerst in den Wald und dann auf und davon. Soweit alles verstanden? Ja, es sind viele Namen, deshalb noch einmal in Kürze. Hermia will Lysander, soll aber Demetrius nehmen. Ganz einfach.

Pläne scheitern meistens, weil sie vor der Zeit herauskommen, weil einer der Beteiligten plaudert. In unserem Fall plaudern sogar beide, was nicht gerade klug ist. Hermia und Lysander erzählen alles Helena. Und die, in der Hoffnung vielleicht doch noch Demetrius für sich zu gewinnen, erzählt es eben dem. So ist die Ausgangssituation und man glaubt es kaum, all das passiert schon im ersten Akt. Und noch mehr. In der zweiten Szene treffen sich sechs Handwerker, die das Stück „Pyramus und Thisbe“ (nach Ovid) auf der Hochzeit des Herzogs aufführen wollen. Sie verabreden sich am nächsten Tag zur Probe im Wald.

Und wieder ein paar neue Namen: Im Wald streiten Oberon (König der Elfen) und Titiana (Königin der Elfen). Sie hat einen jungen indischen Prinzen zu sich genommen, was Oberon natürlich nicht gefällt. Er beschließt, ihr einen Streich zu spielen. Puck, sein vertrauter Elf, wird beauftragt, den Nektar einer bestimmten Blume zu besorgen. Kommt der in die Augen eines Schlafenden, so verliebt der sich in die erste lebende Kreatur, die er nach dem Aufstehen erblickt. Und Oberon hat sich für Titiana da schon etwas ganz Besonderes ausgedacht. Puck macht sich also auf den Weg. Während dessen beobachtet Oberon Demetrius (auf der Suche nach Lysander und Hermia) und Helena, die ihm gefolgt ist. Die beiden streiten, und da Oberon eigentlich ein netter Elfenkönig ist, beauftragt er Puck bei seiner Rückkehr, einen jungen Athener zu suchen, der von einer Frau verfolgt wird, und diesem Athener etwas Nektar zu verabreichen, damit sich die Sache zwischen den beiden nach dem Aufwachen regelt. Oberon vertreibt sich derweil die Zeit mit seinem Streich, findet die schlafende Titiana und tropft ihr den besagten Nektar in die Augen.

Puck findet nicht Demetrius sondern Hermia und Lysander schlafend im Wald. Und verabreicht fälschlicherweise Lysander die nötige Dosis. Dann stolpert Helena über Lysander, der sich prompt in sie verliebt und ihr folgt. Als Hermia erwacht, ist ihr Geliebter spurlos verschwunden. Und was macht man alleine im Wald? Man geht erstmal auf eigene Faust weiter. Was bleibt einem anderes übrig?

Auch die Handwerker haben sich derweil zur Probe ihres Stücks im Wald versammelt. Puck verwandelt den Kopf des Webers in den eines Esels und führt diesen zu Titiana, die aufwacht und sich in das Ungetüm verliebt. Oberon amüsiert sich darüber prächtig und wir stellen fest, dass Elfen einen sehr speziellen Humor haben.

Aber wie gesagt, Oberon hat auch ein Herz für junge Menschen, die nicht zueinander finden. Er entdeckt Pucks Fehler und versucht, die Angelegenheit wieder in Ordnung zu bringen. Puck muss Helena holen, Demetrius bekommt seine Augentropfen. Er wacht auf, und verliebt sich in Helena. Die beiden sind also schon mal abgehakt. Allerdings ist Lysander ebenfalls noch in Helena verliebt. Hermia findet die Drei und kommt sich natürlich reichlich verspottet vor. Erst waren beide in sie verliebt, jetzt haben sie nur noch Augen für ihre beste Freundin. Oberon muss also noch einmal eingreifen. Puck sorgt dafür, dass alle Vier alleine schlafen und Lysander bekommt seine Tropfen.

Und dann wird tatsächlich alles gut. Titiana gibt den indischen Prinzen heraus und wird von der Wirkung des Nektars befreit, der Handwerker mit dem Eselkopf wird zurückverwandelt, Lysander erwacht und verliebt sich in Hermia. Am Ende heiratet Theseus Hippolyta, Demetrius Helena und Lysander Hermia. Und die Handwerker räumen während der Hochzeit mit ihrem Stück beim Publikum so richtig ab. Zum Schluss kommt dann noch mal Puck auf die Bühne und bittet das Publikum zu klatschen, wenn das Stück gefallen hat, und falls nicht, das Ganze als Traum zu betrachten.

Fertig ist der Sommernachtstraum.

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