Eine Erfolgsgeschichte mit Leuchtturmcharakter
In den vergangenen Ausgaben war im Stadtkind viel über das Image unserer Stadt zu lesen, über die Stärken Hannovers (und die Schwächen, falls es überhaupt welche gibt). Und kaum denken wir, alles ist gesagt und endlich ist alles gut, drehen also der Image-Frage gelassen den Rücken zu, erscheint in einer Januar-Ausgabe der altehrwürdigen Wochenzeitung DIE ZEIT ein Artikel mit der schönen Überschrift „Zehn Städte für das neue Jahrzehnt“. ZEIT-Autoren, so heißt es im Untertitel, würden verraten, wo auf der Welt künftig die Trends gesetzt werden.
Und neben Buenos Aires, Lissabon, Singapur und anderen kommenden Städten der Welt steht da – man traut zunächst seinen Augen kaum – auch Hannover. Die „Stadt der Mitte“, schreibt Ulrich Stock, sei langweilig (so sagt man), aber gerade das sei eine zukunftsweisende Qualität. Denn wenn sich der Wettbewerb unter den Städten mit immer größeren Events und all dem „Marketinggebrüll“ erschöpft habe, dann würde es um feinere Reize gehen. Wir hätten mit der Eilenriede den größten Stadtwald Europas, dazu den Maschsee, machten aber keine große Sache draus, und damit würden wir dereinst punkten. Bezeichnend für Hannover findet er den Lindener Berg mit seinen 35 Metern. Ein „ortstypischer Superlativ“. Hannover habe einen Hang zum mittleren Maß, so Stock, und was, wenn nicht die Mitte, habe Zukunft.
Weit gefehlt, Herr Stock. Hausaufgaben nicht gemacht. Es gibt ein Thema, das Hannover und die Region ganz groß auf die Werbeplakate schreiben könnte und vielleicht sollte. In Sachen erneuerbare Energien, Klimaschutz und CO2-Reduktion ist die Landeshauptstadt den meisten Städten in Deutschland seit Jahren weit voraus. Nicht Mittelmaß, Champions League ist hier die passendere Einordnung.
Aller Anfang…
So richtig angefangen hat alles mit der Katastrophe in Tschernobyl im April 1986, nicht nur in Hannover. Natürlich gab es bereits vorher zahlreiche skeptische Stimmen zu dieser „saubersten aller Energien“, und auch einige Tüftler, die sich im Bereich regenerative Energien ihre Gedanken machten, aber insgesamt stand die Kernkraft bei weiten Teilen der Bevölkerung bis zum GAU in hohem Ansehen. Die anderen, das waren damals noch die Spielverderber, die Weltverbesserer, die Träumer. Die Grünen hatten sich gerade erst gegründet (1980) und zogen damals eher als Bürgerschreck in die ersten Parlamente ein.
Zwar war die Umweltverschmutzung schon lange zuvor ein Thema, die erste Klimaschutzkonferenz der UNO liegt in den 70ern, die Anfänge bereits in den 60ern, aber damals ging es bei uns noch vornehmlich darum, dass der Himmel über den Kohlemetropolen in Deutschland wieder blau werden sollte oder der Rhein wieder sauber, um Artenschutz und andere sehr greifbare Themen. Mit dem großen Knall in Tschernobyl änderte sich die gesellschaftliche Breite der Diskussion ganz grundsätzlich. Das Vertrauen in die Kernkraft wurde nachhaltig erschüttert. In Hannover gründete sich damals eine Elterninitiative, ein paar Grüne waren dabei, einige mit SPD-Parteibuch, der eine und andere saß im Rat der Stadt.
Diese Initiative hat einen Antrag in den Rat eingebracht, der forderte, dass die Stadt auf die Stadtwerke Hannover Einfluss nehmen sollte, künftig keinen Atomstrom mehr zu beziehen. Und dieser Antrag kam nach einigem Gezerre und Juristerei tatsächlich durch. Im Grunde hat Hannover also bereits 1986 den Atomausstieg beschlossen. „Hätten das damals alle Kommunen gemacht, die Einfluss auf ihre Stadtwerke hatten, wäre der Atomausstieg in Deutschland quasi vollzogen gewesen“, so Michael Demus, Politologe und Mitglied der Grünen in Hannover, der in seiner Magisterarbeit mit dem Titel „Politikfeld-Analyse am Beispiel der Klimaschutzpolitik in der Landeshauptstadt Hannover“ untersucht hat, ob so eine kleine Einheit wie eine Kommune besser geeignet sei, die Dinge in Bewegung zu bringen, als ein Bundesland oder ein Staat.
Offensichtlich. Denn in der Folge ging es in Sachen Atomstrom in Hannover eigentlich nur noch um die vertraglichen Regelungen mit dem Vorversorger, damals die Preußen-Elektra. 1994 sollten die alten Verträge auslaufen und neue unterzeichnet werden. Ab diesem Zeitpunkt hätte es keinen Atomstrom mehr in Hannover geben dürfen. Die Liberalisierung des Marktes machte diese Pläne jedoch null und nichtig. Die Endkunden konnten sich nun ihren Energieanbieter frei wählen, Yello und andere drängten in den Markt. Und damit gab es – theoretisch – wieder Atomstrom im Netz. „Schade“, sagt Michael Demus. „Aber immerhin ist damals etwas in Gang gekommen.“ Da die Stadtwerke Hannover heute allerdings mehr Strom produzieren, als Hannover verbraucht, ist die Stadt netto-Stromexporteur. Es gibt Spitzen, Stunden mit hoher Nachfrage, in denen Strom auch mal aus dem Verbundnetz (mit Kernenergieanteil) importiert wird. Doch letztlich geht es um eine bilanzielle Betrachtung, und nach der ist Hannover kernenergiefrei. Yello hin oder her – faktisch kommt der Strom immer vom nächstgelegenen Kraftwerk.
In Gang gekommen ist nach Tschernobyl tatsächlich eine ganze Menge. Mit der Skepsis gegenüber der Kernenergie wuchs schlagartig das Interesse an echten und wirklich nachhaltigen Alternativen. Umso mehr, nachdem immer mehr Forscher die Zusammenhänge zwischen CO2-Emmision und Erderwärmung nachwiesen. Dass besonders in Hannover schon früh die Weichen in die eher nachhaltige Richtung gestellt wurden, hat sicherlich auch mit der stabilen politischen Konstellation im Rat zu tun. Und mit Köpfen. Seit 1989 haben wir mit Hans Mönninghoff einen grünen Umweltdezernenten und inzwischen auch Wirtschaftsdezernenten. Und bei enercity hatte der Vorstandsvorsitzende Dr. Erich Deppe in jenen Jahren ein durchaus offenes Ohr für die eher alternativen Ansätze. So hat man unter anderem in Zusammenarbeit mit der Naturstrom AG aus Bielefeld ein Angebot für die Verbraucher aufgelegt, bei dem enercity nur die Bestellungen weiterreichte (und darauf achtete, dass aus den Margen des Ökostroms neue Anlagen errichtet wurden). Die Stadtwerke haben vor Ort ihre Kapazitäten ausgebaut, zum Beispiel das Wasserkraftwerk Herrenhausen hochgezogen und andere Kraftwerke wie den „Schnellen Graben“ modernisiert. Sogar in Sachen Windkraft hat man sich frühzeitig ins Zeug gelegt und 1990 die damals größte Windanlage im Binnenland mit 300 kW aufgebaut (was sich heute natürlich vergleichsweise eher niedlich ausnimmt). Insgesamt hat man in Hannover den Grundstein für die äußerst positive Entwicklung also früh gelegt. Im Energiekonzept Hannover formulierte die Stadtverwaltung bereits 1990 ihre energiepolitischen Zielsetzungen, die eineinhalb Jahre später als detaillierte Materialbände herausgegeben wurden. Aus dieser Zeit stammt auch die energiepolitische Vorgabe, dass der Energieeinsparung Vorrang gegenüber anderen Zielen einzuräumen sei. Anfang 1992 ist außerdem bundesweit das Stromeinspeisegesetz in Kraft getreten, Vorläufer des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, und verabschiedet, man glaubt es kaum, hat es noch die Regierung Kohl. Vor allem bayrische Windfarmer, Bauern, die sich eine Anlage aufs Feld gebaut hatten, waren an dieser Neuregelung interessiert, denn sie hatten zuvor ihre Probleme mit den Netzbetreibern, die den Strom nicht geregelt abnehmen wollten. Mit diesem neuen, stabilen Rahmen waren die Abnahme auf 20 Jahre garantiert und die Investitionen damit kalkulierbar.
In der Folge erlebte die Windenergie einen ersten Boom. Andere Energieformen wie Biogas und Photovoltaik erfuhren in diesem Sog ebenfalls einen Aufschwung. Nicht nur bei der Stromerzeugung, auch im Wärmebereich ging man nun neue Wege. Die Solarthermie und vor allem die Kraft-Wärme-Kopplung wurden ausgebaut. Bis auf Mehrum bei Hohenhameln betreibt enercity heute alle Kraftwerke mit dieser sehr effizienten Technik. Auch dafür hat man sich damals bewusst entscheiden müssen. Viele Energieversorger in Deutschland haben erst wesentlich später nachgezogen.
Der Kommunalverband Großraum Hannover, Vorläufer der Region Hannover hat 1996 ebenfalls einen ganz entscheidenden Schritt gemacht. Mit der zweiten Änderung des Raumordnungsprogramms wurden Vorrangstandorte für Windenergienutzung an etwa 35 verschiedenen Standorten ausgewiesen. Hier (und nur hier, denn die Ausweisung der Flächen bewirkt gleichzeitig den Ausschluss aller anderen Flächen) durften also potentiell Windkraftanlagen gebaut und betrieben werden. Bei der Ausweisung der Flächen ist man dabei überaus bedacht vorgegangen und hat gewisse Ausschlusskriterien strikt eingehalten. Keine Landschaftsschutzgebiete, keine Siedlungsfläche oder potentielle Siedlungsfläche, etc. Vier bis fünf Prozent blieben übrig und dort hat man zuletzt prüfen lassen, ob der Wind ausreichend weht. Nur eineinhalb bis zwei Prozent der Fläche der Region konnte man schließlich für die Windmühlen freigeben. Das klingt nach wenig, ist aber eine ganze Menge. Andere Landkreise und Kommunen haben weit weniger Flächen zugelassen. Und auch die Sorgfalt bei der Auswahl in der Region hat sich bewährt. Zwar gab es an manchen Stellen Widerstand gegen die neue Technologie, aber insgesamt hat sich die Aufregung im Raum Hannover doch eher in Grenzen gehalten. In anderen Gemeinden Deutschlands gab es dagegen einen gewissen Wildwuchs von Anlagen, der auch heute noch für Unmut sorgt. Mit der Änderung des Raumordnungsprogramms erfuhr die Windenergie in der Region einen großen Schub. Lange hat man im Binnenland die Liste der Landkreise in Sachen Windenergie angeführt. Heute gibt es 236 Anlagen mit knapp 290 Megawatt und produzierten 500 Gigawattstunden. Versorgt werden ungefähr 164.000 Haushalte. Das ist ordentlich, doch es reicht noch längst nicht, will man die ehrgeizigen Ziele von Stadt und Region in Sachen Klimaschutz erreichen. 80 Prozent CO2-Reduktion im Jahr 2050, das hatte man sich damals vorgenommen und sich dabei an den Vorschlägen der Enquête-Kommissionen mit dem schönen Namen „Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre, Schutz der Erdatmosphäre“ orientiert. 40 Prozent CO2-Reduktion bezogen auf 1990 bis 2020, so wird gegenwärtig das Ziel beschrieben. Ein ehrgeiziges Ziel. Die Bundesregierung fordert 30 Prozent, die EU 20 Prozent. Bei den erneuerbaren Energien, so Michael Demus wird es dabei aller Voraussicht nach keine Probleme geben. Bei der Stromerzeugung wurden die Erwartungen von der Branche bisher locker erfüllt, ja sogar bei weitem übertroffen.
Doch nicht allein der Umstieg auf Windenergie, Biogas und Photovoltaik spielt bei der Reduktion von CO2 eine Rolle. Die energetische Haussanierung, der Hausbau im Passivhausstandard, Solaranlagen zur Warmwassererzeugung und nicht zuletzt die vielleicht einfachste Maßnahme, nämlich schlicht Strom zu sparen, sind weitere Möglichkeiten, um die Ziele zu erreichen. Auch das hat man in der Region früh erkannt. Bereits 1994 richtete man die Energie- und Klimaschutzleitstelle der Landeshauptstadt Hannover ein, angesiedelt im heutigen Fachbereich Umwelt- und Stadtgrün. Und 1998 folgte dann die Gründung von proKlima, sicherlich ein Meilenstein in der „Klima-Geschichte“ Hannovers und der Region, und wohl europaweit ein einzigartiges Konstrukt. proKlima firmiert als GbR und ist eine Tochter der Stadtwerke, ausgestattet mit einem Fonds von 5,1 Millionen Euro. Dieses Geld setzt sich zusammen aus Beiträgen der Stadtwerke, der Stadt Hannover und der kleineren Kommunen, in denen die Stadtwerke Strom verkaufen, also Ronnenberg, Hemmingen, Laatzen, Langenhagen und Seelze. Jedes Jahr entscheiden diese Akteure über Projekte und die Formulierung von Breitenförderprogrammen, innerhalb derer Zuschüsse zum Beispiel für Hauseigentümer ausgeschüttet werden, die ihr Eigentum sanieren wollen und bereit sind, mehr zu tun, als es die gesetzlichen Richtlinien vorschreiben. Darüber hinaus gibt es Einzelförderungen, wenn der Nachweis erbracht wird, dass die eingereichten Pläne einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. ProKlima sorgt durch diese Förderungen in der Region für die Umsetzung hocheffizienter Maßnahmen, die ohne diese Unterstützung augenblicklich noch nicht wirtschaftlich wären. Ca. 600.000 Menschen leben in der Region, in der ProKlima aktiv ist. Ein nationales Förderprogramm gleicher Größe müsste in Deutschland jährlich an die 700 Millionen Euro ausschütten.
Wer die Idee zu diesem Konstrukt hatte, ist im Nachhinein kaum noch zu sagen. „Gute Ideen haben viele Väter“, sagt dazu Michael Demus. Fest steht, dass Dr. Erich Deppe maßgeblich beteiligt war. Fest steht auch, dass ProKlima noch immer eine entscheidende Rolle spielt. Ob bei Projekten in Schulen, der Finanzierung von Unterrichtsmaterialien, beim Ausbau der Fernwärme, beim Hausbau und bei der Haussanierung, ProKlima ist ein wichtiger Player in Sachen Klimaschutz in Hannover. Auch frühe Kampagnen wie „Hauspartner“ oder „Hannover Region Solar“ wären ohne ProKlima kaum denkbar gewesen.
Mit der Gründung der Region Hannover entstand schließlich 2001 die Klimaschutzagentur, um zu gewährleisten, dass die zahlreichen Aktivitäten des Kommunalverbandes aktiv fortgeführt und ausgebaut werden konnten.
Ob „Hauspartner“, „Hannover Region Solar“ das „Klimaschutzprogramm Expo-Region Hannover“ oder das Management des Stadtteils Kronsberg mit seinen Passivhäusern, alle Initiativen, Projekte und Aktivitäten wurden in der Klimaschutzagentur zusammengeführt. Der Kronsberg verfügt übrigens über einen echten Leuchtturm. Es gibt dort einen riesigen saisonalen Winterspeicher für Solarwärme, ein unterirdisches Betonbecken, das warmes Wasser über Monate speichern kann.
Da sag noch mal einer, Hannover hätte keine Leuchttürme. Man muss nur genau hinsehen – und vielleicht ein bisschen graben.
Die Klimaschutzagentur
„Wir sind in Hannover auf einem guten Weg, aber uns kann es natürlich nicht schnell genug gehen“, sagt Monika Dening-Müller von der Klimaschutzagentur. Die Aufgaben dieser ganz besonderen Agentur haben sich über die Jahre ständig weiterentwickelt. Heute braucht man schon ein bisschen Zeit, um sich einen Überblick über die vielen Kampagnen und Angebote zu verschaffen. Im Kern geht es um drei Bereiche: Man richtet sich an die Kommunen in der Region Hannover, an die Unternehmen in der Region oder ganz direkt an die Menschen, die im Einzugsgebiet leben. Die Arbeit mit den Kommunen ist dabei noch relativ neu. Zusammen mit den Städten und Gemeinden in der Region werden Klimaschutz-Aktionsprogramme erarbeitet, deren Umsetzung vom Bund gefördert wird. Vor etwa zwei Jahren hat man damit angefangen und steckt heute in den Kommunen in ganz unterschiedlichen Erarbeitungsphasen. Gehrden, Wennigsen und Ronnenberg sind bereits abgeschlossen, andere stellen gerade erst ihre Anträge und können immerhin noch auf 70 Prozent Förderung vom Bund hoffen. Vor einem Jahr lag der Satz noch bei 80 Prozent.
Beim Klimaschutz scheint es generell lohnend zu sein, ein bisschen Tempo zu machen. „Wir brauchen Ihre Ideen“, mit diesem Aufruf geht es in die Gemeinden. Bürgerbeteiligung ist ausdrücklich erwünscht. So können die Programme ganz unterschiedliche Maßnahmen umfassen und genau dort ansetzen, wo vor Ort der Schuh wirklich drückt. Über allem steht natürlich die Frage, was konkret passieren muss, damit die CO2-Ziele bis 2020 erreicht werden. Vereine, Verbände, die Verwaltung, die lokale Wirtschaft und interessierte Bürger, sie alle werden im Idealfall um den großen runden Tisch versammelt. Das gelingt nicht immer, aber Monika Dening-Müller ist trotzdem zufrieden. „Uns reichen schon ein paar wirklich interessierte und aktive Menschen vor Ort, um etwas in Gang zu bringen“, sagt sie. Neben den Aktionsprogrammen fördert die Klimaschutzagentur Machbarkeitsstudien, wenn eine gemeinnützige oder kommunale, öffentliche Einrichtung beim Bau oder bei der Modernisierung von Gebäuden auf neue, innovative Technologien setzen will, sie berät im Vorfeld beim Bau von Blockheizkraftwerken, sie bietet an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen verschiedene Umweltbildungsprojekte an, sie berät Vereine zu Energiesparmaßnahmen im Projekt „e.coFit“ und bei Modernisierungen im Projekt „e.coSport“, und sie fördert nicht zuletzt bereits seit 2004 den Neubau von Solaranlagen mit dem Wettbewerb „Solare Regionalliga“, bei dem ermittelt wird, welche Kommunen die meisten Solaranlagen in der Region Hannover hat. Der nächste Gewinner wird im kommenden Jahr gekürt. Man darf schon jetzt gespannt sein.
Bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen geht es der Klimaschutzagentur vor allem darum, Impulse für energieeffiziente Investitionen auszulösen. Im Rahmen von „e.coBizz – Energieeffizienz in Unternehmen“ werden umfangreiche Informationen bereitgestellt. Darüber hinaus ist ein qualifizierter Beraterpool jederzeit ansprechbar. Unterstützt wird die Kampagne von Kammern und Verbänden, der regionalen Wirtschaftsförderung hannoverimpuls und natürlich dem enercity-Fonds proKlima. Auch die Kampagne „KWK – Kraft-Wärme-Kopplung“ will den Einsatz effizienter Technologien in der Region befördern. Hinzu kommen Informations- und Fachveranstaltungen für Handwerker sowie Qualifizierungslehrgänge und Workshops für Energieberater. Die Vernetzung und Weiterbildung von Dienstleistern aus dem Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz ist in der gesamten Region nicht nur eine Maßnahme zur Unterstützung der CO2-Reduktion, sie ist nebenbei auch ein wichtiges Element der Wirtschaftsförderung. „Die Leute, das erleben wir immer wieder auf unseren Informationsveranstaltungen, sind inzwischen gut informiert, sie wollen zum Beispiel ein Passivhaus bauen, es gibt diese Nachfrage, sie scheitern aber im nächsten Schritt, wenn sie keinen Bauträger finden, der etwas davon versteht oder weil entsprechend ausgebildete Handwerker fehlen“, sagt Monika Dening-Müller. „Aber auch da sind wir mit dem ‚Netzwerk Modernisierungspartner’ inzwischen auf dem richtigen Weg.“ In diesem Netzwerk haben sich Architekten, Planer, Handwerker sowie Großhandel und Finanzdienstleister zusammengeschlossen, die im Bereich energieeffizientes Bauen und Sanieren klar definierte Qualitätsstandards erfüllen und sich insgesamt dem Klimaschutz verpflichtet haben. Mehr Informationen und eine Liste der Firmen finden sich unter www.modernisierungspartner.de. „Nichts ist schlimmer, als wenn jemand saniert, aber zu wenig macht, beispielsweise eine zu dünne Wärmedämmung einbaut oder lediglich Fenster mit Zweifachverglasung oder keine besonders effiziente Heizung. Das mag augenblicklich den Ansprüchen der EnEV genügen, wird aber schon in ein paar Jahren nicht mehr gesetzlicher Standard sein. Dann allerdings hat er seine Sanierung abgeschlossen, das Geld ausgegeben. Dann bleibt er 30 Jahre auf seinem mickrigen Standard sitzen. Mit dem neuen Netzwerk kann nun wenigstens niemand mehr sagen, er hätte nicht den passenden Handwerker oder Architekten gefunden.“
Direkt an die Menschen in der Region wendet sich die Klimaschutzagentur bereits seit Jahren mit vielen unterschiedlichen Angeboten. „Gut beraten starten“ heißt beispielsweise die Beratungskampagne für Hausbesitzer, bei der in allen 21 Kommunen der Region kostenlos über die Möglichkeiten energieeffizienter Gebäudemodernisierung informiert wird. Mit „Lust auf Solar“ soll der Einsatz von Solartechnik in der Region unterstützt werden, „Heizen mit Holz“ fördert die Vermarktung von Bioenergie aus der Region. Im Fokus der Kampagne „Strom abwärts!“ stehen vor allem Privathaushalte mit kleinen Einkommen. Die kostenlose Beratung in Sachen Stromsparen erfolgt ganz praktisch vor Ort, die neue Steckerleiste und ein paar andere Energiesparhilfen bringt der Berater gleich mit.
Neben all diesen Aktivitäten veranstaltet die Klimaschutzagentur natürlich jedes Jahr einige Feste oder Aktionstage. Vom „Solarfest“, „WindFest“, dem „Aktionstag Erdgasautos“ oder der Messe „EnergieSparTage“ dürfte der aufmerksame Stadtkind-Leser in den letzten Jahren schon mehrfach gehört haben.
Das alles klingt nach viel Arbeit in Sachen Klimaschutz. Und trotzdem ist der Chef der Klimaschutzagentur Udo Sahling in letzter Zeit häufig außerhalb der Region unterwegs. Die Idee der Klimaschutzagentur boomt momentan in anderen Städten. Natürlich steht man auch hier gerne beratend zur Seite, denn schließlich geht es ums Klima, also ums große Ganze. Wer Fragen zum Thema hat, erreicht montags und donnerstags von 9 bis 17 Uhr unter 0511-616 23 977 kompetente Ansprechpartner.
Mehr Informationen gibt es natürlich auch unter
www.klimaschutzagentur.de oder www.klimaschutz-hannover.de.
Klimaschutz als Impulsgeber für die heimische Wirtschaft?
Die Klimaschutzagentur ist also unterwegs in Deutschland und findet in zahlreichen Städten aufmerksame Zuhörer, wenn es um das hannoversche Modell geht. proKlima hat inzwischen europaweit von sich reden gemacht. Hannover scheint ein gutes Pflaster für nachhaltige Ideen zu sein. „Unsere Stadt kann sich durchaus rühmen, ein Vorreiter im Bereich der energieeffizienz- und klimaschutzorientierten, ökologisch ausgerichteten Stadt- und Regionsentwicklung zu sein. Und wenn das das Ergebnis Ihrer Recherche sein soll, kann ich das hiermit nur bestätigen“, sagt auch Gernot Hagemann, Projektleiter Energiewirtschaft bei hannoverimpuls.
Während proKlima eher als Geldgeber fungiert, die Klimaschutzagentur sozusagen das Produkt zu den Menschen bringt und das Kompetenzzentrum für Energieeffizienz dafür verantwortlich ist, wissenschaftliche Forschung an den Hochschulen in der Region Hannover zu koordinieren und zu vernetzen, geht es hannoverimpuls vornehmlich um den Aufbau und den Erhalt wertschöpfender Arbeitsplätze. Natürlich spielen bei diesem letzten Ziel alle vier Akteure gemeinsam in einem Team. Die Klimaschutzagentur befördert die Nachfrage, was in der Region vorrangig dem Handwerk, den Ingenieursbüros und anderen Dienstleistern zugute kommt, denn nur eine gewisse Auswahl an Produkten werden in Hannover hergestellt; proKlima unterstützt diese Nachfrage intensiv mit immensen Mitteln.
Aus Forschung und Wissenschaft entstehen neue Ideen, neue Erkenntnisse, neue Produkte und Dienstleistungen, auf die Unternehmen bei ihren Innovationen zurückgreifen können. Bei der Vernetzung der Wissenschaft in Fragen Energieeffizienz arbeitet das Kompetenzzentrum für Energieeffizienz unter der Leitung von Sven-Frederic Andres an entscheidender Stelle. Die enge Verknüpfung der Wissenschaft untereinander und mit der Wirtschaft, eine Stärkung der Lehre in Hannover und Region im Bereich Energie- und Klimaschutztechnik, ist also ein Muss, wenn man im Cluster Energiewirtschaft künftig Erfolge verzeichnen will. Diesen Erfolg misst hannoverimpuls wie gesagt an der Schaffung neuer Jobs.
Bei der Gründung von hannoverimpuls stand die Energiebranche zunächst nicht auf der To-Do-Liste. Fünf Cluster hatte McKinsey identifiziert, auf deren Entwicklung und Ausbau Hannover setzen sollte: Automotive, Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK), Life Sciences, Optische Technologien und Produktionstechnik. Die Energiewirtschaft blieb zunächst außen vor. Nachvollziehbar, denn zu Zeiten der Studie wurden in der klassischen Energiewirtschaft Arbeitsplätze abgebaut. E.ON hatte gerade erst Teile des Konzernsitzes verlegt, die Stadtwerke bauen seit Jahren Stellen ab. Was man damals unterschätzt hat, war die bevorstehende Dynamik der Entwicklung der Branche im Bereich der regenerativen Energien.
Entsprechend hat man in Hannover 2007 reagiert und sich entschieden, neben den fünf gesetzten Fokusbranchen auch dieses Cluster aktiv anzugehen. Und das bedeutet in erster Linie klassische Netzwerkarbeit. Man muss vor allem die richtigen Menschen und die richtigen Unternehmen zusammenbringen. In der Landeshauptstadt und der Region haben sich mittlerweile zahlreiche Betriebe angesiedelt, die im engeren und weiteren Sinne zur Green Economy gezählt werden können. Zudem werden etablierte Unternehmen wie Windwärts, AS Solar, KraftWerk oder eine Vielzahl von Ingenieurbüros unterstützt, die im Hausbaubereich und im Energieeffizienzbereich für Unternehmen aktiv sind. Ergänzt wird die Branche durch klassische Versorger wie enercity, immerhin eines der zehn größten Versorgungsunternehmen in Deutschland, und E.ON Avacon als Umlandversorger, die beide naturgemäß ein großes Interesse an neuen Projekten im Cleantech-Bereich haben. Zwischen 2.700 und 3.700 Menschen bewegt sich die Zahl derer, die ganz direkt mit der Produktion von Klimaschutzgütern oder mit Diensleistungen in diesem Bereich in der Region beschäftigt sind. Der nun andauernde und grundlegende Strukturwandel in der Energiewirtschaft verspricht weitere Potentiale.
Viel Arbeit für hannoverimpuls. Netzwerke wollen aufgebaut und gepflegt, Förderprojekte und Fördermöglichkeiten im Auge behalten werden. Zur Arbeit gehört selbstverständlich auch der Blick auf die weltweiten Veränderungen und Entwicklungen am Markt. Wo ergeben sich womöglich neue Chancen für ein heimisches Unternehmen? Und bei all dem die klassische und direkte Unterstützung von Neugründungen. Augenblicklich macht sich hannoverimpuls beispielsweise für ein junges Unternehmen stark, das einen anderen, alternativen Baustoff im Bereich Windenergieanlagen einsetzen will. Die TimberTower GmbH wird in absehbarer Zeit Türme aus Holz für Großwindanlagen bauen. Eine Demoanlage soll nachweisen, dass der neue (gute alte) Baustoff funktioniert. Wie groß das Potential eines erfolgreichen Testlaufs sein könnte, lässt sich mit wenigen Argumenten nachzeichnen. Zunächst ist der Windenergiemarkt ein nach wie vor extrem stark wachsender Markt. Gerade im Binnenland, wo der Wind nicht so einfach zu ernten ist, braucht man möglichst hohe Türme (deren Bau mit dem neuen Material durchaus möglich ist). Viele solche Standorte werden gerade erst erschlossen. Außerdem ist Holz leichter als die herkömmlichen Baustoffe. Windkraftanlagen dieser neuen Generation werden also einfacher zu transportieren sein, mit entsprechenden Kostenvorteilen für die Kunden. Darüber hinaus spielt Holz als Hochleistungswerkstoff bisher kaum eine Rolle. Wenn die Nagelprobe in der Windenergie mit ihren dynamischen Belastungen bestanden wird, ergeben sich für diesen Baustoff möglicherweise noch ganz andere Perspektiven, beispielsweise im Hochbaubereich oder bei Hochspannungsleitungen. Und es geht noch weiter: Niedersachsen hat bereits eine starke Holzindustrie, sie könnte ihr Produkt womöglich ganz neu verarbeiten und anbieten. Wer weiß, vielleicht entsteht vor den Toren der Stadt irgendwann eine Fabrik, die ihren Rohstoff aus der Region bezieht und die gute Verkehrsanbindung für den weltweiten Handel nutzt. So ergeben sich theoretisch Wertschöpfungsstufen, die mit dem reinen Klimaschutzbereich am Ende kaum noch Berührungspunkte haben. Diese Potentiale zu erkennen und bei den richtigen Akteuren anzusprechen, das ist dann in der Tat übergreifende Clusterentwicklung. Gernot Hagemann formuliert seine Funktion im Hinblick auf die Ziele zur CO2-Reduktion in Hannover mit einem Augenzwinkern so: „Es kann durchaus sein, dass durch meine Aktivitäten am Ende mehr CO2 in der Region erzeugt wird, weil hier Unternehmen vielleicht Produkte realisieren, die allerdings global helfen, den CO2-Ausstoß zu senken.“
Ist man in Hannover seiner Zeit schon zu weit voraus?
Hannover macht also tapfer seit vielen Jahren seine Hausaufaufgaben im Bereich Energieeinsparung, Energieeffizienz und CO2-Einsparung und hat nun auch die wirtschaftlichen Potentiale im Bereich der regenerativen Energien erkannt. Eigentlich müsste man bei dieser Erfolgsgeschichte doch geradezu prädestiniert sein, zum Beispiel einen Wettbewerb wie den zur „European Green Capital 2011“ zu gewinnen. Gewonnen hat allerdings Hamburg. Auch bei der Ausschreibung des Bundesverkehrsministeriums zum Thema Elektromobilität im vergangenen Jahr fehlt Hannover. Acht Modellregionen Elektromobilität in Deutschland hatte man gesucht – und Hannover nicht gefunden. Mag man uns nicht? Sind wir am Ende die Streber, die niemand an Bord haben möchte? Beim Wettbewerb Bundeshauptstadt Klimaschutz, ausgelobt vom Bundesministerium für Umweltschutz, landete Hannover bisher ebenfalls immer nur auf den Plätzen. Sind wir gar nicht so weit vorne, wie wir denken?
Nach genauer Analyse der Wettbewerbsbedingungen und eingereichten Projekte ergibt sich eine andere Antwort: Wir sind wahrscheinlich schon ein Stückchen zu weit. Hannover hat das Problem der sogenannten „Early Actions“. Da wird bei solchen Ausschreibungen dann unter anderem gefragt, welche Initiativen es seit 2000 oder 2005 gegeben hat. Oder im vergangenen Jahr. Alles, was die Akteure in der Region, beispielsweise proKlima, vor diesem Zeitpunkt unternommen haben, fällt dann mal eben aus der Wertung. Hannover startet bei solchen Wettbewerben auf einem relativ hohen Niveau, doch allzu oft geht es eher um jüngere Aktivitäten. Wenn bei der CO2-Einsparung bereits lange zuvor Maßnahmen erfolgreich waren, kann man mit der jüngeren Vergangenheit nicht mehr so stark glänzen. Oder anders gesagt: Wir befinden uns bereits in der Feinjustierung, während andere gerade erst anfangen, die ganz großen Räder zu drehen.
Trotzdem, und darin sind sich alle Akteure im Bereich Klimaschutz in Hannover einig, darf man sich gerade jetzt nicht zurücklehnen oder resignieren, weil immer wieder Zuschüsse für den Klimaschutz ausgerechnet nicht in der Region landen. Steht zu befürchten, dass sich das Verhältnis irgendwann umdreht und Hannover den Anschluss verliert? Statt darüber zu spekulieren, sollte man sich auf die eigenen Stärken besinnen. Zum Beispiel beim Thema Elektromobilität. Kommt man mit dem Major-Player Volkswagen ins Gespräch? Gewinnt man Conti zu einer Projektteilnahme? Kann der Aufbau einer Modellregion ohne Fördertöpfe überhaupt gelingen?
„Das gilt es jetzt herauszufinden“, sagt Gernot Hagemann. „Ich bin zuversichtlich, tatsächlich die relevanten Unternehmen zusammenzubringen, die großen Akteure, nicht nur der Automobil- oder der Zulieferer-Industrie. Auch ein Energieversorger bzw. Netzbetreiber muss mit an Bord sein, um die notwendige Infrastruktur bereitzustellen, die typischen Ladesäulen einzurichten. Unter diesen Voraussetzungen gelingt ein sinnvolles Konzept, dass die Unternehmen und die Anwender gleichermaßen begeistert.“ Aber das sind dicke Bretter, die man da bohren muss. Und dicke Bretter brauchen Zeit. Zeit, die Hannover in diesem Falle nicht wirklich hat.
Die Windwärts Energie GmbH
Auf die Stärken besinnt man sich in diesen Tagen auch bei der Windwärts Energie GmbH. Natürlich beobachtet man mit Sorge die aktuelle Diskussion um die Solarenergie. Norbert Röttgen (CDU) will Einschnitte bei der Vergütung des umweltfreundlichen Sonnenstroms von bis zu 25 Prozent. Das öffentliche Gerangel richtet gleich in zweierlei Hinsicht Schaden an. Zunächst könnten sich Hausbesitzer nun von der Idee verabschieden, Solaranlagen auf ihren Dächern zu installieren, obwohl die Kürzungen Dachanlagen weniger betreffen. Und das wäre in Sachen CO2-Reduktion für Hannover kein kleiner Rückschlag. Zum Zweiten werden viele Unternehmen die Pläne für die von den Kürzungen betroffenen Freiflächenprojekte nun wohl ganz unten in die Schublade legen, denn bei einem solch drastischen Einschnitt sind die Anlagen schlicht nicht wirtschaftlich. Kritisiert wird vor allem die geplante sehr kurzfristige und radikale Kürzung. Gegen eine moderate und langfristig angelegte Degression hätte die Branche gar nichts einzuwenden. Überall in Deutschland versuchen Unternehmen nun zu retten, was zu retten ist und legen es darauf an, ihre geplanten Projekte noch vor der Kürzung zu realisieren. Auch bei Windwärts drückt man aufs Tempo, denn Planungen kosten Geld, sind Investitionen, die natürlich nicht umsonst sein sollen.
Insgesamt blickt das Unternehmen, das gerade räumlich aus allen Nähten zu platzen droht und demnächst auf das alte Hanomag-Gelände ziehen wird, aber eher gelassen auf die öffentliche Debatte. Die Branche hat gezeigt, dass sie kreativ ist und auch mit schwierigen Situationen umgehen kann. Angefangen hat bei Windwärts alles 1994 mit fünf Leuten, die sich zusammengefunden hatten, um in Laatzen eine erste Windkraftanlage zu realisieren. Man machte sich also an die Planung eines Bürgerwindparks. Die Beteiligung der Menschen in Laatzen war dabei nicht allein Finanzierungsmodell, sondern Ausdruck einer ganz grundsätzlichen Philosophie. Stromerzeugung nicht in großen, zentralen Kraftwerken, sondern direkt mit den Menschen vor Ort, die mit ihrer Beteiligung gleichzeitig Eigentümer werden. Das Interesse war bundesweit groß. Derart groß, dass man recht schnell dazu überging, gleich noch eine zweite Anlage am gleichen Standort zu planen. Letztlich kam noch ein weiterer Standort hinzu, und man realisierte insgesamt fünf Anlagen.
Ein erfolgreicher Start, der gar nicht so selbstverständlich war. Zu jener Zeit waren die Banken und größere Investoren noch überaus skeptisch. Alle Projekte wurden darum über geschlossene Fonds mit einer Vielzahl von Gesellschaftern finanziert, die sich anfangs oft aus Idealismus und nur mit kleinen Beträgen beteiligten. Ohne diese vielen privaten Anleger der ersten Jahre, so sagt Windwärts heute, wäre die Entwicklung des Unternehmens in dieser Form kaum denkbar gewesen.
Bereits 1995/96 stellte Windwärts die ersten Leute ein und expandierte. Neue Projekte, neue Standorte, schon beim zweiten Projekt gekoppelt mit Photovoltaik. Bis heute hat das Unternehmen Projekte mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 270 Millionen Euro entwickelt und 124 Windenergie- sowie 24 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 215 Megawatt in Betrieb genommen. Das entspricht dem Strombedarf von rund 151.000 privaten Haushalten. Man zählt augenblicklich 70 Mitarbeiter, die nächsten Stellenauschreibungen laufen bereits. Jobmaschine regenerative Energien. Wer das nicht glaubt, sollte mal einen Blick auf www.greenjobs.de werfen. Man bekommt dort recht schnell einen Eindruck, welches Potential in dieser Branche liegt.
Doch wie gesagt, ganz so einfach war die Erfolgsgeschichte nicht. Die Vorurteile, die im Zuge der aktuellen Diskussion gerade wieder in aller Munde sind, sie begleiten Windwärts bereits seit der Unternehmensgründung. Wissentlich oder unwissentlich kommt seit Jahren immer das gleiche. Michael Fuchs (stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSUBundestagsfraktion) spricht beispielsweise gerne von „Vogelschredderanlagen“ (Windkraft) und „Subventionsgräbern“ (Solarzellen). „In den zwölf Jahren, in denen ich Windmühlen betreue, plane und baue, habe ich einen einzigen toten Vogel unter einer Anlage gesehen, der offensichtlich von einem Flügel getroffen worden ist.“, sagt Christian Witzsche von Windwärts. „Und bei den Kürzungen, um die gerade gestritten wird, geht es nicht um Subventionen aus dem Staatshaushalt. Die Umlage, mit der erneuerbare Energien gefördert werden, zahlen die Verbraucher direkt über ihre Stromrechnung. Circa 3 Euro pro Monat für einen 3-Personen-Haushalt“, ergänzt Björn Dosdall. Für die beiden sind das alles ganz alte Hüte. Die Lautstärke wird immer wieder als Gegenargument angeführt, doch mit dem Abstand zwischen 750 und 1000 Metern zum nächsten bewohnten Haus hat sich dieses Thema genauso erledigt wie der „bedrohliche“ Schattenwurf. „Anlagen mit einer Höhe von über 100 Metern haben nachts ein Signallicht, aber das ist wirklich alles“, sagt Christian Witzsche. Ganz eifrige Kritiker behaupten auch immer noch, dass die Windenergie insgesamt nicht funktioniert. Immer wieder errechnen Ingenieure, dass es gar nicht funktionieren kann und stellen ihre Erkenntnisse gerne im Internet in entsprechende Foren. „Wir haben heute über 21.000 Anlagen in Deutschland mit weit über 25.000 Megawatt Leistung. Das ist einfach nicht mehr wegzudiskutieren. Der Strom ist im Netz. Und sein Anteil wächst“, so kommentiert das Björn Dosdall.
In der Tat wird in der Auseinandersetzung um die „grünen“ Energien viel Unsinn in die Welt gesetzt. Immer weniger laut, so sagen die Mitarbeiter von Windwärts, aber es bleibt trotzdem ärgerlich. Vor allem, wenn die regenerativen Energien als viel zu teurer Spaß dargestellt werden, die den Steuerzahler Millionen kosten, während man im gleichen Atemzug die Atomenergie als günstigere Alternative preist.
Fakt ist, dass die Atomenergie in der Vergangenheit mit Milliarden staatlicher Zuwendungen aufgebaut worden ist.
Auch Sonderregelungen, ja eigene Gesetze hat es für die strahlende Zukunft gegeben. So brauchen Atomkraftwerksbetreiber bis heute keine Haftpflichtversicherung. Sie sind per Gesetz von dieser Pflicht befreit. Müllgebühren müssen sie ebenfalls nicht bezahlen, und eine Zeit lang waren sie auch von der Versteuerung ihrer Rücklagen befreit. Würde man all das auf den Strompreis anrechnen, läge man so etwa bei 1,50 Euro pro Kilowattstunde.
Vielleicht sollte die Bundesregierung mal in Hannover anrufen, und sich über die eine oder andere gute Idee „Made in Hannover“ informieren. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Fonds nach dem Modell proKlima? Das wäre jedenfalls weitaus sinnvoller, als über Subventionen zu diskutieren, die keine sind. „Ich persönlich halte eine Investition in regenerative Technik, die durchaus nach dem EEGUmverteilungssystem funktioniert, die uns heute zwingt, möglicherweise ein wenig mehr für Energie zu bezahlen, für sinnvoll und angemessen, allein weil diese Investition auch in die heimische Volkswirtschaft einzahlt, in das heimische Handwerk, in heimische Produktion von Anlagentechnik. Das erscheintmir weitaus besser, als sich in der trügerischen Sicherheit zu wähnen, dass Energie unbegrenzt verfügbar ist, wo wir sie doch zum größten Teil importieren, zumindest die fossile Energie“, sagt Gernot Hagemann. Besser kann man es wohl kaum auf den Punkt bringen.
Lars Kompa, Fotos: Windwärts Energie GmbH





