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	<title>STADTKIND - hannovermagazin &#187; hauskritik</title>
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		<title>rocky horror show, opernhaus</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 12:58:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Let's do the time warp again!“ Für rund zwei Wochen herrscht Ausnahmezustand im Opernhaus, denn die Neuinszenierung von Richard O'Briens „Rocky Horror Show“ gastiert in Hannover und verwandelt die Bretter, die die Welt bedeuten, in Dr. Frank N. Furters Schloss der Lüste – und zwar mit allem was dazu gehört.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2012/01/36-89_SK_August_2011_7214.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-14739" title="rocky horror show" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2012/01/36-89_SK_August_2011_7214-300x208.jpg" alt="" width="300" height="208" /></a>„Let&#8217;s do the time warp again!“ Für rund zwei Wochen herrscht Ausnahmezustand im Opernhaus, denn die Neuinszenierung von Richard O&#8217;Briens „Rocky Horror Show“ gastiert in Hannover und verwandelt die Bretter, die die Welt bedeuten, in Dr. Frank N. Furters Schloss der Lüste – und zwar mit allem was dazu gehört.</p>
<p>Das burleske Rock-Musical ist längst Kult und die Story ein Klassiker. Für alle, die der englischen Sprache aber nicht ganz mächtig sind, fasst der ehemalige „Lindenstraße“-Schauspieler Klaus Nierhoff als sogenannter Narrator die Zusammenhänge kurz zusammen: In einer stürmisch regnerischen Novembernacht suchen die jungen Verlobten Brad Majors (Jon Hawkins) und Janet Weiss (Daisy Wood-Davis) nach einer Reifenpanne Hilfe bei den Bewohnern eines nahe gelegenen Schlosses. Doch statt der erhofften Gelegenheit zum Telefonieren begegnet ihnen reichlich Unerwartetes: Der exzentrische, außerirdische Wissenschaftler Dr. Frank N. Furter (Rob Fowler) aus der Galaxie Transylvania präsentiert seinen Mitbewohnern in dieser Nacht seine neueste und bisher größte Schöpfung: das platinblonde, Retortenwesen Rocky (Sam Cassidy) samt Waschbrettbauch, das Frank N. Furter in erster Linie zur Befriedigung seiner sexuellen Gelüste erschuf. Die frisch Verlobten werden unfreiwillig Zeugen dieser Enthüllung. Doch damit nicht genug: In der Nacht verliert nicht nur Rocky die Unschuld, sondern auch die beiden Backfische Brad und Janet, die kurzerhand ihre rigiden Wertvorstellungen über Bord werfen. Das Spektakel endet in einer sexuellen Revolte, die in Frank N. Furters Entmachtung und der Rückkehr der übrigen Aliens zu ihrem Heimatplaneten mündet, während Brad und Janet um einige sexuelle Erfahrungen reicher sind und noch einmal ungeschoren davon gekommen sind &#8230;</p>
<p>Skurrile Kostüme, wilde Stroboskop-Lichter, kraftvolle Stimmen, eine Liveband und Glamrock-Hits wie „The Time Warp“ und „Sweet Transvestite“ verwandeln die „Rocky Horror Show“ in ein großes Partyevent. Echte Fans genießen nicht nur die Show, nein, sie zelebrieren sie! Je schriller, desto besser. Im Opernhaus sind rot-schwarze Strapse, High Heels, Smokey Eyes und Korsagen zu sehen. Weitere Utensilien stellt der Merchandise-Stand für nur 9,90 Euro bereit: Das obligatorische Fanbag umfasst eine Wasserpistole für den simulierten Regen, eine Zeitung als Regenschirmersatz, Konfetti für die Hochzeitszeremonie, Labor-Handschuhe, Toilettenpapier, eine Gebrauchsanweisung für „Rocky Horror“-Neulinge und vieles mehr, um mittendrin – statt nur dabei – zu sein.</p>
<p>Rund 20 Millionen Menschen haben das schräge Märchen für Erwachsene seit seiner Uraufführung 1973 in London erlebt. Auch in Hannover haben wieder einige „Rocky Horror“-Jungfrauen ihre Unschuld verloren. Während das Musical einst mit seiner bizarren Atmosphäre gegen die damaligen Konventionen verstieß, kann es heute neben schrillen Outfits von Stars und Sternchen wie Christina Aguilera und Olivia Jones kaum schockieren. Wobei die beiden Letztgenannten doch recht bieder wirken, wenn man sie mit Brads schwarzer Nippel-Bekleidung vergleicht. „Schwarz“ bleibt auch das Motto der folgenden Nacht: Als die verkleideten „Rocky Horror“-Fans den Saal verlassen, gibt es einen Stromausfall, der Hannovers Innenstadt für mehr als dreißig Minuten lahmlegt. Ob da wohl Dr. Frank N. Furter seine Lustfinger mit im Spiel hatte? Wir werden es wohl erst in den Geburtsanzeigen in neun Monaten erfahren! Abschließend bleibt nur noch eins zu sagen: „Hot patootie, bless my soul, I really love that rock&#8217;n'roll!“</p>
<p><strong>Anna Pakosch</strong></p>
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		<title>der sturm, gartentheater</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 12:53:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Mein Bruder Berluscono – hör mich an! Ach, dass ein Bruder so ein Schuft sein kann! Er, den ich liebte, fast wie dich, nahm mir das Reich, verjagte mich.“ Prospero (Bernd Tauber) hat nicht viel zu lachen: Einst war er der rechtmäßige König von Borkum, aber sein listiger Bruder Berluscono]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2012/01/36-89_SK_August_2011_7212.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-14733" title="Der Sturm" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2012/01/36-89_SK_August_2011_7212-300x209.jpg" alt="" width="300" height="209" /></a>„Mein Bruder Berluscono – hör mich an! Ach, dass ein Bruder so ein Schuft sein kann! Er, den ich liebte, fast wie dich, nahm mir das Reich, verjagte mich.“ Prospero (Bernd Tauber) hat nicht viel zu lachen: Einst war er der rechtmäßige König von Borkum, aber sein listiger Bruder Berluscono (Steffen Häuser) nahm ihm die Inselherrschaft ab. Vom Fiesling ins All geschossen, ist der friesische Adlige mit seiner Tochter Mirakula (Milica Jovanovic) von nun an dazu verdammt, sein Leben auf dem Planeten Textura zu verbringen. Hier herrscht Prospero nur über zwei Untertanen: Über seine rechte Hand, den Luftgeist Ariel (Sebastian Strehler), sowie über Caliban (Jörg-Heinrich Benthien), ein zotteliges und widerspenstiges Wesen, das sich selbst von seinem Herren um seine Insel betrogen fühlt. Die beiden sollen Prospero dabei helfen, seine Lebensrechnung zu begleichen. Doch das Schicksal ist ihm gnädig und spielt ihm eine friesische Weltraumexpedition mit all den alten Feinden in die Hände &#8230;</p>
<p>„Mayday! Mayday! S.O.S.! Kann mich jemand hören? Der Lichtsturm nimmt an Stärke zu! Er wird das Schiff zerstören!“, schallt es aus dem silbern-spacigen Raumschiff, das kurz darauf auf Textura notlandet. Unter den friesischen Insassen befindet sich nicht nur Ferdinand (Manuel Steinsdörfer), seines Zeichens der Sohn des Königs Alonso von Baltrum (Willi Schlüter), sondern auch Prosperos Bruder Berluscono. Das stinkt nach gewaltigem Ärger! Ferdinand und Mirakula verlieben sich auf den ersten Blick und Berluscono macht gemeinsame Sache mit Caliban: „Das Gewissen, das Gewissen wird sich wohl mal ducken müssen wie die Leber, kommt der Alkohol. Das Gewissen, musst du wissen, hab ich einfach weggeschmissen, in der Frage bin ich innen hohl“ – eine Flasche Rum und Caliban wechselt zum feindlichen Lager über. Doch Prosperos Pechsträhne wird ein Ende haben: „Du hast dich infiziert, du junger Stier. Wer ist schon gegen Liebesglut immun, die gönn ich dir.“ Mithilfe Ariels gelingt es ihm, das junge Liebespaar zu vermählen, den Mordkomplott Calibans gegen ihn aufzudecken und seine Gegner zur Reue zu bringen. Wenn es eins gibt, dass die Friesen vereint, dann ist es die Liebe zur Musik. So schafft es auch Prospero, seinem Bruder zu vergeben und  Ariel und Caliban aus ihrer Herrschaft zu entlassen.</p>
<p>„Der Sturm“ ist nach „Ein Sommernachtstraum“ und „Kleider machen Liebe oder Was ihr wollt“ die dritte Shakespeare-Musical-Adaption des Erfolsduos Heiner Lürig und Heinz Rudolf Kunze. Außer einer tollen Kulisse und fantastischen Requisiten wie der überdimensionalen Blechdose als Raumschiff und den komischen Kostümen der Space-Friesen überzeugt das Stück vor allem mit viel Musik: Vierundzwanzig sauber gereimte Popsongs, die sich um Liebe, Macht, Verrat, Rache und Vergebung drehen sind zu hören. In den Liedern geht es um Themen, die bereits vor 400 Jahren aktuell waren, als Shakespeare sein Werk schrieb. „Der Sturm“ gilt übrigens als sein letztes Stück. Die Hauptfigur Prospero habe Ähnlichkeit mit Shakespeare, der am Ende seiner Schaffenszeit steht, sagen Experten. Lürig und Kunze schaffen es, Prospero ein vitales Leben zu geben. Die Kulisse ist kreativ, und die Kostüme sind modern. Das Theaterstück wird als boulevardeskes Science-Fiction-Musical in Szene gesetzt. Mit Shakespeare hat das zwar wenig zu tun. Die Rechnung geht aber auf: Am Ende gibt’s satten Applaus!</p>
<p><strong>Anna Pakosch</strong></p>
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		<title>la piaf, opernhaus</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 11:35:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<description><![CDATA[40.000 Menschen drängten sich auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise, als Edith Piaf dort im Oktober 1963 beerdigt wurde. Die 1,47 Meter große Sängerin war schon damals, im Alter von 47 Jahren, eine Legende...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011_729.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-13368" title="la piaf" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011_729-300x140.jpg" alt="" width="300" height="140" /></a>40.000 Menschen drängten sich auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise, als Edith Piaf dort im Oktober 1963 beerdigt wurde. Die 1,47 Meter große Sängerin war schon damals, im Alter von 47 Jahren, eine Legende. Der unsterbliche Ruhm der Französin gründet auf Chansons wie „La vie en rose“. Mit ihrem Gesang konnte sie ihre Gefühle am besten ausdrücken, er spiegelt das Drama ihres Lebens wider. Als Tochter eines Akrobaten und einer Sängerin wuchs die Piaf teils im Milieu, teils im Zirkus auf. Im Alter von 15 Jahren verdiente sie ihr Geld als Straßensängerin und im Varieté. Auch nach ihrem Durchbruch in den 30er Jahren blieb ihr Leben unbeständig. Die Sängerin hatte gesundheitliche Probleme, hinzu kamen Alkohol- und Drogenexzesse. Die große Liebe blieb ihr versagt. Zwar gab es zahlreiche Affären und unglückliche Liebschaften. Aber der Boxer Marcel Cerdan, den sie zügellos begehrte, starb 1949 bei einem Flugzeugabsturz. Die Piaf machte sich ein Leben lang Vorwürfe, weil sie ihn gebeten hatte, die Unglücksmaschine zu nehmen &#8230;</p>
<p>Das Ballett „La Piaf“ erzählt die Geschichte der kleinen Frau mit der großen Stimme. Starchoreograf Mauro Bigonzetti setzt mit seiner Inszenierung auf die Macht bewegender Bilder: die Rose, mit der alles beginnt, das Kind, das danach greift, der Clown, der dem Mädchen den Teddy wegnimmt, und die verrucht gekleidete Frau, die auf dem Puppenklavier spielt. Die Piaf hat viele Gesichter, und folgerichtig verkörpern mehrere Tänzerinnen ihre Rolle. Im Zentrum steht eine sinnliche und leidenschaftliche Frau, die sich verausgabt, taumelt, fällt, einsam ist – und um Liebe und Anerkennung kämpft. Die Tänzer setzen Gefühle wie Schmerz, Sehnsucht, Begehren, Eifersucht und Wut in Bewegung um und zeigen verschiedene Stationen von Piafs Leben. Sie tragen schlichte Kostüme und tanzen zu Musik von Maurice Ravel, Eric Satie, Gabriel Fauré, Jules Massenet und Edith Piaf. Monoeinspielungen von Chansons klingen wunderbar altmodisch – so, als stehe ein Grammophon auf der Bühne. Die Inszenierung ist temperamentvoll, das Bühnenbild spartanisch und die Beleuchtung raffiniert. Es gibt ausdrucksstarke Solodarbietungen und temporeiche Gruppensequenzen mit modernem Tanz, die an ein Musical erinnern. Beeindruckend sind die artistischen Pas de deux – die Szenen, in denen sich ein Tänzer und eine Tänzerin behutsam nähern, im Taumel des Glücks miteinander flirten, spielen, kämpfen, sich anziehen und wieder abstoßen: Der ewige Tanz um Liebe und Begehren ist ein Kampf – dies drückt die Körpersprache der Agierenden aus. Großartig ist auch ein Solo mit einer taumelnden Tänzerin, die eine Flasche in der Hand hält. Sie torkelt, bewegt sich aber dennoch ganz hinreißend im Takt, ohne zu fallen. So schnell lässt sie sich nicht unterkriegen – sie ist eben ganz die Piaf!</p>
<p>Zum Schluss regnen rote Rosenblätter vom Theaterhimmel, die im Scheinwerferlicht glitzern und sich auf die Häupter der Tänzer legen. Das Bild ist kitschig, aber stimmig – es passt zur französischen Diva. Das Niedersächsische Staatsballett erntet stürmischen Applaus für die hervorragende Leistung. Dennoch ist es sehr schade, dass die bekanntesten Piaf-Chansons nicht zu hören waren. Mag sein, dass der Chefchoreograf mit Begriffen wie Pathos und Popularität wenig anfangen kann. Aber wer ein Tanztheater mit dem Titel „La Piaf“ auf die Bühne bringt und Lieder wie „La vie en rose“ und „Non, je ne regrette rien“ nicht in die Inszenierung einbezieht, verkennt die Verve von Edith Piaf mit allen Höhen und Tiefen.</p>
<p><strong>Simone Niemann</strong></p>
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		<title>semele walk, galerie herrenhausen</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 11:31:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[The lady is a punk! Zur Eröffnung der KunstFestSpiele wurde in diesem Jahr Mode von Vivienne Westwood in der Galerie Herrenhausen gezeigt. Händels Oratorium „Semele“ war der Ausgangpunkt für ein grandioses Musiktheater, bei dem Haute Couture und Punk sich begegneten und ein Mythos auf eine lebende Legende traf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011_728.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-13364" title="semele walk" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011_728-300x271.jpg" alt="" width="300" height="271" /></a>The lady is a punk! Zur Eröffnung der KunstFestSpiele wurde in diesem Jahr Mode von Vivienne Westwood in der Galerie Herrenhausen gezeigt. Händels Oratorium „Semele“ war der Ausgangpunkt für ein grandioses Musiktheater, bei dem Haute Couture und Punk sich begegneten und ein Mythos auf eine lebende Legende traf.</p>
<p>Das diesjährige Motto des Festivals lautet „Entfesselte Welten“. Dabei geht es um zügellose Entgrenzung, um rauschhafte Exzesse, die sowohl produktiv als auch schädlich sein können. Die musik-theatrale Performance „Semele Walk“ setzt entfesselte Leidenschaften in Szene. Laut griechischer Mythologie verliebt sich Semele in Zeus, der ihr als Sterblicher erscheint. Im Liebeswahn fordert sie ihren göttlichen Geliebten auf, sich in seiner wahren Gestalt zu zeigen und verbrennt alsbald in seinem gleißenden Licht. Doch aus der Asche der Semele wird eine Frucht gerettet: Dionysos, der Gott des Rausches und der Ekstase. Händels Oratorium nimmt Bezug auf diesen Mythos und gleichzeitig auf die ausschweifenden Sitten am Londoner Hof um 1714. Zu Gehör gebracht wird das Stück von Aleksandra Zamojska (Sopran) als Semele, Armin Gramer (Countertenor) als Zeus, dem Solistenensemble Kaleidoskop und dem Norddeutschen Figuralchor. Die Musiker tragen wie die Models Couture von Vivienne Westwood und laufen über den Catwalk.</p>
<p>Die Modemacherin ist zwar nicht persönlich zugegen, aber ihr Geist schwebt über allem, der Geist von Provokation und Extravaganz – Punk und Barock. Wer diesen Geist ignoriert, kommt doch nicht um ihn herum, weil Westwoods Mode ihn sichtbar macht: Auf dem Laufsteg wird die Entfesselung der Stile zelebriert. Grotesk überschminkte Models mit Turmfrisuren, Perücken, Clownsgesichtern und rotbemalten Lippen tragen Kleidung und Haute Couture aus den Westwood-Kollektionen 2010 und 2011/2012. Nieten, Halsbänder, Teufelshörner, Bondage, Leder, Uniform, zerrissene Shirts, knallbunte Strümpfe und Schottenröcke treffen auf barocke Roben, Stiefeletten mit Goldpailletten, Tüll und viel Pomp. Die Mode bricht mit Konventionen und haut ins Auge. Die Outfits sind schrill, die Schnitte asymmetrisch, Barock und Punk mischen sich. Das Ergebnis ist ein kontrastreiches Sample von Tradition und Moderne, das zeigt, wie berauschend und verführerisch es ist, wenn These und Antithese sich treffen. Einige Kleider sind zu üppig, zu groß oder zu eng, mal hängt was raus, mal werden Körperteile eingezwängt. Die Haare der Models sind zerzaust, der Lippenstift verschmiert, und einige sehen so aus, als hätten sie die Nacht durchgemacht.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011-1_722.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13365" title="semele walk" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011-1_722-300x271.jpg" alt="" width="300" height="271" /></a>Dennoch hat diese Präsentation nichts mit Natürlichkeit oder der „Zurück zur Natur“-Mentalität der Hippies zu tun. Der Körper wird von Westwood zum Kunstwerk stilisiert. In den 70er Jahren wurde die Britin als Schöpferin der Punk-Mode berühmt. Ihr Ex-Mann ist Malcolm McLaren, ehemaliger Manager der Sex Pistols. Die Punks negierten alte Werte und zelebrierten das Hier und Jetzt mit Parolen wie „Life fast, die young“. In Abgrenzung zu den Hippies ging es um Härte, Individualität und Selbstbehauptung – um die laute Inszenierung und die Lust am Leben mit ausgestrecktem Zeigefinger. Diese Philosophie spiegelt sich in den Kreationen von Westwood wider, die sich Ende der 70er Jahre von Punk abwendete und seitdem historische Stile in ihre Mode einbezieht. Geblieben ist eine Aussage, die an das Vanitas-Motiv des barocken Zeitalters anknüpft: Wir leben jetzt, wir haben nur ein Leben und wollen es bis zur Grenze auskosten, denn wir sind sterblich. Diese Worte könnten von einem Philosophen der Renaissance stammen, aber auch von einem Punk. Westwood greift das Vanitas-Motiv auf. Mode muss leben, aber sie ist auch ein künstliches Produkt – als Ausdruck für den Überfluss in der Natur ist sie unsere bizarre zweite Haut.</p>
<p>Während Westwoods Models unbeirrbar über den Catwalk schreiten, irrt Semele zwischen ihnen herum, beschwört ihren Geliebten und singt betörende Arien. Sie kann den herkömmlichen Gang der Dinge nicht akzeptieren, sie bringt alles durcheinander, sie ist außer sich und in Ekstase. Als der göttlich Schöne erscheint und seine Stimme erhebt, ist es um Semele geschehen &#8230; Aber der Rausch beginnt jetzt erst: Die Musik kommt – und zwar gewaltig! Dionysos – Bacchus – ist da, und ein Ruck geht durch die Gemeinde. „Oh, ecstasy of happiness!“ Auf dem Laufsteg übernehmen nun die Musiker das Kommando. In Jeans und mit Stirnband gebärden sie sich wie Jimi Hendrix und schließen ihre klassischen Instrumente an Mini-Verstärker an (auch so ein ironischer Stilbruch). Der Schlusschor huldigt Bacchus. Jedem Wesen mit Ohren am Kopf laufen spätestens bei diesem grandiosen Finale wohlige Schauer über den Rücken: Der apollinische Genuss gleicht dem dionysischen Rausch, ist aber zum Glück nicht so gefährlich (siehe Semele). Fazit: Westwood, Händel, erstklassige Künstler und die Galerie Herrenhausen – das ist eine royale Fusion –, stehende Ovationen für diese überirdisch gute, mithin „göttliche“, Inszenierung von Ludger Engels, die mehr als ein Herz und eine Krone verdient!</p>
<p><strong>Simone Niemann</strong></p>
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		<title>schlaaand! isch hab heimat, theater in der list</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 11:24:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
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		<description><![CDATA[Was im Titel nach einer Fortsetzung der WM klingt, ist eine beeindruckende Theaterinszenierung rund um die Suche nach Heimat, Werten und Identität von Tim von Kietzell. Hier sind die Bären los! Sie tanzen vergnügt zur Musik des Bassisten Mario Ehrenberg-Kempf miteinander, als ob es kein Morgen gäbe]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011_727.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13360" title="schlaaand!" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011_727-300x272.jpg" alt="" width="300" height="272" /></a>Was im Titel nach einer Fortsetzung der WM klingt, ist eine beeindruckende Theaterinszenierung rund um die Suche nach Heimat, Werten und Identität von Tim von Kietzell. Hier sind die Bären los! Sie tanzen vergnügt zur Musik des Bassisten Mario Ehrenberg-Kempf miteinander, als ob es kein Morgen gäbe. Erst, als es an der Zeit ist, sich aus dem Fell zu befreien, wird etwas deutlich: Und zwar, dass die Bärengemeinschaft sich gar nicht so ähnlich ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. „Willkommen in Deutschland, im Staat der Rechtsordnung, der Pünktlichkeit, der Sauberkeit und der Tradition.“ Die Bären entpuppen sich als Darsteller unterschiedlicher Herkunft: Bohdan Swiderski stammt aus Polen, Natalia Milovanova aus Russland und Uwe Teuw Mamadou Diedhiou aus Senegal. Nur Inka Grund ist gebürtige Deutsche. Die drei Immigranten haben etwas gemeinsam, wie jetzt Inka Grund, geschlüpft in die Rolle der  deutschen Moderatorin, zusammenfasst: „Sie alle haben einen Neuanfang gewagt und sich zu diesem Integrationskurs entschlossen.“</p>
<p>Abgefragt werden zunächst Nomen mit weiblichen, männlichen und sachlichen Artikeln, die von den Kursteilnehmern klischeehaft aufgesagt werden: „Die vergessene Pille“, „die Abtreibung“, „der Lustbereiter“, „der Autobesitzer“, „das Kind“ und „das Spielzeug“ heißen einige der Begriffe. Das Ganze mündet in einer ironischen Diskussion rund um die Frage, wie Deutschland eigentlich ist, während man sich beim Nummernziehen auf dem Amt trifft: „Deutsche haben die höchsten Cholesterinwerte“, heißt es von russischer Seite. „Es ist vor allem ein Land voller Verkehrsschilder.“ Und weiter: „Die Nachbarn respektieren einen mehr, wenn man zumindest ein Reihenhaus mit Vorgarten besitzt“, heißt es aus männlicher Umgebung. Aber bedeutet ein eigenes Haus automatisch ein Stück Heimat?</p>
<p>Worum es wirklich geht, wird spätestens klar, als die Darsteller ihre persönlichen Schicksale poetisch offenbaren: „Als ich nach Deutschland kam, war es, als hätte mir jemand die Zunge abgeschnitten“, „Heimat ist erst spürbar, wenn sie nicht mehr da ist – so wie gute Luft“ oder „Heimat ist immer etwas Verlorenes, wie eine Sehnsucht, die sich nie erfüllt“ lauten die O-Töne. Betroffenheit macht sich in den Zuschauerreihen breit. Ausgerechnet jetzt ist auch noch Weihnachten und der Tannenbaum wird geschmückt. Kein Wunder, dass da ausgerechnet der Pole zum Alkohol greift und Witze über Hitler reißt. Plötzliche Stille im Publikum. „Warum seid ihr so angespannt?“, fragt er, „bleibt locker!“ Höchste Zeit für die Darsteller, wieder zur Arbeit zu gehen. Aber auch das scheint hier schwieriger als gedacht: „Noch 14 Tage, dann habe ich meine Arbeit erledigt“, sagt der Senegalese, während die Deutsche verdeutlicht, wie es auch bei uns zugehen kann: „Noch 14 Formulare, dann fange ich erst mit meiner Arbeit an!“</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011-1_721.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-13361" title="schlaaand!" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011-1_721-300x272.jpg" alt="" width="300" height="272" /></a>Aber es gibt auch schöne Seiten, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen. Am Lagerfeuer treffen sich alle vier Darsteller, feiern und singen zusammen. Jeder darf seine Nationalhymne vortragen, die deutsche Darstellerin gibt ein Medley aus deutschem Liedgut zum Besten und die feucht-fröhliche Basis für Witze ist wieder hergestellt: „Warum trinken Polen Wodka, Franzosen Rotwein und Deutsche Bier? Antwort: Damit sie sich an der Fahne erkennen!“ Und auch für einen französischen Rap des Senegalesen ist Platz, für den sich das Publikum mit begeisterten Pfiffen bedankt. Da aber Völkerverständigung so eine Sache ist, reagiert der Künstler mit Provokation: „Hat er toll gemacht, der Neger! Das denkt ihr doch, oder?“ Es folgt ein interaktives Spiel. Das Publikum wird aufgefordert die Vorurteile gegenüber Polen, Senegalesen, Russen sowie Bayern und Ostdeutschen zusammenzutragen. Auf so viel Action folgt nun das Fazit: „In Deutschland geht es uns gut. Wir haben genügend zu essen, und unsere Kinder können die Schule besuchen.“ Nichtsdestotrotz bleibt da aber immer diese gewisse Sehnsucht: „Die ursprüngliche Heimat ist eine Mutter, die neue Heimat eine Schwiegermutter.“</p>
<p>Was bedeutet Heimat? Welche Werte und Gefühle verbindet man damit? Und was ist typisch deutsch? Diese Fragen wurden Schauspielern gestellt, die immer noch nach Heimat suchen oder sie bereits gefunden haben. Herausgekommen ist eine tiefsinnige, ironische und emotionale Collage mit Musik, Schauspiel und Bewegung. Ein ambivalentes und berührendes Stück rund um Sprache, Identität, Fremdenhass, Vorurteile, Barrieren, Blickwinkel, Klischees und Angst. In einem sind sich die Schauspieler schließlich einig: „Nur wer seinen materiellen Körper verlässt, kann Heimat erfahren.“ Schade, dass es die letzte Vorstellung war. Und höchste Zeit mit Vorurteilen aufzuräumen!</p>
<p><strong>Anna Pakosch</strong></p>
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		<title>schöne geschichten mit mama und papa, neues theater</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 15:25:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gelegenheit macht Liebe: Dolores Velasco (Sabine Schmidt-Kirchner) und Fernando Cano (Gernot Endemann) begegnen sich im Wartezimmer. „Die Gicht, sie sticht!“ – die alternden Witwer sind Hypochonder und hoffen, einen Arzt zu finden, der ihren Krankheiten Aufmerksamkeit schenkt. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/52-90_SK_Juni_2011-1_721.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13222" title="Neues Theater" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/52-90_SK_Juni_2011-1_721-300x290.jpg" alt="" width="300" height="290" /></a>Gelegenheit macht Liebe: Dolores Velasco (Sabine Schmidt-Kirchner) und Fernando Cano (Gernot Endemann) begegnen sich im Wartezimmer. „Die Gicht, sie sticht!“ – die alternden Witwer sind Hypochonder und hoffen, einen Arzt zu finden, der ihren Krankheiten Aufmerksamkeit schenkt. Begleitet werden die quengelnden Greise von ihren erwachsenen Kindern Manuela Velasco (Julia Malkowski) und Ricardo Cano (Michael Herrmann). Während diese über den Lehrerberuf Gemeinsamkeiten entdecken, kommen sich auch die gestandenen Witwer nach anfänglichem Grummeln näher. Hier ein paar Rezeptvorschläge, da einige Ärztetipps und im Nu hängt Fernando in Dolores&#8217; Dekolleté. Natürlich nur, um ihre Herztöne zu überprüfen. Dann geht&#8217;s ans Eingemachte: „Haben Sie irgendwelche Verpflichtungen?“, fragt Dolores schüchtern. „Ich bin vögelfrei“, flirtet Fernando spitzbübisch. Die Funken sprühen, die Gebrechen sind vergessen, und dem Date steht nichts mehr im Weg. Fast! Um der Aufsicht ihrer stocksteifen Kinder zu umgehen, wird ein heimliches Treffen arrangiert. Doch natürlich ist dabei das Chaos schon programmiert &#8230;</p>
<p>Dominik Paetzholdt ist mit der Inszenierung des Stücks von Alfonso Paso eine urkomische Boulevardaufführung gelungen. Nach einem leicht schleppenden Einstiegsdialog zwischen den Velasco-Damen gewinnt die Komödie rasant an Schwung. Wenn es den jüngeren Schauspielern Malkowski und Herrmann auch hier und da noch etwas an Spielerfahrung fehlt, so hauen es Schmidt-Kirchner und insbesondere Endemann wieder raus. Seine schlagfertige Zunge, dazu die frech-charmante Mimik und Gestik, egal ob als quengeliger Kranker oder als feuriger Liebhaber, sind einfach zum Verlieben! „Bamboleo“, „Volare“, „Baile me“ – abgerundet wird das Stück mit Flamenco-Pop von den Gipsy Kings. Wenn der Kauz Fernando für seine Eroberung Dolores das Wohnzimmer in eine orientalische Oase verwandelt, sind ihm die Lacher sicher. Welcher Mann gibt sich denn so viel Mühe? Das denkt sich die junge Manuela, die ein Auge auf den Mathematiklehrer Ricardo geworfen hat. Der wiederum versteht nur Bahnhof. All ihre Annäherungsversuche schlagen fehl: „Ich wette, du weißt nicht mal, dass ich einen Hintern habe!“ Und so beschäftigen sich die gefrusteten Pädagogen mehr mit der Aufsicht ihrer Eltern als mit sich selbst.</p>
<p>„Du liebst mich nicht mehr!“, sagt Dolores zu ihrer Tochter. „Und du bist eine hypochondrische Querulantin!“, erwidert diese nur harsch. Hier steht auch der Generationenkonflikt zwischen Mutter und Tochter sowie Vater und Sohn auf der Tagesordnung. Und die Alten müssen einige Raffinesse aufbringen, um ihre allzu erwachsenen Kinder hinter dem Ofen hervorzulocken. Fernando bringt es schließlich auf den Punkt: „Intoleranz des Alters ist schlimm, aber Intoleranz der Jugend ist unverzeihlich!“ Kein Wunder: Wollen die entsetzten Kinder das liebende Paar doch auseinander bringen: „Was sollen denn bloß die Nachbarn denken!“ Doch wie es sich für eine anständige Boulevard-Komödie gehört, darf auch hier das Happy End nicht fehlen: Schließlich haben Dolores und Fernando die zündende, wenn auch sehr freche, Idee, wie sich das Blatt für alle Beteiligten zum Guten wenden kann. Sie drehen die Erziehungspflicht noch mal um und Manuela und Ricardo erleben verrückte Erwachsene, die ihnen einiges bescheren: nämlich „Schöne Geschichten mit Papa und Mama“!</p>
<p><strong>Anna Pakosch</strong></p>
<p><em>Weitere Vorstellungen: 01.-05., 07.-12., 15.-26. und 28.-30.06.</em></p>
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		<title>das erbe des don, die kleine bühne</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 15:21:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[2011-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie haben allen Grund zum Feiern: Schauspiel, Komödie, Kindertheater – seit einem Vierteljahrhundert ist Die kleine Bühne nun schon fester Bestandteil der Theaterszene in Hannover! Und das zelebrieren die Mitglieder des Ensembles jetzt auch ausgiebig: Pünktlich zum Jubiläum präsentiert Die kleine Bühne ihre rasante Komödie „Das Erbe des Don“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie haben allen Grund zum Feiern: Schauspiel, Komödie, Kindertheater – seit einem Vierteljahrhundert ist Die kleine Bühne nun schon fester Bestandteil der Theaterszene in Hannover! Und das zelebrieren die Mitglieder des Ensembles jetzt auch ausgiebig: Pünktlich zum Jubiläum präsentiert Die kleine Bühne ihre rasante Komödie „Das Erbe des Don“, ein „Detectival“, eine Detektivgeschichte mit Musik.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/52-90_SK_Juni_2011_724.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-13218" title="Das Erbe des Don" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/52-90_SK_Juni_2011_724-300x290.jpg" alt="" width="300" height="290" /></a>Die Zeiten stehen schlecht für den abgehalfterten Privatdetektiv William Mahlow (Andreas Ludin). Mit vielen Drinks und wenigen miesen Jobs schlägt er sich durch die verruchten Gassen und die dunklen Kneipen von Los Angeles. Erst als die geheimnisvolle Lydia (Anja Schlieper-Ludin) ihn beauftragt, ihren verschwundenen Bruder Paul (Christian Panzier) zu suchen, scheint sich das Blatt zu wenden. Denn die Auftraggeberin ist bereit, Mahlow mehr als großzügig für diesen Job zu entlohnen. Doch die Sache hat gleich mehrere Haken! Nicht ganz unbedeutend ist, dass Lydia einen ganz besonderen Vater hat: Don Mascarpone (Jens Schlieper), wichtigster Gangsterboss von Los Angeles! Mahlow kommen diverse Theorien in den Sinn: Hat der Don seinen Sohn nach einem Streit verschwinden lassen, um dessen Hochzeit mit der jungen Polizistin Susan (Anja Dompke) zu verhindern? Oder versucht Paul Mascarpone seinen Vater zu beeindrucken, indem er einen Deal mit dessen größten Konkurrenten Big Ben (Nabila Schönau) eingeht? Undurchsichtige Informanten und heiße Bräute erleichtern Mahlow die Suche nach der Wahrheit ebenso wenig wie brutale Banditen und knallharte Cops. Zu allem Überfluss muss er sich nicht nur mit seiner Ex-Frau (Brit Rebentisch-Krummhaar) und einem liebestollen Mandanten (Rudolf Heinze) herumschlagen. Plötzlich schwebt auch seine chronisch unbezahlte Sekretärin Rita (Iris Sabiel) in Lebensgefahr. So steckt Mahlow, schneller als ihm lieb ist, mitten in seinem wohl härtesten Fall. Und dieser beschert ihm so einiges mehr als nur (einen Strauß) lila Veilchen &#8230;</p>
<p>25 Jahre Bühnengeschichte, 25 Schauspieler auf der Bühne – was für ein Auftakt! Die Mitwirkenden huschen, hüpfen und tollen nur so als angriffslustige Zeugen und verruchte Verdächtige über die Bühne. Lediglich Privatdetektiv Mahlow ist stets präsent. Seine schnodderige Art, alles zu kommentieren und jeglicher Gefahr zu trotzen, kommt beim Publikum sichtlich gut an. Auch sonst glänzt das Stück mit herrlich ironischem Humor. Und so sieht man hier und da als Zuschauer über ein paar Längen hinweg. Das Highlight aber sind die musikalischen Untermalungen, die dem Stück den gewissen Pfiff verleihen: Ob die Adaption zu Louis Armstrongs’ „What A Wonderful World“, des Evergreens „Somewhere Over The Rainbow“ oder Heinz Rudolf Kunzes „Finden Sie Mabel“ – die zahlreich gesetzten Neuinterpretationen sorgen für viele Publikumslacher. Bei diesem Ensemble spürt man förmlich, dass der Spielspaß im Vordergrund steht: „Ein Detectival, dass den Laienschauspielern förmlich auf den Leib geschrieben wurde“, erzählt Jens Schlieper, einer der Autoren des Stücks, im Interview. Und Petra Burkschat, die die Rolle der Barfrau Wally spielt, ergänzt einen für das Ensemble typischen Insider: „Was sind wir nur für ein harmonisches Team!“</p>
<p><strong>Anna Pakosch</strong></p>
<p><em>Weitere Vorstellungen: 07., 16., 18., 21., 23. und 25.06.</em></p>
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		<title>„walzer in der nacht…“ – camille claudel – bildhauerin und frau, die hinterbuehne</title>
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		<pubDate>Sun, 01 May 2011 09:10:15 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Mittellos, verwahrlost und abgeschottet – die letzten Jahrzehnte ihres Lebens verbrachte die Bildhauerin Camille Claudel, die bis heute noch untrennbar mit dem Namen Auguste Rodin verbunden ist, im Elend. 32 Jahre vor ihrem Tod wird sie auf Wunsch ihrer Familie und gegen ihren Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/46-89_Stadtkind_Mai_11_7220.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-11645" title="46-89_Stadtkind_Mai_11_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/46-89_Stadtkind_Mai_11_7220-300x241.jpg" alt="" width="300" height="241" /></a>Mittellos, verwahrlost und abgeschottet – die letzten Jahrzehnte ihres Lebens verbrachte die Bildhauerin Camille Claudel, die bis heute noch untrennbar mit dem Namen Auguste Rodin verbunden ist, im Elend. 32 Jahre vor ihrem Tod wird sie auf Wunsch ihrer Familie und gegen ihren Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. An diesem Punkt setzt das Schauspiel von und mit Sybille Dordel an. In die Rolle Camilles geschlüpft, skizziert die Solistin retrospektiv das Lebenswerk der hochbegabten, aber auch unberechenbaren Künstlerin Camille Claudel.</p>
<p>Mit strohigem Haar, einem dünnen Nachthemd und einem grauen Mantel bekleidet betritt Camille (Sybille Dorberg) die passend schlichte Bühne. Das Attest, das wie eine Art Bahnhofsdurchsage aus dem Off eingespielt wird, ist eindeutig: Paranoide Schizophrenie. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Camille bereits in der Anstalt Ville-Évrard und wendet sich ans Publikum, dass sie zärtlich mit „Papa“ anspricht. „Wie konntet ihr mich im Stich lassen?“, fragt sie immer wieder, „Was ist geschehen?“ Mitte des 19. Jahrhunderts, einer Zeit, in der es für Frauen undenkbar ist, als Bildhauerin tätig zu sein, setzt sich die mutige Camille durch: Gegen die Ablehnung ihrer Mutter und schließlich gegen die männlich-dominante Künstlerszene. Unterstützung erhält sie dabei von ihrem geliebten Bruder Paul, allen voran aber von ihrem Vater Louis: Im Gegensatz zu ihrer Mutter, vergöttert er seine Tochter und schickt sie schließlich an die private Académie Colarossi. Hier trifft Camille zum ersten Mal auf den Bildhauer Auguste Rodin und wird 15 Jahre lang seine Schülerin und Geliebte. Während Rodin von seiner talentierten Muse profitiert, begreift Camille nach und nach, dass er sie als Künstlerin nicht anerkennt. Auch als sie schwanger wird, ist der erfolgreiche Bildhauer nicht bereit, seine Lebensgefährtin Rose Beuret für sie zu verlassen. Camille erleidet schließlich eine Fehlgeburt, trennt sich von Rodin und bezieht ein eigenes Atelier, um als Künstlerin unabhängig zu sein…</p>
<p>„Rodin! Rodin! Ich kann den Namen nicht mehr hören!“, schreit Camille zum Publikum. Während sie in Erinnerungen ihrer aufstrebenden Künstlerjahre schwelgt, wandelt sich ihre Zuneigung für ihren einstigen Lehrer und Geliebten in Verachtung. Sie berichtet von ihren Handgreiflichkeiten gegenüber seiner Lebensgefährtin und bezichtigt Rodin des Plagiats: „Ich bin ein Hohlkopf, an dem die Raupen nagen. Jedes Mal wenn ein Blatt wächst, fressen ihn die Raupen auf!“ Das Publikum wird Zeuge, wie Camille sich immer mehr in ihren Verfolgungswahn verstrickt. Aus Angst, Rodin würde sie ihrer Ideen berauben, verschanzt sie sich in ihrem Atelier, meidet die Öffentlichkeit, vernachlässigt ihre Hygiene, lebt in völliger Armut und zerstört schließlich systematisch einen Großteil ihrer Kunstwerke. Nach dem Tod ihres Vaters, ist es schließlich ihr geliebter Bruder Paul, der die Zwangseinweisung in die Wege leitet.</p>
<p>Sybille Dordels Stück beschäftigt sich mit der Frage, wie ein aufblühender Star am Künstlerhimmel noch vor seinem Tod in Vergessenheit geraten konnte. Dabei porträtiert die Schauspielerin einfühlsam und eingängig einige herausragende Werke der Bildhauerin, lässt aber auch Raum für Fiktion. Selbst die Affäre mit dem Komponisten Claude Debussy, die Claudel zu ihrer anmutigen Skulptur „Der Walzer“ inspirierte, konnte ihr nicht über Rodin hinweg helfen. Von den einen als genial betitelt, von den anderen als obszön verschrien, zerbricht Camille Claudel schließlich auch nicht minder an den konventionellen Forderungen der Gesellschaft: Ehefrau und Mutter zu sein. Erst in den 1970er Jahren, 30 Jahre nach ihrem Tod, wird Claudel als eigenständige Künstlerin wiederentdeckt. Heute kann man einen Großteil ihrer Skulpturen im Musée Rodin in Paris bewundern. Rodin hatte veranlasst, dass ein angemessener Raum darin dem künstlerischen Schaffen Camilles gebührt – einer Bildhauerin gefangen zwischen Wahn und Leidenschaft.</p>
<p><strong>Anna Pakosch </strong></p>
<p>Fotos: die hinterbuehne</p>
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		<title>mickybo und ich, ballhof zwei</title>
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		<pubDate>Sun, 01 May 2011 09:05:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[2011-05]]></category>

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		<description><![CDATA[Belfast, Sommer 1970. Straßenschlachten und Gewalt prägen das Leben der Stadt. Eine Brücke trennt die Katholiken und die Protestanten voneinander. Inmitten dieser Unruhen begegnen sich Mickybo (Philippe Goos) und Mojo (Camill Jammal).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/46-89_Stadtkind_Mai_11_7219.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-11642" title="46-89_Stadtkind_Mai_11_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/46-89_Stadtkind_Mai_11_7219-150x300.jpg" alt="" width="150" height="300" /></a>Belfast, Sommer 1970. Straßenschlachten und Gewalt prägen das Leben der Stadt. Eine Brücke trennt die Katholiken und die Protestanten voneinander. Inmitten dieser Unruhen begegnen sich Mickybo (Philippe Goos) und Mojo (Camill Jammal). Dass sie beide jeweils zum andern Lager gehören, stört die unternehmungslustigen Jungs nicht. Im Gegenteil: Der  Draufgänger Mickybo und der schüchterne Mojo werden die besten Freunde und erleben eine wunderbare Kindheit: Getrieben vom Bewegungsdrang erleben sie wilde Abenteuer und schlüpfen fantasievoll in die Rollen von Batman und Robin oder in die ihrer Cowboy-Vorbilder. Selbst gegen die Gangs rund um Mickys raufenden Mitschüler Fuckface können sie sich einmal scheinbar behaupten. Doch im Hintergrund lauert auch immer die Angst vor Attentaten. Mickybo und Mojo kennen es nicht anders: Manchmal geht einfach eine Bombe hoch, für sie ist es bittere Realität. In ihrer kindlichen Naivität philosophieren sie, wer es mit dem „Feind“ aufnehmen könnte: Superman auf jeden Fall, Spiderman vielleicht, aber Batman schon gar nicht. „Mama, darf ich mit Mickybo und seinen Eltern nach Australien?“, fragt der kleine Mojo seine Mutter. „Na klar, wenn du bis zum Abendessen wieder zurück bist.“ In ihrer Fantasie reiten die Jungs in Down Under auf Pferden zur Schule, in Belfast, wissen sie, werden sie früher oder später in die Luft gesprengt. Dennoch scheint nichts die Freunde trennen zu können – bis eines Tages Mickybos Vater erschossen wird. „Du mieses, dreckiges Protestanten-Schwein! Ihr habt ihn umgelegt!“, schreit Mickybo seinen besten Freund an. Die unbeschwerte Kindheit ist mit einem Schlag vorbei, denn Mickybo hat jetzt plötzlich die Fronten gewechselt…</p>
<p>Das Stück ist eine Auftakt-Produktion der „Rohschnitt“-Reihe: ein unverbrauchter Stoff, Schauspieler aus dem Ensemble, vier Wochen Zeit für die Proben und nur einfache Mittel. Tatsächlich kommt die Zwei-Mann-Inszenierung mit nur wenigen Requisiten aus: Ein Fußball, Cowboyhüte und eine breite Mauer. Die beiden Darsteller spielen Mickybo und Mojo, schlüpfen aber auch in die Rollen der Eltern des jeweils anderen. Zum Dahinschmelzen ist Mickybos Mutter, gespielt von Camill Jammal. Zum Kaputtlachen hingegen der Prolet Fuckface, gespielt von Philippe Goos. Neben dem Rollenwechsel ist es Mojo, der auch immer wieder in die Rolle eines an die Zuschauer gewandten Erzählers schlüpft. Sneaker, Schlaghosen, Trainingsjacken – die Kleidung unterstreicht anfangs den kindlichen Habitus der beiden Jungs. Die Spielfreude und Leidenschaft der attraktiven und engagierten Schauspieler kommt beim überwiegend jungen, weiblichen Publikum besonders gut an. Das liegt auch daran, dass die gekonnte Mimik und die abwechslungsreiche Stimmgewalt es dem Zuschauer erleichtern zu identifizieren, welche Rolle gerade gespielt wird. Das Sprechtempo ist rasend, wie man sich zwei aufgeweckte, kleine Burschen eben vorstellt. Dabei bleibt sie aber dennoch immer gefühlvoll. Das Stück von Owen McCafferty wurde bereits 2005 von Terry Loane erfolgreich verfilmt. Die Stärke des bedeutendsten, zeitgenössischen Theaterautors ist es, den Wortwitz und Rhythmus seiner nordirischen Heimatstadt einzufangen. Camill Jammal und Philippe Goos ist es gelungen diese anschaulich dem Zuschauer zu präsentieren. Die wunderbare Inszenierung glänzt durch zwei fantastische Schauspieler. Zwei Burschen zum Verlieben und Pferde stehlen. Einfach hinreißend!</p>
<p><strong>Anna Pakosch</strong></p>
<p>Weitere Vorstellungen: 20.05. sowie 07. und 20.06.</p>
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		<title>geisterfahrer, sofa loft</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Apr 2011 15:33:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[2011-04]]></category>

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		<description><![CDATA[Wut, Neid, Stress, Eifersucht, Leidenschaft – wozu braucht man Feinde, wenn man Nachbarn hat?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/56-89_April_SK_2011_7211.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-11505" title="56-89_April_SK_2011_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/56-89_April_SK_2011_7211-291x300.jpg" alt="" width="291" height="300" /></a>Wut, Neid, Stress, Eifersucht, Leidenschaft – wozu braucht man Feinde, wenn man Nachbarn hat? Lutz Hübners Stück „Geisterfahrer“ handelt von drei Paaren, alle um die 40 Jahre alt. Ort der Handlung ist das gut situierte Haus, in dem die Parteien eine Eigentümergemeinschaft bilden. Da sind Silke (Lone Bulin), ihres Zeichens Hausfrau und Mutter, mit ihrem Mann Harald (Ulrich Hahn), der Chefarzt und Rotarier ist, sowie die Psychologin Gaby (Sandra Franke) mit ihrem Mann, dem Musiklehrer Pitt (Patrick Gersmeyer). Nach einem zehnjährigen Brasilienaufenthalt ziehen schließlich die Dolmetscherin Miriam (Lena Vorholt) und ihr Lebensgefährte, der Germanistik-Dozent Johannes (Alexander Johnson) ein. Während einer feucht-fröhlichen Begrüßungsparty schließen alle sechs miteinander Freundschaft und beschließen, künftig keine reine Zweckgemeinschaft zu bilden. Doch genau hier beginnen die Probleme. Die harmonische Fassade beginnt schon bald darauf zu bröckeln, und die Hausgemeinschaft lebt immer hemmungsloser ihre aufkeimenden Gefühle aus.</p>
<p>„Geisterfahrer“ ist die 21. Inszenierung des Regisseurs und Schauspieltrainers Arndt Schwichtenberg mit dem freien hannoverschen Theater der leeren Hände. Neben einer schlichten Bühnendeko, Maske und Kostümen, zeichnet vor allem die Darsteller aus, dass sie alle benötigten Requisiten pantomimisch darstellen. Das interaktive Stück spielt über die drei Sofa-Loft-Etagen, bei dem die Zuschauer den Darstellern einfach die Treppe abwärts folgen. Das bringt zwar etwas Unruhe ins Stück, fängt aber wunderbar den minimalistischen Bühnenaufbau auf. Bei freier Platzwahl darf sogar auf sämtlichen Verkaufssofas gelümmelt werden, was dem Publikum sichtlich gefällt. Nachdem sich die leichte Anfangsnervosität legt, spielen die Laienschauspieler auf hohem Niveau – mit einer Ausnahme: Ob der unnatürliche und gekünstelte Habitus tatsächlich zur dargestellten Rolle der Hausfrau und Mutter gehört, bleibt offen. Dem Publikum hat das Drama dennoch gefallen, wie der viele spontane Zwischenapplaus für die Sambatänzer Pitt und Miriam sowie für die witzigen Pointen der Dialoge beweist.</p>
<p>Hier geht es um Schuldfragen und um die eigene, zerbrechliche kleine Welt: Bereits am Tag nach dem Einzug verstört Miriam ihre Nachbarin Silke mit einem bissigen, wenn auch unbeabsichtigten Kommentar über die mitgebrachten Blumen: „Kennst du dieses Bild vom jungen Lagerfeld, wo er einen Strauß weißer Lilien aus dem Fenster wirft? Man bekommt sofort Lust, es auch zu tun.“ Die Vorfälle häufen sich. Ob Gespräche über die Arbeit, das Essen, Klamotten, Männerwitze oder die Kinder: Nach und nach spalten sich die Paare scheinbar in sechs Individualisten und beginnen, die anderen zu verurteilen, Sticheleien und Seitenhiebe auszuteilen oder die eigenen Lebensentwürfe an ihnen zu messen. Inmitten ihrer Midlife-Crisis wird allen klar, wie viel sie verloren und wie wenig sie gewonnen haben. Und jeder von ihnen versucht mit dieser Erkenntnis anders umzugehen: Silke mutiert zum Putzteufel und versucht alle zu bemuttern, ihrem Mann Harald ist sein Ansehen und das Geld nichts mehr wert, und er greift immer öfter zur Flasche. Der verkappte Musiker Pitt verliebt sich in Miriam, kann aber seine Gefühle nicht ausleben, und seine Frau Gaby möchte alle therapieren, vergisst aber dabei sich selbst. Zu allem Übel werden Miriam und der von der brasilianischen Sehnsucht betroffene Johannes von einem Stalker terrorisiert. Im Verlauf des Stücks wird immer klarer, dass noch ein ganz anderer, düsterer Schatten über dem Haus hängt &#8230;  Schließlich bringt es Johannes auf den Punkt: „Die ganz große Kunst ist, den anderen so zu lassen, wie er ist. Aber das können nur die Wenigsten.“ Ist ein Umzug die letzte Rettung?</p>
<p><strong>Text: Lotta Caspers / Fotos: Arndt Schwichtenberg</strong></p>
<p>Weitere Vorstellungen: 01., 04. und 11.04.</p>
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		<title>meine dicke freundin, neues theater</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Apr 2011 15:29:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2011-04]]></category>

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		<description><![CDATA[Die aktuelle Inszenierung von Regisseur und Schauspieler Jan Bodinus lebt vor allem vom emotionalen Moment und kabarettreifer Mimik.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/56-89_April_SK_2011_7210.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-11502" title="56-89_April_SK_2011_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/56-89_April_SK_2011_7210-291x300.jpg" alt="" width="291" height="300" /></a>„Fantastisch das Drei-Mann-Zelt, was du da trägst!“ Zyniker Henry Simmonds (Gerd Neubert) versteht es, seiner fülligen Mitbewohnerin Vicky Hope (Marion König) Komplimente zu machen. In ihrer Londoner Hausgemeinschaft lebt außerdem noch James Anderson (Enrico Guzy), ein schüchterner, schottischer Au-Pair-Boy, der Vicky täglich nur zu gern mit dem typisch kalorienreichen, englischen Frühstück verwöhnt. Man liebt sich und man neckt sich. Doch als Vickys Lover kommen beide Männer nicht in Betracht: Der betagte Henry steht scheinbar mehr auf Jungs, und Schotte James sucht in Vicky die Mutterfigur. Eines Tages taucht plötzlich Tom Reynolds (Wolfram Pfäffle) auf. Der Geologe scheint nicht nur an Vickys Literatur interessiert zu sein. Nach einem schüchternen Flirt fasst er sich ein Herz und bittet die mollige Buchhändlerin um ein Date. Die Sache läuft gut an. Doch dann muss Tom beruflich für längere Zeit verreisen. Während er sich nach seiner gut gepolsterten Freundin sehnt, entwickelt diese einen ganz anderen Plan: Inspiriert von Henrys Äußerung „In jedem dicken Mädchen steckt ein dünnes“, will sie sich bis zu seiner Rückkehr in vollendeter Form präsentieren und ordentlich abspecken.</p>
<p>Im März feierte die Boulevardkomödie „Meine dicke Freundin“ im Neuen Theater vor ausverkauftem Haus Premiere. Kein Wunder: Die Schauspieler Marion König und Gerd Neubert sind ein eigespieltes Team und waren bereits 1998 in dem Klassiker von Charles Laurence als Hauptrollen besetzt. Die aktuelle Inszenierung von Regisseur und Schauspieler Jan Bodinus lebt vor allem vom emotionalen Moment und kabarettreifer Mimik. Zum Niederknieen ist der großartige Wolfram Pfäffle, wenn er – neben seiner Stärke für trockene Pointen – als Tom Raynolds jeden Zentimeter der adipösen Vicky mit seinen Augen verschlingt. Als korpulente Vermieterin hat sie es aber auch nicht leicht und wird täglich von dem zynischen Henry aufs Korn genommen: „Dein Morgenmantel gibt einen fantastischen Couchüberzug ab.“ Dabei ist der schräge Mitbewohner selbst ganz gut beleibt. Ist da etwa mehr als nur Freundschaft? Als Vicky sich zur Diät entschließt, ist es vor allem Henrys Unterstützung, die sie antreibt. Schocktherapie, Laufen, Heimsauna und sogar ein striktes Trinkverbot stehen nun statt Bratwürstchen, Eiern und Minzsauce auf der Tagesordnung: „James wird dich morgens auf dem Rasen ausbreiten, dann können deine Poren den Tau aufsaugen!“ Henrys unkonventionelle Motivation geht oft bis unter die Gürtellinie – aber mit Erfolg: In Toms Abwesenheit legt Vicky ihren Fat-Suite ab und schafft es, ihren Körper zu „entmaterialisieren“. Was ihre große Liebe wohl dazu sagen wird?</p>
<p>„Meine dicke Freundin“ handelt von Figurproblemen, Freundschaft, Entwicklung und dem starken Glauben an sich. Schottische Evergreens zwischen den Szenenwechseln und britische Bühnendeko inklusive Blümchentapete und Union-Jack-Kissen runden die Komödie ab. Letzlich ist es aber auch die Komplexität und Wandlungsfähigkeit der Darsteller, die der Story Tiefgründigkeit verleiht. Da ist der zurückhaltende James, der sich zum Autor mausert und es endlich schafft, dem vorlauten Henry Paroli zu bieten. Vicky wächst über sich hinaus und erstrahlt als straffer „Whippet“ mit neuem Selbstbewusstsein. Nicht zuletzt wegen ihres eisernen Willens, sondern auch wegen Henry, der ihr zum engsten Vertrauten wird und seinen weichen Kern entdeckt. Und zu guter Letzt natürlich Lover Tom Raynolds, der, wenn er auch nur wenig zu Wort kommt, am Ende seine ganz eigenen Erkenntnisse gewinnt &#8230; Ein gelungenes Boulevardstück, das ausnahmslos alle Konfektionsgrößen begeistert und bei dem auch Politstars und TV-Sternchen wie Silvio Berlusconi, Tim Mälzer, Daniela Katzenberger, Karl-Theodor zu Guttenberg und Angela Merkel (zu Recht) ihr Fett wegkriegen.</p>
<p><strong>Text: Lotta Caspers / Fotos: Peter Steffen</strong></p>
<p>Weitere Vorstellungen: 01.-03., 05.-10., 12.-17. und 19.-25.4.</p>
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		<title>geschlossene gesellschaft, mittwoch:theater</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Mar 2011 16:03:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2011-03]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie stellt man sich die Hölle am besten vor? In Frederic Oberheides Inszenierung „Geschlossene Gesellschaft“ von Jean-Paul Sartre ist die Hölle ein fensterloses, schlichtes Zimmer in Form eines Trichters. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/MittwochTheater-3.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10257" title="MittwochTheater 3" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/MittwochTheater-3-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wie stellt man sich die Hölle am besten vor? In Frederic Oberheides Inszenierung „Geschlossene Gesellschaft“ von Jean-Paul Sartre ist die Hölle ein fensterloses, schlichtes Zimmer in Form eines Trichters. Hinzu kommen drei gepolsterte Bänke, monotone Elektromusik aus dem Off, eine gnadenlos tickende Uhr, elektrisches Kaminfeuer und eine Art Klingel, bei deren Betätigung abwechselnd kaltes, blaues und gelbes Licht den Raum erhellen. Nicht zu vergessen die Tür, der Eingang zur Hölle, die nur von außen zu öffnen ist.</p>
<p>Nach und nach führt der Portier (Hans-Hermann Scharnofske) höflich-bestimmend drei Menschen in den Raum, wie sie nicht unterschiedlicher sein könnten: Da ist Joseph Garcin (Albert Wassmann), der vor seinem Tod der Herausgeber einer pazifistischen Zeitung war, seine Frau schlecht behandelte und in entscheidenden Situationen feige versagte. Inés Serrano (Miriam Gruenke), ihres Zeichens eine hochintellektuelle, lesbische Postangestellte, hat eine junge Frau ihrem Cousin entfremdet, der daraufhin von einer Straßenbahn überfahren wird. Zuletzt wird Estelle Rigault (Janet Doant) in das Zimmer geführt. Die reiche, verwöhnte, sinnlich-verführerische und durchtriebene Dame hat ihr Kind aus dem Fenster geworfen und ihren Geliebten zum Selbstmord getrieben. Alle drei sind sich bewusst, dass sie sich in der Hölle befinden und machen sich auf das Schlimmste gefasst. Aber die zu erwartende Folter und die körperlichen Qualen stellen sich nicht ein. Nur eine leichte Hitze ist zu spüren.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/MittwochTheater-2.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-10256" title="MittwochTheater 2" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/MittwochTheater-2-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>„Personaleinsparung. Die Folter übernehmen die Kunden selbst“, stellt Inés mit einer Art Galgenhumor fest. Und  tatsächlich: „Die Hölle, das sind die anderen.“ Ganz im Sinne Sartres entreißen sich die drei ihre Verbrechen und Lügen und sehen sich dazu verdammt, sich gegenseitig zu quälen. Die Psychospielchen gewinnen an Fahrt, als ihnen bewusst wird, was sie eigentlich wollen: Inés verzehrt sich nach Estelle. Die aber will nichts von ihr wissen und versucht Garcin mit ihrer Weiblichkeit zu betören. Dieser wiederum lechzt lieber nach der intellektuellen Anerkennung von Inés. Sobald sich zwei von ihnen solidarisieren, verletzen sie in diesem Augenblick den Dritten. Und obwohl sie so unterschiedlich sind, werden sie sich gegenseitig zum Maßstab. Nicht einmal umbringen können sie sich – sie sind ja bereits tot.</p>
<p>Oberheides Inszenierung gewinnt mit rasendem Tempo und hält den Zuschauer bis zum Finale in Atem. Ein ausgezeichnetes, philosophisches Katz-und-Maus-Spiel um Moral und Gewissen, in dem jeder permanent versucht, den anderen auf seine Seite zu ziehen. Die Psychospielchen funktionieren, da Estelle, Inés und Joseph mit sich selbst nicht im Reinen sind. Die Trichterform des Zimmers zwingt die drei immer wieder in der Mitte zusammen zu kommen. Überdies können sie von der Hölle aus auf die Erde schauen und beobachten, wie das Leben ohne sie weitergeht. Diese Tatsache dient als zusätzliches Öl im Höllenfeuer, was das Abtauchen in die Seelenabgründe der jeweils anderen zum Kinderspiel macht. Sie werden abhängig von den gegenseitigen Urteilen.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/MittwochTheater-1.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10255" title="MittwochTheater 1" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/MittwochTheater-1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Schließlich hält es Joseph nicht mehr aus. Wütend und verzweifelt schlägt er gegen die Tür und will fliehen. Als sich diese dann tatsächlich öffnet, erschrecken alle drei vor der vermeintlichen Freiheit und drängen sich dicht aneinander.</p>
<p>Niemand besitzt den Mut zu fliehen. Estelle versucht vergeblich, Inés durch die Tür zu stoßen. Gefangen in der Ewigkeit erkennen sie, dass sie ihre Lage nicht verändern können: „Also – machen wir weiter.“ Mit diesen letzten Worten beschließt Joseph, die Notgemeinschaft aufrecht zu erhalten. Trotz der schwierigen Thematik schafften es die Darsteller amüsanten Galgenhumor in die Inszenierung zu bringen.</p>
<p>Manchmal bedarf es eben nicht mehr als eines minimalistischen Bühnenbildes und brillanter Dialoge. Die Inszenierung berührt und amüsiert. Was für eine Premiere – großer Jubel, begeisterte Pfiffe!</p>
<p><strong>Lotta Caspers, Fotos: Oliver Gruenke</strong></p>
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		<title>chronik eines angekündigten todes, cumberlandsche bühne</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Mar 2011 16:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2011-03]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Bayardo San Román feststellt, dass seine Angetraute Angela Vicario nicht mehr unschuldig ist, verstößt er sie noch in der Hochzeitsnacht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Cumberlandsche-Bühne-3.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-10254" title="Cumberlandsche Bühne 3" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Cumberlandsche-Bühne-3-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als Bayardo San Román feststellt, dass seine Angetraute Angela Vicario nicht mehr unschuldig ist, verstößt er sie noch in der Hochzeitsnacht. Um die beschmutze Familienehre zu rächen, beschließen ihre Brüder, Pedro und Pablo, deshalb den jungen Santiago Nasar zu töten, obwohl nicht einmal klar ist, dass er das Verbrechen begangen hat. Schon bald weiß das gesamte Dorf von ihrem Vorhaben, doch keiner macht sich die Mühe, die Tat zu verhindern. Dabei hoffen die angehenden Täter mehr darauf als ihr Opfer Nasar selbst. Doch ein Zurück scheint schier unmöglich. So schaut das gesamte Dorf zu, wie die Brüder Vicario zu Mördern wider Willen werden.</p>
<p>In „Chronik eines angekündigten Todes“ inszeniert Albrecht Hirche den gleichnamigen, sozialkritischen Roman des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez. Doch was passiert, wenn die Literaturgrundlage eines Nobelpreisträgers und ein Theaterregisseur sich begegnen? Sie haben nur wenig gemeinsam. Genauer gesagt, nur eine Parallele: Während sich der Roman in journalistischer Genauigkeit auf die erschreckende Ohnmachthaltung und die kollektive Schuld der Stadt fokussiert, ist es in Hirches Inszenierung die Vorgangsweise, die dokumentarische Ebene selbst, die in den Vordergrund gerückt wird.</p>
<p>Ein zweidimensionales Stück, das gern Konventionen bricht und bei dem nicht nur das Ensemble, sondern auch das Publikum zweidimensional einbezogen werden. Neonfarbene Kostüme kollidieren mit übertrieben großem Schmuck. Die Brüder Vicario zum Beispiel tragen pinken Lidschatten, Schlaghosen, Glanzhemden und geflochtene Rastazöpfe, bei deren Anblick sogar Boy George vor Neid erblassen würde.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Cumberlandsche-Bühne-2.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10253" title="Cumberlandsche Bühne 2" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Cumberlandsche-Bühne-2-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Auf der Bühne sind sechs Schreibtische samt Laptops aufgebaut, die den Schauspielern als Rechercheinstrument dienen, um die besagten Ereignisse bis ins kleinste Detail nachzuskizzieren. Via Projektor werden Bilder, Zeitungsausschnitte und Fotos der südamerikanischen Gesellschaft an die Wand geworfen. Jeder Schritt, jedes Vorhaben, wird strengstens diskutiert, teils auf Spanisch wiederholt und sogar durch entsprechende Geräusche (z. B. Schreien, Papier zerknüllen) multimedial aufbereitet. Durch eine Klingel auf jedem Schreibtisch trennen die Chronisten die verschwommenen Akte in verdauliche Szenen. Auf dieser Ebene werden die Zuschauer als Sponsoren angesprochen. Die Akteure beratschlagen, wie man die „Chronik eines angekündigten Todes“ dramaturgisch am besten präsentiert. Eine kleine Bühne auf der Bühne dient ihnen dazu, einige der Ereignisse und Szenen immer mal wieder nachzuspielen, um ihrer Dokumentation mehr Ausdruck zu verleihen. Auf dieser Ebene stehen die Zuschauer wiederum stellvertretend für das Dorf. Sie werden aufgefordert, mitzuhelfen, und werden zu Mittätern: „Wir wissen, dass er getötet werden soll. Wir sind auch schuldig.“ Spanische Musikstücke, die von den Schauspielern gesungen und mit Gitarre und Geige begleitet werden, dienen als stilistische Hilfe beim Umschwenken zwischen der Spiel- bzw. Dokumentationsebene.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Cumberlandsche-Bühne-1.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10252" title="Cumberlandsche Bühne 1" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Cumberlandsche-Bühne-1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Es scheint, als habe sich der Regisseur den Titel des Stücks zum Vorbild genommen: Statt Tod, Sex und Leidenschaft steht bei Hirche eine mehr oder weniger sachliche Interpretation, bzw. Dokumentation des Stücks im Fokus. Emotionen lassen höchstens die mal triviale, mal bedeutungsschwangere Musik sowie die symbolträchtige Hintergrunddeko zu: Ein Schachspiel verweist möglicherweise auf die vorgegebene Handlung der Brüder Vicario, die nicht aus ihrer Haut können, und die von der Decke hängenden Stühle stehen für die Vergänglichkeit des Lebens. Es kommt, wie es kommen muss: Im Roman töten die Brüder erschreckenderweise mehr aus Pflichtbewusstsein als aus Überzeugung. Bei Hirche wird nach Nasars Tod emotionslos die Laptopklappe zugeschlagen – es handelt sich schließlich um eine Chronik.</p>
<p>Auch wenn hier und da dem Stück manchmal die Seele fehlt und das emotional-erschreckende Moment der kollektiven Tat durch die konsequente Dokumentation völlig untergeht, so ist die Idee dennoch brillant. Allerdings verlangt die Inszenierung den Zuschauern in den 140 Minuten ohne Pause auch sehr viel Geduld ab.</p>
<p><strong>Lotta Caspers, Fotos: Katrin Ribbe</strong></p>
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		<title>oliver kalkofe &amp; dietmar wischmeyer, theater am aegi</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 13:25:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2011-02]]></category>

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		<description><![CDATA[Entweder liebt man sie oder man hasst sie: Kurt Krampmeier und Gürgen Ferkulat. Vor 20 Jahren avancierten die beiden „Arschkrampen“ alias Dietmar Wischmeyer und Oliver Kalkofe zum Kult. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/Kalkofe-und-Wischmeyer.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-11744" title="Kalkofe und Wischmeyer" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/Kalkofe-und-Wischmeyer-300x174.jpg" alt="" width="300" height="174" /></a>Entweder liebt man sie oder man hasst sie: Kurt Krampmeier und Gürgen Ferkulat. Vor 20 Jahren avancierten die beiden „Arschkrampen“ alias Dietmar Wischmeyer und Oliver Kalkofe zum Kult. Im Rahmen des „ffn-Frühstyxradios“ gingen sie sonntäglich auf Sendung und spalteten Norddeutschland in zwei Lager. Für die einen Fäkalhumor bis weit über die Grenzen des Erträglichen, für die anderen schlicht zwei Thekenphilosophen mit einer entlarvenden Weltansicht.</p>
<p>Unter dem Titel „War mir schlecht – Warten auf Gertrud“ touren Kalkofe und Wischmeyer mit ihren umstrittenen Kunstfiguren derzeit wieder durch Deutschland. Ein Besuch in „Fickstadt“ darf natürlich nicht fehlen. Das „gebündelte Arschkrampen-Konzentrat“ in reinster Form gab es am 6. und 7. Januar im ausverkauften Theater am Aegi.</p>
<p>Wer die Arschkrampen noch von früher kennt und liebt oder zumindest mag, wird sich vorsorglich intellektuell um 20 Jahre zurückgeschraubt haben, bevor er das Theater betritt. Andernfalls ist er selber schuld. Leid kann es einem jedoch für die tun, die nur auf die Namen geachtet haben. Kalkofe und Wischmeyer? Kennt man ja: Kolumnen, kritische Betrachtungen, eine ganz feine, satirische Art. Nichts könnte die Arschkrampen weniger umschreiben. Was sie machen ist Extrem-Comedy: derb, laut, aggressiv, sexistisch und erbarmungslos. Was sie machen ist sogar so extrem, dass die Comedy auf der Strecke bleibt. Hoffnung ist weit und breit nicht in Sicht: Es bleibt ein purer Arschkrampen-Abend. Zum allerersten Mal überhaupt geben Wischmeyer und Kalkofe keine anderen Frühstyxradio-Figuren und beschränken sich auf die zwei Proleten.</p>
<p>Beide arbeitslos, hocken sie den ganzen Tag in der fiktiven Schankwirtschaft „Bei Getrud“ und philosophieren über wahre oder erfundene Gegebenheiten des Alltags, und „fickifickirallalla“, ist der Spuk auch schon vorbei. Dies nur der Superschnelldurchlauf. In Echtzeit fäkalieren sie zwei Stunden, in gefühlter Zeit etwa zwei bis drei Tage. Als reine Dialogfiguren bestreiten sie eine Art Lesung in Kostümen. Kurt Krampmeier ist ein notgeiler, alter Bock mit Gummistiefeln und roter Mütze. Ausfallend, frauenfeindlich, ungebildet. Überdreht heulend, schnaubend, schreiend. Je betrunkener er wird, desto unerträglicher wird&#8217;s. Daneben, verkörpert von Kalkofe: Gürgen Ferkulat, Ferkel genannt, ein verklemmter Besserwisser, der aus seinem Wissen nichts macht, weil er von Minderwertigkeitskomplexen geplagt ist. Kurt hält seinen unterwürfigen Thekenkumpan mit Demütigungen in Schach, sobald der aufzumucken droht, und sorgt damit zum Leidwesen vieler für den Großteil der Unterhaltung.</p>
<p>In den Anfängen waren die Arschkrampen eine Persiflage auf Alkoholismus und Kneipen-Gespräche auf Stammtischparolen-Niveau, später kamen satirische und gesellschaftskritische Ansätze dazu. „War mir schlecht – Warten auf Gertrud“ ist eine Mischung aus Klassikern und Neuem. Leider wird alles, was auch nur ansatzweise auf etwas Komik hinauslaufen könnte, zwischen all dem absurden Thekengesabbel so weit wieder zerhäckselt, dass es am Ende verloren geht. Was bleibt am heutigen Abend, ist die Erinnerung an Spaghettipimmel, Pottwalmuschis, Kötersex und den Zopp zwischen Kurt Krampmeiers Zehen. Vollkommen krank und abgedreht und tatsächlich bloßer Fäkalhumor bis weit über die Grenzen des Erträglichen.</p>
<p>War früher und beim Frühstyxradio wirklich alles besser oder sind wir inzwischen anders gestrickt? Vielleicht sollte man in manchen Fällen die Vergangenheit einfach ruhen lassen. „Die Zukunft kommt so oder so, kann man genauso gut mitmachen“, hat Ferkel weise gesagt. Auch die Arschkrampen kommen sicher wieder. Kann man genauso gut hingehen. Oder es auch bleiben lassen. Denn irgendwie &#8230; war das schlecht. Und auf Gertrud warten sie immer noch.</p>
<p><strong>Manuela Sender</strong></p>
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		</item>
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		<title>true grit</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 09:33:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[2011-02]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Coen-Brüder liefern mit der Neuadaption des John-Wayne-Westernklassikers "Der Marschall" (1969) - dem Titel entsprechend draufgängerisch - ihren bislang kommerziellsten Film. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Rooster-Cogburn-und-Mattie.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10040" title="Rooster Cogburn und Mattie" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Rooster-Cogburn-und-Mattie-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Dabei orientieren sich die Coens für ihren nach &#8220;No Country For Old Men&#8221; zweiten Abstecher ins Westerngenre nicht nur an Henry Hathaways Inszenierung, sondern vor allem an Charles Portis&#8217; Romanvorlage &#8220;Die mutige Mattie&#8221; aus dem Jahr 1968. Darin erinnert sich eine alte Jungfer wie sie in den Pioniertagen des Wilden Westens als eigensinnige Vierzehnjährige zwei Kopfgeldjäger anheuerte und begleitete, um den Mörder ihres Vaters dingfest zu machen. In dieser Rolle des unbeirrbaren jungen Mädchens, das sich in einer rauen Männerwelt nicht unterkriegen lässt, sehen wir die  Neuentdeckung Hailee Steinfeld. Sie kann sich durchaus gegenüber ihren hochkalibrigen Kostars Jeff Bridges, in der Wayne-Rolle des knorrigen Marschalls Rooster Cogburn, und Matt Damon, im Glenn-Campbell-Part als eitler Texas Ranger La Boeuf, behaupten, wobei ihre extrem glatte, altklug-unberührte Charakterbeschreibung einem eher auf die Nerven geht, als sie für sich einzunehmen. Bridges verpasst Cogburn seinen eigenen unverkennbaren Stempel, womit er Wayne (der für die Verkörperung dieser ikonischen Figur seinen einzigen Oscar erhielt) allerdings nicht das Wasser abgräbt. Ausgerüstet mit Augenklappe und Whiskey-getränkter Reibeisenstimme, die seinen Dialog oftmals unverständlich macht, kreiert &#8220;The Dude&#8221; Bridges ein uriges Unikum, dessen harte Schale einen weichen Kern verdeckt &#8211; wenn auch dieser Charakter ebenfalls ein wenig zu glatt und berechenbar ist. <a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Jeff-Bridges-als-Rooster-Cogburn.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-10041" title="Jeff Bridges als Rooster Cogburn" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Jeff-Bridges-als-Rooster-Cogburn-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Nur widerwillig geht Cogburn einen Deal mit der hartnäckigen Mattie ein, Tom Chaney (Josh Brolin), den feigen Killer ihres Vaters Frank Ross zur Verantwortung zu ziehen. Dafür gilt es sich in gefährliches Indianerterritorium zu begeben, wo sich zudem noch andere Outlaws tummeln. Zu Matties Unbill macht Cogburn mit Texas Ranger La Boeuf gemeinsame Sache, den sie als lächerlichen Rodeo-Clown abkanzelt. Zu dritt reiten sie durch die karge weitläufige Winterlandschaft und werden alsbald mit allerhand Problemen inklusive lebensgefährlichen Shootout konfrontiert. Die emotionale Dynamik des Trios wandelt sich allmählich und gegenseitiger Respekt und selbst leise Anklänge von väterlicher und romantischer Liebe lassen sich ausmachen. Nach langer Odyssee laufen sie schließlich Chaney und seiner Gang über den Weg und es kommt zum tragischen Showdown. Die Coens durchleuchten einmal mehr einen mit exzentrischen Figuren bevölkerten Kosmos, der diesmal (aufgrund des PG13-Ratings?) einer breiteren Publikumsschicht zugänglich ist. Sie verzichten auf extreme Gewalteruptionen. Nach dem Oscar für &#8220;No Country For Old Men&#8221; setzen die Brüder ihren kreativem Höhenflug fort. &#8220;True Grit&#8221; erscheint als eine weitere absolut mühelos elegante Fingerübung. Doch vom allzu pathetischen Score bis zu klischeehaften, aber leider völlig ironiefreien Überzeichnungen des Genres (jeder der nervt, wird einfach mal erschossen), den relativ platt gezeichneten Charakteren, die ohne zu frieren ohne Schal und Handschuhe stundenlang durch eine Schneeidylle reiten, endlosen Dialogen und viel zu wenig Handlung, bleibt der Film aber leider auch nicht mehr.</p>
<p><strong>Johanna Kienitz</strong></p>
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		<title>ganze kerle!, neues theater</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 09:23:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Inszenierung stammt von Regisseur und Schauspieler Jan Bodenius, der bereits im vergangenen Jahr die Striptease-Show „Ladies night“ im gleichen Theater auf die Bühne stellte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Wolfram-Pfäffle-und-Andreas-Werth.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10033" title="Wolfram Pfäffle und Andreas Werth" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Wolfram-Pfäffle-und-Andreas-Werth-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>„Niemand hat gesagt, dass es einfach ist, eine Frau zu sein. Dafür hat Gott nur die Besten ausgesucht. Aus dem Rest hat er Männer gemacht!“, meint die strenge Elaine Knoxville (Beatrice Fago), Mutter von Sam (Rudolf Schlager), seines Zeichens verklemmtes, naives Muttersöhnchen. Nichtsdestotrotz beschließt er, zusammen mit seinen drei Arbeitskollegen George (Wolfgang Finck), Paul (Kay Szacknys) und Manuel (Andreas Werth) eine Travestieshow auf die Beine zu stellen – was man anfangs den gestandenen Kerlen gar nicht zutraut.</p>
<p>Da ist Georg, der Dienstälteste, Manuel, der junge, mexikanische Immigrant sowie Paul, der Bier und schräge Witze liebt. Alle vier arbeiten für den Canadian Parcel Service (CPS) in der kanadischen Provinz Halifax. Obwohl der versnobte Versandleiter Frank Collins (Wolfram Pfäffle) ständig Druck macht, erledigen die Männer ihren Job gerne. So halten sie auch zusammen, als sie mitbekommen, dass Collins kleine Tochter Betty angeblich eine Augenoperation braucht, um nicht zu erblinden. Hinter Collins Rücken wollen sie die nötigen 20.000 Dollar auftreiben. Doch wie an so viel Geld herankommen? Schließlich hat Manuel die zündende Idee zur etwas anderen Benefiz-Gala: eine Travestieshow soll helfen, Bettys Augenlicht zu retten. Obwohl sich die anderen zunächst dagegen sträuben („Wir sind doch nicht schwul!“), beschließen sie dennoch, für den guten Zweck über ihren Schatten zu springen und die Zuschauer werden Zeugen, wie die ganzen Kerle nach Feierabend – mal mehr, mal weniger widerspenstig – die weibliche Seite an sich entdecken. Nach diversen schweißtreibenden Proben ist es dann endlich soweit: Alle Vorstellungen sind ausverkauft und Bettys OP steht nichts mehr im Wege…</p>
<p>Die Inszenierung stammt von Regisseur und Schauspieler Jan Bodenius, der bereits im vergangenen Jahr die Striptease-Show „Ladies night“ im gleichen Theater auf die Bühne stellte. Die Idee zu „Ganze Kerle!“ wurde wiederum dem gleichnamigen Roman der kanadischen Autorin Kerry Renard entnommen und 2007 bereits in Deutschland uraufgeführt. Wird das Stück anfangs von witzigen, leichten aber auch teils verkrampften Männerdialogen und brillanten bis klischeehaften Pointen bestimmt, gewinnt es bei den Proben zur Travestieshow immer mehr an Tempo. Begleitet werden die Szenenwechsel durch musikalische Klassiker von Dean Martin oder Frank Sinatra aus dem Off, was die ausgelassene Stimmung im ausverkauften Theater unterstützt. Richtig Schwung bekommt die Inszenierung, als Sams anfangs noch konservativ erscheinende Mutter Elaine für die Choreografie der Show gewonnen werden kann. Es folgt ein glamouröser Auftritt: Feinrippunterhosen und die CPS-Kluft werden gegen glitzernde Kostüme, hochhackige Schuhe, feminine Perücken und Make-up eingetauscht. Von Marilyn Monroe über Mireille Mathieu bis hin zu Tina Turner ist alles vertreten und wird durch ausgeklügelte Tanzeinlagen und Playback-Karaoke, durch abwechselnde Solo- und Gruppenauftritte parodiert. Auch wenn Pauls Verwandlung an Hans Werner Olms-Figur Luise Kuschinsky erinnert – peinlich kommt die erotische Komponente der Glamourshow nie daher. Die größte Wandlung allerdings gelingt dem kühlen Chef Frank Collins – Elaine kann ihn tatsächlich als Conférencier für die Show gewinnen. Die charmante 180-Grad-Wandlung steht ihm so gut, dass ihm die Publikumsherzen nur so zufliegen. Den Zuschauern hat es gefallen, den Schauspielern sichtlich auch, wie die drei Zugaben am Ende zeigen. Ein Ohrenschmaus ist auch Manuels konsequent gespielter mexikanischer Akzent. Den hält er sogar durch, als ein Tischtennisball versehentlich ins Publikum fliegt: „Entsuldige Sie, es giebt leida kein’ Ersazball…“ There’s no business like show business!</p>
<p><strong>Lotta Caspers</strong></p>
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		<title>red – eine hommage an die farbe der liebe, orangerie</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Jan 2011 15:21:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<description><![CDATA[500 geladene Gäste erleben die Premiere des 7. Wintervarietés im November. 45.000 Zuschauer sollen in den nächsten Monaten kommen, hoffen das GOP-Varieté-Theater und die Macher des Kleinen Festes im Großen Garten, die RED präsentieren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>500 geladene Gäste erleben die Premiere des 7. Wintervarietés im November. 45.000 Zuschauer sollen in den nächsten Monaten kommen, hoffen das GOP-Varieté-Theater und die Macher des Kleinen Festes im Großen Garten, die RED präsentieren.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Red.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10458" title="Red" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Red-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>„Ich spüre meinen Puls bis zum Explodieren.“ Exzentrisch und schrill wie Nina Hagen, mondän und stimmgewaltig wie AnNa R., Frontfrau des Duos Rosenstolz, durchbricht Marianne Iser die Stille. Als „Schneewittchen“ bilden Thomas Duda am Keyboard – bei RED zugleich musikalischer Leiter – und Iser eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschsprachigen Bands. Ihre Musik ist geprägt vom rauschhaften französischen Chanson, von deutscher tiefschwarzer Romantik und dem Punk zu seiner Entstehungszeit. In ihren Texten geht es um Scheitern und Mord, um unstillbaren Lebenshunger und die Sehnsucht nach dem Tod. Von der ersten Sekunde an polarisieren sie das Publikum – und irritieren es gleichermaßen. Mit dem Lied „Ohne Liebe will ich nicht“ beginnt die Hommage an die Farbe der Liebe, steigt direkt dort ein, wo es wehtut und trifft ohne Umschweife mitten ins Herz. Düster, makaber, unbequem – auch das schließlich eine Facette der Liebe. Doch die Frau auf der Bühne wirkt nicht gebrochen, auch nicht so, wie man ein Schneewittchen vermutet. Mit knallrotem üppig-barockem Kleid und dramatischem Make-up tritt Iser als dunkle Königin auf: stark und erhaben, die Stimme kraftvoll, theatralisch und pathetisch die Gestik. Leidenschaftlich, impulsiv, intensiv – auch dafür steht RED, die Farbe der Liebe. Doch es wäre eben nicht die Liebe, wenn sie einen nicht überraschte. Von einer Sekunde auf die andere ändert sich die Stimmung. Auf Licht folgt Schatten, auf Schatten folgt Licht. Und auf Schneewittchen – unnahbar, laut – folgen mit Anastasia leise Töne und auch die Sehnsucht nach Nähe und Wärme. So aufwühlend das Erlebte zuvor, so sanft und sinnlich wird es nun. Grazil spannt die Kontorsionistin ihren Körper, verdreht und verbiegt sich auf eine Weise, wie sie unnatürlich und natürlich zugleich scheint. Und obwohl diese Form der Akrobatik Anastasia höchste Kraft abverlangt, wirkt sie in ihrem weißen Body zerbrechlich und filigran. Auch das bezeichnend für die Show: Kontraste nicht nur zwischen den Protagonisten, sondern auch innerhalb einer Darbietung. Um eben diese Gegensätze geht es schließlich, um den Facettenreichtum der wohl wunderbarsten und geheimnisvollsten Sache der Welt. Der Liebe verdanken wir unser Leben – und manche treibt sie sogar in den Tod. Jeden einzelnen Aspekt dieses Phänomens sucht Ulrich Thon, Regisseur von RED, in seiner Inszenierung herauszustellen. Eifersucht und Leidenschaft, Einsamkeit und Annäherung, Schmerz und Lebensfreude, Verlust und Schuld werden durch verschiedene Charaktere verkörpert und mittels Varietékunst gestaltet. Musik, Akrobatik, Humor und Tanz wechseln sich auf der Bühne ab, reichen von atemberaubend bis verstörend, um sich am Ende zu vereinen: zu einem opulenten Gesamtkunstwerk.</p>
<p>Ob Georges &amp; Motoreta, ein Clownpärchen, dessen anrührende Geschichte erzählt wird, ob Les Soeurs Pillères, zwei (kampf-)lustige Ballerinas, Kanadierin Sabrina Aganier im Luftring, Ukrainerin Inna an den Strapaten, Hilti &amp; Bosch mit modernem Lockdance oder Slava, der schwer verliebt und schwerelos von Leiterakrobatik auf Cyr Wheel wechselt – sie alle verblüffen mit ihrer Kunst und zeigen dabei vor allem eins: Ob am Boden oder in der Luft, große Gefühle sind überall, man kann sich ihnen nicht entziehen. Die Kraft der Liebe durchbricht die Schwerkraft, genauso wie das 7. Wintervarieté die Grenzen des klassischen Varietés durchbricht.</p>
<p><strong>Manuela Sender</strong></p>
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		<title>die backchen oder der eindringling, schauspielhaus</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Jan 2011 15:18:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Frauen der Stadt Theben geraten außer Rand und Band. Sie ziehen zusammen an einen Ort, wo sie ekstatisch wüten. Schuld ist der Gott des Rausches. Es endet, wie soll es anders sein, in einer Katastrophe. Ein Justin- Bieber-Konzert? Nein, dieses Drama spielt sich derzeit im Foyer des Schauspielhauses ab.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Die-Backchen-oder-Der-Eindringling.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-10457" title="Die Backchen oder Der Eindringling" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Die-Backchen-oder-Der-Eindringling-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Die Frauen der Stadt Theben geraten außer Rand und Band. Sie ziehen zusammen an einen Ort, wo sie ekstatisch wüten. Schuld ist der Gott des Rausches. Es endet, wie soll es anders sein, in einer Katastrophe. Ein Justin- Bieber-Konzert? Nein, dieses Drama spielt sich derzeit im Foyer des Schauspielhauses ab. Und der Verführer ist Bacchus, der in der griechischen Mythologie auch Dionysos genannt wird. Der Gott des Weines. Auf Grundlage der römischen Mythologie setzt das Schauspiel Hannover ein Stück in Szene, das sich mit dem Fremden beschäftigt. Dem Fremden, das jeder in sich selbst trägt. Und es geht um die Angst vor dem Fremden, die so stark sein kann, dass sie die Sinne vernebelt.</p>
<p>„Die Weiber, verrückt vor Geilheit!“ Pentheus, Herrscher über Theben, kann es nicht fassen. Ein Eindringling ist in der Stadt und hat die Frauen verrückt gemacht. Sein fester Vorsatz: Ordnung schaffen. Der Unruhestifter muss weg. Aber so leicht gestaltet sich die Angelegenheit nicht. Sein Großvater Kadmos und der blinde Seher Theresias sind außer sich. Sie wollen tanzen. Wollen sich mit Fell und Efeu behängen. Beschmieren sich wie von Sinnen mit Quark und saufen! Theresia hat Pentheus nur eines zu sagen, als dieser den Wahnsinn beenden will: „Hör meinen Rat, betrinke dich sofort!“</p>
<p>Doch Pentheus wehrt sich. Er kämpft weiter, und wie es scheint am Ende gegen sich selbst. Und diesen Kampf kann man bekanntlich nicht gewinnen. Er will Bacchus festhalten: um jeden Preis. Einer der Kämpfe wird zum interaktiven Erlebnis für die Zuschauer in der vorderen Reihe. Denn das Monstrum, das es zu besiegen gilt, wütet im Foyer, wird größer und größer und nimmt doch keine Gestalt an, zumindest eine nicht erwartete. So viel kann verraten werden: Dem Monstrum wird Pentheus Herr, doch welches Monstrum er sich da gegriffen hat, erkennt er erst, als der Kampfeswahn ihn wieder loslässt.</p>
<p>Dionysos tritt zunächst unauffällig auf. Kein Wunder, dass Pentheus ihn nicht erkennt. Später als Pentheus wegen seines Wahns schon ganz blind scheint, gibt sich der Gott kaum Mühe, unerkannt zu bleiben. Deutlich tritt er als der Gesuchte auf, doch Pentheus kann die Gefahr, die von ihm ausgeht, nicht mehr erkennen. Rachegelüste treiben Bacchus dazu, Pentheus zu bestrafen, dieser lässt sich bereitwillig locken. Er will selbst sehen, was die Frauen, die Backchen, treiben.</p>
<p>Am Ende steht Agaue, Pentheus Mutter, auf der Bühne und klagt über ihr Leid. Sie hat etwas Schreckliches getan. Sie hat etwas Fremdes vernichtet, dass letztendlich ein Teil von ihr selbst war. Denn Bacchus, der sie verführte, ist ihr Sohn. An dieser Stelle wird auch dem Besucher etwas fremdartig. Außer einigen Quarkbesudelungen war das Stück bis hierhin mit wenig Kaspereien ausgekommen, und nun tritt Agaue mit Proletenslang auf, und man fragt sich, was das soll. Vielleicht ist sie sich selbst fremd mit dem Kopf des Tieres in der Hand, das sie mit eigenen Händen erlegt hat und das ihr Sohn ist. Oder ist sie etwa in Berlin-Marzahn aufgewachsen?</p>
<p>Das Stück schließt mit dem Monolog „Der Eindringling“ vom franzözischen Dichter Jean-Luc Nancy. Ein Mann tritt aus dem Publikum und klagt sein Leid. Es ist ein Herztransplantierter. „Wie passt das ins Stück?“, fragt man sich zunächst und wird dann rasch aufgeklärt. Das fremde Herz wird Teil des eigenen Körpers, lebenswichtig und doch fremd. Es wird abgestoßen, wird nicht angenommen. Es bleibt ein Fremdkörper. Alles fügt sich zu einem Ganzen.</p>
<p>Die „Backchen oder der Eindringling“ ist eine zuschauernahe Inszenierung ohne viel Schnickschnack. Die Verknüpfung mit dem Werk von Nancy macht die Aktualität der Thematik deutlich und lässt die Zuschauer über den eigenen Umgang mit dem Fremdem nachdenken. Deswegen ist es auch die richtige Entscheidung gewesen, das Stück im Foyer zu spielen, sodass das Publikum mitten im Zentrum des Geschehens sitzt. Als die Zuschauer vor dem sich ausblasenden Monstrum zurückweichen müssen, wird deutlich, das der Fremdkörper auch sie bedroht. Und so schließt sich der Kreis.</p>
<p><strong>Melanie Petersen</strong></p>
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		<title>crux oder der heiland unterm bett, ballhof zwei</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 10:54:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[2010-12]]></category>

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		<description><![CDATA[Silvesternacht. Mit Sekt, Posaune und selbstgebasteltem Böller erklimmen drei Freunde das Kirchendach. Ausgelassen albern sie herum. Der Knallkörper zündet zwar nicht richtig, einen lauten Krach gibt es allerdings trotzdem: als Hansi versehentlich das Kirchenkreuz mit umreißt. „Der (Heiland) wird uns betrafen, der sieht doch alles!“ Im Folgenden wird „der“ noch einiges sehen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/59_SK_Dezember_2010_72.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-11809" title="59_SK_Dezember_2010_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/59_SK_Dezember_2010_72-300x159.jpg" alt="" width="300" height="159" /></a>Silvesternacht. Mit Sekt, Posaune und selbstgebasteltem Böller erklimmen drei Freunde das Kirchendach. Ausgelassen albern sie herum. Der Knallkörper zündet zwar nicht richtig, einen lauten Krach gibt es allerdings trotzdem: als Hansi versehentlich das Kirchenkreuz mit umreißt. „Der (Heiland) wird uns betrafen, der sieht doch alles!“ Im Folgenden wird „der“ noch einiges sehen, für das man sie eher bestrafen könnte: von Freiheitsberaubung und schwerem Raub über Dealen und Cannabismissbrauch hin zu zahlreichen Ordnungswidrigkeiten.</p>
<p>All das sehen können auch 12- bis 15-Jährige, sogenannte Lückekinder, die für das Kindertheater schon zu alt und für das Erwachsenentheater noch zu jung sind. Eigens für sie ist das Stück geschrieben. Mit „Crux oder Der Heiland unterm Bett“ konnte Autorin Anne Jentsch, die Szenisches Schreiben in Berlin studiert, sich als Siegerin des Schreibwettbewerbs „Stücke für die Lücke“ vom Jungen Schauspiel Hannover und der Niedersächsischen Lottostiftung behaupten.</p>
<p>Eine Lücke prangt auch auf dem Kirchendach. Um die Sache zu vertuschen, nehmen Hansi (Christoph Müller), Kolla (Sebastian Schindegger) und Marko (Sandro Tajouri) das Kreuz samt Heiland einfach mit – wobei der Heiland nun nicht mehr am Kreuz hängt, sondern stattdessen an Martin alias Schimmel (Rainer Frank). Auch der war auf dem Kirchendach. Um herauszufinden, wie viel er gesehen hat, fesseln und entführen sie ihn. Die Krux mit dem Kreuz nimmt ihren Lauf.</p>
<p>Der Heiland liegt nun unter Hansis Bett. Sonst gekreuzigt, gestorben und begraben, wird er hier entkreuzigt, verborgen, vergraben – bis es, natürlich am Osterfest, zu einer eigenwilligen Auferstehung kommt.</p>
<p>Nackte Haut und sich küssende Männer – eigentlich ist alles dabei, was Lückekinder brauchen, um einen Vorgeschmack zu bekommen, wie zeitgenössisches Theater aussieht. Als „religiös aufgeladenen Dorfkrimi“ beschreibt das Junge Schauspiel das Stück. Ein Dorf ist da, ein Krimi kaum. Religiöse Elemente sind genügend vorhanden. Im Kontext gesehen muss man sich aber fragen: Ist das tatsächlich noch Ironie – oder grenzt es schon an Blasphemie? Mal wird auf das Kirchendach uriniert, mal der Heiland als „Wichser!“ beschimpft, und schließlich wird noch mal uriniert: direkt vor das neu aufgestellte Kreuz, an dessen Fuße die Jungen ein Hanffeld anlegen. Dass Hansi sich als einziger mit Schuldgefühlen plagt, ja fast daran zu zerbrechen scheint, wird eher ins Lächerliche gezogen, sein verzweifelter Versuch, sich mit Fasten zu reinigen und so vielleicht seine Schuld zu büßen, lediglich dahingehend kommentiert, dass er „stinkt“. Und doch kommt man nicht ums Schmunzeln herum, was weniger dem Stück an sich, sondern eher den Schauspielern zu verdanken ist.</p>
<p>Raffiniert gestaltet und sehenswert ist auch die Bühne (Andrea Wagner): Eine Art Quarterpipe (halbe Halfpipe) dient als Dach und verwandelt sich dank eingelassener Klappen bei Bedarf im Handumdrehen in Hansis Zimmer.</p>
<p>Was am Ende bleibt, ist ein Stück über Freundschaft. Auf den erhobenen Zeigefinger – mal abgesehen von den beinah so wirkenden ausgestreckten Armen des „Entkreuzigten“ – wird verzichtet, genauso wie auf Jugendjargon. Jentsch hat eine Sprache gewählt, die knapp aber natürlich ist – und ohne sich anzubiedern verständlich. Das junge Publikum hat seinen Spaß, wenngleich auch sicher nicht alle Lückekinder mit diesem Stück erreicht werden können. Für unter 14-Jährige empfiehlt sich der Besuch in Begleitung eines Erwachsenen. Zumindest um 11 Uhr lässt die Spielzeit aber wohl eh nichts anderes zu, als das Stück im Klassenverband zu sehen.</p>
<p><strong>Manuela Sender</strong></p>
<p>Termine im Dezember: am 11. und 26.12. um 18 Uhr sowie am 15.12. um 11 Uhr.</p>
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		<title>le cadavre exquis &#8211; ein versuch in wundern, commedia futura</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 10:49:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2010-12]]></category>

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		<description><![CDATA[Le Cadavre Exquis (Der köstliche Leichnam) ist ein ungewöhnliches Stück, entstanden aus dem Zufall. Die Methode ist einem Kinderspiel entlehnt: Auf einem gefalteten Papier schreiben mehrere Personen hintereinander ein Wort auf, ohne zu wissen, was der Vorgänger geschrieben hat.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/58_SK_Dezember_2010_72.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-11806" title="58_SK_Dezember_2010_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/58_SK_Dezember_2010_72-300x164.jpg" alt="" width="300" height="164" /></a>„Das sind alles meine! Die verleihe ich auch nicht! Die gehören alle mir!“ Während die Schauspielerin einsam auf der Bühne steht und das sagt, hält sie einen Blumenstrauß mit roten Rosen vor ihrer Brust. „Das sind meine Gefühle! Und die gehören nur zu mir!“</p>
<p>Le Cadavre Exquis (Der köstliche Leichnam) ist ein ungewöhnliches Stück, entstanden aus dem Zufall. Die Methode ist einem Kinderspiel entlehnt: Auf einem gefalteten Papier schreiben mehrere Personen hintereinander ein Wort auf, ohne zu wissen, was der Vorgänger geschrieben hat. „Le cadavre exquis boira le vin nouveau“ (Der köstliche Leichnam trinkt den neuen Wein) war der Satz, der einst bei den französischen Surrealisten herauskam. Vier Regisseure haben ihre Vorlieben, Geschichten und Ideen eingebracht: Cadavre Exquis ist eine Collage daraus.</p>
<p>„Ich fühl’ mich blau! Weiß nicht, wie ich es dir sagen soll. Ich sag’s dir in – Blau.“ Der Darsteller liegt, während er diese Zeilen singt, in einer großen Pfütze aus blauer Farbe. Kaum hat er die Bühne verlassen, beginnt auch schon die nächste Szene. Der Wechsel ist schnell, die kleinen Szenen beginnen urplötzlich, geschehen am Rande, fließen ineinander über und sind genauso abrupt vorbei. Den ersten Teil von Le Cadavre Exquis muss man eher wie einen schönen Traum genießen, nicht wie ein Theaterstück mit festen Charakteren und einer geschlossenen Handlung. Nur zum Ende gibt es die längere Geschichte eines jungen Pärchens, angelehnt an Schnitzlers „Traumnovelle“. „Überrasch’ mich!“ und „Berühr’ mich!“, das waren die einzigen Arbeitsmaximen für die Entstehung des Stücks. Und schon während man den Abend in der Commedia Futura genießt, kann man sagen: Es hat funktioniert. Es ist gelungen.</p>
<p>Worum es in dem Stück geht, kann man nicht in einem Satz sagen. „Die eigentliche Geschichte dieses Abends entsteht im Kopf des Zuschauers“, so Wolfgang A. Piontek, Konzeptionist des Werks. Es geht um Emotionen. Um das größte Glücksgefühl im Kontrast zu tiefster Trauer. Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen und natürlich um Liebe. Sieben Darsteller verkörpern immer neue Charaktere. Mit einem Minimum an Requisiten erschaffen sie in jeder Szene neue Welten, neue Situationen, neue soziale Wirklichkeiten.</p>
<p>Das alte Spiel der Surrealisten – in der Commedia Futura in der Eisfabrik ist durch diese Methode etwas sehr Schönes entstanden: Eine wundersame Achterbahnfahrt mit Komik, Trauer, Tiefsinn und Leichtigkeit. Beeindrucken kann dieses Stück vor allem durch seine Ästhetik und die Leistung der Darsteller. Ihr Spiel, ihr Gesang, ihr Tanz ist überzeugend, bewegend und einfach wunderschön. Ganz besonderes Theater! Der „Versuch in Wundern“ ist sehr zu empfehlen. Das Stadtkind verlost 3&#215;2 Karten für die Vorstellung am 3. Dezember. Einfach eine Mail an redaktion@stadtkind-hannover.de und man zählt vielleicht zu den in diesem Fall wirklich glücklichen Gewinnern.</p>
<p><strong>Janine Klemmt</strong></p>
<p>Weitere Vorstellungen:<br />
3., 4., 10., 11., 17. und 18. Dezember um 20 Uhr.</p>
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