Als der Goldene Neger zum Goldhelm wurde

Kunstaktion des Schuppen 68 – Heute, 12 Uhr!

Goldener Neger? Ja, den gibt es wirklich. Der diskriminierende Name bezeichnet eine spezielle Sonnenblumen-Sorte, die bemerkenswerterweise das Öko-Siegel vom Demeter Verband trägt. Klaus-Dieter Gleitze vom Künstler-Netzwerk Schuppen 68 hält diesen Umstand für nicht länger haltbar und startet heute, am 14. September 2017, um 12 Uhr die Kunstaktion „Umbenennung der Sonnenblume Goldener Neger“. Auf der Brücke Nieschlagstraße in Linden-Mitte wird eine Sonnenblume „Goldener Neger“ feierlich von ihrem Namen entwidmet und mit einer Flasche Sekt neu getauft auf den Namen „Goldhelm“, in Anlehnung an das berühmte Gemälde aus der Rembrandt-Schule „Der Mann mit dem Goldhelm“.

Für übertrieben politisch korrekt hält er seine Aktion nicht. „Sprache prägt unser alltägliches Bewusstsein. Rassismus fängt im Kopf an, wächst im Alltag und endet in Gewalt. In Zeiten von wachsendem Rassismus, Hass auf andersartige Menschen und Ausgrenzung hat es nichts mit übertriebener Political Correctness zu tun, wenn man auf Änderung von diskriminierender Sprache besteht. Sprache ändert sich dauernd: Der Begriff „Nigger“ oder „Bimbo“ ist mittlerweile zu Recht gesellschaftlich geächtet, der Sarotti „Mohr“ heißt nicht mehr so, Negerküsse gibt es nicht mehr. Und das ist auch gut so“, erklärt Gleitze seine Performance-Idee.

Mit einem Glas Sekt und den bereits umbenannten „Schaumküssen“ wird die feierliche Zeremonie begangen. Den Abschluss der Performance bildet eine Lesung, unter anderem mit dem Gedicht „10 kleine Negerknaben“, der Ur-Version des früheren Kinderlied-Klassikers „10 kleine Negerlein“.

Die Dokumentation der Aktion lässt Gleitze Samenhäusern und dem Demeter Verband zukommen, mit der Aufforderung, die Sonnenblume auch offiziell umzubenennen.

Donnerstag, 14. September 2017
12 Uhr
Brücke Nieschlagstraße

2 Kommentare für “Als der Goldene Neger zum Goldhelm wurde”

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  1. […] Goldener Neger in meinem Garten. Seit Jahren ziehe ich den Goldenen Neger groß, jahrelang habe ich unbeirrt im antifaschistischen Kampf meine Kunst als Waffe eingesetzt, um diesem Anachronismus ein Ende zu setzen. Und nachdem mich heute Morgen beim Spaziergang im […]

  2. […] Sonnenblumen Goldener Neger, vorne, und Kürbissetzling. Meine Zuchterfolge sind in Anbetracht der nächsten Seuche von wachsender Bedeutung. Wenn die nächste Seuche dergestalt gruselig aussieht in Sachen Letalität und Infektiosität, dass wir uns nach Corona zurücksehnen, ist Autarkie im Lebensmittelbereich ein entscheidender Survivalfaktor. Wenn jeder Gang vor die Tür zum lebensbedrohlichen Risiko wird, ist homegrown das Mittel der Wahl …. Von meinen 10 Kürbissetzlingen kann ich vermutlich monatelang mit Suppe überleben und aus den Sonnenblumenkernen Öl pressen für Fladen. Wahrscheinlich werde ich dann auf der Veranda übernachten müssen, mit einem Heckler und Koch Sturmgewehr mit stark Mannstoppender Wirkung (tut’s auch gegen Frauen). Da mir dieses Metier eher fremd ist, ohne Anruf das Feuer zu eröffnen auf Kürbisdiebe, muss ich auch den Marihuana Anbau revitalisieren, damit die nächtlichen Traum-Dämonen vertrieben werden. In der ersten Stufe der nächsten Seuche wird man sich für jeden Gang auf die Straße per Smartphone einen Timeslot buchen müssen. Mir reicht’s jetzt schon, einen Termin für einen Schnelltest vor einem Videolive-Stream einer Podiumsdiskussion buchen zu müssen, dauernde Fehlermeldungen „Füllen Sie das und das richtig aus“ grrr, Hass… Was sollen später mal die Leute ohne Smartphone machen? Auch wenn das eine aussterbende Spezies ist – 80 Prozent haben aktuell eins, Tendenz rapide wachsend – heißt das, 20 Prozent sind immer noch ohne, meist aus Kohlegründen oder weil sie überfordert sind. Ein paar wird es auch 2028 (da kommt laut meinen Berechnungen die nächste Seuche) noch geben ohne. Sind die dann Kollateralschäden? In einem Interview wurde ich gefragt, ob Menschen in prekären Lebenslagen jetzt prioritär geimpft werden sollten. Wenn möglich, ja. Das sei aber auf jeden Fall Kernaufgabe für die nächste Seuche. Wie aber wird Pririorität dann festgelegt? Mit einem priority scoring? Für alles Mögliche von Gesundheit über Gesellschafts-Relevanz bis Lebenslage gibt es dann Punkte und je höher das Scoring am Ende desto eher die Impfung. Ohne große Diskussionen. Schöne neue Welt? Warten Sie’s ab, liebe Leserinnen. In China läuft das Prinzip schon perfekt. Mehr als perfekt. […]


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