Wie überrascht man doch jedes Jahr ist, wenn mal so ein bisschen Schnee fällt und es plötzlich glatt und noch ungemütlicher ist als sonst im Winter! „Mensch, so kacke hatte ich das gar nicht mehr in Erinnerung!“ – die Seele möchte Urlaub unter Palmen. Da diesbezüglich wenig zu machen ist, kann man zumindest ein Restaurant besuchen, das einem ein bisschen Urlaubsflair vermittelt. Genau das tun wir jetzt auch und stapfen zu einem recht neuen mexikanischen Restaurant in Mitte.
Im Souterrain gelegen, verwinkelt und mit seinen recht niedrigen Decken hat das La Bonita etwas Höhlenartiges, ist aber keineswegs ungemütlich. Kann auch gar nicht, so freundlich und sonnig, wie man uns hier begrüßt! Erst mal etwas zu trinken, bitte mit Sommerfeeling: Modelo Especial, ein mexikanisches Bier (5,90 Euro) und Lillet Cantarito (8,50 Euro). Hierbei handelt es sich um ein Lillet-Grapefruit-Gemisch, dessen Glasrand mit einer eigentümlichen Gewürzmischung garniert ist – Chili und Hibiskus vielleicht? So lecker das Getränk ist, das Gewürz ist es nicht und wird deshalb ignoriert. Auch das Bier schmeckt nicht gerade urlaubsmäßig, es sei denn, man macht gerne Urlaub in Peine: Geschmacklich erinnert Modelo Especial nämlich an Härke-Pils. Kann ja jetzt jeder für sich entscheiden, wie das zu beurteilen ist.
Umso mehr freuen wir uns, als Essen serviert wird. Unsere „Combinado“ (9,50 Euro) besteht aus einer Schale hausgemachter Nachos, einer großen Portion Guacamole und einer Portion „Frijoles refritos“ – Pinto- und schwarze Bohnen mit Käse garniert. Natürlich haben wir erwartet, dass beim ersten Bissen plötzlich eine Mariachiband um die Ecke biegt und zu spielen beginnt, aber erstaunlicherweise passiert das nicht. Zwar ist Enttäuschung nicht das richtige Wort, aber allen Komponenten fehlt es an einer entscheidenden Kleinigkeit, was verhindert, dass wir das Essen wirklich gut finden: Die Nachos sind zu fettig und schmecken im Grunde nach gar nichts, da sie ungewürzt sind. Vielleicht muss das so sein, aber schön ist es nicht. Die Guacamole weist – aufgepasst, denn das ist wirklich selten – das perfekte Maß an Koriandergrün auf, wahrnehmbar, aber nicht überlagernd. Sonstige Gewürze sind leider Fehlanzeige, weshalb die Masse etwas fad schmeckt. Die Bohnen schmecken nach Bohnen, alles andere wäre auch schlecht. Begeistert sind wir trotzdem nicht, zu dumpf und erdig das Ganze, ohne Säure oder sonstige Finesse. Aber wir sind ja noch nicht fertig. Auf der dankenswerterweise recht kleinen Karte finden sich Tacos in verschiedenen Varianten. Es werden entweder zwei oder fünf Stück angeboten, je nach Appetit. Wir entscheiden uns für jeweils zwei Stück (7,50 Euro). Dazu bestellen wir die schärfste Salsa, die im Haus ist. Die Tacos sind halb aus blauem und halb aus weißem Mais gebacken. Variante „Setas“ kommt mit einer Füllung aus ganz klein geschnittenen Kartoffeln, gezupften Austernpilzen und Zwiebeln (serienmäßig auch mit Koriander, hier aber abbestellt): Herzhaft und würzig ist es, braucht aber den mitservierten Limettenschnitz und sogar etwas von der Salsa – die übrigens echt gut ist – um rund zu schmecken. Ähnlich sieht es bei den Tacos „Al Pastor“ aus: Kleine Stücke Schweinefleisch, die mit Ananas und mexikanischen Gewürzen mariniert, gebraten und mit Ananas und Koriander im Taco serviert werden. Ganz gut, aber nicht „wow“. Exemplarisch für das komplette Essen, das uns serviert wurde – leider. Das Ambiente ist nett, das Personal nahezu hinreißend; wir hoffen, dass lediglich das Küchenpersonal ein bisschen erkältet war.
IH, Fotos: Gero Drnek
La Bonita
Ferdinandstraße 5
30175 Hannover
Öffnungszeiten
Di-Do: 17-22 Uhr
Fr: 16-23 Uhr
Sa: 14-23 Uhr
Instagram: @labonita.hannover



