Jens Klostermann

Geschäftsführer und Gesicht des Ladens Subkultur

Foto: Frank RohneDer rundum tätowierte Charakterkopf (45 Jahre alt, wohnt in der List) treibt die Idee, subkulturelle Musikrichtungen nach Hannover zu bringen, im SubCulture Team schon seit fünf Jahren voran. Im Spätsommer des Jahres 2016 hat er die Gelegenheit bekommen und beim Schopfe gepackt: der Musikclub der Subkulturen wurde im Engelbosteler Damm 87 eröffnet. Beim Tresengespräch erzählt uns Jens Klostermann die Clubgeschichte und vom neuesten Zuwachs der Sub-Familie.

„Die Idee, den Laden Subkultur zu nennen, war meine: Damals hatten die Subkulturen in Hannover schlicht keine Clubs mehr. Natürlich macht das Heinz noch was, die Glocksee, das Lux, die Kopi, der Stumpf – das war‘s aber auch schon. Ich wollte aber auch keinen reinen ,schwarzen‘ Club machen, keinen reinen Rock‘n‘Roll-Laden, sondern einen Laden für alle. Eher in der alten Tradition vom Twilight, Eternity, Index – diesen ganzen alten Sachen, wo wir damals als Psychobillys immer hingegangen sind. Obwohl da nicht unbedingt immer unsere Musik gespielt wurde. Einen Musikklub der Subkulturen eben. Wir spielen alles das, was woanders keine oder kaum eine Chance hat und haben es in den vergangenen zweieinhalb Jahren geschafft, dass die Rock‘n‘Roller, Psychos, Metal Heads, Goths und Waver wieder ihren Laden gefunden haben – das passt gut, auch wenn die nicht die gleiche Musik hören.“

Privat hört Jens „natürlich immer noch den alte Psychobilly, Demented Are Go, The Meteors u.s.w.“, aber er gibt zu: „Ich bin auch der letzte große Unheilig-Fan Hannovers, je nach Stimmung gehört für mich auch ein Unheilig-Song dazu. Man kann sich bei uns im Laden aber darauf verlassen, dass ein Motto den ganzen Abend durchgezogen wird. In anderen Clubs wird das Thema oft umgeschmissen, wenn nicht das passende Publikum kommt, da wird aus einem Johnny-Cash-Abend plötzlich ein Schlagerabend – so etwas machen wir nicht. Und das wissen die Leute auch.“

Bei der Frage, wer gerne gesehen ist und wer nicht, wird er deutlich: „Jeder, der sich gut benehmen kann, ist immer gern gesehen, wer aber durch rechte Kleidung oder Äußerungen auffällt, hat in der Subkultur nichts zu suchen. Die Nordstadt ist natürlich ein sehr politischer, linker Stadtteil, als wir hier neu waren, wurde auch ich komisch beäugt. Wir haben schon ein paar kontroverse Konzerte gemacht, aber wer uns kennt, weiß: über die Bands, die hier spielen, habe ich mich ganz klar informiert. Und wir haben das „Love music – Hate racism“-Herz nicht umsonst im Logo. Jemand, der aussieht wie ich, der weiß, wovon er redet, wenn es um Diskriminierung und Ausgrenzung geht. Sobald du anders aussiehst als der Großteil, anders lebst oder dich anders gibst, zeigen die Leute schon mit dem Finger auf dich und holen ihre Klischees aus der Tüte. Darauf habe ich allgemein keinen Bock – mir ist egal, wie jemand aussieht oder wo er herkommt, ich will hier Musik präsentieren, die Leute sollen Spaß haben.“

Und das klappt, die gute Feierlaune, die hier herrscht, zieht immer mehr Publikum und Künstler an, berichtet Jens: „Den ersten Schritt haben wir quasi geschafft, inzwischen melden sich die Bands bei uns, weil es sich rumgesprochen hat, dass hier das Gesamtpaket stimmt. Wir haben jetzt auch einen zweiten Backstage, die Stimmung unter den Künstlern und uns Subs und den Gästen ist super. Trotzdem ist es so, dass man mit einem Laden in unserer Größenordnung von maximal 175 Gästen eingeschränkt ist. Für die Bands, die richtig ziehen, ist der Laden zu klein. Und die kleinen Bands, die gerne spielen würden, die bringen nicht die Zuschauerzahlen, mit denen du den Club halten kannst. Da wir die aber auch unterstützen wollen, lassen wir die vor größeren Bands als Support spielen, machen dann auch noch mal einen zweiten Support, sodass die sich wenigstens kurz präsentieren können. Ich versuche, allen gerecht zu werden, muss aber grundsätzlich an den Laden denken, denn es bringt weder den Bands noch dem Publikum noch mir etwas, wenn der in einem halben Jahr dicht ist.“

Auch, damit der Musikclub der Subkulturen möglichst ewig existieren kann, hat Jens jetzt Erik Gutsche von Living Concerts ins Boot geholt. „Erik kenne ich schon eine ganze Weile und er hat schon immer gesagt, falls ich mich verändern will, dann soll ich Bescheid sagen. Diese Zeit kam jetzt, ich bin auf ihn zugegangen, und wir sind uns einig geworden, dass wir die Subkultur zusammen machen wollen. Erik wird aber nicht so wie ich immer im Laden anwesend sein, sondern er wird sein Know-how und seine Kontakte aus 25 Jahren Musikveranstaltungen einbringen und uns helfen, z.B. Tage zu füllen, an denen der Laden sonst leer geblieben ist. Womöglich auch mit Bands aus anderen Musikrichtungen, die wir bisher nicht bedient haben, aber es wird immer der subkulturelle Bereich sein. Von daher kann das nur eine Bereicherung sein und eine Hilfe, den Club zu halten. Ich sehe das rundum positiv und freue mich darauf, zusammen loszulegen“.

Na dann – alles Gute für die schrecklich nette Sub-Großfamilie und stay subculture!

Interview und Text: Anke Wittkopp

Fotocredit: Frank Rohne


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