Arne Mertens vom SNNTG-Festival

Ohne den Beitrag von ehrenamtlich Engagierten wäre unsere Gesellschaft um einiges ärmer. Die kulturelle Szene Hannovers wäre es auf jeden Fall ohne das SNNTG-Festival. Wir haben mit Arne Mertens, dem Vorsitzenden von SNNTG e.V. gesprochen.

Arne Mertens, Foto: SNNTGEs ist 2015 und Arne ist gemeinsam mit ein paar Freunden zunehmend genervt. Denn sie hören immer öfter, dass ausländisch aussehende Menschen an Clubtüren abgewiesen werden. So starten die Überlegungen, ob man das selber nicht besser machen könnte. Auch im studentischen Umfeld ist man immer unter sich, Mediziner bei Medizinerpartys, Juristen, Sportler, jeder feiert sein eigenes Fest. Damals entsteht die Idee für eine Partyreihe nach dem Motto „bunt.tolerant.anders“ – jeder ist willkommen, der friedlich mitfeiern möchte.

Mit fünf Freundinnen und Freunden setzen sje die Idee um und es läuft von Anfang an gut. Keiner verdient daran, aber es ist ja auch zunächst nur ein Hobby. Die Sache wächst, sie veranstalten einen Rave in Linden/Limmer, und bald werden sie gefragt, ob sie nicht mal ein Festival organisieren wollen. Na klar, sie wollen. Aber dafür, das ist ihnen klar, braucht man professionelle Strukturen, einen Verein.

Der ist schnell gegründet, sie haben schon Erfahrung und Kontakte, beim Gründungstreffen von SNNTG e.V. sind etwa 25 Menschen dabei, denen Kunst, Musik, Hannover und ein friedliches und fröhliches Miteinander am Herzen liegen. Eine erste Fläche, die für das Festival angedacht ist, erweist sich als total ungeeignet für Großveranstaltungen. Es folgt eine längere Suche in und um Hannover. Als sie auf das Außengelände des Hannoverschen Straßenbahnmuseums in Sehnde-Wehmingen stoßen, sind sie sofort begeistert. Das Tollste ist, dass die Mitglieder des Hannoverschen Straßenbahnmuseum e. V. und die Verantwortlichen der Stadt Sehnde sie mit offenen Armen empfangen und sich von den kreativen Ideen der snntg-Macher sofort anstecken lassen.

Jetzt geht die Arbeit erst richtig los, und die kann auch zermürbend sein. Beim Festival geht es um Kunst, Kultur, Musik, Tanzen, Feiern, aber davor kommen Bauanträge, Versicherungen, Logistik, Finanzplanung, und vieles mehr, womit sich keiner der Studierenden jemals auseinandergesetzt hat. Gerade im ersten Jahr befürchten sie einige Male, aufgeben zu müssen. Doch auch das lernt man ja im Studium oder in der Ausbildung: Probleme zu lösen, egal welcher Art. Also hängen sie sich ans Telefon und kämpfen sich durch. Und irgendwann wissen sie auch immer genau, wen sie anrufen müssen.

Ein befreundeter Architekt hilft ihnen als dauerhaft verfügbarer Ansprechpartner sehr, das Bauamt der Region Hannover unterstützt sie ebenfalls, wo es kann. Finanziell werden sie vom Kulturbüro, später auch von der Region Hannover gefördert, ohne das ginge es gar nicht. Und, das betont Arne immer wieder, sie alle haben das Glück, von ihren Familien so weit im Studium unterstützt zu werden, dass ihnen ein so weitreichendes ehrenamtliches Engagement überhaupt möglich ist. Das ist ein Privileg!

Wichtig ist den SNNTG-Machern, die Menschen aus Wehmingen mit einzubeziehen. Sie stellen sich sofort beim Ortsbürgermeister vor und die anfängliche Skepsis der Dorfbewohner weicht zunehmender Begeisterung. Mittlerweile kennt man sich, der Dorfladen organisiert das Festival-Frühstück und 2018 werden allein 400 Festival-Tickets an Anwohner verkauft.

Vom 26. bis 28. Juli findet das SNNTG-Festival nun schon zum dritten Mal statt. Etwa 3.000 Menschen feiern zusammen ein Fest mit Livemusik, Theater, Lesungen, Artistik und Kunstausstellungen. „Das Publikum ist der Knaller“, schwärmt Arne und erzählt, dass der Campingplatz im Nu wieder aufgeräumt ist, weil die Besucher eben nicht einfach ihren Müll überall hinschmeißen.

„Die letzte Woche vor dem Festival ist immer sehr intensiv, aber auch sehr cool, eine besondere Stimmung, weil alle so lange darauf hingearbeitet haben. Man lebt quasi auf dem Gelände, das Team wächst unheimlich zusammen, es ist ein superkreativer Vibe in der Luft, stressig, aber eine super Athmosphäre“, so Arne über sein Highlight des Jahres.

Das Festival sei ein tolles Produkt, die Arbeit miteinander, das kreative Rumspinnen, Ideen zu entwickeln, das mache unheimlich Spaß. Wichtig sei es, dass sie jetzt Nachwuchs finden für jene, die mit dem Studium fertig werden und in Zukunft bei SNNTG kürzer treten müssen, ergänzt Arne.

Im Moment geht es gerade auch darum, den Verein weiterzuentwickeln. Das Festival ist ja Anlaufpunkt für Kreative aus der Region Hannover, für junge Bands, für die es nicht so einfach ist, eine Bühne oder auch ein Publikum zu finden. Sie wollen der Hannoverschen Szene eine Plattform bieten, auch das ganze Jahr über, damit sie kontinuierlich arbeiten können, um die Kulturarbeit in Hannover voranzubringen. Daher sucht das snntg-Team gerade Räumlichkeiten, die sie nutzen können. Langfristig soll das Festival dann nur noch ein Teil des Vereins sein, ein Highlight neben vielen weiteren Aktivitäten.

Text: Annika Bachem, Foto: SNNTG

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