Tonträger im Januar

Mint Mind: Thoughtsicles
Hinter dem noisigen Projekt Mint Mind steckt Rick McPhail, bekannt als Gitarrist und Keyborder von Tocotronic, der damit Punk/Indie-Bands der späten 70er bis 80er-Jahre wie Mudhoney, Pixies, Pavement oder Dinosaur Jr. Anerkennung zollt. Mit im Boot sind Tim Wenzlick an den Drums und Christian Klindworth an der Gitarre. Anspieltipp: Das treibende „Brother, You‘re Not My Brother“.

 

 

Misery Loves Co.: Zero
Seit dem Jahr 2000 aufgelöst, oder auf Eis liegend, ist die schwedische Industrial-Metal-Band um die Gründungsmitglieder Patrik Wiren und Orjan Ornkloo 2016 auf diversen Festivals wieder aufgetau(ch)t. Jetzt folgt ein neues Album mit atmosphärisch-düsteren, schön geprügelten und hooklinigen Metalsongs. Als Bonbon: eine rockige Version des Garbage-Hits „Only Happy When It Rains“.

 

 

JPD: Auf Den Großen Knall
Der Ex- Mannheimer und Neu-Leipziger Julian Philipp David hat seinen Namen auf JPD zusammengeschmolzen und meldet sich jetzt mit seinem Debütalbum, das einfach frisch klingt, und auf das selbst ausgesuchte Genre „Songwriter-Rap“ passt wie angegossen: Rotzig genug um nicht kitschig zu sein, poppig genug, um Spaß zu machen, begabt betextet, und ohne Angst vor großen Gefühlen.

 

Gengahr: Sanctuary
Nach dem gefeierten Debüt „A Dream Outside“ und „Where Wildness Grows“ des englischen Indie-Pop-Quartetts um Sänger Felix Bushe ist hier das dritte Album, das erneut die Experimentierfreudigkeit der Band unter Beweis stellt. Atmosphärisch dichte, dezent groovende Tracks wechseln mit elektronischen, hektisch anmutenden, tanzbaren Pop-Hymnen, und einer schönen Ballade zum Nachtisch.

 

 

And You Will Know Us By The Trail Of Dead: X: The Godless Void And Other Stories
Die sagenumwobene, breitwandige texanische Post-Rock-Band mit Vorliebe für zerstörte Bühnen und Hotelzimmer hat im Jahr ihres 25-jährigen Bandjubiläums ihrer Diskographie ein 10., sehr hörenswertes Opus hinzugefügt, dessen Beschreibung definitiv dieses Format sprengt, das aber zu gut ist, um hier unterschlagen zu werden.

 

 

Tara Nome Doyle: Alchemy
Geboren ist sie junge Künstlerin in Berlin-Kreuzberg, ihre Eltern kommen aus Irland und Norwegen, und man meint tatsächlich, diese biografischen Landschaften in ihrer Musik wiederzuerkennen, allerdings jenseits aller Klischees. Ihr Debütalbum mit 9 fein phrasierten, virtuos gesungenen, hymnischen ruhigen Pop-Perlen hält die Spannung von der ersten bis zur letzten Minute.

 

 

Coogans Bluff: Metronopolis
Den „Bluffers“, wie sie von ihren Fans liebevoll genannt werden, wird nachgesagt, sie seien ebenso zeitgemäß wie retro. Nach dem 2016er „Flying To The Stars“ lange herbeigesehnt, bestätigt das 7. Album der 2003 in Rostock gegründeten Band, das einmal mehr in ganz famoser Weise. Ihr progressiver, funkiger Krautrock entzieht sich, wie innovative Musik eigentlich immer, den gängigen Genreschubladen. Mal wummern proggig die Bässe, mal klingeln die Gitarren nur ganz zart. Spacige, psychedelische Parts und angejazzte Passagen sorgen für ein kurzweiliges Hörvergnügen, was nicht zuletzt an den Bläsersätzen liegt, die sich, gern unisono arrangiert, durch die Songs ziehen und vergessen lassen, dass auf dem Album gar nicht immer gesungen wird. Track 7, „The Turn 1“ ist ein schöner Anlass, Pink Floyds „Atom Heart Mother“ wieder hervorzuholen. Das macht richtig Spaß, und den haben die Jungs eindeutig auch.

 

Hammerhai: Unterm Schnellweg
Wieso machen die so selten Platten, wo sie es doch so gut können? 13 Jahre mussten die Anhänger der Band auf neues Material warten, werden dafür aber nun reich belohnt. Albumcover- und Titel zeigen ein so tristes Stück Hannover, dass es vor Understatement nur so kracht und auch dem letzten Neuberliner klar werden muss: Das ist das neue Cool. Seit 2017 besteht die „Dampframmen-Ska-Band“ aus Christian „Sölti“ Sölter, Lennart Oheim, MC Timsen, Stefan „Tikkimann“ Otto und Hagen Balke. Musikalisch bieten sie einen Cocktail aus gitarrenbetontem Rock‘n‘Roll, Punk und Ska ohne Bläser. Die Passagen mit Sprechgesang machen hier noch mehr Freude als die gesungenen, knödelt Sölter in den Tiefen doch arg, was man nicht mögen muss, aber kann. Anspieltipp ist das wunderbare „Der Durch Pfützen Tanzt“ – in Rock-Hymnen-Manier über ein lang ersehntes Gewitter singen: Prima!   Annika Bachem


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