Tonträger im Februar

It‘s M.E.: Roses & Rust
Das Jubiläumsalbum zum dreißigjährigen Bestehen der Hannoverschen Bluesrock-Band um Martina Maschke und Ecki Hüdepohl ist, vielleicht dank (Gast-) Gitarrist Piet Schwaar, überraschend smooth und teilweise sogar soulig geraten. Eine schöne Abwechslung zum sonst eher rockigen Sound der Band, der wir für die nächsten 30 Jahre ein herzliches „Rock on!“ mit auf den Weg geben.

 

 

 

 

Richard von der Schulenburg: Moods and Dances 2021
Der Hamburger Musiker und DJ, der seinen wohltönenden Namen meist RVDS abkürzt, war neun Jahre lang Mitglied der Band Die Sterne. Seit seinem Ausstieg 2009 widmet er sich verstärkt seiner Solo-Karriere. Dabei frönt er in erster Linie seiner Leidenschaft für Elektronisches. Und das pluckert hier fröhlich und sehr angenehm auf das Allerschönste vor sich hin.

 

 

 

 

 

Buzzy Lee: Spoiled Love
Hypnotisch, melancholisch, auf gute Art verschlafen und warm klingender Synthpop zieht sich durch das neun Tracks starke Debütalbum der kalifornischen Schauspielerin, die bereits seit einigen Jahren, zunächst als „Duo Wardell“ mit ihrem Bruder Theo, eigene Musik veröffentlicht. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich Sasha Spielberg, die Tochter eines Regisseurs.

 

 

 

 

 

Psychedelic Porn Crumpets: SHYGA! The Sunlight Mound
Abba mit fetten Gitarren und auf 45 rpm abgespielt? So klingt die Single „Mr. Prism“. Ein atemlos-unruhiges, lustiges, eingängig-rockiges, extrem gut gelauntes, frickeliges, aber auch einfach sehr durchgedrehtes viertes Album der 2014 in Perth gegründeten, aus-tralischen Psychedelic-Rock-Band um den positiv verrückten Sänger Jack McEwan.

 

 

 

 

 

Sperling: Zweifel
Das Debütalbum der vielversprechenden, 5-köpfigen Band aus dem Hunsrück: Am Casper-artigen Gesang mögen sich die Geister scheiden, wer sich aber damit anfreunden kann, wird mit einem durchweg spannungsreichen, intelligent gerappten Post-Rock-Album belohnt. Ein Cello unterlegt den melancholischen Grundton, der sich, gepaart mit wohldosierter Härte, durch die zwölf Songs zieht.

 

 

 

 

Menagerie: Many Worlds
Das neunköpfige Jazz-Ensemble aus Melbourne um den Produzenten, Songwriter und Gitarristen Lance Ferguson zeigt sich auf seinem dritten Album hörbar inspiriert von Kamasi Washington. Menagerie versammelt mit dem Pianisten Marc Fitzgibbon, dem Perkussionisten Javier Fredes, dem Saxophonisten Phil Noy oder auch dem Trompeter Ross Irwin einige der besten australischen Jazzmusiker.

 

 

 

 

Anna B Savage: A Common Turn
Ein Debütalbum, dass subtil und eigensinnig ein fettes Ausrufezeichen hinter den Namen der Londoner Künstlerin setzt: In zehn Songs beschreibt die Tochter zweier klassischer SängerInnen die Befreiung aus einer toxischen Beziehung als düster-melodische Reise. Mit charismatisch dunkler, fast gewaltiger Stimme singt sie mit der Schwere, Tiefe und Zerbrechlichkeit einer Frau, die schon (zu) viel erlebt hat. Mit ihrer 2015er EP „Unfinished Business“ zog sie bereits nicht nur die Aufmerksamkeit der internationalen Musikpresse, sondern auch von  Father John Misty und Jenny Hval auf sich, die sie beide mit auf ihre Europa-Touren nahmen. Vom frühen Erfolg überwältigt und aus der Bahn geworfen, dauerte es eine Weile, bis Savage wieder beginnen konnte, an neuer Musik zu feilen. Das famose Ergebnis ihrer dreijährigen Arbeit ist ein Panorama von sperrig bis fast eingängig.

 

 

Twins On A Tree: Of Foxes And Wolves
Ja, Mark und Stefan Widdowson sind Zwillinge, und ja, sie haben wohl einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Kindheit auf einem Baum verbracht. Geschadet hat es den britischen Wahl-Kreuzbergern nicht, im Gegenteil: Sie sind zu kreativen Musikern mit eigenem Tonstudio herangewachsen und haben gerade ein sehr lockeres Indie-Rock-Pop-Album herausgebracht, das vom ersten bis zum 14. Track geeignet ist, uns ein bisschen die Sonne ins Herz scheinen zu lassen. Sympathischerweise versuchen sie dabei nicht mal, das Rad neu zu erfinden, sondern legen einfach los mit einer Lässigkeit, die man vielleicht nur als erfolgreicher Straßenmusiker erwerben kann. Den Twins gelang es sogar, ihr gelungenes Debütalbum auf diese Weise zu finanzieren. Nichts klingt hier abgegriffen oder trivial. Und was lernen wir daraus, Eltern? Jagt eure Kinder auf die Bäume!
 ● Annika Bachem


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