Ganesha

Ein Juli-Abend, warme Luft, der Himmel regenwolkenblau. Von der Terrasse des indischen Restaurants aus sieht man hellen Horizont über dunkelgrünen Hecken, davor tieffliegende Schwalben. Der Weg durch die Gärten hierher ist schön, man sollte ihn zu Fuß wagen, sich den Appetit beim Gehen holen, fremdländische Gewürze schon von weitem erschnuppernd. Das ehemalige Vereinsheim am Ihlpohl wurde frisch gefüllt mit indischem Flair in goldenen Erd- und Farbtönen, es füllen sich die Plätze mit Stamm- und Ganesha-unerfahrenen Neu-Gästen – nun ist es Zeit, hungrige Mägen zu füllen.

Erst sitzen wir auf der Terrasse, die sich an Stirn- und Längsseite des neueröffneten Ganesha-Tempels entlangzieht. Kurz darauf sind alle Außenplätze belegt, der frühe Sommerabend und der gute Ruf des beliebten Restaurants haben die Hungrigen aus den angrenzenden Vierteln Linden und Badenstedt, Stammgäste des alten Standorts am Geveker Kamp in Ahlem und den einen oder anderen Gartenkolonienachbarn hierher geführt. Die quirlige Inhaberin huscht von Tisch zu Tisch und hat für jeden einen fröhlichen Spruch auf den Lippen, ein kupfernes Stövchen dabei oder einen duftenden indischen Rum auf dem Tablett, der schnell über den unerwartet seifigen Zungenbelag des hauchdünnen Papadam (Fladenbrot aus Hülsenfrüchten mit Kreuzkümmel) hinwegtröstet.
Der Mix Pakora, in Kichererbsenmehl-Panade Frittiertes wie Pilze, Blumenkohl und Paneer (für 8,90 Euro) sowie Murgh Pakora, Hähnchenfleisch im Kichererbsenmantel (für 5,40 Euro), wird in Windeseile auf dem Tisch verteilt und ebenso schnell verzehrt. Dem verschiedenartig gefüllten Ausbackteig fügen eine Handvoll frittierter Kräuter und dreierlei Saucen (Pflaume, Minze und Mango) deutlichere Geschmacksunterschiede hinzu, während die Vegetable Samosa (für 4,90 Euro) auch ohne Zusatz auskommen. Die dreieckigen Mehl-Öl-Teigtaschen werden oft mit Resten eines Gemüsecurrys, mit Reis und Kartoffeln, aber auch mit Hackfleisch, Käse, Eiern oder Fisch gefüllt – unsere beinhalten eine würzige Mischung aus Erbsen, Kartoffeln und viel gutem Geschmack.
Um uns auch den Innenraum anzusehen, ziehen wir um. Und landen auf bequemen Kunstlehnsesseln unter Seilzügen, die für Beleuchtung der goldbraun bis orangen warm-reflektierenden Mustertapeten und Ornamente auf Kissen und Wänden sorgen. Die indische Musik dudelt stimmungsvoll aus einer abgetrennten Sitzecke herüber, die Raumverwandlung führt nicht ganz nach Indien, aber doch schon mal weit weg vom Kleingartenheim.
Bald werden die Hauptspeisen aufgetragen und auf besagten Kupfergestellen platziert: Lamm Bhuna (für 14,90 Euro), das gebratenes Fleisch netter Konsistenz mit Paprika, Koriander, Ingwer, Knoblauch und roter Currysauce vereint, und die herausragenden Malai Kofta; indische Käse-Kartoffelbällchen mit pikanter Safran-Cashew-Sauce (für 12,90 Euro), um die sich am Tisch gerissen wird, und das zu Recht. Nicht nur, dass die soften Kugeln mit der sweet-creamy-Sauce selbst ein zartes Träumchen sind, – sie löschen auch die brennende Zungenspitze nach dem Verzehr der zwei Feuerstarter, dem Chicken und Lamm Vindaloo (für 14,90 Euro). „Vindalho“ ist ein beliebtes, scharfes indisches Gericht, das in Velha Goa entstand, das 450 Jahre lang die Hauptstadt der Kolonie Portugiesisch-Indien war. Die Portugiesen brachten eine typische Zubereitungsart für Schweinefleisch mit: das Marinieren in Wein, Knoblauch und Gewürzen, eben „vinha de alhos“. Im traditionellen Vindaloo sind keine Kartoffeln enthalten, es handelt sich hierbei um ein Missverständnis, da „Alu“ (anglisiert „Aloo“) das Hindiwort für „Kartoffel“ ist. Zwei sparsame Kartoffelspalten zitieren als Beilage den kleinen Witz am Rande. Mit Senfsamen, Chilischoten und Pfefferkörnern hingegen wurde nicht gegeizt – die Sauce ist für den einen nicht einmal „sehr scharf“ – wie ausgewiesen – genug, für die andere hingegen schon ein Grund, zum Ablöschen des Gaumenbrandes aus dem milderen Saucentöpfchen des Gegenübers zu löffeln. Man wird es wohl nie allen Recht machen können, es empfiehlt sich, die aufrichtige Selbsteinschätzung beim zweiten Besuch mit Nachdruck bei der Bestellung zu versichern. Ebenfalls dem Selbsttest des geneigten Nachahmers überlassen wir das Paneer Naan (für 4,50 Euro), das überhaupt nicht unser Fall ist, da wir an europäischen Käse gedacht hatten und vom neutralen Krümel-Paneer enttäuscht wurden. Lieber das luftige Garlic Naan (für 4 Euro) mit viel frischem Knoblauch ordern – und sich mit glücklichem Lächeln und ebensolchen Bäuchen auf den Heimweg machen!         ● Anke Wittkopp

Am Ihlphol 20, 30453 Hannover
Tel. 0511 94067250
Öffnungszeiten: Montag geschlossen
Di – Fr 11.30-14.30 und 17-22 Uhr
Sa + So 12-22 Uhr


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