Tina und Stefan Loth von „Hab Mut, zeig Gesicht” e. V.

Der Name des Vereins deutet es an: Hier geht es darum, gegen die Stigmatisierung von Menschen anzugehen, die von einer sehr häufigen Erkrankung betroffen sind: Depression. Gegründet 2019 vom Garbsener Ehepaar Tina und Stefan Loth, möchte der Verein nicht nur informieren und Vernetzungsarbeit leisten, sondern über kulturelle Veranstaltungen auch Gemeinsinn und Freude vermitteln.

2011 gründete das Ehepaar in Bemerode eine erste Selbsthilfegruppe: „Hab Mut, es tut gut”. Beide sind selbst von Depressionen betroffen und aufgrund dessen frühverrentet. „Ich war damals auf der Suche nach einer Gruppe und habe einfach keine passende gefunden”, berichtet Stefan Loth: „Mir waren die, die ich ausprobiert habe, zu distanziert und zu unpersönlich. Ich habe dann überlegt, wie ich das aufziehen würde und das schließlich zusammen mit meiner Frau einfach getan.” Unterstützt wurden die beiden dabei von KIBIS Hannover, der Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle im Selbsthilfebereich der Region. „KIBIS hat bei der Suche des Raums geholfen und uns eine Person an die Seite gestellt, die uns beim Aufbau der Gruppe unterstützt hat. Das war wirklich klasse.” 2013 gründeten sie nach ihrem Umzug nach Garbsen eine zweite Gruppe, „Mittendrin – trotz Angst”. „Das war, als hätten die Menschen hier auf uns gewartet, eine unheimlich große Nachfrage”, ergänzt Tina Loth. „Beide Gruppen haben im Prinzip dieselbe Thematik und halten sich bis heute.” Die Gruppen bieten den Mitgliedern eine fast familiäre Atmosphäre, so wie die Loths sich das immer vorgestellt haben. „Wir essen zum Beispiel immer zusammen, wenn wir uns treffen“, so Stefan Loth, „Ich koche dann und das gemeinsame am Tisch Sitzen ist mir ganz wichtig. Dabei kann man auch mal einfach plaudern. Dann machen wir eine Pause und anschließend geht es an die Themen, die gerade dran sind. Für uns ist das eine Möglichkeit, andern zu helfen und ihnen etwas Gutes zu tun.“
Da es über verschiedene Krankenkassen möglich ist, Projektfördermittel für Selbsthilfegruppen zu beantragen, konnten die beiden Initiatoren bald Veranstaltungen planen, die über die reine Gruppenarbeit hinausgingen, in erster Linie Lesungen und Vorträge mit anschließender Diskussion. Aber auch ein Wochenendseminar hat schon stattgefunden. Seit Beginn der Pandemie können die üblicherweise zur Verfügung gestellten Räume in Berenbostel nicht mehr genutzt werden und es wurde prompt auf die privaten Räumlichkeiten der Loths ausgewichen. „Die Gruppen wurden in A und B geteilt, wir haben ein großes Haus und einen Tisch, den wir ganz weit ausziehen können“, lacht Tina Loth: „Das ist natürlich nicht ideal, aber alle sind froh, dass wir uns überhaupt sehen können.“ „Am Bildschirm funktioniert das mit den meisten nicht so gut“, ergänzt ihr Mann, „Während des ganz harten Lockdowns haben wir uns mit einigen auch einzeln zum Spazierengehen getroffen.“ Seit seiner Gründung laufen der Verein und die Gruppen eigenständig nebeneinander, auch wenn es bei den Mitgliedern Überschneidungen gibt. „Unser Verein gibt uns die Möglichkeit, öffentlichkeitswirksam zu sein, während man in den Gruppen eher unter sich bleibt”, so Stefan Loth. Und anders als die Selbsthilfegruppen bietet „Hab Mut, zeig Gesicht” auch Menschen, deren Angehörige an Depressionen erkrankt sind, die also nur indirekt betroffen sind, Information, Orientierung und Austausch. „Wir möchten auch politisch etwas bewirken“, so Stefan Loth: „Für die Versorgung von Leuten, die akute Probleme haben, sind die Wartezeiten, die es zurzeit gibt, eine echte Katastrophe. Da muss dringend etwas passieren.“ Vernetzung ist ein großes Thema des Vereins und man arbeitet mit der Robert Enke-Stiftung, dem Schaumburger Bündnis gegen Depression und auch U 25, der Online-Beratung für Jugendliche der Caritas zusammen.
In Kooperation mit der Stadt Garbsen bietet der Verein das „Mut-Café” an. Im Kulturhaus Kalle – Kultur für alle – trifft man sich einmal monatlich zum lockeren Austausch und bietet Interessierten die Gelegenheit, niederschwellig und unverbindlich dazuzustoßen. Schon fast eine kleine Vereinstradition ist es seit 2020 geworden, Krimilesungen durchzuführen. Der hannoversche Autor Thorsten Sueße, der auch im Verein aktiv ist, las im September aus seinem Psychothriller „Atemlos in Hannover“. Die Autorin Claudia Rimkus war zuvor mit ihrem Krimi „Rabeneck” zu Gast.
„Es ist ja nicht so, dass man ständig depressiv durch die Gegend läuft, nur weil man daran erkrankt ist“, lacht Tina Loth, „Manchmal wollen wir ja auch einfach nur Spaß haben.“

     ● Annika Bachem

Interessierte sind herzlich willkommen.
www.habmutzeiggesicht.de.


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