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Im Mittelpunkt steht der Mensch – Die amara Bildungsakademie

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Im Mittelpunkt steht der Mensch – Die amara Bildungsakademie


Um den Beruf des Heilpraktikers ranken sich viele Gerüchte. Auch wenn diese häufig auf Fehlinformationen oder Missverständnissen beruhen, stehen viele Menschen traditionellen Methoden wie modernen Ansätzen der Naturheilkunde dennoch voller Skepsis gegenüber. Dem hält nun die amara Bildungsakademie in ihren neuen Räumlichkeiten in der List ihr umfangreiches und individualisiertes Kursangebot entgegen. Denn im Mittelpunkt der Ausbildung steht für sie der Mensch.  

Hervorgegangen ist die amara Bildungsakademie 2016 aus der Tradition der amara Schulen für Naturheilkunde und Heilpraxis. „Als Leitbild verfolgen wir den humanistischen Ansatz“, erläutert Carina Dahmke, die gemeinsam mit Tonka Behrens und Hülya Civi-Gerke die Geschäftsführung innehat. „Dieser spiegelt sich auch stark in unseren Ausbildungskursen wider. Schließlich laufen unsere Teilnehmenden im Laufe ihrer teilweise 2-jährigen Ausbildung eine sehr persönliche Entwicklung zum Therapeuten durch.“

Das Kernangebot der amara Bildungsakademie besteht aus den klassischen Weiterbildungskursen, die auf die amtsärztliche Überprüfung beim Gesundheitsamt vorbereiten. Hierzu finden regelmäßig Informationsabende statt, bei denen Interessierte unter anderem über den gesetzlichen Rahmen des Berufes aufgeklärt werden. Da der Heilpraktikerberuf nur wenigen Beschränkungen unterliegt, dafür aber auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung erfordert, stellt die Überprüfung die Professionalität und Gründlichkeit der Ausbildung sicher – und hat dementsprechend bundesweit hohe Durchfallquoten. „Aber nicht bei uns. Wir unterstützen die Prüflinge in Kleingruppen oder mit Einzelfallförderungen, immer zugeschnitten auf ihre persönlichen Lernbedürfnisse. Außerdem bieten wir ein individuelles Coaching bei Lernkrisen an.“

Neben der Grundausbildung zum Heilpraktiker und zum spezialisierten Heilpraktiker der Psychotherapie gibt es zudem verschiedene Fach- und Methodenfortbildungen, etwa die humanistische Gesprächstherapie, die systemische Therapie, Akupunktur und traditionelle chinesische Medizin. „Für eine erfolgreiche Praxis brauchen unsere Teilnehmenden Kenntnisse und Kompetenzen in einer oder mehreren naturheilkundlichen Methoden“, erklärt Carina Dahmke. „Nur so können sie angemessen auf die Situation eines Patienten eingehen. Daher beraten unsere Dozenten sie gerne bei der Auswahl der Methoden für ihren jeweiligen Anwendungsbereich.“

Am 16. April öffnet sich die amara Bildungsakademie für Interessierte am Beruf des Heilpraktikers, Neugierige aus anderen Berufen, die in das Fortbildungsangebot hereinschnuppern möchten – und natürlich auch die Skeptiker. „Unsere Besucher erwarten mehrere Kurzvorträge und naturkundliche Anwendungen, die sie sich anschauen oder auch selbst wahrnehmen können. Außerdem werden sie einige der Dozenten kennenlernen und sich unsere neuen Räumlichkeiten in der List anschauen können.“ Der Tag der offenen Tür findet am 16. April von 15 bis 20 Uhr in der Lister Meile 33 statt.

amara Bildungsakademie
Lister Meile 33
30161 Hannover
Telefon (0511) 3 88 66 80
www.amara.de

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„Manchmal ist das Leben unhandlich“ von Eva Horter

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„Manchmal ist das Leben unhandlich“ von Eva Horter


Louise Miekse verzweifelt vor sich hin. Sie ist Ende dreißig, verheiratet, hat zwei Kinder und seit einiger Zeit das Gefühl, dass nichts mehr so richtig stimmt. Die bisher so vertraute Louise, die Louise im Spiegel, kommt ihr plötzlich beunruhigend fremd vor – abgesehen vom Doppelkinn und der nicht totzukriegenden Wuchskraft der Augenbrauenhaare. Aber der Rest? Aus einem kolossalen Gedankensalat wird eine waschechte Identitätskrise, die sie nicht wahrhaben will. Doch nach einer rätselhaften und folgenreichen Begegnung mit ihrem Spiegelbild und einer Packung Kichererbsen beschließt Louise, auf Spurensuche zu gehen.

Louises Laune ist mies. Allein vorm Spiegel forscht sie in sich hinein, aber findet kein schuldfähiges Vorkommnis: „Ich werde nicht betrogen, niemand ist ernstlich krank, unser Konto klagt, aber rafft sich immer wieder auf. Was ist los? Ist was los?“ Es ist nicht die viele Zeit, die sie bald zur Verfügung haben wird, wenn auch ihr zweites Kind ganztags in die Kita kommt. Es ist nicht der Lebenslauf, der einem nicht sehr kunstvollen Patchwork-Quilt ähnelt und unter Berufsrückkehrern das Premiumsiegel „katastrophal“ innehat. Und es ist nicht eine wiederaufkeimende Sehnsucht nach zwischengeschlechtlichen Abenteuern und pubertären Märchenprinz-Quests. Aber was ist es dann?

Neben dieser Frage beschäftigt Louise hobbymäßig die Selbstzuweisung von Schuld. Dafür, dass sie Nachbar Jobe – Gutmensch, Alleskönner und Haussympath – kaum ertragen kann. Dass sie es trotz Unwohlgefühl und Fotolinsenpanik einfach nicht schafft, ihrer Sportfeindlichkeit zu entkommen. Und, dass sie keine Antworten findet. Dafür aber jede Menge Fragen und Beobachtungen, über die sie nachgrübeln muss – und mit ihr der Leser. Wir begleiten Louise – wie ein „Gast in einer Parallelwelt“ immer halb in Gedanken, halb ansprechbar – wenn sie sich ihre Lebenswahrheiten aus dem Alltagsgeschehen herausfiltriert und dabei ihren Sorgen und Nöten auf den Pelz rückt. Und auf ihrer charmant-skurillen, traurig-trotzigen, liebevoll-poetischen Reise in die Abgründe der eigenen Identität blitzt einem so manches Mal das eigene Bild auf…

„Manchmal ist das Leben unhandlich“ ist aber nicht nur ein Fundus an Selbstbefragungs- und Denkanstößen. Eva Horters Roman hangelt sich von Überraschung zu Überraschung. Erzählt in einem angenehm lebensnahen, wortspaßigen Ton verwickelt sie den Leser in eine leise dahinglucksende Alltagsgackerei, um dann im richtigen Moment ein „AAALTER! LECK‘ MICH AM ARSCH!“ dazwischen zu schießen. Dabei findet sie für jede von Louises illustren Lebenslagen immer das perfekte Bild, mal scharfsinnig bis zum Witz, dann melancholisch treffend wie ein Spritzer Badspray ins Gesicht. „Eine Art Atombombe für Badeschmutz“, wie die Protagonistin mit Genugtuung feststellt – und leichtem Schuldgefühl gegenüber der Spinne. „Dürfen Buddhisten eigentlich Spinn­weben entfernen? Ameisenhaufen umgraben und Maulwurfshügel plattkloppen? … Ach Louise, wer bist du denn bloß, außer wahrscheinlich kein Buddhist?“

Eva Horter, 1974 in Bochum geboren, wuchs in einem kleinen Dorf in Luxemburg auf, wo sie nicht nur Erbsen und Stachelbeeren aus Nachbars Garten stibitzte, sondern auch über die Welt und ihre Bewohner nachdachte, Gedichte schrieb und Romanplots ersann. Nach dem Studium der Soziologie, der Philosophie und der Romanistik in Bonn untersuchte sie einige Jahre in Dortmund die Kapriolen und Bizarritäten des Lebens. Heute lebt, arbeitet und forscht die Autorin in Hannover.

Anja Dolatta

Manchmal ist das Leben unhandlich
von Eva Horter
217 Seiten
Éditions Phi
Luxemburg 2016
ISBN: 978-99959-37-12-6

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Marion Pusch

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Marion Pusch


Ethikprofessorin, interdisziplinäre Künstlerin
Sternzeichen: Jungfrau

Die Honorarprofessorin für Ethik und Interdisziplinäre Kommunikation lehrt beides seit 1997 an Unis und FHs in Hannover und Hildesheim. Mit ihrem Institut für Ethik, Werte und Humankompetenz unterstützt sie zudem seit 15 Jahren Unternehmen als Beraterin für Wertemanagement. Seit 2012 ist sie freischaffende Künstlerin und hat vergangenes Jahr den Verein Point of Smile gegründet, mit dem sie interdisziplinäre Kunstprojekte ins Leben ruft. Die vielseitig gelehrte Lehrende und Kreative ist 56 Jahre alt und wohnt mit ihrem Kater dort, wohin andere ihre Ausflüge machen – in Hannover Herrenhausen.

Wir besuchen die gebürtige Hannoveranerin in ihrem Atelier in Hannover-Hainholz. Als sie es vor fünf Jahren anmietete, war sie noch alleine in dem riesigen Gebäude. Doch heute – inzwischen befinden sich hier dutzende Ateliers und Künstlerwerkstätten – ist sie heilfroh, dass sie den Mut gehabt hat, als erste den einsamen Backsteinbau zu beleben. Zwischen bunten Bildern und praktischer Kunst wie ihrem „Highheel-Baum“, an dem sich hübsche Füßlinge dekorativ aufbewahren lassen, erzählt uns die energiegeladene Denkerin/Macherin von ihrem mäandernden Lebensweg.

Nach der ersten Ausbildung und Tätigkeit als Floristin hat sie lange in Kunstprojekten mitgewirkt und mit dem Gedanken gespielt, Kunst zu studieren, sich schließlich aber für Gartenbau entschieden. Als Agraringenieurin führte sie eine Zeit lang Auftragsversuche durch, dann kam die Promotion – und zwar interdisziplinär zum Thema „Ethische und ganzheitliche Ansätze für die universitäre Lehre“, an das sie das Thema „Mensch-Natur-Verhältnis“ aufgehängt hat. „Was für mich damals sehr erschütternd war, war, dass mich selbst Professoren fragten, was ich denn mit Interdisziplinarität wolle und meinten, dass ich mich damit nicht auf den Sockel stellen könne. Und auch heute wird Interdisziplinarität häufig oberflächlich benutzt; die Dinge werden nicht in Form einer Synthese zusammengeführt, sondern wie Buchseiten aneinander geheftet – aber man muss unterschiedliche Denkweisen schon gedanklich miteinander verknüpfen, um zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Ich halte das Erlernen von Interdisziplinarität für extrem wichtig. Nach langjährigen Erfahrungen im Netzwerk für interdisziplinäre Ursachenforschung habe ich mich intensiv dafür eingesetzt, Interdisziplinarität umfassender zu etablieren. Das ist unglaublich schwer; selbst an vielen Hochschulen ist der Horizont dafür, dass man interdisziplinäres Denken erlernen sollte, nicht hinreichend vorhanden.“ Trotzdem folgten Lehraufträge an der HAWK in Hildesheim, der Leibniz Universität Hannover und der Leibniz FH Hannover und schließlich die Honorar-Professur ehrenhalber.  Nicht nur, aber auch zum Gelderwerb machte sich die realistische Idealistin mit ihrem zweiten Schwerpunkt, Ethik und Werte, als Unternehmensberaterin selbstständig – und bekam anfangs kaum Aufträge. „Ich war immer ein Stückchen zu früh mit den Dingen. Wenn man Gedanken bringt, die ungewohnt sind, erntet man erstmal Lächler. Heute ist das anders. Ein Unternehmen, das keine Unternehmenswerte hat, kann sich am Markt ungleich schwerer nachhaltig positionieren.“ Sie ist dran geblieben, weil es ihr Herzensthema war, wie sie betont. „Ich möchte Gedankenimpulse geben, weil ich der Überzeugung bin, wie Plato es sagte, dass Ideen die Welt regieren. Wenn wir die richtigen Ideen haben, können wir eine wunderbare Welt schaffen.“ Vor  ein paar Jahren merkte sie, dass sie wieder mehr Kreatives, Künstlerisches brauchte nach der langen Zeit, die sie in der Wirtschaft und Wissenschaft unterwegs gewesen war. „Es wollte ganz viel aus mir raus, das war wie ein Stau von 30 Jahren. Nicht nur, dass Ideen die Welt regieren, sondern sie liegen auch in der Luft. Sie kommen dann angerauscht, wenn man sich selbst vergisst und loslässt.“ Nun schlägt sich ihr ganzheitlicher Ansatz in ihrer Kunst nieder: „Interdisziplinäre Kunst bedeutet, unterschiedliche Bereiche der Kunst, aber auch Kunst mit Wirtschaft, Philosophie, Wissenschaft zusammen zu bringen. In der Essenz ist es alles Eins – nur unterschiedliche Ausdrucksformen von Erkenntnissen.“ Dafür hat sie den Point of Smile e.V. gegründet, einen gemeinnützigen Verein für interdisziplinäre Kunst und Kultur. „Ich möchte Win-Win-Situationen schaffen und Kunst dafür nutzen, Brücken zu bauen, wo Worte fehlen. Natürlich kann ich auch die Pfötchen nicht von Ethik lassen. Alles hängt eben mit Allem zusammen. Und es geht um Allgemeinverständlichkeit, Teilhabe und interdisziplinäre Bildung – um Kunst, Philosophie und Wissenschaft für jedermann.“

Mehr zum aktuellen Projekt „Leibniz lebt: Es gibt nichts Totes!“ auf Seite 44 im aktuellen STADTKIND- Heft und unter www.leibnizlebt.de.

 

Kurz nachgefragt …

Was macht mehr Spaß: Ideen entwickeln oder umsetzen?
Beides. Ideen, die ich entwickle, möchte ich auch umsetzen.

Was braucht mehr Zeit?
Ideen zu haben ist leicht, Ideen zu realisieren ist Knochenarbeit, äußerste Disziplin und hohe Selbstmotivation.

Ihr Motto?
Wer etwas will, sucht Wege; wer etwas nicht will, sucht Gründe.

Was ist für Sie der wichtigste ideelle bzw. ethische Wert? 
Menschlichkeit. Für mich ist das Wichtigste, dass die Menschen sich immer wieder, am besten täglich, darauf fokussieren, mit Liebe zu handeln.

Was wird überbewertet?
Der scheinbare Vorteil von Egoismus. Ist völlig überbewertet.

Interview und Foto: Anke Wittkopp

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Cosmic Tribe

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Cosmic Tribe


Neo-Hippie-Space-Rock

Am Anfang war… eine kleine Schulband, die in Papis Keller Rocksongs coverte. Große Pläne gab es damals keine, deshalb trafen sich die Bruderpaare Olli (Stimme) und Gernot (Gitarre), Peer (Bass) und Lars (Schlagzeug) lange Zeit nur unter Arbeitstiteln und „einfach nur um geile Mucke zu machen“ – bis die ersten Plattenfirmen anfragten. Da kam die Idee auf, den hippie-esken Gedanken vom kosmischen Stamm aufzugreifen, der für Gleichheit unter der Menschen, Liebe, Frieden und Zusammenhalt auf der Welt steht. Als Cosmic Tribe eroberten sie sich schnell einen festen Platz im Rockuniversum.

Was es mit der Bezeichnung „Neo-Hippie-Space-Rock“ auf sich hat, werden die Jungs von Cosmic Tribe öfter gefragt. Schlagzeuger Lars klärt auf: „‚Neo‘ steht für einen modernen Rocksound, ‚Hippie‘ für unsere Hippieroots und ‚Space‘ bezieht sich auf die Klangwelten, die in unseren Songs vorkommen. Der Begriff ist eine Erfindung von uns und damit auch als Kritik an Schubladenordnungen gedacht. Unterm Strich sind wir einfach eine lupenreine Rockband.“ Dabei deckt ihre Musik so ziemlich alles ab zwischen 70er-, 80er-Hard Rock und dem Sound heutiger Heavy Rock und Nu-Rock Bands. Einflüsse von Led Zeppelin, Pink Floyd oder The Doors sind hörbar. „Deshalb haben wir eine ziemlich breitgefächerte Hörerschaft. Der eine hört gern Stoner, den anderen sprechen mehr die modernen Elemente an. Und wer sich ein bisschen mit Musik auskennt, kann dann sogar den Neo-Hippie-Space-Rock heraushören“, erklärt Sänger und Songwriter Olli.

Seit der kleinen Schulband hat sich einiges getan: Als Cosmic Tribe starteten die beiden Bruderpaare im Jahr 2000 durch, brachten ein Jahr später ihr erstes Album raus und verstärkten sich 2005 mit „Adoptivsohn“ Bromme an der Gitarre auf ihre aktuelle Besetzung. Bekanntheit erlangten sie nicht zuletzt als Support von Persona Non Grata (Ex-Kyuss), Mother Tongue, Ten Years After oder SUB7even. 2010 gelang der internationale Durchbruch mit dem ersten weltweit verkauften Album „The Ultimate Truth About Love, Passion and Obsession“. Der Titelsong ihres letzten Albums „Under The Same Sun“ inspirierte Top-Produzent Beau Hill dazu, ihn für den internationalen Radioeinsatz neu zu mischen und zu mastern. Neben zahlreichen Live-Auftritten in ganz Deutschland hat die Band auch eine dreiwöchige Tour durch Houston in Tex­as absolviert.

Obwohl sie gern unterwegs sind und in St. Pauli quasi eine Wahlheimat gefunden haben, treten die Jungs immer gern zum Heimspiel in Hannover an. „Hier haben wir schon praktisch jeden Club und jedes Festival bespielt. Ein besonderes Erlebnis war unser Auftritt im Musikzentrum vor zwei Jahren. Große Bühne, tolle Light-Show, volles Haus. Noch heute sprechen uns manchmal Fans auf dieses Konzert an. Von sowas zehrt eine Band natürlich.“ Unter den Erinnerungen befindet sich aber auch das ein oder andere skurrile Erlebnis. „Wir waren in Wiesmoor, nach einem Konzert in der Rockerkneipe Schlappohr. Eine junge Dame mit Auto erklärte sich bereit, uns zu unserer Unterkunft zu fahren. Erst auf halbem Weg offenbarte sie uns, dass sie den Weg nicht kannte und ordentlich bekifft war. Sowas hört man nicht gern nachts um drei in einer völlig fremden Gegend.“

Ins Jahr 2016 startet die Band mit ihrem fünften Studioalbum „Gravity“, von dem in mehrerer Hinsicht eine große Anziehungskraft ausgeht. „Zum einen ist uns das Album gut gelungen, denn es transportiert sehr gut das Live-Gefühl, von dem der Rock im Grunde lebt“, meint Olli. „Zum anderen behandeln wir darin keine mega-spacigen Themen, es geht um ziemlich grundlegende Gefühle mit Erdanhaftung: Enttäuschte Liebe, Beziehungsfrust, -ängste und -zweifel. Der Song „The whipped Man“ zum Beispiel erzählt von einem Mann, der sich in seinem Schlafzimmer auspeitscht, um wieder etwas zu empfinden. Ein starkes Bild vielleicht, aber es transportiert ein uns allen bekanntes Gefühl.“ Ein anderes Thema des Albums bildet die Flüchtlingskrise. „Alle Menschen haben ein Recht auf Selbstbestimmung und Freiheit von Verfolgung. Das möchten wir in unseren Songs klarmachen, etwa in „Promised Land“, in dem es um die Suche nach dem gelobten Land geht. Vielleicht fällt dem einen oder anderen dabei auf, dass es eine solche Völkerwanderung, wie wir sie jetzt erleben, schon einmal gab. Und das das Streben nach Glück unsere menschliche Gemeinsamkeit ist.“

Nach einem Testspiel in Bremen gibt es die Release-Show in Hannover mit Special Guest Distance Call am 16. April ab 19 Uhr im LUX. Danach kommen Gigs in Hamburg, Wiesmoor, Bergen und Buchholz/Nordheide. Das Album erscheint am 29. April.    

Anja Dolatta

Foto: © Isabelle Hannemann

Alle Infos und Live-Daten auf www.cosmictribe.de und www.facebook.com/cosmictribe.neohippiespacerock

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Todeskeime als Tagesmenü

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Todeskeime als Tagesmenü


Aus der Rubrik „Unbekannt verzogen – das Elterntagebuch“:

Kinder sind ständig krank – und sie machen krank. Wie kann man da­rüber reden, ohne gemein zu klingen? Versuchen wir es mal: Das Problemfeld von Kindern und Krankheitserregern lässt sich am besten mit einer Parallele zu Drogenhandel und -konsum erklären. Völlig daneben? Warten Sie mal ab.

Zunächst einmal ist bei Drogen die Beschaffung das zentrale Thema. Man muss die richtigen Leute kennen und die richtigen Orte. Und was beim Drogenkauf die dunkle Tiefgarage oder die Seitengasse im Vergnügungsviertel ist, sind bei Kindern und Krankheitserregern Krippe, KiTa und Grundschule. Hier wird immer der „heißeste Scheiß“ gehandelt, die „Sachen, die richtig knallen“. Von der neuesten Grippevariante bis zum exis­tenziell ergreifenden Magen-Darm-Keim. Der Nachschub ist praktisch unbegrenzt. Immer wenn ein Lieferant ausfällt, springt der Nächste ein.

Die Rolle als zentraler Keimumschlagplatz wird in vielen Einrichtungen auf sehr eindrückliche Weise untermalt. Bereits an der Eingangstür erwarten einen Warnschilder, bunte Klein-Plakate, die den neuesten Krankheitstrend im Stile eines Tagesmenüs anpreisen. Heute im Angebot: Bindehautentzündung. Nur diese Woche: Hand-Mund-Fuß-Krankheit. Alles muss raus: Noro-Virus.

Aber bleiben wir noch ein bisschen bei der Drogensymbolik. Woran denken Sie, wenn Sie hören: „Es ging immer im Kreis herum, jeder durfte mal und am Ende waren alle ziemlich fertig.“ Falls Sie einen Joint oder ähnliches vor Ihrem geistigen Auge gesehen haben, herzlichen Glückwunsch. Als leidgeprüftes Elternteil denkt man bei dieser Situationsbeschreibung eher an die Weiterverteilung der kindlichen Krankheitserreger innerhalb der Familie. Schon der große Dostojewski wusste: „Durch Umgang mit Kindern gesundet die Seele.“ Für den Körper gilt das nicht immer. Denn Kinder sind großzügig genug, Erwachsenen reichlich von ihrem Keim-Schatz abzugeben. In vielen Fällen werden die Kinder sogar selbst gar nicht mehr krank, sondern stecken nur die Eltern an, die nun tagelang daniederliegen. Die Kleinen wechseln so von der Rolle des kleinen Straßendealers in die Rolle des Drogenbosses, der zwar verbreitet, aber unter den Folgen nicht zu leiden hat.

Bedenkt man dieses Biowaffen-Schreckenspotential, kommen Kinder medial überraschend gut weg. Von Zeit zu Zeit kursieren diese Keimranglisten in den Medien, die etwa so funktionieren: Im Küchenschwamm sind mehr Keime als auf der Türklinke. Der Küchenschwamm wiederum liegt weit hinter dem Touchscreen des Smartphones. Und wussten Sie, dass im Kühlschrank etwa 100.000 Mal so viele Mikroben pro Quadratzentimeter leben wie auf dem Rand Ihrer Toilette? Nur Kinder kommen niemals vor. Ich bin dafür, dass Kinder in diese Keimschleuder-Charts aufgenommen werden. Das dürfte dann ein bisschen so werden wie mit den Bayern und der Bundesliga: Für alle anderen geht es nur noch um Platz zwei.

Daran lässt sich auch nichts ändern, denn die haushaltsüblichen Entkeimungs-Tipps versagen beim eigenen Nachwuchs. Kinder kann man weder bei mindestens 60°C waschen noch in Desinfektionsmittel einlegen. Manchmal träume ich aber, wie ich durch ein Meer aus Sagrotan schwimme. Ich plansche ausgelassen, fühle mich rein und gesund. Doch plötzlich ändert sich alles und ich wache schweißgebadet auf, nachdem eine der im Ozean treibenden Sagrotanflaschen mich panisch anschreit: „Hilfe, Ihre Kinder haben mich angesteckt.“

Für Erziehungsberechtigte bleibt nur die Hoffnung, dass das eigene Immunsystem und das des Nachwuchses von diesem Intensivtraining profitiert – und dass der Kollateralschaden des eigenen Siechtums nicht ganz umsonst war. Und wer immer noch findet, kindliche Krankheitskeime mit Drogensymbolik zu erklären, wäre daneben, der sei an folgendes erinnert: Heroin wurde von BAYER entwickelt – und war über viele Jahre ein beliebtes Erkältungsmittel.

Martin Kontzog

Martin Kontzog ist staatlich anerkannter Vater –  ansonsten gilt seine Fürsorge dem Satire-Blog Pingu-Mania (pingumania.wordpress.com)

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Café Bar Vanino

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Café Bar Vanino


Caffè, Pizza e Pasta, marktfrische Zutaten und viel Amore – das Vanino bringt italienischen Flair in die Nordstadt. Der Conrad-Wilhelm-Hase-Platz wird mit Olivenbäumchen und Außenbestuhlung in eine italienische Piazza verwandelt, das Innere lockt mit geselligem Marktambiente und die Speisekarte mit Klassikern aus der italienischen Küche zu erfreulichen Preisen.

Im City-Center Langenhagen ist das Vanino bereits seit vier Jahren ansässig, die Filiale im Backstein-Neubau gegenüber der Christuskirche hat im Februar eröffnet. Vom Frühstück über den   Mittagssnack bis zum Abendessen serviert das Vanino-Team hausgemachte Speisen mit südländischer Lebensfreude und mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Bar aus hellem Stein mit Kühl- und Eistresen zeigt italienische Leckereien, die in der offenen Küche verarbeitet werden sowie Kuchen und Desserts, die zum direkten Verzehr bestimmt sind. In einer blau-weiß gefliesten Ecke steht ein großer Tisch, an dem wie bei Nonna in der Küche die ganze (Wahl-) Familie zum Essen zusammen kommen kann. In der Café Lounge kann man es sich mit einem Kaffee von Segafredo gemütlich machen, zwei hohe Bar-Tische, fünf Vierertische und drei runde Bistro-Tische sind im Raum verteilt, was die Atmosphäre locker macht und signalisiert: Ob alleine, zum Date, Familienessen oder freundschaftlichen Treffen – hier ist jeder willkommen! Basilikum und Olivenöl auf den Tischen unterstreichen den mediterranen Charakter, frisches Obst im hausgemachten Eistee und Limonade betont das Marktflair. Eine fröhliche Erfrischungs-Idee, auf die wir bestimmt noch zurück kommen werden, wenn die Sonne auf die 200-250 Außenplätze scheint. Zum Geschmacks-Test: Die Antipasti-Platte mit gegrilltem Gemüse, Caprese, Rindfleischstückchen, Parmaschinken und Salami ist optisch wie geschmacklich wirklich bellissimo und ausreichend, wenn man keinen großen Hunger sondern eher Appetit auf Italien hat. Das Vitello Tonato sieht zwar auch top aus, die Thunfisch-Zitronencreme ist aber leider etwas blass im Geschmack, sodass die Rindfleisch-Note die Kombination bestimmt – die wiederum fein und gut ist. Die Steinofenpizza (es gibt 14 verschiedene für 6,90-9,90 Euro) tritt mit 38 cm Ø dünnem, leckerem Teig mit üppigem Belag und luftig gewölbtem Rand authentisch italienisch auf. Die einzelnen Komponenten – Mozzarella, pikant gewürzter Spinat und Lachs – sind harmonisch aufeinander abgestimmt. Wir rätseln sogar, ob die süßliche Tomaten-Basilikum-Grundierung extra für die Pizza mit Fisch gedacht ist und bei anderem Belag eventuell eine Nuance herber sein könnte – zum saftig-zerfallenden Lachs passt sie jedenfalls perfetto. Aus dem Baukasten-Prinzip (14 Saucen- zu 7 Pas­ta-Sorten von der Penne bis zur Dinkel-Tagliatelle für 6,90-9,90 Euro) wählen wir die Tagliatelle Quattro Formaggi, die genau so ist, wie wir sie uns gewünscht haben – mit ausreichend von der sämigen Käse-Sahne-Sauce bedeckt, bei der sich ein herzhafter Gorgonzola in den Vordergrund spielt, der von den drei Grazien Mozzarella, Grana Padano und Provolone schmeichelnd flankiert wird. Bei totaler Sättigung ein Segen – das Vanino-Team hat sich Mini-Varianten von einigen der über 10 angebotenen Süßspeisen einfallen lassen und  Tiramisu und Panacotta im Glas erweisen sich als genau die drei Löffel dolce Amore, die uns zu unserem Glück noch gefehlt haben.

Anke Wittkopp

An der Christuskirche 11, 30167 Hannover
www.facebook.com/vaninohannovernord
Tel. (0511) 65588893, info@cafebarvanino.de
Öffnungszeiten: Mo bis Sa 8 – 23 Uhr, So 9 – 21 Uhr

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