Tag Archive | "2020-01"

Tonträger im Januar

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Tonträger im Januar


Mint Mind: Thoughtsicles
Hinter dem noisigen Projekt Mint Mind steckt Rick McPhail, bekannt als Gitarrist und Keyborder von Tocotronic, der damit Punk/Indie-Bands der späten 70er bis 80er-Jahre wie Mudhoney, Pixies, Pavement oder Dinosaur Jr. Anerkennung zollt. Mit im Boot sind Tim Wenzlick an den Drums und Christian Klindworth an der Gitarre. Anspieltipp: Das treibende „Brother, You‘re Not My Brother“.

 

 

Misery Loves Co.: Zero
Seit dem Jahr 2000 aufgelöst, oder auf Eis liegend, ist die schwedische Industrial-Metal-Band um die Gründungsmitglieder Patrik Wiren und Orjan Ornkloo 2016 auf diversen Festivals wieder aufgetau(ch)t. Jetzt folgt ein neues Album mit atmosphärisch-düsteren, schön geprügelten und hooklinigen Metalsongs. Als Bonbon: eine rockige Version des Garbage-Hits „Only Happy When It Rains“.

 

 

JPD: Auf Den Großen Knall
Der Ex- Mannheimer und Neu-Leipziger Julian Philipp David hat seinen Namen auf JPD zusammengeschmolzen und meldet sich jetzt mit seinem Debütalbum, das einfach frisch klingt, und auf das selbst ausgesuchte Genre „Songwriter-Rap“ passt wie angegossen: Rotzig genug um nicht kitschig zu sein, poppig genug, um Spaß zu machen, begabt betextet, und ohne Angst vor großen Gefühlen.

 

Gengahr: Sanctuary
Nach dem gefeierten Debüt „A Dream Outside“ und „Where Wildness Grows“ des englischen Indie-Pop-Quartetts um Sänger Felix Bushe ist hier das dritte Album, das erneut die Experimentierfreudigkeit der Band unter Beweis stellt. Atmosphärisch dichte, dezent groovende Tracks wechseln mit elektronischen, hektisch anmutenden, tanzbaren Pop-Hymnen, und einer schönen Ballade zum Nachtisch.

 

 

And You Will Know Us By The Trail Of Dead: X: The Godless Void And Other Stories
Die sagenumwobene, breitwandige texanische Post-Rock-Band mit Vorliebe für zerstörte Bühnen und Hotelzimmer hat im Jahr ihres 25-jährigen Bandjubiläums ihrer Diskographie ein 10., sehr hörenswertes Opus hinzugefügt, dessen Beschreibung definitiv dieses Format sprengt, das aber zu gut ist, um hier unterschlagen zu werden.

 

 

Tara Nome Doyle: Alchemy
Geboren ist sie junge Künstlerin in Berlin-Kreuzberg, ihre Eltern kommen aus Irland und Norwegen, und man meint tatsächlich, diese biografischen Landschaften in ihrer Musik wiederzuerkennen, allerdings jenseits aller Klischees. Ihr Debütalbum mit 9 fein phrasierten, virtuos gesungenen, hymnischen ruhigen Pop-Perlen hält die Spannung von der ersten bis zur letzten Minute.

 

 

Coogans Bluff: Metronopolis
Den „Bluffers“, wie sie von ihren Fans liebevoll genannt werden, wird nachgesagt, sie seien ebenso zeitgemäß wie retro. Nach dem 2016er „Flying To The Stars“ lange herbeigesehnt, bestätigt das 7. Album der 2003 in Rostock gegründeten Band, das einmal mehr in ganz famoser Weise. Ihr progressiver, funkiger Krautrock entzieht sich, wie innovative Musik eigentlich immer, den gängigen Genreschubladen. Mal wummern proggig die Bässe, mal klingeln die Gitarren nur ganz zart. Spacige, psychedelische Parts und angejazzte Passagen sorgen für ein kurzweiliges Hörvergnügen, was nicht zuletzt an den Bläsersätzen liegt, die sich, gern unisono arrangiert, durch die Songs ziehen und vergessen lassen, dass auf dem Album gar nicht immer gesungen wird. Track 7, „The Turn 1“ ist ein schöner Anlass, Pink Floyds „Atom Heart Mother“ wieder hervorzuholen. Das macht richtig Spaß, und den haben die Jungs eindeutig auch.

 

Hammerhai: Unterm Schnellweg
Wieso machen die so selten Platten, wo sie es doch so gut können? 13 Jahre mussten die Anhänger der Band auf neues Material warten, werden dafür aber nun reich belohnt. Albumcover- und Titel zeigen ein so tristes Stück Hannover, dass es vor Understatement nur so kracht und auch dem letzten Neuberliner klar werden muss: Das ist das neue Cool. Seit 2017 besteht die „Dampframmen-Ska-Band“ aus Christian „Sölti“ Sölter, Lennart Oheim, MC Timsen, Stefan „Tikkimann“ Otto und Hagen Balke. Musikalisch bieten sie einen Cocktail aus gitarrenbetontem Rock‘n‘Roll, Punk und Ska ohne Bläser. Die Passagen mit Sprechgesang machen hier noch mehr Freude als die gesungenen, knödelt Sölter in den Tiefen doch arg, was man nicht mögen muss, aber kann. Anspieltipp ist das wunderbare „Der Durch Pfützen Tanzt“ – in Rock-Hymnen-Manier über ein lang ersehntes Gewitter singen: Prima!   Annika Bachem

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Renate Folkers

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Renate Folkers


Vor gut drei Jahren hat Renate Folkers ihren Lebensmittelpunkt nach Hannover verlegt, Foto: CW_Niemeyerdoch die Schriftstellerin ist ganz offensichtlich ein Kind der Nordseeküste geblieben, davon zeugen ihre nunmehr vier Veröffentlichungen. Nach dem plattdeutschen Krimi „Keen Utweg“ (2017) – aus dem sie auch stilecht auf plattdeutsch vorlesen kann, dem Debütroman „Der Tote hinter dem Knick“ (2014) und der Fortsetzung „Ein Grab auf Sylt“ (2016) hat sie nun allerdings mit „Spuren sichern“ (2019) kein Kriminalstück vorgelegt, sondern Prosa und Lyrik.

1950 wurde Folkers auf Nordstrand bei Husum geboren und sie ist dort tatsächlich plattdeutsch aufgewachsen. Nach ihrer Schulzeit absolvierte sie die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten, ab 1978 gesellte sich im Rahmen ihrer Familiengründung auch die Kindererziehung hinzu. Nach ihrem Umzug nach Minden arbeitete Folkers noch acht weitere Jahre, ehe sie sich 2009 aus dem Berufsleben verabschiedete. Kurz vor diesem Abschied versuchte sie sich erstmals daran, allerlei Ereignisse niederzuschreiben – „um Ruhe und Ordnung in mein Leben zu bringen“, wie Folkers sagt.
Doch der Spaß am Schreiben blieb und brach sich zunehmend unbändiger Bahn. Und so machte sich die hobbymäßig zur Schriftstellerei gelangte Folkers alsbald an ein erstes Romanprojekt. In dem Nordsee-Krimi „Der Tote hinter dem Knick“ entwickelte sie die Figur des Husumer Kriminalbeamten Nane Lüders, der es in diesem Debütauftritt mit einem toten Arzt mit besten Verbindungen zur Pharmaindustrie und vielen potenziell tatverdächtigen Figuren zu tun bekommt. In seinem zweiten Fall „Ein Grab auf Sylt“ hat er dann mit einer tödlichen Mischung aus Stalking und Borderline zu tun. Zwischendurch erschien mit dem auf plattdeutsch verfassten Kurzroman „Keen Utweg“ noch die Geschichte eines norddeutschen Landwirts, der sich mehr und mehr in die Enge getrieben wähnt, derweil seine Gattin zunehmend argwöhnischer wird.
In der aktuellen, vierten Veröffentlichung Folkers „Spuren sichern“ (2019) kehrt sie nun zu ihren Anfängen zurück. In Prosa und Lyrik versammelt sie die unterschiedlichsten Momente des Lebens, gravierende Schicksalsschläge ebenso wie Momente erfüllter Glückseligkeit. Texte über nie enden wollende Träume, über kleine Fluchten, über Liebe, Verlust und Abschied. Doch so manche Achterbahnfahrt ist später auch Auslöser für Dankbarkeit und die feste Überzeugung: Alles wird gut. Die Autorin erzählt Alltagsgeschichten und Märchen, von Weihnachten und auch auf Plattdeutsch. Mal prosaisch, mal gereimt lässt sie uns teilhaben an ihrem Streifzug durch unzählige Befindlichkeiten der letzten zehn Jahre. Man darf gespannt sein, was Renate Folkers nun als nächstes ausheckt.                         CK  Foto: CW Niemeyer

Keen Utweg, Ein plattdeutscher Krimi, Quickborn-Verlag, 128 Seiten, 7,80
Der Tote hinter dem Knick, Nordsee-Krimi, CW Niemeyer Buchverlage GmbH 328 Seiten, 9,95
Ein Grab auf Sylt, CW Niemeyer Buchverlage GmbH, 352 Seiten, 10,95
Spuren sichern, chiliverlag, 132 Seiten, 9,90

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Uwe Berger

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Uwe Berger


Uwe Berger ist u.a. geschäftsführender Gesellschafter der B&B Markenagentur GmbH – und dieses „u.a.“ hat bei ihm eine besondere Bedeutung, denn er ist darüber hinaus noch in einigen weiteren Funktionen unterwegs, zum Beispiel als Präsident des Marketing-Clubs Hannover e.V. oder als Gründungs- und Vorstandsmitglied von Digitales Hannover e.V. oder als Mentor bei der VentureVilla Accelerator GmbH oder als Präsident der LIGA-H, ein Zusammenschluss einiger in Hannover ansässiger Agenturen. Uwe Berger ist außerdem Gründungsmitglied des [kre|H|tiv] Netzwerk Hannover e.V. und neuerdings wieder Gründer. Mit dem „überwegs“ bietet er einen kreativen Raum in der Georgstraße. Denken, lernen und erfinden – eine neue, kreative Oase im Herzen der Stadt. Und weil das immer noch nicht genug ist, darf natürlich auch eine Video-Podcast-Serie im Netz und bei h1 (Vinyltalk.de) nicht fehlen. Wie geht eigentlich Werbung und Marketing heute – und morgen? Wir haben mal nachgefragt …

Wenn man sich mit Uwe Berger unterhält, dann sollte man gut ausgeschlafen sein, denn er denkt und schießt ausgesprochen schnell. Und er nutzt dabei sehr gerne diese typische Werber-Sprache, die bereits in diversen Sketchen aufs Korn genommen wurde, allerdings gibt es bei Uwe Berger einen sehr klaren Unterschied, wenn er seine meist englischen Begriffe in die Unterhaltung streut – er kann sie alle mit Inhalt füllen, er weiß tatsächlich sehr genau, wovon er spricht. Man muss sich konzentrieren, damit man mitkommt, so ein bisschen erinnert die Unterhaltung an ein Spiel am Flipperautomaten (Anmerkung für die jüngere Generation: Das war früher mal ein beliebtes Spiel zum Zeitvertreib in Kneipen). Feuert man eine Kugel, beziehungsweise ein Stichwort ab, dann blitzt und blinkt und knallt es kurz darauf fulminant. Das ist sehr anregend und macht großen Spaß. Der 53-Jährige kann aber auch sehr gut zuhören. Eine Qualität, die absolut keine Selbstverständlichkeit ist in seiner Branche, in der es ein Stück weit immer auch um die gelungene Selbstdarstellung geht, um die Eigeninszenierung. Es stimmt, Uwe Berger geht gerne nach vorne, er strebt in die erste Reihe. Sein Talent ist aber, die anderen dabei mitzunehmen.
Geboren wurde er in Stuttgart, aufgewachsen ist er in Wolfenbüttel, er lebt seit 1982 in Hannover und ist hier inzwischen wahrscheinlich verwurzelter als so mancher gebürtige Hannoveraner, er hat eine Frau, zwei Kinder und ein Adressbuch, das man aus Gründen der Ressourcenschonung besser nicht ausdrucken sollte. Berger ist sozusagen ein Kind seiner inzwischen eigenen Agentur. 1990 hat er bei B&B seine Ausbildung zum Werbekaufmann begonnen und erfolgreich abgeschlossen, im Anschluss folgte eine weitere Ausbildung zum Kommunikationswirt, dann ein dreijähriges Abendstudium zum Betriebswirt – und er hat das Lernen auch danach nie eingestellt. Er hat innerhalb der Agentur Karriere gemacht, er hat sich im wahrsten Sinne des Wortes hochgearbeitet, eine fast 30-jährige Erfolgsgeschichte bis zum alleinigen geschäftsführenden Gesellschafter, was einerseits natürlich sehr viel Verantwortung mit sich bringt, andererseits aber auch die Möglichkeit beinhaltet, der Agentur seinen eigenen, ganz persönlichen Stempel aufzudrücken, sie nach den eigenen Vorstellungen auszurichten und zu gestalten. Und mit diesem Transformationsprozess beschäftigt sich Berger gemeinsam mit seinen momentan 33 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr intensiv seit nunmehr fünf Jahren
Ein Prozess, der natürlich auf handfesten Erkenntnissen und Überlegungen basiert. Die Gesellschaft ist in einer ständigen Entwicklung, bei der Energie, der Mobilität, der Kommunikation, wir erleben dazu einen andauernden soziodemografischen Wandel – und eine Agentur muss sich darauf einstellen, ebenfalls wandlungsfähig sein. Berger hat daraus ein Leitbild für seine Agentur entwickelt: Gestalten verändern – Verändern gestalten. „Das ist so ein ewiges Pingpong“, sagt Berger. „Alles entsteht immer neu und ist im Werden. Die Konsequenz aus dieser Überlegung ist, dass ich nun auch noch mal unter die Gründer gegangen bin mit dem überwegs, unserem Kollaborationslabor. Womit wir natürlich nicht so ganz noch mal von vorne anfangen. Unser großer Vorteil ist, dass die Agentur bereits seit fünf Jahren als ausgewiesene Markenagentur arbeitet und wir darum eine Marke relativ schnell aufbauen können. Entsprechend haben wir das überwegs schon jetzt relativ stark im Markt platziert. Ich bin mit dem überwegs sozusagen Kunde der B&B Markenagentur geworden. Sehr spannend. Man kann so auch die eigenen Prozesse und Strategien noch einmal hinterfragen. Es geht ja heute sehr stark um Kommunikation, um Beratung, auch um die wissenschaftliche Betrachtung von kommunikativen Prozessen. Es geht nicht mehr um die eine, spezielle Idee, den heißesten Slogan oder das Hammer-Plakat. Es geht tatsächlich eher um sehr langfristige und auch nachhaltige Prozesse. Marke ist Marathon, niemals Sprint.“
Und dann erzählt Uwe Berger vom Wandel in seiner Branche und man erfasst schnell, wie fundamental und radikal die neuen Medien auch den Bereich Werbung umgebaut haben. Bergers Ziehvater und Mentor Albrecht Bodo von Blücher war in Hannover bekannt für seinen Intellekt und Ideenreichtum. „Als ich 1990 in die Agentur gekommen bin, da ging es noch um die gestalterisch oder textlich beste Idee, da haben der Werbetexter oder der Werbegrafiker die ganz großen Tore geschossen. Albrecht von Blücher ist ein höchst kreativer Mensch, der damals mit einem witzigen Spruch oder einer witzigen Bildidee am Ende des Tages sein Geld verdienen konnte. Das ist heute in unserer Welt digitaler Transparenz, in der Wissen in Sekundenschnelle überall verfügbar ist, längst nicht mehr der Target-Punkt.“
Mittlerweile sei in der Agentur eher der Redakteur gefragt und nicht mehr so sehr der Werbetexter. Und es stimmt, früher sollte Werbung Aufmerksamkeit und Interesse wecken, Wünsche erzeugen. Zu verkaufen, das war das Ziel guter Werbung. Heute geht es vielmehr darum, Marken durch Content zu unterstützen, also Reportage statt Plakat. Werbung erzählt Geschichten, ein Magazin zum Produkt repräsentiert eher die Züge der Marke. Wenn man beispielsweise für ein Abfallunternehmen arbeite, so Berger, sei das ganz schnell sehr einleuchtend. Da gehe es dann eben nicht um die knallige, „eyecatchende“ Werbeheadline, sondern um die ganze Geschichte der Dienstleistung. „Ein Produkt, das im Internet von 300 Käufern eine positive Bewertung bekommt, braucht uns nicht, das verkauft sich von allein, so ein Produkt braucht keine Kampagne. Was wir für unsere Kunden vor allem erzeugen müssen, das sind Loyalitäten. Die Marke, das Angebot muss für den Kunden relevant sein, einen hohen Stellenwert genießen. Wenn das gelingt, wird der Marke sogar mal eine schlechte Leistung vergeben. Es geht also um Kundentreue, wir sprechen in dem Zusammenhang sogar von Love-Brands. Da spielen Gefühle eine Rolle. Schon Aristoteles wusste, dass nichts im Verstand ist, was nicht vorher in den Sinnen war.“
Wenn Uwe Berger von der alltäglichen Arbeit in der Agentur berichtet, klingt es sehr nach Wissenschaft. Bevor überhaupt über Kampagnen nachgedacht wird, steht zunächst die Analyse auf dem Plan, der Kunde wird intensiv befragt. „Wer bist du, was ist dein genetischer Code, ist deine Marke nachhaltig aufgestellt, wissen deine MitarbeiterInnen das alles, sind die schon Markenbotschafter“, zählt Berger einige Fragen auf. Recht schnell würden sich so die Defizite zeigen Und dann gehe es in der Folge darum, eine inhaltlich substanzielle aber trotzdem möglichst kreative Kommunikation zu entwickeln, über Filme, Magazine, Broschüren, Maßnahmen im identitätsstiftenden Bereich. Es gehe um das herausarbeiten der „Corporate Identity“, was sich erst danach anschließen kann, ist die Erarbeitung des „Corporate Designs“, damit bekomme die Marke ein Gesicht, eine Markenpersönlichkeit.

Es ist klar, dass wir mit Uwe Berger auch über Hannover und die Bewerbung zur Kulturhauptstadt sprechen. Man hat es jetzt in die zweite Runde geschafft. Für die Leitidee hat B&B die richtigen Worte gefunden, „HIER JETZT ALLE für Europa“. Und die Idee zum Slogan ist eigentlich schnell zusammengefasst: „Hannover hat keinen Hafen, so wie Hamburg, oder ein Hofbräuhaus, so wie München, Hannover hat nicht den herausragenden Leuchtturm. Daraus hat das Team rund um die Bewerbung zur Kulturhauptstadt einen sehr smarten Gedanken abgeleitet: Das Ganze ist mehr ist als die Summe seiner Teile. Soll heißen, Hannover hat so viel, eine so diverse und spannende Kultur, die gemacht ist von den Menschen, also sind eigentlich die Menschen unser Leuchtturm. Genau aus dieser Überlegung ist die Idee geboren, dass die ganze Stadt ein Leuchtturm sein kann, ein Leuchtturm für Europa. Das ist wirklich klug, finde ich. Genau aus diesem Grund ist Hannover ja auch so attraktiv für viele Menschen, man kann hier sehr gut leben, Hannover bietet alles, das Gesamtpaket passt einfach. Bei uns in der Agentur bewerben sich inzwischen Hannoveraner, die momentan in Hamburg wohnen, aber zurückkommen möchten. Dazu passt auch dieser ganz sympathische Lokalpatriotismus in den Stadtteilen. Die Menschen stellen dort gemeinsam ganz viel auf die Beine, auch in Sachen Kultur. Man kollaboriert gerne in Hannover.“
Womit wir am Ende unseres Gesprächs wieder beim „überwegs“ sind, Uwe Bergers Kollaborationslabor in der fünften Etage über seiner Agentur, mit einem vollverglasten Ausblick auf das Rathaus, den Funkturm und die drei warmen Brüder, und mit Platz für rund 100 Leute. Alles ist hier mit Rollen ausgestattet, der Raum kann individuell angepasst werden, man findet jede Menge „Spielzeug“, um der Kreativität auf die Sprünge zu helfen. Es ist ein Raum für Teams aus Unternehmen, auch interdisziplinäre Teams, die miteinander denken, Dinge entwickeln, auch mal spinnen wollen, die miteinander kollaborieren wollen. Das „überwegs“ wird vielfältig genutzt, gerne als Think-Tank oder für Breakout-Sessions, aber zwischendurch auch mal ganz klassisch als Konferenzraum, wobei allein die Sprüche an den Wänden für eine gewisse Grundstimmung sorgen, denn man findet hier die Regeln des Design-Thinking. „Leave titles at the door, build on ideas of others, fail early and often …“, Uwe Berger kann sie natürlich alle aufzählen. „Und dazu geht es natürlich immer ums Lernen“, ergänzt er. „Wir haben jetzt gerade eine größere Workshop-Reihe aufgebaut mit sehr guten Trainern, unser Kollaborationsraum wird so auch mal zur Akademie, wer mag, kann sich nun einen Coach beispielsweise zur Führungskultur dazu holen. Also, kollaborieren und lernen. Letzteres finde ich übrigens für mich ganz essenziell. Ich bin immer sehr an neuen technischen Entwicklungen interessiert. Ich gehöre ja zu einer Generation, die sich noch gut daran erinnern kann, wie aufregend es war, als das erste Fax in die Agentur kam. Ich bin sozusagen geboren in der analogen Welt und habe mich mit großem Interesse aufgemacht in die digitale Welt. Da möchte ich immer ganz vorne dabei sein. Ich bin zum Beispiel schon zweimal in China gewesen, um mir VR- und AR-Technologie anzusehen, weil sie uns dort einfach drei Jahre voraus sind. Und gleichzeitig weiß ich noch die Qualität des Analogen sehr zu schätzen, ich mag es, wenn in den digitalen Medien die Groß- und Kleinschreibung perfekt ist. Ich gehöre wahrscheinlich zu so einer Brückengeneration, die Kommunikation mit einem bestimmten Stil betreiben möchte, mit der Qualität und dem Anspruch des vielleicht Vergangenen, aber mit den Möglichkeiten von heute und gerne auch schon mit den Möglichkeiten von morgen oder übermorgen.“ Lak

Mehr Informationen unter ueberwegs.de, bundb.de und vinyltalk.de.

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CircO Die neue Generation Zirkus

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CircO Die neue Generation Zirkus


Zeitgenössischer Zirkus? Was in Frankreich oder Belgien als „Nouveau Cirque“ längst seinen festen Platz hat, gilt in Deutschland noch als neues Genre. Die hannoversche Kompanie CircO will das ändern. Ensemble-Leiterin Annika Dickel wurde schon als Kind von Zirkuskünstlern unterrichtet und hat mit CircO viel vor.

„Innovativ, witzig, aufregend und genial“ – das Publikum ist durch die Bank begeistert. Annika beschreibt, was CircO auszeichnet: „Wir versuchen, das Publikum mit unserer artistischen Theater-Collage dahin mitzunehmen, wo es noch nie war. Wir erzählen Figuren, schaffen starke Bilder und vermitteln unprätentiös Inhalte, statt einzelner Nummern und Paraden erzählen wir ein Gesamtkunstwerk. Natürlich gibt es auch die körperlich gefährlichen Momente, wo das Publikum den Atem anhält. CircO verschreibt sich der Performance, Musik, Tanz und Akrobatik, ohne wilde Tiere und Klamauk – auf der Bühne entwickeln die zehn KünstlerInnen die Geschichte mit einem Tetraeder, das eigens für uns aus Traversen gebaut wurde. Wer uns buchen will, braucht eine Raumhöhe von 5,50 Meter.“
Hannover ist eine Metropole für Kinder- und Jugendzirkus, doch im Erwachsenenbereich jenseits der Varieté-Szene klaffte eine Lücke. Der Verein CircO Hannover e. V. arbeitete seit Jahren erfolgreich im Kinder- und Jugendbereich, als die Profi-Artisten im Vorstand das Ensemble für zeitgenössischen Zirkus 2017 gegründet und Annika Dickel an Bord geholt haben. Sie blickt zurück: „Ich hatte bereits an verschiedenen Häusern als Choreografin gearbeitet. Artistik war schon immer die Ausdrucksform, die mich besonders begeistert hat. Jetzt sind wir eine bunte Truppe aus MusikerInnen, TänzerInnen und SchauspielerInnen. Die Stücke erarbeiten wir gemeinsam. In unserer aktuellen Produktion „gemEinsam“ geht es um das Miteinander von Individuen und Gruppen. Wo sind Verbindungen, wo liegen Grenzen? Akrobatik, Jonglage, Sprecheinlagen und Livemusik – alles wurde komplett selbst entwickelt und auch komponiert.“
CircO ist bereits zweifacher Preisträger des Innovationsfonds Hannover (2017 und 2019) und hat 2019 unter anderem beim Internationalen Straßentheaterfestival in Holzminden den Publikumspreis gewonnen. Als Ziele nennt Annika: „Bis jetzt werden die KünstlerInnen nur für die Auftritte bezahlt. Kunst muss angemessen bezahlt werden. Im vergangenen Jahr haben wir 24 Vorstellungen gegeben. Wir möchten mehr Festivals besuchen und uns weiter professionalisieren. Aber: Alle unsere KünstlerInnen haben noch andere Jobs oder Engagements, sodass es besonders schwierig ist, gemeinsame Termine zu finden. Und wie immer im Kulturbereich frisst der Kampf ums Geld viel Zeit, ich sitze gerade über den nächsten Förderanträgen. Über unser Interesse am drei|v Kreativwettbewerb sind wir mit hannoverimpuls ins Gespräch gekommen und wurden offen aufgenommen. Das Beratungsgespräch war klasse. Wir haben zig praktische Tipps beispielsweise fürs Marketing erhalten und fühlten uns wirklich in jedem Moment sehr ernst genommen. Das können wir anderen sehr empfehlen.“
Kompanie CircO e. V.,
Annika Dickel (Leiterin)
Badenstedter Straße 35
30449 Hannover
Kompanie@circo-hannover.de
www.kompanie-circo.de

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Neu in der Stadt im Januar

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Neu in der Stadt im Januar


Emmilo    Herzgemachte Mode für KinderFoto: Frank Rohne
Angefangen hat alles damit, dass Kimberly Jones, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, als damalige Studentin der sozialen Arbeit ihrer Tochter eine Schultüte und ihrem Sohn erste Kleidungsstücke genäht hatte. Über einen Austausch auf Instagram ergab sich für sie dann aber sehr schnell die Möglichkeit, die bewunderten Stücke auch für andere herzustellen. Was anfangs ein willkommener, von zuhause zu erledigender Broterwerb neben dem Studium war, entwickelte sich schließlich zur Passion und – nach ihrem Gewinn des Gründungswettbewerbs Start-Impuls samt ordentlichem Startkapital – zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell mit eigenem Laden in Döhren, in dem Jones nun auch mit einer Teilzeitkraft und zwei Minijobberinnen arbeitet. Auf Bestellung und auf Kundenwunsch werden bei Emmilo meist innerhalb von vier Wochen individuelle Stücke angefertigt, die voll und ganz auf Bedürfnisse und Vorlieben der Kinder abgestimmt werden, die größtenteils 2-4 Jahre alt sind. Aber auch für Neugeborene und 13-Jährige hat Jones bereits Kleidung angefertigt. Ob Stoff, Farbe, Schnitt, Bildmotive oder spielerische Elemente, die mit haptischen Reizen, Aufklapp-Funktionen, Reißverschlüssen oder knisternden Stoffen locken: alles ist darauf ausgerichtet, dass das Einzelstück zum Lieblingskleidungsstück der Kleinen avanciert. Mit GOTS-zertifizierten Biostoffen nimmt Emmilo zudem nicht nur auf die empfindliche Kinderhaut Rücksicht, sondern verfolgt auch das Konzept der Nachhaltigkeit. Mit ihrem erfolgreichen Modell erhält Jones auch Bestellungen aus dem Ausland, aus Österreich oder der Schweiz etwa, aber auch aus Kanada. Einige Teile zum Sofortkaufen sind darüber hinaus auch immer vorrätig. Fiedelerstraße 5, 30159 Hannover, Tel. (0173) 6860511. Öffnungszeiten Mo-Mi, Fr 9-14 Uhr, Do 9-14 Uhr und 15-18 Uhr, Sa 12-18 Uhr. Unter instagram.com/emmilo_ können sich Interessierte einen Einblick verschaffen, die Homepage emmilo.de wird derzeit noch ausgebaut.
Foto: Frank Rohne

 

Patty’s Moonlight Fashion    Foto: Frank Rohne
Gothic- und Rockabilly Mode für Jung und Alt
Der eine oder andere dürfte Patty, die Inhaberin von „Patty’s Moonlight Fashion“, noch als Mitarbeiterin aus dem Szene-Laden „Kicks Fashion“ kennen. Als der Laden für Gothics, New Romantics, Vampire, Steampunker und Rockabillys schließlich seine Türen geschlossen hat, konnte sie dem Vorbesitzer das gesamte Inventar abkaufen. 250 der früheren Stammkunden haben die Treue gehalten und der Eröffnung ihres eigenen Ladens im November 2019 beigewohnt, dem Patty mit dem neuen Namen auch einen eigenen Stempel aufgedrückt hat. Dank der Beliebtheit rarer Szene-Läden und aufgrund der guten Bahnverbindung kann sich „Patty’s Moonlight Fashion“ trotz des etwas entlegeneren Standortes an der Schulenburger Landstraße über geringen Zulauf nicht beklagen. Neben Schuhen – auf Wunsch auch vegan –, Korsagen und Kleidungsstücken von Pentagram, Queen of Darkness oder Aderlass gehören auch Schmuckstücke wie „Histoire d‘O“-Edelstahlringe oder Dekos wie Plüsch-Spinnen- und -Fledermäuse zum Angebot, das inzwischen auch um eine Second-Hand-Ecke erweitert worden ist. Schulenburger Landstraße 52, 30165 Hannover. Öffnungszeiten Di-Fr 12-18, Sa 10-16 Uhr.
Foto: Frank Rohne

 

THEBOLZ     
Auf 1.300 qm sorgt der mit den 96-Profis Bakalorz und Muslija eröffnete Indoor-Bolzplatz dafür, der gegenwärtigen Entwicklung im Fußball den Kampf anzusagen und das Bolzplatz-Feeling zurück in die Stadt zu holen. Getränke, Musik und die Möglichkeit, an der Playstation eine Runde FIFA zu spielen oder am Krökeltisch zu krökeln, runden das Bolzplatz-Angebot mit den acht 10×5 Meter großen Stahlgitterkäfigen ab. Sanitärräume mit abschließbaren Spinden stehen selbstverständlich ebenfalls zur Verfügung. Zusätzliche Events wie Rap-Battles und DJ-Abende sorgen an ausgewählten Tagen für alternative Vergnügungen, derweil regelmäßig montags Rabattangebote für SchülerInnen und StudentInnen und donnerstags BOLZ-&-Bier-Angebote zum Programm gehören. Die BOLZ-&-Birthday-Aktion ermöglicht zudem ganz besondere Geburtstagsfeiern in THEBOLZ, das noch zahlreiche weirere Angebote bietet. Je nach Uhrzeit und Wochentag belaufen sich die Kosten für einen gebuchten Bolzplatz, in denen vier bis acht Spieler Platz finden, auf 44-52 Euro pro Stunde. Vahrenwalder Straße 209a, 30165 Hannover.Öffnungszeiten Mo-Fr 15-22 Uhr, Sa 12-22 Uhr, So 10-22 Uhr. Weitere Infos unter thebolz.com

 

 Be nice    Veganes Café in der NordstadtFoto: be nice
Die Isernhagenerin Bérénice eröffnete am 11.11. ihr eigenes Café in der Nordstadt. 15 Jahre lang arbeitete sie als Teamleiterin in einer Bank, doch es bot sich die Möglichkeit, ihr Leben einmal um 180 Grad zu drehen. Schon durch das jahrelange Jobben in der Gastronomie als Studentin wuchs ihr Interesse und der Wunsch, sich eines Tages darin selbstständig zu machen. Also ergriff sie kurzerhand die Chance und kaufte zunächst einen alten DDR-Nagetusch-Wohnwagen, um damit auf Festivals oder bei Hochzeiten vor dem Standesamt für gesunde Verpflegung zu sorgen. Sie selbst lebt seit zwei Jahren vegan und davor schon zwei Jahre vegetarisch. Um den Foodtruck becatern zu können übernahm sie im Oktober das ehemalige „Feinkoststernchen“ und verlagerte damit erstmal ihren Schwerpunkt auf das Café. Die Nordstadt biete sich durch die Nähe zur Uni als idealen Standpunkt an, die Leute hier seien offen für Neues. Bérénice legt viel Wert darauf gute Qualität zu bieten, frisch zu kochen, so viel wie möglich selber zu machen und eine kleine, vielfältige, aber mit Herzblut zubereitete Auswahl anzubieten. Auf der Speisekarte stehen verschiedene Suppen, ein wechselnder Mittagstisch, Kaffee und Kuchen und belegte Baguettes mit hausgemachten Aufschnitt, die in Kooperation mit LindenBACKT! frisch geliefert werden. Geplant ist ebenfalls die selbstgemachten Produkte wie Stollen oder Brühe als eigenes Label zunächst im Laden, bald aber auch außer Haus, verkaufen zu können. Jede*r ist willkommen, um bei einer angenehmen Atmosphäre mit dem ein oder anderen Gespräch eine super nette Zeit zu haben. Rehbockstraße 1, 30167 Hannover, benice-online.de. Öffnungszeiten Mi bis Fr von 10-18 Uhr, Sa und So 11-18 Uhr, Sa und So mit Frühstück.
Foto: be nice

 

Francesca & Fratelli     
Was 2008 auf 11 Quadratmetern begonnen hatte, ist mittlerweile auf acht Standorte in Hannover angewachsen, an denen Francesca & Fratelli, die ihre erste Filiale unter diesem Namen 2014 eröffneten, handgemachte Steinofenpizzen – auch zum Mitnehmen – sowie Salate, Antipasti, Pasta und Desserts anbieten. Den achten Standpunkt hat man Mitte November im Tiedthof an der Goseriede eröffnet, in dem früher über viele Jahre hinweg das „Besitos“ untergebracht war. Dort bieten Francesca & Fratelli der Kundschaft nun ein besonders hochwertiges Ambiente, an dem sich die beliebten Pizzen – die von Big 7 Travel auf Platz 16 der besten Pizzen Deutschlands gewählt worden sind – besonders gut genießen lassen. Goseriede 4, 30169 Hannover. Öffnungszeiten Mo-Do 11.30-22 Uhr, Fr-Sa 11.30-23 Uhr.

 

 und außerdem …  

Ende letzten Jahren haben zwei weitere Gastronomie-Angebote ihre Türen für die Gäste geöffnet: In der Podbielskistraße 292 liefert die Café-Bar „Cafe 35“ seit Mitte November im eleganten Ambiente Whiskey, Vodka, Cocktails, Bacardi, Hendrick’s Gin, Bombay Tonic, Champagner, Campari, Prosecco, Weine, Raki, Redbull, Becks u. v. m. zu Jazz und Blues – sonntags bis donnerstags von 11-23 Uhr, freitags bis samstags von 11-1 Uhr.

In der Marienstraße 96 bietet dagegen das „Elements Restaurant“ seit dem 20. September täglich ab 9 Uhr in Bar, Lounge und Restaurant Salate, Pasta, Pizzas, Burger, Steaks, Suppen sowie Vorspeisen und Desserts und natürlich warme und kalte Getränke von Eisdrinks, Milchshakes und Cocktails über Kaffees und Tees bis hin zu Softdrinks und diversen Alkoholika – im ansprechenden Ambiente samt Fußball-Liveübertragungen. Informationen sind unter elements-hannover.de zu finden.

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Restaurant Daniel’s

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Restaurant Daniel’s


Die peruanische Küche ist aus einer Vielzahl von verschiedenen Einflüssen entstanden. Da wäre zum einen die traditionelle Kochkunst der Inka, die nicht nur für ihre einfallsreichen Experimente mit der Kakaobohne (aka der „Speise der Götter“) bekannt ist, sondern auch für ihre raffinierte Verwendungsvielfalt jener Knolle, die auf deutschen Tellern zumeist auf den Platz der Sättigungsbeilage verbannt wird: die Kartoffel. Zum anderen haben hier im Laufe der Jahrhunderte zahllose Einwandererküchen mitgemischt und Elemente afrikanischer, asiatischer und europäischer Esskultur beigetragen. Besonders einflussreich waren da natürlich die spanischen Conquistadores, die Schweine, Rinder und Knoblauch auf die Speisekarte brachten, sich ihrerseits aber auch von den Rezepten der Eroberten verführen ließen. Eben diese Schnittstelle spanisch-peruanischer Kulinarik kann man im Restaurant Daniel‘s erleben.

Ein wenig versteckt zwischen kleinen Nebenstraßen ist das Daniel‘s nicht gleich zu finden, obwohl es doch nur zwei Minuten vom Kulturpavillon entfernt liegt. Trotzdem ist die Location alles andere als unbekannt und eine Reservierung durchaus ratsam, denn schon eine halbe Stunde nach Öffnung sind fast alle Tische besetzt. Wir haben noch kurz Zeit, uns über die stimmungsvolle Deko zu freuen – rustikale Sitzecken und Tische, Wandbilder aus Mais und Pfefferschoten und auf dem Fensterbrett die hölzerne Hand des Glücksgottes Ekeko, die eine Flasche Rotwein hält – als wir auch schon von einer überaus freundlichen Kellnerin die Speisekarte vorgelegt bekommen. Natürlich fehlen nicht die Klassiker, zum Beispiel Ceviche, das peruanische Nationalgericht aus in Limettensaft gegartem Fisch, der hier mit Süßkartoffeln angerichtet wird. Und auch die beliebte südamerikanische Spezialität Pollo con salsa de cacao, Hähnchenfilet in Kakaosauce, wird hier zusammen mit scharf gewürzten Kartoffeln und Bohnen serviert. Auf spanischer Seite sind Paellas und diverse Meeresfrüchte im Angebot, zum Beispiel Viktoriabarsch in Safransauce oder Garnelen, dazu spanischer Manchego-Käse aus Schafsmilch oder Serrano-Schinken. Schnell wird klar: Vegetarier (oder gar Veganer!) sind hier nicht die angepeilte Zielgruppe, für sie ist die Auswahl eher überschaubar. Denn bis auf die Ensaladas gibt es nur zwei komplett fleischlose Hauptgänge zur Auswahl, nämlich eine Paella und ein Gericht mit Tagliatelle-Nudeln. Wir entscheiden uns schließlich für eine Vorspeise aus Krebskroketten, die schön knusprig sind und mit einem hausgemachten Aioli-Dip aus Knoblauch und Öl gereicht werden. Anschließend probieren wir die Hamburguesas, die mit einem Lachs- oder Hähnchenbrustfilet-Patty ausgestattet werden. Dazu gibt es Tomatensalat und frittierte Kartoffeln mit Ketchup sowie einer leicht pikanten Paprikacrème, von der man auf Nachfrage gerne noch mehr bekommt (und wir fragen nach!). Die Portionen sind ziemlich üppig, daher sind wir froh, uns nicht doch auf die Tagesplatte Tapas Ambos Mundos eingelassen zu haben, obwohl sie so verlockend das „Aufeinandertreffen zweier Welten“, nämlich der spanischen und der peruanischen, ankündigt. Die immense Ansammlung von Häppchen aus Meeresfrüchten, Oliven, Fleischbällchen etc. können wir dennoch auf dem Nachbartisch bewundern, an dem eine Betriebsfeier à acht Personen stattfindet. Zum Abschluss gönnen wir uns noch eine Mango Panna cotta Crème und einen Karamellpudding mit Kokosmilch, die beide unaufdringlich süß schmecken und den deftigen Hauptgang schön abrunden. Fazit: Hier waren wir auf jeden Fall nicht zum letzten Mal! Anja Dolatta

Eckerstraße 8
30161 Hannover
Tel. (0511) 33 62 948
www.restaurantdaniels.de

Öffnungszeiten: Mi–Sa ab 18 Uhr (Küche bis 22 Uhr),
So 12–20 Uhr (Küche bis 23.20 Uhr)

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