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Melodic Metal: Rosy Vista

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Melodic Metal: Rosy Vista


Es gibt Bands, die hauen alle zwei Jahre eine neue Platte raus, touren zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk um die Weltgeschichte, verewigen sich durch Interviews in einschlägigen Musikmagazinen im kollektiven Gedächtnis der synchron alternden Fangemeinde und tauchen irgendwann um die 60 ab in die hart verdiente Musikerrente, irgendwo auf den Bahamas oder den Azoren.Wenn es gut läuft. Aber gut ist langweilig, und langweilig war noch nie die Sache der All-Girls-Melodic-Metal-Band  Rosy Vista aus Hannover.

1965 stolpert Anca Graterol, heutige Bandleaderin und Gitarristin der Formation, dreizehnjährig in ihrer Heimatstadt Bukarest über den Musikfilm „The Young Ones“, und fortan sollte ihr Leben nicht mehr dasselbe sein – sie will Rockmusikerin werden. Die Schulhofjungs wünschen sich den hübschen Teenager mit modischem Minirock hüftschwingend hinterm Mikro, aber Anca will vor allem eins: rocken, und zwar an der E-Gitarre! „Ich wurde oft gefragt, warum ich immer nur in Frauenbands gespielt habe. Ob ich eine Hardcore Feministin wäre oder irgendwie ein Problem mit Männern hätte. Der Grund ist viel simpler – als ich meine erste Band gründete, haben wir uns einfach noch nicht soviel mit Jungs abgegeben. Also habe ich meine besten Freundinnen überzeugt!“ Und die erste Band sollte nicht irgendeine Band werden – CATENA, zu deutsch „Kette“, brachten nur ein Jahr nach ihrer Gründung die Konzerthallen landesweit zum Bersten und genießen bis heute Kultstatus in Rumänien.
Anca ehelicht einen Musikerkumpel aus dem Westen und landet über Umwege in Hannover. In ihrer Heimat hatte sie in ausverkauften Hallen mit bis zu 13.000 Fans gespielt, in Deutschland aber ist sie ein Niemand. Doch sie ist fest entschlossen, es mit einer neuen Band zu versuchen. In einer Disco lernt sie schließlich die damals 19-jährige Andrea Schwarz kennen. „Ich dachte mir damals“, erinnert sich Anca, „so rhythmisch wie die tanzt, das muss einfach eine Hammer-Musikerin sein!“ Ein guter Riecher, wie sich herausstellt – Andrea sollte mit ihrem Ausnahmegesangstalent und der exaltierten Bühnenshow bald zu einem Markenzeichen der Band werden. Mit Regine „Guinness“ Hellmann (Bass) und  Marina Hlubeck (Drums) aus Berlin, laut Anca „ein richtiges Herz mit Schnauze“, ist die Gang komplett. Rosy Vista  ist geboren und im Begriff, die erste und deutschlandweit einzige Hardrock-Frauenband in diesem sonst von Männern dominierten Genre zu werden. Doch wer glaubt, dass es für die Band schnurstracks vom Proberaum in die Charts ging, irrt gewaltig.  Mitte der 80er-Jahre war die Präsenz von Hardrock-Frauenbands in der deutschen Kulturlandschaft  ungefähr so üblich wie die des Dalai Lama im Fight Club. Anca fasst es so zusammen: „Keiner glaubt, dass eine Frauenband spielen kann. Du darfst gerne nett, süß und lustig sein. Aber wenn du dann was erreicht hast, musst du einfach total überzeugen.“ Die Mädels geben Vollgas, spielen jeden Gig, den sie kriegen können, und feilen im Proberaum weiter an ihren Songs. Endlich werden auch die Medien auf die Vollblut-Rockerinnen aufmerksam. 1986 wird ein Plattenvertrag unterschrieben und die EP mit dem Titel „You better believe it“ erscheint. Der Rest ist Geschichte … Es folgen Tourneen mit Uriah Heep, Joe Cocker, Manfred Mann, Bon Jovi, Motley Cüe und anderen Rockgrößen. Die Zeitschrift METAL HAMMER kommentiert damals: „Dass die Mädels musikalisch mit etablierten männlichen Kollegen mithalten können, wagte am Ende eines Konzerts kein auch noch so prominenter Gast zu bezweifeln.“
Obwohl die Band diese Periode ihres Schaffens als „Wahnsinnszeit“ bezeichnet, setzt das stressige Tourleben insbesondere Sängerin Andrea zu, die schließlich aus gesundheitlichen Gründen ausscheidet. Man versucht es noch mit zwei anderen Sängerinnen, aber „The Magic is gone“. 1990 lösen sich Rosy Vista auf. Zwar gibt es im Verlauf der nächsten Jahre immer wieder Bemühungen, die Band neu aufzubauen, aber nichts fruchtet wirklich.
Bis sich 2016 das Blatt endlich wendet. Die Formation findet, nahezu in Originalbesetzung, wieder zusammen – einziger Neuzugang: Heike Müller (Bass) aus Düsseldorf. Die Chemie stimmt wieder. 2019 unterschreiben die Rockerinnen einen neuen Plattenvertrag und nehmen mit der LP „Unbelievable“ (Steamhammer) endlich all das unveröffentlichte Material von früher auf. Alles scheint perfekt. Dann kommt Corona. „Was für eine Ironie,“ so Anca, „da hat man eine Hammer-CD draußen, eine neue Bassistin, mit der es super läuft, gebuchte Tourneen auf großen Festivals mit Bands wie Die Happy, Slade, Mother’s Finest und Dead Daisies … und dann das!“
Aber Rosy Vista  wären nicht Rosy Vista , wenn sie sich davon unterkriegen ließen. So nutzen sie die Zeit, um sich im Proberaum zu verschanzen und an dem Nachfolger für „Unbelievable“ zu arbeiten – mehr Rock’n’Roll geht nicht.          ● Birte Wolter

Wer bis zum Erscheinen oder neuerlichen Live-Rocken nicht warten kann, dem seien die Youtube-Videos „Poor Rosy – Rosy Vista live 2019/ Musikzentrum“ sowie die sehensswerte Doku aus den Anfangsjahren der Band, „Rosy Vista – Part 1-4“ an’s Herz gelegt. Mehr Infos auf www.rosyvista.com.

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… und noch viel mehr: Sichtbarkeit und Vernetzung mit dem FrauenBranchenBuch

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… und noch viel mehr: Sichtbarkeit und Vernetzung mit dem FrauenBranchenBuch


Es gibt wohl kaum eine Frau in Hannover und Region, die das FrauenBranchenBuch nicht schon mal gesehen, in der Hand gehalten, darin geblättert oder es aktiv genutzt hat: Es gehört einfach dazu, wenn Frauen in und um Hannover sich auf den Weg machen, um ihren Platz in der Stadtgesellschaft, in Wirtschaft und Politik, in Kunst, Kultur und Wissenschaft einzunehmen. Wollen Gründerinnen eine pfiffige Idee umsetzen, Selbstständige ihr Unternehmen bekannter machen oder Frauen sich neu erfinden, das FrauenBranchenBuch mit seinen Aktivitäten zu Empowerment und Vernetzung ist für sie eine zentrale Institution. Die spannende neue Ausgabe 2021/2022 ist momentan in Vorbereitung und soll im Herbst 2021 erscheinen.

Das FrauenBranchenBuch für Hannover und Umgebung existiert seit über 20 Jahren und war bislang eng mit dem Namen seiner Gründerin Barbara Felten verknüpft, die über zwei Jahrzehnte hinweg Seele und treibende Kraft war. Als sie beschloss, sich neu zu erfinden und das Projekt in andere Hände zu übergeben, griff Gil Koebberling zu, eine unternehmenserfahrene, leidenschaftliche Netzwerkerin, die zudem in der Stadtgesellschaft bestens verankert ist. Sie nahm das FrauenBranchenBuch unter ihre Fittiche, mit viel Herz und Sachverstand. Zur Übergabe organisierte sie gemeinsam mit Asmahan el Zein im Herbst 2019 eine fulminante „Stabwechsel“-Veranstaltung im Zirkuszelt – ein fröhliches Sommerfest mit Treff, Programm und Ausstellung auf der Zirkuswiese. Ein voller Erfolg – über 200 eingeladene Frauen waren begeistert.
Im Februar 2020 organisierte Gil Koebberling dann in Zusammenarbeit mit „Frau & Beruf“ im Haus der Region eine große „fuckupnight“. Die inspirierende Veranstaltung fand hervorragenden Anklang. Rednerinnen wie Maria von Blumencron, Kirsten Minder und Alina Zimmermann berichteten über ihre Niederlagen – und die Learnings daraus. Im Anschluss folgten Fragerunden und – natürlich – Austausch und Netzwerken. Weitere Veranstaltungen waren schon fest geplant, als durch Corona all dies und vieles mehr hart ausgebremst wurde.
Weil aber Aufgeben keine Option ist, schon gar nicht für „Vollblutnetzwerkerin“ Gil Koebberling, arbeitet sie momentan an der kommenden Ausgabe des FrauenBranchenBuches, mit vielen schönen neuen Ideen. Und einem Kompetenzteam, dass sich augenblicklich neu zusammenfindet, um an der Weiterentwicklung des Projektes mitzuwirken. Zu den drei Pfeilern Print/Buch, Event und Netzwerk wird jetzt auch der vierte Pfeiler, die Onlineplattform unter www.sieh-hier.de weiterentwickelt. „Das Thema Sichtbarkeit ist wichtiger denn je, das Bedürfnis nach Vernetzung und Austausch ist groß und das Interesse an neuen Ideen und Kooperationen besteht permanent“, so beschreibt Gil Koebberling die Aufgaben. „Viele Frauen haben Ideen für neue Projekte und gerade junge Frauen sind voller Ideen und wollen in Austausch kommen. Das FrauenBranchenBuch wird auf jeden Fall weiter gebraucht, das Bedürfnis nach Kommunikation ist gewachsen. Die Ausrichtung soll sich noch erweitern, diverser werden, gezielt Frauen unterschiedlicher Herkünfte und aller Generationen integrieren.“
Das FrauenBranchenBuch wurde gegründet, um Frauenbetriebe und frauenspezifische Angebote sichtbar zu machen. Ein Branchenbuch von Unternehmerinnen plus Beratungsangebote plus frauenrelevante Themen. Viele selbständig oder freiberuflich tätige Frauen und Existenzgründerinnen haben das Buch genutzt, um sich zu zeigen und für potenzielle Kundinnen auffindbar zu sein. Dazu wurden insbesondere auf der Webseite mehr und mehr aktuelle Veranstaltungstipps geboten, ein stetig wachsendes Angebot an Events: Vortrags- und Informationsveranstaltungen, Austausch und gegenseitiges Kennenlernen. Zum Beispiel bei den beliebten Visitenkartenpartys, bei denen die Teilnehmerinnen sich und ihr Angebot vorstellen, aber auch der gesellige Teil – Genuss und gute Gespräche – nicht zu kurz kommt. Wo Inspiration und neue Kontakte einhergehen mit Sichtbarkeit.
Zum neuen Konzept des FrauenBranchenBuch gehört auch, dass neben Selbstständigen, Freiberuflerinnen und Unternehmerinnen auch andere Frauen ihren Raum bekommen – von der Künstlerin, der Erfinderin, der Moderatorin über die Musikerin, die Aktivistin, die Seniorin, die Alleinerziehende, die Ehrenamtliche, die Pflegende bis hin zur Vorständin oder der Arbeitssuchenden. „Die ganze Vielfalt soll gezeigt werden. Frauen mit ihren Stärken, mit ihren Bedürfnissen, ihren Ideen und ihren Fragen sollen sich im Buch zeigen und bei Veranstaltungen begegnen, sich gegenseitig inspirieren und voneinander lernen. Was bewegt sie? Was nervt sie? Wo werden sie gebremst? Was wünschen sie sich, was brauchen sie? Eingeladen sind darum unbedingt auch diejenigen, die sich in Politik, Wirtschaft, in der Gleichstellungsarbeit und in den Medien engagieren“, so Gil Koebberling.                                  ● GKLK

Kontakt
Gil Koebberling, Seilerstraße 12, 30173 Hannover
gil@hannomedia.de, www.sieh-hier.de

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Jasmin Mittag von „Wer braucht Feminismus?”

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Jasmin Mittag von „Wer braucht Feminismus?”


„Wer braucht Feminismus?” ist eine Kampagne, die feministische Themen und Debatten in den Fokus der Gesellschaft rücken möchte. „Feminismus als soziale Bewegung, die gegen geschlechtsbezogene Diskriminierung kämpft, verdient sehr viel mehr Aufmerksamkeit und ein besseres Image”, so Jasmin Mittag. „Wir wollen Menschen in ihrer feministischen Perspektive bestärken, indem wir ihre Statements dazu sammeln, und sie im Internet und in einer Wanderausstellung präsentieren.”

Die Idee stammt ursprünglich aus den USA, wo sich unter dem Schlagwort „Who needs feminism?” im Frühjahr 2012 Studierende gegenseitig mit Schildern in der Hand fotografierten, auf denen in kurzen Statements stand, warum sie Feminismus brauchten. Die Bilder wurden über Social Media-Plattformen verbreitet.
Auf Facebook sah die Aktivistin und Künstlerin Jasmin Mittag diese Postings und beobachtete begeistert, wie die Aktion immer weitere Kreise zog. Schnell kam ihr der Gedanke, dass diese Kampagne, damit sie auch im deutschsprachigen Raum Fuß fassen könnte, „übersetzt” werden müsste. Und natürlich waren die InitiatorInnen in den USA damit nicht nur einverstanden, sondern begeistert, denn es war ja der Grundgedanke von „Who needs feminism?”, möglichst viele Menschen anzusprechen. Jasmin Mittag legte los und wandelte die Idee, die in den USA leider bald wieder im Sand verlief, hier zu einer dauerhaften Kampagne um, zu der neben den Postings auch Vorträge, Workshops, ein Podcast und eine Wanderausstellung gehören.
Ein bisschen provokant ist die Frage „Wer braucht Feminismus?” und lädt auch durchaus den einen oder anderen Troll dazu ein, sie im Netz mit „Kein Mensch” oder „Ich nicht!” zu beantworten. Für Jasmin Mittag aber ist die Antwort klar: „Wir alle brauchen Feminismus, und es ist wichtig, dass das in der Mitte der Gesellschaft ankommt. Geschlechtsbezogene Diskriminierung ist auch hier immer noch vorhanden, in allen Bereichen des Lebens: Im Alltag, in der Werbung und in der Sprache zum Beispiel. Dann gibt es andere große Bereiche, politische Partizipation, Bildung, Wirtschaft, Gesundheit, wo es hier und auch global eine große Schieflage gibt. Es ist wichtig, den Blick hierfür zu öffnen und Themen, die sonst nicht gesehen werden, immer wieder auf den Tisch zu bringen. Das Bewusstsein ist der erste Schritt. Nur wenn Probleme gesehen werden, ist es möglich, an ihnen zu arbeiten.”
Über 3000 Menschen konnten Mittag und ihre MitstreiterInnen schon dazu motivieren, sich mit einem Statement zum Feminismus fotografieren zu lassen. Es gibt also viele Argumente, die für Feminismus als soziale Bewegung sprechen. „Schön an den Statements ist, dass jede Person dabei für sich spricht und ihre eigene Meinung äußert. Es gibt also keinen erhobenen Zeigefinger. Keines der Statements ist wie das andere. Jede Person hat einen ganz eigenen Grund, den sie nennt, oft ist das etwas sehr Persönliches. Deshalb ist es uns dabei ganz wichtig, dass wir niemanden überreden”, so Mittag. „Die Menschen, die sich für die Kampagne fotografieren lassen und so zu einem Vorbild für andere werden, müssen sich ja damit wohlfühlen. Frauen sind immer noch sehr darauf gepolt, nicht anzuecken und sich nicht unbeliebt zu machen. Aber ich beobachte schon seit einigen Jahren, dass sich das Image des Feminismus zum Positiven wandelt, zum Beispiel auch dadurch, dass Prominente wie zum Beispiel die Sängerin Beyoncé sich öffentlich als FeministInnen positionieren.”
Bei vielen Veranstaltungen zum Thema ist zu beobachten, dass höchstens zehn Prozent der Teilnehmenden Männer sind. Tatsächlich ändert sich auch hier langsam etwas. Bei jüngeren Männern, die jetzt zwischen 20 und 30 Jahre alt sind, ist es mehr und mehr selbstverständlich, feministische Positionen zu beziehen, während ältere sich oft darauf zurückziehen, dass Feminismus Frauensache sei.
Schon dreimal hat Mittag ein feministisches „Barcamp” in Hannover organisiert, eine Art Tagung als Plattform für Vernetzung und Diskussion. Zurzeit konzentriert sie sich pandemiebedingt auf Online-Veranstaltungen und den Podcast, den sie zunächst allein, mittlerweile aber zusammen mit drei Kolleginnen betreibt. Hier stellt Mittag Menschen vor, die schon mal ein Statement abgegeben haben, und unterfüttert so die kurzen Botschaften in Form von Interviews mit Leben.
Die Ausstellung „Wer braucht Feminismus?” wird bundesweit in Rathäusern, Universitäten oder anderen öffentlichen Gebäuden gezeigt. Hierfür sind die nächsten festen Termine sicherheitshalber erst für 2022 geplant.
„Ich habe noch viele Ideen, wie man die Aktion größer und bunter machen könnte“, sagt Jasmin Mittag, „aber dafür fehlt einfach das Budget. Es ist sehr aufwändig, an Fördergelder zu kommen. Eine zweite Ausstellung, die sich an Schülerinnen und Schüler richtet, wäre toll, oder auch ein Online-Seminar.”
● Annika Bachem

Termine: Warum brauchst du Feminismus? Unsere Mitmach-Aktion
zum Internationalen Frauen*tag 2021! 8. Februar bis 5. März | Online
Wer braucht Feminismus? – interaktiver Online-Vortrag.
4. März 2021 18 – 19 Uhr @ Stadt Speyer | Online
Wir brauchen Feminismus! – Austausch und Vernetzung
zum Internationalen Frauen*tag. 7. März, 18 Uhr | Online

Mehr Infos: werbrauchtfeminismus.de

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Lea Karrasch

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Lea Karrasch


Foto: Silke JaworrBereits seit zwei Jahren gibt es in Hannover kein Bürger*Innenradio mehr. Gemeinsam mit ihren Vorstandskollegen Michel Golibrzuch und Lothar Schlieckau vom im März gegründeten Leibniz.fm. e.V. möchte Lea Karrasch das ändern. Mit einem umfangreichen Konzept für den neuen, nicht kommerziellen Radiosender Leibniz FM, mit einem inhaltlichen Schwerpunkt auf lokaler Kunst und Kultur, bewirbt sich der Verein bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) um die Lizenz für die nach der Einstellung von radio leinehertz frei gewordene Sendefrequenz. Diese droht, finden sich keine neuen RadiomacherInnen, abgeschaltet zu werden.

Wie bist du dazu gekommen, als Moderatorin zu arbeiten? Stell dich doch mal kurz vor.        
Ich bin ursprünglich aus Göttingen und habe in Jena Politik, Jura und Wirtschaftsgeschichte studiert. Das war ein sehr kommunikatives Studium, oder vielleicht bin ich auch einfach ein sehr kommunikativer Mensch (lacht). Ich war im Studierendenrat aktiv und habe mich politisch eingebracht. In Studierenden-Gremien habe ich damals schon angefangen, Sitzungen zu moderieren, das waren so die kleinen Anfänge. Jetzt bin ich seit über zehn Jahren in Hannover und arbeite beim DGB Niedersachsen als Abteilungsleiterin.

Also bist du für den Job nach Hannover gekommen.
Genau. Aber ich fand es auch schön, wieder nach Niedersachsen zu kommen. Und wer in Göttingen aufwächst und auch gern mal auf größere Konzerte oder Partys geht, kennt Hannover sowieso schon ein bisschen (lacht). Dass ich dann auch beim DGB angefangen habe zu moderieren, lag daran, dass im politischen Bereich Podiumsdiskussionen leider meistens mit Männern besetzt waren, in der Regel waren es ältere Männer. Um das aufzulockern, wollte man dann wenigstens eine Frau, die das moderiert. Und ich habe das so gut gemacht, dass ich immer mehr Anfragen für Moderationen bekommen habe, nicht mehr nur von Gewerkschaften, sondern auch von Stiftungen oder Ministerien, vom Pavillon und Vereinen …

Das hast du dann als freie Moderatorin gemacht.
Genau, das war dann unabhängig vom DGB eine Selbständigkeit, die ich mir nebenbei aufgebaut habe. Ich habe unheimlich viel Spaß daran, auch wenn das sehr viel Arbeit macht. Ich muss mich ja in die politischen Themen, die jetzt keine Kernthemen des DGB wie Frauenpolitik, Arbeitswelt oder Bildungspolitik sind, immer wieder neu einarbeiten. Aber natürlich lerne ich dabei sehr viel, lerne auch viele Organisationen kennen und bin in Hannover durch diese ganzen Veranstaltungen sehr gut vernetzt.

Wie kamst du dann zu Leibniz.fm?
Ich kenne Michel Golibrzuch und Lothar Schlieckau schon länger durch berufliche Anlässe und wir wohnen auch alle drei in Linden. Michel Golibrzuch hatte ursprünglich die Idee, weil er auch bei Radio leinehertz Sendungen gemacht hatte. Lothar Schlieckau kennt sich super in der Kulturszene aus. Naja, und ich als Moderatorin, das passt natürlich! Außerdem saß ich für den DGB Niedersachsen mehrere Jahre lang in der Versammlung der Medienanstalt, wohin verschiedenste Organisationen entsendet werden: Parteien, Kirchen, Gewerkschaften oder der Landesmusikrat zum Beispiel. Ich war zwar nicht im Bürgerfunk-Ausschuss, aber im Programmausschuss. Von daher habe ich eine Vorstellung davon, wie dort die Entscheidungsprozesse laufen. Jetzt müssen wir die Sendelizenz im Grunde erst einmal retten, denn die Landesmedienanstalt hatte die Absicht, Frequenz und Antennen-Infrastruktur für kommerzielle Nutzungen frei zu geben. Ein BürgerInnenradio für Stadt und Region Hannover wäre damit dauerhaft unmöglich geworden.

Die NLM hatte den Eindruck, es bestünde kein Interesse?
So sieht es aus. Aber jetzt können sich Interessierte doch bis zum 21.03. um eine Lizenz bewerben. Diese Bewerbungen werden im April geprüft, und dann wird entschieden, ob die Lizenz noch einmal offiziell ausgeschrieben wird. Dann können wir uns im Sommer offiziell darum bewerben.

Und besteht die NLM auf mehrere Initiativen, die sich bewerben?
Nein, im Prinzip würde ein qualitätsvoller Vorschlag reichen. Es gibt aber  auch noch andere Bewerber, denn es sieht so aus, als würden Leine Live und Maschseewelle ebenfalls ein Konzept einreichen. Das ist im Prinzip sogar ein gutes Signal, denn so sieht man, dass es in Stadt und Region sehr wohl Interesse an einem BürgerInnenradio gibt.

Wie setzt sich euer Programm von den anderen Ideen ab?
Wir haben uns schon eine sehr ausdifferenzierte Programmstruktur überlegt. Wir werden natürlich frei von Werbung sein und planen eine ganz andere Musikfarbe als die gängigen Formatradios. Eine „Morning Show“ wird es also nicht geben (lacht). Unser Fokus auf Kunst und Kultur soll insbesondere der hannoverschen Szene eine Plattform bieten, auf der sie sich darstellen kann.  Hannover hat eine ganz vielfältige Club- und Bandszene, die leider, wie überall, zurzeit komplett brach liegt. Ich vermisse das. Ich vermisse Livemusik, ich vermisse Tanzen. Wir wollen ein Veranstaltungsradio sein, die Szene so unterstützen. Und wir kommen vielleicht zum richtigen Zeitpunkt, um ihr wieder auf die Beine zu helfen. Wir möchten Konzerte ankündigen, die Bands anhand von Interviews vorstellen oder auch durch Live-Akustiksets im Studio. Die Resident-Dj’s oder BookerInnen der verschiedenen Clubs können ihre Musik bei uns spielen und sich so darstellen. Da kommt, wenn man zum Beispiel an Feinkost Lampe im Vergleich mit dem Bei Chéz Heinz denkt, eine irre Bandbreite zusammen, die die Vielfalt der Stadt zeigen soll. Wichtig ist uns einfach, Musikfarben zu zeigen, die im Formatradio nicht vorkommen.

Ein ehrgeiziger Plan, da wartet ein Haufen Arbeit auf euch! Wie geht ihr das an?
Naja, erst mal geht es jetzt darum, dass die Frequenz überhaupt wieder ausgeschrieben wird. Dafür brauchen wir einen starken Rückhalt und werben dafür, dass möglichst viele Leute in unseren Verein eintreten. Das ist übrigens schon ab einen Euro monatlich möglich. Wir sind jetzt schon 150 Mitglieder und zahlreiche Einrichtungen unterstützen uns: der Freundeskreis Hannover, das Kommunale Kino, das Schauspielhaus, die Freien Theater, Feinkost Lampe, um nur einige zu nennen. Und das UNESCO City Of Music-Radio wird auch in unsere Programmstruktur eingebunden sein. Wir sind gerade dabei, mit den verschiedenen Institutionen sogenannte Letters of Intent aufzusetzen, das möchte die Landesmedienanstalt so. Das macht gerade echt Spaß, weil wir dabei merken, dass die alle unbedingt ein Radio haben wollen. Der zweite Schritt ist dann, dass wir uns im Sommer offiziell um die Frequenz bewerben, und der dritte Schritt wäre dann, 2022 on Air zu gehen, inklusive aller Vorbereitungen: Man braucht Räumlichkeiten, man braucht neben ehrenamtlichen RadiomacherInnen natürlich auch einen gewissen Stamm an hauptamtlichem Personal. Es muss ein Team zusammengestellt werden, und da denken wir besonders an Frauen. Da ist mir aber gar nicht bange, wir haben so viel Euphorie schon im Vorfeld erfahren, es wird genug Leute geben, die Lust haben, das mitzugestalten.

Habt ihr bestimmte Leute im Blick?
Unter den 150 Leuten, die schon bei uns eingetreten sind, sind bestimmt 20 bis 25, die schon einmal Radio gemacht haben und hoch motiviert sind. Das geht natürlich auch nicht anders, denn ein BürgerInnenradio lebt nicht zuletzt von ehrenamtlichen Beiträgen. Da geht es wirklich darum, dass man die Dinge, die einem Spaß machen, mit anderen teilt und eine Gegenöffentlichkeit zu Quer- und NichtdenkerInnen schafft.

Um Sendungsbewusstsein.
Genau! Aber es ist auch vorgegeben, dass ein BürgerInnenradio breit aufgestellt sein muss. Wir können da jetzt kein Spartenradio draus machen. So ist der Fokus auf Kunst und Kultur, aber es wird auch Sport, Soziales, Wirtschaft und Politik geben. Und was mir, wie gesagt, wichtig ist, ist der Frauenaspekt. Leider gibt es kaum Zahlen darüber, wie viele Frauen im Radio aktiv sind, aber sie sind eindeutig unterrepräsentiert. Wir legen großen Wert darauf, die Sendeplätze nicht nur an Männer zu vergeben, die sich da selbst verwirklichen wollen. Wir überlegen schon jetzt, wie wir der Tatsache begegnen, dass einer gewissen Selbstüberschätzung von Männern oft eine zu große Zurückhaltung von Frauen gegenübersteht. Und natürlich sollen Frauenthemen auch im Programm eine große Rolle spielen. Also, wir freuen uns über alle Frauen, egal ob jung oder alt, die bei uns Radiomacherinnen werden möchten! Meldet euch!

Wie sieht es aus mit MigrantInnen und ihren Organisationen?
Kargah e.V. ist schon dabei, MiSo fragen wir gerade an … Klar, denn die Vielfältigkeit von Hannover soll ja auch im Radio stattfinden.

Wie viele Stunden am Tag plant ihr denn als Sendezeit?
Anfangs wird das Programm wahrscheinlich morgens losgehen und bis etwa 18 Uhr laufen, später vielleicht bis 20 Uhr. Das läuft auf UKW und als Stream, man kann sich Sendungen, die man verpasst hat, dann im Netz als Podcast anhören. Ich werde oft gefragt, warum UKW überhaupt noch wichtig ist. Das liegt einfach daran, dass so ganz klassisch Radio gehört wird, und in 90 Prozent aller Haushalte der Region auch ein entsprechendes Empfangsgerät vorhanden ist.

Und die ältere Generation, die ihr vermutlich auch erreichen wollt, streamt vielleicht noch nicht.
Genau. Ich bin auch schon mit meinen DGB-SeniorInnen im Gespräch und sondiere die Lage (lacht). Radio ist ein gutes Medium für Ältere, es ist sehr niederschwellig und man muss nirgendwo hin.

Musstet ihr für die Bewerbung schon einen Plan für die Finanzierung vorlegen?
Erst einmal geht es vor allem um ein überzeugendes inhaltliches Konzept. Wenn es mit der Lizenz klappt, bekommt man von der NLM Mittel für die Grundausstattung und eine jährliche Förderung. Gefordert ist laut Förderrichtlinien eine zehnprozentige Kofinanzierung durch den Veranstalter, die wir durch Mitgliedsbeiträge erwirtschaften wollen. Um ein richtig tolles Programm aufzusetzen, werden wir aber auch Zuwendungen oder Spenden benötigen, da sprechen wir aktuell bereits Unternehmen, Privatpersonen und Stiftungen an. Auch die Stadt und die Region sollten dabei eine Rolle spielen und es gibt auch schon positive Signale in dieser Richtung. Die Landesmedienanstalt möchte, dass sich das Interesse von Stadt und Region an einem BürgerInnenradio möglichst auch finanziell ausprägt. Solvente Kunst- und KulturliebhaberInnen können sich auch gerne melden (lacht).
Was uns noch wichtig ist: Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu Printmedien, sondern denken, im Gegenteil, schon darüber nach, wie wir zusammenarbeiten könnten.

Ihr habt den riesigen Vorteil, dass ihr die Musik auch spielen könnt. Wir können sie nur unseren LeserInnen beschreiben und ans Herz legen.
Perfekt, dann gebt ihr die Musiktipps – und wir spielen sie.

● Annika Bachem

Foto: Silke Jaworr

Unter www.leibniz.fm. finden sich alle Informationen, auch über die Mitgliedschaft im Verein.

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Wann sind wir endlich da?

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Wann sind wir endlich da?


Dieses März-Stadtkind ist aus meiner Sicht ärgerlich. Wir leben im 21. Jahrhundert – und machen ein Heft zum 8. März, dem Weltfrauentag, mit vielen Stimmen zum Thema Gleichberechtigung und einer großen Bestandsaufnahme zum Stand der Entwicklung in Deutschland und in der Welt. Warum müssen wir noch so ein Heft machen? Klar, um daran zu erinnern, dass es echte Gleichberechtigung auch in Deutschland ganz schlicht noch längst nicht gibt. Das ist nicht nur ärgerlich, das ist auch reichlich beschämend. Es wäre ganz wunderbar, wenn diese Ausgabe total überflüssig wäre, darum ist sie für mich ärgerlich.

Frauen werden noch immer für die gleiche Leistung schlechter bezahlt, Frauen wird gerne mal der berufliche Aufstieg in höhere Positionen verwehrt, wenn Frauen Kinder bekommen, leidet meistens die Karriere und unterm Strich sind sie häufig sehr allein mit allen damit verbundenen Aufgaben – und das leider auch, wenn die Männer sich nicht aus dem Staub machen. Frauen werden diskriminiert, ausgenutzt, geschlagen, gequält, vergewaltigt, verstümmelt, getötet. Überall – und auch in Deutschland. Es liegt so viel im Argen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen und wo man aufhören soll. Für mich geht es bei dem Thema ganz grundsätzlich um Gerechtigkeit, um Augenhöhe, um Wertschätzung, um Respekt. Respekt, den viele Männer offensichtlich nicht haben. Wie kann man das ändern?

Das ist anscheinend schwer. Frauen kämpfen seit vielen Jahren für mehr Gleichberechtigung. Es ist besser geworden hier in Deutschland, aber es dauert. Und es dauert noch immer. Beziehungsweise, so mein Eindruck, verkehrt sich die Entwicklung stellenweise sogar ins Gegenteil, ich bemerke bei vielen jungen Menschen zunehmend wieder ein eher konservatives Rollenverständnis, das an die 1950er Jahre erinnert. Für mich ist das eine ziemlich gruselige Vorstellung. Und wenn ich dann über unsere Landesgrenze beispielsweise nach Polen blicke, wird mir tatsächlich angst und bange. Darf das wahr sein? Droht so etwas auch bei uns? Wenn ich darüber hinaus höre, was manchen Menschen zum Thema LGBTQIA* einfällt, wenn ich lese, wie viel Hass es gibt gegen Menschen, die nicht in die klassischen Muster passen, dann ist mir leider klar, dass wir an vielen Stellen sogar noch ganz am Anfang stehen – während gleichzeitig das Erreichte schon wieder in Gefahr gerät. Das Ganze scheint eher ein Marathon zu sein.

Und ich würde mir sehr wünschen, dass die Männer dabei mitreden dürfen. Dass sie nicht abgelehnt werden, nur weil sie Männer sind, dass sie nicht „gecancelt“ werden. Glücklicherweise gibt es inzwischen wie gesagt viele Frauen, die erkannt haben, dass das so nicht funktioniert, sondern im Gegenteil ziemlich kontraproduktiv ist. Dass nachhaltige Veränderungen nicht dadurch entstehen, dass man Männer in Schubladen steckt, sondern, dass man sich gegenseitig zuhört, dass man gemeinsam die Gesellschaft weiterentwickelt, in der wir leben. Es gibt glücklicherweise ein paar sehr kluge Feministinnen, die in den vergangenen Jahren dazu eingeladen haben, genau diesen Weg zu gehen. Das macht mir Hoffnung, als Vater zweier Kinder, die in einer möglichst gleichberechtigten Welt aufwachsen sollen. Vielleicht ist Gleichberechtigung ja doch irgendwann schaffbar. Und vielleicht ist diese Ausgabe dazu ein kleiner Beitrag.

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Unbekannt verzogen – Das Elterntagebuch

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Unbekannt verzogen – Das Elterntagebuch


Als meine Frau mir die Kolumne klaute

Ich, Martin, Stammkolumnist auf dieser Seite: „Lars möchte in dieser Ausgabe Frauen eine besondere Bühne bieten. Ich würde dir meine Kolumne ja überlassen. Andererseits: Ich tue in Sachen Gleichberechtigung schon so viel: Bei unseren Kindern herrscht eine Frauenquote von 75%.“

Meine Frau: „Und das ist jetzt dein Verdienst, oder wie?“

Ich: Naja, das geschlechtsbestimmende zweite Chromosom kommt letztlich vom Mann, aber egal. Jedes Kind war natürlich eine 50:50-Teamleistung.

Meine Frau: Ach ja? Neun Monate Schwangerschaft und 12-Stunden-Geburten waren eine Teamleistung?

Ich: Naja…

Meine Frau: Da wir gerade über Arbeitsteilung reden – Frauen leisten immer noch 1,6 mal so viel Arbeit im Haushalt wie Männer. Sagt die Hans-Böckler-Stiftung.

Ich: Ach, die alten Sozen schon wieder. Bei uns ist die Arbeitsteilung doch ziemlich fair…

Meine Frau: Mag sein, aber es geht ja um ein gesellschaftliches Problem – und dabei geht die Frauenperspektive oft unter. Es geht ja schon damit los, dass ich hier in diesem Text „meine Frau“ heiße. Ich sollte in dieser Kolumne nicht nur über meine Rolle als Ehefrau definiert werden. Ich bin Wiebke, Lehrerin, Künstlerin, Robotik-Trainerin…

Ich: Jaja, alles klar…

Wiebke: Gut, aber das „Ich“ bei dir stört auch, so als wäre das immer noch deine Kolumne. Ich finde Du läufst ab jetzt in diesem Text als Wiebkes Mann…

Wiebkes Mann: Aber es ist meine Kolumne … seufz, meinetwegen…

Wiebke: Sehr schön!

Wiebkes Mann: Ich glaube, das ist das Problem des modernen Feminismus – zu viel Symbolik, zu wenig lebensnahe Lösungen…

Wiebke: Findest Du als Frau, ja? Manchmal braucht es eben ein bisschen Symbolik, um zur Problemlösung zu kommen. Das Problem in dieser Kolumne ist zum Beispiel, dass es immer noch viel zu sehr um dich geht. Nicht mal in einer Sonderausgabe kannst Du dich zurücknehmen.

Wiebkes Mann: Gut, der Rest gehört dir allein.

Wiebke: Perfekt! Folgendes wollte ich vorab loswerden…Martin ist manchmal echt eine arschfaule Flitzpiepe…

Wiebkes Mann: Ey, ich kann dich hören…

Wiebke: Egal, meine Kolumne. Ich hab mal ein paar Freundinnen gefragt, was sie „den Männern“ mal sagen wollen. Hier das Ergebnis: Ohne Frauen würde auf dieser Welt gar nix laufen. Dafür verdienen sie mehr Wertschätzung. Man muss Männer immer auf alles aufmerksam machen – kommt doch bitte selbst darauf, bestimmte Dinge zu erledigen. Lobt euch nicht ständig für Selbstverständlichkeiten. Wenn ihr einmal die Soße umrührt, habt ihr noch nicht „für die Familie gekocht“. Ihr könnt auch mal als erste laufen, wenn das Kind sich wehtut oder Hunger hat. Hört mehr zu! Wenn Frauen Dinge kritisieren, sind sie keine Zicken. Wenn Frauen sich aufregen, gibt es Gründe dafür. Und nein, es sind nicht immer die Hormone. Die mentale Arbeit in Familien liegt immer noch überwiegend bei uns Frauen – wir sind aber nicht nur Mütter und Gattinnen. Männer, ihr wollt doch Verantwortung, hier könnt ihr sie übernehmen. Frauen sollten sich auch nicht schlecht fühlen müssen, wenn sie mehr arbeiten und die Männer zuhause sind. Es sollte einfach normal sein. Ihr Männer könnt für all das übrigens an anderer Stelle Energie sparen: Lasst das „Mansplaining“ sein und akzeptiert, dass es jede Menge Frauen gibt, die in bestimmten Gebieten mehr Ahnung haben als ihr. Ach ja, das M in MINT-Fächer steht nicht für „Männer“. „Frauen und Technik“ ist Wirklichkeit und kein Witz. Überhaupt, sattelt euer hohes Ross ab, beerdigt eure Doppelstandards und seid nicht schockiert, wenn Frauen sich die gleichen Dinge herausnehmen wie ihr. Und, bitte: Leugnet nicht, dass Frauen es an vielen Stellen schwerer haben als ihr. Ihr wisst, dass es stimmt. Zum Abschluss was Versöhnliches! Frei nach Loriot: Männer haben auch ihr Gutes – gebt uns mehr davon! Und dann, die unnachahmliche Evelyn Hamann: „Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen“. Lasst uns gemeinsam das Beste daraus machen!

● Martin Kontzog

Diese Kolumne entstand in Zusammenarbeit von Wiebke, Nadine, Antje, Nina, Nicole, Heike, Gisela, Carla, Johanna, Susanne, Karin, Tanja, Luise, Marcela, Maike, Grit, Manja, Wiebke, Rabea, Katharina, Lilian, Frauke, Vanessa und der Schreibkraft „Wiebkes Mann“.

Martin Kontzog ist staatlich anerkannter Vater –  ansonsten gilt seine Fürsorge dem Satire-Blog Pingu-Mania (www.pingumania.dpress.com).

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