Literarisches: Mareike Deppe

„Ich habe zwei Mädels und mit denen hat eigentlich alles angefangen.“ Mareike Deppe ist 44
Jahre alt, kommt aus Hannover und ist studierte Bioverfahrenstechnikerin. Zum Schreiben
ist sie durch ihre Töchter gekommen, die zum Einschlafen immer selbstausgedachte
Gute-Nacht-Geschichten von ihr verlangt haben. „Und wie das dann bei Kindern so ist,
wollten sie am nächsten Tag nochmal die gleiche Geschichte hören. Dann habe ich
angefangen, sie aufzuschreiben, und gemerkt: Das macht mir total Spaß.“
Sie ist diejenige, die zu Hause den Haushalt schmeißt und sich um die Kinder kümmert.
„Mein Alltag war ohnehin sehr von Kinderdingen geprägt und Kindergeschichten gingen
schnell. Aber das hat mich intellektuell nicht so gefordert. Deswegen wollte ich gerne ein
Projekt haben, außerhalb von Geschirrspülmaschine ausräumen und Waschmaschine
anstellen.“
Mareike Deppe hat dann viele Schreibkurse der Volkshochschule besucht und in einem
dieser Kurse entstand schließlich die Idee für ihren aktuellen Roman „Die Schattenseiten
von Sansibar“. „Wir haben die Aufgabe bekommen, eine Kurzgeschichte zu schreiben.
Anhaltspunkt war eine Person, die in einem Laden arbeitet.“ So entstand Pauline – die
Hauptfigur in Deppes Roman –, die auf Sansibar das Gewürz- und Tee-Geschäft ihrer Eltern
führt. „In dem Kurs habe ich dann gedacht, dass ich gar keine Kurzgeschichte geschrieben
habe, sondern eher das erste Kapitel von meinem neuen Roman.“
Pauline ist die Tochter einer englischen Familie, die sich zu Kolonialzeiten auf Sansibar
ansiedelt. Paulines Familie möchte sie bald verheiraten, und als Nathan, ebenfalls
englischer Kolonist, auf die Insel kommt, sieht es zunächst so aus, als hätte sich ein
passender Mann gefunden. Im Laufe der Geschichte wird klar: Pauline möchte sich gar nicht
mit Nathan verloben. Sie liebt jemanden anderen: Samé. Der als Sklave in Mozambique
gefangen genommen und nach Sansibar an einen Plantagenbesitzer verkauft wird. Nathan
entwickelt währenddessen eine gefährliche Obsession mit Pauline und will sie nun um jeden
Preis besitzen.
Der Roman beinhaltet nicht nur eine verworrene Liebesgeschichte und krankhafte
Obsessionen, sondern behandelt auch die Kolonialgeschichte Sansibars und dabei auch
explizit Sklaverei und Gewalt. Mareike Deppe rät daher, ihr Buch erst ab 18 Jahren zu lesen.
Für ihre Recherche war die Autorin selbst auf der Insel vor Tansania. „Ich habe mich mit der
Historie auseinandergesetzt und versucht, das so getreu wie möglich wiederzugeben.“ Das
führt auch dazu, dass die Autorin in ihrem Buch das N-Wort benutzt. Weshalb sie auch von
einem Verlag abgelehnt wurde. Deppe sagt dazu: „Das Wort steht jedes Mal in wörtlicher
Rede. Und ich finde es schwierig, in der heutigen Zeit, das alles vergessen zu wollen und
immer nur zu sagen: ‚Das darf man nicht mehr sagen.‘ Natürlich darf man das nicht mehr
sagen. Aber früher haben die halt so gesprochen.“
Auf die Frage, warum sie sich dazu entschieden hat, zwei weiße, englische Personen aus
Kolonistenfamilien zu ihren Hauptfiguren zu machen, antwortet sie: „Diese Kultur war mir
einfach näher. Ich hätte schwer über eine islamische Kultur in der Zeit schreiben und
originalgetreu bleiben können. Außerdem hatte ich in dem VHS-Kurs mit Pauline schon
meinen Grundstein für die Geschichte gelegt und im Islam zu dieser Zeit, hätte niemals eine
Frau einen Laden geführt.“
Aktuell arbeitet Mareike Deppe schon am zweiten Teil des Romans. Dieser soll in Indien
spielen. „Es geht natürlich in erster Linie um die Personen aus dem ersten Teil. Aber ich
habe mich da an der Fernsehserie Bridgerton orientiert. Hier kommen zwar die gleichen
Personen vor, aber die Perspektive ändert sich.“
Zudem schreibt Deppe auch noch an weiteren Büchern. Ihr Kinderbuch „Leonie tanzt“ steht
schon in den Startlöchern. „Ich finde, es gibt wenig Bücher über behinderte Kinder – zum
Beispiel über Kinder mit Down-Syndrom. Deswegen ist es mir auch ein Anliegen, Bücher zu
veröffentlichen, die Anderssein zeigen.“ In „Leonie tanzt“ findet ein Mädchen mit
Down-Syndrom, das von Deppes jüngerer Tochter inspiriert ist, durchs Tanzen
Freund*innen.
Die Autorin möchte dazu auch die Rubrik Jugendbuch umkrempeln. „Wenn ich diese Bücher
lese, die für Zehnjährige geschrieben sind, könnte ich kotzen. Es geht entweder um Fußball
oder um Ponyhöfe.“ Dem will sie sich mit neuen Ideen widersetzen. „Ich will zum Beispiel
zeigen, dass auch Kinder schon in jungen Jahren Schicksalsschläge erleben und lernen,
damit umzugehen.“
Während diese noch unveröffentlichte Gedanken sind, hat Mareike Deppe mit „Die
Schattenseiten von Sansibar“ ihren ersten Roman veröffentlicht. Erschienen im Oktober
2025 bewegt er sich irgendwo zwischen „historischem Liebesroman und Dark-Romance“,
wie die Autorin selbst sagt. Am 6. Juni wird Deppe ihr Buch in der
Booksbaum-Buchhandlung in Isernhagen vorstellen.


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