Cape Town
Die Entfernung zwischen Hannover und Kapstadt beträgt 9632,78 Kilometer Luftlinie. Das sind ungefähr 11,5 Stunden mit dem Flugzeug, keine akzeptable Strecke also für Lieferando oder Uber eats. Darüber nachzudenken ist aber auch gar nicht nötig, gibt es doch seit ein paar Monaten die Möglichkeit, authentisches südafrikanisches Essen in Hannovers Altstadt zu genießen. Die Online-Bewertungen überschlagen sich, Südafrikaner finden, es schmecke „wie zuhause“. Aber wie schmeckt das denn wohl, da zuhause? Finden wir’s raus!
Da im selben Gebäude zuvor ebenfalls ein afrikanisches Restaurant untergebracht war, hat man, ganz pragmatisch, an der Deko nicht viel gemacht. Holzmasken glotzen von den Wänden, schweigen sich aber darüber aus, ob sie süd- oder zentralafrikanischer Herkunft sind. Soll uns egal sein, bedrohlich wirken sie nicht. Im Gegenteil, es ist recht gemütlich hier: Dekostoffe mit Giraffenprint als Tischdecken, das Personal ist aufmerksam und zugewandt. Als erstes werfen wir einen Blick auf die Weinkarte. Aus Südafrika kommt sehr guter Wein, das weiß man schließlich. Wir entscheiden uns für Sauvignon Blanc und Pinotage zu je 7 Euro pro Glas mit 0,2 Liter.
Boah. Gute Wahl. Eine sehr gute Wahl.
Als Vorspeise bestellen wir uns Samosas mit Lammfüllung (3 Stück 7,90 Euro). Richtig gut! Der Teig ist blättrig, sehr knusprig und die Füllung aus Lammhack und Erbsen ist toll gewürzt, das Aprikosenchutney passt sehr gut dazu. Daneben finden wir eine frische Salatbeilage mit Dressing – aber nicht zu viel – und Saatengarnitur. Alles in allem ein exzellentes Entrée. Beim Hauptgang sind wir unschlüssig. Ja, sicher, Zebrafleisch ist exotisch und alles, aber wir haben keine Vergleichsmöglichkeiten. Wir können sagen: schmeckt oder schmeckt nicht. Ganz subjektiv – wenig repräsentativ also. Nein, wir machen das anders. Bei Bobotie (14,50 Euro) handelt es sich um ein südafrikanisches Nationalgericht, das mit uns durchaus bekannten Zutaten hergestellt wird: Eine stark gewürzte, mit Aprikosen verfeinerte Masse aus Hackfleisch und eingeweichtem Weißbrot, die mit einer Haube aus Eiern und Sahne bedeckt und gegart wird. Im Grunde Hackbraten mit Mütze. Die starken Gewürze, besonders Zimt kommt hier deutlich zum Ausdruck, und die Süße der Aprikose harmonieren sehr gut miteinander. Ein richtiges Wohlfühlgericht, das man am liebsten mit einem großen Löffel einstrudeln möchte. Auch zum Bobotie wird eine Salatbeilage serviert, was Sinn ergibt, denn ohne wäre das Gericht vielleicht zu schwer und mächtig – Fresskomaalarm wegen lecker.
In Durban leben 25% Asiaten, die meisten davon haben, geografisch bedingt, indischen Hintergrund. Deshalb ist es auch kaum verwunderlich, dass uns ein Durban Curry angeboten wird. Erhältlich ist es mit Huhn (15,90 Euro) und ohne. Auch, wenn die Karte es als scharf ausweist, ist es das nicht, eher recht würzig. Zwiebeln, grüne Bohnen und Blumenkohl herrschen hier vor. Das Hühnerfleisch hingegen wirkt etwas fehl am Platz, als sei es separat gekocht und erst gegen Ende hinzugefügt worden. Nichts Falsches daran, aber nicht so richtig unser Geschmack, deshalb unser Tipp: Das Curry lieber vegetarisch bestellen. Auch hätte hier eine frische Note in Form von Salat nicht geschadet; bei Curry läuft man schnell mal Gefahr, dass der Geschmack leicht staubig gerät. Alles in allem sind wir aber sehr angetan von Essen, Getränken und Service und werden sicher noch einmal wieder kommen – vielleicht trauen wir uns dann ans Zebra.
Cape Town
Knochenhauerstraße 2
30159 Hannover
Di-So 17.00-23.00 Uhr




