Bandporträt Oktober 2026: Rückendecker

Zwischen hypnotisch-gedämpften Gitarrensounds, einer weichen und doch klaren Stimme, plastischen Gefühlswelten, echten Texten, losgelöst von jeglicher Struktur und doch frei von Chaos findet sich Rückendecker: ein Duo aus Sänger und Producer Bernhard Radermacher (27) und Autorin Emily Bader (27). Zusammen kreieren sie Songs, die von Dualität geprägt sind. Einfach, erst monoton klingende Melodien vertiefen sich, werden reich mit greifbaren Emotionen gefüllt und transportieren Trost, eine eigensinnige Hoffnung und das Gefühl aufgefangen zu werden. Rückendecker ist für dich da, wenn du es selbst nicht sein kannst. Am 02.10. erscheint ihre dritte Single Pulp Fiction.

Emily ist Journalistin und schreibt beruflich eher sachbetonte Texte. Durch das gemeinsame Projekt Rückendecker hat sich für sie eine Tür in die Kreativwelt geöffnet, die sie schon länger erkunden wollte. Bernhard ist Sänger und Producer und kommt aus einer musikalischen Familie. „Meine drei älteren Geschwister haben alle Musik gemacht und so hat sie mich seit dem ich ein Baby war, schon immer umgeben“, berichtet er. Sein erstes gelerntes Instrument war die Geige. Mit 10 Jahren kam das Schlagzeug hinzu und mit den Jahren noch weitere Instrumente, wie die Gitarre und der Bass. „Als ich schließlich in das Alter kam, in dem man darüber nachdenkt, was nach der Schule sein wird, hat sich bei mir die Idee verfestigt, dass ich den professionellen Weg der Musik gehen möchte.“ Bernhard erzählt, dass er bereits in vielen Projekten und Bands mitwirken konnte, sich lange im Bereich des Jazz bewegt hat und schon immer den Traum von einem deutschsprachigen Pop-Projekt hatte – nur das Texten sei schon immer seine Achillesferse gewesen. An diesem Punkt kam Emily ins Spiel und die „Zusammensetzung von Schreiberin und Musiker“, der erste Schritt in Richtung eines gemeinsamen Projektes begann. „Dadurch, dass wir uns privat schon lange kennen und viel miteinander reden, kannte ich Bernhards Wunsch und gleichzeitig auch sein Dilemma und hatte ihm den Vorschlag gemacht, dass ich ihm einfach mal Texte schreiben könnte“, berichtet Emily. „Anfangs war alles erstmal ganz ergebnisoffen und wir haben privat ein bisschen was ausprobiert und gebastelt. Schnell haben wir gemerkt, dass wir gemeinsam gut funktionieren und dann unser Ziel im Kopf klar formuliert: Musik herausbringen.“

Die erste Single Kennst du das kam im Juli diesen Jahres heraus: Musikalisch ist sie von weichen, ausgewählten Gitarrensounds geprägt, die im Laufe des Songs eindringlicher und bewusster werden. Alle Instrumente werden von Bernhard selbst eingespielt und teils nachträglich bearbeitet. Begleitet von einer melancholischen Atmosphäre transportieren die Lyrics eine leise Hoffnung und dass Gefühl, in grauen Zeiten verstanden zu werden. Dabei lässt Emily bewusst Spielraum und Lücken für individuelle Interpretation. „Wenn wir gemeinsam an einem Song sitzen, produziere ich zuerst die Melodien und wenn der Song in seinem Gesamtkonstrukt fertig ist, gebe ich ihn an Emily“, beantwortet Bernhard die Frage, wie ein kreativer Prozess bei den beiden abläuft. „Vor allem der Rhythmus und die Stimmung geben mir Struktur und ein Gerüst für die Lyrics“, führt Emily fort. Mit ihren Texten möchte die 27-Jährige Bilder und plastische Gefühlswelten erzeugen, die bewusst etwas unkonkret und offen interpretierbar bleiben. „Mich inspiriert beim Schreiben häufig, dass Sprache defizitär ist und jeder Mensch Emotionen anders für sich übersetzt. Wenn ich beispielsweise das Wort Freude im Kopf habe, weiß ich nicht, ob es in dir das gleiche Gefühl auslöst wie in mir. Deshalb möchte ich Bilder mit externen Referenzen schaffen, die diese Gefühle transportieren und als verbindende Elemente ein gegenseitiges Verständnis erzeugen.“

Der Name des Duos leitet sich ganz direkt vom Wort Rückendeckung ab. Bernhard erzählt, dass er häufig das Gefühl verspüre, nicht richtig dazuzugehören oder anders zu sein, als es oftmals verlangt wird. Das Projekt biete dem Künstler ein Zufluchtsort, an dem Angst besänftigt werden könne. „Für andere wollen wir genau diese Rolle von einer Person einnehmen, die metaphorisch im Regen den Regenschirm hält und einem sagt, dass es okay ist, einfach sein eigenes Ding zu machen“, sagt Bernhard. „Wenn dein Spiegelbild dir sagt, dass du nicht okay bis, steht Rückendecker hinter dir“, ergänzt Emily.

Zukünftig planen die beiden ihr Team und ihre Band zu vergrößern, sodass die Möglichkeit besteht, auf Bühnen zu spielen oder umfangreichere Musikvideos zu drehen. Momentan fließt ihre ganze Energie jedoch in die Produktion und Fertigstellung neuer Songs. Am 02.10. erscheint ihre neuste Single Pulp Fiction und am 20.11. folgt die EP Wie Dynamit aber zärtlich. Textlich ließ sich Emily vom gleichnamigen Film inspirieren und spinnt die Geschichte zwischen Vincent Vega und Mia Wallace als eine Liebesgeschichte weiter. „Ich glaube, dass viele Menschen irgendwann in ihrem Leben eine Begegnung haben, die kein Finale bekommt und einfach unaufgelöst endet. Der Film zeigt aber, dass nicht jede menschliche Begegnung ein abschließendes Ende braucht, um etwas Besonderes gewesen zu sein und das ist das, was mich so inspiriert hat.“ Wer nun neugierig geworden ist, kann sich auf ein kraftvolles Zusammenspiel aus sanfter „Monotonie“ und plötzlicher „Explosivität“ freuen. Mit dem Newcomer-Duo aus Hannover kann die Zukunft nur besser werden.

Mehr Infos auf Instagram @rckendcker.

Lilly Struckmeier


Schlagwörter: , , ,

Kommentare sind geschlossen.

Folge uns