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Stadtkinder essen: 1666 – Café & Törtchenboutique

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Stadtkinder essen: 1666 – Café & Törtchenboutique


Das Leben kann scheiße sein. Da lebst du eine sorglose Kindheit, genießt alle Privilegien, die man im 17. Jahrhundert halt so genießen kann und heiratest mit 16. Von da an geht’s bergab. Du heiratest auch nicht irgendwen, sondern deinen Cousin 1. Grades. Blutlinie, Besitztümer, der ganze Quatsch. Dass du den Typen überhaupt nicht leiden kannst, interessiert keine Sau. Außerdem geht der Vogel die ganze Zeit fremd, hat sogar zwei Kinder mit seiner Mätresse. Da denkst du dir: Das kann ich auch! Geht aber nicht lange gut, dann kommt alles raus, dein Lover verschwindet mysteriöserweise und taucht nie wieder auf. Wenn du jetzt die Klappe hältst, läuft schon alles und mit ein bisschen Glück wirst du noch Königin von England. Aber nein, du musst dich ja unbedingt scheiden lassen und zur Strafe für den Rest deines Lebens in irgendeinem abgelegenen Schloss am Arsch der Heide rumhängen. Ja, das Leben kann scheiße sein.

So. Wo wir jetzt alle so schön deprimiert sind, brauchen wir etwas Gebäck zur Aufmunterung. Da bietet sich das 1666 förmlich an. Das heißt nämlich so, weil es das Geburtsjahr von oben genanntem Pechvogel ist: Sophie Dorothea Herzogin von Braunschweig-Lüneburg. Und aus irgendeinem Grund hängt ein riesiges Porträt an der Wand des Cafés, was dann namensgebend wurde. In der schönen Altstadt, genauer gesagt, in der Kramerstraße, speist es sich hochherrschaftlich und gegen ein bisschen Dekadenz – Torte an einem Mittwochnachmittag – ist nichts einzuwenden. Wir bestellen zwei Mal die Pumpkin Spiced Latte (je 5,50 Euro), ein Stück Cappucino-Birnen-Torte (5,50 Euro), ein Stück Quiche der Woche, in unserem Fall Brokkoli-Kürbis (6,90 Euro) und zwei Riesencookies (je 3,10 Euro), einen mit weißer Schokolade und Pistazien, einen mit Oreos. Alles ist hausgemacht und vor Ort hergestellt, die Quiche und die Cookies sind sogar vegan.

Die Pumpkin Spiced Latte ist es nicht, aber, nimm dies, Starbucks und Konsorten: Es ist echtes Kürbispüree drin. Nicht bloß irgendein Sirup! Und viele Gewürze; Nelke, Zimt, Kardamom, vielleicht auch Pfeffer. Der Espresso kommt nicht so richtig durch, aber meine Güte: Was für ein leckeres Getränk. Auch die Cookies sehen recht einladend aus. Sie haben etwa den Durchmesser einer CD, müssen aber noch warten, bis wir Torte und besonders die Quiche verzehrt haben, kalte Quiche schmeckt nämlich nicht. Warme schon! Brokkoli und Kürbis sind frisch und haben noch einen leichten Biss, eine Art Bechamelsauce sorgt für Saftigkeit. Auch der Teig ist gut gemacht, schön dünn und nicht zu viel. Jedoch, und man möge mich dafür steinigen: Nichts schmeckt wie Butter außer Butter und ein leichter Buttergeschmack hätte dem Gericht für mich die Krone aufgesetzt. Die Cappucino-Birnen-Torte ist handwerklich sehr gut. Die Birnen haben noch eine schöne Konsistenz, die Sahne ist sahnig und die Creme cremig. Insgesamt ist der Geschmack eher dezent, was aber vermutlich daran liegt, dass die Geschmacksnerven nach einem Schluck des Kürbisgetränks gerade mit Polonaisetanzen beschäftigt sind. Die Cookies enttäuschen uns leider ein bisschen. Okay, Cookies sind keine Plätzchen, sie dürfen, sollen sogar etwas weicher sein, aber wir haben den Eindruck, dass diese hier noch nicht ganz durch sind. Zudem sind sie uns viel zu süß und nach dem Geschmack von Pistazie fahnden wir vergebens. Dafür finden wir sie mit 3,10 Euro pro Stück unangemessen teuer. Bei Hofe hätten die nicht standgehalten. Insgesamt aber überzeugt uns unser süßer Ausflug in die Altstadt.

1666 Café & Törtchenboutique

Kramerstraße 14

30159 Hannover

Öffnungszeiten:

Mo, Mi, Do, Fr 12.00-18.00 Uhr

Sa-So 11.30-18.00 Uhr

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Neu in der Stadt: Cape Town, Dori’s Torten & Patisserie & Dinky Café

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Neu in der Stadt: Cape Town, Dori’s Torten & Patisserie & Dinky Café



Seit Ende September gibt es in der Altstadt wieder ein afrikanisches Restaurant, das „Cape Town“. Wie der Name nahelegt, konzentriert man sich hier auf die Küche Südafrikas, was durch den Mix aus Exotik und den siedlungsbedingten niederländischen, französischen und britischen Einflüssen ein echtes kulinarisches Highlight in Hannover darstellt. Perfekt für Diejenigen, die gerne etwas Neues entdecken möchten. Die Speisekarte lockt mit einer ungewöhnlichen Auswahl an Spezialitäten – von traditionellen südafrikanischen Gerichten wie Bobotie, einem Auflauf mit Hackfleisch, Aprikosen und Mandeln, bis hin zu Burgern mit exotischen Fleischsorten wie Strauß, Zebra oder Krokodil. Abgerundet wird das Angebot durch eine erlesene Auswahl südafrikanischer Spitzenweine, Sektsorten und afrikanische Biere. Besonderes ist auch das Interieur des Restaurants, das von afrikanischen Elementen und kulturellen Details geprägt ist. In Hannover gibt es bislang nur ein kleines Speisengebot mit afrikanischer Küche – umso besonderer ist dieser neue Ort. Aber Betreiber Dean A. Yon, der zuvor schon den sehr beliebten Stand „Der Südafrikaner“ in der Markthalle eröffnet hat, hat es sich zur Aufgabe gemacht, südafrikanische Kultur in Hannover zu verbreiten. Er sagt selbst: „Ich möchte ein Stück Südafrika nach Hannover bringen – mit authentischen Speisen, erlesenen Weinen und der sprichwörtlichen südafrikanischen Gastfreundschaft.“ Das Restaurant Cape Town lädt herzlich dazu ein, die kulinarische Vielfalt und Herzlichkeit Südafrikas mitten in Hannovers Altstadt zu erleben. Knochenhauerstraße 23, 30159 Hannover, geöffnet ab 17 Uhr.


In Hannover-Döhren eröffnet Dori’s Torten & Patisserie an der neuen Adresse Spartanerstraße 1. Das Angebot reicht von kunstvoll verzierten Torten und zartem Gebäck bis hin zu frisch belegten Stullen, die künftig durch besondere und mitunter überraschende Kreationen erweitert werden. Alle Produkte werden mit viel Liebe zum Detail und aus den besten Zutaten hergestellt – eine Verbindung aus traditioneller Konditoreikunst und moderner Kreativität. Begleitet werden die süßen und herzhaften Köstlichkeiten von erstklassigem Kaffee aus der privaten Rösterei „Die Barista“ aus Hameln – die perfekte Ergänzung für ein besonderes Geschmackserlebnis. Die Besucher*innen können die Spezialitäten direkt vor Ort in entspannntender Wohlfühlatmosphäre genießen. Zudem besteht die Möglichkeit, individuelle Bestellungen für besondere Anlässe aufzugeben – von Hochzeitstorten bis hin zu liebevoll gestalteten Dessertbuffets.
Spartanerstr. 1, 30519 Hannover. Fr-Di 10-17 Uhr.

Winzig, niedlich, schnuckelig: so übersetzt sich das Wort „dinky“ aus dem britischen Englisch. Die perfekte Beschreibung für das kleine aber feine Café, das im Oktober direkt an der Nordstädter Lutherkirche seine Türen geöffnet hat. Ein Mischmasch aus Vintage-Möbeln lädt zum Bleiben ein, die Kunst an den Wänden zum Gucken und der Kaffeegeruch natürlich zum Genießen. Das Dinky ist ein 2-in-1-Deal: Während im gemütlichen Vorderraum der Café-Betrieb läuft, gibt es im Hinterraum ein kleines Tattoo-Studio.„Wir haben das Café tatsächlich schon seit Jahren so im Kopf gehabt und sind dafür auch nach Hannover gezogen,“ erklärt Lenn, 28 Jahre alt und Inhaberin des Kaffeegeschäfts. „In der Planung hat es sich dann ergeben, dass der Raum hinten noch frei ist – weil wir um ehrlich zu sein nicht mehr das Geld hatten, eine Küche einzubauen. Dann hatten wir die Idee, diese Kombi aus Studio und Café daraus zu machen.“ Für den Tattoo-Betrieb ist Leen, 27, verantwortlich. Nach traditionellen Motive und Tattoo-Stilen kann man hier lange suchen. Stattdessen bieten die residierenden und Gast-Tättowierer*innen ausschließlich ihre eigenen Designs an. Neben deren eigenen Tattoo-Arbeit hat Leen auch einige der gemalten Kunstwerke im Café produziert, die sich die Wände mit den Werken kleiner Künstler*innen aus Hannover teilen. „Das ist ein win-win für uns“ erzählt Lenn dazu. „Wir haben hier schöne Kunst, sie können ihre Sachen ausstellen.“ Ganz im Sinne dieser regionalen Zusammenarbeit gibt es im Dinky auch hauptsächlich Bohnen und Gebäck von V17 und 24Grad – bis auf die leckeren gefüllten Donuts, die Leen selbst macht. Hafermilch gibt es ohne Aufpreis.

An der Lutherkirche 5, 30167 Hannover. Mi-Fr 9-18 Uhr, Sa-So 10-18 Uhr.

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Der besondere Laden: Designer Sinfonie Modecafé

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Der besondere Laden: Designer Sinfonie Modecafé


Ein Hauch von Kaffee liegt in der Luft, wenn man durch eine große Glastür die Boutique betritt und das farben- wie musterfrohe Sortiment erblickt. Bereits der erste Schritt in das Designer Sinfonie Modecafé verrät, dass es Inhaber Jörg Brakel um viel mehr geht als das bloße Verkaufen von Kleidung. „Für viele ist unsere Boutique wie ein zweites Wohnzimmer“, lächelt er. „Wer zu uns kommt, darf bei einer Tasse Kaffee in Ruhe stöbern, wird kompetent und ehrlich beraten.“

Der Name des Geschäfts ist im Designer Sinfonie Modecafé Programm: Boutique und Café verschmelzen zu einem Ort und bilden so keineswegs nur ein herkömmliches Bekleidungsgeschäft, sondern einen Treffpunkt für Modeinteressierte und alle, die Wert auf das Besondere legen. Jörg Brakel verspricht „Nichts, das es an jeder Ecke gibt“. Wer sich in seiner Boutique zwischen den Kleiderstangen bewegt, sucht vergeblich nach eintönigen Farbreihen. Das Sortiment ist bunt, abwechslungsreich und ausgefallen. So zieren zum Beispiel Hunde und Katzen eine Auswahl an Halstüchern und Schals. „Manche sagen mir ‚Mach doch alles etwas einheitlicher, vor allem die Schaufenster‘“, erzählt der Ladeninhaber. „Aber nein, ich will es bunt! Stilbruch ist super, wenn man es gut macht.“

Besonders stolz ist er auf die große Auswahl an Hosen von Stehmann, für die das Modecafé inzwischen bekannt ist. „Wir sind Hannovers größter Stehmann-Händler“, erklärt Jörg Brakel. „Und was uns auszeichnet, ist die Vielfalt. Wir haben jede Länge, jeden Schnitt, alles von Größe 32 bis 48. Dazu eine Farbpalette, die man so nirgends sonst findet.“

Hinzu kommen ausgewählte Stücke anderer Labels, vorzugsweise aus Europa. Von klassischen Marlenehosen, über Blusen und Shirts, bis hin zu Kleidern, die im Alltag ebenso glänzen wie am Abend. Immer wieder wählt der Inhaber des Modecafés bewusst Eyecatcher für sein Sortiment. „Es muss etwas dabei sein, das unsere Kundinnen nicht schon überall gesehen haben. Unsere Auswahl ist ungewöhnlich, aber genau das macht uns aus.“

Neben der Passform und der Qualität der Kleidungsauswahl ist für Jörg Brakel vor allem eines entscheidend: Nachhaltigkeit. Auf billig produzierte Fast Fashion aus synthetischem Material verzichtet er komplett. Seine Kundinnen können sich darauf verlassen, dass alles, was sie im Designer Sinfonie Modecafé finden, in Europa oder Kanada fair produziert worden ist. Außerdem achtet der Boutiqueinhaber darauf, dass Naturmaterialien verwendet wurden. Elastan und Kunstfasern kommen nur dann ins Spiel, „wenn es für die Stabilität und Passform der Kleidung notwendig ist.“ Mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit hat Jörg Brakel außerdem eine eigene Linie entwickelt. EDDER by UMASAN umfasst vegane Kleidung für Damen und Herren, inspiriert von japanischem Design. „Das ist elegante Yogamode, könnte man sagen: bequem, aber trotzdem schick.“ Die Kollektion aus Bio-Baumwolle, Bambus und Algenfasern gibt es mit individueller Beratung in der EDDER by UMASAN-Lounge.

Bei ihrem Besuch im Designer Sinfonie Modecafé möchte Jörg Brakel seinen Kundinnen vermitteln, Mode nicht nur als Konsumgut, sondern als Teil eines guten Lebens zu verstehen. „Oft sagen wir ihnen ‚Warten Sie nicht auf den nächsten Sonntag oder einen besonderen Anlass. Ziehen Sie die Sachen sofort an, die Sie gekauft haben und machen Sie sich das Leben damit schön!‘“ Seine Boutique soll mehr Farbe in den Alltag bringen – in der Altstadt ebenso wie in der Garderobe seiner Kundinnen. Ergänzt wird dies durch Jörg Brakels jahrelange Erfahrung in der Design- und Modeindustrie, seine Expertise und herzliche Art.

Letztlich ist es sicher genau diese Mischung, die dem Designer Sinfonie Modecafé die nötige Harmonie verleiht. Mit einem Zusammenspiel von Vielfalt, Qualität und einer wohligen Atmosphäre laden Jörg Brakel und sein Team zum Stöbern und Verweilen ein. „Wenn wir unseren Kundinnen damit das Leben schöner machen können und ein gutes Gefühl vermitteln, dann machen wir das von Herzen gern!“

Laura Druselmann

Designer Sinfonie Modecafé

Knochenhauerstr. 20, 30159 Hannover

Tel.: 0511 52489840

E-Mail: jb@designer-sinfonie.de

www.modecafe-hannover.de

Öffnungszeiten:

Di bis Fr: 11bis 18 Uhr

Sa: 10 bis 14 Uhr

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Editorial 11-2025

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Editorial 11-2025


Für unsere November-Ausgabe habe ich Anne Gemeinhardt getroffen, die Direktorin der Museen für Kulturgeschichte Hannover. Sie ist in Saarlouis aufgewachsen. Frankreich ist gleich um die Ecke und Geschichte gehört zum Stadtbild. Hier entsteht die Liebe zu Europa. Mal kurz über die Grenze und zurück, ohne Kontrollen. Nach dem Abitur wollte sie eigentlich Sozialpädagogik studieren, aber dann war da dieser Studiengang „Europäische Kulturgeschichte“ in Augsburg … Und heute ist sie in Hannover verantwortlich für gleich drei Häuser: das Historische Museum, das Museum August Kestner und das Museum Schloss Herrenhausen. Und Anne Gemeinhardt hat einen Plan. Die laufenden Sanierungen, die Schließungen, das alles ist zwar anstrengend, aber auch eine Phase großer Chancen.

Anne Gemeinhardt will Orte schaffen, an denen Menschen sich begegnen. Und während das Historische Museum die Türen für eine ganze Weile schließen muss, platziert sie mit ihrem Team Geschichte im Stadtraum, auf Plätzen, in Schulen, in Pflegeheimen. Und schafft mit dem „Hannover Kiosk“ ein offenes Labor mitten in der Innenstadt, wo die Begegnung mit Geschichte neu gedacht und diskutiert werden darf. Sie will Museen zu interaktiven, gemeinschaftsorientierten Orten weiterentwickeln, die das Publikum zur Partizipation einladen. Mit modernen Präsentationsformen, mit vielen Kooperationen, möglichst direkt und barrierefrei. Sie möchte Wissen auf vielfältige Weise vermitteln und versteht das Museum dabei als atmenden, sich ständig verändernden Raum. Einen Raum, in dem Kinder ruhig laut sein dürfen, Fragen stellen dürfen, staunen dürfen. Erwachsene natürlich auch. Wobei der Respekt vor den Dingen immer bleibt, vielleicht sogar mehr denn je, denn in einer Welt, die immer digitaler wird, sind Originale wieder magisch. Sie erzählen von Menschen, die vor Jahrhunderten lebten, liebten, lachten – und plötzlich wird Geschichte ganz nahbar.

Wenn Anne Gemeinhardt erzählt, spürt man ihre Leidenschaft, die Lust am Experiment, aber auch die Demut vor dem, was war. Sie möchte, dass wir miteinander ins Gespräch kommen – über Geschichte, über Kultur, über Wandel, über das Verbindende. Sie begreift Museen als lebendige Teile einer Stadt, als Orte, die nicht nur sammeln, sondern Sinn stiften. Wir können uns in Hannover darauf freuen, Geschichte künftig immer wieder neu entdecken zu dürfen. Mehr im Interview ab Seite 54.

Und wie schaffe ich hier jetzt einen eleganten Übergang zu Friedrich Merz? Gar nicht. Das geht nur mit einem klaren Bruch. Denn unterschiedlicher können Konzepte ja kaum sein. Merz sucht nicht nach dem Verbindenden, er spaltet. Ich habe eine Weile gegrübelt, ob es sich lohnt, überhaupt auf dieses unsägliche Stadtbild-Gelaber einzugehen. Ich verspüre immer weniger Lust, mich mit diesen hohlen Scheindebatten zu beschäftigen. Aber es nützt ja nichts. Den Kopf zu schütteln, zu resignieren, nichts zu sagen, weil auf der anderen Seite eh niemand zuhört, das scheint mir auch nicht ganz der richtige Weg. Ich habe mich gefragt, wie sich jetzt in Deutschland diejenigen fühlen, die nicht „deutsch genug“ aussehen. Ich schäme mich für Friedrich Merz. Ich habe das Bedürfnis, mich für diesen Kanzler bei allen zu entschuldigen, die er aus dem Stadtbild entfernen möchte. Ich würde mir für Deutschland wirklich einen würdigeren und klügeren Kanzler wünschen. Oder eine Kanzlerin. Ganz egal, Hauptsache integer, respektvoll und uneitel. Diese aktuelle Debatte macht mich nicht wütend, sie macht mich einfach nur traurig und ratlos. Deutschland biegt mehr und mehr falsch ab. Und anstatt entschieden ins Lenkrad zu greifen und klug, nachhaltig und umsichtig umzusteuern, lenkt Friedrich Merz den Karren noch weiter nach rechts und gibt Gas. Leider fährt er Deutschland so vor die Wand.

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Das November-Kind ist da!

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Das November-Kind ist da!


Über Hannover…

im Gespräch mit Anne Gemeinhardt, Direktorin der Museen für Kulturgeschichte Hannover

Ganz schön beeindruckend, wenn man diesen Titel auf seiner Visitenkarte stehen hat. Bestimmt kriegt man damit immer einen Fensterplatz im Restaurant. Aber so eindrucksvoll der Titel auch klingt, so unprätentiös ist Anne Gemeinhardt im Interview mit Lars Kompa. Nachzulesen ab Seite 54.

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Ein offener Brief … an Karsten Wildberger und Patrick Schnieder

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Ein offener Brief … an Karsten Wildberger und Patrick Schnieder


Großartig! Dabei hatten wir die Hoffnung schon fast aufgegeben. Aber es scheint sie noch zu geben, Politiker, die sich nicht ständig in den Vordergrund drängen. Lieber Karsten und lieber Patrick, ihr seid ein Vorbild, ein Leuchtturm im Dunkel der populistischen Dampfplauderer. Das tut gut in einer Welt der Söders und Spahns. Kein grenzdebiles Burgergefresse auf Insta, keine AfD-Lookalike-Dummschwätzerei. Ihr bleibt bisher konsequent unsichtbar. Ihr seid die personifizierte Eine-Millionen-Frage bei Günther Jauch. Wie heißt aktuell der Minister für Digitales und Staatsmodernisierung? Und wie heißt der Verkehrsminister? Kleiner Tipp: beide CDU. Na? Eine Idee? Niemand? Genau, niemand! Und das ist doch das Geniale.

Das ist der Weg. Druck vom Kessel nehmen, keine Ideen zur Diskussion stellen, am besten gar keine Ideen haben, keine großen Ankündigungen machen, sich besser rarmachen, sich nicht jeden Tag in Talkshows setzen, sich einfach komplett raushalten. Deutschland braucht jetzt vor allem Ruhe und keine Schnellschüsse. Die Staatsmodernisierung ist beispielsweise ein komplexes Schätzchen. Entbürokratisierung, so könnte man die große Aufgabe synonym beschreiben. Da ist über viele Jahre ein Moloch gewachsen. Da muss man nun sehr vorsichtig dran schrauben, sonst wackelt am Ende das gesamte System.

Klar, die Unternehmen sind ungeduldig. Alle reden von Überregulierung und dass man schleunigst etwas tun müsse, weil sonst die Wirtschaft angesichts der Welt, wie Donald Trump sie sich wide-wide-macht, hier in Deutschland demnächst vollends zugrunde geht. Aber das ist bestimmt auch nur wieder so eine Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Nur weil ein paar Unternehmer schimpfen, muss man jetzt nicht gleich hektisch werden. Natürlich, einige werden noch in die Insolvenz müssen, bevor sich etwas verändert. Aber das ist nun mal so. Das ist Wettbewerb. Da sollte sich Politik ohnehin raushalten. Das ist einfach Markwirtschaft. Die bürokratie-resilienten Unternehmen, die sich eine eigene Rechtsabteilung leisten können und die genug Platz haben, um all die Akten aufzubewahren, die dereinst vielleicht irgendein Amt sehen will, sie werden am Ende umso potenter sein.

Gut, sie werden in der Fläche vielleicht nicht mehr so zahlreich sein. Und vielleicht wird auch der eine oder andere Handwerksbetrieb demnächst fehlen. Aber überstürzen sollte man jetzt trotzdem nichts. Wo wären wir denn ohne unsere Regeln? Bürokratie ist ja nicht nur schlecht. Sie schützt uns vor dem Chaos. Und manchmal auch vor uns selbst. Formulare, Vorschriften, Zuständigkeiten, Aktenstapel – das ist unser Sicherheitsgurt. Und wo wir gerade beim Thema sind. Wenn man ein Tempolimit auf Teufel komm raus nicht mehr thematisiert, kräht irgendwann kein Hahn mehr danach. Läuft!

Lieber Karsten, lieber Patrick, genau darum seid ihr unsere Helden. Ambitionen sind doch was für Anfänger. Ihr lasst es einfach laufen. Das ist klug. Das nimmt euch aus der Schusslinie. Ihr nehmt das Tempo raus. Während die anderen, die Söders und Spahns nur zu gern in die Lücke springen. Ihr seid unsere Geheimwaffe gegen all die panischen Innovationsrausch-Anfälle, gegen dieses permanente „Lasst uns jetzt alles umkrempeln!“-Getöse. Keine dröhnenden Pressekonferenzen, keine lauten Tweets, keine gehetzten Ankündigungs-Wettbewerbe, keine Schlagzeilen. Das ist brillant. Öffentlichkeit erzeugt nur Stress. Aufmerksamkeit zwingt zu Entscheidungen. Entscheidungen führen zu Fehlern. Fehler führen zu Kritik. Kritik führt zu Twitter-Shitstorms. Ein Teufelskreis. Ihr kennt das Spiel. Ihr macht nicht mit.

Und das ist großartig. Und sehr cool, sehr professionell. Sollen die Unternehmen doch nörgeln, wie sie wollen. Mehr Tempo, fordern sie. Mehr schnelle Hilfe. Mimimi! Man darf sich als Bundesminister einfach nicht unter Druck setzen lassen, dann macht man schon ganz viel richtig. Und wenn die Kritik zu laut wird, sagt man einfach auf irgendeinem Wirtschaftskongress „Technologieoffenheit!“ und schon haben einen alle wieder lieb.

So kann es doch jetzt gut (für euch) weitergehen. Wir sind begeistert von eurer erstaunlichen Fähigkeit, einfach da zu sein, ohne dass irgendjemand wirklich bemerkt, was ihr tut. Viele bekommen nicht mal mit, dass ihr überhaupt existiert. Danke für dieses mutige Raus-Halten, für eure vorbildliche Zurückhaltung und für die Gewissheit, dass wir uns wenigsten an manchen Stellen darauf verlassen können, dass alles so bleibt wie es ist. Das beruhigt wirklich ungemein. GAH

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