X-tra: Kunststück 2019

Liebe Leserinnen und Leser,

bereits zum vierten Mal versammeln wir in unserem „Kunststück“ wieder viele Ausstellungsräume, Galerien und Projekträume. Zum Einstieg haben wir uns mit Dr. Benedikt Poensgen unterhalten, dem Leiter des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover: ein aufschlussreiches Gespräch über die Kultur und insbesondere die Kunst. Und ja, wir teilen seinen Eindruck: Sehr viel ist in Sachen Kunst in Hannover positiv in Bewegung geraten in den vergangenen zwei, drei Jahren, die noch recht neue Idee der Projektraumförderung zeigt bereits viele positive Effekte. Ein schönes Beispiel dafür, dass auch kleine und kleinste Förderungen, quasi mit der Gießkanne, durchaus sehr gut funktionieren und einiges in Bewegung setzen können. Natürlich, eine Landeshauptstadt braucht Leuchttürme. Aber eine lebenswerte Stadt braucht eben auch viele kleine Kulturlaternen in der direkten Nachbarschaft. Das sollte man unbedingt fördern!

Wobei man ja in diesen Wahlkampf-Tagen immer mal wieder hört, dass das Geld für die Kunst größtenteils zum Fenster rausgeschmissen sei. Man würde damit doch nur arbeitsscheue Lebenskünstler finanzieren, die um richtige Arbeit einen großen Bogen machen, so eines der gängigen Vorurteile. Mancher würde in Entscheidender-Position in Hannover nur zu gerne den Kulturetat deutlich zusammenstreichen. Was zwar kaum Geld in die Kassen bringen würde, denn der Kulturetat ist vergleichsweise mickrig, aber sehr wohl die oben beschriebenen Ressentiments bedient.

Wollen wir sehr hoffen, dass es nie zu so einer solchen (Fehl-)Besetzung im Rathaus kommt. Denn lebenswert werden unsere Städte auch und vor allem durch die Künste, durch eine reichhaltige und vielschichtige Kultur. Hannover hat in diesem Bereich eine ganze Menge zu bieten – glücklicherweise. Mehr davon, das ist der richtige Weg. Wer hier Kürzungen fordert, der fordert im Grunde ein Zusammenstreichen der Lebensqualität. Kunst und Kultur öffnen Horizonte. Soll heißen, Kunst und Kultur inspirieren, regen den Geist an, fördern neues und kreatives Denken. Egal ob Musik, Theater, Literatur oder Kunst, jede Sparte hat eine Berechtigung und Bedeutung. Wenn man während eines Club-Konzerts beispielsweise einen Gänsehaut-Moment hat oder einem auf einer Vernissage ein Licht aufgeht, weil der Künstler mit seinem Werk sozusagen eine neue Tür öffnet, dann ist in solchen Augenblicken ganz klar, welchen Wert die Künste haben. Wer möchte das missen? Ein besonderer Luxus ist es noch darüber hinaus, solche Momente immer wieder in der direkten Nachbarschaft erleben zu können. Ganz klein und nahbar, in einem Hinterhof, in einer Seitenstraße. Das nennt sich dann Kiezkultur im besten Sinne. Mit ZINNOBER hat man Gelegenheit, viele dieser Seitenstraßen und Hinterhöfe zu erkunden. KünstlerInnen und ihre Kunst auf dem Präsentierteller, eine wunderbare Gelegenheit.

Und vielleicht auch eine gute Gelegenheit, mal den heimischen Wandschmuck zu überdenken. Kunst ist nicht so teuer wie man gemeinhin denkt. Und den Wert sollte man ohnehin ganz unabhängig vom Preis für sich selbst bestimmen. Kunst nur als Spekulationsobjekt zu sammeln, das ist seelenloser Kapitalismus. Kunst als Bereicherung der eigenen vier Wände und damit des eigenen Lebens, das macht richtig Spaß. In diesem Sinne viel Vergnügen mit dieser Ausgabe des Kunststücks.

Einen Überblick über die Kunst und Kultur in Hannover gibt es hier: Kunststueck 2019


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