Tag Archive | "2019-10"

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Die grauen Jahre sind vorbei!


In unserem Titel im Oktober-Stadtkind geht es um das Schwarz-Weiß-Denken, dass inzwischen in unserer Gesellschaft grassiert. Bei allen möglichen Themen stehen sich verschiedenste Fraktionen unversöhnlich gegenüber. Während die politischen Parteien gar nicht mehr wissen, welchen Menschen sie nun zuerst nachlaufen sollen. Es ist vertrackt. Schlägt man sich jetzt auf die Seite der radikalen Klimaschützer? Oder verprellt man damit jene Wähler, die einen zu schnellen Umbau der Wirtschaft für gefährlich halten? Mehr zum Thema Schwarz-Weiß-Grau im Oktober-Stadtkind!

Und wie jeden Monat ist das neue Heft randvoll mit knallharten Geschichten (gelogen und wahr), Anregungen und Informationen:

  • Hartmut El Kurdi berichtet über seine Erfahrungen mit Apfel-Wedges und Sackmessern im Allgemeinen und im Zusammenhang mit Theaterveranstaltungen im Speziellen.
  • Um PS-Porno, Schnitzel-Scham und des Deutschen liebstes Kind rankt sich Martin Kontzogs Elternkolumne in diesem Monat. Mit überraschendem Fazit …
  • Anke Wittkopp stellt Ricarda und Udo Niedergerke vor, die mit ihrer Stiftung fast 400.000 Euro Spenden für Menschen in Not gesammelt haben.
  • In der Body-Shaming-freien Oase „BH-Lounge“ können mithilfe der Brafitterin und Inhaberin Anne-Luise Lübbe in Ruhe und ohne Stress BHs anprobiert werden. Mehr dazu unter der Rubrik „Der besondere Laden“.
  • Annika Bachem vermisst Schwarze Löcher, wenn man sie gerade mal brauchen könnte, um Riesen-Bockmist unauffällig aus der Welt zu schaffen.
  • Der offene Brief geht an an das junge Paar, das neuerdings unter dem Autor wohnt … Na, was könnte ihm da wohl so zu Ohren gekommen sein? Bzw. aufs Papier …?

… obendrauf gibt es natürlich noch viel, viel mehr! Logo.

Außerdem liegt dem STADTKIND ein topaktuelles Sonderheft zum Thema „Alles nur Theater“ bei, womit tatsächlich die kleinen und großen Theater in Hannover gemeint sind. Und nicht Geschichten aus dem Rathaus … By the way: Unbedingt wählen gehen am 27. Oktober!!!

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Die grauen Jahre sind vorbei!

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Die grauen Jahre sind vorbei!


„Die grauen Jahre sind vorbei“, so ist unser Titel diesmal überschrieben. Was wir damit meinen? Dass man gegenwärtig schlechte Karten hat, wenn man in Diskussionen ansatzweise unentschlossen ist, also sich (noch) nicht zu der einen oder anderen Seite bekennen will. Man sieht sich lauter Menschen gegenüber, die anscheinend alles abschließend durchdacht und bis zum Ende gedacht haben. Und die fundamental einfordern, dass man sich auf ihre Seite stellt. Wenn man sich dieser Forderung verweigert, wenn man sagt „Ich weiß noch nicht, ich denke noch drüber nach, ich habe noch keine Meinung dazu …“, dann ist man bestenfalls ein Vollpfosten, der noch ein Brett vorm Kopf hat, und schlimmstenfalls ein Gegner, dem man mindestens verbal zu Leibe rücken darf.

In unserem Titel im Oktober-Stadtkind geht es um das Schwarz-Weiß-Denken, dass inzwischen in unserer Gesellschaft grassiert. Bei allen möglichen Themen stehen sich verschiedenste Fraktionen unversöhnlich gegenüber. Während die politischen Parteien gar nicht mehr wissen, welchen Menschen sie nun zuerst nachlaufen sollen. Es ist vertrackt. Schlägt man sich jetzt auf die Seite der radikalen Klimaschützer? Oder verprellt man damit jene Wähler, die einen zu schnellen Umbau der Wirtschaft für gefährlich halten? Schlägt man sich auf die Seite jener, die Zuwanderung skeptisch sehen und stark reglementieren wollen, oder auf die Seite jener, die zunächst mal in den Vordergrund stellen, dass zu helfen ein Gebot der Menschlichkeit ist?

Mehr zum Thema Schwarz-Weiß-Grau im Oktober-Stadtkind!

 

Und wie jeden Monat ist das neue Heft randvoll mit knallharten Geschichten (gelogen und wahr), Anregungen und Informationen:

  • Hartmut El Kurdi berichtet über seine Erfahrungen mit Apfel-Wedges und Sackmessern im Allgemeinen und im Zusammenhang mit Theaterveranstaltungen im Speziellen.
  • Um PS-Porno, Schnitzel-Scham und des Deutschen liebstes Kind rankt sich Martin Kontzogs Elternkolumne in diesem Monat. Mit überraschendem Fazit …
  • Anke Wittkopp stellt Ricarda und Udo Niedergerke vor, die mit ihrer Stiftung fast 400.000 Euro Spenden für Menschen in Not gesammelt haben.
  • In der Body-Shaming-freien Oase „BH-Lounge“ können mithilfe der Brafitterin und Inhaberin Anne-Luise Lübbe in Ruhe und ohne Stress BHs anprobiert werden. Mehr dazu unter der Rubrik „Der besondere Laden“.
  • Annika Bachem vermisst Schwarze Löcher, wenn man sie gerade mal brauchen könnte, um Riesen-Bockmist unauffällig aus der Welt zu schaffen.
  • Der offene Brief geht an an das junge Paar, das neuerdings unter dem Autor wohnt … Na, was könnte ihm da wohl so zu Ohren gekommen sein? Bzw. aufs Papier …?

… obendrauf gibt es natürlich noch viel, viel mehr! Logo.

Außerdem liegt dem STADTKIND ein topaktuelles Sonderheft zum Thema „Alles nur Theater“ bei, womit tatsächlich die kleinen und großen Theater in Hannover gemeint sind. Und nicht Geschichten aus dem Rathaus … By the way: Unbedingt wählen gehen am 27. Oktober!!!

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LINDENbackt!

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LINDENbackt!


Alte Backkunst, solidarisch und nachhaltig

Foto: hannoverimpuls

Solidarisch und nachhaltig – nach diesem Motto verkauft die Biobäckerei LINDENbackt! Backwaren an der Limmerstraße. Eigentlich hatten die meisten Angestellten der ehemaligen Vollkornbäckerei Doppelkorn in Hannover-Linden schon mit ihrem Job abgeschlossen, denn durch eine Pleite und eine gescheiterte Übernahme drohte allen die Arbeitslosigkeit. Seit März 2019 sind sie nun ihre eigenen Bosse, denn die neue Backstube wird von einer Genossenschaft geführt. Eine der zehn GründerInnen: Johanna Kienitz. Die ehemalige Filialleiterin ist jetzt Vorsitzende des Vorstands von LINDENbackt!

Die Idee, die Bäckerei in Eigenregie als Genossenschaft zu übernehmen, hat eine längere Geschichte, wie Johanna erzählt: „Das Haus hier wurde 1910 gebaut und beherbergt seitdem immer eine Bäckerei. Nach der Krise bei Doppelkorn 2017 gab es einerseits eine riesige Solidarität hier im Viertel, wir hatten beispielsweise in kürzester Zeit 5.000 Unterschriften von Menschen, die uns ihre Hilfe angeboten haben. Und: In einer 3-Tage-Guerilla-Aktion haben die MitarbeiterInnen in Eigeninitiative sehr erfolgreich gebacken und verkauft. Eine kleine Aktionsgruppe hat sich danach regelmäßig getroffen und unter anderem mich – ich war hier früher Filialleiterin – zurückgeholt. Irgendwann hat uns dann die Vermieterin die Immobilie zur Nutzung angeboten. Wir waren nach den Vorerfahrungen bereit und haben die Genossenschaft gegründet.“

Foto: hannoverimpulsDie Unterschiede zu anderen, vor allem SB-Bäckereien, sind riesig: Hier wird traditionelle Brotkunst gelebt. Dabei bestehen die Zutaten möglichst aus regionalen Bio-Produkten. Auch vegane Backwaren gibt’s im Sortiment. Nachhaltigkeit steht im Fokus, so wurde die komplette Ausstattung samt zugehörigem Café von örtlichen TischlerInnen und Schreinern hergestellt. Johanna erinnert sich: „Elektrik, Rohre und die Böden – wir mussten alles neu machen. Aus behördlicher Sicht waren wir ja eine Neugründung und deshalb gab es viele Bauvorschriften zu beachten, die vorher wegen des Bestandsschutzes nicht relevant waren. Wir verarbeiten keine Fertigbackmischungen oder Zusatzstoffe, wir sind biozertifiziert. Die Kompetenz ist da: Zwei frühere Doppelkorn-Bäcker und ein Konditor sind im Team. Wir backen tagsüber, BesucherInnen dürfen von 7 Uhr morgens bis 13 Uhr jederzeit in der Backstube zuschauen. In Zukunft wollen wir auch Vorträge, Workshops und Ausflüge zu LieferantInnen anbieten. Auch ein eigenes Getreidefeld und eine Mühle wären klasse. Zurzeit sind wir 151 GenossInnen, ab 300 Euro kann jeder bei uns mitmachen. Bei der jährlichen Generalversammlung entscheiden wir gemeinsam die nächsten großen Schritte.“ Als Tipp für andere GründerInnen fällt ihr ein: „Plant großzügig Zeit ein. Alles dauert immer länger als gedacht. Der Verwaltungsaufwand bei einer Gründung ist irre hoch. Da muss die Motivation wirklich stimmen! Wir waren insgesamt zehn GründerInnen in der Genossenschaft, ich habe an einem vierwöchigen „Gründungsworkshop“ bei hannoverimpuls teilgenommen. Mir hat das sehr geholfen, denn es ist doch eine riesige Umstellung zur Unternehmerschaft.“ Ute Rebel, Projektleiterin Gründung und Entrepreneurship Projekt Gründerinnen Consult, über LINDENbackt!: „Eine genossenschaftliche Gründung ist auch für uns etwas Besonderes. Sehr spannend und sehr intensiv für alle! LINDENbackt ist mehr als „nur“ eine Backstube, es ist eine Bereicherung für den gesamten Stadtteil.“

LINDENbackt! eG
Limmerstr. 58
30451 Hannover
Tel. (0511) 35301524
ofen@lindenbackt.de
www.lindenbackt.de

Öffnungszeiten:
Mo bis Fr 7 – 19 Uhr
Sa und So 8 – 19 Uhr

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Ein letztes Wort im Oktober …

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Ein letztes Wort im Oktober …


Herr Weil, nachdem ich vergeblich auf eine SMS von Ihnen gewartet habe und wir darum nun nicht als Duo antreten, müssen wir jetzt wohl oder übel über die anderen sprechen. Das „Casting“ läuft. Sie haben das Prozedere im Vorfeld ein bisschen kritisiert, da würde ich gerne mal einhaken …
(Lacht) Für eine solche SMS hätten Sie zuerst mal in die SPD eintreten müssen. Im Ernst, natürlich dauert es ziemlich lange, weil die finale Entscheidung erst im Dezember auf einem SPD-Parteitag fallen wird. Wir haben dann ein halbes Jahr gebraucht. Aber dafür gibt es natürlich Gründe: Bis das letzte der 16 Länder mit den Sommerferien durch ist, dauert es. Und wir haben momentan ein besonders ausgeprägtes Diskussionsbedürfnis innerhalb der SPD.

Ich war skeptisch, weil plötzlich unbedingt diese Doppelspitze sein musste. Das machen doch schon die Grünen. Reicht nicht eine oder einer?
Eine Doppelspitze muss nicht, kann aber ein echter Mehrwert sein. Die handelnden Akteure müssen natürlich gut miteinander auskommen. Aber wenn das gegeben ist, können sich Frau und Mann gut ergänzen und arbeitsteilig vorgehen. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Unser Mitgliederentscheid ist ein urdemokratischer Vorgang, das steht der SPD sehr gut zu Gesicht. Danach sehen wir weiter.

Mir macht der Blick aller anderen auf die SPD Sorge. Erstens ist der Eindruck entstanden, dass sich so richtig keiner gerissen hat um den Posten. Und zweitens dreht sich die SPD nun erstmal wieder um die SPD. Programmatisch war darüber hinaus noch nicht so viel zu hören.
Naja, wir führen unser Gespräch diesmal Mitte September, nach der siebten oder achten von insgesamt 23 Regionalkonferenzen. Und ich habe doch den Eindruck, dass die öffentlichen Reaktionen bisher durchaus wohlwollend ausfallen. Aber jede Partei, da gebe ich Ihnen Recht, muss aufpassen, dass sie sich nicht in erster Linie mit sich selbst befasst. Wir müssen uns mit den Themen der Bürgerinnen und Bürger und mit dem Zusammenhalt unserer Gesellschaft befassen, das ist wichtiger als wir selbst.

Aber wenn man nur noch darauf schaut, welche Themen die Bürgerinnen und Bürger momentan angeblich haben, dann wird man doch zum Fähnchen im Wind. Wo bleibt da die Haltung? Muss nicht eine politische Partei auch eine Richtung haben und vorgeben, sagen „Da geht‘s mit uns lang!“?
Das unterstreiche ich gerne. Ich bin aber zuversichtlich, dass die SPD wieder klarer Orientierung geben kann, wenn sie ein überzeugendes Duo an der Spitze hat. Das, was man programmatisch sagt, und die Haltung, die man im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert, muss zueinander passen.

Die niedersächsische SPD unterstützt Petra Köpping und Boris Pistorius. Kommt das so ganz von Herzen bei Ihnen?
Aber ja! Ich arbeite seit vielen Jahren sehr eng mit Boris Pistorius zusammen, und wir waren schon vorher gut bekannt miteinander, wir waren ja Oberbürgermeisterkollegen in Hannover und Osnabrück. Boris Pistorius bringt wirklich alles mit, was man für ein solches Spitzenamt braucht: Zukunftsideen, eine klare sozialdemokratische Grundhaltung, einen großen Gestaltungswillen und Überzeugungskraft. Er ist eloquent, den Menschen zugewandt, ein Teamspieler. Und Petra Köpping steht ihm in nichts nach. In Niedersachsen stehen wir sehr geschlossen hinter Petra Köpping und Boris Pistorius.

Sie wollten nicht, aber ich habe nirgends so eine richtig klare Formulierung gefunden, warum Sie nicht wollten.
Doch, Sie haben das überall gelesen. Erstaunlicherweise hat man es aber offenbar nicht geglaubt. Sie anscheinend auch nicht.

Sie sind gerne Ministerpräsident in Niedersachsen …
Ganz genau! Dann ist der Groschen ja doch gefallen (lacht). Es ist tatsächlich so, ich bin seit meinem fünften Lebensjahr ganz tief in Hannover verwurzelt. Und auch bei meinem Wechsel vom Oberbürgermeister zum Ministerpräsidenten war klar, dass mein Lebensmittelpunkt weiter in Hannover sein würde. Das war und ist für mich wichtig. Diese Verwurzelung ist Teil meiner Persönlichkeit.

Meinen Sie, die SPD schafft den Neustart?
Die SPD ist mittendrin. Und sie muss jetzt ein ganz neues Kapitel schreiben. So sollte man den augenblicklichen Prozess verstehen. Ich zitiere mal Hesse: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Das wünsche ich mir für die SPD.

Neue Kapitel werden ja momentan scheinbar viele geschrieben. Die CDU mutiert neuerdings beispielsweise zur Klimaschutzpartei Nummer 1. Mir ist das alles ein bisschen zu sehr Fähnchen. Und bei der SPD würde ich mir nicht nur „neu“, sondern auch einen guten Schuss „alt“ wünschen. Eine Rückbesinnung auf die alten Stärken.
Wenn es gut läuft, wird es eine Mischung aus beidem sein. Und es muss gut laufen, das sage ich nicht nur, weil ich durch und durch ein Sozi bin. Wir brauchen eine starke soziale Partei in Deutschland!

Ich weiß aus unseren letzten Gesprächen, dass Sie tief besorgt sind um Ihre Partei. Die SPD steckt momentan in einer existenziellen Krise.
Das ist so. Aber ich mache mir nicht nur Sorgen um die SPD. Wenn ich auf die vergangenen Landtagswahlen schaue, macht mich insbesondere die hohe Zustimmung zur AfD fassungslos. Für mich ist das schwer zu verstehen, nachdem wir mit 70 Jahren Grundgesetz und mit zwei großen Volksparteien rechts und links von der Mitte alles in allem gut gefahren sind. Es gab kluge politische Entscheidungen insbesondere unter dem Einfluss der SPD und eine beispielhafte Stabilität. Das war auch international ein Markenzeichen Deutschlands. Jetzt haben wir die merkwürdigsten Regierungskonstellationen. Einige hätte man sich noch vor kurzer Zeit auch mit der blühendsten Fantasie nicht vorstellen können. Unsere Volksparteien haben große Vermittlungsprobleme. Aber wir brauchen sie, davon bin ich tief überzeugt.

Es wäre Zeit für ein bisschen Besinnung. Was würden Sie denn davon halten, wenn die SPD sich jetzt mal wieder auf das eigene Parteiprogramm besinnt und es weiterentwickelt?
Das ist fällig. Das letzte SPD-Programm stammt aus dem Jahr 2007. Normalerweise sind 12 Jahren nicht lang für ein Parteiprogramm. Aber überlegen Sie sich mal, was in den letzten 12 Jahren passiert ist. Globalisierung, Digitalisierung und Klimawandel, es haben sich einige Grundkoordinaten verschoben. Darüber muss die SPD sprechen. Was macht das mit unserer Gesellschaft? Wo wollen wir hin? Sicherheit im Wandel, Zusammenhalt in der Gesellschaft, das sind für mich die Eckpfeiler. Beide sind eng miteinander verbunden. Wir brauchen eine Gemeinschaft, in der wir uns sicher und geborgen fühlen können. Wenn wir stattdessen zu einer Gesellschaft würden, in der jeder nur an sich denkt, und in der Minderheiten in die Ecke gestellt werden, dann bekämen wir das Gegenteil. Das ist die Methode des Rechtspopulismus: er sorgt für Angst und Verunsicherung und führt zu einem Gegeneinander statt zu einem Miteinander.

Unsere Gesellschaft ist inzwischen sehr ellenbogenzentriert.
Ja, wir haben ein paar besorgniserregende Megatrends, letztlich getrieben durch ein kapitalistisches System, das die Vereinzelung und den Egoismus fördert. Es gibt den Werbeslogan eines Finanzdienstleisters: „Unterm Strich zähl ich“. Das fasst es in perfider Weise zusammen. Gleichzeitig bin ich aber überzeugt, dass fast alle Menschen sich wünschen, Teil einer guten Gemeinschaft zu sein. Für diese Menschen müssen wir ein Angebot haben.

Interview: Lars Kompa

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Apfel-Wedges und Sackmesser

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Apfel-Wedges und Sackmesser


Aus der Rubrik „El Kurdis Kolumne“

Vor sechzehn Jahren kaufte ich mir in der „Messerschmiede Ottenburg“ in Basel ein „Sackmesser“, wie die Schweizer ihre Taschenmesser nennen. Dieser Begriff ist durchaus logisch, weil ein schweizerdeutscher „Sack“ auf Hochdeutsch einfach nur eine „Tasche“ – zum Beispiel eine Hosentasche – ist. „Taschengeld“ heißt dementsprechend selbstverständlich „Sackgeld“. „Hochdeutsch“ sagen die Schweizer übrigens auch nicht, sondern „Schriftdeutsch“, weil sie diese Sprache untereinander nicht sprechen, sondern in der Schule nur zum Lesen und Schreiben erlernen. Schweizerdeutsch ist auch ansonsten oft gleichzeitig extrem logisch und originell: „Grillen“ heißt „grillieren“, Strohhalm „Röhrli“ und Leitungswasser „Hahnewasser“. Schöner ist eigentlich nur noch Niederländisch, das allerdings im Gegensatz zu den verschiedenen schweizerdeutschen Dialekten eine eigene Sprache ist. Die Niederländer sagen zum „Meer“ „zee“ und zum „See“ „meer“. Das niederländische „bellen“ heißt auf deutsch: klingeln oder anrufen. Das deutsche „bellen“, also das Hundebellen, heißt in Holland „blaffen“. Die Niederländer tun das alles, glaube ich, nur um uns Deutsche zu verwirren. Das gefällt mir gut.

Doch zurück zum damals von mir in Basel erworbenen Taschenmesser: Es hatte mehrere Klingen, eine Schere, einen Schraubendreher, einen Dosenöffner, eine Pinzette und diverse andere Funktionen, die ich bis heute nicht verstanden habe. Zuvor hatte ich nie das Bedürfnis oder die Notwendigkeit gespürt, ein solches Werkzeug zu besitzen.

Aber eines Tages saß ich bei einer Veranstaltung im Schauspielhaus Wuppertal neben dem Hörspiel-Regisseur Klaus-Michael Klingsporn. Ich war ihm vorher noch nie live begegnet, er aber hatte ein von mir geschriebenes Kinderhörspiel für das Deutschlandradio Kultur inszeniert. Und das ziemlich gut. Ich war froh, dass er nicht nur in seiner Funktion, sondern auch als Mensch angenehm war. Sonst hätte ich immer, wenn mich jemand nach ihm fragte, sagen müssen: „Als Regisseur ist er tippitoppi, aber menschlich ‘ne Sau“. Tatsächlich kenne ich Personen, über die ich so reden muss. Spaß macht es keinen, aber man ist ja als Künstler der Wahrheit verpflichtet.

Der nette Herr Klingsporn bemerkte sofort, dass ich in der Bredouille war: Meine damals knapp dreijährige Tochter vollführte auf meinem Schoss eine extrem eindrucksvolle „Boah, is mir öde“-Gymnastik und drohte, die Veranstaltung zu sprengen. Schließlich verlangte sie – wissend, dass ich keine solchen besaß ­– nach Apfelschnitzen. Oder Apfelspalten. Keine Ahnung wie ihr die halbmondförmigen Stücke eines vom Kerngehäuse befreiten Apfels nennt. Hipster sagen dazu wahrscheinlich „Apfel-Wedges“. Ich hatte aber, wie gesagt, weder Schnitze, Spalten noch Wedges. Klaus-Michael Klingsporn schaute mich an, dann meine Tochter, nickte –griff in seine Tasche und präsentierte die Lösung: Einen Apfel und ein Werkzeug, um die gewünschte Darreichungsform herzustellen – sein rotes Victorinox-Taschenmesser.
Dankbar nahm ich das Angebot an. Augenblicklich produzierte ich vor den faszinierten Augen meiner Tochter eine Apfelspalte nach der anderen und steckte sie ihr in den Mund. Jedes Mal, wenn sie fertig gekaut und geschluckt hatte, schob ich die nächste nach. Apfel und Preisverleihung endeten gleichzeitig. Friedlich. Ich wischte das Messer mit einem Tempotaschentuch ab, klappte es zusammen und gab es Klingsporn mit Dank zurück. Er sagte: „Kauf dir mal eins. Wennde‘n Kind hast, brauchst‘n Taschenmesser.“

Da Klingsporn mir nicht nur ein patenter und hilfsbereiter, sondern auch ein weiser Mann zu sein schien, kaufte ich wenige Tage später bei einer Lesereise in die Schweiz ein Messer. Es leistete mir in den folgenden Jahren gute Dienste als Vaterwerkzeug: Ich trug es stets bei mir – viele meiner Jeans haben einen sichtbaren Messerabdruck auf der rechten Vordertasche. Ich schnitt mit diesem Messer Fantastilliarden Apfelspalten, zog mit der Pinzette Holzsplitter aus Fingern, Füßen und anderen Körperteilen, bastelte damit extrem schlecht segelnde Flugdrachen, schnitt mit der Schere im Urlaub Heftpflasterstreifen und Kinderfußnägel, öffnete Raviolidosen, schälte Orangen und entkapselte Saft- und Limoflaschen. Und auch die eine oder andere Bierflasche. Letztere zu meiner Regeneration.

Ich ließ das Messer immer mal wieder nachschärfen, reinigte es, ölte es, irgendwann musste ich die roten Außenhartschalen austauschen, weil sie wegbröckelten …

Letzten Monat habe ich das Messer in die Schublade gelegt. Das Kind ist ausgezogen.

Hartmut El Kurdi

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Carlini, Dodo Leo & Martin

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Carlini, Dodo Leo & Martin


Carlini, Dodo Leo & MartinSie versprechen „verwegene Unterhaltung mit Saiteninstrumenten Perkussion und Gesang“ und spielen eigene Songs und Cover aus dem Bereich Rock, Pop, Soul, Blues und Folk. Das Männertrio „Carlini, Dodo Leo & Martin“ wollte sich eigentlich nur für einen Abend zusammentun, doch als sie einen Moment nicht aufpassten, wie sie es selbst berichten, gründete sich die Band von ganz allein.

Musik gemacht haben die drei Freunde eigentlich schon immer, doch auf die Idee, das Ganze zu kombinieren und sich so gegenseitig zu einem Trio zu ergänzen, kamen sie erst vor vier Jahren. Seitdem legen die in Hannover lebenden Musiker allerdings so richtig los. Drei Alben, darunter ein Live-Album, Touren durch ganz Deutschland, Österreich und Tschechien sowie einen YouTube-Kanal, auf dem sie die verschiedenen Stationen ihrer Tour als Videoblog und diverse Live-Auftritte festhalten, haben die drei schon gemeinsam auf die Beine gestellt.

Ihr Mix aus Rock, Pop, Country, Blues und Soul macht sie zu einer sehr speziellen Band mit einem unverkennbaren Charakter. Die Musik hat eine ganz eigene Farbe, das ist bereits auf dem 2016 erschienenen ersten Album „A Night At The Club“ deutlich hörbar. Damals wagte man sich übrigens nach guten Kritiken direkt auf eine Deutschland-Tschechien-Tour.

Mit ihrem neusten Album „42nd Thunder Road“, das am 14. Oktober 2018 bei UR Music erschien, ist das Trio nun erneut auf Tour. Diesmal geht es durch Deutschland und nach Holland. Auf dem Album finden sich englische und italienische Stücke mit feinsinnigen Einsichten über das Leben, mal nachdenklich, mal Lebensfreude pur. Man merkt, dass hier drei erfahrene Vollblutmusiker unterwegs sind, die seit vielen Jahren alles auf die musikalische Karte setzen.

Marino Carlini hat sich als über die niedersächsischen Grenzen hinaus bekannter Sänger und Frontmann vieler Bands sowie durch das Mitwirken an unzähligen Projekten bereits lange vor „Carlini, Dodo Leo & Martin“ einen Namen gemacht. Unter anderem spielte er Shows mit Doro Pesch, Bobby Kimball (Toto) und Ray Wilson (Genesis) sowie auf vielen hundert Konzerten mit der bekannten Unplugged-Classic-Rock-Coverband Sugarplumfairy.

Carlini, Dodo Leo & MartinBandkollege Dodo Leo, geboren und aufgewachsen in Zürich und mit süditalienischen Wurzeln, rockte schon mit vier Jahren die Bühne mit einer Plastikgitarre. Nach Klavier-, Schlagzeug- und Gesangsunterricht folgte die Rockformation Dodoleo, bis er schließlich in Hannover landete, wo er als Komponist, Textautor, Arrangeur sowie im Theater und als Dozent für die LAG Jazz Niedersachsen und das Musikzentrum Hannover arbeitete.

Und auch Thomas Martin, dessen Name den letzten Teil des Bandnamens bildet, wirkte schon lange vor der Bandgründung bei verschiedenen musikalischen Projekten mit. So komponierte er 2011 beispielsweise einen Großteil der Songs des Hannover Musicals Kröpcke, in dem er 2012 auch etliche Male als Gitarrist mitspielte. Als vielseitiger Musiker interpretiert er allein und auch gemeinschaftlich mit anderen Musikern mit Akustikgitarre sowohl Soul-, Jazz-, und Bluesklassiker als auch eigene Songs auf seine ganz eigene Art und Weise. Drei einzigartige Künstler, nicht nur als Trio hörenswert.

Text: Luna Kuhrt, Fotos: Carlini, Dodo Leo & Martin

Weitere Infos:

Instagram: @cdlmofficial
Facebook: @CarliniDodoLeoMartin
YouTube: Carlini Dodo Leo Martin

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