Tag Archive | "2020-06"

Wege zum neuen Normal

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Wege zum neuen Normal


Jetzt ist es in den letzten Tagen sehr schnell gegangen, überall Öffnungen, überall sucht man Wege zurück zur Normalität – und genau in dieser Phase, so mein Eindruck, haben unsere Politikerinnen und Politiker ihre größte Bewährungsprobe noch vor sich. Es geht jetzt darum, vernünftig und maßvoll zu bleiben, es geht darum, der Wissenschaft weiter eine gewichtige Stimme zu geben und nicht populistisch zu überdrehen, es geht darum, der Versuchung zu widerstehen, uns allen die falschen Geschenke zu machen.
Dass sich viele so schnell wie möglich ihr altes Leben zurückwünschen, ist nur zu verständlich. Wir werden aber, und das ist leider die Realität, unser altes Leben nicht zurückbekommen, ehe es nicht einen wirksamen Impfschutz gibt. Und auch dann wird es noch eine ganze Weile dauern, bis sich die Welt von dieser Pandemie erholt hat. Wobei wir auch nicht ausklammern dürfen, dass wir hier in Deutschland über eine ganz besondere „Normalität“ sprechen, dass sehr viele Menschen auf dieser Welt unsere Normalität als Paradies bezeichnen würden. Da warten noch jede Menge Aufgaben auf die „Weltgemeinschaft“, alles was vor der Pandemie schlecht und fraglich war, wird auch danach schlecht und fraglich sein. Und vielleicht sogar noch schlechter und fraglicher, denn der Schatten der Pandemie wird momentan durchaus genutzt, um Fakten zu schaffen. Und wenn hier Weltgemeinschaft in Anführungsstrichen gesetzt ist, dann müssten diese Anführungsstriche eigentlich fetter als fett gedruckt sein. Wir haben nicht mal eine echte europäische Gemeinschaft, wo soll also eine Weltgemeinschaft herkommen, mit Putin, Trump und Xi Jinping, mit Bolsonaro und Erdoğan? Dass es nach der Pandemie eine Zeit der Besinnung, der Solidarität und Vernunft geben wird, das ist wohl nur ein schöner Traum.
Aber es ist ohnehin viel zu früh, jetzt darauf hinzuweisen, auf all die anderen Probleme. Solche Hinweise verklingen im Getöse der Pandemie momentan ungehört. Und das ist ja auch gar kein Wunder. Denn entgegen der Meinung vieler Spinner (von denen ich einige hier eben namentlich erwähnt habe), die Corona scheinbar eher für einen schlechten Witz halten, ist doch völlig klar, dass wir es mit einer gefährlichen und häufig tödlichen Krankheit zu tun haben. Auch wenn sich nun regelmäßig ein paar Irre versammeln, um das Gegenteil zu behaupten. Irre, die sich in kürzester Zeit mittels der Internetlektüre von „Fachartikeln“ zu Virologen gemacht haben. Ich verstehe momentan nicht wirklich das mediale Getöse um diese absurden Gestalten. Wir sprechen von einer verschwindend geringen Zahl von solchen Skeptikern, sie nehmen dennoch ungeheuer viel Platz ein. Muss das sein? Kann man die Spinner jetzt nicht mal eine Weile ausklammern und sich aufs Wesentliche konzentrieren? Können wir nicht mal alle gemeinsam klug und vernünftig sein?
Stattdessen wird diskutiert, zum Beispiel darüber, dass auch die Wissenschaftler unterschiedlicher Meinung sind – womit andere Meinungen dann ja wohl erlaubt sein dürften. Ernsthaft? Da stehen fünf Chirurgen am OP-Tisch und operieren am offenen Herzen, und dann kommt ein selbsternannter Chirurg hinzu und bezweifelt, dass ein Skalpell Fleisch schneidet und ganz grundsätzlich, dass Menschen ein Herz haben. Wie reagieren in so einem Fall die fünf Chirurgen? Richtig, sie setzen den Spinner schleunigst vor die Tür und erledigen ihre Arbeit. Wir aber machen den Spinnern die Türen weit auf. Wir geben ihnen Platz und Stimme. Warum?
Natürlich diskutieren Wissenschaftler und natürlich interpretieren sie die Ergebnisse ihrer Forschungen unterschiedlich und ziehen ihre Schlüsse. Aber all das auf einer gemeinsamen Basis, auf einem Fundament aus gesicherten Erkenntnissen. Genau das, genau dieser Prozess der Erkenntnisgewinnung in der Wissenschaft, lässt uns heute auf dem Computer Texte schreiben, mit dem Flugzeug fliegen und nicht mehr Mitte 30 sterben. Wir sollten in dieser Zeit unbedingt auf die (echten) Wissenschaftler hören.
Zuletzt noch schnell ein paar Worte zu dieser Ausgabe. Auch wir fahren ganz allmählich wieder hoch, mit ein paar Seiten Kultur. Was geht wieder? Wir haben ein bisschen Licht versammelt. Und dazu gibt es in dieser Ausgabe wieder jede Menge Lektüre für die noch andauernde Zwangspause. Wollen wir hoffen, dass diese Pause nun bald vorbei ist und uns keine zweite Lockdown-Runde ins Haus steht. Das liegt nicht zuletzt auch an uns selbst. Bitte gesund und vorsichtig bleiben!

Lars Kompa
Herausgeber Stadtkind

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Doris Petersen, Geschäftsführerin von hannoverimpuls

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Doris Petersen, Geschäftsführerin von hannoverimpuls


Frau Petersen, erzählen Sie zum Einstieg mal kurz, wie es kommt, dass Sie uns jetzt in dieser Funktion hier gegenübersitzen.
Ich hatte zu hannoverimpuls in der Vergangenheit immer wieder Kontakte, denn ich komme beruflich aus dem Hause der Deutschen Messe AG mit engen Verbindungen zur Wirtschaftsförderung in Hannover. Die letzten 20 Jahre war ich für die Deutsche Messe AG an sehr unterschiedlichen Standorten tätig, u.a. in den USA, in Singapur und vier Jahre in der Geschäftsführung der Tochtergesellschaft in der Türkei. Dann kamen die Kinder und es ging nach Hamburg, um von dort die norddeutschen Bundesländer für die Messe zu betreuen – also Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. In meiner Position des Director Public Affairs kümmerte ich mich um die Multiplikatoren, u. a. politische Einrichtungen, Kammern und Cluster, also insgesamt übergeordnete Institutionen. In dieser Zeit war ich oft in Hannover, einfach weil hier das Headquarter der Deutschen Messe AG ist. Und hannoverimpuls ist hier am Standort natürlich eine ganz wichtige Institution, daher kenne ich die Einrichtung seit vielen Jahren. Und wie es dann manchmal so ist, gibt es einfach Zufälle. Es sollte einen Wechsel hier in der Geschäftsführung geben, ich hatte nach vielen Jahren Messe durchaus Lust auf einen Perspektivwechsel, das klang für mich sehr spannend. Und dazu Hannover, meine alte Heimat. Ich freue mich, dass es geklappt hat und dass ich jetzt hier sitze.

Und privat geht es jetzt auch demnächst nach Hannover, der Umzug ist schon geplant?
Genau. Ich selbst komme aus Hannover, nicht gebürtig, aber ich würde mich trotzdem immer als Hannoveranerin bezeichnen, weil ich den größten Teil meiner Kindheit und Jugend hier verbracht habe. Ich bin hier aufgewachsen, habe meine ersten beruflichen Schritte hier gemacht. Ein Stück weit ist der anstehende Umzug also tatsächlich ein nach Hause kommen. Die Verbundenheit zu Hannover ist nie verschwunden, trotz der vielen Jahre im Ausland, trotz zuletzt Hamburg. Und eine andere Option als Hannover gab es sowieso nicht – wenn ich diese Aufgabe hier wahrnehmen möchte, gehört auch der Wohnsitz an diesen Standort. Wir haben wegen der Kinder und dem anstehenden Schulwechsel nur noch auf die Sommerferien gewartet.

Haben Sie sich bei hannoverimpuls schon vollständig eingearbeitet, haben Sie den ganzen Laden schon verstanden?
(Lacht) Ganz verstanden vermutlich nicht; das möchte ich mir nach weniger als einem halben Jahr nicht anmaßen. Es ist schon ein Unternehmen mit sehr vielen Facetten. Und durch Corona ist der Einstieg dann natürlich auch noch ein gutes Stück herausfordernder geworden, es war an vielen Stellen jetzt tatsächlich der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser. Aber wer ins kalte Wasser springt, lernt sehr schnell schwimmen. Ich bin jemand, der die Dinge gerne verstehen möchte, ich hinterfrage, habe den MitarbeiterInnen hier also Löcher in den Bauch gefragt, um mir fundiert ein eigenes Bild machen zu können. Bis man so eine Institution vollumfänglich erfasst hat, dazu gehört immer mindestens der Durchlauf eines ganzen Geschäftsjahres. Aber ich glaube, ich bin in ziemlich viele Themen schon recht tief eingestiegen.

Was sind die Aufgaben von hannoverimpuls?
hannoverimpuls hat die Aufgabe, die hier ansässige Wirtschaft zu fördern und zu stärken. Das Spannende: Wie macht sie das? Aber zunächst kurz zum Warum. Wir haben natürlich, wie alle anderen Städte und Regionen auch, ein großes Interesse an einer prosperierenden Wirtschaft. An sicheren Arbeitsplätzen, an Umsätzen, die hier erzielt werden, und die dann in Form beispielsweise von Gewerbesteuer und anderen Steuern wieder der Gemeinschaft zugutekommen. Darum geht es. Dass sich hier bei uns im besten Falle Unternehmen gründen und sich gut entwickeln, dass gute Arbeitsplätze entstehen, dass Unternehmen weiteres Investitionskapital nach Hannover ziehen und dass wir Arbeitskräfte für Hannover gewinnen.

Und dazu hat hannoverimpuls ein paar Werkzeuge für die Stellschrauben.
hannoverimpuls hat als Wirtschaftsförderung tatsächlich sehr viele Facetten. Das fängt bei den GründerInnen an. Wobei wir hier zunächst nicht von den Start-ups sprechen, sondern von den „BasisgründerInnen“ – ob FriseurIn oder EinzelhändlerIn oder PhysiotherapeutIn mit eigener Praxis. Das ist ein ganz wichtiger Teil der Wirtschaft am Standort und das unterstützen wir vor allem mit Rat. Wer in Hannover gründen will, ein Geschäft, eine Praxis eröffnen will, der kann sich an hannoverimpuls wenden und wird umfangreich beraten. Wir sind für alle Gründungswilligen die erste Anlaufstelle, die es in der Stadt gibt. Wir haben hier eine wirklich sehr umfangreiche Gründungsberatung mit einem vielfältigen Angebot, auch in enger Partnerschaft mit weiteren Institutionen. Da gibt es beispielsweise „Gründung kompakt“, ein gemeinsames Angebot mit der Agentur für Arbeit, da werden Leute zu uns geschickt, die hier in einer Seminarreihe über vier Wochen gecoacht werden für ihr Gründungsvorhaben. Beim Gründen gibt es einfach unglaublich viele Dinge zu beachten. Aber es geht natürlich auch darum zu erkunden, ob die gründende Person überhaupt schon so weit ist, ob das Gründungskonzept passt, ob der Wirtschaftsplan tragfähig ist, ob ausreichend Kundenpotenzial vorhanden ist und vieles mehr. Das kann man sehr niedrigschwellig in Anspruch nehmen, mit einfachen Beratungstagen oder Beratungsgesprächen. Es gibt zudem besondere Angebote für gründungswillige Frauen (Gründerinnen-Consult), und ein ganz neues Projekt, den Female Health Incubator. Insgesamt sind all diese vielfältigen Gründungsangebote eine ganz wichtige Säule bei hannoverimpuls.

Die Start-ups sind ein weiterer Bereich …
Die Start-ups muss man aus meiner Sicht tatsächlich ein bisschen losgelöst betrachten. Das sind i.d.R. keine Einzelgründungen, sondern Teamgründungen, nicht selten aus der Uni heraus. Dafür haben wir ebenfalls spezielle Programme, wie „starting business“, den gemeinsamen Gründungsservice von Leibniz Universität und Medizinischer Hochschule mit hannoverimpuls. Bei Start-ups geht es häufig um Ideen im Zusammenhang mit der Digitalisierung, also um Software-Lösungen, um Apps, um Künstliche Intelligenz oder VR-Lösungen, dazu gehören natürlich auch Lösungen zur Digitalisierung in der Industrie. Ein weiteres Angebot ist die Venture Villa, eine erfolgreiche und spannende Gründungsschmiede am Standort. Dort werden in einem 100-Tage-Programm von einer Jury ausgewählte Start-ups begleitet und gecoacht, um sie gründungsfit zu machen. Die Start-ups müssen sich für dieses Programm bewerben. Und die Hoffnung ist, dass sie, wenn sie durch dieses 100-Tage-Programm gegangen sind, hier am Standort durchstarten und dann richtig Fahrt aufnehmen.

Bei der Venture Villa müssen wir mal kurz einhaken, das gab es ja ein paar Turbulenzen. Sind die Probleme inzwischen gelöst?
Bei der Venture Villa hat es ein bisschen geruckelt im letzten Jahr, das stimmt. Aber ganz wichtig ist dabei, zunächst mal festzustellen, dass es sich trotzdem um ein sehr erfolgreiches Konzept handelt. Das qualitativ gute Coaching der Venture Villa zieht inzwischen ja sogar überregional. Wir haben bereits Gründungsteams aus anderen Städten, die sich bewusst für diesen Standort entschieden haben. Wenn man Pläne umsetzt, wenn man etwas auf die Beine stellt, dann kann es immer sein, dass sich auf dem Weg die Dinge anders entwickeln. Wir haben gesagt, wir wollen und brauchen hier am Standort Hannover einen Accelerator, also einen Beschleuniger. In der Folge ist der finanziert, geplant und aufgebaut worden. Wenn sich dann die Dinge hinterher nicht so entwickeln, wie man sich das eigentlich gewünscht oder erhofft hat, dann braucht es Anpassungen. Im vergangenen Jahr sind wir nun in genau diese Situation gekommen, wobei ich das nur aus der Retrospektive beleuchten kann. Wir mussten feststellen, dass die Finanzierung der Venture Villa sich nicht so gestaltet hat, wie das ursprünglich geplant war. So ein Accelerator, mit dem man junge, gründungswillige Menschen relativ schnell in die Gründung führen will, der verursacht Kosten. Das ist in Hannover so und das ist an anderen Standorten so. Die Start-ups müssen für den 100-Tage-Batch ja nichts bezahlen, alles andere wäre kontraproduktiv. Wie kann so etwas also Erlöse erzielen? Dass die Finanzierung u.a. durch Sponsoring oder privates Venture Capital sichergestellt werden kann, hat sich so nicht bestätigt. Und damit ist eine Liquiditätslücke entstanden. Wir haben nun daran gearbeitet, wie nun wer diese Lücke schließen kann. Das werden wir kurz vor Erscheinen dieses Interviews am 26. Mai dem Aufsichtsrat vorstellen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es danach gut weitergehen wird. Denn, dass dieses Konstrukt Venture Villa als Gründersachmiede am Standort Hannover erfolgreich ist und sehr viele gute Ergebnisse hervorgebracht hat, das ist ja unstrittig.

Eben war die Rede von privatem Venture Capital. An Risikokapital fehlt es generell in Hannover, oder? Ist das nicht ein immenser Standortnachteil?
Ja, wir sind in Hannover nicht in Berlin, das muss man einfach klar so sagen. Es ist nicht leicht für Unternehmen und GründerInnen, hier in Hannover an Risikokapital zu kommen. Und hannoverimpuls kann da auch nicht wirklich einspringen. Was manchmal schade ist, wenn wir eine spannende Idee sehen, die wir gerne noch mehr fördern und unterstützen würden. Unsere Möglichkeiten sind aber begrenzt; eine Wirtschaftsförderung ist kein Finanzierer. Wobei wir schon einen Investment-Fonds haben, mit dem wir genau in dieses Risiko gehen. Wir fördern damit junge Gründungsideen. Natürlich gesichert über einen externen Fonds-Manager, der sich die Ideen mit uns anschaut, bewertet und die Start-ups auch begleitet in der weiteren Entwicklung. Aber es bleibt Risikokapital. Wir können damit zwar einige Start-ups unterstützen, aber eben längst nicht alle. Privates Venture Capital ist also ein Thema, das uns durchaus umtreibt, und wenn es Interessenten gibt, die sich ein Investment vorstellen können, freuen wir uns über eine Kontaktaufnahme. Das Thema ist allerdings jetzt, in diesen Corona-Zeiten, natürlich noch einmal schwieriger geworden. Viele Unternehmen und UnternehmerInnen wissen momentan noch nicht genau, wohin die Reise geht. Die Unsicherheit überwiegt und bei den meisten gibt es eine eher abwartende Grundhaltung. Langfristig wünschen wir uns aber ein stärkeres Zusammenwachsen von KMU und spannenden Gründungsideen, gerne auch mit dem Ziel, einen Pilotfonds für die Förderung junger GründerInnen am Standort Hannover einzurichten. Da muss es gar nicht gleich um riesige Beträge gehen. Es braucht eben ein paar Pioniere, die sich dieses Thema hier in Hannover mal auf die Fahne schreiben.

Klassisch für Geldgeber sind ja immer drei Jahre, dann soll die Investition sich mindestens amortisiert haben. Aber es dauert oft länger bei vielen Gründungen. Ist das ein Problem?
Es dauert oft länger und das gerade bei GründerInnen. Bei etablierten Unternehmen ist das tatsächlich ein bisschen anders, da geht es teils schneller. Aber auch ein KMU kann natürlich in die Situation kommen, dass ein Innovationsprojekt länger dauert, dass man einem neuen Geschäftsmodell mehrere Jahre geben muss. Bei einem Start-up sind drei Jahre tatsächlich meist zu kurz gegriffen. Man sollte als Investor also durchaus die Bereitschaft haben, einen längeren Atem mitzubringen. Das gilt es mit unserem Fonds ebenfalls zu beherzigen, das haben wir in den letzten Jahren gelernt.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den hiesigen Hochschulen?
Der Transfer von Wissen aus Hochschulen in die Unternehmen ist natürlich ein ganz zentrales Thema. Da sind wir schon sehr aktiv, aber ich glaube, das müssen wir uns künftig noch mal sehr viel genauer ansehen und noch stärker verzahnen. Wir haben bereits sehr erfolgreiche Programme mit der Leibniz Universität und der MHH, zum Beispiel „starting business“, das zielt sehr speziell auf Gründungen und versucht, Gründungswillige zu entdecken, zu motivieren und die Gründung zu begleiten. Aber es gibt sicherlich noch weitere Möglichkeiten und mehr mögliche Partner, das werden wir uns in den vor uns liegenden Monaten und Jahren sicherlich nochmal genauer ansehen.

Wir haben erst einen kleinen Teil der Aktivitäten von hannoverimpuls ausgeleuchtet. Was tut hannoverimpuls noch?
Das stimmt, der Bereich Gründung und Start-ups ist ein wichtiger Bereich, man legt dort sozusagen die Wurzeln für ein gutes und gesundes Wachstum in der Stadt und sorgt nebenbei auch für eine gewisse Attraktivität des Standorts, aber wir tun noch eine Menge mehr. Wir betreiben drei Gründungszentren, das Unternehmerinnen-Zentrum, die Halle 96 für Kreativ-Schaffende und das Technologie Zentrum in Marienwerder. Ein großer Bereich ist darüber hinaus die Unterstützung und Förderung von Bestandsunternehmen. Da geht es zum Beispiel um Themenentwicklung. Wir analysieren, welche Themen Potenzial haben und sich zu Treibern in den Märkten entwickeln werden, wie z. B. KI und VR oder um Digitalisierungsprozesse. Dabei steht Information, Kommunikation und natürlich der Know-how-Transfer im Vordergrund. Wir schaffen Netzwerke, bilden Communities, um den Austausch zwischen Anbietern und Anwendern zu befördern. Und wir helfen den ansässigen Unternehmen darüber hinaus bei der Technologie- und Innovationsförderung durch die Identifizierung geeigneter Fördermittel, egal ob vom Land, Bund oder EU-weit. Wir beraten und begleiten durch die Antragsstellung. Wir haben hierbei vier sogenannte Handlungsfelder im Fokus: Digitale Wirtschaft und Produktionstechnik, Life Sciences und Medizintechnik, Energie und Mobilität, Kreativwirtschaft und Multimedia. Und last but not least ist auch die Internationalisierung ein ganz wichtiges Thema bei uns. Wir arbeiten hier ja nicht isoliert in einem regionalen Markt, viele hiesige Unternehmen sind sehr international aufgestellt und weltweit aktiv. Es geht darum, hannoversche Unternehmen auf ihrem Weg in internationale Märkte zu unterstützen. Aber es geht auch darum, internationalen Unternehmen den Standort Hannover schmackhaft zu machen. Da stehen wir natürlich in einem Wettbewerb mit anderen Städten.

Wie schafft man das?
Ein beliebter Weg sind Delegationsreisen. Und es funktioniert über diese wunderbare Plattform der Messen und Events. Glücklicherweise haben wir in Hannover mit der Deutschen Messe AG einen ganz starken internationalen Anbieter. Viele internationale Unternehmen kennen Hannover durch die Messen. Das ist ganz klar ein Standortvorteil. Das machen wir uns natürlich auch bei unseren internationalen Aktivitäten zunutze. Wir gehen dazu auch auf Messen ins Ausland und nehmen hannoversche Unternehmen mit. Aber all das ist im Zuge der Corona-Krise momentan eine Herausforderung, der Besuch internationaler Messen oder der Empfang von Delegationen fällt im Augenblick aus. Wir können einiges mit den bestehenden Kontakten über Webinare online weiter voranbringen, aber wir müssen zusätzlich sehr kreativ sein.

Dann kommen wir mal zu Corona. Wann ist das zum ersten Mal bei hannoverimpuls ein Thema gewesen und wie ging es weiter?
Corona war einfach plötzlich da. Man hatte das zuvor ja so ein bisschen am Rande mitbekommen, da gab es ein Problem in China, aber niemand hätte sich zu dem Zeitpunkt überhaupt vorstellen können, welche Auswirkungen das haben und welche Intensität das bekommen würde. Und dann war Corona von jetzt auf gleich sehr intensiv da. Wobei wir noch Glück hatten, denn wir hatten ja nie einen richtig harten und vollständigen Lockdown oder Shutdown in Deutschland. Zumindest nicht vergleichbar mit dem, was in Italien, Spanien oder Frankreich passiert ist. Trotzdem hat es unsere Wirtschaft natürlich hart getroffen.

Und dann kam Corona. Wie hat hannoverimpuls reagiert?
Unsere Marschrichtung war eigentlich sofort klar. Wir haben gesagt, wenn so eine Krise die Wirtschaft trifft, dann muss die Wirtschaftsförderung am Start sein. Wann, wenn nicht jetzt? Aber wie helfen? Wir haben ja hier keine Töpfe, um finanziell zu unterstützen. Also, was können wir tun? Sehr schnell kamen die Ankündigungen vom Bund und Land und auch der Stadt zu den verschiedenen Hilfen. Das war zunächst ein ziemliches Durcheinander. Wir haben uns dann auf unsere Stärke besonnen, und das ist die Beratung. Unser Ansatz war daher, die Unternehmen und Soloselbständigen ganz individuell zu beraten, ihnen zuzuhören und sie dort abzuholen, wo sie stehen. Was wird gebraucht? Eine Soforthilfe? Eine Beratung zur Kurzarbeit? Wir haben hier bei hannoverimpuls sehr viele MitarbeiterInnen, die tagtäglich beraten – die haben wir in einem Corona-Beratungsteam zusammengezogen. Alle haben sich in Rekordzeit einlesen müssen in die angekündigten und dann auch umgesetzten Förderprogramme. Wer fördert wen zu welchen Bedingungen, in welchem Umfang? Wie müssen die Förderanträge gestellt werden, was ist gefordert? Unter coronahilfe@hannoverimpuls.de konnten alle Unternehmen aus der Stadt und Region Hannover ihr Anliegen kurz vorbringen, mit dem Versprechen, uns zu jeder Mail innerhalb von 24 Stunden zurückzumelden.

Wie viele Unternehmen haben diese Hilfe bisher in Anspruch genommen?
Wir sprechen inzwischen von mehr als achthundert Unternehmen und über dreitausenddreihundert Gesprächen. Also achthundert Unternehmen, die wir betreut, gecoacht und beraten haben in mehr als dreitausend persönlichen Gesprächen. Ich denke, das ist für die Zeit von circa fünf Wochen ein ganz tolles Ergebnis. Ich bin unglaublich stolz auf das gesamte Team.

Wie ist das Feedback von der Unternehmerseite? Gibt es auch Kritik?
Bislang ist das Feedback unglaublich positiv. Natürlich, nicht jeder bedankt sich individuell, aber es haben sich sehr viele nochmal extra gemeldet, berichtet, dass eine Hilfe eingegangen ist auf dem Konto und dass das ohne die Beratung wahrscheinlich nicht so schnell und reibungslos gelaufen wäre. Es klingt jetzt vielleicht ein bisschen unglaublich, aber mir ist bisher nicht ein einziger Fall bekannt, bei dem gesagt wurde, dass wir falsch oder schlecht beraten haben.

Läuft diese Beratung noch immer?
Ja. Es ist natürlich abgeflaut inzwischen, anfangs gab es phasenweise 100 Anfragen am Tag und mehr. Das ist jetzt längst nicht mehr so, die meisten Soforthilfen sind ausgezahlt, vieles ist jetzt im Fluss. Aber zu Ende ist es natürlich nicht, wir bekommen weiter Anfragen und holen die eben genauso individuell ab, wie wir das von Anfang an gemacht haben.

Haben Sie einen Eindruck, wie momentan die Stimmung in der hannoverschen Wirtschaft ist?
Das ist sehr unterschiedlich und jeweils stark abhängig von der Branche. Manche Branchen sind nach wie vor sehr skeptisch, ich denke da an die Hotellerie und Gastronomie. Oder nehmen sie die Veranstaltungsbranche. Da ist die Stimmung zu recht sehr gedrückt, die wissen einfach, dass ihr Geschäftsmodell sicherlich bis Ende des Jahres nicht greift. Und denken Sie in diesem Zusammenhang nicht nur an die Veranstaltungs-Unternehmen, sondern auch an den Standbau, Agenturen oder DesignerInnen, die in der Veranstaltungsindustrie arbeiten. Diese ganze Veranstaltungsbranche hat es sehr hart getroffen und niemand weiß, wann es weitergeht. Und falls irgendwann demnächst größere Events wieder erlaubt sind, werden dann überhaupt Leute kommen? Aber es gibt auch Branchen, für die läuft es jetzt wieder an. Versuchen Sie mal einen Termin beim Friseur zu bekommen. Und es gibt Branchen, die sagen, wir waren bislang nicht davon betroffen in unserem Geschäftsmodel und wir werden das auch zukünftig nicht sein. Beim Handel müssen wir noch ein bisschen abwarten, die sind einigermaßen optimistisch gestartet, aber jetzt schon wieder eher skeptisch, weil die Leute noch verhalten und vorsichtig sind. Da gilt es, ein bisschen positive Stimmung für das Tragen der Maske zu fördern. Wir unterstützen darum auch die Aktion „Hannover trägt Maske“, mit den „Maskenbotschaftern“. Das hat sehr viel positive Resonanz. Man muss jetzt einfach mal um die Ecke denken und schauen, wie man Mut machen und unterstützen kann.

Was meinen Sie, werden wir in Hannover einigermaßen gut durch diese Krise kommen?
Ich glaube, dass wir in Deutschland insgesamt ganz gut da durchkommen, und damit kommen wir auch in Hannover ganz gut da durch. Für mich geht es jetzt darum, zu gucken, was wir für die tun können, die besonders betroffen sind, und wie wir insgesamt näher zusammenrücken können. Was ich in Hannover sehr schön finde, das ist zum Beispiel, dass sich momentan verschiedenste runde Tische bilden, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu helfen. Die schnelle Soforthilfe der Stadt hat ebenfalls unmittelbar helfen können.

Wenn wir jetzt mal einen Sprung in die Zukunft machen, in die Zeit nach Corona, was wünschen Sie sich als Geschäftsführerin von hannoverimpuls auf lange Sicht?
Ich bin mit dem Standort ja sehr verbunden, ich bin hier aufgewachsen, ich kenne und liebe die Stadt und schätze Hannover sehr. Ich weiß um die Qualitäten von Hannover, wir haben ein sehr solides Fundament – ich weiß aber sicherlich auch so ein bisschen um die Schwächen. Ein Herzenswunsch von mir ist, dass Hannover in den kommenden Jahren einen echten Leuchtturm entwickelt. Hannover hat ganz vieles, und auch in einer hohen Qualität, das ist wirklich gut. Aber Hannover hat kein Leuchtturm-Thema, für das die Stadt weltweit steht. Wir sind ja sehr gut in Bescheidenheit. Ich finde das auch sympathisch, aber wir denken vielleicht aus diesem Grund manchmal zu klein. Ich wünsche mir, dass wir ein Thema setzen, für das Hannover bundes- und weltweit steht. Einmal gemeinsam mit vielen Playern und Institutionen groß und mutig denken und umsetzen – das würde ich mir wirklich wünschen.  LAK

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Tonträger im Juni

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Tonträger im Juni


Those Damn Crows:
Point Of No Return
Nicht zu schnell weglegen: Das zweite Album der Waliser Rockband kommt auf den ersten Tracks etwas arg nickelbackig daher, aber sobald mit „Never Win“ die obligatorische Klavierballade durchgestanden ist, entwickeln sich die Songs in Richtung solider, guter und sehr gut produzierter Hausmannskost – musikalisch mit einer deutlichen Steigerung zum Schluss.

 

 

 

Das Moped: Erstaunlich Klar
Lupenreiner Synthie-Pop mit viel Uuh und Aah, gekonntem Falsettgesang und sympatisch selbstironischen Texten, damit stand das Trio in den Startlöchern zu ihrer Tour mit Wanda, Roy Bianco & Die Abbruzanti Boys und einem großen Festivalsommer, bevor das bunte Treiben jäh unterbrochen wurde. Ihr schillerndes Debütalbum ist bestechend, gnadenlos, witzig und tanzbar.

 

 

 

 

Rustin Man: Clockdust
Das zweite Soloalbum des ehemaligen Talk Talk-Bassisten Paul Webb ist der Überhang des letztjährigen „Drift Code”, ohne dessen Ausschussware zu sein. Es war bei den Aufnahmesessions einfach zu viel Material entstanden. Zeitlos verschroben und verträumt wandelt Webb auf den Pfaden eines jungen David Bowie und bedient sich dabei mysteriöser Instrumente wie Euphonium, Kokoriko oder Okónkolo.

 

 

 

 

Boston Manor: Glue
Wer die Band aus dem nordenglischen Blackpool aufgrund ihrer beiden Vorgängeralben unter Pop-Punk verortet, dürfte überrascht werden. Durchgehend wütend und stürmisch bis brachial, aber ohne Bombast geht es zu auf „Glue“, dessen Sound experimentierfreudig in Richtung Post-Punk und Metalcore frisiert ist, ohne roh zu klingen oder auch nur ein bisschen an Eingängigkeit einzubüßen.

 

 

 

 

Badly Drawn Boy:
Banana Skin Shoes
Schon der Einstieg ist wild und flockig-leichter Crossover-Jazz-Pop-Funk. Die Leichtigkeit zieht sich durch und man muss schon auf die Texte hören, um zu ahnen, dass die 10 Jahre Abstand zum Vorgängeralbum des Musikers aus Manchester keine lockere Auszeit, sondern eine Aneinanderreihung von Lebenskrisen war. Jetzt, das klingt von Song zu Song durch, ist alles wieder gut.

 

 

 

 

Caligula’s Horse: Rise Radiant
Das fünfte Album der Progressive-Metal-Band aus dem Australischen Brisbane, und der Name ist Programm. Immer wieder erheben sich strahlend die Hooklines von Frontmann und Sänger Jim Grey aus dem berauschenden, episch breiten Geprügel, das, angereichert mit feinster Gitarrenarbeit, im Spannungsfeld von technischer Härte und Melodiösität dazu einlädt, ganz tief abzutauchen.

 

 

 

 

Shantel & Cümbüş Cemaat: Istanbul
„Die wirklich spannenden Sounds kommen aus den geopolitschen Schnittstellen im Nahen Osten oder den Suburbs afrikanischer oder südamerikanischer Metropolen“, so Stefan Hantel aka Shantel 2015, als er mit „The Kiez Is Alright“ gerade an seinen „Disko Partizani“-Erfolg anknüpfen konnte. Sein neues Album, eine Kollaboration mit der türkischen Band Cümbüş Cemaat, ist eine Hommage an die Istanbuler Musikkultur. Man knöpfte sich ausgewählte türkische Songs aus dem riesigen Repertoire der Band vor und schuf einen musikalischen Kosmos aus anatolischer Psychedelica, Neo-Folk, Rembetiko, Dub und türkisch-arabesken Klängen. Im Zentrum der Produktion, für die Cümbüş Cemaat in Frankfurt zu Gast war, standen ein analoger Fender-Gitarrenverstärker aus dem Jahre 1966) und Ribbon-Mikrofone mit den passenden Röhrenverstärkern. Das 10 Tracks starke Ergebnis ist ein anregendes musikalisches Hybrid, ein Dialog der Popkulturen, und, ganz nebenbei, auch noch clubtauglich.

 

 

 

Einstürzende Neubauten: Alles in Allem
12 Jahre nach dem letzten regulären Studioalbum, zum 40-jährigen Bandjubiläum, liefern die Berliner Krachmacher ein eher ruhiges Album. Aber man lässt sie heutzutage auch kaum noch auf Schrottplätze, wie Blixa Bargeld beklagt, „aus Versicherungsgründen.“ Dabei greifen sie schon länger als alle anderen zur unabhängigen Finanzierung ihrer Projekte auf partizipative Modelle zu – lange bevor der Begriff Crowdfunding überhaupt existierte. Ist da in der Unterstützerszene denn kein mutiger Schrottplatzbesitzer? Die Band wusste sich auch so zu helfen, fand andere Materialien und reiht 10 Aufnahmen aneinander, thematisch dem heutigen und erinnerten Berlin gewidmet. Freie Assoziationen lieferten einen großen Teil der verstörenden bis lyrischen, und manchmal auch lustigen Texte. Musikalisch überraschend ist der Schunkelsong „Am Landwehrkanal“, doch auch hier lauert Düsternis unter der Oberfläche.
Annika Bachem

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Neu in der Stadt im Juni

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 Ron & Rogers
Crêpes und Croques – darauf haben sich Ronald Oseland & Roger Kasten-Prinz spezialisiert. In ihrem gemeinsamen Restaurant „Ron & Rogers“, das Ende Februar am E-Damm seine Pforten geöffnet hat, werden diese beiden Highlights aus der französischen Küche serviert. Die Crêpes sind wahlweise deftig (mit Zwiebeln, Crème fraîche und Speck) oder süß (mit Birne, Honig und Walnüssen) zu genießen, die Croques gibt es in verschiedenen Variationen, beispielsweise in der Grundversion „Monsieur“ mit Käse, Salat und Kochschinken gefüllt. Darüber hinaus sind aber auch diverse Pizzen im Angebot, vom Klassiker Margeritha bis hin zu einer Spezialzubereitung mit Birne, Ziegenfrischkäse und Honig, dazu eine Auswahl an Erfrischungs- und Feierabendgetränken. Da momentan nur durchs Fenster verkauft werden kann, gibt es eine leicht veränderte 2GO-Speisekarte, die Bezahlung läuft über eine Geldschale (nur in bar). Engelbosteler Damm 34, 30167 Hannover, Tel. (0511) 70 10 10 7, Öffnungszeiten: aktuell Mo–Sa 14–21 Uhr, So 14–20 Uhr, www.ron-rogers.de oder bistro_ronandrogers auf Instagram.

 

 Kochschule minzblatt liefert Kochboxen
Wenn man aktuell schon nicht in fremde Länder fahren kann, wie wäre es dann zumindest mit einer kulinarischen Reise? Damit die auch in der heimischen Küche problemlos gelingt, hat sich das Ehepaar Sarah und Nils Röder von der Kochschule minzblatt etwas Besonderes einfallen lassen: Jeden Freitag liefern sie auf Bestellung Kochboxen, die ein oder zwei Rezepte aus ihrem aktuellen Kochkursangebot sowie alle dafür nötigen Zutaten beinhalten – inklusive Ölen, Salz und sämtlichen Gewürzen. Dabei kostet das Set für eine Person 20 Euro, für jede weitere 15 Euro zusätzlich. Die Pakete können bis zwei Tage vor dem wöchentlichen Liefertermin auf der Website gebucht werden. Danach kann man die Box entweder direkt in der Kochschule abholen oder das minzblatt-Team bringt sie einem persönlich nach Hause. Die ersten Boxen, die am 17. April verteilt wurden, widmeten sich der Peruanischen Küche und lieferte die Zutaten und Zubereitungsanweisungen für „Papa a la Huancaína“, einer kalten Vorspeise aus Kartoffeln mit Eier-Chili-Creme sowie das Hauptgericht „Ají de Gallina“, also Hühnergeschnetzeltes mit einer Sauce aus Ají-Schoten. Mit den Kochboxen möchten die Röders experimentierfreudigen Hobbyköchen die Möglichkeit geben, sich auszutoben und exotische Speisen auszuprobieren, bis der normale Betrieb der Kochschule und der Fingerfood Catering Service wieder aufgenommen werden können. Davenstedter Straße 60, 30453 Hannover, Tel. 0178 33 83 496, www.minzblatt-catering.de.

 

 1001 Creationen
Egal ob Hochzeiten, Jubiläumsfeiern oder Geburtstage – Ballons gehören einfach dazu. Seit gut zehn Jahren ist „1001 Creation“ im Langenhagener CCL die Adresse für ausgefallene und elegante Ballonkreationen, im März hat Inhaberin Farnoosh Rafiei nun eine zweite Filiale in der Kröpcke Passage eröffnet. Vom kleinen Heliumballon über kunstvolle Ballonskulpturen und Girlanden bis hin zu luftigen Schriftzügen bieten sie und ihr Team hier die passende Deko für jeden Anlass, entwickeln aber auch einzigartige neue Designs nach den Wünschen ihrer KundInnen. Darüber hinaus gibt es in dem stilvoll eingerichteten Laden jede Menge anderer Deko-Ideen zu entdecken, zum Beispiel Wohnaccessoires von den Firmen Casablanca, Gilde, Räder, Art Deco, Sompex, Comulder und Eulenschnitt, außerdem Duftkerzen und raumerfrischende Elemente der Marken Yankee Candle, WoodWick, Millefiori und Wortlicht. Auch auf der Suche nach Geschenken wird man hier leicht fündig – neben witzigen Figuren und edlen Geschenkkarten stehen auch verschiedene originelle Verpackungsideen für Geldgeschenke zur Auswahl. Rathenaustr. 13/14 (Kröpcke-Passage), 30159 Hannover, Tel. (0511) 98 42 92 13, Öffnungszeiten: Mo–Sa 10–18 Uhr, www.1001creationen.de.

 

Foto-C.JahnBellou Café
Hochwertige Arabica Bohnen, die in traditionellen Trommelröstern bei niedriger Temperatur geröstet werden: Im Bellou Café hat Qualität einen hohen Stellenwert, ebenso eine größtmögliche Transparenz in allen Phasen der Herstellung. Gesammelt werden die Kaffeebohnen in Costa Rica, wo sie im Hochland zwischen 1.000 und 1.800 Metern Höhe von Hand geerntet werden. In Wien erfolgt dann das Rösten und die Veredelung im schonenden Langzeitröstverfahren, bevor sie schließlich nach Hannover und in das Bellou Café von Vasiliki Tzontas verschickt werden, wo die single Origins nach spezieller Rezeptur gemischt und zu der individuellen Espresso House Blend verarbeitet werden. Neben verschiedenen Kaffeekreationen, die zum Beispiel mit Vanille, Salted Caramel oder Haselnusssirup verfeinert werden können, gibt es außerdem einige Tees, Belgische Hot Chocolate sowie hausgemachte Limonaden und Säfte zu genießen. Abgerundet wird das Angebot durch eine kleine, aber feine Auswahl an Speisen, nämliche diverse Salate und Sauerteigstullen, außerdem verschiedene Granola- und Porridge-Mischungen. Aktuell werden die Produkte nur „to go“ für den Verzehr außer Haus verkauft, darunter belegte Brote und Brötchen (auch vegetarisch), verschiedene Joghurtsorten, eine Kuchenauswahl sowie Salate. Luisenstr.12 (Kröpcke-Passage), 30159 Hannover, Tel. (0511) 33 6 33 44 7, Öffnungszeiten: Mo–Fr·8–18 Uhr, Sa 9.30–18 Uhr, www.belloucoffee.com

Foto-C.Jahn

 

 aelling
„Entchen“ bedeutet der Name, den sich Isabel Lardin Diez und Rasmus Christoffersen für ihren im November 2019 eröffneten Essens-Stand in der Markthalle ausgesucht haben. Es ist eine Anspielung auf das Märchen von Hans Christian Andersen, einem der bekanntesten Schriftsteller Dänemarks. Und mindestens genauso typisch dänisch ist auch das Angebot auf aellings Speisekarte. Das umfasst vor allem viele Variationen von Smørrebrød, einer in Dänemark sehr beliebten Mittagsmahlzeit, bei der auf einer Scheibe Vollkorn-Roggenbrot kunstvolle Kombinationen aus saisonalem Gemüse, Fisch, Fleisch, Meeresfrüchten oder Ei getürmt werden. Begleitend dazu gibt es eine Auswahl von Salaten, die von deftig (Heringsfilet mit Currycreme) bis süß (Rosinen und karamellisierte Haselnüsse) reichen. Ein besonderes Highlight bilden die kräftigenden Frühstücksgerichte, zum Beispiel Bananenbrot mit Erdnussbutter oder Naturjoghurt mit hausgemachtem Granola, und auch fürs Feierabend-Bierchen gibt es eine kernige Snackauswahl aus Roggenbrotchips und dänischen Tapas. Viele der Angebote kann man auch für kleine und größere Events im Catering ordern, außerdem gibt es auf der Website von aelling die Möglichkeit zur Vorbestellung von Speisen, die dann zur gewünschten Uhrzeit vor Ort abgeholt werden können – oder aber man isst sie direkt in der stimmungsvoll eingerichteten Nische, die die beiden ehemaligen Innenarchitekten Isabel und Rasmus liebevoll gestaltet haben. Um aktuell lange Wartezeiten zu verhindern, empfiehlt es sich, vorher anzurufen oder eine E-Mail-Reservierung vorzunehmen. Markthalle Stand Nr. 11, Karmarschstraße 49, 30159 Hannover, Tel. (0511) 56 97 24 62, Öffnungszeiten: Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 9–16 Uhr, www.aelling.de, E-Mail: hallo@aelling.de.

 

Gräf-In-Design
Endlich hat man sein Traumkleid gefunden, das man bei seiner Hochzeit oder einem großen Galaabend tragen möchte – nur leider zwickt es ein wenig an den Schultern und ist um die Hüften etwas zu üppig. Kein Problem für Oksana Graf, die seit März in der Kröpcke-Passage individuelle Änderungswünsche erfüllt! Die gelernte Damenschneiderin und Modedesignerin bietet zusammen mit ihrem Team von „Gräf-In-Design“ Anpassungen von Braut- und Abendkleidern an sowie persönliche Beratungen in Sachen Stil und Passform. In gemütlicher Atmosphäre werden bei dem ersten Termin Änderungen abgesteckt und mögliche Verbesserungen besprochen, um ein Kleidungsstück zu konzipieren, in dem die Trägerin sich rundum wohlfühlt. Anschließend wird bei der zweiten Anprobe drei bis vier Wochen später noch der letzte Feinschliff vorgenommen. Bei simplen Änderungen kann auch kurzfristig der Schnelldienst in Anspruch genommen werden, sodass Anpassungen bis 24 Stunden vor dem Fest möglich sind. Zusätzlich zu der Änderungsschneiderei wird auch ein Bügelservice angeboten: Anzüge, Kostüme und Kleider werden schonend zu dem abgesprochenen Termin geglättet und können direkt wieder mitgenommen werden. Ab sofort können wieder per Telefon, WhatsApp oder E-Mail individuelle Beratungstermine vereinbart werden. Kröpcke-Passage 9/11, 30159 Hannover, Tel. (0511) 105 35 873, Öffnungszeiten: Di–Fr 9.30–17.30 Uhr, Sa 10–13 Uhr, www.graf-in-design.de.

 

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Wege zum neuen Normal

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Wege zum neuen Normal


Jetzt ist es in den letzten Tagen sehr schnell gegangen, überall Öffnungen, überall sucht man Wege zurück zur Normalität – und genau in dieser Phase, so mein Eindruck, haben unsere Politikerinnen und Politiker ihre größte Bewährungsprobe noch vor sich. Es geht jetzt darum, vernünftig und maßvoll zu bleiben, es geht darum, der Wissenschaft weiter eine gewichtige Stimme zu geben und nicht populistisch zu überdrehen, es geht darum, der Versuchung zu widerstehen, uns allen die falschen Geschenke zu machen.
Dass sich viele so schnell wie möglich ihr altes Leben zurückwünschen, ist nur zu verständlich. Wir werden aber, und das ist leider die Realität, unser altes Leben nicht zurückbekommen, ehe es nicht einen wirksamen Impfschutz gibt. Und auch dann wird es noch eine ganze Weile dauern, bis sich die Welt von dieser Pandemie erholt hat. Wobei wir auch nicht ausklammern dürfen, dass wir hier in Deutschland über eine ganz besondere „Normalität“ sprechen, dass sehr viele Menschen auf dieser Welt unsere Normalität als Paradies bezeichnen würden. Da warten noch jede Menge Aufgaben auf die „Weltgemeinschaft“, alles was vor der Pandemie schlecht und fraglich war, wird auch danach schlecht und fraglich sein. Und vielleicht sogar noch schlechter und fraglicher, denn der Schatten der Pandemie wird momentan durchaus genutzt, um Fakten zu schaffen. Und wenn hier Weltgemeinschaft in Anführungsstrichen gesetzt ist, dann müssten diese Anführungsstriche eigentlich fetter als fett gedruckt sein. Wir haben nicht mal eine echte europäische Gemeinschaft, wo soll also eine Weltgemeinschaft herkommen, mit Putin, Trump und Xi Jinping, mit Bolsonaro und Erdoğan? Dass es nach der Pandemie eine Zeit der Besinnung, der Solidarität und Vernunft geben wird, das ist wohl nur ein schöner Traum.
Aber es ist ohnehin viel zu früh, jetzt darauf hinzuweisen, auf all die anderen Probleme. Solche Hinweise verklingen im Getöse der Pandemie momentan ungehört. Und das ist ja auch gar kein Wunder. Denn entgegen der Meinung vieler Spinner (von denen ich einige hier eben namentlich erwähnt habe), die Corona scheinbar eher für einen schlechten Witz halten, ist doch völlig klar, dass wir es mit einer gefährlichen und häufig tödlichen Krankheit zu tun haben. Auch wenn sich nun regelmäßig ein paar Irre versammeln, um das Gegenteil zu behaupten. Irre, die sich in kürzester Zeit mittels der Internetlektüre von „Fachartikeln“ zu Virologen gemacht haben. Ich verstehe momentan nicht wirklich das mediale Getöse um diese absurden Gestalten. Wir sprechen von einer verschwindend geringen Zahl von solchen Skeptikern, sie nehmen dennoch ungeheuer viel Platz ein. Muss das sein? Kann man die Spinner jetzt nicht mal eine Weile ausklammern und sich aufs Wesentliche konzentrieren? Können wir nicht mal alle gemeinsam klug und vernünftig sein?
Stattdessen wird diskutiert, zum Beispiel darüber, dass auch die Wissenschaftler unterschiedlicher Meinung sind – womit andere Meinungen dann ja wohl erlaubt sein dürften. Ernsthaft? Da stehen fünf Chirurgen am OP-Tisch und operieren am offenen Herzen, und dann kommt ein selbsternannter Chirurg hinzu und bezweifelt, dass ein Skalpell Fleisch schneidet und ganz grundsätzlich, dass Menschen ein Herz haben. Wie reagieren in so einem Fall die fünf Chirurgen? Richtig, sie setzen den Spinner schleunigst vor die Tür und erledigen ihre Arbeit. Wir aber machen den Spinnern die Türen weit auf. Wir geben ihnen Platz und Stimme. Warum?
Natürlich diskutieren Wissenschaftler und natürlich interpretieren sie die Ergebnisse ihrer Forschungen unterschiedlich und ziehen ihre Schlüsse. Aber all das auf einer gemeinsamen Basis, auf einem Fundament aus gesicherten Erkenntnissen. Genau das, genau dieser Prozess der Erkenntnisgewinnung in der Wissenschaft, lässt uns heute auf dem Computer Texte schreiben, mit dem Flugzeug fliegen und nicht mehr Mitte 30 sterben. Wir sollten in dieser Zeit unbedingt auf die (echten) Wissenschaftler hören.
Zuletzt noch schnell ein paar Worte zu dieser Ausgabe. Auch wir fahren ganz allmählich wieder hoch, mit ein paar Seiten Kultur. Was geht wieder? Wir haben ein bisschen Licht versammelt. Und dazu gibt es in dieser Ausgabe wieder jede Menge Lektüre für die noch andauernde Zwangspause. Wollen wir hoffen, dass diese Pause nun bald vorbei ist und uns keine zweite Lockdown-Runde ins Haus steht. Das liegt nicht zuletzt auch an uns selbst. Bitte gesund und vorsichtig bleiben!

Lars Kompa
Herausgeber Stadtkind

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Ein offener Brief an Björn Höcke

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Ein offener Brief an Björn Höcke


Lieber Björn, es ist nun höchste Zeit! Schluss mit dem Versteckspiel! Mach dich selbstständig, lass die AfD mitsamt den Weichspülern Meuthen und von Storch ziehen, nutze die Gunst der Stunde und Gründe deine neue, deine eigene Partei, die dir auf den Leib geschneidert ist. Sie werden dir nachfolgen, die Aufrechten, zuerst natürlich der Andreas Kalbitz, dazu Hans-Thomas Tillschneider und Tino Chrupalla, dann Stephan Brandner und Stephan Protschka. Und schließlich irgendwann, mit einem entsprechend großen bundespolitischen Knall, Alice Weidel und Alexander Gauland. Und ja, vielleicht hat auch der Kemmerich Lust auf einen Neuanfang – den richtigen Haarschnitt würde er ja schon mitbringen.
Du hättest bestimmt ganz schnell eine schlagkräftige Truppe hinter dir versammelt, gerade jetzt, in diesen Krisenzeiten. Es riecht doch schon überall nach Umbruch, nach Zeitenwende, die Unzufriedenheit wächst. Warte noch ein Weilchen, dann sind 10 oder 15 Prozent der Deutschen arbeits- und ein weitaus größerer Teil orientierungslos. Dann zittern alle, weil niemand mehr die Zukunft kennt.
Und sie werden sich jemanden wünschen, der voran geht, der die Richtung vorgibt, der führt. Dann holst du bei den ersten Wahlen mit deiner neuen Partei sagen wir 18,3 Prozent, aber schon knapp zwei Jahre später gibt es Neuwahlen, weil es gar nicht mehr läuft in Deutschland, und du holst mehr als das Doppelte, also irgendwas Richtung sagen wir 37,4 Prozent. Weswegen sich natürlich alle total aufregen und mobilisieren, was noch übrig ist, und im gleichen Jahr Neuwahlen veranstalten, bei denen du dann total „abgestraft“ wirst und „nur noch“ sagen wir 33,1 Prozent holst. Um dann ein paar Monate später bei den nächsten Neuwahlen alle endgültig abzuhängen mit sagen wir 43,9 Prozent. Und dann werden wir mal sehen, wer in Deutschland wem nicht die Hand schüttelt.
Noch ist das Zukunftsmusik, lieber Björn. Und du darfst jetzt nicht zu ungeduldig sein und zu schnell alles wollen. Du musst das jetzt gut und klug vorbereiten. Zuerst wäre mal ein Maskottchen gut, das wirkt immer sympathisch. Vielleicht schaffst du dir einfach einen Hund an, ein Schäferhund ist ein treuer Gefährte und symbolisiert nebenbei auch eine gewisse Stärke. Und dann braucht deine Partei natürlich eine Corporate Identity. Es braucht Farben und Symbole. Bei den Farben haben die anderen leider schon fast alles besetzt, schwarz, rot, grün, gelb, blau, alles schon ideologisch beschmutzt. Warte, wie wäre es mit braun? Braun ist doch cool, braune Uniformen, dazu schöne schwarze Stiefel und vielleicht so ein Ordnerbändchen mit irgendeinem Logo. Vielleicht liefert das Alt-Indische ein paar Ideen, da haben schon ganz andere abgeschrieben, da musst du mal ein bisschen blättern und dich inspirieren lassen.
Ein paar Medien musst du natürlich auch noch für dich instrumentalisieren. Social Media ist heutzutage ja ganz wichtig, da musst du auf allen Kanälen mitspielen. Aber sei dazu trotzdem traditionell, das schafft vertrauen. Vielleicht gründest du einfach eine eigene Zeitung, am besten eine Wochenzeitung. In der könntest du dann deine Ideen ein bisschen epischer erklären. Wie könnte man so ein Blatt nennen? Vielleicht „Verteidiger“, das wäre eine Variante, oder „Libero“, wobei der klassische Libero ja eher ausgedient hat. Und „Viererkette“ ist ja Blödsinn. Ist aber eventuell auch alles zu defensiv gedacht. Vielleicht braucht es eher einen Namen, der ganz nach vorne geht. Wer schießt die Tore? Da kannst du ja nochmal selbst überlegen. Und dann braucht es last but not least noch einen Namen für deine neue Partei. Wie wäre es mit NSDAP (Neue Sinnfrei Dummschwätzende Asoziale Populisten). GAH

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