Tag Archive | "2020-12"

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Solidarität


Das war ein gebrauchtes Jahr. Und wir können alle nur hoffen, dass sich 2021 möglichst schnell ein bisschen Licht am Ende des Tunnels zeigen wird. Das jedenfalls ist unsere große Hoffnung. Noch ein bisschen Geduld, ein bisschen Disziplin, dann ist diese Pandemie in ein paar Monaten vielleicht endlich besiegt. Wir sollten jetzt nicht aufgeben, sondern verantwortungsvoll bleiben und nach vorne schauen. Aber wir sollten uns auch die vergangenen Monate sehr kritisch ansehen und darüber nachdenken, welche Lehren wir aus dieser Krise ziehen können und müssen.

Für uns ist dabei eine Lehre ganz zentral: Wir müssen als Gesellschaft zusammenbleiben und solidarisch miteinander umgehen. Alles andere, dieses Gegen-
einander, diese Suche nach Schuldigen, die angespitzten Ellenbogen, die anklagenden Zeigefinger, das alles spaltet, das alles wirkt letztlich nicht konstruktiv, sondern destruktiv. Das schwächt unsere Gesellschaft. Und in einer geschwächten Gesellschaft geht es vor allem jenen schlecht, die es ohnehin schon nicht so leicht haben. Es trifft dann die ärmeren Menschen besonders hart, es trifft die an den Rändern unserer Gesellschaft, beispielsweise die Obdachlosen, die auf unsere Solidarität dringend angewiesen sind. Es trifft darüber hinaus aber auch viele Kinder. Und das geht nicht!

Bei allen teils berechtigten Fragen und vielleicht auch Einwänden zum Umgang mit Corona, mit den Strategien der Politik, den Maßnahmen, die für sehr viele schmerzhaft waren und sind, wir dürfen uns trotzdem nicht spalten lassen. Wir dürfen unterschiedlicher Meinung sein, klar, aber wir müssen trotzdem weiter miteinander reden, einander zuhören. Das ist unsere verbindende Verabredung. Leider haben sich Teile der Gesellschaft von dieser Verabredung inzwischen verabschiedet. Man hört in diesen Kreisen nicht mehr zu, man ignoriert alle Andersdenkenden, man schottet sich ab, man schreit den „Feind“ lieber nieder als einander zuzuhören, als sich gegenseitig eine Chance zu geben. Diesen Menschen kann man wahrscheinlich nicht mehr helfen, gegen Irrsinn ist einfach kein Kraut gewachsen. Wir sollten sie vielleicht einfach ignorieren und sie auf ihren Platz verweisen – gesamtgesellschaftlich spielen sie keine Rolle. Also geben wir ihnen auch keine Rolle und schon gar keine Hauptrolle. Konzentrieren wir uns lieber auf das, was wir haben. Und was wir haben, auch das hat Corona gezeigt, ist schon gar nicht so schlecht. Immerhin gibt es bei uns eine Krankenversicherung, immerhin haben wir noch ein paar sozialstaatliche Instrumente. Sie helfen uns momentan sehr. Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass wir glimpflich davonkommen in Deutschland.

Viel Spaß und schöne, gesunde Weihnachten!

Eure Stadtkinder*

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Gerhard Weber: „Hunde bitte an die Leine zu führen“

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Gerhard Weber: „Hunde bitte an die Leine zu führen“


Immer noch hält sich hartnäckig das Gerücht von Hannovers Farblosigkeit. Als „Stadt ohne Eigenschaften“ verschrien gehört es zum Repertoire einfallsloser Komiker*innen, sich immer wieder in solchen Klischees über die niedersächsische Landeshauptstadt zu ergehen – und dabei vielleicht noch die eine oder andere Berühmtheit zu streifen, die zwar aus Hannover stammt, aber doch nichts an seinem blassen, langweiligen Image ändern könne. Solchen halbinformierten Vorverurteilungen hat Gerhard Weber den Kampf angesagt. In seinem launigen Stadtführer „Hunde bitte an die Leine zu führen“ lädt er seine Leser*innen zu interessanten Spaziergängen ein, auf denen wichtige Persönlichkeiten, literarische und architektonische Perlen sowie Hannovers wechselhafte Geschichte quasi im Vorbeigehen beleuchtet werden. Humorvoll, informativ und voller überraschender Details ist der schmale Band der perfekte Begleiter auf Streifzügen durch die Landeshauptstadt. Nun liegt er bereits in zweiter Auflage vor.
„Gutes Hochdeutsch, schlechtes Wetter“ – so lautete die Kurzanalyse eines Bekannten, als Gerhard Weber ihn fragte, wie er Hannover beschreiben würde. Andere verbanden mit der Stadt den Maschsee, Hannover 96 und die Scorpions, vielleicht noch Leibniz, Lessing und Lena, aber damit hatte es sich dann auch. Entsprechend stieß Webers Ankündigung, ein Buch über die Kultur und Geschichte dieser Stadt schreiben zu wollen, auf Verwunderung, doch damit hatte der gebürtige Hannoveraner bereits gerechnet. Umso genussvoller widerlegt er nun alle Skeptiker*innen mit seinem Stadtführer, der Spaziergänge entlang von bekannten und weniger bekannten Sehenswürdigkeiten in verschiedenen Stadtteilen vorschlägt.
Insgesamt sieben Routen schildert Weber, beginnend im Maschsee-Viertel und endend in Linden, die alle leicht zu Fuß abgelaufen werden können – wobei immer wieder auf Sitzgelegenheiten und empfehlenswerte Gastronomien hingewiesen wird, wenn längere Leseabschnitte bevorstehen. In diesen werden zum Beispiel wichtige Ereignisse aus Hannovers Geschichte zusammengefasst oder Biografien berühmter Persönlichkeiten angerissen, und das in einem lockeren, ansprechenden Erzählton, den man während seiner Tour immer im Ohr behält. Aber auch andere Stadtkinder kommen zu Wort, wenn etwa aus berühmten Texten von Kurt Schwitters, Karl Krolow, Frank Wedekind oder August Wilhelm Iffland zitiert wird. Daneben finden immer wieder auch weniger bekannte Personen mit dem Geburts- bzw. Wirkungsort Hannover wie etwa die Flugpionierin Elly Beinhart, der Königliche Hofkapellmeister Heinrich Marschner oder auch Rudolf Erich Raspe, Ur-Autor der „Wundersamen Abenteuer des Barons von Münchhausen“, ausführliche Erwähnung. Angereichert wird diese Wundertüte an lesenswerten Fakten durch die eine oder andere persönliche Anekdote Webers, der mit Hannover beruflich und privat viele prägende Erlebnisse verbindet.
Diese Wertschätzung entstand aber erst im Laufe der Jahre. 1950 eben hier geboren, ergriff Weber frisch nach dem Abitur erst einmal die Flucht und ging 1970 nach Wien, um dort das Studium der Regie am Max-Reinhardt-Seminar aufzunehmen. 1974 folgte er dem Ruf des Schauspieldirektors Claus Peymann an das Staatstheater Stuttgart. Danach arbeitete er als Gastregisseur an einer Vielzahl von Staats- und Stadttheatern in Österreich und Deutschland. Von 1991 bis 1998 war er als Oberspielleiter am Staatstheater Saarbrücken. Doch schließlich führte es ihn zurück in seine Heimatstadt, da er 1998 an der Landesbühne Hannover seine erste Intendanz antrat. Anschließend leitete er das Stadttheater Trier, bevor er 2015 endgültig nach Hannover zurückkehrte, wo er heute gemeinsam mit der Schauspielerin Julia Goehrmann die Musical-Factory leitet. Wieder vor Ort fand er die Muße, aber auch den Drang, das Hannover-Bild seiner Mitmenschen geradezurücken und schrieb deshalb „Hunde bitte an die Leine zu führen“. Ein Stadtführer, der viele überraschende Erkenntnisse bereithält – selbst für eingefleischte Hannoveraner*innen!● Anja Dolatta

„Hunde bitte an die Leine zu führen“
Unterhaltsame Spaziergänge durch Hannovers Kultur und Geschichte
von Gerhard Weber
J. G. Seume Verlag
ISBN 13-978-3-9814045-9-3
200 Seiten
16,90 Euro

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Solidarität

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Das war ein gebrauchtes Jahr. Und wir können alle nur hoffen, dass sich 2021 möglichst schnell ein bisschen Licht am Ende des Tunnels zeigen wird. Das jedenfalls ist unsere große Hoffnung. Noch ein bisschen Geduld, ein bisschen Disziplin, dann ist diese Pandemie in ein paar Monaten vielleicht endlich besiegt. Wir sollten jetzt nicht aufgeben, sondern verantwortungsvoll bleiben und nach vorne schauen. Aber wir sollten uns auch die vergangenen Monate sehr kritisch ansehen und darüber nachdenken, welche Lehren wir aus dieser Krise ziehen können und müssen.

Für uns ist dabei eine Lehre ganz zentral: Wir müssen als Gesellschaft zusammenbleiben und solidarisch miteinander umgehen. Alles andere, dieses Gegen-
einander, diese Suche nach Schuldigen, die angespitzten Ellenbogen, die anklagenden Zeigefinger, das alles spaltet, das alles wirkt letztlich nicht konstruktiv, sondern destruktiv. Das schwächt unsere Gesellschaft. Und in einer geschwächten Gesellschaft geht es vor allem jenen schlecht, die es ohnehin schon nicht so leicht haben. Es trifft dann die ärmeren Menschen besonders hart, es trifft die an den Rändern unserer Gesellschaft, beispielsweise die Obdachlosen, die auf unsere Solidarität dringend angewiesen sind. Es trifft darüber hinaus aber auch viele Kinder. Und das geht nicht!

Bei allen teils berechtigten Fragen und vielleicht auch Einwänden zum Umgang mit Corona, mit den Strategien der Politik, den Maßnahmen, die für sehr viele schmerzhaft waren und sind, wir dürfen uns trotzdem nicht spalten lassen. Wir dürfen unterschiedlicher Meinung sein, klar, aber wir müssen trotzdem weiter miteinander reden, einander zuhören. Das ist unsere verbindende Verabredung. Leider haben sich Teile der Gesellschaft von dieser Verabredung inzwischen verabschiedet. Man hört in diesen Kreisen nicht mehr zu, man ignoriert alle Andersdenkenden, man schottet sich ab, man schreit den „Feind“ lieber nieder als einander zuzuhören, als sich gegenseitig eine Chance zu geben. Diesen Menschen kann man wahrscheinlich nicht mehr helfen, gegen Irrsinn ist einfach kein Kraut gewachsen. Wir sollten sie vielleicht einfach ignorieren und sie auf ihren Platz verweisen – gesamtgesellschaftlich spielen sie keine Rolle. Also geben wir ihnen auch keine Rolle und schon gar keine Hauptrolle. Konzentrieren wir uns lieber auf das, was wir haben. Und was wir haben, auch das hat Corona gezeigt, ist schon gar nicht so schlecht. Immerhin gibt es bei uns eine Krankenversicherung, immerhin haben wir noch ein paar sozialstaatliche Instrumente. Sie helfen uns momentan sehr. Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass wir glimpflich davonkommen in Deutschland.

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25 music


Bereits seit 1987 existierte 25music an der Lister Meile in Hannover. Der Plattenladen mit Kultpotential ist dann im Jahr 2018 in seine jetzigen Räume im Hinterhof der Kronenstraße umgezogen, wo sich seitdem das Paradies für begeisterte Plattensammler auftut: Auf über 450 Quadratmetern erstreckt sich in einer hell erleuchteten Halle mit neongelben Wänden und raumtrennenden Elementen im Backstein-Look eine riesige Sammlung an neuen und gebrauchten Vinylplatten, CDs, DVDs und Blurays.
Für die hinteren Geschäftsräume, die nicht Teil der Sanierung wurden, konnte Geschäftsführer Ralph Bochmann 2018 einen langfristigen Mietvertrag unterschreiben, es entfiel nur der vordere Geschäftsbereich mit der Ladenzeile zur Lister Meile. Obwohl sich die Ladenfläche von 650m² auf 450m² reduziert hat, gab es keine allzu große Auswirkungen auf die Auswahl. Bei 25music ist nach wie vor wirklich für jeden Musikfan etwas dabei: Die umfangreiche Auswahl umfasst die Genres Rock, Pop, Hip-Hop, Funk, Soul, Groove, Reggae, Punk, Independent, Metal, Alternative, Folk, Country und Blues. Und falls die begehrte Scheibe gerade nicht vor Ort erhältlich ist, bieten Ralph  und sein Team die Möglichkeit, sie zu bestellen. Doch nicht nur der Verkauf zählt zum Angebot des Plattengeschäfts, auch ein Plattenwaschservice ist für 2 Euro pro LP zu haben und Tickets für Livekonzerte gibt es ebenfalls zu erstehen (sofern Konzerte stattfinden dürfen). Darüber hinaus lockt 25music natürlich Musikmenschen in den Laden, weil hier LPs, CDs, Blurays oder ganze Sammlungen angekauft werden.
Es bleibt zu hoffen, dass auch die meist kostenlosen, akustischen Live-Konzerte im Laden in absehbarer Zukunft wieder anlaufen können. Szene-Größen wie Terry Hoax, GURR, Anti-Flag oder Frank Turner durften die Verkaufshallen von 25music in der Vergangenheit bereits beschallen und auf musikalischem Wege Werbung für beide Seiten – die Band und den Laden – machen. Mit Instore-Gigs von Singer-Songwritern aus aller Herren Länder, bekannten Größen aus den Charts oder der hiesigen Musikszene wird die Lust auf (neue) Musik und die Neugier auf die Musik-Spektrum des Plattenladens angefacht, in dem regelmäßig eine Platte des Monats gekürt wird. Bei den sogenannten „Special Offers“ kann der Kunde nicht nur CDs oder LPs, sondern auch hin und wieder andere Produkte (im November waren es beispielsweise einzigartige Spielkarten) ergattern.
Ein regelrechtes Highlight ist der Record Store Day, an dem weltweit über 3.000 andere Plattenläden teilnehmen. Dieser besondere Tag findet einmal im Jahr, meist im April, statt. Auch bei 25music gibt es für diesen Tag ganz speziell limitierte und hochwertige LP-Pressungen, die nicht nur das Sammlerherz erfreuen. Sämtliche RSD-Veröffentlichungen werden ausschließlich zum Verkauf bei unabhängigen Plattenläden hergestellt. Auch dieses Jahr wollten die Veranstalter des weltweiten RSD nicht auf die Veranstaltung verzichten und haben den Record Store Day auf drei Tage, im August, September und Oktober aufgeteilt, um den Andrang zu entzerren und die üblicherweise entstehende lange Schlange vor dem Geschäft zu vermeiden.
Für diejenigen, die wegen der momentanen Lage lieber zu Hause bleiben möchten (oder für den nächsten Lockdown), bietet 25music eine moderne und bequeme Lösung: Unter www.25-music.de kann sich der Kunde ganz transparent über die aktuellen Angebote informieren, die bereits mit Preisen versehen sind, auch bei www.discogs.com ist der Plattenladen vertreten und lädt zum Durchstöbern seines Sortiments ein. Zudem ist eine Top-Ten-Liste einsehbar, die verschiedene musikalische Favoriten und Empfehlungen nummeriert auflistet und die monatlich aktualisiert wird – perfekt für alle, die sich gerne etwas Inspiration holen möchten. Um auch lokal auf dem neusten Stand zu sein, kann man sich unter der Kategorie „Hannover“ über heimische Musikneuheiten informieren, passend zum Hashtag supportyourlocals lässt sich das „25music Shirt“ über den Webshop ordern. Das gesamte Sortiment lässt sich auch weiterhin nur in der Kronenstraße selbst entdecken – wo man die liebevoll gestalteten Schallplatten mit ihren schönen und kunstvollen Artworks und die Fülle des Sortiments bewundern kann. Das motivierte und bestens informierte Team unterstützt gerne und der Austausch mit anderen Jägern und Sammlern ist natürlich etwas ganz Besonderes.
● Enna Kelch

Kronenstr. 12 (Hinterhof) 30161 Hannover
Tel. 0511 – 33 13 30

www.25-music.de

Öffnungszeiten    
Mo        15 – 18 Uhr
Di & Mi     11 – 18 Uhr
Do & Fr    10 – 19 Uhr
Sa        10 – 16 Uhr

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Klaus Grupe,  Vorsitzender des Vereins „bauhof hemmingen“

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Klaus Grupe, Vorsitzender des Vereins „bauhof hemmingen“


Seit 21 Jahren ist Klaus Grupe Vorsitzender eine Vereins, der sich mit seinem spartenübergreifenden, vielfältigen Kulturprogramm über die Jahre vom lokalen Geheimtipp zu einem gut vernetzen Kulturzentrum mit überregionaler Strahlkraft entwickelt hat. Für sein außergewöhnliches und langjähriges Engagement in Sachen „bauhof hemmingen“ bekam der ehemalige Erste Stadtrat von Pattensen im vergangenen September das Bundesverdienstkreuz verliehen. Zeit für ein Gespräch!

Der „bauhof hemmingen“ ist ziemlich genau 21 Jahre alt, ich glaube, zur Geschichte müssen Sie ein bisschen ausholen.
Ja, vielleicht (lacht). Im alten Dorf Hemmingen gab es einen städtischen Bauhof. Ende der 90er-Jahre wurde der verlegt und das ganze Areal, die ehemalige Werkstatt, eine Scheune, in der Material gelagert wurde, und der Platz davor standen leer. Nach einiger Zeit hat die Stadt Hemmingen dann eine Bürgerbefragung gemacht, um Vorschläge für die Nutzung zusammenzutragen. Die Idee war schon, nicht einfach abzureißen und neu zu bauen, sondern die Gebäude zu erhalten und einen Anlaufpunkt für die Bevölkerung zu schaffen. „Das könnte ja irgendwie kulturell genutzt werden“, stand im Raum. Und man suchte Vereine, die das übernehmen würden. Das gestaltete sich aber nicht so erfolgreich und so sprach man 1999 weitere Leute an, unter anderem mich. Wir waren zwölf engagierte BürgerInnen, zum Teil Leute aus dem Stadtrat. Wir haben uns zusammengesetzt und es kamen schnell Ideen auf, wie man dort ein kleines Kulturzentrum einrichten könnte.
Wie kam man auf Sie?
Ich bin 1997 nach Hemmingen gezogen. Der Hemminger Bürgermeister Claus-Dieter Schacht-Gaida war ein ehemaliger Kollege von mir, im Rathaus Hannover. Er war Referent des Oberbürgermeisters und ich war Referent des Kulturdezernenten. Und da er wusste, dass ich neun Jahre lang im Kulturdezernat gearbeitet habe, war es natürlich naheliegend, mich zu fragen, ob ich Lust hätte, da mitzumachen. Wir haben dann einen Verein gegründet, und als die Ämter verteilt wurden, habe ich gesagt, okay, dann mache ich das erst mal. Eigentlich wollte ich mich da gar nicht so tief einbringen, ich war bei der Wirtschaftsförderung tätig und stand kurz davor, bei der Expo eine Rolle zu übernehmen. Na ja, und aus diesem „erst mal“ sind jetzt über 21 Jahre geworden als erster Vorsitzender (lacht). Alle anderen, die damals bei der Vereinsgründung dabei waren, sind inzwischen ausgeschieden.

Dann sind Sie „das Gesicht“ des Vereins – das Urgestein.
Das sagt man so. Aber eine solche Sache braucht auch einen Motor, und es ist schon gut, wenn jemand mit ein bisschen Erfahrung das längerfristig macht. Erst einmal war das ja ein kleines, lokales Kulturzentrum, und wir wussten auch nicht, wo das hingehen würde. Aber wir hatten immer den Gedanken, dass, wenn wir da so viel Energie hineinstecken und ein solches Zentrum aufbauen, es dann auch etwas Langfristiges sein sollte. Wir haben noch die Expo abgewartet und dann ab 2001 ein dichtes Programm organisiert. Anfangs waren es etwa 35 Veranstaltungen pro Jahr, mittlerweile sind es 45.

Hatte der Verein denn überhaupt die Zusage der Stadt für eine dauerhafte Nutzung der Gebäude?
Nein, das war tatsächlich nicht so. Anfangs hatten wir einen Nutzungsvertrag ohne gesicherten Zeitraum. Erst 2007 konnten wir einen Vertrag mit fünfjähriger Laufzeit aushandeln, sodass wir Planungssicherheit für fünf Jahre hatten. 2012 wurde der um fünf Jahre verlängert, 2017 um zehn Jahre. Jetzt haben wir Sicherheit bis 2027. Das spricht auch einfach dafür, dass wir für die Stadt Hemmingen eine Einrichtung sind, die den Verantwortlichen wichtig ist. Als der Vertrag geschlossen wurde, hat der Rat das entsprechend einstimmig genehmigt. Es ist ein tolles Zeichen, wenn einem Verein, der ehrenamtlich geleitet wird, für so eine lange Zeit ein Vertrauensvorschuss gegeben wird. Die haben aber natürlich in diesen 17 Jahren gesehen, dass wir es ernst meinen, und dass wir für Hemmingen ein gutes Aushängeschild geworden sind.

Das ist er für die ganze Region, oder?
Das war schon ein Prozess. Es war so, dass wir anfangs sehr lokal gearbeitet und gar nicht so sehr über die Gemeindegrenze hinaus geguckt haben. Das hat sich aber schnell verändert, weil wir natürlich immer wieder neue KünstlerInnen getroffen haben und mit neuen Agenturen zu tun hatten. Wenn man einen Stein ins Wasser wirft, werden die Kreise eben immer größer. Mittlerweile kann ich mit Fug und Recht sagen, dass wir bundesweit bekannt sind. „bauhof“ steht jetzt nicht mehr für Baumaschinen und Backsteine … Anfangs war das schwierig, da mussten wir das erklären.

Vielleicht haben Sie mit dem Namen einen Trend ausgelöst! Jetzt gibt es viele „Kulturscheunen“, „Kulturbrauereien“ …
Wir haben lange darüber nachgedacht. In den 90er-Jahren gab es unheimlich viele „Kunstnamen“, alles war mit „Art“, das wollten wir nicht, auch keinen englischen Namen. Dann kam die Idee auf: „Mensch, das war doch mal ein Bauhof! Warum lassen wir das nicht so?“ Ich bekomme aber immer noch Angebote von Baustofflieferanten, die eigentlich an den städtischen Betriebshof gehen sollten (lacht).

Wie haben Sie das Programm gestaltet? Gab es von Anfang an Schwerpunkte?
Unser Motto war von Beginn an „Kultur ist Vielfalt“. Deswegen haben wir uns keine Beschränkungen auferlegt, wir wollten nicht nur Musik oder nur Kabarett. Wir hatten dann  immer ein gemischtes Programm, vielleicht 50 Prozent Musik und 50 Prozent „Darstellende Kunst“, also Kabarett, Theater, Comedy … Und bei der Musik war Klassisches dabei, aber auch Jazz, Blues, A-Cappella und vieles mehr.

Haben Sie persönliche Vorlieben?
Ach, es fällt mit schwer, da Schwerpunkte zu nennen. Vor allem bin ich ein großer Musikliebhaber und finde es toll, Livemusik auf der Bühne zu erleben. Dabei kann man sich so richtig fallen lassen, das ist etwas für die Seele. Aber das Thema Kabarett ist, gerade in letzter Zeit, enorm wichtig geworden. Uns geht es da nicht um reine Schenkelklopfer, auch wenn wir Comedy im Programm haben. Bestimmte Themen anzusprechen, finde ich sehr wichtig, und dafür ist eine Bühne das richtige Forum.

Wie erleben Sie Ihr Publikum, hat sich das verändert im Laufe der Jahre?
Anfangs sind tatsächlich die Nachbarn gekommen, die es angenehm fanden, dass sie nicht extra ins Auto steigen mussten. Mittlerweile kommt unser Publikum aber aus der gesamten Region, sogar noch darüber hinaus. Unsere Veranstaltungen im Rahmen des „Kultursommers“ der Region Hannover sind ein gutes Beispiel. In diesem Jahr haben wir dafür mit dem Schloss Landestrost kooperiert und dort gespielt, und da war vielleicht ein Drittel unser bekanntes Publikum aus dem Süden von Hannover. Der Rest war aus der gesamten Region. Aber wir haben schon ein sehr treues Stammpublikum.

Super, wenn man beides hat, weil dann ja auch Leute miteinander ins Gespräch kommen.
So ist es. Kultur hat immer einen Kommunikationsfaktor. Die Gäste kommen nicht, konsumieren und gehen wieder nach Hause, sondern die reden miteinander: Vorher, in der Pause und nach der Veranstaltung. Unser bauhof ist ein sehr kleines Haus, es herrscht eine Atmosphäre, in der man sehr leicht ins Gespräch kommt. In der Corona-Zeit haben wir ein paar Veranstaltungen in Schulen in Hemmingen und Laatzen durchgeführt, wo wir wenigstens 100 Personen unterbringen und gleichzeitig die Hygieneregeln einhalten konnten. Das fanden alle schön, aber die Atmosphäre im bauhof hat einfach gefehlt. Qualität auf der Bühne und Atmosphäre im Raum, das ist das, was wir schaffen wollen.

Können Sie die Corona-Zeit beschreiben, von März bis heute?
Zunächst einmal gab es so viele Fragezeichen, weil keiner einschätzen konnte, wie lange das dauern würde. Wir hatten langfristig Veranstaltungen geplant, die wir absagen oder verschieben, zum Teil sogar zweimal verschieben mussten. Es war aber schnell klar, dass wir den Kopf nicht in den Sand stecken würden. Kultur ist systemrelevant. Erstens für die Seele, wir können nicht nur in Moll rumlaufen, sondern brauchen auch mal Dur. Und zweitens hängen unglaublich viele Berufszweige daran, in denen eine Millionen Menschen beschäftigt sind. Also war klar: Wenn wir dürfen, veranstalten wir. Wir haben dann Open Airs gemacht, was totales Neuland war für uns. Die Abende waren gut besucht, und alle fanden es klasse. Mit dem MusikZentrum zusammen haben wir uns an das Thema Live-Streaming gewagt, das hat gut funktioniert, aber das Publikum hat gefehlt. Im Herbst haben wir dann glücklicherweise die beiden Schulen gefunden, und die Stadtverwaltungen in Laatzen und Hemmingen haben hervorragend mitgespielt und waren sofort dabei. So konnten wir sieben Veranstaltungen in geschlossenen Räumen machen und hatten gute Rückmeldungen von den Gästen, die sich alle sicher gefühlt haben. Das baut natürlich auf. Jetzt mussten wir unsere November-Veranstaltungen leider absagen, für Dezember haben wir zwei Veranstaltungen geplant. Wir sagen nicht: „Okay, wir schließen den Laden und warten erst mal ab“, sondern wir stehen in den Startlöchern und legen wieder los – sobald wir dürfen.
Wir haben aber auch ein super Team, das komplett ehrenamtlich arbeitet. Alle, die dabei sind, ziehen mit, weil es ihnen einfach eine Herzensangelegenheit ist. Als kleiner Verein ist man natürlich auch etwas flexibler in der Entscheidungsfindung.

Kann der bauhof das denn finanziell noch halbwegs wegstecken?
Gerade bei den Herbstveranstaltungen im Innenraum haben wir festgestellt, dass die Menschen etwas vorsichtiger waren. Wir haben dafür vielleicht 60 Prozent der Tickets verkauft, während wir normalerweise eine Auslastung von über 90 Prozent haben. Langfristig kann man so etwas nicht ohne Fördergelder durchhalten. Wir haben aber auch schon erfolgreich verschiedene Töpfe angezapft, Förderungen, die bis Februar laufen.
Für den Herbst haben wir noch gesagt: „Wir ziehen das durch, auch wenn wir hier und da ein bisschen draufzahlen.“ Glücklicherweise sind wir so gut aufgestellt, dass dadurch nicht sofort unsere Existenz bedroht ist. Aber im nächsten Jahr könnte es durchaus eng werden.

Also denkt der Verein von Woche zu Woche …
Ganz so geht das nicht. Ich finde es schwierig, dass unsere Bundesregierung mit ihrem Teil-Lockdown – die nennen das immer „Lockdown light“, dabei ist das für die Veranstalter und die Gastronomie ganz und gar nicht leicht – und weiteren Entscheidungen immer bis zum letzten Moment wartet. Aber wir müssen ja unsere Veranstaltungen auch bewerben. Also, im Moment denken wir von Monat zu Monat und bereiten alles so vor, dass wir weitermachen könnten. Wir haben zum Beispiel ein Dezember-Programm gedruckt, und sobald es grünes Licht gibt, wird das verschickt, beziehungsweise gemailt. Es gibt auch schon ein Januar-Programm. Aber mit Sicherheit wird es in den nächsten Monaten bei reduzierten Programmen bleiben, die frühere Anzahl an Veranstaltungen können wir erst mal nicht mehr bieten. Aber wir haben schon wieder erfolgreich mit den Stadtverwaltungen gesprochen, sobald wir dürfen, machen wir in den Schulen weiter.

Das ist tröstlich zu wissen …
Die Menschen haben auch das Bedürfnis nach Zerstreuung, nach Unterhaltung, nach positiven Dingen, die aufbauend sind. Und für uns im Team ist es auch so. Wir machen das ja, weil wir Spaß daran haben! Und Open Airs werden wir im nächsten Jahr definitiv wieder machen. Wir würden sogar noch andere Orte suchen, weil die Erfahrungen so gut waren in diesem Sommer.

Es ist ja auch ganz spannend, wenn dadurch neue Kooperationen entstehen.
Ja, und wir bekommen sogar ganz neue Gäste wie auf Schloss Landestrost. Insofern stimmt das mit der „Krise als Chance“. Und die muss man dann auch nutzen.

Haben Sie persönliche Highlights in 21 Jahren bauhof-Geschichte?
Klar! Es sind namhafte Künstler bei uns gewesen, das hätten wir uns zu Beginn gar nicht träumen lassen. Menschen, die aus dem Fernsehen bekannt sind oder in der Szene einen großen Namen haben. Der Fernsehmoderator und Autor Max Moor ist einer davon, er war schon dreimal für Lesungen bei uns. Oder Sascha Korf, der beim „Kleinen Fest im Großen Garten“ immer der Abräumer ist. Oder ganz am Anfang hatten wir mal das Nomos Quartett da, das im Klassik-Bereich sehr bekannt ist. Und mittlerweile kommen sogar Künstler aus Kanada, den USA oder Irland zu uns, der Radius hat sich nach und nach erweitert. Viele dieser sehr bekannten Künstler waren im Umgang übrigens ganz normal und zugewandt. Mein persönliches Highlight war vielleicht die Begegnung mit Max Moor, der ein total angenehmer Mensch ist. Oder auch Linda Zervakis, die Tagesschau-Moderatorin, die hat ja ein Buch geschrieben: „Königin der bunten Tüte – Geschichten aus dem Kiosk“. Ich habe einfach per Mail angefragt, ob sie bei uns lesen würde, das war wirklich Kaltakquise. Und dann hat das geklappt uns sie kam zusammen mit einer Freundin. Und das war ein so amüsanter Abend, so charmant, das war wirklich toll! Unser Markenzeichen – leider im Moment auch nicht möglich – ist, dass wir nach jeder Veranstaltung immer ein kleines Buffet machen und mit den Künstlerinnen und Künstlern hinterher noch zusammen etwas essen und trinken und vor allem reden. Das ist ein Bonbon fürs Team. Die Künstlerinnen und Künstler wollen ja auch nicht nach dem Auftritt gleich ins Hotel, so voller Adrenalin. Und bei diesem Zusammensein lernt man sich richtig ein bisschen kennen. Das hilft wiederum weiter, weil man immer besser vernetzt ist in der Kultur-und Veranstaltungsszene. Als ich angefangen habe, bin ich jedes Jahr zur internationalen Kulturbörse nach Freiburg gefahren. Im ersten Jahr habe ich mir da Fransen an den Mund geredet beim Erklären, was der bauhof ist. Das muss ich heute nicht mehr. Die kommen jetzt von alleine und viele wollen auch wiederkommen. Und das nicht nur wegen des Geldes, sondern weil sie sich wohlfühlen bei uns.

Vielleicht ist das auch ein Nebeneffekt der Krise, dass ganz ganz deutlich wird: Man braucht einander. Bühnen brauchen KünstlerInnen, aber die brauchen auch Bühnen, und Menschen, die da was auf die Beine stellen.
Auf jeden Fall. Und ich glaube, dass es bald einen großen Nachholbedarf geben wird an Kunst und Kultur, auf allen Ebenen. Das ist meine große Hoffnung. Wir werden 2024 unser 25-jähriges Jubiläum feiern, und dann wird Corona eine Randnotiz sein. Der wesentlich größere Bestandteil werden die vielen wunderbaren Veranstaltungen in all den Jahren sein, an die wir uns erinnern.

Interview: Annika Bachem

Foto: Ingrid von Drahten

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Schlossküche Herrenhausen

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Schlossküche Herrenhausen


Auf der Suche nach schmackhaftem Lieferessen während des November-Lockdowns für die Gastronomie sind wir bei der Internetrecherche auf einen ganz besonders galanten Bringdienst gestoßen: Sascha Grauwinkel und das Team der Schlossküche Herrenhausen halten kreative Speisen aus der Levante-Küche zur Abholung oder Lieferung bereit.
Die kleine aber feine Auswahl präsentiert ungewöhnlich kreiertes Soulfood aus der Levante aka dem „Morgenland“ (abgeleitet vom Sonnenaufgang von lat. „levare“, „emporheben, aufgehen“), der historisch-geografischen Bezeichnung für die Länder am östlichen Mittelmeer, besonders die griechische Halbinsel, die mediterranen Küstengebiete der Türkei, Zypern, den Libanon, Palästina, das historische Syrien und Ägypten. Ausgesuchte Zutaten mit höchster Qualität von Produzenten aus Niedersachsen (wie z. B. Hof Santelmann Nordburg, Hofkäserei Backensholz Husum, Demeter Bäckerei Backwerk Hannover, Frioli Eis Hannover und weitere) werden mit Verve und einem Hang zur Farben- und Geschmacksintensität zu einem kulinarischen Märchen aus 1001 Nacht zusammengereimt. Auch ein toller Wochenend-Brunch, hausgemachte Kuchen sowie Getränke können nach Online-Bestellung in der Schlossküche (oder im Grauwinkel Café & Deli) abgeholt oder geliefert werden.
Eigentlich hatten wir es ursprünglich auf den besagten Levante-Brunch (für 29 Euro inklusive süßem Minztee, French-Press-Kaffee, Blutorangen-Saft und Limettenwasser) abgesehen, doch hatten wir es leider versäumt, ihn vorzubestellen. Allzu gut sah die üppig gedeckte Tafel auf der Webseite aus, wo sich raffinierte Köstlichkeiten in vielen kleinen Schälchen nebeneinander tummeln, Samstag und Sonntag von 10 bis 14 Uhr kann man nach Voranmeldung die würzigen Leckereien und honigsüßes Baklava am heimischen Tisch genießen.
Ersatzweise ordern wir Mezze (für 18 Euro), einen Vorspeisen-Mix zum Träumen in stabilen Papp-Schälchen, die in einer dekorativen Schachtel mit Sichtfenster an uns herangetragen werden. Übrigens exakt um 12.30 Uhr, dem frühstmöglichen Liefertermin, und von einem selbst hinter der Maske deutlich erkennbar netten Lächeln begleitet. Aufgetragen werden cremiger Humus mit rubinroten Granatapfelkernen, zwei kleine, optimal knusprige Maisfalafel, orangener Bulgur-Pilaw (Couscous-Salat), Fattoush-Brotsalat aus dem Nahen Osten mit Gurke, Tomaten, Radieschen, Frühlingszwiebeln, Petersilie, Minze, Olivenöl und Sumach, ein Schälchen Burrata nebst saftigen Orangenschnitzen, farbenfrohes Eingelegtes, Oliven sowie Peperoni, grüne Pflücksalate mit einer separaten, spannenden Vinaigrette aus Tahini (Paste aus feingemahlenen Sesamkörnern aus der arabischen Küche mit Zitronensaft und Knoblauch vermischt), Rote-Bete-Feta-Dip und Fladenbrot. Allein schon ein Anblick zum Sattsehen!
Zum Vorspeisen-Traum gesellen sich weitere Homemade-Mais-Falafel mit Mirin-Ponzu-Creme, Orangen-Rotkohl-Salat und Fladenbrot (für 8,50 Euro), ein magentafarbenes Geschmackserlebnis für alle, die keinen gekochten Rotkohl mögen. Diese Variante birgt geröstete Kichererbsen,
Cashews und Walnüsse, Granatapfel- und Kürbiskerne in einer orientalischen Würzigkeit, die von den Fruchtsäuren entschärft und zugleich unterstrichen wird. Die Falafel-Bällchen sind ein ebenso gelungenes Zusammenspiel von smoother Konsistenz und wohldosierter Geschmacksstärke.
Auch die Rinds-Köfte mit Pinienkernen (für 8,50 Euro) könnten nicht besser gebraten sein: Sie erzählen eine temperamentvolle Geschichte von Paprika, Chili, Pfeffer, dem charakterstarken Kumin und dem einzigartigen Koriander, die sich mit ihren süßen Cousinen Macis, Sternanis und Nelke zum Teetrinken trafen und von heißer BBQ-Sauce, scharfzüngiger Peperoncini sowie coolen violetten Sumach-Zwiebeln auf Salat kräftig aufgemischt wurden.
Das Boeuf Bourguignon mit Semmelknödeln (für 15,50 Euro) wäre da ehrlich gesagt gar nicht mehr nötig gewesen, verzückt uns aber mit herrlich buttrigem und zugleich kräftig schmeckendem Fleisch, schmelzenden Klößen und einer dunklen, nach erlesenem Rebsaft kostenden Sauce, die mit bestmöglich behandelten Pilzen und Zwiebeln einen aromatischen herbstlichen Geschmacksklassiker abgibt, auf den wir trotzdem nur sehr ungern verzichtet hätten. Jedem Gulasch-Freund wärmstens ans Herz gelegt!

● Anke Wittkopp

Alte Herrenhäuser Str. 3 30419 Hannover
Mi – So 12:30 – 20:30 Uhr Abholung und Lieferung
Fr – So 12 – 18 Uhr Öffnung des Kuchentresens
Tel. 0511 – 27 94 940
www.schlosskueche-herrenhausen.de

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