Stadtkinder essen: Misik

Südkoreanische Exporte sind derzeit der heiße Scheiß. Während der dicke Kim im Norden wie eine schwer bewaffnete Glucke auf allem sitzt, was er als seins betrachtet, haut der Süden einen Trend nach dem anderen raus. K-Pop Demon Hunters, Dalgona-Kaffee, ultrascharfe Ramen – you name it. TikTok sei Dank kennen wir das auch alles und es ist gar kein Wunder, dass koreanischer Krempel hier so boomt. Passend dazu gibt es seit Oktober in der List, genauer gesagt in der Robertstraße, ein neues koreanisches Restaurant. Das Misik konzentriert sich nicht unbedingt auf seit Jahrhunderten tradierte Spezialspezialitäten, sondern auf das, was Koreaner tagtäglich essen. Das koreanische Pendant zu unserem gutbürgerlichen Mittagstisch mit Senfeiern also. Klingt spannend. Wir gehen hin.

„Oh nein!“, denken wir, „Nicht schon wieder diese blöden Piepser am Tisch!“ Sekunden später werfen wir uns mental in den Staub. Diese Piepser sind dafür da, das Personal auf uns aufmerksam zu machen, man läutet wortwörtlich nach ihnen. Schon kommt jemand angeflitzt und nimmt unsere Bestellung auf – fabelhaft! Die Karte ist übersichtlich gestaltet. Drollige Illustrationen und kleine Fun-Facts („Dieses Bier mischen wir Koreaner gerne mit Soju-Schnaps. Frag uns nach dem richtigen Mischungsverhältnis!“) machen sie fast zu einer unterhaltsamen Lektüre. Nur mühsam entscheiden wir uns, obwohl die Karte nicht so groß ist wie bei vielen anderen Lokalen. Aber es klingt nun mal alles sehr lecker! Unsere Wahl fällt auf eine große Cola (5,50 Euro, 0,5l), koreanisches Bier und Soju (3,80 Euro und 3 Euro) – schmeckt spannend! Zur Vorspeise hätten wir gern Mandu (6,50 Euro) und eine kleine Portion Ganjang-Huhn (9 Euro). Bei Mandu handelt es sich um fünf Teigtaschen, die frittiert werden. Dabei ist die Füllung wählbar: Shrimp, Tofu-Gemüse, Kimchi oder Bulgogi. Wir entscheiden uns für Letzteres – zum Thema Bulgogi kommen wir noch. Das Huhn wird paniert, frittiert und kann in mild und scharf bestellt werden, wir nehmen natürlich scharf. Und siehe da: Als wenig später serviert wird, finden wir kleine Chilischoten in der süß-scharf-klebrigen Sauce, die wir begeistert mitessen. Auch das Hühnchen ist klasse. Hörbar knusprig, innen aber saftig. Der Teigmantel ist würzig, aber nicht auf chemisch-schmeckende Art. Auch die Portion ist gut gewählt und dem Preis durchaus angemessen. Die Mandu werden mit einer scharfen Sojasauce und Sriracha-Mayo serviert, sind außen knusprig und durch die fein pürierte Füllung würzig und saftig. Extrem gut! Unsere Hauptgänge bestehen aus Käse-Donkatsu (18,50 Euro) und dem sagenumwobenen Bulgogi (17 Euro). Das ist im Grunde eine Art Barbeque-Marinade. Es gibt sie in süß-würzig und scharf-würzig für jede Art von Fleisch, klassisch – und hier auch so angeboten – ist aber das süß marinierte Rindfleisch. Es ist hauchdünn geschnitten, fast wie Carpaccio, und bei großer Hitze sehr schnell gegart, so dass es ein leichtes Raucharoma entwickelt. Hier ist es, und ja, das ist ein großes Wort, genial. Buttrig, rauchig und würzig – schwer vorstellbar, das besser machen zu können. Absolute Empfehlung! Serviert wird es mit Reis, einer Tasse Katsobushi-Suppe und sauer eingelegtem Gemüse (hier Gurke und Spinat). Beim Käse-Donkatsu handelt es sich um eine Schweinekrokette mit Käsefüllung, die in Scheiben geschnitten wurde. Wie ein Cordon Bleu ohne Schinken, stattdessen aber mit dreifach Käse – unglaublich befriedigend zu essen. Auch dazu gibt es Reis, einen tollen Kohlsalat, eingelegtes Gemüse (Rettich und Sellerie), Wasabi, Maldon-Salz, Trüffelöl, Donkatsu-Sauce (etwa wie fruchtiger Ketchup mit Worcestershire-Sauce) und Katsobushi-Suppe. Letztere ist eher eine Brühe aus getrockneten Bonito-Flocken (Makrelen-Thunfisch-Tier) und wirklich Geschmackssache, göttlich für einige, „Regentonne“ für andere. Sie ist aber sehr gut gemacht und eignet sich prima als Beilage. Wir sind satt. Wir sind begeistert. Und wir werden so was von wieder kommen, denn die Fisch-, vegetarischen und veganen Gerichte wollen schließlich auch probiert werden!

Misik

Robertstraße 7

30161 Hannover

www.misik-hannover.de

Di-Sa: 12-15 Uhr und 18-22 Uhr

So: 18-22 Uhr


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