Ehrenamtliches Engagement: Netzwerk Taubenrettung Hannover e.V.

Zwischen Taubenschlägen, Tierarztbesuchen und Rettungsaktionen setzen sich die Ehrenamtlichen der Taubenrettung Hannover für Tiere ein, die viele Menschen am liebsten übersehen. Sie wollen mit ihrer Arbeit aber nicht nur verletzte Tauben retten, sondern auch mit Vorurteilen aufräumen und zeigen, warum die ungeliebten Stadtvögel mehr Aufmerksamkeit und Schutz verdienen.

In der Fußgängerzone herrscht reges Treiben – mittendrin: eine Taube. Hastig humpelt sie von einer Stelle zur anderen. Immer wieder startet der kleine Vogel Flugversuche, doch nach wenigen Flügelschlägen landet er wieder auf seinen dünnen Beinen. Die Taube wirkt gestresst und der Grund dafür scheint simpel. Eine Gruppe Kinder jagt ihr nach und versucht, sie einzufangen. Immer wieder greifen ihre Hände nach dem Vogel.

Aus der Ferne beobachtet Sabrina die Szene zunächst irritiert. Doch dann erkennt sie, dass die Kinder helfen wollen. Die Taube ist verletzt und muss dringend zu einem Tierarzt. Also zögert die junge Frau nicht länger und kommt den Kindern zur Hilfe – und plötzlich hält sie dieses kleine, warme Geschöpf in ihren Händen. „Das war so ein krasses Erlebnis“, erinnert sie sich. „Genau deswegen bin ich zur Taubenrettung gekommen.“

Ähnlich ging es auch ihrem Kollegen Felix. Zwar war es keine spontane Rettungsaktion, die ihn auf die Taubenrettung aufmerksam machte, aber auch er bemerkte im Stadtbild immer wieder verletzte oder kranke Tauben. „Ich wollte ihnen unbedingt helfen!“

Als Mitglieder der Taubenrettung Hannover sind ihre Aufgaben vielfältig. Von der Versorgung von Tauben in der Auffangstation und privaten Pflegestellen über die Reinigung und den Eiertausch in Taubenschlägen reichen sie bis hin zum Sichern verletzter Tiere und Entschnüren von Vögeln, die sich zum Beispiel in Plastikmüll verfangen haben.

Besonders aufwendig sind Einsätze an schwer zugänglichen Brutplätzen. In Tunneln und unter Brücken werden regelmäßig Taubeneier kontrolliert und gegen Attrappen ausgetauscht – in Absprache mit der ÜSTRA. Dahinter steckt ein Grundgedanke des Vereins: Die Tauben sollen nicht durch Vergrämung oder Leid aus dem Stadtbild verschwinden. Stattdessen soll ihre Population tierschutzgerecht kontrolliert werden.

„Tauben gehören zur Stadt dazu“, steht für Sabrina und Felix fest. Und gleichzeitig bemerken sie, wie die Vögel in der breiten Bevölkerung immer unbeliebter werden. „Dreck, Krankheiten und Überpopulation – diese Vorurteile halten sich echt hartnäckig. Dabei sind Tauben völlig ungefährlich.“ Die Abneigung der Menschen gegenüber Tauben greift sogar so weit, dass die Ehrenamtlichen beschimpft und in einzelnen Fällen sogar angegriffen werden, wenn sie eine Taube retten wollen.

Doch solche Auseinandersetzungen sind bisher Einzelfälle. Immer wieder treffen Sabrina und Felix auch auf Menschen, die ihr Engagement unterstützen. „Viele sind sehr dankbar für das, was wir machen, und gehen selbst auch viel aufmerksamer durch die Stadt.“ Wer eine hilfsbedürftige Taube findet, kann sich per Nachricht direkt an die Taubenrettung wenden. „Wenn es möglich ist, sollte das Tier aber gesichert werden, zum Beispiel in einem luftdurchlässigen Karton oder kurzfristig auch in einem Stoffbeutel. Als Ehrenamtliche können wir im Alltag ja nicht immer sofort vor Ort sein.“

Und auch auf anderem Weg kann man die Arbeit der Taubenrettung Hannover unterstützen: Sabrina und Felix wünschen sich für den Verein noch mehr Mitglieder. „Wir sind immer voll bis oben hin mit Arbeit“, sagt Felix. „Es braucht aber gar kein Engagement rund um die Uhr. Auch jede kleine Unterstützung zählt und kann manchmal sogar über Leben und Tod entscheiden.“

Laura Druselmann

Netzwerk Taubenrettung Hannover e.V.

Fössestraße 73, 30451 Hannover

Tel.: 0175 8266832

E-Mail: taubenrettung_hannover@yahoo.de


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