Ein offener Brief an… Jürgen Klopp

Lieber Jürgen, wir müssen kurz stören, mitten in der Vorbereitung auf die nächsten Länderspiele, aber die Lage duldet keinen Aufschub. Du hast gerade erst in Herzogenaurach die neue Startaufstellung sortiert, aber wir müssen dich nun schon wieder neu aufstellen. Du musst jetzt übernehmen. Es geht nicht anders. Es wird sogar allerhöchste Zeit. Der Friedrich kann es einfach nicht. Also, gib dir einen Ruck. Du musst jetzt Bundeskanzler werden. Ja, klar, wir wissen, das Gehalt ist ein Witz im Vergleich zu dem, was du zuletzt bei Red Bull als Global Head of Soccer verdient hast, und die Ablösesummen, mit denen du früher jongliert hast, übertreffen locker das gesamte Kanzlergehalt eines halben Jahrzehnts. Aber es geht hier doch nicht ums Geld. Es geht um Ehre. Und darum, dass wir dich mehr brauchen, als der DFB dich je gebraucht hat. Wir würden auch ein bisschen sammeln und zusammenlegen. Wir würden eigens für dich einen Bundeskanzler-Fonds gründen. Das würde bestimmt super funktionieren. So, wie wir dich kennen, könntest du schon sehr bald mit den Zinsen die gesamten bundesdeutschen Zinsen bedienen.

Okay wirst du sagen, eins nach dem anderen. Du hast jetzt erstmal das Nationalteam übernommen, weil nach dem Debakel bei der letzten WM niemand sonst die Karre aus dem Dreck hätte ziehen können. Rudi Völler selbst wollte nicht, auf die Matthäus-Idee ist seltsamerweise niemand gekommen (außer vielleicht Lothar selbst) du warst also die alternativlose erste Wahl. Und jetzt, wirst du sagen, werden wir zuerst Weltmeister, und ob du danach noch Lust hast, dich für die Bundeskanzler-Position warmzulaufen, werden wir dann mal sehen.

Aber das geht nicht. Wir brauchen dich jetzt sofort in Berlin. Das Debakel dort ist dem WM-Debakel ja nicht ganz unähnlich. Kollektives Scheitern ohne tiefe Einsichten. Wobei die Fehlerquote in Berlin noch deutlich höher ausfällt. Machen wir uns nichts vor, mit dem Team in Berlin fahren wir demnächst krachend vor die Wand. Die CDU hat es in Mecklenburg-Vorpommern zerrissen, in Sachsen-Anhalt hat die AfD beinahe die absolute Mehrheit geholt, und Friedrich Merz fällt nichts Besseres ein als einfach weiterzumachen wie bisher. Weil taktisch ja eigentlich alles richtig war und nur die Spieler*innen beziehungsweise Wähler*innen es mal wieder nicht begriffen haben, diese hirnlosen, arbeitsscheuen kleinen Arschkrampen. Es müsste nach so einer Schlappe doch jetzt wenigstens mal ordentlich krachen in der Kabine.

Du hast gesagt, du wünscht dir, dass wir die Fahne zurückbekommen. Die Fahne, mit der man sympathisch und gelassen ein bisschen stolz sein kann. Und das wünschen wir uns doch alle. Dieses unkomplizierte, unverkrampfte Stolzsein, dieses Sommermärchen-Gefühl, das ist doch gerade das, was diesem Land momentan fehlt, während über vierzig Prozent in Sachsen-Anhalt diese ganz andere Version von Nationalstolz wählen. Du hast als Trainer auch immer betont, wie wichtig das Kollektiv ist, die Mentalität der Mannschaft. Also bitte, mach uns den Kanzler, wir sind deine Mannschaft. Wir hängen uns richtig rein. Wir brauchen jetzt einen, der es kann, der das Umschaltspiel beherrscht, der die Rechten auf den letzten Drücker noch gekonnt auskontert.

Du hast Dortmund aus dem Mittelmaß geholt, du hast Liverpool nach dreißig Jahren wieder zum Meister gemacht, jetzt ist Deutschland dran. Das wäre doch die logische Fortsetzung deiner Erfolgsgeschichte. Und klar, wir verstehen, dass du jetzt wenigstens ein Spiel gewinnen willst. Das ist okay. Mach das ruhig zuerst. Aber direkt nach dem nächsten Länderspiel kommst du dann im Kanzleramt vorbei und gibst deine erste Regierungserklärung ab. Ja? Deutschland hat gerade echt zwei, drei heftige Baustellen. Wir brauchen dich. Du musst all den Vollpfosten mal gehörig das Hirn durchpusten. Denen erklären, wie total bescheuert es ist, die AfD zu wählen. Sie würden dir glauben. Wahrscheinlich bist du der Einzige, dem sie noch was glauben. Du musst übernehmen, bevor der Merz den Karren ganz in die Scheiße zieht. Trainerwechsel jetzt!


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