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Ein offener Brief … an Karin Prien

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Ein offener Brief … an Karin Prien


Liebe Karin, herzlichen Glückwunsch! Du bist zurück, „Back in the CDU“. Endlich! Wir hatten uns ehrlich gesagt schon ein bisschen Sorgen gemacht. Jahrelang warst du das, was man in der Union mit sehr kritischem Unterton gerne als „liberal“ bezeichnet. Fast ein Schimpfwort. Du hast unter anderem „zivilisierte Verachtung“ gegenüber der AfD gefordert, du hast dich für eine „Union der Mitte“ starkgemacht, du warst Bildungsministerin in Schleswig-Holstein in einer Koalition mit den Grünen. Und das birgt natürlich immer die Gefahr, dass man sich mit dem links-grün-versifften Bazillus infiziert. Du hattest ein paar gute Ideen und hast sogar ein bisschen was umgesetzt. Kurz: Manchmal hatte man fast den Eindruck, dir gehe es hin und wieder tatsächlich um so etwas wie Gerechtigkeit. Fast wie eine Sozialdemokratin oder Linke, aber natürlich mit besserer Rhetorik.

Und jetzt bist du Bundesfamilienministerin im Kabinett Merz und zuerst sah es ganz danach aus, dass du ähnlich weitermachst, dass du in der Union das Gerechtigkeits-U-Boot bleibst, fast zu links, um wahr zu sein. Worüber viele in deinen Reihen schon die Nase gerümpft haben. Der Spahn – haben wir gehört – soll hinter deinem Rücken zum Beispiel gesagt haben, dass du nach seinem Geschmack zu viel „rumreichinnecken“ würdest. Damit ist nun Schluss und viele Unionisten atmen gerade hörbar auf. Rund 200 Projekte aus dem Programm „Demokratie leben!“ willst du nicht weiter fördern. Weg damit! Ende 2026 soll Schluss sein mit den fragwürdigen Aktivitäten. Darunter HateAid, das Opfern digitaler Gewalt hilft. Darunter die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Menschen unterstützt, die von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt betroffen sind. Darunter Correctiv, das 2024 über das Geheimtreffen von Rechtsextremen in Potsdam berichtete. Darunter der Zentralrat der Juden. Ja, genau, der Zentralrat der Juden. Was zeigt, dass du keine Unterschiede machst. Auch nicht als Sprecherin des Jüdischen Forums in der CDU. Auch nicht Frau, deren Großeltern vor den Nazis geflohen sind und die sich jahrelang nicht offen zu ihrem Glauben bekannt hat, weil das in Deutschland noch immer mit gewissen Problemen verbunden ist. Alles egal, auch der Zentralrat der Juden wird gestrichen, denn das bisherige Programm war viel zu sehr auf ein „linksliberales Milieu“ ausgerichtet. Darum werden jetzt die Strukturen abgerissen, die sich über Jahre aufgebaut haben. Das nennt man „Neustart“. Und was danach fehlt, wird sich dann schon demnächst von selbst regeln. Prävention gegen Extremismus ist ohnehin überbewertet. Man kann ja auch einfach über mehr „Pluralität“ reden. Das reicht doch und ist wesentlich günstiger.

Wir freuen uns jetzt einfach auf die Neuausrichtung, die sich vielleicht ein bisschen mehr auch um ein rechtsextremistisches Milieu kümmert. Was ist eigentlich mit den Gefühlen der Täter? Fühlen die sich gehört? Das ist doch auch wichtig. Das wurde aber bisher immer einfach beiseite gewischt. Echte Ausgewogenheit ist das Gebot der Stunde. Wir haben dieses mutige Konzept übrigens schon erprobt, bei uns in Hannover hat die Deutschland-Koalition bei Kunst und Kultur kräftig den Rotstift angesetzt – und damit zum Beispiel Kargah e.V. in Bedrängnis gebracht, ein Verein, der sich seit Jahrzehnten um interkulturelle Arbeit und Geflüchtete kümmert. Oder war dir das vielleicht sogar schon bekannt? Hast du dich eventuell inspirieren lassen? Das wäre ja was. Hannover als Blaupause, wir machen’s vor, Berlin macht’s nach. Nur halt größer. Und mit mehr Pressemitteilungen über Pluralität. Liebe Karin, weiter so! Lass dich nicht beirren.

Die Grünen-Vizefraktionschefin Misbah Khan hat jetzt zwar angemerkt, dass ausgerechnet jene Organisationen dran sind, die vor der letzten Bundestagswahl öffentlich die Zusammenarbeit der CDU mit der AfD kritisiert haben, aber das ist sicher purer Zufall. Solche Koinzidenzen gibt es halt manchmal. Und dass die AfD all das wohlwollend beobachtet und kommentiert, ist völlig egal. Gute Schritte werden ja nicht schlecht, weil sie von den Falschen unterstützt werden. Und außerdem willst du ja auch gar nicht das gesamte Programm schrotten. Es sollen sogar dreißig neue Partnerschaften für Demokratie entstehen. Du willst Menschen zusammenbringen, die das Gespräch verlernt haben. Das klingt nicht nur gut, das kostet auch fast nichts und macht niemanden nervös. Besser als all die unbequemen NGOs, die Rechtsextremismus und andere zu vernachlässigende Randthemen bearbeiten oder noch schlimmer, darüber berichten. Stattdessen viele nette Runde Tische mit Keksen.

Liebe Karin, das ist alles ganz großartig und klug bis zu Ende gedacht. Willkommen zurück in der CDU, die sich ja stellenweise schon für ganz neue Koalitionen warmläuft. Die nächste Generation wird die Bedenken begraben und sich an dich erinnern. Alles richtig gemacht. Und die 200 gestrichenen Projekte werden sich schon irgendwie selbst tragen. Kargah gibt’s ja auch noch. Vorläufig. GAH

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Ein offener Brief … an Willy Brandt

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Ein offener Brief … an Willy Brandt


Lieber Willy, entschuldige bitte, aber wir müssen dich einmal kurz stören. Wir wissen, du hast dir deinen Ruhestand redlich verdient, und vermutlich hast du im Jenseits Wichtigeres zu tun, als dich mit dem aktuellen Zustand der Sozialdemokratie herumzuschlagen. Aber wir kommen hier allein nicht mehr weiter. Die SPD steckt fest. Bei 15 Prozent. Tendenz fallend. Und sie wirkt dabei so, als hätte sie sich damit abgefunden. Das deprimiert uns. Nicht nur, weil 15 Prozent schon fast unter zehn Prozent sind, sondern weil man den Eindruck bekommt, dass dieser Zustand inzwischen als neue Normalität akzeptiert wird. Als wäre Schrumpfung ein Naturgesetz und keine Folge politischer Entscheidungen.

Darum unsere Bitte: Könntest du vielleicht kurz als Geist in die Hirne der führenden Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten fahren? Nur so ein kleiner Spuk, ein sanftes Poltern im Parteivorstand, ein kalter Luftzug durch die Fraktionssitzung. Nichts Dramatisches, einfach eine kleine Erinnerung, was diese Partei einmal ausgemacht hat. Offenbar hat man dort aus den Augen verloren, wofür Sozialdemokratie ursprünglich gedacht war. Für Aufstieg durch Bildung. Für Respekt vor Arbeit. Für echte Solidarität. Für Mut. Für Haltung. Für Politik, die nicht zuerst fragt, ob sie irgendwem wehtut, sondern ob sie notwendig ist. Für eine Partei, die sich nicht klein macht, um irgendwo noch mitspielen zu dürfen, sondern die groß denkt, weil sie etwas verändern will.

Stattdessen hören wir auf dem politischen Aschermittwoch den Parteivorsitzenden sagen, man brauche jetzt „mehr Stammtisch“. Mehr Stammtisch, Willy. Als wäre das Problem der SPD ein Mangel an Lautstärke und nicht ein Mangel an Richtung. Als hätten wir zu wenig Bauch und zu viel Kopf. Dabei wäre im Moment doch eher mehr Hirn ratsam. Mehr Analyse. Mehr Ehrlichkeit. Mehr Klarheit darüber, warum man eigentlich noch existiert.

Du hast einmal gesagt: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.“ Heute wirkt es eher so, als wollten die Genossinnen und Genossen die Zukunft lieber abwarten. Oder sie kommunikativ begleiten. Oder sie moderieren. Oder sie in Arbeitsgruppen verschieben. Hauptsache, niemand ist beleidigt. Und am Ende nennt man diese Mutlosigkeit dann „strategische Neuaufstellung“.

Du, lieber Willy, hast nicht moderiert, du hast gestaltet. Du hast nicht gewartet, bis alle zustimmen, du hast einfach gegen Widerstände gearbeitet, gegen Häme, gegen Misstrauen, gegen die eigene Partei. Du bist in Warschau auf die Knie gegangen – nicht, weil es populär war, sondern weil es richtig war. „Mehr Demokratie wagen“, war kein Slogan, sondern ein bewusstes Risiko. Du hast Konflikte nicht gefürchtet, du hast sie in Kauf genommen. Heute wirkt es eher so, als würde man sich lieber vor Umfragekurven verbeugen als vor der eigenen Geschichte.

Die SPD war einmal eine Partei, die Konflikte ausgehalten hat. Die wusste, dass Fortschritt Reibung erzeugt. Heute wirkt sie ängstlich. Sie zittert sich von Wahldesaster zu Wahldesaster und wundert sich anschließend, warum niemand mehr Vertrauen in ihre Gestaltungskraft hat. Sie hat Angst, irgendjemanden zu verprellen – und verliert damit am Ende alle. Arbeiterinnen und Arbeiter, weil man nicht mehr für sie kämpft. Junge Menschen, weil man zentrale Realitäten ausblendet: dass die Rentenfrage ungelöst ist, dass der demografische Wandel längst Fakten geschaffen hat und dass es keine Zukunftspolitik ist, diese Themen aus Angst vor Unbeliebtheit zu umschiffen. Man verspricht Sicherheit, ohne zu sagen, wie sie finanziert werden soll. Man redet von Generationengerechtigkeit, ohne zu erklären, wer was tragen muss. Und man wundert sich, warum sich junge Menschen reihenweise abwenden.

Vielleicht könntest du Lars und den anderen mal kurz zuflüstern, dass die Sozialdemokratie ein Versprechen ist. Dass die Gesellschaft gerechter werden kann. Dass Macht kontrolliert werden muss. Dass Wirtschaft und Kapitalismus kluge Leitplanken brauchen. Dass Reichtum verpflichtet. Dass Demokratie durch Haltung lebt. Und dass Glaubwürdigkeit nicht entsteht, indem man Probleme kleiner redet, sondern indem man sie ernst nimmt – auch wenn sie unbequem sind.

15 Prozent, lieber Willy. Das ist kein Betriebsunfall. Das ist das Ergebnis jahrelanger Selbstverkleinerung. Ist es nicht höchste Zeit, wieder größer zu denken, statt immer nur Schadensbegrenzung zu betreiben. Also, falls du die Zeit findest: Die SPD würde sich freuen. Und wir uns auch.

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Ein offener Brief an… Nicolás Maduro

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Ein offener Brief an… Nicolás Maduro


Lieber Nicolás, wir wollten nicht verpassen, dir für deinen neuen Job viel Glück zu wünschen. Das fühlt sich für dich wahrscheinlich gerade alles noch total ungewohnt an in den USA, oder? Gerechnet hast du ja offensichtlich nicht mit dieser Beförderung. Wobei es dir eigentlich hätte klar sein müssen. Wer sich derart empfiehlt, wird geheadhunted. Du hast einfach zu viel richtig gemacht.

Deine Regierungstruppen und Sicherheitskräfte haben regierungskritische Leute ohne rechtliche Grundlage verhaftet und misshandelt. Viele sind einfach für immer verschwunden. Andere wurden ganz offen umgebracht. Du hast sehr nachhaltig die Menschenrechte mit Füßen getreten. Du hast die Demokratie und politische Pluralität systematisch untergraben. Du hast Wahlen manipuliert. Du hast das Parlament entmachtet. Du hast die Gewaltenteilung abgeschafft. Du hast die Opposition drangsaliert und schikaniert, sie ins Gefängnis gesperrt oder ins Exil getrieben. Du hast die Justiz und die Medienfreiheit eingeschränkt und du hast deine Sicherheitskräfte gerne einfach so auf Menschen gehetzt. Du hast die Armen immer ärmer werden lassen, während du dich bereichert hast. Korruption und Misswirtschaft waren deine liebsten Hobbys. Man munkelt auch etwas von Drogen in Cacao-Säcken. Kurz, du hast deine autoritäre Herrschaft mit allen Mitteln zementiert und man kann schlicht feststellen, dass du in Amt und Würden ein unglaubliches Arschloch warst.

Und klar, da werden nun einige schimpfen, über dieses Urteil, weil du ja das einzig übrige Bollwerk warst, der letzte Anti-Imperialist, mit dem man sich gemeinsam so herrlich empören konnte gegen den Westen und gegen die gemeinen Sanktionen und gegen den Kapitalismus. Wenn etwas klemmte, waren es die USA. Inflation? Hunger? Stromausfälle? Überall hatte die CIA ihre Finger im Spiel. Herrlich! Klar würde der Sozialismus funktionieren, aber die Amis machen ja immer alles kaputt. Und Armut ist im Grunde nur eine Form von Widerstand. Es war so schön, mit dir gemeinsam auf der moralisch richtigen Seite zu stehen. Das ist nun natürlich alles vorbei. Verständlich, dass nun manche traurig sind. Aber hey, vielleicht ist das auch ein neuer Anfang vom Ende.

Du spielst jetzt jedenfalls in Donalds Team. Klar, das läuft momentan noch alles heimlich. Er kann ja nicht so einfach zugeben, dass der wahre Grund deiner Entführung sein Interesse an deiner Expertise war. Wie steuert man ein Land in eine Autokratie, in eine Diktatur? Wer weiß das besser als du? Falls Donald Trump noch irgendwelche Skrupel hat, wirst du sie ihm ganz sicher ausreden. Und dann, in ein oder zwei Jahren, wird alles egal sein. Und du wirst das Gästehaus in Mar-a-Lago verlassen und alle auslachen, die gedacht haben, dass du im Gefängnis gesessen hast. Und dann werdet ihr beide eine Runde Golf spielen. Oder? Stimmt das alles gar nicht und du sitzt am Ende doch im Knast? Dann bist du aber schön blöd. Du hättest es wirklich wissen müssen. Irgendwo auf der Welt gibt es immer einen, der ein noch größeres Arschloch ist als man selbst. Und der hat dich jetzt am Wickel. So der so.

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Ein offener Brief an …Katherina Reiche

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Ein offener Brief an …Katherina Reiche


Liebe Katherina, lass dir das nicht gefallen! Zieh das jetzt durch, bau die Gaskraftwerke, egal was Brüssel sagt. Du hattest 20 Gigawatt versprochen, du musst jetzt Wort halten. Für uns alle – die wir in weiser Voraussicht unser Geld bei jenen Konzernen angelegt haben, die demnächst Milliarden verdienen werden. Was ist da eigentlich schiefgelaufen in Brüssel? Hast du vergessen, rechtzeitig mit den richtigen Leuten zu sprechen und die Türen zu ölen?

Vergossene Milch. Jetzt muss es umso mehr darum gehen, den Menschen die Gaskraftwerke als alternativlos zu verkaufen. Das muss weiterhin auf mehreren Ebenen passieren. Erstens musst du die „Dunkelflaute“ noch viel mehr als großen Teufel an die Wand malen. Das Motto: Grüner Strom schafft Unsicherheit. Mit Wind- und Solarenergie wackelt das Netz. Darum: Mehr Statements von der Sorte wie nach dem großen Ausfall in Spanien. „Der Blackout auf der Iberischen Halbinsel hat gezeigt, wie verwundbar unser Stromsystem sein kann“, hast du gesagt. Gar nicht so übel. Die grünen Energien können uns potenziell jederzeit ins Chaos stürzen. „Wir müssen gewappnet sein.“ Und klar: Gaskraftwerke sind die Lösung. Das freut die früheren Kollegen von Westenergie. Und es spielt bei all dem gar keine Rolle, dass der Stromausfall in Spanien wohl rein gar nichts mit erneuerbaren Energien zu tun hatte, sondern vielmehr mit einem ziemlich maroden Netz. Fakt ist, was die Leute glauben. Also immer schön die Geschichte vom guten, sicheren Strom (Gas) und vom schlechten, unsicheren Strom (Sonne und Wind) erzählen.

Aber das ist wie gesagt nur der erste Teil. Gleichzeitig musst du die Fortschritte bei der Stromspeicherung weiter kleinreden. Klar, die Preise für Batteriespeicher fallen, die neuen Natrium-Ionen-Batterien kommen jetzt sogar ohne kritische Rohstoffe aus und die Installation von Großspeichern wächst rasant – aber auf Gaskraftwerke können wir (natürlich) trotzdem nicht verzichten. Auch wenn immer mehr Menschen demnächst zu Hause ihren Strom speichern werden. Nein, die Zukunft sind Gaskraftwerke. Du, liebe Katherina, musst das immer wieder sagen, bei jeder Gelegenheit, damit die Leute das weiter glauben. Und das tust du ja auch. Da freut sich die fossile Lobby. Und falls die Leute trotzdem beginnen, an deinen Gaskraftwerken zu zweifeln, musst du einfach mit Atomkraftwerken drohen. Denn irgendwie muss ja die Grundlast gesichert werden. Atomkraftwerke funktionieren in Deutschland. Die Leute fressen fast alles, wenn sie nur das nicht fressen müssen.

Und nicht zuletzt bleibt natürlich Intransparenz deine vornehmste Aufgabe. Mauern, auf Anfragen nicht reagieren. Und immer schön satte Gebühren für IFG-Unterlagen verlangen, obwohl ein Gericht solche Praktiken bereits als rechtswidrig eingeschätzt hat. Ist vielleicht nicht legal, aber vollkommen egal. Sie können ja versuchen, sich gegen diese Praxis zu wehren. Mal sehen, wer finanziell am Ende mehr Ausdauer hat. So geht’s. Das ist der Job einer Bundesministerin für Wirtschaft und Energie. Und falls es 2029 mit einer Fortsetzung nicht klappt, sind die Sessel in der alten Branche schon vorgewärmt.

Wichtig ist, jetzt nicht ins Wanken zu geraten, angesichts irgendwelcher renitenter Brüssel-Beamten. Dann werden es halt nur 12 Gigawatt. Das reicht immer noch lässig für die Altersvorsorge. Gaskraftwerke helfen. Sie helfen dir, sie helfen uns und sie helfen der fossilen Energiewirtschaft. Es muss dir weiter darum gehen, zu bremsen, wo immer du kannst, liebe Katherina. Damit die fossilen Renditen noch eine Weile weitersprudeln. Dein Schaden wird es nicht sein.

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Ein offener Brief … an Karsten Wildberger und Patrick Schnieder

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Ein offener Brief … an Karsten Wildberger und Patrick Schnieder


Großartig! Dabei hatten wir die Hoffnung schon fast aufgegeben. Aber es scheint sie noch zu geben, Politiker, die sich nicht ständig in den Vordergrund drängen. Lieber Karsten und lieber Patrick, ihr seid ein Vorbild, ein Leuchtturm im Dunkel der populistischen Dampfplauderer. Das tut gut in einer Welt der Söders und Spahns. Kein grenzdebiles Burgergefresse auf Insta, keine AfD-Lookalike-Dummschwätzerei. Ihr bleibt bisher konsequent unsichtbar. Ihr seid die personifizierte Eine-Millionen-Frage bei Günther Jauch. Wie heißt aktuell der Minister für Digitales und Staatsmodernisierung? Und wie heißt der Verkehrsminister? Kleiner Tipp: beide CDU. Na? Eine Idee? Niemand? Genau, niemand! Und das ist doch das Geniale.

Das ist der Weg. Druck vom Kessel nehmen, keine Ideen zur Diskussion stellen, am besten gar keine Ideen haben, keine großen Ankündigungen machen, sich besser rarmachen, sich nicht jeden Tag in Talkshows setzen, sich einfach komplett raushalten. Deutschland braucht jetzt vor allem Ruhe und keine Schnellschüsse. Die Staatsmodernisierung ist beispielsweise ein komplexes Schätzchen. Entbürokratisierung, so könnte man die große Aufgabe synonym beschreiben. Da ist über viele Jahre ein Moloch gewachsen. Da muss man nun sehr vorsichtig dran schrauben, sonst wackelt am Ende das gesamte System.

Klar, die Unternehmen sind ungeduldig. Alle reden von Überregulierung und dass man schleunigst etwas tun müsse, weil sonst die Wirtschaft angesichts der Welt, wie Donald Trump sie sich wide-wide-macht, hier in Deutschland demnächst vollends zugrunde geht. Aber das ist bestimmt auch nur wieder so eine Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Nur weil ein paar Unternehmer schimpfen, muss man jetzt nicht gleich hektisch werden. Natürlich, einige werden noch in die Insolvenz müssen, bevor sich etwas verändert. Aber das ist nun mal so. Das ist Wettbewerb. Da sollte sich Politik ohnehin raushalten. Das ist einfach Markwirtschaft. Die bürokratie-resilienten Unternehmen, die sich eine eigene Rechtsabteilung leisten können und die genug Platz haben, um all die Akten aufzubewahren, die dereinst vielleicht irgendein Amt sehen will, sie werden am Ende umso potenter sein.

Gut, sie werden in der Fläche vielleicht nicht mehr so zahlreich sein. Und vielleicht wird auch der eine oder andere Handwerksbetrieb demnächst fehlen. Aber überstürzen sollte man jetzt trotzdem nichts. Wo wären wir denn ohne unsere Regeln? Bürokratie ist ja nicht nur schlecht. Sie schützt uns vor dem Chaos. Und manchmal auch vor uns selbst. Formulare, Vorschriften, Zuständigkeiten, Aktenstapel – das ist unser Sicherheitsgurt. Und wo wir gerade beim Thema sind. Wenn man ein Tempolimit auf Teufel komm raus nicht mehr thematisiert, kräht irgendwann kein Hahn mehr danach. Läuft!

Lieber Karsten, lieber Patrick, genau darum seid ihr unsere Helden. Ambitionen sind doch was für Anfänger. Ihr lasst es einfach laufen. Das ist klug. Das nimmt euch aus der Schusslinie. Ihr nehmt das Tempo raus. Während die anderen, die Söders und Spahns nur zu gern in die Lücke springen. Ihr seid unsere Geheimwaffe gegen all die panischen Innovationsrausch-Anfälle, gegen dieses permanente „Lasst uns jetzt alles umkrempeln!“-Getöse. Keine dröhnenden Pressekonferenzen, keine lauten Tweets, keine gehetzten Ankündigungs-Wettbewerbe, keine Schlagzeilen. Das ist brillant. Öffentlichkeit erzeugt nur Stress. Aufmerksamkeit zwingt zu Entscheidungen. Entscheidungen führen zu Fehlern. Fehler führen zu Kritik. Kritik führt zu Twitter-Shitstorms. Ein Teufelskreis. Ihr kennt das Spiel. Ihr macht nicht mit.

Und das ist großartig. Und sehr cool, sehr professionell. Sollen die Unternehmen doch nörgeln, wie sie wollen. Mehr Tempo, fordern sie. Mehr schnelle Hilfe. Mimimi! Man darf sich als Bundesminister einfach nicht unter Druck setzen lassen, dann macht man schon ganz viel richtig. Und wenn die Kritik zu laut wird, sagt man einfach auf irgendeinem Wirtschaftskongress „Technologieoffenheit!“ und schon haben einen alle wieder lieb.

So kann es doch jetzt gut (für euch) weitergehen. Wir sind begeistert von eurer erstaunlichen Fähigkeit, einfach da zu sein, ohne dass irgendjemand wirklich bemerkt, was ihr tut. Viele bekommen nicht mal mit, dass ihr überhaupt existiert. Danke für dieses mutige Raus-Halten, für eure vorbildliche Zurückhaltung und für die Gewissheit, dass wir uns wenigsten an manchen Stellen darauf verlassen können, dass alles so bleibt wie es ist. Das beruhigt wirklich ungemein. GAH

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Ein offener Brief … an Papst Leo XIV.

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Ein offener Brief … an Papst Leo XIV.


Heiligkeit, zunächst einmal: Glückwunsch zur Wahl! Es soll ja kein ganz einfacher Job sein, aber immerhin gibt es eine goldene Badewanne, ein päpstliches X-Konto und jeden Sonntag hunderttausende Leute, die dir zuhören müssen, egal wie lang die Predigt ist. Davon träumen andere!

Doch leider liegt ein dunkler Schatten des Weihrauchs über deiner Inthronisierung: Der plötzliche Tod deines Vorgängers wirft Fragen auf. Nicht zuletzt deshalb, weil sein letzter offizieller Besucher kein geringerer war als der amerikanische Vizepräsident J.D. Vance. Der Hillbilly-Elegie-Typ aus dem Rostgürtel. Man fragt sich: Was haben die beiden wohl besprochen? Einen Generalsegen für Ohio? Den Bau einer neuen Tesla-Arche für rechte Kulturkämpfer? Oder hat J.D. dem alten Papst einfach seine Weltanschauung erklärt und der hat sich dann gedacht: „Ich habe zwei Jahrtausende Kirchengeschichte überlebt, aber das ist nun wirklich zu viel!“

Ganz ehrlich: Der Umstand, dass der Pontifex kurz nach dem Besuch eines Mannes ablebte, der sich als spiritueller Erbe Ciceros und gleichzeitig als Bodyguard des Trumpismus sieht, ist doch mindestens auffällig! Sollte da nicht wenigstens eine vatikanische Kommission tagen? Oder vielleicht mal ein Exorzist die Bude durchkärchern? Sicher ist sicher, oder?

Doch wenden wir uns lieber der Zukunft zu – also dir. Und damit der ironischen Komik unserer Zeit: Denn jetzt sitzt du dort auf dem Stuhl Petri, dessen rechtes hinteres Stuhlbein allein älter ist als jeder Nationalstaat. Deine Vorfahren haben irgendwann einmal unseren Kontinent der Kathedralen verlassen, um woanders eine neue, viel bessere Welt zu basteln. Gut, eine, in der man glaubt, Dinosaurier seien deswegen ausgestorben, weil sie das Ablegen der Arche Noah verpasst haben, aber sei’s drum. Jetzt kommst du zurück, dahin, wo die Beichtstühle, die Heiligenverehrung, der Gregorianische Kalender und der ganze andere heiße Scheiß erfunden wurde. Wie fühlt sich das so an? Und was wir uns auch fragen: Seit wann trägt der Neue Westen die Werte der Alten Welt wie eine Monstranz vor sich her? Was ist das für eine drollige messianische Umkehrung?

Heiligkeit, du übernimmst das Papstamt in einer seltsamen Zeit. Die alten Weltreiche sind lange zerfallen, aber auf TikTok geht das Abendland täglich mindestens dreimal unter. Der Katholizismus hat Influencer, die vom Zölibat so viel halten wie von der Erdrotation, und gleichzeitig feiern konservative US-Politiker das Tridentinische Messbuch wie eine patriotische Verfassung.

Die Neue Welt tut so, als hätte sie das Alte Rom erfunden. Das, mit Verlaub, tun US-Amerikaner oft: So tun, als hätten sie irgendwas erfunden, was aber andernorts schon seit 3.000 Jahren existiert. Deshalb rollen ja auch immer alle mit den Augen, wenn die Amis mal wieder das Rad neu erfunden haben wollen.

Vielleicht ist jetzt aber genau das deine große Chance! Wer, wenn nicht du, könnte dem moralisch enthemmten Neokonservatismus das Weihwasser reichen? Wer sonst könnte der religiösen Nostalgie des amerikanischen Kulturkampfes den Spiegel vorhalten? Wer anders kann noch ein kleines bisschen Einfluss nehmen auf den Wahnsinn, der sich in Übersee abspielt? Sag denen da drüben doch mal, dass Gott das nicht gut findet, was Trump so verzapft. Dass das Himmelreich auf Erden ohne Trump zwar nicht automatisch kommt, aber doch zumindest etwas greifbarer wird. Uns glaubt das ja keiner, dir aber vielleicht schon. Du könntest die Welt retten!

Dafür, Heiliger Vater, wünschen wir dir Kraft. Humor auch. Und vielleicht eine gewisse Resistenz gegenüber amerikanischem Pathos. Der Papst ist tot – lang lebe der Papst. Möge dein Pontifikat klug, freundlich und möglichst unbesucht von US-Senatoren sein. Mit frevelhaftem Respekt und einer Prise Weihrauch grüßt ein Stadtkind der alten Welt.

MB

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