Gründungsstrecke Oktober 2026: Wein ohne Allüren – Wie Pierre Morzinkowski mit Next Generation Wine die Weinkultur entstauben will

Wein kann kompliziert sein. Herkunft, Rebsorte, Jahrgang, Ausbau – und dazu ein Vokabular, das Einsteiger*innen schnell das Gefühl geben kann, nicht genug zu wissen. Pierre Morzinkowski möchte genau das ändern. Mit Next Generation Wine hat er gemeinsam mit seiner Mutter Isabelle Kutzner in der hannöverschen Altstadt einen Ort geschaffen, an dem Wein vor allem eines sein soll: Genuss.

Am Ballhofplatz verbinden die beiden Weinhandel, Boutique und Treffpunkt. Im Sortiment stehen vor allem ausgewählte Weine aus Deutschland und Frankreich, darunter Naturweine, Champagner und alkoholfreie Alternativen. Dazu kommen Feinkost, Weinproben, Veranstaltungen und weiterhin der Onlineverkauf. Statt möglichst viele Flaschen ins Regal zu stellen, setzt Morzinkowski auf Auswahl und persönliche Beratung. „Kund*innen sollen nicht ratlos vor einem überfüllten Regal stehen, sondern schnell einen Wein finden, der zu ihnen, ihrem Geschmack und dem jeweiligen Anlass passt.“

Mit Fachbegriffen beeindrucken möchte er dabei niemanden. Viel wichtiger sei es, Neugier zu wecken und Menschen zum Probieren zu bringen. „Wein ist weder spießig noch verstaubt“, sagt Morzinkowski. Eine Haltung, die sich auch im Namen Next Generation Wine widerspiegelt – und in der Zusammenarbeit mit einer neuen Generation von Winzer*innen.

Dass ausgerechnet Wein einmal zum Mittelpunkt seiner Selbstständigkeit werden würde, liegt in seiner Familiengeschichte. Seine Eltern führten früher eine kleine Weinhandlung, seine Mutter ist Französin. Wein, Feinkost und Gastronomie gehören auf ihrer Seite der Familie seit Generationen dazu. Morzinkowski selbst schlug zunächst einen anderen Weg ein. Nach seiner Ausbildung zum Hotelfachmann verbrachte er 16 Jahre in der internationalen Hotellerie und arbeitete unter anderem in Jamaika, Slowenien, der Schweiz, Dubai und Washington D.C.

Irgendwann passte das Leben im internationalen Hotelmanagement jedoch nicht mehr zu dem, was er sich für seinen Alltag wünschte. Familie und Freund*innen fehlten ihm, und auch die Arbeit hatte sich verändert. Statt Gastgeber zu sein, bestimmten zunehmend Zahlen, Hierarchien und interne Interessen seinen Berufsalltag. Nach einem Burnout stellte sich für Morzinkowski deshalb eine grundsätzliche Frage: Wie ließen sich seine Erfahrung, seine Leidenschaft und der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung miteinander verbinden?

Die erste Antwort darauf war ein Online-Weinhandel. Das überschaubare Sortiment und die geringeren Fixkosten ermöglichten es ihm, seine Geschäftsidee zunächst Schritt für Schritt zu testen. Doch nach rund zwei Jahren war nicht nur der Keller voll. Morzinkowski merkte auch, dass ihm etwas Entscheidendes fehlte: der direkte Kontakt zu den Menschen.

Über Veranstaltungen ergab sich schließlich die Möglichkeit, ein Ladengeschäft am Ballhofplatz zu übernehmen. Gemeinsam mit seiner Mutter, die Feinkost und ihre Erfahrung aus der Tourismusbranche einbringt, entwickelte Morzinkowski den Onlinehandel zur heutigen Weinboutique weiter.

Heute kommen Menschen unterschiedlichen Alters in den Laden – neugierige Einsteigerinnen ebenso wie erfahrene Weintrinkerinnen. Viele stammen aus Hannover und der Region, andere entdecken Next Generation Wine beim Bummel durch die Altstadt. Besonders wichtig ist Morzinkowski die Stammkundschaft, die wiederkommt, Empfehlungen weitergibt und Freund*innen mitbringt. Entscheidend sei nicht, wie viel jemand über Wein weiß, sondern die Freude am bewussten Genießen.

Auch bei der Auswahl der Produkte geht Morzinkowski bewusst einen persönlichen Weg. Viele Weine stammen von kleinen, authentischen und häufig familiengeführten Betrieben. Bevor eine Flasche ins Sortiment kommt, möchte er wissen, wer dahintersteht, wie der Wein hergestellt wird und ob eine langfristige Zusammenarbeit möglich ist. Kontakte nach Frankreich sind zum Teil über die Familie entstanden, andere über Recherche, Reisen und Empfehlungen.

Prestige allein ist dabei kein Auswahlkriterium. „Bei Next Generation Wine soll der Preis vor allem den Inhalt widerspiegeln – nicht ein prestigeträchtiges Etikett.“ Den eigenen Anspruch fasst Morzinkowski in vier Punkten zusammen: „Gute Produkte, gute Preise, gute Menschen und eine gute Zeit.“ Entsprechend versteht er den Laden weder ausschließlich als Weinhandel noch als Bistro. Er soll ein Ort sein, an dem Menschen zusammenkommen, Fragen stellen, probieren und ihren eigenen Geschmack entdecken.

Dass das heutige Konzept deutlich anders aussieht als die ursprüngliche Geschäftsidee, betrachtet Morzinkowski nicht als Kurswechsel, sondern als Teil des Gründens. „Für mich ist Selbstständigkeit ein lebendiger Organismus.“ Eine Idee und ein Plan seien wichtig, ebenso wichtig sei es jedoch, tatsächlich anzufangen und Veränderungen zuzulassen. Der direkte Gästekontakt, eigene Veranstaltungen und ein fester Standort hätten sich erst im laufenden Geschäft als wichtige Bestandteile des Konzepts herauskristallisiert.

Diese Offenheit gibt Morzinkowski auch anderen Gründer*innen mit auf den Weg: realistisch planen, Feedback ernst nehmen und nicht stur an einem einmal festgelegten Weg festhalten. Veränderungen könnten eine Geschäftsidee weiterentwickeln, ohne deren ursprüngliche Vision aufzugeben.

Unterstützung bekam Morzinkowski auf diesem Weg auch von hannoverimpuls. Durch einen Tipp aus der Familie war er auf die kostenfreie Gründungsberatung aufmerksam geworden. Gemeinsam mit einem erfahrenen Ansprechpartner überprüfte er unter anderem seinen ersten Finanzplan und setzte sich damit auseinander, wie sich seine Idee so darstellen lässt, dass sie auch für Banken und andere Gesprächspartner nachvollziehbar wird.

Die Gespräche beschreibt Morzinkowski als „ehrlich, direkt und nicht immer bequem – gerade deshalb aber wertvoll“. Statt die Idee schönzureden, habe es kritische Rückfragen gegeben. Einige Annahmen der ursprünglichen Planung erwiesen sich dabei als wenig realistisch. „Dieses Feedback war anfangs nicht unbedingt das, was ich hören wollte.“ Rückblickend habe es ihm jedoch geholfen, Chancen und Herausforderungen eines reinen Onlinehandels realistischer einzuschätzen und offen für andere Entwicklungen zu bleiben.

Marcus Rohde, Bereichsleiter Gründung und Entrepreneurship bei hannoverimpuls, sieht genau darin eine wichtige Aufgabe der Gründungsberatung: „Unser Job ist es, Gründungsideen ein solides Fundament mit auf den Weg zu geben. Es gefällt nicht immer jedem, wenn wir kritische Fragen stellen und manchmal auch alles auf den Kopf stellen.“ Bei Morzinkowski habe genau dieser Prozess Wirkung gezeigt: „Bei Pierre hat das dazu geführt, dass er seine Idee und seinen Businessplan geschärft hat. Das Ergebnis kann sich nicht nur sehen lassen – es ist sogar ein Genuss!“

Aus einem Onlinehandel ist so Schritt für Schritt ein Laden geworden, der weit mehr sein möchte als ein Ort zum Flaschenkaufen. Next Generation Wine steht für eine Weinkultur ohne Berührungsängste – persönlich, neugierig und möglichst frei von Allüren. Oder anders gesagt: Man muss kein Weinprofi sein, um guten Wein zu genießen.

Kontakt:

Pierre Morzinkowski
Next Generation Wine GbR
Kreuzstraße 1
30159 Hannover
Telefon: +4917641728196
hello@next-generation-wine.com

https://next-generation-wine.com

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