Stadtkinder kochen: Kuchen mit Obst, das lecker schmeckt aber blöd heißt

Ich kann unmöglich der einzige Mensch auf der Welt sein, der findet, dass „Zwetschge“ eins der dämlichsten Wörter aller Zeiten ist. Für mich klingt es so, wie Sellerie schmeckt. Allein es aufzuschreiben beißt mir schmerzhaft ins Auge! Abszesse können so heißen. Meinetwegen auch Mitglieder der AfD, irgendwas Ekliges halt. Aber doch bitte nicht dieses wohlschmeckende pflaumenartige Obst! Mit seinem blau-grün-braunen Inneren sieht es aus wie der schmerzhafteste Pferdekuss, den man je erhalten hat! In der ganzen Republik verzehren sich Schnapsbrenner mit Filzhut und zu großem Schnurrbart nach diesen Früchten! Und was machen die Leute? Nennen sie „Zwetschgen“, als hätte die Frucht keinerlei ernährungstechnische Relevanz. Dabei sind sie die Swarovski-Steine in der Nahrungskette, so ist das nämlich! Da kann keine Nashi-Birne mithalten. Und eben aus diesem Grund backen wir heute einen Kuchen aus diesem gar göttlichen Wasser-Fruktose-Pektin-Konglomerat.

Für eine Backform, die in etwa 2/3 eines Backblechs misst, benötigen wir zunächst die Zutaten für einen ganz normalen Mürbeteig.

375g Weizenmehl, zwei Eier, 180g kalte Butter, 120g Zucker, eine Prise Salz sowie den Schalenabrieb von einer Orange. Letzteren kann man in kleinen Tütchen kaufen, falls man gerade keine Apfelsine zur Hand hat.

Wir schneiden die Butter in kleine Würfel und lassen die Küchenmaschine einen glatten Teig kneten, den wir in Frischhaltefolie wickeln und für mindestens eine Stunde im Kühlschrank parken.

In der Zwischenzeit waschen und entsteinen wir unser Superobst. 600g ohne Stein sollten es schon sein. Die kommen jetzt in einen Kochtopf, zusammen mit einem Schuss Wasser (etwa ein Schnapsglas voll), 2 EL Zitronensaft und 3 EL Zucker. Sind die Früchte weich, pürieren wir sie so fein wie möglich und nehmen den Topf von der Hitze. Mit etwas Wasser rühren wir dann 2 TL Speisestärke glatt, arbeiten die Mixtur zügig aber gründlich in das Püree ein und lassen die Masse noch einmal kurz blubbernd aufkochen, bevor wir sie zum Abkühlen zur Seite stellen.

Nun fahren wir in unserem Versuch, wirklich die komplette Küche einzusauen, fort:

5 Eier schlagen wir mit 150g Zucker und 3TL Zimt zu einer sehr schaumigen Masse. Ist das geschehen, fügen wir in kurzen Abständen 150g Mehl, 2TL Backpulver und 100g gemahlene Mandeln hinzu. Die Masse ist jetzt mehr cremig als schaumig, aber genau so soll es sein.

Den gut gekühlten Mürbeteig rollen wir aus und kleiden damit die Form aus – inklusive einem etwa anderthalb Zentimeter hohen Rand. Dann gießen wir zunächst das Fruchtpüree und danach den Zimtteig darauf, jede Schicht streichen wir gewissenhaft glatt. Bei 180°C Ober-/ Unterhitze muss der Kuchen etwa 40 Minuten auf mittlerer Schiene verweilen, dann sollte die Stäbchenprobe ein sauberes Ergebnis anzeigen. Jetzt müssen wir das gute Stück nach dem Auskühlen nur noch mit reichlich Puderzucker bestäuben und einen schönen Kaffee dazu aufbrühen. Fertig! Und wer das nicht mag, der ist nämlich selber ne Zwetschge, ätsch.


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