Tonträger August 2026

Finch – „Außenseiter, Spitzenreiter“

Im Grunde wie Jan Böhmermann mit geringerem Wortschatz: Weltmeister im Austeilen und beim leisesten Gegenwind empörtes Mimimi. In der Retrospektive als „geile alte Zeit“-Momente verklärte Dorftristesse, die sich mit Allmachtsphantasien und Selbstbeweihräucherung abwechselt. Zudem recht unrhythmisch für einen Rapper. Unnötig.

Suki Waterhouse – „Loveland“

Will man sich mit ihr identifizieren, geht das nur sehr bedingt. Besonders, wenn Waterhouse in einem ihrer Songs großspurig erklärt, sie könne jeden Mann auf der Welt haben. Doch wirkt die Großspurigkeit einer Frau, die selbst ihre eigene Band ist, drollig sympathisch in all der Heterogenität des mit Supportstars gespickten Albums. Spannend!

Glen Hansard – „Don’t settle (Vol.2 Transmissions west)“

Es ist der zweite Teil einer Werkschau, live aufgenommen im Funkhaus Berlin vor 600 Menschen. Nichts hier wirkt fehl am Platz, von Sekunde zu Sekunde wird immer deutlicher: Hansard ist ein unglaublicher Musiker, die Aufzeichnung von herausragender Klasse. Dass Glen Hansard nicht den Stand bekannterer Musiker innehat, ist eine wahre Schande.

Bring Me The Horizon – „Count Your Blessings (repented)“

Das erste Album einer Band, die seinerzeit auf MySpace durchstartete, klang auch genauso: Dünn, nicht zu Ende gedacht und schlecht gemischt. 20 Jahre später veröffentlicht es die Band erneut, ergänzt um einen einzigen neuen Song, der gekonnt die Brücke vom Früher zum Heute schlägt. Vielleicht der Moment, der langjährige Kritiker endlich überzeugt?

We Are Scientists – „Qualifying Miles“

Genug Meilen haben sie fraglos auf der Uhr, daraus gelernt aber eher nicht. Nichts gegen Anachronismen, sich aber standhaft zu weigern, auch nur im Ansatz mit der Zeit zu gehen und stattdessen weiter hymnischen Stadionrock zu machen, dessen Gitarren einem die Luft aus der Lunge quetscht und nie was Neues anzubieten, ist doch schon eher rückständig.

Disiniblud – „Disiniblud“

Jedes Geräusch auf dem Debütalbum dieser beiden New Yorkerinnen hat man schon einmal irgendwo anders gehört. Dass es trotzdem toll ist, liegt daran, dass dem Duo der Kniff gelingt, Electronica, Folk und Indiepop zu etwas zusammenzuweben, das zeitgleich transzendental, verspielt und doch stellenweise fast apathisch klingt. Im besten Sinne eine Klasse für sich!

Jack White – „Frozen Charlotte“

Als ihm im Flur seines Studios eine Figur zerbrach und er sie mehr schlecht als recht wieder zusammenklebte, dachte sich Jack White: „Gar keine üble Idee!“. Und baute aus den Scherben vorausgegangener Ärgernisse ein musikalisches Werk auf, das so energiegeladen wie zerstörerisch wirkt. Auf Krawall gebürstet, in Angriffshaltung präsentiert sich „Frozen Charlotte“ also maximal aggressiv und bissig. Doch erinnert es auch an die früheren White Stripes-Machwerke, alles ist ein bisschen dreckig, hallt etwas nach, bleibt roh. Einzig Meg Whites kontrollierten Drumstil sucht man hier vergebens. Dafür findet man breitbeinigen, einfachen Rock’n’Roll. Und auch Freestyle-Jazz Momente à la: Wer will noch mal, wer hat noch nicht?, die dem Album zwar Jam-Charakter verleihen, es aber auch zerfasern und der Hitdichte ganz klar abträglich sind. Muss man schon mögen.

Muse – „The Wow!Signal“

In den letzten 20 Jahren haben Muse es auf jede erdenkliche Weise verkackt; jeder Versuch, alle Fans gleichermaßen glücklich zu machen, endete mit faulem Obst und der Erkenntnis, dass es offenbar wieder nicht geklappt hatte. Da darf man sich schon zu Recht fragen, ob es denn dringend ein weiteres Album gebraucht hätte. Hätte es nicht, aber schön, dass es da ist. Schon immer waren die Momente, in denen die Band sich nicht allzu ernst nahm, die besten und davon gibt es hier eine ganze Reihe. Der halbgare Alien-Weltraum-Quatsch, den Matt Bellamy so gerne verwendet, ist in den Lyrics wieder gut vertreten, der bekannte Kitsch zieht sich wie ein roségoldener Schleier über alles. Man darf sich ob der einen oder anderen produzentischen Entscheidung durchaus an den Kopf fassen, nur ist das eben Muse: Schrullig, cheesy, aber auch sehr catchy und in den besten Momenten wieder ein bisschen so progrockig wie früher.

» IH


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