Ehrenamtliches Engagement – KinderHelden
Von Bildungs- und Chancengleichheit ist das deutsche Bildungssystem Meilen entfernt. Wie erfolgreich man durch seine Schuljahre kommt, hängt noch immer von ökonomischen und sozialen Faktoren ab. Die KinderHelden setzten da an, wo das System versagt.
Kinder starten nicht alle mit den gleichen Voraussetzungen in die Schule: Wenn die Alleinerziehenden lange arbeiten müssen und nicht mittags nach der Schule ihren Kleinen bei den Hausaufgaben helfen können. Wenn zu Hause kaum Deutsch gesprochen wird. Wenn viele Geschwisterkinder ebenso nach Aufmerksamkeit verlangen. Die Lebensrealitäten sind vielfältig, doch diese Unterschiede prägen oft den Bildungsweg entscheidend. Diese Lücken fängt das Schulsystem nicht genügend auf. „Diese Kinder haben schon beim Schulstart einen riesigen Nachteil, den sie ihr ganzes Bildungsleben mit sich herumtragen werden“, betont Laura Held, die Projektmanagerin von KinderHelden.
Die KinderHelden wollen dem entgegenwirken. Grundschulkindern mit schwierigen Startbedingungen werden ehrenamtliche Mentor*innen an die Seite gestellt. „Je früher wir ansetzen, desto mehr können wir bewegen, damit dieser Nachteil gar nicht erst so groß wird“, fährt Laura fort.
Denn Kids brauchen Menschen, die ihnen zuhören, ihnen Anregungen geben, sie ermutigen und unterstützen – auch außerhalb der Familie. „Die Mentor*innen sind für die Kinder Vorbilder, Gesprächspartner*innen, Lernunterstützungen, Freizeitbegleiter*innen“, erklärt Laura. Einmal die Woche treffen sich die Tandems für zwei, drei Stunden an einem öffentlichen Ort. „Aber wie die gemeinsame Zeit gestaltet wird, ist wirklich total unterschiedlich bei jedem Tandem. Weil auch die Kinder so unterschiedlich sind.“ Ob schwimmen gehen bei gutem Wetter, ein Besuch im Landesmuseum, Hausaufgaben machen, das Einmaleins im Park üben oder bei vermeintlichem Schietwetter bei einem Spaziergang in Pfützen springen – die Möglichkeiten für die Gestaltung der Zeit sind vielfältig. „Das ist ja auch alles Lernen. Und so wichtiges – nämlich wie kann ich meine Freizeit gestalten? Das sind oft sehr lebenspraktische Sachen“, meint Laura.
Alle Kids, die an diesem Projekt teilnehmen, machen das freiwillig. Und mit großer Freude: „Es ist halt jemand, der nur für sie kommt. Jemand ganz Besonderes. Diese Bezugsperson müssen die Kinder nicht teilen, nicht mit den Geschwistern, nicht mit den Klassenkamerad*innen – sondern es ist ein*e Kinderheld*in nur für sie.“
In Hannover gibt es dieses Projekt seit 2019. Finanziert wird der Verein über Spenden. „Wir haben in Hannover das Glück, dass wir eine ganz tolle Unterstützung von der Swiss Life Stiftung haben“, betont Laura. Jedes Jahr können im Rahmen der KinderHelden ca. 100 Kinder in sechs Kooperationsschulen in Hannover gefördert werden. Bundesweit sind es jährlich sogar 1400 Kids.
Und das Projekt zeigt Wirkung. „Es gibt bei uns tolle Erfolgsgeschichten von Kindern,
die es dank ihrer Mentor*innen als erste aus ihrer Familie aufs Gymnasium geschafft haben.“ Auch die Evaluation, die im letzten Jahr durchgeführt wurde, zeichnet eine positive Bilanz. Die Lesekompetenzen der Kinder, ihr Selbstwert und psychisches Wohlbefinden – all das ist im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Tandems gestiegen. „Das ist so wertvoll!“, unterstreicht Laura.
Damit noch mehr Grundschüler*innen von diesem Projekt profitieren können, braucht es mehr Mentor*innen. „Ich glaube, dass jede*r Mentor*in sein kann. Wer irgendwie neugierig ist und Lust hat, sich auf das Projekt einzulassen, kann uns gerne die Zeit schenken.“ Sobald man 16 Jahre alt ist, verlässlich zwei, drei Stunden die Woche Zeit hat und das Interesse mitbringt, auf eine andere Lebenswelt zu stoßen, ist man bei den KinderHelden goldrichtig. Zeit, die nachhaltige Veränderungen bewirken kann: „Man kann als Mentor*in für den*die Einzelne*n den Unterschied machen.“
Jule Merx
KinderHelden
Swiss Life Platz 1, 30659 Hannover
www.kinderhelden.info
Telefon: 0511-90204850
Instagram: @kinder_helden_ggmbh

Nach industriell gefertigten Backmischungen kann man in der Backstube der Bio Handwerksbäckerei Backwerk lange suchen – vergebens. „Alles wird bei uns in Handarbeit hergestellt“, erklärt Ruth. Sie und ihr Mann Christian sind die Gründer*innen von Backwerk. „Man hat eigentlich drei oder maximal vier Zutaten, die für sich genommen eigentlich relativ langweilig sind: Mehl, Wasser, Salz, Hefe. Aber daraus bekommt man ein wirklich wohlschmeckendes Produkt, das lange hält, satt und glücklich macht“, meint Christian.
Gegründet hat das Paar das Backwerk am ersten Januar 1999. Der Weg zum Backhandwerk verlief für beide damals aber über Umwege. Christian nennt es „Zufall“. Sein Studium der Wirtschaftswissenschaften brach er ab. „Ich musste irgendwo arbeiten gehen. Da, wo ich unser Brot gekauft habe, wurde eine Aushilfe in der Konditorei gesucht. Und dann habe ich da einfach angefangen“, erinnert er sich. Aus dem Job beim Bäckerkollektiv „Doppelkorn“ wuchs die Leidenschaft für das Backhandwerk, eine Lehre zum Bäckergesellen folgte. Zufällig bekamen Ruth und Christian dann die Chance, eine kleine Demeter-Bäckerei zu übernehmen. Knapp 24 Jahre buken sie mit ihrem Team in dem kleinen Laden in der Südstadt als Nachbarschaftsbäckerei ohne viel Laufkundschaft. „Früher gab es im Stadtteil an jeder dritten Straßenecke einen Bäcker“, meint Ruth.
So manche*r rätselt nun aufgrund des unheilvoll wirkenden Namens, woher die Straße ihren Namen hat. Nun, die Antwort scheint auf der Hand zu legen: Lange dachte man, die Straße sei nach der gleichnamigen Bahnstation benannt worden. Okay, nicht jede*r dachte das, aber es gibt Leute, die dachten das. Dabei fuhr die erste Pferdestraßenbahn erst ab 1872 in Hannover, also viel später, ganz zu schweigen von der elektrifizierten Straßenbahn, die dann in den 1890er-Jahren ihren Siegeszug antrat. Aber die Straßenbahn ist dennoch ein gutes Stichwort, weil man – wenn man in einer solchen an der Schlägerstraße hält – regelmäßig infantil kichernde, alberne Schulkinder antreffen kann, die darüber fabulieren, dass man hier vor Ort schnell mal Schläge bezieht. Tatsächlich ist es gar nicht einmal so schwer, Passant*innen in der Schlägerstraße dazu zu provozieren, dass sie einen ordentlich durchprügeln – doch die Probe aufs Exempel zeigt: Das funktioniert auch in anderen Straßen nicht minder gut.
Aus der allerletzten Wienerwald-Filiale nach altem Konzept in Hannovers Südstadt ist daher nun Anfang Dezember das Restaurant Hendl & Glut geworden.
Lars Kompa