Michael Strickling und Robert Trusheim von der Hannöverschen Tafel e. V.

Sie kennen sich schon ihr halbes Leben, waren als Lehrer an der gleichen Schule tätig und sitzen auch heute mindestens einmal in der Woche nebeneinander – während ihrer Tour für die Hannöversche Tafel. „25 Jahre lang haben wir Radtouren zusammen gemacht, jetzt machen wir Touren mit dem Lieferwagen“, lachen die beiden.
Der Verein Hannöversche Tafel wurde 1999 zur Unterstützung von Bedürftigen gegründet, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht in der Lage sind, aus eigener Kraft ausreichend für die Lebensmittel ihres täglichen Bedarfs zu sorgen. Im September 2005 hat die Tafel ein Projekt zur speziellen Hilfe für Kinder ins Leben gerufen. Seither ist die Kindertafel ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit geworden.

Verlässlichkeit wird groß geschrieben bei der Hannöverschen Tafel, die mit den beiden Ruheständlern einen Glücksgriff getan hat. Michael Strickling ist schon seit 2016 dabei. „2015 bin ich nach 37 Jahren als Lehrer in Rente gegangen“, erklärt Strickling. „Meine Schwester, die im Kölner Raum lebt, engagiert sich für die dortige Tafel und hat mich auf die Idee gebracht. Ich war eigentlich offen für alles, nur mit Schule sollte es nichts zu tun haben. Ich habe dann angerufen und gefragt, ob man mich brauchen könnte und die Antwort war ‚Können sie morgen anfangen?‘“ Robert Trusheim, seit 2012 im Ruhestand, engagierte sich zunächst in seiner Kirchengemeinde. Seit Stricklings ursprünglicher Beifahrer 2018 schwer erkrankte und Trusheim spontan als Aushilfe einsprang, ist auch er mit dabei.
In ihrer wöchentlichen Tour für die Kindertafel laden die beiden Freunde zunächst Bestände aus dem Lager der Tafel ein und holen dann an sechs Supermärkten überschüssige Lebensmittel ab. Im Anschluss fahren sie Kindergärten und Schulen, die einen Mittagstisch für bedürftige Kinder anbieten, an. Dazu kommen Familien-Wohnheime in Seelze, Garbsen und Hannover-Stöcken. Sechs Stunden müssen die beiden einplanen für ihre Tour. Die Angestellten in den Supermärkten kennen Strickler und Trusheim schon und legen Ware für sie zurück. „Schimmeliges nehmen wir nicht mit, wir sind ja keine Entsorger“, so Strickler. „Und Abgelaufenes dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht mitnehmen, selbst wenn es noch gut ist. Wir haben ja auch eine Verantwortung dafür, dass die Lebensmittel einwandfrei sind. Wenn die Kühlkette zum Beispiel unterbrochen war, müssen wir die Sachen ablehnen. In der Regel bekommen wir das, was noch nicht verkauft ist, wenn eine neue Lieferung gekommen ist. Die Ware muss dann raus, weil die Supermärkte einfach keinen Platz dafür haben.“
„Einmal haben wir sogar Akquise gemacht und Mitarbeiter eines Aldi-Marktes angesprochen, der auf der Strecke lag“, erzählt Trusheim. „Die Tafel musste dann in der Filialdirektion um Erlaubnis fragen. Dort wurde grünes Licht gegeben und seitdem fahren wir diesen Markt auch an. Das ist super, weil er ja genau auf unserem Weg liegt.“
Für die Tätigkeit als Fahrer bei der Tafel muss man natürlich in erster Linie Autofahren können, ein guter Orientierungssinn kann auch nicht schaden. „Und man sollte schon zupacken können“, erklärt Strickling. „Wenn die Kisten voll sind, wiegen die schon mal 20 Kilo.“ In der Regel werden Ausgabestellen, oft in Räumen von Kirchengemeinden, angefahren, bei denen die Waren sortiert in Kisten präsentiert werden. Menschen, die sich hierfür zunächst registrieren und ihre Bedürftigkeit nachweisen müssen, können dann aus den Lebensmitteln gegen einen symbolischen Beitrag von ein oder zwei Euro auswählen, was sie brauchen. Wenn Strickler und Trusheim morgens losfahren, wissen sie nicht, was die Supermärkte ihnen zur Verfügung stellen werden. „Das ist manchmal nicht einfach“, so Trusheim, „denn die Leute sind ja wirklich darauf angewiesen.“ „Leider haben wir den Eindruck, dass die Menge der überschüssigen Lebensmittel kleiner wird“, ergänzt Strickler. „Vielleicht können die Märkte heute besser kalkulieren.“
„Es ist eine gute Sache, die wir hier machen“, freut sich Strickler. „Wir hatten beide Glück im Leben und geben nun etwas zurück, indem wir etwas für unsere Mitmenschen tun“, ergänztTrusheim. Beide haben sichtbar Spaß an ihrer Tätigkeit und der Begegnung mit den Menschen auf ihrer Tour. „Im Laufe der Jahre bauen sich da auch persönliche Beziehungen auf“, beschreibt Strickler, „und das ist eigentlich das Schönste daran.“            ● Annika Bachem

www.hannovertafel.de


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