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Literarisches :Tobi Wagner

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Literarisches :Tobi Wagner


Als Illustrator und Comiczeichner erzählt Tobi Wagner seit vielen Jahren Geschichten mit Zeichnungen. Anfang September erscheint nun sein erster Roman im Ovis Verlag und auch darin begleitet ihn sein Humor: „Der Hase des Unheils“, ein Roman über Ängste, Menschen und andere Zumutungen, richtet sich an junge wie fortgeschrittene Erwachsene, die sich für psychische Gesundheit interessieren. Gleichzeitig bietet er auch für die Leser*innen ohne fachlichen Bezug eine unterhaltsame Lektüre durch ihren feinen Humor, die originelle Erzählfigur „Furchtmar“ und die liebevoll überzeichneten Alltagsszenen.

Im Vorwort beschreibt der Psychiater und Neurologe Prof. Dr. Volker Busch drei Wege, mit Angst umzugehen: Tabletten, Verdrängung und Konfrontation. Tobi Wagner würde mit seinem Roman auf clevere und sensible Art den dritten Weg einschlagen. Dieser käme in den großen Lehrbüchern viel zu selten vor und sei doch so oft von Erfolg gekrönt: „Man gibt der Angst einen Namen, einen Stuhl im Wohnzimmer und ein leicht zerzaustes Fell (Tobi nennt sie Furchtmar).“ Als Arzt und Therapeut mag er die Botschaft dieses Buches sehr und stütze sie aus „vollem Herz und vollem Hirn“.

Tobi Wagner hat die Frage beschäftigt, ob sich ein Thema wie Angst und Selbstzweifel anders erzählen lässt. Nicht als Ratgeber oder therapeutischer Erfahrungsbericht, sondern als literarische Geschichte. Deshalb hat die Angst in seinem ersten Roman eine eigene Gestalt: den heruntergekommenen Hasen namens Furchtmar. Er kommentiert Frühstück, Telefonate, oder den Einkauf im Supermarkt und erklärt jede Alltagssituation zur möglichen Katastrophe.

Humor dient dabei nicht dazu, Ängste ins Lächerliche zu ziehen. Im Gegenteil: Er soll Abstand schaffen und sichtbar machen, wie sich Grübeln, Unsicherheit und innere Selbstgespräche manchmal anfühlen. Das Buch nimmt das Thema Ernst, ohne schwer zu werden.

Der Autor lebt und arbeitet mit seiner Familie in Schöppenstedt, zusammen mit Katze, Hühnern und Kaninchen. Er ist seit vielen Jahren in Niedersachsen und anderen Orten künstlerisch tätig, arbeitet als Illustrator, Comiczeichner und Autor für Verlage, Magazine und freie Projekte, war lange als Journalist und Fotograf einer Tageszeitung tätig und ist auf Geschichtscomics, humorvolle Illustrationen und erzählerische Kunst spezialisiert. Seine Werke verbindet Witz, eine feine Beobachtungsgabe und spielerische Leichtigkeit, die auch komplexe oder ernste Themen zugänglich macht.

Zudem besteht eine Verbindung aus regionalem Künstler und gesellschaftlich aktuellem Thema, auch mit Bezug zur Stadt Hannover: „Ich bin regelmäßig in der Stadt und hatte dort durch verschiedene Fotoprojekte Kontakt zu Menschen wie Klaus Meine von den Scorpions, Ulli Stein oder Ingo Siegner (Der kleine Drache Kokosnuss), mit dem ich immer noch in gutem Kontakt stehe.“ Besonders die Begegnung mit Ulli Stein, dem 2020 verstorbenen hannoverschen Cartoonisten beliebter Sketche über Alltagsituationen, bleibt ihm im Gedächtnis. „Er hat bei meinem Benefiz-Fotoprojekt mitgemacht. Anschließend saßen wir noch lange bei ihm zu Hause und haben uns über Comics unterhalten. Sein Humor hat mich schon früh geprägt. Ich habe ihm damals einen meiner Comics über 900 Jahre Wolfenbüttel mitgebracht und er meinte tatsächlich, so etwas könne er nicht. Am Ende musste ich sogar mein eigenes Buch für ihn signieren. War etwas surreal.“ Über Ulli Steins Managerin kam Wagner dann mit seiner heutigen Verlegerin vom Ovis Verlag mit Sitz in Burgwedel in Kontakt. Damit führt ein direkter Weg von Hannover zu seinem heutigen Buch. „Hannover selbst ist im Roman zwar nicht konkret zu erkennen, aber natürlich sind auch Eindrücke in die nicht näher bezeichnete Stadt im Buch eingeflossen.“

„Der Hase des Unheils“ erscheint im Ovis Verlag in Großburgwedel als Tobi Wagners erstes rein textbasiertes Buch, das auf eigene Erfahrungen, Beobachtungen und Gesprächen beruht, einen niederschwelligen Zugang zu einem hochrelevanten Thema bietet und damit in das wachsende Segment der belletristischen Literatur rund um mentale Gesundheit jenseits von Ratgebern oder Therapieberichten passt.

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Literarisches: Stefan Heuer

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Literarisches: Stefan Heuer


Stefan Heuers neuer Gedichtband „und später die nacht“ mit ihrem aufgerissenen maul, erschienen im März dieses Jahres im Elif Verlag, beeindruckt mit Intensität und Dichte, ohne in Krokodilstränen und Kitsch abzurutschen. Persönlich und poetisch, ohne sich um größtmögliche Zugänglichkeit zu bemühen. Denn Heuer scheut nicht vor dem Unsagbaren zurück, gibt dem Verlust eine Sprache und fängt dadurch die „[sprachlosigkeit der anderen]“ ein. Der Ursprung liegt dabei in einem zufälligen Ereignis, das den in Burgdorf lebenden Autor so ergriff, dass er darüber schreiben musste.

Wobei eine Veröffentlichung im Verlag damals noch gar nicht geplant war. „Du triffst einen alten Schulfreund. Na, wie geht’s? Normalerweise kommt ein ‚ganz okay‘. Doch er sagt: ‚Nicht gut, ich sterbe bald.‘ Wie führt man das Gespräch weiter? Schon das nächste Wort ist das Schwerste“, erzählt Heuer. Aus diesem schweren ersten Wort folgten Gespräche, Notizen, Gedanken, Sätze und schließlich ein Buch. „Einmal im Prozess, stellt sich nicht mehr die Frage, ob man weiterschreibt – man tut es einfach“, sagt Heuer. Auch wenn während des Schreibens – und noch jetzt nach der Veröffentlichung – für ihn oft die Frage aufkam, ob er das überhaupt könne: so persönlich über die Krebserkrankung eines ehemaligen Schulfreunds zu schreiben. „Was fällt mir ein, über das Leben von jemandem zu schreiben? Ich bin ja kein Biograph“, reflektiert er. Trotz der Zweifel ermutigte ihn der Verleger des Elif Verlags, das Thema literarisch weiter zu gestalten. Erfahrung im Schreiben bringt Heuer dabei reichlich mit: Seit 1997 veröffentlichte er regelmäßig Werke der Lyrik, Prosa und experimentellen Kurzdramatik.

Der 80 seitenlange Gedichtband „und später die nacht mit ihrem aufgerissenen maul“ ist letztlich kein Krebstagebuch geworden, sondern „ein poetisches Werk über Freundschaft und Tod“. Er bietet Raum für Rückblicke und Reflexionen und ist das Persönlichste, was Heuer bis jetzt schrieb. Das merkte er, als er öffentlich daraus lesen sollte und es nicht konnte: „Vielleicht kann ich in ein, zwei Jahren locker darauf schauen, aber jetzt ist es noch zu nah.“ Dabei ist ihm die Auseinandersetzung mit Realität und Vergangenheit nicht fremd. Seine bisherigen Werke greifen oft die Wirklichkeit auf. Umso überraschender, dass diesmal das Schreiben ihn näher ans Thema brachte, statt Abstand zu schaffen. „Wenn du monatelang an so einem Buch arbeitest, bist du Tag und Nacht gedanklich darin. Das hat mich ausgelaugt“, meint Heuer. Als Leser*in ist das zum Glück anders: Die Sätze fordern, ohne zu überfordern.

Vielleicht liegt es an Heuers Wortakrobatik, seinen Vergleichen und Metaphern, den Zeitsprüngen, die in die Kindheit und Jugend zurückführen. Der Tod ist unausweichlich, doch Heuer vermeidet große Rührseligkeit. Er fängt dagegen das große Ganze ein: „[das spiel und sein limit]“, die Vergänglichkeit des Seins, das Leben, das man ins Feuer wirft: „[hör doch, wie du knisterst]“. „So zu schreiben, dass es für andere verständlich bleibt, war die größte Herausforderung“, hebt der 1957 geborene Künstler hervor. Heuer nutzt auch andere Ausdrucksformen: Collagen auf Röntgenbildern, Symbole des Kassettenrekorders – „das typische Ding aus meiner Jugendzeit“. Rewind, Play, Stop. „Es drängte mich, alles nicht nur in Worten, sondern auch visuell festzuhalten.“ Diese Elemente geben dem Buch Struktur. Mal spult auch der Text vor, dann wieder zurück. Hält inne, entzieht sich oft chronologischer und szenischer Reihenfolge. Oft der Blick zurück, wenn nach vorn nichts mehr kommt. Im Vordergrund steht dabei die Verdichtung der Realität „[ein letzter bissen licht. dann nacht]“, egal ob als Erinnerung [von den lerchen lernten wir flug und gesang, und mit getreidestoppeln bewaffnet zogen wir in den krieg] oder schonungslose Momentaufnahme im Krankenhaus „[kein duft nach weiter welt, nur frische kotze und urin]“. Trotz anfänglicher thematischer Scheu von Rezensierenden bestätigen ihm vor allem Leser*innen, dass die Veröffentlichung richtig war. Vielleicht, weil sie doch irgendwie Trost spendet, indem sie Krankheit, Abschied und Erinnerung poetisch ausdrückt, wenn eigene Worte fehlen und alle „[gedanken und lichter gedimmt]“ sind. Das Prinzip des Lebenswillens, der Kampf im kranken Menschen. Als Metapher: „[Die Schlange und der Mungo]“. Ein Buch, das sich ehrlich, abstrakt und doch ganz direkt dem Furchtbaren widmet, ohne das Schöne darin zu vergessen. Denn auf die eine oder andere Weise kämpft jede*r irgendwann mit der Schlange.

» AS

und später die nacht mit ihrem aufgerissenen maul
Stefan Heuer
Elif Verlag, 22 Euro

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Literarisches: Martina Riccarda Niklis

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Literarisches: Martina Riccarda Niklis


Die Hannoveranerin Martina Riccarda Niklis arbeitet als Krankenpflegerin – das Schreiben begleitet sie jedoch schon seit vielen Jahren. In ihrem autobiographischen Debütroman „Ein anderer März“ begibt sich die Erzählerin auf eine eindringliche und befreiende Reise in ihre Vergangenheit.

Menschen entwickeln die unterschiedlichsten Wege und Strategien, um mit traumatischen Erlebnissen umzugehen. Warum das Niederschreiben solcher Erlebnisse für Martina Riccarda Niklis besonders kraftvoll ist, liegt im Zusammenspiel zweier Erfahrungen: Es eröffnet den Menschen durch den authentischen Blick in ihre Geschichte die Möglichkeit, sich darin wiederzufinden, und ermöglicht der Autorin selbst, ihrer eigenen Geschichte eine neue Form zu geben. Mit ihrem ersten Roman „Ein anderer März“ widmet sich die Autorin einer lebensverändernden Aufgabe: der Auseinandersetzung mit einer traumatischen Vergangenheit, deren Aufarbeitung eine gewaltige Herausforderung darstellt. Die in einem März getroffene Entscheidung, das Buch anzugehen, beschreibt sie als Tür, durch die sie trat:

„In diesem anderen Raum, in dem ich mich wiederfand, dachte ich nie mehr über die Entscheidung nach. Ich schrieb bis zum Ende.“ Ausgangspunkt des Buches ist die Rückkehr einer verdrängten Erinnerung an einen sexuellen Missbrauch in einem von Sprachlosigkeit, den Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs und Alkoholismus geprägten familiären Umfeld. Schon als Jugendliche begann die Autorin, Kurzgeschichten und Gedichte zu verfassen. „Mich fasziniert die Suche nach dem einen Wort, das genau den Kern trifft“, sagt sie und spricht dabei nicht nur von ihren persönlichen Erfahrungen, sondern auch über Fragen, die viele Menschen betreffen: Wie wirken sich familiäre Traumata über Generationen hinweg aus? Warum bleiben manche Erfahrungen jahrelang unausgesprochen? Und wie kann aus Schmerz Inspiration entstehen?

Die Tür zur Inspiration möchte Niklis auch für ihre Leserinnen und Leser öffnen. Sie wünscht sich, dass „Ein anderer März“ Menschen dabei unterstützt, einen neuen Blick auf sich selbst und ihre eigene Geschichte zu entwickeln und berichtet: „Immer wieder erzählen mir Leserinnen und Leser, dass sie sich in meinen Worten wiederfinden“. Der Gedanke des Perspektivwechsels zieht sich durch den gesamten Roman, den die Autorin im Kern als eine Erzählung darüber beschreibt, „wie ein Mensch sich Schritt für Schritt seine Würde und seine Verantwortung für das eigene Leben zurückerobert“. Dass diese Botschaft
glaubwürdig wirkt, liegt auch an der Offenheit, mit der sie ihre eigene Geschichte erzählt, ohne dabei den Blick für das Universelle zu verlieren. Literarisch fühlt sich Niklis keiner bestimmten Richtung verpflichtet. Sie liest ebenso begeistert die gesellschaftlich präzisen Romane von Mareike Fallwickl wie die Erzählkunst Stephen Kings, dessen Buch „Das Leben und das Schreiben“ sie nachhaltig geprägt hat. „Ich mag Literatur, die den Mut hat, genau hinzusehen, auch dort, wo es unbequem wird“, sagt sie und beschreibt damit zugleich ihren eigenen literarischen Anspruch.

Für Martina Riccarda Niklis bedeutet „Ein anderer März“ letztlich vor allem eines: Freiheit. Das Buch sei für sie der Beweis, dass Menschen nicht auf das reduziert sind, was ihnen widerfahren ist. Indem sie ihrer Geschichte eine neue Ausdrucksform gibt, entziehe sie sie ein Stück weit den Händen der Vergangenheit. Gleichzeitig versteht sie ihr Debüt nicht als Abschluss eines Kapitels, sondern als Anfang eines neuen Weges: „Während das Buch seinen Weg zu den Leserinnen und Lesern findet, arbeite ich bereits an meinem zweiten Roman. Das Schreiben ist längst zu einem festen Teil meines Lebens geworden, und ich freue mich darauf, diesen Weg weiterzugehen“. Ihr Wunsch für die Zukunft ist Ausdruck ihrer Überzeugung, weiterhin genau hinzusehen und Menschen einzuladen, die eigene Perspektive zu verändern. Denn vielleicht beginnt mit dem Entdecken einer Tür, die den Mut verlangt, geöffnet zu werden, eine andere Zeit.

» Emilia Encke

Ein anderer März
Paperback
418 Seiten
ISBN 978-3-695-17262-7
20 €
www.riccardaniklis.de

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Literarisches: Reinhard Mischke

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Literarisches: Reinhard Mischke


Reinhard Mischkes Bildband „Unterwegs im Tiergarten Hannover“ ist nicht nur eine Ruheoase für jeden, der oder die es betrachtet, sondern auch ein Ort zum Entdecken. Mit seinem Objektiv fängt er eine atemberaubende Atmosphäre ein und bringt den Duft sowie die zarten Geräusche der Natur direkt in Nase und Ohr der Betrachtenden. Vom Singvogel bis zum Rothirsch lichtet Reinhard Mischke die Bewohner des Tiergartens in ihrem natürlichen Lebensraum ab, sodass man die Chance bekommt, die Tiere auch in Momenten zu betrachten, in denen sie sich ganz unbeobachtet fühlen und man normalerweise nicht zu Gesicht bekommt.

Der Tiergarten Hannover ist nicht nur ein schöner Ort, der Ruhe und Erholung in der Stadt ermöglicht, sondern ist für viele heimische Wildtiere ein Zuhause. Sowohl in Freigehegen als auch teils freilaufend lassen sich die verschiedensten Tierarten beobachten – und Reinhard Mischke fängt sie alle mit seiner Kamera ein: Ob beim Schlafen, auf Nahrungssuche, beim Herumtollen, aus nächster Nähe oder weiter Ferne. Singvögel, Eichhörnchen, Damhirsche, Wildschweine, Rehe, Nilgänse, Rothirsche und Mufflons; sie alle finden bei ihm einen Platz. Nicht nur Tierliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Der Tiergarten Hannover zeichnet sich auch durch seine naturschöne Wald- und Wiesenlandschaft aus. Reinhard Mischke liefert neben besonderen Bildern auch interessante Fakten über die Historie des Parks und die abgelichteten Tiere. Geschmückt mit kleinen Anekdoten und hin und wieder eine Prise Humor, sind seine Texte unterhaltsam und für jeden verständlich aufbereitet. Als Tierarzt und Professor an der Tierärztlichen Hochschule Hannover hat er die nötigen Informationen sofort parat. Eine tolle Ergänzung zum Fotomaterial. Wer will, kann sich also einfach an der Tiervielfalt und der Liebe zum Detail sattsehen und die, die noch etwas dazulernen wollen, werden nicht enttäuscht. Entstanden sind die Aufnahmen meist am Wochenende, gelegentlich auch vor oder nach seiner Arbeit. „Für Tierbilder ist man am besten ganz früh oder relativ spät unterwegs“, berichtet er. „Im sanften Morgenlicht oder in der Dämmerung, wenn sich der Park etwas leert und die Tiere mutiger werden, lassen sich die interessantesten und schönsten Fotos gewinnen.“

Die Fotografie ist für Reinhard Mischke nicht nur eine nebenberufliche Leidenschaft. „Für mich ist es gleichzeitig ein Ausgleich zur Tätigkeit als Tierarzt, die ja viel Zeit und Kraft erfordert. Vor allem da man häufig mit den Schicksalsschlägen kranker Tiere konfrontiert wird. Da ist die Atmosphäre und beispielsweise die Beobachtung einer Mufflonherde im Tiergarten genau das Richtige, um die Gedanken kreisen zu lassen“, erzählt er. Nicht nur heimische Tiere interessieren ihn, denn Reinhard Mischke ist schon viel in der Welt herumgekommen und seine Kamera war immer dabei. Tierportraits und Landschaftspanoramen in den unterschiedlichsten Klimazonen, über oder unter Wasser konnte er bereits ablichten. Seit knapp 20 Jahren publiziert er regelmäßig seine Bilder und Fotostrecken in foto- und naturkundlichen Journals und Magazinen und liefert dazu immer spannende, wissenswerte Texte. Seine Reisen haben ihn schon an die unterschiedlichsten Orte dieser Welt geführt: Unter anderem auf die Malediven zum Tauchen mit Schildkröten, Haien und Delfinen, mehrmals nach Costa Rica zu Tapiren und Nasenbären, auf die Falklandinseln zu Pinguinen und Seeelefanten und vielen weiteren nennenswerten Zielen. „Dabei habe ich so viel erlebt, dass ich gar nicht sagen könnte, welche die schönste Reise gewesen ist“, ergänzt er. Unbedingt bereisen wolle er noch Namibia und die Atacama Wüste, unter anderem aufgrund der besonderen Landschaft. Auf die Frage, welches der vielen Tiere, die er in seinem Leben bereits gesehen hat, sein liebstes ist, hat Reinhard Mischke eine unterhaltsame, fast unerwartete Antwort: „Gegen die Erwartungen der Besitzerinnen und Besitzer meiner Patientinnen und Patienten sind meine Lieblingstiere die Meerschweinchen. Meine Frau und ich haben ein Pärchen und bei uns zu Hause, Chiquitita und Leo heißen sie.“

Wer sich nun noch immer nicht an Reinhard Mischkes Bildern sattsehen kann, der darf sich freuen, denn er verrät, dass voraussichtlich nächstes Jahr ein Bildband über den Hermann-Löns-Park mit Annateich erscheinen wird, der wie der Tiergarten zu einem der bedeutendsten Gartenkunstwerke Hannovers zählt.

» Lilly Struckmeier

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Literarisches: Marco Finkenstein

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Literarisches: Marco Finkenstein


Marco Finkenstein, Zeichendozent aus Hannover, lässt sich von allem inspirieren, was ihm unter die Nase gerät. Ganz besonders schlägt sein Herz jedoch für das Fantasy-Genre. Deshalb begann er eines Tages seine eigene fantastische Welt zu Papier zu bringen und hält heute seine erste lange Comicerzählung in den Händen: „Maximillo und der Gloriogant“.

Seine künstlerische Reise startete bereits in seiner Kindheit. „Ich zeichne schon mein Leben lang. Von Kinderbildern, über Wettbewerbe und Werbung, bis hin zu Mathelehrern mit Gurkennasen“, erzählt er. Marcos Vorbilder in der Comicwelt sind zahlreich: Darunter unter anderem Carl Barks, der bekannteste Zeichner und Autor der Disney-Comics rund um die Familie Duck, Karikaturist Walt Kelly und seine „Pogo“-Comicstrips und Bill Watterson, der mit „Calvin und Hobbes“ eine Freundschaft zwischen Kind und Tiger aufs Papier brachte. Schließlich Jeff Smith, der amerikanische Zeichner und Autor der Fantasy-Reihe „Bone“, von dem sich Marco am meisten hat inspirieren lassen: „Inhaltlich ist mein Comic wohl der Welt von Jeff Smith am nächsten. Auch bei ihm gibt es kleine, eher unbedarfte Wesen, die in etwas Riesiges hineingeworfen werden. Im „Gloriogant“ geht es zunächst um Schrulliges und Obskures, dann öffnet sich das Tor ins Epische. Aus kleinen Zufällen wird plötzlich ein Gesamtbild, da lauert etwas hinter all dem Bunten. Und da geht dann richtig die Post ab.“ Im gleichen Atemzug verrät er, dass zwei Fortsetzungen geplant sind – dazu später mehr.

An Inspiration fehlt es Marco nicht, denn seine ganze Umwelt kitzelt kreative Ideen und Gedanken aus ihm heraus: „Mich inspiriert alles, von der Handseife im Waschbecken über zerknüllte Papierkugeln bis hin zu allem, was kreucht und fleucht.“ Hintergrunderzählungen und Charakterzüge kommen ihm mal ganz spontan in den Sinn, mal lassen sie ein wenig auf sich warten und entwickeln sich dann aber im Handumdrehen. So entstand die Figur „Maximillo“ in ihrer Rohform schon 2013. Nach vielen anderen Projekten wurde Marco schließlich von seiner Frau dazu bekräftigt, dieser Figur endlich ein eigenes Universum zu geben. Ab da begann Marco wie im Rausch, der Welt um Maximillo turbulentes Leben einzuhauchen. Gezeichnet habe er mit schwarzen Tuschestiften auf Papier, Vorzeichnungen mache er mit Bleistift. Dann werde die Zeichnung gescannt und in Photoshop nach seinem Geschmack koloriert. Nach 1.000 Arbeitsstunden war der erste Teil der Comicerzählung abgeschlossen. „Ein bisschen aufwendig war das schon“, berichtet Marco. „Organisiert habe ich das neben meinem Hauptjob als Zeichendozent so, dass ich einfach morgens um vier aufgestanden bin und dann gezeichnet habe. Zweieinhalb Jahre lang.“ Entstanden sind die Abenteuer um Maximillos Welt überall: in allen möglichen Cafés, an verschiedenen Stränden, in Hotelbars, auf dem Fußboden liegend und an knarzenden Tischen. In Hannover, Paderborn, Lübeck, Kiel, Rostock und Mailand. „Meine Frau kann sich mich überhaupt nicht mehr ohne einen ,Maximillo‘-Zeichenblock vorstellen.“

Was macht Marcos Fantasy-Welt so besonders? Für ihn ist Fantasy mehr als nur das Abrufen von Standards wie Elfen, Orks und Tolkien. „Fantasy heißt Spinnen, Fühlen, Erfinden“, sagt Marco. „Meine Welt quillt über vor seltsamen Kreaturen mit noch seltsameren Namen, alles ist irgendwie miteinander im Groove, es gibt so eine Lockerheit der Geschehnisse. Und manches ist einfach ungewöhnlich und unerwartet. Damit meine ich gar nicht so sehr die große ganze Gesamtheit der Story, sondern eher das kleine Extrazeug, was plötzlich ins Bild flupst.“ Das stimmt, denn auf ausnahmslos jeder Seite ist irgendeine, wenn auch kleine Kuriosität zu entdecken. Auch hat die Geschichte eine dezente politische Message, denn sie warnt vor zu viel Eitelkeit und Machtrausch und kann somit alle Altersklassen erreichen. „Für Kids und Verrückte!“, lacht Marco.

Momentan ist Marco auf Seite vierzehn des zweiten Bandes und kann somit ganz offiziell verraten, dass es nicht nur eine, sondern gleich zwei Fortsetzungen geben wird. Ihm gefalle jetzt schon der Schaffensprozess, das Sich-Freuen, das Handwerkliche und die innere Einkehr beim Zeichnen. „Bald werde ich auch den Titel des zweiten Buches verraten“, berichtet er, denn die komplette Story für Band zwei ist schon fertig. Jetzt freue er sich aber erstmal, dass sein Lesepublikum den ersten Teil in den Händen halten und in die Geschichte eintauchen kann. Ein kleiner Traum von ihm ist, „irgendwann mal Post von Lesenden zu bekommen, welche eine Psia, einen Maximillo oder den Glorioganten gezeichnet haben. Dann platze ich vor Glück.“ Also los, ran an die Comics und Stifte!

» Lilly Struckmeier

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Literarisches: Burkard Rabe von Pappenheim

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Literarisches: Burkard Rabe von Pappenheim


Ein Förster, ein Mord, und ganz viel Waldwissen. Burkhard von Pappenheim verbindet all
das in einem Krimi. Knapp, dialoggetrieben, auf 150 Seiten.
Wald, Wild, Tod – ein Försterroman von Burkard Rabe von Pappenheim (B.Rabe). Als
Journalist schreibt von Pappenheim sein Buch anders als andere Autorinnen. Eine Krimi-Geschichte, Wissen über den Wald und eine Liebesgeschichte auf 150 Seiten. „Ich mag keine Texte, bei denen ich das Gefühl habe, da wird etwas wiederholt, das ich schon weiß. Redundanzen stören mich. Ich schreibe lieber klar und zielgerichtet“, sagt Burkhard von Pappenheim über sein erstes Buch. Der Journalist und Autor besitzt in Liebenau, im Dreiländereck Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, ein Stück Wald, das er bewirtschaftet. „Dort kümmere ich mich intensiv um unseren kleinen Wald von 100 Hektar und habe angefangen, ihn im Sinne der naturnahen Waldwirtschaft umzubauen. Ich arbeite da auch selbst mit: pflanze und arbeite mit der Motorsäge – immer mit Profis. Dadurch habe ich einen Einblick in die ganze Bandbreite bekommen.“ Schon lange wollte von Pappenheim das, was er dort tagtäglich erlebt, zu Papier bringen und etwas über die Leute schreiben, „die sich schon seit Jahrzehnten dafür einsetzen, den Wald vorsichtig und nachhaltig zu behandeln“. So kam die Idee, Wissenswertes mit einem Krimi zu verbinden – Pappenheims Lieblingsgenre. „Die Geschichte hat in meinem Kopf rumgegeistert. Das hat mich irritiert und ich habe gemerkt, ich werde sie nur los, wenn ich sie aufschreibe.“ Der Förster Alexander Wilesen wird zu einer der Hauptfiguren in Wald, Wild, Tod. In seinem Waldrevier häufen sich die Probleme: Ein Wolf wird erschossen. Dann ein Jäger. Dazu schleichen Wilderer durch Wälder, der Borkenkäfer frisst sich durch Fichten und eine Frau protestiert lautstark gegen die Jagd. Alexander muss entscheiden, ob er eingreift. Ein Krimi über Wald, Mensch, Liebe und die Frage, wie weit man für das einsteht, was man kennt und schützen will. Von Pappenheim ist in seinem Roman nicht der klassische allwissende Erzähler. Er sagt über sich: „Ich bin ein handlungsgetriebener Leser: Wenn jemand aus der Tür geht und nach rechts abbiegt, möchte ich nicht wissen, warum – sondern wohin.“ Als Autor wählt er also Dialoge als Stilmittel, um Handlung, Gesehenes und natürlich auch Gesagtes zu beschreiben. „Dialoge treiben einen Text voran, machen Spaß und bringen Leben ins Buch. Deshalb erkläre ich Dinge lieber im Dialog als in Beschreibungen.“ Durch die fehlenden Ausmalungen liest sich von Pappenheims Roman beinahe protokollartig, kantig. Das Werk eines Journalisten, dem das „Bla-Bla abgewöhnt“ worden ist. Wald, Wild, Tod ist im Eigenverlag erschienen. Dadurch lassen sich kleine Makel finden: Es gibt keine Seitenzahlen, das Buch ist nicht im Blocksatz gelayoutet und ohne professionelles Lektorat haben sich auch kleine Schreibfehler eingeschlichen. Vorerst ist von Pappenheims Försterroman sein einziges Buch. Aber „es irrlichtet wieder etwas in meinem Kopf. Ich denke, irgendwann wird da wieder so viel sein, dass es raus muss.“ Bisher vorwiegend in seinem näheren Umfeld gelesen, „sickert“ das Buch unterdessen in eine breitere Leserinnenschaft. „Ich habe sehr gute Rückmeldungen
bekommen, keiner hat sich abfällig geäußert. Ich hätte also den Mut, ein zweites Buch zu
schreiben. Dann aber in Zusammenarbeit mit einem Verlag.“
Burkhard von Pappenheim verwebt in Wald, Wild, Tod Sachbuch mit Kriminalroman und
erfindet so ein neues Genre, das „amüsant und unterhaltend“ Wissen vermitteln möchte. Der
Försterroman ist ein „Plädoyer für die naturnahe Waldwirtschaft im Gewand einer
spannenden Geschichte über eine mörderische Auseinandersetzung zwischen Jagdgegnern
und Jägern.“

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