Zah1de – „Pretty Privilege“
Niemand fühlt Musik intensiver als ein Teenager. Das gilt auch für die Rapperin, deren Name irgendwie an eine BIC erinnert. Künstlerisch eher uninteressant, da nichts davon ihrer eigenen Feder entstammt, aber hand- und mundwerklich extrem beeindruckend. Wenn es zu einem zweiten Album kommt, müssen sich einige alten Hasen sehr warm anziehen.
J.B.O. – „Haus of the Rising Fun“
Die sind lustig, wenn du unter 20, betrunken und gerade in Erlangen bist (eigene Erfahrung). Danach: Schlimm und peinlich. Als Beweis dafür dient auf diesem Album u.a. „Woke on the Smater“. Die 90er-Jahre haben angerufen, sie wollen ihre Spoonerismen genau so sehr zurück wie die Original-Songs ihre Würde. An die Band: Bitte löst euch auf.


Von Wegen Lisbeth – „Strandbad Eldena“
Top-Idee: Ins Wachsfigurenkabinett gehen. Man ist unter Leuten, aber alle halten die Fresse. Der beste Gedanke auf diesem Album. Der Rest ist eine Aneinanderreihung „unterhaltsamer“ Gleichnisse, bei denen man die Stimmen junger Leute im Hinterkopf hat „Voll random! Aber same here, total relatable!“. Kann weg.
Alter Bridge – self titled
Wer immer noch Creed hinterher trauert, dem ist auch nicht zu helfen. Harte Riffs, komplexes Songwriting, wuchtiger, kompromissloser Sound, darüber treiben Tremonti und Kennedy einander an und singen sogar gemeinsam (und beide gut). Das Album schließt mit einem 8minütigen Meisterwerk – wird von Genrevertretern in 2026 hart zu schlagen sein.


Beyond The Black – „Break The Silence“
Musikalische Übertötung! Von den meisten Effekten hätten ein paar Tropfen gereicht, aber die Band bevorzugt einen Eimer voll. Es ist zu viel von allem, gepaart mit einem bulgarischen Chor hier, französischem oder deutschem Gesang dort. Als hätte man ein Kleinkind eine ohnehin zu süße Hochzeitstorte dekorieren lassen. Schade eigentlich.
Hinterlandgang – „Vielleicht wird alles gut“
Sie sind nicht die größten Rapper oder akrobatischsten Wortzauberer, aber sie haben ein untrügliches und exzellentes Auge für Bilder. Hört man ihnen zu, wähnt man sich selbst im Hinterland, grau und verlassen in einem Ort, der auf -ow oder -in endet, irgendwo in MeckPomm. End- 80er- Klangästhetik trifft auf Wende-Vibes, Rap und Liebe. Skurril.


Versengold – „Eingenordet“
Es ist rund, abwechslungsreich und hitdicht, Freunde von Mythen kommen ebenso auf ihre Kosten wie Melancholiker und Trunkenbolde. Also alles richtig gemacht, könnte man meinen. Oder? Hm, weiß nicht: Irgendetwas stört. Versengold haben die (ostentativ) richtige Haltung, das wird unterstrichen, indem man ein Feature mit einem anderen Großen auf die Beine stellt (hier Sebastian Madsen, „Falscher Leuchtturm“), denn schließlich machen das heute alle so. Man gönnt sich Klamauk und Lustigkeiten, mit dem Ergebnis, dass es klingt, als hätte man den Ballermann nach Kappeln an der Schlei verlegt (vgl. „Klabauterfrau“, „Dans op de Deel“). Letztlich bleiben es Haus-Maus-Reime, gewandet in – man verzeihe das Wortspiel – Seemannsgarn, gewoben aus In Extremo, J.B.O. und den Dubliners. Kann man bestimmt gut finden, wenn man denn will, aber eigentlich zu viel von zu viel.
Die Sterne – „Wenn es Liebe ist“
„Langeweile ist ein Pulverfass, am Ende bist du Fan von irgendwas“. Da komm ich ins Schwitzen: Ist mir etwa langweilig? Denn: Was ist das für eine gute Platte, bitte? Ich habe diesen ganzen Hamburger Schule-Diskurs-Pop immer verstehen wollen, was mir aber nie gelang, da viel zu ernstgemeint und spaßbefreit, das alles. Along comes Frank Spilker. Schon der erste Track, „Ich nehme das Amt nicht an“ (großartig auch das Video in schwarz-weiß: Spilker als Atze Schröder-Lookalike mit Vampirzähnen) macht Freude und versprüht ein bisschen David Byrne-Vibes, während beim zweiten („Ändern wir je den Akkord?“) die Rhythmusgruppe treibend und eindrucksvoll The Ruts-mäßig vor sich hin rametert. Und so schön geht‘s weiter bis Track 10, das Highlight ist aber Nummer 6, „Ich habe nichts gemacht (außer weiter)“. Nahezu herrlich! Ja, warum denn nicht gleich so?


IH
