Ein offener Brief… an Ursula von der Leyen

Liebe Ursula, Respekt! Wirklich. In einer Zeit, in der sich die mächtigen Männer dieser Welt mal wieder gegenseitig mit diversen irren Ungeheuerlichkeiten überbieten, hast du bewiesen, dass Wahnsinn kein biologisches Geschlecht hat. Das darf man getrost historisch nennen. Wenn alle Herren permanent die Zone mit Scheiße fluten – wie es neuerdings so schön heißt –, dann sollten die Frauen jetzt einfach mal mitmischen. Ein genialer Plan mit geopolitischem Kalkül. Die Logik ist brillant. Wenn Autokraten und Narzissten die Vernunft begraben, sollte Europa sich nicht isolieren, sondern ebenfalls zur Schaufel greifen. Wer am bescheuertsten agiert, gewinnt. Der mit der schönsten Rolle rückwärts wird am Ende die Nase vorn haben. Los geht’s: Atomkraft!

Der ganz neue, heiße Shit. Da sind wir gerne maximal technologieoffen und freuen uns, weil nun vielleicht doch noch auf uns alle eine strahlende Zukunft wartet. Natürlich alles ganz anders, viel smarter, ganz niedlich und klein. Small Modular Reactors. Klingt großartig. Bitte mehr von diesen englischen Akronymen. Das hat diesen Sound von Startup und Innovation, das brauchen wir in Europa und insbesondere in Deutschland. Dafür müssen wir unbedingt Geld locker machen. Das sind lohnende Investitionen in Visionen. Wer weiß denn schon, was die Wissenschaft in Zukunft noch ausbaldowern wird. Vielleicht werden wir uns eines Tages in den Urlaub beamen können. Oder sie erfinden ein Faxgerät mit Bluetooth. Oder Small Modular Reactors, die restlos den eigenen Atommüll verbrauchen. Okay, das ist alles noch ein bisschen zu schön, um wahr zu sein. Diese kleinen Dinger rechnen sich noch nicht, ohne riesige Subventionen wird es wohl nie gehen, die Bauzeiten sind noch zu lang, die Technologie ist noch nicht wirklich serienreif und am Ende bleibt wohl doch immer ein kleines bisschen Müll übrig, den man über zehntausende Jahre irgendwo sicher aufbewahren muss. Davon abgesehen, dass die Brennstäbe auch nicht auf den Bäumen wachsen. Aber das sind ja alles nur Details. Unkenrufe aus der Wissenschaft. Man kennt sie ja, diese grünen Bedenkenträger, die alles kaputtreden, nur weil sie vielleicht das eine oder andere Buch mehr gelesen haben. Es ist gut, dass wir mit der CDU/CSU hier bei uns und der EVP in Europa Menschen haben, die auch mal die Wissenschaft beiseitelassen und schlicht an etwas glauben. Was ist klüger als die Fähigkeit, aus Fehlern der Vergangenheit neue, teurere Fehler zu entwickeln, und das dann Fortschritt zu nennen? Wo kommen wir denn hin, wenn wir den Glauben an solche Ideen verlieren?

Darum sind nicht nur wir dankbar für dein Plädoyer für die Atomkraft, für deinen klaren Kurs. Klein denken ist angesagt. Kein Geld mehr für erneuerbare Energien, Speichertechnologien und kluge Netze, solche Ideen sind nur was für Technokraten, die noch an Evidenz glauben. Wir sind alle zusammen dankbar. Deine große, kleine Atom-Idee, das ist Balsam für die von grünem Schmalz verklebten Ohren der Menschen hierzulande. Findet ja auch der Markus Söder. Was dir, liebe Ursula, den Rücken stärken wird. Denn wenn die Richtigen jubeln, weiß man, dass man einen klugen Kurs eingeschlagen hat. Markus Söder hat das schöne Bayern bereits als Testlabor für die Small Modular Reactors vorgeschlagen. Und für den Atommüll wird er bestimmt demnächst noch ein Endlager (in einem anderen Bundesland) aus dem Ärmel schütteln. Oder wie wäre es tatsächlich mit Bayern. Die Infrastruktur ist gut und eine gewisse Bereitschaft, Dinge unter den Teppich zu kehren, ist politisch ja durchaus vorhanden. Vielleicht wäre Bayern sogar eine gute Endlagerlösung für ganz Europa. Der Müll ist ja der Rohstoff der Zukunft.

Und ein schönes Endlager wäre Bayern auch für alle, die an der großen Energiewende mitgearbeitet haben. Du liebe Ursula, könntest in bester Gesellschaft mit all den anderen Atom-Fans, vielleicht mit Macron und Söder in der Nachbarschaft und in Sichtweite eines süßen Reactors deinen Alterssitz finden, mit einer großen Pferdezucht. Bestimmt werden wir mit den Jahren ganz neue Mutationen erleben, fünf Beine statt vier, zwei Köpfe aber halb so klug. Eigentlich das perfekte Symboltier für deine neue europäische Energiepolitik.


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