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Stadtkinder essen: Cham The Vegan Kitchen

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Stadtkinder essen: Cham The Vegan Kitchen


Bevor die Weihnachtszeit so richtig reinhaut und wir uns nur noch von Lebkuchen oder schweren Hauptgerichten ernähren, dachten wir uns, wir machen vielleicht noch mal einen Ausflug in die vegan-asiatische Welt. Auch die sozialen Medien sind voll davon und alle schwören auf ein Lokal: Das Cham in der List. Also machen wir uns auf den Weg dorthin.

Optisch macht es schon mal einen guten Eindruck – sofern wir etwas erkennen können, denn es ist relativ dunkel hier. Allerdings nicht ungemütlich. Das Cham wirbt mit „nachhaltiger“ Küche und wir sind gespannt, was das bedeuten soll. Alle Gerichte sind vegan und Hauptbestandteil der meisten Angebote auf der angenehm dimensionierten Karte ist Tofu. Über die Nachhaltigkeit im Soja-Anbau sollte vielleicht noch einmal gesprochen werden, aber dieses globale Problem wollen wir heute Abend nicht wälzen. Die Karte empfiehlt, pro Person drei der kleinen Gerichte zu je 5,90 Euro auszusuchen. Es gibt zwar auch Bowls zu je 13,90 Euro, aber wir möchten so viel wie möglich entdecken. Zu trinken wählen wir einen Grauburgunder (8,50 Euro, 0,2l) und eine hausgemachte Maracuja-Limonade namens „Passionate Asian“ (5,90 Euro). Der Wein ist schmackhaft aber nicht über die Maßen beeindruckend, bei der Limonade sieht das schon anders aus: Die vorherrschende Süße wird durch die Säure der frischen Maracuja relativiert. Extrem lecker! Zumindest, solange man sich nicht an dem eher schleimigen Fruchtfleisch stört, aber das tun wir nicht.

Schnell kommen auch unsere Wahlgerichte: „Golden Oyster Mushrooms“ – hinter diesem hübschen Namen verbergen sich gut gemachte „Schnitzelchen“ aus Austernseitling, die mit einer hausgemachten Tamarindensauce gereicht werden. Letztere überzeugt uns nicht so sehr, der Pilz aber umso deutlicher: Knusprig und sehr lecker. Die Tamarindensauce taucht auch bei den „Crispy Sea Bites“ wieder auf, veganen Shrimps am Spieß in Panko-Panade. Auch die sind extrem gut gemacht. Im Inneren befindet sich etwas, das von der Machart an Surimi erinnert. Was genau es ist, können wir nicht sagen, aber es schmeckt nach Shrimp, ist nicht zäh und macht Spaß zu essen. Toll! Auch bei „Golden Hour“ handelt es sich um ein kleines Highlight: Es ist ein rotes Curry mit frischem Gemüse und Tofu, von der Konsistenz eher eine Suppe. Sie erinnert ein wenig an Tom Kha Gai und ist perfekt abgeschmeckt – absolute Probierempfehlung. Die „Crunchy Tofu Sticks“ sind Seidentofu am Spieß im Rice Flakes-Mantel gebacken, zu denen eine Himbeer-Chili-Sauce gereicht wird. Beides begeistert uns und wir sind uns einig, wenn überhaupt, dann nur selten zuvor Tofu in so schöner Konsistenz gegessen zu haben. Kein bisschen Gummi- oder Spülschwamm-artig und mit der Himbeersauce eine richtig schöne Sache. Leider bleiben die letzten zwei Gerichte dahinter ein ganzes Stück zurück: „Chams Pocket“ enthüllt gebackene Teigtaschen mit Karotten-Rettich-Knoblauch-Füllung. Dazu sollte ein hausgemachtes Limetten-Chili-Dressing gereicht werden. Was wir bekommen, ist aber eine Sweet Chili-Sauce, von der wir nicht glauben, dass sie hausgemacht ist. Leider sind die Teigtaschen nicht wie angegeben knusprig. Sie sind weich und schmecken eher etwas tranig – ein bisschen wie zu lang stehengelassene Kartoffelpuffer. Rettich und Karotte sind leider nicht herauszuschmecken. Auch der „Sweet Friend Fried“ überzeugt uns nicht. Süßkartoffelpommes mit einer hausgemachten Mayonnaise mit Trüffelöl – die sollten ebenso knusprig sein. Das ist bei Süßkartoffel aber generell recht schwierig und hier nicht wirklich geglückt. Allerdings sind sie schön gewürzt, auch wenn der Einsatz des Trüffelöls in der Mayo für unseren Geschmack einen Hauch zu beherzt ausfiel. Alles in allem finden wir aber, eine gute Auswahl getroffen zu haben. Schmackhafte und ausgefallene Gerichte zu einem fairen Preis und wir versprechen: Auch einem erklärten Omnivoren wird hier nichts fehlen!

Cham – The Vegan Kitchen

Wedekindstraße 34

30161 Hannover

www.chamthevegankitchen.de

Mo-Sa: 11.30-22.30 Uhr

So: 14-22.30 Uhr

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Stadtkinder essen: 1666 – Café & Törtchenboutique

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Stadtkinder essen: 1666 – Café & Törtchenboutique


Das Leben kann scheiße sein. Da lebst du eine sorglose Kindheit, genießt alle Privilegien, die man im 17. Jahrhundert halt so genießen kann und heiratest mit 16. Von da an geht’s bergab. Du heiratest auch nicht irgendwen, sondern deinen Cousin 1. Grades. Blutlinie, Besitztümer, der ganze Quatsch. Dass du den Typen überhaupt nicht leiden kannst, interessiert keine Sau. Außerdem geht der Vogel die ganze Zeit fremd, hat sogar zwei Kinder mit seiner Mätresse. Da denkst du dir: Das kann ich auch! Geht aber nicht lange gut, dann kommt alles raus, dein Lover verschwindet mysteriöserweise und taucht nie wieder auf. Wenn du jetzt die Klappe hältst, läuft schon alles und mit ein bisschen Glück wirst du noch Königin von England. Aber nein, du musst dich ja unbedingt scheiden lassen und zur Strafe für den Rest deines Lebens in irgendeinem abgelegenen Schloss am Arsch der Heide rumhängen. Ja, das Leben kann scheiße sein.

So. Wo wir jetzt alle so schön deprimiert sind, brauchen wir etwas Gebäck zur Aufmunterung. Da bietet sich das 1666 förmlich an. Das heißt nämlich so, weil es das Geburtsjahr von oben genanntem Pechvogel ist: Sophie Dorothea Herzogin von Braunschweig-Lüneburg. Und aus irgendeinem Grund hängt ein riesiges Porträt an der Wand des Cafés, was dann namensgebend wurde. In der schönen Altstadt, genauer gesagt, in der Kramerstraße, speist es sich hochherrschaftlich und gegen ein bisschen Dekadenz – Torte an einem Mittwochnachmittag – ist nichts einzuwenden. Wir bestellen zwei Mal die Pumpkin Spiced Latte (je 5,50 Euro), ein Stück Cappucino-Birnen-Torte (5,50 Euro), ein Stück Quiche der Woche, in unserem Fall Brokkoli-Kürbis (6,90 Euro) und zwei Riesencookies (je 3,10 Euro), einen mit weißer Schokolade und Pistazien, einen mit Oreos. Alles ist hausgemacht und vor Ort hergestellt, die Quiche und die Cookies sind sogar vegan.

Die Pumpkin Spiced Latte ist es nicht, aber, nimm dies, Starbucks und Konsorten: Es ist echtes Kürbispüree drin. Nicht bloß irgendein Sirup! Und viele Gewürze; Nelke, Zimt, Kardamom, vielleicht auch Pfeffer. Der Espresso kommt nicht so richtig durch, aber meine Güte: Was für ein leckeres Getränk. Auch die Cookies sehen recht einladend aus. Sie haben etwa den Durchmesser einer CD, müssen aber noch warten, bis wir Torte und besonders die Quiche verzehrt haben, kalte Quiche schmeckt nämlich nicht. Warme schon! Brokkoli und Kürbis sind frisch und haben noch einen leichten Biss, eine Art Bechamelsauce sorgt für Saftigkeit. Auch der Teig ist gut gemacht, schön dünn und nicht zu viel. Jedoch, und man möge mich dafür steinigen: Nichts schmeckt wie Butter außer Butter und ein leichter Buttergeschmack hätte dem Gericht für mich die Krone aufgesetzt. Die Cappucino-Birnen-Torte ist handwerklich sehr gut. Die Birnen haben noch eine schöne Konsistenz, die Sahne ist sahnig und die Creme cremig. Insgesamt ist der Geschmack eher dezent, was aber vermutlich daran liegt, dass die Geschmacksnerven nach einem Schluck des Kürbisgetränks gerade mit Polonaisetanzen beschäftigt sind. Die Cookies enttäuschen uns leider ein bisschen. Okay, Cookies sind keine Plätzchen, sie dürfen, sollen sogar etwas weicher sein, aber wir haben den Eindruck, dass diese hier noch nicht ganz durch sind. Zudem sind sie uns viel zu süß und nach dem Geschmack von Pistazie fahnden wir vergebens. Dafür finden wir sie mit 3,10 Euro pro Stück unangemessen teuer. Bei Hofe hätten die nicht standgehalten. Insgesamt aber überzeugt uns unser süßer Ausflug in die Altstadt.

1666 Café & Törtchenboutique

Kramerstraße 14

30159 Hannover

Öffnungszeiten:

Mo, Mi, Do, Fr 12.00-18.00 Uhr

Sa-So 11.30-18.00 Uhr

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Stadtkinder essen: Steuerndieb

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Stadtkinder essen: Steuerndieb


Einmal ans andere Ende Hannovers hat es uns verschlagen, um am nordöstlichen Rand der Eilenriede in einem besonderen Restaurant essen zu gehen. Schließlich ist ein Geburtstagsmensch inkognito dabei, da darf es etwas Besonderes sein. Wir steuern den Steuerndieb an. Beim Namen muss man gedanklich erstmal spontane Assoziationen loswerden, denkt man doch unweigerlich an den eher geschmacklosen Hinterzieher. Doch eigentlich hat man schon beim zusätzlichen -n Zweifel. Also schnell mal auf der Website nachlesen und tatsächlich: es hat damit so gar nichts zu tun. Das „steuern“ leitet sich vielmehr vom Wort stören ab. Hier lagen nämlich Anfang des 14. Jahrhunderts Wachleute auf der Lauer, um Holzdiebe bei ihrer Arbeit zu steuern äh, stören. Und weil man von dieser Arbeit nicht leben konnte, hat man sich dank Schanklizenz etwas dazuverdient …

Heute wird hier nicht mehr gelauert und auch nicht nur ausgeschenkt – es wird bei Tagungen, Hochzeiten und anderen Anlässen im großen Wintergarten fein aufgetischt. Und nach der Feierei hat man sogar die Möglichkeit, in einem der sieben Zimmern zu nächtigen. An hungrige Spaziergänger*innen wird am Imbissfenster mit Suppe, Wurst, Kaffee und Kuchen gedacht. Von der mittelalterlichen Vergangenheit zeugt also heute höchstens der Blick ins Holzig-Grüne, nachdem man das, von außen etwas dunkel anmutende Gasthaus, betreten hat. Der Raum ist schmal, wie außen holzverkleidet, gediegen eingerichtet und mit silbernen Platztellern und Kerzenleuchtern eingedeckt. Große Fenster erstrecken sich über die gesamte Breite und geben den Blick frei auf die Terrasse und den Stadtwald.

Das Ambiente macht etwas mit uns. Wir setzen uns und überlegen, wie man laut Knigge eigentlich an einem feinen Tisch sitzen sollte, machen den Rücken aber gleich wieder etwas gemütlich-rund, um einen Blick in die Karte zu werfen. Das Angebot wirkt so ansprechend wie überschaubar. Die aufgeschlossene Bedienung hat direkt Speisevorschläge für das Kind, das uns freundlicherweise begleitet. Der Apfelpfannkuchen (7,50 Euro) soll es sein, und da man auf einem süßen Bein nicht stehen kann, gibt es eine Zitronenlimo (3,20 Euro) zum Runterspülen dazu. Wir entscheiden uns für ein 3-Gänge-Überraschungsmenü mit Fleisch (39,50 Euro). Auch eine vegane Variante und eine mit Fisch stehen zur Auswahl, sowie das vegetarische Gericht mit überbackener Aubergine (29,50 Euro). Vorweg ein Pfifferlings-Süppchen (12,50 Euro) und alkoholfreies Bier (Weizen 6,30 Euro, Pils 4,90 Euro), da sind wir uns einig.

Kaum bestellt kommt schon ein Gruß aus der Küche. Das Rindercarpaccio mit etwas grünem Spargel und Croutons zergeht auf der Zunge und lässt uns vorfreudig auf die Suppe schauen, die uns kurz danach erreicht. Das Kind schmaust derweil bereits am Pfannkuchen und schließt genüsslich die Augen – Schulnote 2 sagt es, sieht aber eher nach einer glatten 1 aus. Zurück zur Suppe – einer cremig-pilzigen Leckerei mit sahniger Haube und den Croutons, die uns schon beim Amuse gueule gefallen haben. Dieses Süppchen schmeckt nach Wald und Herbst, genauso wie man sich ein Pfifferlings-Süppchen wünscht – und ist entsprechend schnell weggelöffelt.

Wir rutschten zufrieden tiefer in die bequemen Sitzmöbel. Bis zum Hauptgang wird es etwas länger dauern, was auf frische Zubereitung schließen lässt und gerne ausgehalten wird. Dann kommen schließlich die zwei freundlichen Servicekräfte zurück, mit Tellern die so geheimnis- wie verheißungsvoll von silbernen Abdeckglocken (á la Kellner Grobi aus der Sesamstraße) verdeckt werden. Zum Vorschein kommt die Aubergine, mit Käse überbacken, nebst bunt-knackigem Gemüseallerlei und buttriger Soße. Der Hauptgang des Überraschungsmenüs entpuppte sich als Entenbrust und -keule mit Kohl und Knödelchen. Die knusprige Käsehaube der Aubergine steht der Haut der Ente in nichts nach.

Nach ein paar hin- und her getauschten Probierhappen zufriedenes Nicken. Wir haben jeweils das richtige Gericht gewählt, es muss nicht zu neidvollen Tauschangeboten kommen. Nach dem Hauptgang aktiviert der Jubilar noch tapfer den Nachtischmagen – zum Espresso gibt es ein Vanilleparfait in Mini-Gugelhupfform. Das Kind hat natürlich von allem probieren dürfen und braucht nun auch dringend noch etwas Süßes – ein klassisches Erdbeereis mit Sahne. Das kann dem Pfannkuchen zwar nicht das Wasser reichen, wird aber trotzdem nicht alt. Satt und zufrieden sinken wir noch tiefer in die Sitzschalen, doch lange währt die Gemütlichkeit nicht. Beim Kind macht sich der Zuckerpegel bemerkbar, es wird Zeit zu gehen.

Jana Eichler

Steuerndieb

Steuerndieb 1, 30655 Hannover

Tel.: 0511 909 960

steuerndieb@t-online.de

www.steuerndieb.de

Öffnungszeiten: Mo. und Do. geschlossen

Geöffnet: Di. Mi. Fr. Sa. 11.30-15 Uhr und 18-22 Uhr, So. 11.30-17 Uhr (So. Küche bis 15 Uhr) ab 10 Gäste öffnen wir jeden weiteren Tag, Die Öffnungszeiten beziehen sich auf die Küchenzeiten, (nach Absprache) können danach Kaffee und Kuchen sowie weitere Getränke geordert werden.

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Stadtkinder essen: Andronaco

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Stadtkinder essen: Andronaco


Wenn man an italienisches Dolce Vita denkt, ist der alte Hauptgüterbahnhof in Hannovers Nordstadt jetzt vielleicht nicht unbedingt die erste Assoziation. In Berlin wäre das fraglos anders und mit Sicherheit voller Start-up-Fritzen mit MacBooks, die auf Palettenmöbeln sitzen. In Hannover ist es nur ein Industriegelände, auch wenn vor mittlerweile sechs Jahren dessen Wandel zu einem Freizeitzentrum begann. Mittlerweile gibt es an der Adresse am Weidendamm einen Skatepark, ein Fitnessstudio und auch einen Großhandel für italienische Feinkost mit angeschlossenem Bistro.

Im Außenbereich stehen einige Sitzgarnituren und Töpfe mit riesigen Strelitzien, was auf seltsame Weise gleichermaßen fehl am Platz und gemütlich wirkt. Hier kann man recht schön in der Sonne sitzen, sich in der hauseigenen Gelateria ein Eis, ein Dessert oder an der Caffèbar einen Espresso holen. Aber dafür sind wir nicht hier – Essen, bitte! Insgesamt sieben Märkte mit Bistro gibt es von Andronaco in Deutschland. In Hannover befindet sich linkerhand der Supermarkt, in dem man italienische Produkte erwerben kann, rechts ist das Bistro. Dieser Begriff scheint nicht wirklich angemessen, erinnert es optisch eher an eine freundlich gestaltete Mensa. Das ist gar nicht despektierlich gemeint! Unter einem Bistro stellt man sich üblicherweise etwas Kleines, Gemütliches vor. Hier aber schaffen die hohen Decken der Industriehalle einen stylischen Loftcharakter und unzählige Tische, mithilfe großzügig bepflanzter Kübel von einander abgetrennt, bieten den Besuchenden genug Platz und Privatsphäre. Man schnappt sich Tablett, Teller und Besteck und bedient sich dann an der großzügigen Vorspeisenauswahl, wo es von klassischen Antipasti über frische Salate, Meeresfrüchte bis hin zu goldbraunen, apfelgroßen Arancini eine Menge zu entdecken gibt. Abgerechnet wird hier nach Verzehr. Alternativ kann man ein Hauptgericht von der Speisekarte wählen, was wir auch tun: Wir entscheiden uns für eine gemischte Grillfischplatte (22,90 Euro) und eine Vier-Käse-Pizza (14,90 Euro). Es stehen Körbchen mit frischem Brot bereit, wir schnappen uns eines und tragen es gemeinsam mit unseren Piepsern (das ist hier unmöglich anders zu regeln) und den Getränken (Weißwein zu 6,90 Euro à 0,2l und San Pellegrino Zitronenlimonade zu 2,90 Euro je Dose) an einen freien Tisch. Schon kurze Zeit später ist unser Essen fertig. Die Pizza, gebacken in einem gigantischen Steinofen, in den auch ein ganzer Ochse passen würde, ist, wie sie sein sollte: Der Teig schmeckt reif und würzig, mit knusprigem Rand und mehr als großzügigem Käsebelag. Fior die Latte, Gorgonzola, Fontina und Schafskäse verteilt auf 32cm Durchmesser. Das ist echt viel und dennoch wirft sie einen nicht ins Fresskoma; ein Spagat, den nur ein guter Pizzabäcker beherrscht. Auch die Fischplatte überzeugt auf ganzer Linie. Je ein großes Lachs- und ein Doradenfilet, zwei Riesengarnelen und eine Tintenfischtube liegen auf einem Bett aus frischen Salaten. Fährt man mit der Gabel über den Tintenfisch, gibt es ein befriedigend knuspriges Geräusch, trotzdem ist er sehr zart und hervorragend gewürzt. Die Garnelen sind ebenfalls perfekt gegart, saftig und rosig. Sowohl Dorade als auch Lachs sind noch ein bisschen glasig und fallen leicht und blättrig von der Gräte, das Fischmesser erfüllt hier nur dekorative Zwecke. Nach dem Essen sind wir satt und überzeugt.

Sicher: Es ist nicht unbedingt ein gemütlicher Ort, allein durch den angeschlossenen Supermarkt gibt es eine Menge Raus und Rein. Und wo viele Menschen sind, ist viel Geräusch, das sich mit dem unvermeidlichen Italopop aus den Lautsprechern mischt. Die Qualität der Speisen allerdings macht das durchaus wett. Wir halten Andronaco für eine gute und empfehlenswerte Adresse für alle, die Wert auf eine schnelle, aber hochwertige Mahlzeit legen.

Andronaco

Weidendamm 2

30167 Hannover

www.andronaco.de

Öffnungszeiten Supermarkt: Mo-Sa 09-19 Uhr

Öffnungszeiten Bistro: Mo-Sa 10.30-19 Uhr (warme Küche ab 11.30 Uhr)

Öffnungszeiten Gelateria: Mo-Sa 11.30-18.30 Uhr

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Stadtkinder essen: Clyde Cinnamon Roll‘s and Co.

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Stadtkinder essen: Clyde Cinnamon Roll‘s and Co.


Ein billiger Trumm süßen Hefeteigs, der sich jeder kulinarischen Einordnung durch seine Monotonie und Tristesse entzieht. Doch die jungen Frauen geben offenbar gern 3,90 Euro dafür aus.“ Der vom Chef und mir über die Maßen geschätzte Max Goldt äußerte sich einst so über Zimtschnecken und hatte vollkommen Unrecht damit. Denn zum einen können Zimtschnecken etwas sehr Großartiges sein und zum anderen waren auch Männer da.

Wie gesagt: Zimtschnecken können großartig sein. Leider waren sie es bei unserem Test nicht. So absolut gar nicht. Da es sich beim „Clyde“ um eine Kette handelt, kenne ich an dieser Stelle weder Rücksicht noch Scham und ziehe ordentlich vom Leder – aber keine Sorge: Nicht mehr, als angebracht wäre. Fangen wir mal mit dem Namen an, bzw. mit dem Apostroph darin, das in keinem denkbaren Universum dort hingehört. Hätten wir das. Weiter: In der Natur hätten quadratische Schnecken es sehr schwer, aber aus logistischen Gründen ist es auf einem Backblech nicht anders machbar; das ist einzusehen, darum gibt es dafür auch keinen Punktabzug. Nach recht langem Warten dürfen wir bestellen und tun dies auch: Es gibt vier Sorten Schnecken und wir nehmen jeweils eine: Zimt, klar. Zitrone, immer gut. Schoko-Karamell. Lotus. Falls jemand zweifelt: Damit sind diese spekulatiusartigen Kekse gemeint, die Jahrzehnte lang einzeln eingeschweißt neben den Kaffeetassen lagen und ignoriert wurden, bevor sie auf wundersame Weise zum Trendkeks avancierten. Also, jeweils eine Schnecke zum Grundpreis von 3,50 Euro. Dazu kann man sich in unterschiedlichen Preisklassen Toppings bestellen – von Obst über Sauce bis hin zu kleingehackten Schokoriegeln. Aus Dekadenzgründen haben wir das getan, wussten da aber noch nicht, dass es auch nötig sein würde – doch dazu später. Zimt mit Erdbeeren, Schoko-Karamell mit Kinder-Bueno-Sauce, Zitrone mit weißer Schokoladensauce und Lotus mit Banane. Dazu hätten wir gern Limonade gehabt, aber da es die nicht gab, haben wir Smoothies zu 6,50 Euro das Stück bestellt. Einen mit Beeren drin und einen mit tropischen Früchten. Wir bestellen, bezahlen, werden nach unserem Namen gefragt und erhalten wenig später nach Ansprache mit etwas phonetisch Ähnlichem unser Gebäck. Damit verziehen wir uns an einen Stehtisch vor der Tür. Dann wollen wir mal sehen.

Ah, deshalb also die Toppings: Der erste Bissen fühlt sich an, als wäre man mit dem Gesicht voran in die Mojave-Wüste gestürzt und gleich danach in einen Zuckersilo, gefolgt von einer wilden Rutschfahrt durch einen Chemie-Grundkurs, in dem gerade Aromenherstellung durch Veresterung geübt wird, oder kurz: Trocken, süß, künstlich. Selbst das frische Obst schmeckt synthetisch. Überraschend, aber nicht auf die gute Art. Nach wenigen Bissen beschließen wir, dass wir das keinesfalls aufessen können, weil es schlicht und ergreifend nicht gut ist (ein Euphemismus). Mittlerweile sind auch unsere Smoothies fertig. Vielleicht sind die ja der Kracher?! Nein. Es handelt sich außerdem eher um Milchmischgetränke, in die etwas Obst püriert wurde. Auch das möchten wir nicht bis zum letzten Tropfen verzehren. Gefühlt liegt unser Blutzuckerspiegel im vierstelligen Bereich, wir sollten jetzt genug Energie haben, um nach Australien zu joggen, aber dafür ist uns zu übel. Die nächste Mahlzeit, die allerdings noch in weiter Ferne liegt, wird vermutlich eine Gurke sein. Einfach, um beim Körper Abbitte zu leisten. Man kann es sich denken: Dieser Artikel ist keine Empfehlung. Aber der Form halber:

Clyde Cinnamon Roll‘s and Co.

Seilwinderstraße 8

30159 Hannover

Mo.-Sa. 12.00–21.00 Uhr

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Stadtkinder essen: Jiji‘s Tacos & Bowls

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Stadtkinder essen: Jiji‘s Tacos & Bowls


Mitten in der Altstadt, genauer gesagt, an der Ecke Schmiede- und Grupenstraße, befindet sich seit kurzem der neue Place to be für Insta-Babes und solche, die sich dafür halten: Jiji‘s Tacos & Bowls. An Instagram hängt unser Herz nicht so besonders, aber dafür an Essen umso mehr, weshalb der Laden natürlich dringend ausprobiert werden musste. Online sah das nämlich alles sehr hübsch und appetitlich aus, aber vielleicht hat da auch jemand einen Filter über die Bilder gelegt – wir werden es herausfinden.

Auf den ersten Blick stellen wir fest: Optisch macht der Laden eine Menge her. Im Boho-Stil eingerichtet, Möbel aus Bambus und Wasserhyazinthe, massenhaft Pflanzen wie Efeutute und Bogenhanf, Trockengräser und Makrameegedöns. Der feuchte Traum einer jeden freigeistigen Studienanfängerin und wirklich sehr instagrammable. Wir werden freundlich begrüßt und bekommen die Karte in die Hand gedrückt, die selbstverständlich auf einem Klemmbrett befestigt ist, macht man ja heute so. Apropos, macht man heute so: Auch hier gibt es dieses unsägliche Piepser-Verfahren: Man geht zum Tresen, bestellt, bekommt einen Piepser und wenn das Essen fertig ist, quiekt der Apparat und man muss sich seine Mahlzeit abholen. Ein ausgesprochen unsympathisches Konzept, das da immer mehr um sich greift, hat es doch rein gar nichts mit wirklichem Service zu tun, aber nun denn.

Wir dackeln also, nachdem wir unsere Auswahl getroffen haben, zurück zum Counter und bestellen: Pulled Chicken Quesadillas mit Avocadocreme, Cheddar und Zwiebeln (3 Stück 11,95 Euro), Cauliflower Bites Bowl mit Blumenkohl im Teigmantel, mit Reis, Kraut, Avocadocreme, Pico de gallo, eingelegten roten Zwiebeln, Frühlingszwiebeln und Nachotopping (13,50 Euro), überbackene Nachos mit Cheddar, Zwiebeln, Karotten-Joghurt-Creme und Avocadocreme (9,30 Euro) und, weil wir schon mal hier sind und Freitag ist, zwei Cocktails. Mai Tai und Mojito (je 7,95 Euro).

Der Piepser gibt uns bald darauf Bescheid und wir holen unser Essen ab. Wie auch der Rest des Ladens wirkt es optisch sehr ansprechend, jetzt geht es ans Testen. Erst mal die Cocktails: Hätten wir mal lieber eine Cola bestellt! Beide Getränke schmecken zu süß und nach Instantpulver, der sogenannte Mai Tai wird von einem penetranten Mandelaroma überlagert, während man beim Mojito nach Minzgeschmack suchen muss. Suchen muss man auch die Pico de gallo bei der Blumenkohl-Bowl, nur leider vergeblich. Eigentlich handelt es sich um eine Salsa aus gehackten Tomaten und frischen Kräutern. Auf unserer Bowl befindet sich aber eine, Pardon, rote Convenience-Schlempe, die im Geschmack an das erinnert, worin Baked Beans aus der Dose für gewöhnlich schwimmen. Die roten Zwiebeln sind nicht eingelegt sondern roh, der Reis ist in Ordnung, aber ungewürzt, für den Blumenkohl gilt das Gleiche. Der allerdings schmeckt, als sei der Frittiervorgang schon eine Weile her – und kaltes frittiertes Gemüse ist nicht gerade ein Hochgenuss. Alles in allem essbar. Die Quesadillas sind in Summe solide, wenn auch recht ereignislos. Auf die Idee, den Cheddar auf den Nachos zu verteilen, ist man hier nicht gekommen, ein Käseklumpen liegt zentriert auf den überraschend guten Chips. Tja.

Es gab mal einen bösen Spruch über die frühere Tennisspielerin Anna Kournikova: „Sieht gut aus, gewinnt selten.“ Lässt sich leider 1 zu 1 auf das Essen von Jiji‘s Tacos & Bowls anwenden. Aber es kann nicht immer Wimbledon sein, vielleicht haben wir einfach einen sehr schlechten Tag erwischt.

Wer sein Glück trotzdem versuchen möchte:

Jiji‘s Tacos & Bowls

Schmiedestraße 6

30159 Hannover

Di.-Do.: 12-14.30 Uhr, 17-21 Uhr

Fr.-Sa.: 12-23 Uhr

So.: 12.30-20 Uhr

IH

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