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Tonträger März 2026

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Tonträger März 2026


Morrissey – „Make-up is a lie“

Wenn man von „Kunst und Künstler voneinander trennen“ spricht, ist meist die Rede von Rammstein oder von Morrissey. Und von Letzterem ist ja nun hinlänglich bekannt, dass in dessen Oberstübchen irgendwas ganz und gar nicht richtig ist. Da soll er doch statt Polemik lieber Musik machen, oder? Naja. Sein am 6. März erscheinendes Album dient leider nicht zur Stützung dieser These. Zu zwei Dritteln ist es nämlich zunächst einmal eines: langweilig. 8 von 12 Songs, bei denen einem die Füße einschlafen, ist wirklich keine gute Bilanz. Zudem klingt es auf störende Art heterogen, unruhig. Und ob man will oder nicht, man fahndet halt doch immer irgendwie, ob in den Texten nicht vielleicht eine Morrissey‘sche Scheußlichkeit steckt. Gute Nachricht: Man muss Künstler und Werk hier nicht trennen, man kann getrost beides scheiße finden.

Robbie Williams – „Britpop“

Ein kleiner Witz meinerseits, die Alben dieser beiden Künstler hier neben einander zu präsentieren. Zum einen sehen die sich mittlerweile ziemlich ähnlich, zum anderen hat Williams seinem Idol Morrissey auch einen gleichnamigen Track auf diesem Album gewidmet (Co-Autor war Gary Barlow), der, Trommelwirbel, schlecht ist. Ja, sogar der Schwächste auf dem Album und das will was heißen. Denn was mit „Rocket“ richtig stark und breitbeinig anfängt (mit einem Gitarrensolo von Tony Iommi), zerfasert leider mittendrin. Denn da macht Robbie komprimiert alle Fehler, die er zuvor auf mehrere Platten verteilt hatte: Pseudolustige Anekdoten aus seiner Drogenzeit, überkitschte Balladen, affenscheußlicher Sprechgesang und schlecht geklaute Kinks-Rhythmik. Alles weder wirklich Britpop (bis auf das Oasis-Soundalike) noch wirklich schön.

Mika – „Hyperlove“

Nach seinem 2007er Debüt „Life In Cartoon Motion“ verschluckte ihn die Erde und spuckte ihn nun als blinke-buntes Partyeinhorn wieder aus. Dabei ist aber das zauberhaft Exaltierte ziemlich verloren gegangen. Alles klingt sehr glatt, sehr clean, sehr gezähmt – eher wie ein Tanzlehrer für die Disco-Fox-Klasse auf MDMA. Aber schön bunt.

Lina – „Melodrama“

Ein Melodrama findet man auf dieser Platte nicht. Ein Drama aber schon: Da hat die Frau so eine spannende Stimme und macht so wenig damit. Ausgesprochen schade, denn das hätte den doch recht generischen und gleich klingenden Deutschpopsongs ein bisschen Tiefe verliehen – die findet man nämlich nur im Rausschmeißer „Morgen ist auch noch ein Tag“.

Moby – „Future Quiet“

Das Tolle an Moby ist, dass er keine Angst vor Einfachheit hat. Gott, wie sympathisch und ein schöner Gegenentwurf zu den Nils Frahms unserer Zeit. Diese Einfachheit nun auf anderthalb Stunden Spieldauer auszudehnen, ist fast schon frech. Aber darüber tröstet einen das wunderschöne „When it‘s cold, I‘d like to die“ locker hinweg.

Mumford & Sons – „Prizefighter“

Nicht einmal ein Jahr liegt „Rushmere“ zurück, da kommt schon das nächste volle Album auf den Markt. Und zwar eins mit 14 Stücken! Mit tollen Melodien, ausgeklügeltem Folk-Handwerk und hymnischen Refrains. Am Tollsten aber sind nach wie vor die kleinen, leisen Momente – wie zum Beispiel das Hozier Feature „Rubber Band Man“.

Rosa Hoelger – „Für immer Gummistiefel“

Da ist schon viel Schönes bei! Ein recht spannendes Debüt, breit angelegte Arrangements und viel Raum für Ausflüge in beispielsweise Bar-Jazz oder Chanson. Tolle Texte auch! Leider werden die von der einen oder anderen unklug/unnötig platzierten Feminismuskeule zu Klump gehauen, aber das ist verzeihlich. Trotz des kruden Titels schön!

Bianca Stücker & Mark Benecke – „Abysmal Affairs“ (EP)

Ja, genau, der Käfermann singt. Es wäre besser, er täte das nicht – und erst recht nicht das ikonische „Henry Lee“ von Nick Cave – aber verbieten kann man‘s ihm wohl kaum. Wer nicht gerade ein Riesenfan von Gothic-Folk oder Finster-Electronica ist, verpasst an dieser Stelle nichts und kann stattdessen lieber „Medical Detectives“ gucken.

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Tonträger Februar 2026

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Tonträger Februar 2026


Zah1de – „Pretty Privilege“
Niemand fühlt Musik intensiver als ein Teenager. Das gilt auch für die Rapperin, deren Name irgendwie an eine BIC erinnert. Künstlerisch eher uninteressant, da nichts davon ihrer eigenen Feder entstammt, aber hand- und mundwerklich extrem beeindruckend. Wenn es zu einem zweiten Album kommt, müssen sich einige alten Hasen sehr warm anziehen.

J.B.O. – „Haus of the Rising Fun“
Die sind lustig, wenn du unter 20, betrunken und gerade in Erlangen bist (eigene Erfahrung). Danach: Schlimm und peinlich. Als Beweis dafür dient auf diesem Album u.a. „Woke on the Smater“. Die 90er-Jahre haben angerufen, sie wollen ihre Spoonerismen genau so sehr zurück wie die Original-Songs ihre Würde. An die Band: Bitte löst euch auf.

Von Wegen Lisbeth – „Strandbad Eldena“
Top-Idee: Ins Wachsfigurenkabinett gehen. Man ist unter Leuten, aber alle halten die Fresse. Der beste Gedanke auf diesem Album. Der Rest ist eine Aneinanderreihung „unterhaltsamer“ Gleichnisse, bei denen man die Stimmen junger Leute im Hinterkopf hat „Voll random! Aber same here, total relatable!“. Kann weg.

Alter Bridge – self titled
Wer immer noch Creed hinterher trauert, dem ist auch nicht zu helfen. Harte Riffs, komplexes Songwriting, wuchtiger, kompromissloser Sound, darüber treiben Tremonti und Kennedy einander an und singen sogar gemeinsam (und beide gut). Das Album schließt mit einem 8minütigen Meisterwerk – wird von Genrevertretern in 2026 hart zu schlagen sein.

Beyond The Black – „Break The Silence“
Musikalische Übertötung! Von den meisten Effekten hätten ein paar Tropfen gereicht, aber die Band bevorzugt einen Eimer voll. Es ist zu viel von allem, gepaart mit einem bulgarischen Chor hier, französischem oder deutschem Gesang dort. Als hätte man ein Kleinkind eine ohnehin zu süße Hochzeitstorte dekorieren lassen. Schade eigentlich.

Hinterlandgang – „Vielleicht wird alles gut“
Sie sind nicht die größten Rapper oder akrobatischsten Wortzauberer, aber sie haben ein untrügliches und exzellentes Auge für Bilder. Hört man ihnen zu, wähnt man sich selbst im Hinterland, grau und verlassen in einem Ort, der auf -ow oder -in endet, irgendwo in MeckPomm. End- 80er- Klangästhetik trifft auf Wende-Vibes, Rap und Liebe. Skurril.

Versengold – „Eingenordet“
Es ist rund, abwechslungsreich und hitdicht, Freunde von Mythen kommen ebenso auf ihre Kosten wie Melancholiker und Trunkenbolde. Also alles richtig gemacht, könnte man meinen. Oder? Hm, weiß nicht: Irgendetwas stört. Versengold haben die (ostentativ) richtige Haltung, das wird unterstrichen, indem man ein Feature mit einem anderen Großen auf die Beine stellt (hier Sebastian Madsen, „Falscher Leuchtturm“), denn schließlich machen das heute alle so. Man gönnt sich Klamauk und Lustigkeiten, mit dem Ergebnis, dass es klingt, als hätte man den Ballermann nach Kappeln an der Schlei verlegt (vgl. „Klabauterfrau“, „Dans op de Deel“). Letztlich bleiben es Haus-Maus-Reime, gewandet in – man verzeihe das Wortspiel – Seemannsgarn, gewoben aus In Extremo, J.B.O. und den Dubliners. Kann man bestimmt gut finden, wenn man denn will, aber eigentlich zu viel von zu viel.

Die Sterne – „Wenn es Liebe ist“
„Langeweile ist ein Pulverfass, am Ende bist du Fan von irgendwas“. Da komm ich ins Schwitzen: Ist mir etwa langweilig? Denn: Was ist das für eine gute Platte, bitte? Ich habe diesen ganzen Hamburger Schule-Diskurs-Pop immer verstehen wollen, was mir aber nie gelang, da viel zu ernstgemeint und spaßbefreit, das alles. Along comes Frank Spilker. Schon der erste Track, „Ich nehme das Amt nicht an“ (großartig auch das Video in schwarz-weiß: Spilker als Atze Schröder-Lookalike mit Vampirzähnen) macht Freude und versprüht ein bisschen David Byrne-Vibes, während beim zweiten („Ändern wir je den Akkord?“) die Rhythmusgruppe treibend und eindrucksvoll The Ruts-mäßig vor sich hin rametert. Und so schön geht‘s weiter bis Track 10, das Highlight ist aber Nummer 6, „Ich habe nichts gemacht (außer weiter)“. Nahezu herrlich! Ja, warum denn nicht gleich so?

IH

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Tonträger Januar 2026

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Tonträger Januar 2026


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Weihnachtstonträger Dezember 2025

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Weihnachtstonträger Dezember 2025


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Tonträger November 2025

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Tonträger Oktober 2025

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