Oh là là, heute wird‘s französisch! Es ist nämlich so: In diesem Haushalt wird wahnsinnig gerne Bœuf Bourguignon gegessen. Aber! Das dauert furchtbar lange, ist viel Arbeit und man soll ja auch nicht so viel Fleisch essen, wozu so ein Bœuf aber nun mal von Haus aus gehört. Allerdings kann man Riesenbovisten als Schnitzel essen und Kräuterseitlinge als Jakobsmuscheln. Die logische Konsequenz ist demnach, man kann auch Austernpilze als Rinderschmorfleisch essen, glasklar! Und nach einem geglückten Truppenversuch postuliere ich hiermit: Man kann nicht nur, man sollte sogar! Zum einen, weil es wirklich richtig lecker ist (und im März geht‘s noch mal, im April könnte es schon zu warm dafür sein), zum anderen, weil es alle essen können (echt gut vegan machbar) und überhaupt dauert die Zubereitung nur eine Stunde (statt wie beim Original sechs). Also ran an‘ Sarg und mitgeweint, wie der Berliner sagt. Oder halt französisch: Allez!
Für vier Portionen brauchen wir je 400g Austernpilze und 400g Champignons. Ja, wirklich! Das sieht doch nur so viel aus und schrumpft im Topf zusammen. Dazu kommen 200g Schalotten (das sind, je nach Größe, so vier bis sechs Stück), 3 große Mohrrüben, zwei Zehen Knoblauch, 2EL Tomatenmark, 5 EL Olivenöl, 3TL Zucker, 1TL Thymian, 300ml Rotwein und 400ml Brühe. Zunächst putzen wir die Pilze. Die Champignons werden, abhängig von ihrer Größe, halbiert oder geviertelt und die Austernpilze irgendwie auseinandergepflückt – die Basis kann man aber schön in Stücke schneiden. Mit 2EL des Olivenöls braten wir die Pilze im heißen Bräter an bis sie nur noch halb so groß, dafür aber ein bisschen braun sind und nehmen sie dann wieder heraus. In den heißen und schon benutzten Bräter kommt jetzt das restliche Olivenöl zusammen mit den Schalotten (gewürfelt) und den Karotten (längs halbiert und dann in 1cm dicke Scheiben geschnitten). Das rösten wir kurz an und fügen dann den Knoblauch, das Tomatenmark und den Zucker hinzu. Nach etwa einer Minute ständigen Rührens löschen wir mit dem kompletten Rotwein ab. Diese Mischung kochen wir auf und sobald es schön blubbert, gießen wir die Brühe dazu und würzen mit dem Thymian sowie mit Salz und Pfeffer. Wir drehen die Hitze auf halbe Kraft, legen den Deckel drauf und stellen uns einen Timer für 20 Minuten. Sobald die abgelaufen sind und wir den Deckel wieder anheben, riecht es wahrscheinlich schon richtig, richtig gut. Aber es wird noch besser! Jetzt kommen nämlich die Pilze zurück in den Topf. Umrühren, Deckel wieder drauf und noch mal eine Viertelstunde bei weiterhin mittlerer Hitze vor sich hin kochen lassen. Ist das geschehen, verquirlen wir einen gestrichenen Teelöffel Speisestärke mit etwa 50ml Wasser und rühren das Gemisch zügig unter unseren Eintopf, wo es noch für weitere fünf Minuten seine Wirkung tun kann (nämlich binden. Pilze verlieren reichlich Wasser.). Jetzt wird noch final mit Salz, Pfeffer und etwas geriebener Zitronenschale abgeschmeckt und fertig. Nicht-Veganern sei empfohlen, kurz vor dem Servieren einen Esslöffel kalte Butter unter das Gericht zu ziehen. Butter ist nämlich das Allertollste auf der Welt, verstärkt den Geschmack und gibt einen schönen Glanz. Ein paar Scheiben Baguette dazu und schon kann das große Schlemmen beginnen. Bon Appétit!




