Stadtkinder bewältigen den Alltag: Ich gegen Jesus

Jetzt war ja wieder dieses Ostern. Immer wenn Ostern ist, krieg ich was auf den Deckel, weil ich gerne Jesus-Witze mache. Jesus-Witze sind eben ein saisonales Hobby von mir und ich werde mich dafür nicht entschuldigen, denn ich halte jede Art von Monotheismus für einen Scherz. Ich kann das nicht ernst nehmen, erst recht nicht, wenn darum so ein Riesenbohai gemacht wird.

„Hi, ich bin’s Gott. Ich hätte Lust, ein Kind zu zeugen. Das soll aber kein schönes Leben haben, sondern ein möglichst entbehrungsreiches. Vollkommen fein für mich, wenn es auf grausame Weise stirbt. Jung. Und damit sein Leben auch gleich richtig kacke anfängt, habe ich das perfekte Elternpaar ausgesucht: Zwei Obdachlose. Vertraut mir, das wird spitze!“ Als ob.

Wer glaubt denn an solch einen Kokolores? Und warum?

Und was daran ist es wert, nachgeeifert zu werden?

Kirche: „Sei wie Jesus!“

Mensch: „Wein trinken, Leute als Heuchler entblößen und mächtige Männer in Bedrängnis bringen?“

Kirche: „Nein, so nun auch wieder nicht. Mehr so anderen Leuten die Füße waschen – mit deinen Tränen! Wenn du nur ordentlich leidest, fließen die ganz von selbst.“

Ein Mensch kann sich gar nicht wie Jesus verhalten. Ich zum Beispiel weiß genau, wer meine Eltern sind. Das sieht man nämlich. Als ich meine Mutter fragte, wo die Babys herkommen, gefiel ihr das Thema nicht, aber sie konnte ohne zu stottern antworten. Jetzt stell ich mir vor, Jesus stellt seiner Mutter die gleiche Frage, Joseph kommt um die Ecke und sagt: „Ja, Maria, das würde mich in der Tat auch interessieren.“ Unwahrscheinlich.

Dann: Jesus und seine Kumpels. Insgesamt 13 Leute und nur ein Arschloch dabei? Ist doch schon stochastisch gar nicht möglich.

Und erst recht dieser Hokuspokus mit seiner Houdini-Show an Ostern. Na klar. Jesus ist für unsere Sünden gestorben, gleich vorsorglich für alle Sünden der nächsten paar tausende Jahre mit. Immer, wenn ich nachts ein Stückchen Schokolade esse, strecke ich es zuvor in die Luft und sage dankbar: „Damit’s nicht umsonst war, Brudi.“ Das Ding dabei ist aber, dass der ja nicht tot geblieben ist. Wir reden über lumpige drei Tage. „Danke, dass du dein Wochenende für unsere Sünden geopfert hast, Jesus, du alter Weltenretter! Dafür, dass ich nachts Schokolade essen kann, ohne vom Blitz erschlagen zu werden!“ Drei Tage, jetzt echt? Als sich meine beste Freundin von ihrem Ehemann getrennt hat, habe ich mehr Zeit geopfert, um ihre Welt zu retten.

A propos Welt retten: Wenn die Kirche behauptet, Jesus käme eines Tages zurück, dann wär der Moment doch so langsam mal erreicht, dass er sich die Sandalen schnürt und los latscht, oder nicht? Oder denkt Gott sich: „Lass die mal machen. Letztes Mal hat’s ne Woche gedauert, aber jetzt weiß ich ja wie’s geht, da schaffe ich das in 5 Tagen.“? Und wenn dem so ist: Sollte man einer solchen Person wirklich huldigen? In seinem Namen Kriege führen oder zumindest missionieren gehen? Wer an meine Tür klopft, um mit mir über sein Hobby zu reden, muss theoretisch damit rechnen, dass ich auch was über meins erzähle. Das bedeutet, dass bald ein paar Zeugen Jehovas mit Empfehlungen für oxidativ ausgebauten Weißwein und Bastelprojekten im Kopf herumlaufen könnten. Nur, dass ich das nicht tun werde. Das ist nämlich privat. Geht keinen was an. Genau wie Glaube. Man holt ja auch nicht ungebeten seine Geschlechtsteile raus, wedelt damit rum und präsentiert sie aller Welt. Wobei das vielleicht nützlich wäre, zu Aufklärungszwecken. Bevor wieder irgendjemand eine hanebüchene Geschichte erfindet, in der eine andere obdachlose Jungfrau schwanger wird.


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