Bandporträt Juni 2026: Duo Suchanek & Peters

Wir leben in einer Zeit, in der Algorithmen bestimmen, welche Musik wir finden und letztendlich mögen. Konzerttickets werden teurer, Clubs schließen und aufstrebende Musiker*innen hoffen, mit ihrem neuesten Kurzvideo möglichst viele Menschen zu erreichen. Es ist in der Musiklandschaft heutzutage nicht einfach, Fuß zu fassen. Was also tun? Das Duo Suchanek & Peters verfolgt einen ganz anderen Ansatz – sie suchen Verbindungen über Festivals, Begegnungen und Jamsessions, was nicht zuletzt an ihrem Genre liegt: Sie spielen Folk.

Duo Suchanek & Peters – das sind Ursula Suchanek (Quinton und Gesang) und Alexander „Alex“ Peters (Gitarre, Mandoline und Waldzither), Mitte 30 und Ende 20. Ihre musikalische Reise begann jeweils mit Instrumentalunterricht im Grundschulalter. Während Alex an der weiterführenden Schule seine ersten Berührungspunkte in einer Folk-AG hatte, war Folk für Ursula schon immer ein Thema – wobei sie nicht davon ausging, es selbst einmal zu spielen: „Ich dachte, man muss Folk mit der Muttermilch aufsaugen. Dabei ist das gerade das Besondere für mich am Folk: Er ist für alle erreichbar und hat so viele Gesichter: Gemeinschaft, Meditation, Party, Kunst, Ernst, überbordende Freude und vieles mehr.“ Folk biete zudem ein ganz anderes Verhältnis zwischen Künstler*innen und Publikum, sagt Alex: „In populären Musikrichtungen geht’s immer stark darum, eine Bühnensituation zu haben, quasi eine Top-Down-Beziehung. Einen Zusammenhalt gibt es dort in Fangemeinden. Im Folk hingegen wird gemeinsam musiziert und getanzt, und er stiftet auf eine ganz andere Art Gemeinschaft.“

Bevor sie zusammenfanden, haben beide bereits in der Folk-Szene koexistiert, etwa bei Festivals. Erste Gespräche und einige Jamsessions später kam dann die Idee für eine eigene Platte. „Wir haben überlegt: Was wäre, wenn man eine Session macht, auf Grundlage des Materials, was wir kennen, improvisiert, sich musikalisch die Bälle zuwirft und so eine musikalische Konversation führt?“ Drei Tage lang haben sie versucht, so viel wie möglich aufzunehmen. Das Ergebnis: Ihr erstes gemeinsames Album mit dem passenden Titel „Momentaufnahme“, erschienen am 2. Mai. Die Inspiration für ihre Musik nehmen sie aus den seit 300 Jahren existierenden, handschriftlich festgehaltenen Stücken der Tanzmusik. Folk gilt als immaterielles Kulturerbe – es geht also ums Bewahren, Erinnern, aber auch ums Adaptieren von nicht mehr zeitgemäßen Inhalten.

Bleibt die Frage, wie man die Leute von ihren Bildschirmen auf die Tanzfläche holt. Vor allem bei Festivals kann Folk ausprobiert werden – wie es sich anfühlt, die Musik zu spielen, darüber zu sprechen oder sich eben dazu zu bewegen. „Wir versuchen, Angebote gezielt für junge Leute zu schaffen, aber natürlich ist das nicht so einfach. Ich glaube, wer sich in der Popkultur schon wohl genug fühlt, hat schon alles. Aber allen, die Zweifel haben, ob Teil eines Fandoms zu sein genug Aufgehen in einer Gemeinschaft gibt, kann ich nur Mut machen, sich dem Folk einmal zu nähern“, so Alex. „Gerade die jungen Leute unter 18 sind wahnsinnig motiviert, weil es damit die Möglichkeit gibt, sich nicht nur gemeinsam zu betrinken, sondern auch kreativ zu sein, akustische Musik zu spielen und dadurch in direkter Verbindung zu stehen.“

Der Release des Albums wurde bereits mit einer kleinen Tour quer durch Deutschland gefeiert, Konzerte in Hannover und Umgebung sind, zumindest zusammen als Duo, erst einmal nicht geplant. In Zukunft möchten die beiden mit ihren Folk-Kolleg*innen weiterhin der Tanzmusik eine Bühne bieten und sie stärker im kulturellen Leben verankern.

» Larissa Peters

Mehr Infos und Termine auf duosuchanekpeters.de oder Instagram @duosuchanekpeters.


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