Ein offener Brief … an Gianni Infantino

Lieber Gianni, gib jetzt bloß nicht auf! Wir wissen, die letzten Wochen waren hart. Dein kleiner Plan, die WM-Vermarktung scheibchenweise an Investoren zu verscherbeln, mit dem Bruder von Jared Kushner als Ankerinvestor, ist dir ziemlich krachend um die Ohren geflogen. Alle waren sie auf den Barrikaden. Aber das macht gar nichts. Im großen Spiel war das jetzt nur die Trinkpause in der ersten Halbzeit. Du wirst ja noch ein bisschen im Amt sein und bis du dann irgendwann aussteigst ist noch so ziemlich alles möglich. Weil du weißt, wen du anrufen und wohin du wie viel überweisen musst. Es ist noch nicht das Ende. Du wirst den Job noch erledigen, die endgültige Zerstörung des Fußballs, wie wir ihn kennen.

Um so diese alte, offene Rechnung zu begleichen. Alles erklärt sich aus deiner Biografie. Da spielt ein kleiner Junge im Wallis beim FC Folgore, nur Mittelmaß, kaum Talent, kein Torjäger, kein Kapitän, sondern nur Mädchen für alles. Trikots waschen, Spielpläne schreiben, Bälle aufpumpen. Traumatisch war’s, das Kindsein als gemobbter Rotschopf im Oberwallis, das hast du selbst mal öffentlich gemacht, mit zittriger Stimme, kurz vor einer WM. Es wäre aber auch so kein Geheimnis geblieben. Deine Familie hat das alles schon diverse Male ausgeplaudert. Wer weiß, was sie dir alles angetan haben, die Jungs aus deinem Team. Dein Kopf ähnelt schon sehr einem Fußball …

Wobei du in jungen Jahren noch keine Glatze hattest, vielleicht haben sie diesen „Spaß“ also ausgelassen. Aber traumatisch war’s wohl trotzdem. Und aus so einem Trauma, das muss man verstehen, erwächst eben irgendwann ein Plan. Damals hast du den Glauben verloren. Fairness, Ehre, der Sport um seiner selbst willen – alles Moppelkotze. Es geht darum, die Schlechten auszusortieren, bis ganz am Ende nur wenige sehr Starke übrigbleiben. Fußball ist harte Selektion. Und dich habe sie früh aussortiert.

Aber einen Gianni Infantino sortiert niemand einfach aus. Darum hast du begonnen, dich unentbehrlich zu machen. Du hast für deine Mannschaft erst Turniere organisiert. Und jetzt organisierst du den Weltfußball. Und zerlegst ihn Stück für Stück. Die WM-Vergabe an Saudi-Arabien, 2034, ganz ohne lästige Konkurrenz, das Rotationsprinzip so lange gedreht, bis nur noch ein Bewerber übrigblieb. Zwangsarbeit, Baustellentote, geschenkt. Den FIFA-Friedenspreis eigens für Donald Trump erfunden. Und spätestens bei der feierlichen Übergabe wussten alle, wozu so eine Glatze gut sein kann. Mit ein bisschen Öl tut es gar nicht so weh. Und Trump hat es sichtlich genossen. Er steht offensichtlich sehr drauf. Man kann ihm gar nicht genug hinten reinkriechen. Dein Büro hast du quasi in den Trump Tower verlegt, für die kurzen Wege, damit rote Karte im Zweifel keine roten Karten mehr sind.

Du hast mit all dem erreicht, was du erreichen wolltest. Der Fußball hat mal wieder sehr gelitten. Immer mehr schwarze Flecken auf der einst so reinweißen Weste des Königs Fußball. Nur dein neuster Coup ist dir nicht gelungen. Die Anteile am Weltfußball an Investoren verscherbeln, bevor irgendwer merkt, was passiert – ein schöner Plan, fast schon elegant in seiner Schamlosigkeit. Aber sie haben es leider doch zu schnell kapiert. Vorerst bist du nun gescheitert. Aber du hast jetzt diesen Freund im Weißen Haus. Vielleicht kauft der demnächst einfach die UEFA und dann ist Ruhe. Die FIFA hast du ja längst in der Tasche – mit den 110 von 211 Stimmen aus Südamerika, Afrika und Asien überstehst du jede Wahl, solange du weiter pünktlich die Fördermillionen überweist. Aber was tun mit der UEFA?

Zuerst Reue zeigen, den Kushner-Plan als „Missverständnis“ verkaufen und öffentlich Demut üben, bis das Schiedsverfahren der UEFA im Sande verläuft. Parallel bereits beginnen, die großen Klubs zu locken, mit besseren Slots und dickeren Preisgeldern bei einer möglichst aufgeblähten Klub-WM. Bayern, Real, PSG müssen ins Boot, die brauchen ein großes Stück des Kuchens. Und apropos, irgendwann wird auffallen, dass Ceferin plötzlich sehr entspannt wirkt, weil er diese neuen Beraterposten bei einer FIFA-Stiftung hat. Alle haben irgendeinen Preis, Aleksander eben auch. Und bis 2029 wirst du dann still und leise eine neue Version des Investorenplans durch die Hintertür einführen, diesmal ohne Kushner, mit freundlicherem Etikett und ganz viel Öl. Und spätestens 2031 ist es dann geschafft. Dann ist die Luft endgültig raus. Und deine Rache perfekt.

» GAH


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