Editorial 07-2026

Liebe Leser*innen,

für diese Ausgabe habe ich Peter Karst getroffen, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover und CDU-Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters. Ich kenne ihn schon eine Weile, darum duzen wir uns im Interview. Peter kommt aus einer Juristenfamilie, er hat selbst Jura studiert, aber dann einen etwas anderen Weg gewählt. Er war kurz Rechtsanwalt, dann unter anderem Geschäftsführer eines Bäckerinnungsverbands in Bochum und Strukturwandelmanager im Ruhrgebiet. Was auf den ersten Blick sehr unterschiedlich klingt, war für ihn, wie er selbst sagt, aber eigentlich immer dasselbe, nämlich Interessenvertretung, Verwaltungsleitung und Politikberatung. Und was er dabei für sich in Anspruch nehmen kann, ist, erfolgreich gewesen zu sein. Seine Bilanz konnte sich bisher immer sehen lassen. Und man merkt ihm an, dass er große Lust hätte, in ein paar Jahren auf eine mindestens ebenso erfolgreiche Bilanz als Oberbürgermeister Hannovers zurückzublicken. Er will. Und es würde ihm Spaß machen. Einen Plan hat er auch, wobei eines ihm sehr wichtig ist, nämlich die Dinge bis zu Ende zu denken. Quidquid agis, prudenter agas et respice finem, heißt es im Familienwappen. Was du auch tust, tue es klug und bedenke das Ende. Das klingt für mich nach einer ziemlich guten Grundlage für kommunale Politik.

Aber Moment mal, Peter ist in der CDU. Und was in der CDU so gedacht und auch beschlossen wird, korrespondiert nur sehr begrenzt mit meinen Überzeugungen. Manche seiner Ideen sind mir aber trotzdem sympathisch. Ist es in der Kommunalpolitik eigentlich spielentscheidend, zu welcher Seite man sich rechnet? Was spielen die großen Grundsatzdiskussionen für eine Rolle, wenn man ein Schwimmbad erhalten will oder einen Fahrradweg sanieren muss? Ideologie ist nicht per se schlecht. Sie gibt Orientierung, aber sie ist aus meiner Sicht eher ein Werkzeug und kein Selbstzweck. Und wie jedes Werkzeug taugt sie für manche Aufgaben besser als für andere. Für viele Probleme braucht man keine Weltanschauung, sondern den Willen, die Probleme zu lösen. Und genau das kann für mich die Stärke kommunaler Politik sein. Alle demokratischen Parteien müssen bereit sein, gelegentlich die Fahnen kurz einzurollen und zu fragen, was gebraucht wird und was funktionieren könnte. Was gar nicht so einfach ist, wie es klingt, denn der Reflex, alles durch die eigene ideologische Brille zu filtern, sitzt oft ziemlich tief. Auch bei mir.

Damit ich hier nicht falsch verstanden werde: Was ich hier gerade geschrieben habe, ist kein Plädoyer gegen die Brandmauer. Im Gegenteil, ich spiele mit großer Überzeugung im Team Brandmauer. Kennt noch jemand Hans-Peter Briegel? Das bin ich. Ich halte die AfD für eine gefährliche Partei mit absurden Ideen. Auch im Kommunalen hört der Pragmatismus an genau dieser Stelle bei mir auf. Die AfD ist kein Teil irgendeiner Lösung, sondern ein leider wachsendes Problem. Und ein Gegenmittel ist ganz sicher keine Kooperation oder gar Anbiederung, ein probates Mittel ist eine vernünftige, progressive Politik, die ein Ziel hat und nicht bloß verwaltet.

Aber zurück zu Peter. Während des Gesprächs fällt mir immer wieder auf, dass er (noch) kein Politiker ist. Er formuliert nicht vorsichtig oder ausweichend. Auch mit den üblichen Phrasen ist er sparsam. Mir sitzt einfach jemand gegenüber, der Probleme lösen will. Ich mag das. Wir haben in Deutschland gerade eine seltsame Gleichzeitigkeit: Auf der einen Seite ein wachsendes, tiefes Misstrauen gegenüber „der Politik“ als Institution. Auf der anderen Seite eine Politikkultur, die Quereinsteiger*innen mit echten Biographien und echter Expertise eher als Risiko behandelt. Dass das zusammengehört, dieses Misstrauen und die Monokultur, liegt eigentlich auf der Hand. Vielleicht ist so ein Quereinsteiger wie Peter schon ein Teil der Lösung. Vielleicht aber auch nicht. Mehr im Interview ab Seite 58.


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