Der besondere Laden: PUSH – Prints und Second Hand

Die Tür fällt ins Schloss, ein leises Glöckchen erklingt und schon wandert Leonas Blick prüfend durch den Raum. „Du suchst eine Hose?“, fragt sie die Kundin, die gerade ihren Laden betreten hat. Wenige Minuten später präsentiert Leona zwei mögliche Modelle, die Kundin verschwindet in der Umkleide und kommt lächelnd wieder heraus – Volltreffer. Genau das ist es, was Leona an PUSH so liebt.

Der Inhaberin geht es nicht darum, mit ihrem Sortiment Trends zu bedienen oder ihren Kund*innen etwas aufzuschwatzen. Sie möchte ihren eigenen Blick auf Mode mit anderen teilen. „Ich sehe die Leute ein bisschen wie leere Leinwände“, erzählt sie und lächelt. Ganz los wird sie ihre künstlerische Ader nämlich nie. Bevor sie PUSH eröffnete, studierte sie Bildhauerei und arbeitete als freischaffende Künstlerin. Darum gibt es in ihrem Laden nicht nur Kleidung, sondern dazu handgefertigte Prints. So wirkt PUSH auch eher wie ein Atelier als wie ein Geschäft. Hier finden sich keine wahllos zusammengestellten Kleidungsstücke, sondern handverlesene Hingucker. Jedes Teil hat Leona selbst ausgesucht. Hochwertige Vintage-Kleidung, außergewöhnliche Stoffe, alte Schnitte und Marken, die viele längst vergessen haben, reihen sich in allen Farben und Formen auf den Kleiderstangen. Qualität steht für die Inhaberin über allem – genauso wie die Geschichten hinter den einzelnen Teilen.

Leona verbringt viel Zeit auf Flohmärkten oder bei Haushaltsauflösungen. Einmal führte sie dieser Weg ins Ihme-Zentrum: Sie lernte einen älteren Mann kennen, dessen Frau einen außergewöhnlichen Kleiderschrank hinterlassen hatte. Feinste Seidenstoffe, aufwendig bestickte Zweiteiler und maßgeschneiderte Ensembles aus den 1980er-Jahren – für Leona etwas ganz Besonderes. Der Witwer kommt inzwischen regelmäßig bei PUSH vorbei, schaut nach den Kleidungsstücken seiner Frau und hat in Leonas Laden einen neuen Anlaufpunkt gefunden. Fast so, als würden die Erinnerungen an seine Frau zwischen den Kleiderbügeln weiterleben. Es sind Geschichten wie diese, die PUSH von einem gewöhnlichen Second-Hand-Laden unterscheiden. Fast jedes Kleidungsstück hat bereits ein Leben hinter sich. Manche wurden auf Familienfeiern getragen, andere auf Reisen oder im Berufsalltag. Umso enttäuschter ist Leona darüber, wie achtlos heute in der Regel mit Kleidung umgegangen wird. „90 Prozent landen auf der Straße oder im Müll“, sagt sie. Jede Haushaltsauflösung ist für sie darum eine kleine Rettungsmission. Sie will der Schnelllebigkeit und Verschwendung von Kleidung entgegensetzen und hat deshalb zum Beispiel auch keinen Onlineshop. Zwar würden manche ihrer außergewöhnlichsten Stücke online sicher schneller verkauft werden, doch das kommt für Leona nicht infrage. „Dieses Eins-zu-eins ist mir viel lieber als dieses unpersönliche Onlinegeschäft“, erklärt sie. Beratung lasse sich nicht verschicken. Man müsse Menschen sehen, ihre Körpersprache wahrnehmen und manchmal auch den Mut haben, ihnen etwas in die Hand zu drücken, das sie selbst niemals ausgewählt hätten. Ein Kunde beschrieb Leonas Laden einmal als seinen „Safe Space“. Das bewegt sie bis heute. „Er meinte, er hätte sich die Sachen, die ich ihm vorgeschlagen habe, selbst nie ausgesucht. Aber ich habe ihm zwei, drei Teile gegeben und plötzlich hat er sich getraut und total wohl darin gefühlt.“ Wer den kleinen Laden wieder verlässt, trägt deshalb oft mehr nach Hause als nur neue Kleidungsstücke: vielleicht ein bisschen Mut, vielleicht das gute Gefühl, etwas gefunden zu haben, das nicht nur schön aussieht, sondern bereits ein Leben hinter sich hat – und nun ein neues beginnen darf.

» Laura Druselmann

PUSH – Prints und Second Hand
Allerweg 29, 30449 Hannover
Tel. 0511 10540660
E-Mail: info@leonaboltes.de, Instagram @push_hannover
Öffnungszeiten: Do & Fr 14 bis 18 Uhr, jeden ersten Sa 12 bis 16 Uhr


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