Bandporträt September 2026: Taper

Sie sind weniger eine klassische Band, mehr ein musikalisches Kollektiv. Was als Schnapsidee von Nic begann, ist inzwischen ein Projekt, in dem unterschiedliche musikalische Hintergründe und jede Menge Lust am Ausprobieren zusammenkommen. Obwohl die Musik tanzbar ist, geht es inhaltlich um eine Welt, die ziemlich am Arsch ist. Im Kern besteht Taper aus Nic Knoll, Emilie Sandin, Nina Freckles und Darian Tabatabaei. Keine zwei Konzerte haben bisher in der gleichen Besetzung stattgefunden. Der Kern bleibt derselbe, gleichzeitig bekommt die Musikalität der einzelnen Personen Raum. „Es ist eine Spielwiese“, sagt Nic.

Die musikalischen Wege der vier sind dabei nicht allzu unterschiedlich. Nina hat schon früh Musik gemacht, sich zunächst ins Musical verliebt und schließlich über das Songwriting zum Studiengang Popular Music gefunden. Darian begann mit etwa zwölf Jahren, Klavier zu spielen und zu singen, nahm Konzerte und Stadtfeste mit und schreibt inzwischen selbst Musicals und eigene Songs. Beide studierten in Hannover und hatten bereits eigene musikalische Projekte, bevor Nic sie für Taper ansprach. Auch Emilie kommt aus der Region, hat ihr eigenes Solo-Projekt und bringt eine weitere musikalische Farbe mit. „Ich find’s total schön, dass wir alle so unterschiedliche Charaktere in unserer eigenen Musik sind“, sagt Nina. „Diese unterschiedlichen Farben unterstützen Taper in dieser Vielfalt.“

Die Idee zur Band entstand allerdings zunächst aus einer ziemlich pragmatischen Situation: Nic hatte Songs herumliegen und einen Gig in der Kellerbar unter dem Theater am Küchengarten – aber keine Band. Eine klassische Besetzung wollte er nicht. „Was macht man, wenn man keine Standardbandbesetzung hat? Ich hatte da sowieso keine Lust drauf.“ Also holte er sich drei Sänger*innen ins Boot, die alle Gitarre und Keys spielen konnten. „Und seitdem habe ich die an der Backe.“ Nic selbst hat in Hannover Schlagzeug studiert und die musikalische Leitung und Produktion des Projekts weitgehend in der Hand. Die meisten Songs stammen aus seiner Feder, gleichzeitig entstehen Stücke auch in gemeinsamen Songwriting-Sessions. „Golden Fruit“ schrieb er etwa mit Nina, „AI Love You“ mit Darian, beides Songs vom kommenden Debüt-Album.

Auch musikalisch lässt sich Taper nicht besonders leicht in eine Schublade stecken. Der bisher veröffentlichte Song „America“ gibt laut Nic nur bedingt vor, wohin die Reise auf dem Album geht. Die einzelnen Stücke haben jeweils ihre eigene Klangwelt, einen gemeinsamen roten Faden gibt es trotzdem. „Es hat alles die gleiche Attitude“, sagt Nina. Laut Nic ist es eine Reise: Es beginnt mit etwas Britpop, geht über „komischen Gorillaz-Strand-Pop-Rock“ zu Siebziger-Pink-Floyd, macht einen Abstecher in Latino-HipHop und Trip-Hop und landet wieder beim Siebziger-Rock.

Inhaltlich gibt es allerdings einen deutlich erkennbaren roten Faden. „Es ist eine dystopische Verzerrung der Welt“, sagt Nina. Im Mittelpunkt stehe dabei weniger die kaputte Welt selbst als die Frage, wie Menschen auf sie reagieren. News Fatigue, gesellschaftliche Entwicklungen und das Gefühl, dass vieles gerade nicht besonders gut läuft, finden ihren Weg in die Songs. Gleichzeitig soll die Musik nicht nur schwere Kost sein. Das Album wird bunt, tanzbar und teilweise deutlich rockiger als der bisher veröffentlichte Song. Inspirieren lassen sie sich unter anderem von Peter Gabriel, Twenty One Pilots und den Gorillaz – letztere auch wegen ihrer kollaborativen Arbeitsweise. Bei den Chören darf es dagegen ruhig etwas oldschool sein, etwa in Richtung Eagles.

Alle Bandbeteiligten sind Vollzeitmusiker*innen, ausschließlich von Taper leben sie aber nicht. Geld verdienen sie hauptsächlich durch Covermusik, Arrangements, Produktionsjobs, Unterricht und andere musikalische Tätigkeiten. „Man ist eigentlich die ganze Zeit darauf angewiesen, dass man sich aus unterschiedlichen Bausteinen das Leben finanziell zusammensetzt“, erklärt Nina. Gerade deshalb sei es angenehm, dass Taper nicht auf Profit ausgerichtet sei. „Wir wollen geile Mucke machen und auf der Bühne eine Show hinlegen, die wir selber fühlen.“ Statt sich einem bestimmten Stil unterzuordnen, ist Taper also genau das Gegenteil, nämlich ein Ort, an dem die unterschiedlichen musikalischen Identitäten zusammenkommen dürfen. Taper klingt jedes Mal ein bisschen anders – aber immer nach Taper.

Im September soll das Album fertig sein und Ende des Monats erstmals hörbar werden, wenn auch zunächst nicht über die üblichen Streamingplattformen. Am 30. September spielt Taper ein Release-Konzert im Indiego Glocksee, außerdem ist die Band beim Fuchsbau Festival zu hören. Und während Nic zugibt, dass das Album „die ganzen Gehirnkapazitäten“ auffrisst, steht zumindest ein Wunsch für die Zukunft schon fest: „Lass mal eine Tour machen“, sagt Nina.

» Larissa Peters


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