Mitten in der Altstadt, genauer gesagt, an der Ecke Schmiede- und Grupenstraße, befindet sich seit kurzem der neue Place to be für Insta-Babes und solche, die sich dafür halten: Jiji‘s Tacos & Bowls. An Instagram hängt unser Herz nicht so besonders, aber dafür an Essen umso mehr, weshalb der Laden natürlich dringend ausprobiert werden musste. Online sah das nämlich alles sehr hübsch und appetitlich aus, aber vielleicht hat da auch jemand einen Filter über die Bilder gelegt – wir werden es herausfinden.
Auf den ersten Blick stellen wir fest: Optisch macht der Laden eine Menge her. Im Boho-Stil eingerichtet, Möbel aus Bambus und Wasserhyazinthe, massenhaft Pflanzen wie Efeutute und Bogenhanf, Trockengräser und Makrameegedöns. Der feuchte Traum einer jeden freigeistigen Studienanfängerin und wirklich sehr instagrammable. Wir werden freundlich begrüßt und bekommen die Karte in die Hand gedrückt, die selbstverständlich auf einem Klemmbrett befestigt ist, macht man ja heute so. Apropos, macht man heute so: Auch hier gibt es dieses unsägliche Piepser-Verfahren: Man geht zum Tresen, bestellt, bekommt einen Piepser und wenn das Essen fertig ist, quiekt der Apparat und man muss sich seine Mahlzeit abholen. Ein ausgesprochen unsympathisches Konzept, das da immer mehr um sich greift, hat es doch rein gar nichts mit wirklichem Service zu tun, aber nun denn.
Wir dackeln also, nachdem wir unsere Auswahl getroffen haben, zurück zum Counter und bestellen: Pulled Chicken Quesadillas mit Avocadocreme, Cheddar und Zwiebeln (3 Stück 11,95 Euro), Cauliflower Bites Bowl mit Blumenkohl im Teigmantel, mit Reis, Kraut, Avocadocreme, Pico de gallo, eingelegten roten Zwiebeln, Frühlingszwiebeln und Nachotopping (13,50 Euro), überbackene Nachos mit Cheddar, Zwiebeln, Karotten-Joghurt-Creme und Avocadocreme (9,30 Euro) und, weil wir schon mal hier sind und Freitag ist, zwei Cocktails. Mai Tai und Mojito (je 7,95 Euro).
Der Piepser gibt uns bald darauf Bescheid und wir holen unser Essen ab. Wie auch der Rest des Ladens wirkt es optisch sehr ansprechend, jetzt geht es ans Testen. Erst mal die Cocktails: Hätten wir mal lieber eine Cola bestellt! Beide Getränke schmecken zu süß und nach Instantpulver, der sogenannte Mai Tai wird von einem penetranten Mandelaroma überlagert, während man beim Mojito nach Minzgeschmack suchen muss. Suchen muss man auch die Pico de gallo bei der Blumenkohl-Bowl, nur leider vergeblich. Eigentlich handelt es sich um eine Salsa aus gehackten Tomaten und frischen Kräutern. Auf unserer Bowl befindet sich aber eine, Pardon, rote Convenience-Schlempe, die im Geschmack an das erinnert, worin Baked Beans aus der Dose für gewöhnlich schwimmen. Die roten Zwiebeln sind nicht eingelegt sondern roh, der Reis ist in Ordnung, aber ungewürzt, für den Blumenkohl gilt das Gleiche. Der allerdings schmeckt, als sei der Frittiervorgang schon eine Weile her – und kaltes frittiertes Gemüse ist nicht gerade ein Hochgenuss. Alles in allem essbar. Die Quesadillas sind in Summe solide, wenn auch recht ereignislos. Auf die Idee, den Cheddar auf den Nachos zu verteilen, ist man hier nicht gekommen, ein Käseklumpen liegt zentriert auf den überraschend guten Chips. Tja.
Es gab mal einen bösen Spruch über die frühere Tennisspielerin Anna Kournikova: „Sieht gut aus, gewinnt selten.“ Lässt sich leider 1 zu 1 auf das Essen von Jiji‘s Tacos & Bowls anwenden. Aber es kann nicht immer Wimbledon sein, vielleicht haben wir einfach einen sehr schlechten Tag erwischt.
Wer sein Glück trotzdem versuchen möchte:
Jiji‘s Tacos & Bowls
Schmiedestraße 6
30159 Hannover
Di.-Do.: 12-14.30 Uhr, 17-21 Uhr
Fr.-Sa.: 12-23 Uhr
So.: 12.30-20 Uhr
IH

















Die Zeiten, in denen Veganer gefragt wurden: „Und was isst du? Rindenmulch?“ sind zum Glück vorbei. Immer mehr Restaurants bieten ausgeklügelte vegane Gerichte an, die nicht mehr an die lieblosen Salatbeilagen von früher erinnern. In Sachen Fastfood ist es nach wie vor schwierig, fündig zu werden, jedenfalls dann, wenn man die bekannten amerikanischen Ketten nicht unterstützen möchte. In Hannover ist dieses Problem jetzt aber gelöst, denn mit dem Liners ist die Innenstadt nicht nur um ein Lokal, sondern sogar um ein veganes Fastfood-Lokal reicher.
Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass das Liners keine fünfzig Meter von dem Ort eröffnet hat, an dem sich bis vor kurzem noch ein McDonald’s befand, nämlich an der Ecke Georg- und Andreaestraße. Hübscher ist das Liners allemal: Grüne Deko und viel Holz mit Sitzplätzen drinnen wie draußen. Wir haben die Wahl, über ein elektronisches Panel oder am Tresen selbst zu bestellen, entscheiden uns aber für letzteres. Die Betreiberin selbst erklärt uns superfreundlich die Unterschiede zwischen den einzelnen Proteinquellen, welches in seiner Faserbeschaffenheit welchem Fleisch oder Fisch ähnelt und so weiter. Ganz schön beeindruckend! Wir entscheiden uns zum einen für ein Menü bestehend aus Cheeseburger, Knoblauchpommes mit Ketchup und einem Kaltgetränk für insgesamt 15,50€. Weil wir neugierig sind, bestellen wir außerdem eine Curryvurst (5,40€) sowie Vish’n’Chips (7,90€). Es dauert nicht lange, dann bekommen wir das Tablett mit unserer Bestellung gebracht. Und an dieser Stelle der einzige Punkt, den wir zu kritisieren haben: Ganz genau wie bei den großen Fastfoodketten ist auch hier alles einzeln in Pappboxen verpackt. Finden wir ein bisschen unnötig, zumal wir vor Ort gegessen haben. Aber wir kennen auch die Küchensituation nicht, vielleicht ist es nicht anders möglich, deshalb ist es nur eine halbe Kritik.
Boah, ist das lecker! Die Knoblauchpommes sind unglaublich gut, total aromatisch, knusprig und saftig. Den Ketchup zu benutzen, wäre frevelhaft. Die Sauce für die Curryvurst ist fein gewürzt und schmeckt, wie man sie sich wünscht, aber selten bekommt.
Das vegane Würstchen hat natürlich eine völlig andere Konsistenz als sein fleischiges Pendant, hinterlässt aber beim Verzehr die gleiche Befriedigung. Die Chips zum zugehörigen Vish kommen ohne Knoblauch, schmecken aber trotzdem sehr gut. Sie ruhen in ihrer Box unter dem panierten Vishfilet, was ein bisschen unglücklich ist. Die echt leckere Remoulade befindet sich somit nämlich ausschließlich auf dem Fischersatz. Dieser ist nicht nur hervorragend paniert und gebacken, sondern schmeckt auch noch relativ fischähnlich. Erstaunlich. Mag sein, dass das Hirn sich aufgrund der Optik und dem Geschmack der Remoulade den Rest zusammenphantasiert, ist aber egal, denn das Produkt überzeugt.
Das absolute Highlight ist allerdings der Burger. Das Brötchen ist große Klasse, nicht so pappähnlich wie viele andere Burgerbrötchen. Die Sauce schmeckt hervorragend, besonders in Kombination mit den frischen roten Zwiebeln. Der vegane Käse ist „richtigem“ in Sachen Geschmack und Schmelzverhalten durchaus ähnlich und das Patty aus Pflanzenprotein ist toll gewürzt und schmeckt leicht rauchig. Alles in allem: Punktlandung. Einen ähnlich guten Burger, ob nun mit oder ohne Fleisch, in Hannover zu finden, dürfte nicht ganz einfach werden. Kurzum: Das Liners hat uns Omnivoren überzeugt. Ruhig mal testen!
In Hannover gibt es so einige vietnamesische Restaurants und Imbisslokale. Und warum auch nicht? Die vietnamesische Küche ist schließlich eine Gute. Aber deshalb ein weiteres Lokal testen? Ja! Letztens sah ich in den Sozialen Medien den Beitrag eines Bekannten – ohne Ortsangabe – in dem ihm eine gigantische Portion von irgendetwas Dampfendem, phantastisch Aussehendem serviert wurde. Ich schrieb ihm eine Nachricht, „was ist es, ich will es“ und erhielt die Antwort, er habe sich schon einmal durch die ganze Karte gefuttert und alles wäre sehr lecker gewesen. Gut, dann geh ich da hin.
Ein kluger Mensch hat gesagt: „Bestell zuerst den Aal. Wenn der richtig gut schmeckt, ist der Rest des Sushis auch prima.“ Deshalb: Einmal die Unagi Nigiri, bitte (2 Stück, 5,20€) und Goi Cuon Tom, die klassischen Sommerrollen mit Garnele (6,50€). Beides kommt zügig und ist liebevoll angerichtet. Der Aal ist perfekt gegrillt, mit einer Art Teriyaki-Sauce lackiert und so kompakt mit dem Reis verbunden, dass man das ganze Nigiri mit Stäbchen aufheben und davon abbeißen kann, ohne, dass der ganze Kladderadatsch runterfällt. Sehr angenehm – und sehr lecker. Genau wie die Sommerrollen: Das Reispapier ist zum Bersten gefüllt mit Reisnudeln (die zum Glück nicht untrennbar aneinanderkleben), frischem Gemüse, viel, viel Kräutern und zwei enormen rohen Garnelen. Dazu gibt es das klassische Nuoc Cham, ein Dip aus Limettensaft, Rohrzucker, Fischsauce, Wasser, Chili und Knoblauch. Super gut! Die Rolle kommt halbiert, das macht sie perfekt zum Teilen, denn eine Hälfte davon ist aus Vorspeise wirklich ausreichend.
Dann geht‘s weiter: Wir nehmen einmal gebackene Wan Tans (4 Stück, 6,50€) und Bun Cha Ha Noi (15,90€). Das ist eine Spezialität aus, wie der Name schon sagt, Hanoi. Dabei handelt es sich um einen Teller mit gegrillten Schweinefleischbällchen, Schweinebauch, Salat, Reisnudeln und einer Schüssel Nuoc Cham.
Auf dem Teller ist alles nebeneinander angerichtet, Aufgabe des Gastes ist es nun, dies nach Belieben zu mischen und mit dem Dip zu übergießen. Die Erdnüsse, die zur Garnitur darauf liegen, sind geröstet – das zu erwähnen ist wichtig, weil man sie meist ungeröstet bekommt. So erhält das Gericht aber eine intensivere Note, die gut zum Grillaroma des Fleisches passt. Die Bällchen bestehen aus sehr fein gewolftem Fleisch, das gut abgeschmeckt und schön gegrillt wurde. Der Schweinebauch hätte durchaus noch ein, zwei Minuten mehr auf dem Grill vertragen, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Alles in allem: sehr gut.
Da, wo bis vor nicht allzu langer Zeit noch „Fräulein Schlicht“ ihr Café hatte, genauer gesagt, in Linden-Mitte, Davenstedter Straße 27 (Haltestelle Nieschlagstraße), hat das Bonatarte seine Türen geöffnet. Aufgrund des Wortspiels wünsche ich mir sehr, dass der Chefkoch ein kleiner Mann mit großer Mütze ist, der seine rechte Hand in Brusthöhe in der Kochjacke versteckt. Schlechte Nachricht: Ist nicht der Fall, enttäuschend. Gute Nachricht: Das war dann aber auch schon alles an Enttäuschungen. Der Chef hat großen Hunger, deshalb bestellen wir einmal alles. Etwas genauer heißt das: Linden, Kröpcke, Nordstadt, List und Quiche der Saison. Hä?
Jede der Quiches heißt nach einem Hannoveraner Stadtteil – beim Kröpcke wollen wir jetzt mal nicht kleinlich werden.
Als letztes auf der herzhaften Liste haben wir jetzt noch die Quiche der Saison (6,90€) stehen. Ein Dinkelvollkornteig mit Süßkartoffeln, Kichererbsen, Granatapfelkernen und Grünkohl. Unter gar keinen Umständen ess ich das! Niemals! Ich hasse Grünkohl. Der Chef zwingt mich aber und ich bin angenehm überrascht, wie gut und ausgewogen die Quiche schmeckt. Da hat sich wirklich jemand Gedanken gemacht und sie schön umgesetzt, Chapeau!
Feist wie die Fürsten (in diesem Fall wohl eher Feldherren) verabschieden wir uns glücklich in Richtung des nächstverfügbaren Digestifs.