Ehrenamtliches Engagement: Über den Tellerrand

„Integration bedeutet nicht nur, eine Sprache zu lernen. Es bedeutet, Menschen zu treffen, etwas gemeinsam zu machen und sich wirklich zu verstehen.“ Die Initiative Über den Tellerrand zeigt, was möglich ist, wenn Menschen aus aller Welt sich offen begegnen – am Herd und im Herzen.

Öl knistert in der Pfanne, Wasser brodelt im Kochtopf, der Duft unterschiedlichster Kräuter und Gewürze liegt in der Luft: Wenn Über den Tellerrand zum Kochen lädt, wird es bunt. „Unsere Events sind nichts Strukturiertes, vielmehr etwas Fließendes, das sich über den Abend entwickelt“, erklärt Sara, die die Initiative seit rund einem Jahr mit vorantreibt.

Die Idee dahinter ist so einfach wie wirkungsvoll. Über den Tellerrand möchte Menschen zusammenbringen, indem sie gemeinsam in der Küche stehen. Angefangen hat alles 2013 in Berlin, als Studierende während der Flüchtlingsproteste am Oranienplatz mit einem Campingkocher auf den Platz gegangen sind, um gemeinsam mit Geflüchteten zu kochen. Dadurch ist ein Netzwerk entstanden, das interkulturelle Begegnungen auf Augenhöhe fördert und Vorurteile abbaut – inzwischen auch in Hannover.

„Es geht darum, dass die Leute nicht nur unter sich bleiben, sondern auch mal andere Kulturen kennenlernen“, erklärt Jay, der sich ebenfalls für die Initiative engagiert. „Und wo geht das besser als am Tisch beim Essen?“

Häufig nehmen Menschen teil, die Freude daran haben, ihre eigenen Rezepte zu präsentieren – oder „Menschen, die einfach gern essen“. Ein kulinarisches Thema entsteht an vielen Abenden erst spontan. Die Teilnehmenden bringen ihre eigenen Ideen mit und so kommen zum Beispiel indische, polnische, deutsche und türkische Varianten eines Gerichts zusammen. „Am Herd sieht man dann plötzlich, wie viele Rezepte und auch Geschichten in einem einzigen Gemüse stecken können.“

Dabei spielt es keine Rolle, welche Sprache jemand spricht. „Vielleicht ist jemand noch nicht lange hier und kann jemand kaum Deutsch“, erklärt Jay. „Aber beim Kochen versteht man sich trotzdem. Man zeigt einfach: So machen wir das bei uns.“ Das gemeinsame Kochen und Essen wird im Verlauf des Events zu einer universellen Sprache, die verbindet. „Und am Ende fühlt es sich an wie ein großes Familientreffen“, lächelt Sara.

Langfristig träumt das Team von Über den Tellerrand von einer mobilen Küche. Dadurch wären ihre Events nicht mehr ortsgebunden. „Wir könnten in Parks, auf Spielplätzen, vielleicht sogar mitten in der Stadt einfach unsere Küche aufbauen und sagen: Kommt vorbei, es gibt Essen.“

Besonders für Jay steckt dahinter eine größere Vision. „Wenn ein Fluss sich bewegt, bringt er Leben“, sagt er. „Bleibt der Fluss stehen, beginnt er zu stagnieren. Deshalb wünsche ich mir, dass die Initiative unbedingt in Bewegung bleibt und immer wieder neues Leben eingehaucht bekommt.“ Je mehr Menschen sich an den Kochabenden von Über den Tellerrand beteiligen, desto mehr Austausch ist möglich und „desto mehr können wir wieder zu einer Gemeinschaft werden, die zusammenhält. Wenn Menschen zusammen essen, verlieren sie die Angst voreinander.“

Schließlich geht es um etwas viel Größeres als verschiedene Rezepte und Gerichte zu entdecken oder darüber ins Gespräch zu kommen. Es geht um die Verbindung, die zwischen den Teilnehmenden der Kochabende entsteht, wenn sie über den eigenen Tellerrand blicken. „Das ist nicht nur wertvoll für jede Person einzeln, sondern für unsere ganze Gesellschaft.“

» Laura Druselmann


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