Ein offener Brief … an Kouri Richins

Liebe Kouri, tja. Was kann man sagen? Glückwunsch? Und wenn, wozu genau? Einmal kurz rekapitulieren: Es ist doch richtig, dass du eines Nachts deinen Mann tot im Ehebett gefunden und daraufhin ein Kinderbuch über Trauerbewältigung geschrieben hast, weil du nicht wusstest, wie du deinen drei kleinen Söhnen sonst dieses Dilemma verklickern solltest? Und es stimmt doch, dass das Kinderbuch durch die Decke ging, from Utah to the world, du durch sämtliche Frühstücksfernseh-Formate getingelt bist und dich für dein kindgerechtes und einfühlsames Buch hast feiern und für den Verlust deines Mannes hast bemitleiden lassen? Und es ist doch auch korrekt, dass dieses Buch in Wahrheit von einem Ghostwriter geschrieben wurde, du deinen Mann mit einer Moscow-Mule-Fetanylmischung vergiftet hast und dafür zu lebenslanger Haft verurteilt wurdest, oder? Na, da wissen wir ja jetzt, wozu wir gratulieren können: Zu so viel Kaltschnäuzigkeit, alle Achtung. Das muss man erst mal fertigbringen – oder besser nicht. Da wolltest du doch nur medienwirksam die trauernde Witwe und Mutter geben und dann kam doch alles raus, das ist wirklich dumm gelaufen.

Aber wir müssen da ganz pragmatisch denken: Zum Glück wurdest du erwischt. Nicht nur, weil Mörder*innen bestraft gehören, mit oder ohne Kinderbuch. Nein, wärst du damit durchgekommen, stünde zu befürchten, dass dein Beispiel Schule macht. Bei uns in Deutschland könnte das etwa so aussehen: Unser Kanzler Friedrich Merz (musst du dir nicht merken, wir versuchen, ihn bald loszuwerden) probiert gerade, das „Stadtbild zu säubern“. Klingt etwas eleganter als bei eurem Präsidenten, meint aber das Gleiche, nämlich Ausländer raus. Angenommen, ihm gelänge das jetzt und er würde nach der Richins-Methode vorgehen: Das Stadtbild wäre sauber, alle Ausländer und Menschen, die ihm aus anderen Gründen nicht gefallen (Queere, Behinderte, Arbeitslose, such dir was aus), wären weg. Es gäbe jetzt nur noch deutsche Restaurants, was natürlich extrem einseitig und langweilig wäre. Servicepersonal wäre auch Mangelware, weil sich der gemeine Deutsche in diesem Job meist als unterbezahlt wahrnimmt. Man müsste also sehr lange auf seine Portion Königsberger Klopse warten, egal, in welches Restaurant man geht.

Das wäre Merz nicht recht, ist anzunehmen. Also würde er Markus Söder (den Namen merk dir bitte auch nicht, Verschwendung von Speicherplatz) von seinem Ärger (und Hunger) erzählen. Dieser wiederum würde in Merz’ Namen ein Buch schreiben mit dem Titel „In Deutschland kann man nirgends mehr richtig essen gehen“ und Merz würde sich dann mit Leichenbittermiene vor seine Wähler stellen und sagen: „Das ist wirklich traurig. Aber es ist ganz bestimmt nicht die Schuld von uns Deutschen, dass der Pizzabaum und der Dönerstrauch hier nicht wachsen. Da war das Universum einfach sehr fies zu uns.“ Und schon wäre unser einfühlsamer Kanzler im Frühstücksfernsehen. Kann man sich ja gar nicht blöder ausdenken. Nein, bevor dein Vorgehen sich rumspricht, intervenieren wir lieber, besonders im Hinblick auf unseren Kanzler und seinen Hiwi Söder! Diesbezüglich noch eine rein hypothetische Frage: Wieviel Fentanyl müsste man denn da wohl so nehmen pro Cocktail? Und wie heißt eigentlich dein Ghostwriter?

» IH


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