Der besondere Laden: Bodenkleid – rug art

Beim Betreten dieser ehemaligen Druckerei in Linden liegt der warme, etwas erdige Geruch von Wolle in der Luft. „Herzlich Willkommen“, strahlt Julia Langstein, Gründerin von Bodenkleid. Mitten im Raum steht ihr riesiger Arbeitstisch, darauf Garnrollen, Scheren und Skizzen. An den Wänden drumherum stapeln sich Wollgarne in allen erdenkbaren Farbtönen. Ein Blick um die Ecke verrät schließlich, worum es bei Bodenkleid geht: um Teppiche, die mit viel Zeit und Liebe eigenhändig von Julia entworfen und gefertigt werden.

„Das macht mir einfach richtig Spaß“, sagt sie und lacht dabei herzlich. Seit 2004 führt die Diplom-Textildesignerin nun schon ihr Label. Damals, erzählt sie, habe sie an der Fachhochschule für Design und Medien in Hannover zum ersten Mal mit der Handtuft-Technik gearbeitet, einer Methode, bei der Garn mit einer speziellen Maschine in ein Trägergewebe geschossen wird. „Das hat mich irgendwie nicht mehr losgelassen.“ Während andere Studierende webten oder stickten, vertiefte sie sich in eine Technik, die damals kaum noch jemand nutzte. Heute entstehen daraus in ihrer Werkstatt Teppiche und Wandarbeiten, die sich irgendwo zwischen Kunst, Handwerk und Interior Design einordnen lassen.

Julia versteht ihre Arbeit aber nicht nur als Produktion. Es geht ihr um Materialität, um Qualität und um Herkunft. Schon während des Studiums sei Nachhaltigkeit ein zentrales Thema gewesen. Die Frage damals: Lässt sich ein Teppich herstellen, dessen Produktionswege fast vollständig in Deutschland liegen? Julia begann zu recherchieren, suchte Färbereien, Gewebehersteller und Zulieferer. Heute stammt fast alles, mit dem sie arbeitet, aus Deutschland oder gar direkt aus Niedersachsen. Nur die Schurwolle kommt aus Neuseeland. „Die Schafe dort entwickeln besonders langes und helles Haar“, erklärt die Gründerin. Das habe den entscheidenden Vorteil, dass die Fasern später nicht chemisch gebleicht werden müssen.
Über ihre Werkzeuge – Webstühle, eine Tuftingmaschine und ein Kompressor für dessen Antrieb – spricht Julia mit derselben Begeisterung wie etwa Künstler*innen über ihre Pinsel und Farben. Und über den kreativen Prozess hinter den Teppichen sagt sie: „Das ist wie Malen mit Wolle“. Weil jede Charge leicht anders aus der Färberei zurückkomme, entstünden ganz eigene Verläufe und Nuancen. Genau diese Unregelmäßigkeiten seien gewollt. „Man sieht: Das ist wirklich handmade.“

Julias Teppiche entstehen im ersten Schritt oft als kleine Skizze auf Papier. Diesen Entwurf überträgt sie im Anschluss spiegelverkehrt auf ein großes Grundgewebe, das wie eine Leinwand aufgespannt ist, und erst dann beginnt die eigentliche Arbeit: Mit Druckluft schießt sie die Wollfäden von der Rückseite in den Stoff. Manche Teppiche enthalten mehr als ein Dutzend Farben, andere leben von Reliefs, unterschiedlichen Florhöhen oder organischen Formen.

Besonders liebt Julia aber das Tuften von Mustern. „Das Flächefüllen ist eher Pflichtprogramm“, schmunzelt sie. Die Gestaltung dagegen habe wirklich etwas Künstlerisches. Tatsächlich erinnern viele ihrer Arbeiten eher an textile Gemälde als an klassische Teppiche. Julia gestaltet Korallenformen, freie Linien und asymmetrische Flächen, von denen manche verspielt wirken und andere schon fast architektonisch.

Mit ihren Teppichen möchte sie weg vom reinen Einrichtungsgegenstand, hin zum Wandobjekt. Vor allem die Idee des Wandteppichs interessiert sie besonders, auch wegen seiner Wirkung im Raum. „Wolle schluckt Schall, bringt Wärme in Beton- und Glasarchitekturen und verändert die Atmosphäre eines Ortes.“ Schließlich sollen Julias Arbeiten nicht nur Räume schmücken, sondern sie gezielt verändern und die Menschen, die die Teppiche kaufen, glücklich machen.

» Laura Druselmann

Bodenkleid – rug art
Davenstedter Straße 60, 30453 Hannover
Tel.: 0178 2381786
E-Mail: langstein@bodenkleid.de
www.bodenkleid.de


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