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Der Freundeskreis im Gespräch im Juli

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Der Freundeskreis im Gespräch im Juli


Diesmal haben wir uns mit Ulrike Duffing (UD), der ehemaligen Koordinatorin vom Haus der Religionen – Zentrum für interreligiöse und interkulturelle Bildung, und dem Künstler und Aktivisten Joy Lohmann (JL) auf der ZuKunst, einem Gemeinschafts- und kulturellen Möglichkeitsraum auf der Ihme, getroffen. Im Gespräch ging es um Zukunftsmodelle, verschiedene Perspektiven und Visionen.

Mögt ihr euch zu Beginn kurz vorzustellen und erzählen, was ihr so gemacht habt und welche Perspektive ihr mitbringt?

Joy Lohmann

JL – Mein Name ist Joy Lohmann und ich begrüße euch recht herzlich auf der ZuKunst, unserem Floating Future Lab. Alles hier ist von unserem Verein, den Makers for Humanity e.V., selbst gebaut: Zuerst das Tiny Float, an Land in der Paul Doorman Schule mit Freiwilligen, dann kamen die Schwimmkörper dazu, zwei AluminiumPontons rechts und links – also ein Katamaran-Prinzip. Und wir haben Solarpanels auf dem Dach, machen also unseren Bordstrom selber. Makers for Humanity sind eine interdisziplinäre, intergenerationelle und multikulturelle Gruppe und bieten an Bord Workshops wie Mantrasingen, Jamsessions und Treffen für Bildung und Gesundheit an, aber auch Kulturbootsfahrten, einen MakerSpace – und auch Konzerte und Onlinekonferenzen hatten wir schon an Bord. Man kann mit eigenen Inhalten herkommen oder Inhalte von anderen aufnehmen – und gerade in so einer fragilen Atmosphäre, so einer selbstgemachten analogen, kreativen Gemeinschaft kommen richtig tolle Ergebnisse zustande und man führt ganz schnell tiefe Gespräche. Schon zur Weltausstellung hatte ich damals ein schwimmendes „Future Lab“ gebaut, das schnell zu einem Symbol, einem Narrativ wurde, das unterschiedlichste interessante Leute anzieht. Die schwimmenden Gärten auf dem Maschteich 2009 waren so erfolgreich, dass ich die folgenden drei, vier Jahre in Indien mit Makers vor Ort ein modulares Schwimminselsystem erfand und entwickelte. Die Nachfrage nach Schwimminseln steigt mit den Meeresspiegeln und Open-Island ist der Bauplan für Menschen in Not, sich selber, günstig und einfach schwimmende Extraflächen zu bauen.

Ulrike Duffing

UD – Was mir sofort auffällt: Bei dem, was du erzählst und was bei mir ankommt, geht es nicht nur um Kunst, es geht um Ernährung, um Architektur und Bauen, um Wasser, es geht um Gemeinschaft und nicht zuletzt um interkulturelles Miteinander. Das verbindet uns. Mit dem Haus der Religionen hier in Hannover habe ich ganz ähnlich wie Joy ein Projekt begleitet. Als ich 2013 auf meine Arbeitsstelle kam war es ein Projekt. Mit diesem Begriff verbindet sich ein Beginn und ein temporäres Ende. Doch inzwischen ist daraus eine Institution geworden. Das Kind ist erwachsen geworden und sozusagen aus den Kinderschuhen herausgewachsen. Auch bei uns war es damals so, dass in die Zukunft gedacht wurde und besonders die Menschen notwendig sind: Wir brauchen Menschen mit diesem gemeinsamen Spirit und wir brauchen ganz viel positive Energie plus Liebe, Geduld und Begeisterung als Schutz, um das Ganze zu bewahren, fortzuführen und es auch an die nächste Generation weitergeben zu können. Das sehe ich hier und das ist bei uns ganz ähnlich gewesen. Es ging einfach darum, das zu denken, was alle anderen nicht denken: nämlich zehn Jahre im Voraus zu denken, in die Zukunft zu schauen. Über ein Jahrzehnt war ich im Haus der Religionen und habe vorher in der evangelisch-lutherischen Kirche einen ganz klassischen Job gehabt, aber ich wollte mehr, ich wollte andere Religionen kennenlernen und auch verstehen und mit ihnen arbeiten. Ich wollte neue Strukturen, auch eigene Strukturen, gestalten und im Team weiterentwickeln.

Bist du denn ein religiöser Mensch? Und wenn ja: als Christin oder hast du dir andere Perspektiven, die du kennengelernt hast, angeeignet?

UD – Als ich das Ganze angefangen habe, war ich evangelisch-lutherische Christin und ein religiöser Mensch – und das bin ich auch heute noch. Es war nicht das Ziel, irgendetwas zu werden oder zu konvertieren, sondern es war das Experimentelle: ich war offen einfach zu schauen, was passiert. Ich wollte mal die Sicherheiten und die Strukturen loslassen, in denen man sonst immer dümpelt, ohne nachzudenken. Auch etwas, das Joy und mich verbindet. Und ja, meine Perspektive ist komplett verändert, nämlich enorm geweitet worden. Als Christin ging mir nichts verloren, aber ich habe reichhaltige Vielfalt hinzugewonnen.

Es scheint so, als würdet ihr an einem Strang ziehen, was die Ziele betrifft, aber ihr habt doch recht verschiedene Formen der der Weltaneignung oder -ausdeutung gewählt. Wenn Kunst und Religion die Oberbegriffe wären: Würdet ihr sagen, dass ihr da anders wahrgenommen werdet? Sieht man sich in der religiösen Ecke eventuell mit mehr Gegenwind konfrontiert als in der Kunstszene?

UD – Es ist natürlich gerade eine ganz gruselige Zeit, da sage ich euch nichts Neues. Also Antisemitismus, Rassismus und die AfD – das ist etwas, das man sich nicht gewünscht hat. Viele Menschen sehen nur noch schwarz und weiß. Die Empathie ist verloren gegangen, die Diskussionskultur. In der Demokratie und gerade bei uns im Haus der Religionen ist der Dialog im Vordergrund. Das Zusammenarbeiten und einander zuhören in den unterschiedlichen religiösen Kontexten ist enorm wichtig. Nur so kommt man zueinander und beginnt einander mit den jeweils verschiedenen Meinungen zu verstehen. Es ist sehr wichtig, denke ich, wieder zu üben zu verstehen, dass es eben verschiedene Positionen gibt. Das ist die Grundlage unserer demokratischen Gesellschaft und danach den Kompromiss zu suchen. Auf Augenhöhe! Ja, es gibt schon sehr viel rauhen Gegenwind, besonders jetzt durch politische Gewalttaten, Terrorangriffe und Kriege.

JL – Ja, ich sehe da eigentlich zwei Entwicklungen. Das eine ist die Verrohung und, dass viele Leute Gefallen an der Provokation und auch am Hass finden. Und das andere, das ist so eine gesellschaftliche Tendenz der Oberflächlichkeit und Bequemlichkeit. Das hat sicher auch mit der Digitalisierung zu tun, dass man das echte Erleben gar nicht mehr richtig lernt. Es muss immer schneller, risikofreier gehen, man legt sich überhaupt nicht mehr fest. Das ist für Kulturveranstalter eine Katastrophe. Man kann überhaupt nicht mehr planen. Hier an Bord versuchen wir eine andere Kultur zu prägen und einzufordern. Die Erfolgsgeschichte des Menschen ist einfach das soziale Miteinander; und daraus entsteht Synergie, daraus entsteht Innovation.

Holt so ein Statement auch die Jüngeren ab?

JL – Das ist kein Generationenbashing … Im Gegenteil möchte ich für die Jugend hier mal eine Lanze brechen, denn wir verdanken der Jugend unglaublich viel. Die Fridays for future beispielsweise kämpfen für uns alle für den Klimaschutz und eine lebenswerte Zukunft. Ich bin bei den Artists for Future und daher in dieser Szene ein bisschen drin und muss sagen: Ich habe unglaublich viele richtig tolle, politische, mutige und engagierte Leute kennengelernt. Junge Menschen, von denen wir viel lernen können. Und aus der älteren Generation gibt es dafür arrogante Häme: Junge Leute überlegen, wie sie ohne Gewalt anzuwenden die existentielle Gefahr deutlich machen können, sprechen dabei letztlich für uns alle, kleben sich persönlich auf Straßen fest und riskieren Strafverfolgung, gesundheitliche Schäden und werden dann als Klimakleber gedisst … Das macht mich unglaublich traurig. Und wenn dann die Bauern mit fetten Traktoren die Autobahnen blockieren, dann fangen die Minister an zu überlegen, was man denen noch Gutes tun kann. Es gibt viel junges politisches Engagement und deswegen freue ich mich sehr, dass man bei der Europawahl bereits ab 16 wählen konnte.

UD – Ja, ich finde es auch gut, wenn sich Jugendliche ihre eigenen Protestformen wählen und laut auf sich aufmerksam machen. Junge Menschen sind erfinderisch und suchen sich ihre eigenen Formate. Das wirkt manchmal drastisch, aber ist vollkommen berechtigt. Sonst fühlen sie sich nicht gesehen und gehört. Mir wäre dazu aber das Wort Verantwortung wichtig. Also die Frage ist ja: Wie funktioniert eine Gesellschaft, die dieses System innehat? Demokratie heißt auch, dass ich mich da hinein üben muss. Ich muss lernen, für etwas Verantwortung zu übernehmen. Es muss Regeln geben. Zunächst übe ich diese Softskills in einer kleinen Gemeinschaft ein, etwa in der Familie. Später in der Peergroup oder wenn ich mit den eigenen Freund*innen zusammen bin. Es muss eine Verständigung geben über die Regeln, die es gibt, und eine gewisse Art von Orientierung. Sonst wird es schwierig im Miteinander. Selbstverständlich kann ich auch ausscheren und die Regeln brechen. Doch dann muss ich dazu stehen und die Verantwortung für mein Handeln übernehmen. Und was nun die Proteste der Jugend betrifft: Das sehe ich genauso wie du. Und das ist auch etwas, was wir früher genauso gemacht haben, in Brokdorf etwa, als wir gegen Atomkraft protestiert und genauso wilde Sachen gemacht haben. Man muss das tun, weil der Sache ja sonst keine Aufmerksamkeit geschenkt wird und man gar nicht vorankommt. Deswegen finde ich das völlig richtig, was du gesagt hast. Möglicherweise hast du es aber auch mit etwas anderen Jugendlichen zu tun. Bei uns sind die Jugendlichen ja immer in einer eher gezwungenen Situation, weil sie eben durch die Schule zu uns kommen. Aber es gibt bei uns einen Schutzraum dafür, dass sie Ihre Meinung sagen können. Und dann hängt an einer nachgebauten Klagemauer etwa ein Zettel mit der Botschaft „Free Palestine“. Ich will jetzt nicht alle Meinungen aufzählen, das ist auch nicht wesentlich, sondern wichtig ist, dass man sich dann zusammensetzen und sagen kann: Wie seht ihr dies oder wie seht ihr das? Also: die Diskussionskultur einüben und jede/r darf ausreden und eine/r hört dem/der anderen zu. Manchmal ist es mühsam. Doch auch „einander aushalten“ gehört dazu.

JL – Was hier auch im Rahmen unserer Kunst aus unserer Perspektive sehr spannend wäre, gerade auch beim Thema Integration: einfach mal in verschiedene Religionen reinzuschauen – zu gucken, was in den Schriften oder auch in der Praxis an gemeinwohlorientierten Praktiken und Regeln existiert. Denn jede Religion beinhaltet ja auch einen Verhaltenskodex, eine Art Spielregel guten Zusammenlebens. Da würde ich mich sehr freuen, wenn wir diese Idee vertiefen und schauen: Was für Potenzial bringen fremde Religionen und aber auch Kulturen in unsere Stadtgemeinschaft ein? Und dieses ganze Wissen aus fernen Kulturen haben wir hier in Hannover. Wir haben die Orte hier, wir haben die Menschen hier, die Geschichten, die Gerichte, die Musik, die Kultur.

UD – Genau, die verschiedenen Orte, Gerichte und Geschichten in unserer Stadt sind jetzt das zweite Standbein unserer Institution. Neben dem Herzstück – unserer multireligiösen Dauerausstellung mit 9 verschiedenen Religions- und Weltausstellungsgemeinschaften – hat das Haus der Religionen ein zweites Standbein: Man setzt sich in eine Straßenbahn oder U-Bahn und kann an einem Tag sämtliche Weltreligionen besuchen. Wir haben mit allen unseren Gemeinschaften den Deal, dass in jeder religiösen Gemeinschaft, die zu uns gehört, jeweils nach vorheriger Verabredung circa 90 Minuten Führung stattfinden. Manchmal gibt es auch etwas zu essen. Es ist wirklich eine spannende Sache, in Hannover umher zu fahren und mal verschiedene Gemeinschaften zu besuchen.

Ihr habt da also schon Kontakte geknüpft und etwas in Planung …?

JL – Ja, neben den Makers for Humanity bin ich auch im Kulturraum Region Hannover e.V. tätig – und mit dem Freundeskreis zusammen führt der Verein sogenannte KulturPerlen-Fahrten durch. Und der übernächste Kulturausflug geht u. a. tatsächlich in das Haus der Religion. Wir wollen unseren Mitbürger*innen mit den KulturPerlen die Möglichkeit bieten, Hannover und die Region auch in der Tiefe wahrzunehmen. Ihr öffnet dafür die Türen, wir bringen die Leute, der Freundeskreis hilft dabei und das Stadtkind schreibt drüber. Fantastisch.

UD – In unserer Stadt gibt es so viele beeindruckende Initiativen, Projekte und Institutionen – häufig werden sie nicht wahrgenommen oder finanziert. Es ist schön, dass wir den Freundeskreis haben, denn manches könnte man noch mehr in den Focus rücken. Ich habe gerade mal 11 Jahre ein Projekt begleitet, dass nun eine feste Institution geworden ist, jetzt aber immer noch finanziell sehr zu kämpfen hat. Es ist wirklich dermaßen ein Klinkenputzen, damit man überleben kann und vielleicht für ein weiteres Jahr eine Stelle finanzieren kann. Wenn du irgendwo einen Antrag auf finanzielle Förderung stellst und du schreibst darin „Wir machen was Kulturelles“, dann wird das garantiert bezuschusst. In dem Moment, in dem du „Religion“ draufschreibst, wird überhaupt nichts bezuschusst. Dabei sind alle Religionen dem Frieden verpflichtet und wir zeigen mit diesem 1. und immer noch einzigen Haus der Religionen in Deutschland, welch „guten Boden“ Hannover hat, auch für die Integration und das kulturelle Miteinander. Und jetzt – und das ist ganz schrecklich und traurig – haben wir diese Kriege … und weil auch Antisemitismus und Rassismus plötzlich ganz oben auf der Agenda in der Politik stehen, gibt es auf einmal Geld, wofür wir ja auch dankbar sind. Aber es ist wirklich ein Trauerspiel, dass wir immer wieder über Jahre und Jahre sparen müssen – sparen, sparen und überall die Klinken putzen –, damit überhaupt diese wenigen Kolleg*innen, die bei uns im Haus arbeiten, bis zum Jahresende finanziert werden können. Im Moment haben wir 1 volle Stelle befristet auf 5 Jahre plus 2 halbe Projektstellen befristet auf 1 Jahr. Doch uns trägt immer noch die Hoffnung, dass es irgendwann mal so weit kommt, dass wir dauerhaft finanziert werden. Ein langfristiges Ziel wäre es, dass vier Stellen finanziert werden. Mit unserer FSJ`lerin und unseren Mitarbeitenden im Praktikum wären das 6 Arbeitsplätze. Das wäre etwas, was für mich wirklich großes Glück bedeuten würde

JL – So einfach ist es leider in der Kultur auch nicht. Aber ich möchte auch
einen kleinen Fokus aus unserer Maker-Perspektive hinzufügen. Und zwar ist es das Ehrenamt. Es muss ja gar nicht alles bezahlt sein, weil es noch mehr Werte gibt als nur Geld. Im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsinitiative habe ich mir einige Jahre mit klimapositiven Lifestyles beschäftigt. Na klar, man braucht auch Geld – aber glücklich wird man dadurch nicht, sondern durch nicht-monetäre Werte. Durch freiwilliges Engagement für ein Herzensthema bekommt man beispielsweise wertvolle soziale Kontakte. Man lernt dazu, hat authentische Erlebnisse, tut etwas Gutes. Auch das ist sinnvoll und wertvoll. Klar, das muss alles organisiert werden und dafür braucht es bezahlte Stellen – aber ich möchte einfach nochmals Danke sagen für Hunderttausende, die sich auch unterhalb dieser Schwelle in ihrer Freizeit, neben ihrem Job, neben der Familie engagieren – für ihre Gemeinschaft, für die Kultur, für das, was ihnen am Herzen liegt und uns allen auch eine gute Zukunft beschert.

UD – Das möchte ich gerne bekräftigen. Das ist bei uns ganz genauso. Das Forum der Religionen, der Rat der Religionen, unser Kuratorium, der Vorstand vom Haus der Religionen: alle arbeiten ehrenamtlich bei uns. Daneben gibt es einen hoch engagierten Kreis von Freiwilligen aus den verschiedenen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, die bei uns im Verein Mitglied sind. Unser Freiwilligenteam hält verlässlich Dienstags und Donnerstags von 16-19 Uhr unsere Dauerausstellung für Einzelbesuchende kostenfrei geöffnet.

JL – Das ist super investiertes Geld, weil die wenigen bezahlten Menschen ein unglaubliches Feld an Toleranz, an Kreativität und an Engagement organisieren. Ich bin der Meinung, so kann man eine Gesellschaft eigentlich viel besser zusammenhalten: Es ist hocheffizient, Geld in Kultur und Gemeinwohl zu investieren.

● CK/LD

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Der Freundeskreis im Gespräch im Juni

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Der Freundeskreis im Gespräch im Juni


Dieses Mal waren wir mit dem neuen Vorstandsteam des Freundeskreises im Gespräch: Konstanze Beckedorf und Hajo Rosenbrock. Die beiden haben uns von ihren Plänen für die Zukunft des Vereins und von möglichen Herausforderungen erzählt.

Sprechen wir zu Beginn kurz darüber, wie ihr zum Freundeskreis und letztlich in den Vorstand gekommen seid…

Konstanze Beckedorf + Hajo Rosenbrock (c) Amanda Reich

KB – Ich bin während meiner beruflichen Tätigkeit als Dezernentin bei der Landeshauptstadt zum Verein gekommen. Die Satzung des Freundeskreises enthält Regelungen, dass der Verein auch jemanden aus einem Dezernat der Landeshauptstadt in den Vorstand berufen kann. Und als ich damals das Kulturdezernat übernahm, bin ich Beisitzerin im Vorstand geworden und bin das bis heute.

HR – Der Turn-Klubb Hannover ist schon lange Mitglied im Freundeskreis. Zunächst war ich als Geschäftsführung und Vorstand der TKH nur über den Verein dabei; war hin und wieder bei einer Versammlung und bin dann auch ehrenamtlich im Kuratorium gelandet. Im Oktober gab es einen Wechsel bei uns im Kuratorium und ich wurde gefragt, ob ich es mir im Sinne des Generationenwechsels vorstellen könnte, Kuratoriumssprecher zu werden. Es war für mich eine Ehre, das mit Konstanze machen zu dürfen. Und so kam es dazu, dass wir gesagt haben, wenn der Verein das auch so möchte, führen wir die Vorstandsgeschäfte in diesem Jahr fort. Seitdem sind wir ganz intensiv drin. Aber auch schon bevor wir Vorstand geworden sind, haben wir, ich glaube die letzten vier Monate, jede Woche jeder individuell ein paar Stunden mehr ehrenamtlich gewirkt, als man das so vorher dachte.

Und jetzt wollt ihr eine neue Ordnung reinbringen?

HR – Wir sind sozusagen gerade dabei. Dieser Verein hat ja viele Mitglieder – die auch gerne unsere Veranstaltungen besuchen. Und wenn ein Verein dann ca. 1.000 Mitglieder hat, dann sind da natürlich viele zur Unterstützung mit dabei. Da Vorsitzender und Geschäftsstellenleitung wechselten, gibt es jetzt viel zu tun …

KB – Es hat ja auch jeder seine eigenen Vorstellungen. Wir haben eine Form der organisatorischen Abläufe vorgefunden – insbesondere in der Geschäftsstelle – und sind nun erstmal dabei, uns einen Überblick zu verschaffen. Hajo macht das ja auch noch neben seiner Hauptberuflichkeit. Und wir haben halt schon so ein paar Punkte gefunden, bei denen wir sagen: „Nein, das würden wir eben gerne auch in den Abläufen einfach ganz anders organisieren und regeln.“ Aber wenn wir mal nicht mehr in der Verantwortung sind, dann werden das Nachfolgende wieder anders machen.

HR – Aber so eine, so eine Geschäftsstelle ist ja nicht das Thema, das nach außen ins Schaufenster gehört. Der Verein muss sich im Moment wieder nach innen neu strukturieren, damit er nach außen so glänzen kann, wie er gerne geglänzt hat. Bis Corona hat er ja auch lange sehr gut geglänzt, aber dann gab es sicherlich eine kleine Delle. Jetzt gibt es wieder tolle, schöne Veranstaltungen – aber der Bereich muss weiter ausgebaut werden: Wir wollen ihn themenmäßig ganz unterschiedlich ausbauen, da können wir gleich einmal drauf blicken. Und wir wollen unsere Mitglieder mitnehmen – und die Stadt, so wie sie ist. Gestern Abend hatte ich zum Beispiel ein Telefonat mit Steffi Eichel darüber, dass wir einen Lauf für die Demokratie machen wollen. Und jetzt überlegen wir, ob wir Anfang Juni einen Termin finden, an dem wir das machen können. Das ist ein Thema, wo wir beide bestimmt nicht gesagt haben: „Ende des Jahres oder nächstes Jahr wollen wir unbedingt einen Lauf der Demokratie machen“. Genauso haben wir am 31.12. nicht gesagt: „Wir wollen hier Demonstrationen für 35.000 Menschen veranstalten …“ Sondern das ist einfach passiert. Wir planen natürlich auch, das Ehrenamt ins Schaufenster zu stellen: andere Leute darin zu ermutigen, sich für diese Stadt einzusetzen – gerne auch im bürgerschaftlichen Engagement. Wir wollen vielen Strömungen aus Hannover eine Stimme geben, so wie es der Freundeskreis eigentlich schon immer gemacht hat: Wir bringen gerne Menschen zusammen. Wir organisieren auch gerne Dinge. Und an der Stelle kann man mit dem Freundeskreis eine Menge planen, wo Menschen zusammenkommen, die es vielleicht auch brauchen, dass andere etwas für sie organisieren. Und das tun wir gerne.

KB – Und wir haben eben beide unsere Netzwerke. Teilweise überschneiden sie sich, aber teilweise sind sie auch unterschiedlich: Ich war ja früher für Kultur, Soziales und Sport zuständig und habe natürlich aus dieser Funktion heraus unglaublich viele Leute in Hannover kennengelernt. Und Hajo über den Sport. Damit sind wir so breit aufgestellt, dass das für den Freundeskreis durchaus ein Gewinn sein kann.

HR – Und wir gehen auch mehr auf unsere Mitglieder zu als es in der Vergangenheit der Fall war, laden auch alle ein, mitzuarbeiten. Aber das Fundament muss gut gesetzt sein, damit die Zukunft auch unabhängig von uns beiden gut funktionieren kann.

KB – Und das merken wir jetzt auch. Die ersten Schritte sind getan. Hajo ist sehr kreativ, was neue Ideen und neue Projekte angeht. Ich zeige mich ein bisschen bei den Mitgliedern … und wir sind in den ersten Austausch mit den Mitgliedern gegangen, haben alle mit einem Mitgliederbrief informiert, der ein unglaublich positives Feedback bekommen hat. Und so ist genau der richtige Duktus. Es ist einfach erstmal wieder wichtig, dass die Menschen, die Mitglied im Verein sind, auch das Gefühl haben, dass sie gesehen werden – und dass ihre Mitgliedschaft durchaus wertgeschätzt wird. Also die Stimmung ist, glaube ich, ziemlich gut.

Das Feedback, das ihr bekommt, stellt euch also zufrieden?

HR – Ja, naja … Es gab ja eine sehr kontroverse Mitgliederversammlung. Es darf, soll und muss ja jeder unbedingt in Vereinsgremien seine Meinung sagen. Bloß: Themen aus der Vorvergangenheit mit Menschen zu besprechen, die damit gar nichts zu tun haben, war für mich ein bisschen befremdlich. Dinge, die jetzt nicht funktioniert haben, dort anzusprechen, das ist richtig. Aber nicht wahrnehmen zu wollen, dass Dinge jetzt gerade im Neuaufbau sind: das ist auch nicht vereinsfördernd. Also da war für mich persönlich die Mitgliederversammlung nicht unbedingt der motivationale Faktor nach vorne, dass ich mich jetzt hier ehrenamtlich total verdinge.

KB – Wir waren aber auch ein Stück weit selbst schuld, weil wir uns gegenüber den Mitgliedern positioniert haben. So fühlten wir uns dann sehr angesprochen, obwohl wir eigentlich wussten, dass wir gar nicht gemeint waren.

Aber umso schöner, wenn jetzt alles gut ist.

HR – Nun ist ja auch alles geklärt und der Übergang funktioniert dank der guten Zusammenarbeit mit Matthias Görn gut. Dennoch ist es viel Arbeit.

KB – Nein, es war auch in Ordnung, dass Kritik geäußert wurde. Und die Kritik, die geäußert wurde, die haben wir aufgenommen. Wir werden die Mitglieder, die diese Kritik geübt haben, aber auch in die Pflicht nehmen. Da kam durchaus der Wunsch: „Wir wollen mehr mit einbezogen werden, wir wollen uns aktiv beteiligen.“ Und das Angebot werden wir machen.

HR – Genau. Wir wollen, dass die Mitglieder eine größere Chance haben, sich zu beteiligen. Dazu werden wir auch ein Zukunftsforum – eine Zukunftswerkstatt oder ähnliches – im Laufe des Jahres bieten, bei dem Ideen, Wünsche und Kritik geäußert werden können. Haltung und Meinung unserer Mitglieder sind uns sehr wichtig.

Kommen wir zu den kreativen Ideen, die ihr angesprochen habt. Was können wir uns darunter vorstellen?

HR – Es gibt ja unterschiedliche Stufen. Erstmal gibt es die niedrig hängenden Früchte, die man relativ zügig umsetzen kann. Und dann gibt es natürlich mittel- und langfristige Dinge. Wir wollen einen Freundeskreis-Podcast machen – und haben mit Jan Egge Sedelies auch einen super Moderator gefunden; jemanden, der vom Fach mit dabei ist und bei uns gerne ehrenamtlich aktiv sein möchte. Dann gibt es ja unseren Stadtkulturpreis; aber wir wollen ein Format aufstellen, dass unabhängig davon Einblicke in die Stadt und die Menschen gibt – einfach eine Veranstaltung, bei der Hannoveraner*innen ihre Erfahrungen teilen. Wir denken an Köpfe, die man nicht so häufig in der Öffentlichkeit sieht. Vielleicht finden wir aber auch mal einen Schauspieler oder Musiker aus Hannover. Wir werden auch eine neue Homepage kriegen. Außerdem treffen sich die Freundeskreis-Mitglieder alle vier Wochen zum Frühstücken. Und wir haben uns gefragt: „Warum kann man das eigentlich nicht mal umdrehen und sagen, dass man auch mal alle vier bis acht Wochen abends was macht?“ Man könnte ja zum Beispiel bei Hannover Gin einmal durch den Keller bis nach oben gehen und eine Gin-Verkostung machen. Vielleicht gibt es auch mal eine Weinprobe. Also unterschiedliche Formate. Und – last but not least – als kurzfristige Sache: Wir denken über eine Freundeskreis-Party im Palo oder in der Baggi nach. Das betrifft eine ganz andere, vergleichsweise junge Zielgruppe. Es geht uns nicht darum, nur die bestehenden Pfade noch besser zu gehen, sondern auch mal rechts und links etwas auszuprobieren. Und wenn etwas nicht funktioniert, dann wird es sicherlich nicht wiederholt. Und wenn was richtig gut funktioniert, dann halt doch.

KB – Und dann darf man auch nicht vergessen, dass der Freundeskreis – das haben wir nicht zuletzt durch die Demo Ende Januar wieder gezeigt – für eine bestimmte Haltung zu den momentanen politischen und gesellschaftlichen Themen steht. Auch da werden wir natürlich weiterhin aktiv bleiben.

HR – Genau, das hatte ich vergessen: Was wir jetzt sofort umsetzen, ist eine Kampagne auf Social Media. Dort kann jeder sagen: „Ich wähle am 9. Juni Europa, weil …“ Und mit einem Testimonial wird ein Foto in eine Grafik von uns eingebettet, so dass wir ganz viele Gesichter – normale Gesichter, Vorbilder oder auch Politiker – zeigen und einfach Menschen darauf hinweisen, dass an dem Sonntag eine wichtige Wahl stattfindet. Ich glaube, zur EU-Wahl sind wir alle dazu aufgerufen, zumindest zu sagen: „Komm, geht wählen, schützt die Demokratie!“ Dieses demokratische Thema liegt uns beiden sehr am Herzen.

KB – Wir hatten am Samstag das Frühstück, von dem Hajo gerade sprach. Und da habe ich auch nochmals auf die Kampagne hingewiesen und habe gesagt, dass der Freundeskreis für eine bestimmte Haltung steht: für Demokratie, für Freiheit … Da hat man gemerkt, dass das auch einen unglaublichen Zuspruch findet. Und nochmals zum unterschiedlichen Altersspektrum: Den Freundeskreis gibt es seit mehr als 30 Jahren. Und es gibt Menschen, die von Anfang an Mitglied mit dabei sind. Aber genauso haben wir jüngere Mitglieder. Wir wollen die jüngere Generation jetzt gerne noch stärker ansprechen und neue Mitglieder dazugewinnen. Dafür brauchen wir auch ein entsprechendes Portfolio an Angeboten. Wer Lust hat, kann zum Frühstück kommen. Aber es ist eben so, dass das Frühstück eher eine Veranstaltung für die ältere Generation ist. Jüngere Generationen, die zum Beispiel Familien mit kleinen Kindern haben, die haben am Samstagmorgen um 9.30 Uhr schlichtweg keine Zeit zum Frühstück zu gehen. Das muss man mal ganz deutlich sagen. Aber die kommen vielleicht gerne zum Feierabend-Gin oder -Wein. Das so umzusetzen, dass sich alle gesehen und wertgeschätzt fühlen, dass sich alle damit identifizieren können: Das ist durchaus auch eine Herausforderung.

● CK/LD

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Der Freundeskreis im Gespräch im Mai

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Der Freundeskreis im Gespräch im Mai


In diesem Monat haben wir uns mit Dr. Vanessa Erstmann (VE), der Vorsitzenden des Jazz Club Hannover, und mit Gudrun Benne (GB), der Geschäftsführerin des Industrie-Club Hannover, getroffen. Mit den beiden Freundeskreis-Mitgliedern haben wir uns über ihre Tätigkeiten, ihre Verbindungen zum Verein und das Image der Stadt unterhalten.

Beginnen wir mit dir, Vanessa: Du bist Vorsitzende und Geschäftsführerin des Jazz Club Hannover, aber das ist nicht dein Hauptberuf, richtig?

Vanessa Erstmann

VE – Genau, meine Arbeit im Jazz Club ist rein ehrenamtlich. Dazu bin ich gekommen, als ich über die Imagearbeit der Stadt Hannover promoviert habe. Das Thema Stadtimage hat mich fasziniert und mit dem Nachlass des ehemaligen städtischen Imagepflegers Mike Gehrke bin ich als Historikerin auf einen spannenden Quellenbestand gestoßen. Gehrke hat von 1972 bis 2004 als Imagepfleger der Stadt agiert und war zeitgleich über Jahrzehnte Vorsitzender des Jazz Clubs. Sein Büronachlass im Stadtarchiv umfasste etwa 300 Aktenordner. Parallel dazu durfte ich rund 200 Aktenordner im Jazz Club einsehen und dort vor Ort forschen. In dem Zuge habe ich mich auch mit der Öffentlichkeitsarbeit und dem Marketing des Jazz Clubs beschäftigt und angefangen, mich im Verein ehrenamtlich zu engagieren. Auch beruflich beschäftige ich mich im weitesten Sinne mit Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Ich betreibe freiberuflich Markenpflege für unterschiedliche Unternehmen, unterstütze diese bei der Unternehmenskommunikation und arbeite als Historikerin Unternehmensgeschichten auf. Die Identität und Markentradition eines Unternehmens ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal, das sich für das sogenannte „History Marketing“ aktiv nutzen lässt.

Mitglied im Freundeskreis bin ich seit 2015 – und seit einem Jahr Kuratoriumsmitglied. Meine Vereinsmitgliedschaften, sei es im Jazz Club oder im Freundeskreis, habe ich immer als ein Ventil gesehen, um mich für die Stadt einzusetzen und sie voranzubringen – vor allem im Hinblick auf die Imagearbeit.

Also könnte man sagen, dein Interesse für Hannovers Image und seine Geschichte war nicht nur wissenschaftlicher Natur, sondern auch ein persönliches Anliegen?

VE – Ja, auf jeden Fall. Ich finde Stadtmarketing letztendlich total spannend – beruflich, aber auch privat. Als gebürtige und begeisterte Hannoveranerin interessiere ich mich vor allem für das Image meiner Heimatstadt. Ich lebe gerne in dieser Stadt und wollte immer herausfinden, woran es liegt, dass so viele Hannoveranerinnen und Hannoveraner meinen, sich gegenüber Außenstehenden für ihren Wohnort rechtfertigen zu müssen. Meine Fragestellungen waren zum Beispiel: Wie funktionieren Stereotype? Wie kann man diesen mit Imagearbeit begegnen? Geht das überhaupt? Oder hat Hannover, das wirklich über Jahrzehnte eine ambitionierte Imagearbeit betrieben hat, die Anfänge der Stadtwerbung verpasst?

Dann kommen wir jetzt zu dir, Gudrun. Vor dem Industrie-Club warst du am Hannover Airport tätig. Magst du uns von deinem Werdegang erzählen?

Gudrun Benne

GB – Ich komme nicht aus Hannover, sondern bin in Georgsmarienhütte geboren, bei Osnabrück. Ich bin gelernte Bankkauffrau und habe in Münster/Westfalen BWL studiert. Danach war ich in diversen Positionen bei der DB Cargo, dem Güterverkehr der Deutschen Bahn, beschäftigt und habe im Anschluss mehrere Jahre als Unternehmensberaterin gearbeitet. 2005 kam ich dann zum Hannover Airport. Über verschiedenste Umwege – das Rhein-Main-Gebiet, München und auch das Ausland – bin ich dann in Hannover gelandet. Mich hat aber nicht die Stadt gereizt, sondern die Aufgabe als Marketingleiterin am Flughafen Hannover. Die Tätigkeit war sehr vielfältig und interessant. Ich habe dabei u. a. eine Markenpositionierung mit einem Relaunch durchgeführt und freue mich sehr, dass es das Logo immer noch gibt. Die Markenbildung verbindet mich u. a. mit Vanessa. Dann bekam ich 2012 – nach sieben Jahren am HAJ – die Chance, die Geschäftsführung des Industrie-Club Hannover zu übernehmen. Dort bin ich nun seit über zehn Jahren, als erste Geschäftsführerin, tätig und beschäftige mich mit der Vernetzung von Unternehmen, genauer gesagt mit der Vernetzung der oberen Führungskräfte der Mitgliedsunternehmen. Schon durch meine Tätigkeit am Flughafen habe ich viele interessante Unternehmen im Großraum Hannover kennengelernt. Der Wirtschaftsstandort ist sehr attraktiv. Viele tolle Unternehmen, die auch Mitglied im Industrie-Club sind, sind hier ansässig und bieten zahlreiche Arbeitsplätze. Doch Hannover und die Region haben noch viel mehr zu bieten: beispielsweise Forschung und Wissenschaft, Kunst und Kultur, Erholung und Sport.

Bezüglich meiner Mitgliedschaft im Freundeskreis kann ich nur unterstreichen, was Vanessa schon gesagt hat. Auch ich will die Stadt voranbringen und mich aktiver einbringen. Und so bin ich im März 2020 – während der Corona-Pandemie – Mitglied geworden. Ehrenamtlich bin ich seit November 2022 im Kuratorium und seit Oktober 2023 im Präsidium des Kuratoriums des Freundeskreises tätig.

Der Jazz Club ist durch seine regelmäßigen Konzerte und Events sicherlich vielen Leuten bekannt. Den Industrie-Club kennt man vermutlich nur, wenn man Mitglied ist oder werden möchte. Woraus besteht eure Arbeit?

GB – Wir sind ein Wirtschaftsnetzwerk, das aus Unternehmensmitgliedern besteht. Die Unternehmensvertreterinnen und -vertreter wollen sich vernetzen, haben Interesse an der Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes, wollen sichtbarer, bekannter werden. Wir bieten eine attraktive Plattform für den Austausch von Wissen, Erfahrungen und Meinungen. Wir organisieren für unsere Mitglieder regelmäßig hochkarätige Veranstaltungen zu aktuellen Themen – z. B. zur Fabrik der Zukunft oder New Work. Wir nutzen dafür verschiedene Formate: mal sind es reine Vortragsveranstaltungen, mal Diskussionsrunden oder auch Betriebsbesichtigungen. Es gibt immer einen Veranstaltungsteil, in dem wir in den inhaltlichen Dialog einsteigen, und einen Teil, bei dem das persönliche Netzwerken erfolgt. Wir prägen durch unsere Arbeit auch das Bild der Stadt. Wenn bspw. eine Mitarbeiterin neu nach Hannover kommt und ihr Arbeitgeber Mitglied im Industrie-Club ist, dann können wir dazu beitragen, dass sie sich in Hannover schneller einlebt und sich hier wohl fühlt.

VE – Ich finde das wunderbar, was Ihr im Industrie-Club macht. Man muss auf den Wirtschaftsstandort achten. Das ist ganz wichtig für Hannover. Ich habe mich erst kürzlich wieder mit der hannoverschen Wirtschaftsgeschichte beschäftigt. Im Rahmen eines meiner diversen Projekte unterstütze ich das Niedersächsische Wirtschaftsarchiv dabei, den eigenen Auftritt zu modernisieren und Unternehmen für den Umgang mit ihren historischen Unterlagen zu sensibilisieren. Das ist dringend notwendig, denn viele Unternehmen haben eine Scheu, sich entweder mit ihrer eigenen Geschichte zu beschäftigen oder aber ihre Unterlagen abzugeben. Die verschwinden dann, werden entsorgt oder im feuchten Keller vergessen. Und das ist ganz bitter, denn dadurch verlieren wir einen Teil unseres wirtschaftlichen Gedächtnisses. In Niedersachsen wurde das Wirtschaftsarchiv übrigens erst 2005 gegründet, während das Pendant in Nordrhein-Westfalen auf eine hundertjährige Geschichte verweisen kann.

GB – Odo Marquard hat gesagt „Zukunft braucht Herkunft“. Die Vergangenheit sollte den Grundstein für die weitere Entwicklung in der Zukunft legen. Der Industrie-Club Hannover, 1887 als „Fabrikanten-Verein“ in Linden gegründet, hat eine lange Tradition, ist sich seiner Werte und Wurzeln bewusst und verändert sich ständig. Die Transformation macht auch vor Vereinen nicht halt.

In Bezug auf den Klimawandel?

GB – Die Veränderungen haben auch mit dem Klimawandel zu tun, mit Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, Dekarbonisierung – aber auch mit der zunehmenden Digitalisierung, der demografischen Entwicklung und den Veränderungen der Gesellschaft.

VE – Überhaupt jemanden zu finden, der sich ehrenamtlich engagieren mag, ist an der einen oder anderen Stelle nicht mehr so einfach, wie ich höre. Ich bin froh, dass wir das Problem im Jazz Club nicht haben, sondern uns über regen Zulauf freuen können. Ich persönlich erfahre eher, dass ich mich regelmäßig für mein ehrenamtliches Engagement rechtfertigen muss, dabei ist es so bereichernd und zugleich wichtig für eine gut funktionierende Gesellschaft.

Zwischen dem Freundeskreis und dem Industrie-Club scheint es viele Analogien zu geben …

GB – Ja, sicher. Beide haben eine Vereinsstruktur, eine interessante Historie und bringen Menschen zusammen, damit etwas Positives entsteht. Das gilt übrigens auch für den Jazzclub. Die persönliche Begegnung zwischen Menschen steht bei allen dreien im Mittelpunkt, sei es mit einem musikalischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Schwerpunkt. Die Menschen werden Mitglied im Freundeskreis, weil sie gemeinsam etwas für die Stadt tun möchten, weil sie sich im Bürgerverein lebendig zeigen wollen, weil sie sich mit anderen austauschen, was unternehmen und etwas Neues kennenlernen wollen.

Mögt ihr zum Abschluss des Gespräches positive Erfahrungen eurer Mitgliedschaft im Freundeskreis mit uns teilen?

VE – Etwas, das sich aus meiner Forschung ergeben hat, ist die Erkenntnis, dass Hannover nicht den Beginn der Imagearbeit verschlafen hat, sondern dass damals der Verkehrsverein, der Vorgänger des Freundeskreises, die Stadt nach vorn gebracht hat. Ich fand es sehr schön, dass die Initiative aus der Stadtbevölkerung heraus gekommen ist. In genau der Tradition sehe ich mich und die heutigen Mitglieder des Freundeskreises. Das heißt: Was mich von Anfang an sehr beseelt hat, war diese gemeinsame Hannover-Liebe. Und da erinnere ich mich an viele schöne Momente. Bei den Veranstaltungen verspüre ich immer diese besonderen Vibes – und ich schätze auch die Bedeutung des Bürgervereins, dass man gemeinsam etwas für seine Stadt erreichen kann, wenn man sich zusammensetzt.

GB – Ich stimme dir zu. Das sind, wie du sagst, Vanessa, diese Vibes. Ich habe mich immer sehr willkommen und sehr umarmt im Freundeskreis gefühlt. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist wichtig; ich habe es u. a. bei dem vom Freundeskreis initiierten Kundgebungen erlebt. Darauf aufbauend möchte ich mich in den nächsten Jahren weiter aktiv einbringen und den Verein gemeinsam mit den anderen Mitgliedern weiterentwickeln. Hannover ist attraktiv und hat viele Schätze. Diese noch stärker zu „polieren“, damit die Bürgerinnen und Bürger und auch die Menschen, die – beispielsweise als Touristen – zu uns kommen, (noch) Hannover-verliebter werden: Das würde ich mir wünschen.

● CK/LD

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Der Freundeskreis im Gespräch im April

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Der Freundeskreis im Gespräch im April


Freundeskreis Gespräch April 2024

Diesen Monat haben wir uns mit Annika Rust (AR) aus dem Vorstand der VGH Versicherungen und Stefanie Eichel (SE), der Geschäftsführerin der eichels GmbH, zum Gespräch getroffen. Die beiden Freundeskreis-Mitglieder haben sich mit uns über den bevorstehenden Hannover Marathon sowie die Werte und Ziele, die sie anstreben unterhalten.

Lasst uns damit starten, dass ihr euch kurz vorstellt.

AR – Mein Name ist Annika Rust, ich komme ursprünglich aus Stade und lebe jetzt seit 25 Jahren in Hannover. Ich bin damals nach Hannover gekommen, um Wirtschaftswissenschaften zu studieren – und schon während des Studiums habe ich mein erstes Praktikum bei der VGH gemacht. Ich war sofort verliebt in die VGH, denn die Unternehmenskultur gefiel mir besonders gut. Deshalb stand für mich nach dem Studium fest: Da werde ich mich bewerben. Als dann aber erst einmal keine Stelle frei war, habe ich bei KPMG angefangen. Das war unternehmenskulturell etwas ganz anderes als die VGH und deswegen habe ich sofort alles stehen und liegen gelassen, als die VGH noch einmal auf mich zukam. Bei der VGH bin ich jetzt seit 17 Jahren tätig und habe mich seitdem in unterschiedlichen Bereichen und Aufgaben einbringen können und auf der Karriereleiter verschiedene Führungspositionen erklommen. Ich muss ehrlich sagen, ich hätte nicht gedacht, dass es diese rasante Entwicklung annehmen würde: Als ich 2012 Abteilungsleiterin wurde, war ich sehr happy damit; dann wurde ich 2017 Abteilungsdirektorin. Das kam ein bisschen überraschend. Auch der nächste Karriereschritt erfolgte vor allem aufgrund meines Alters im positiven Sinne unerwartet: 2020 wurde ich in den Vorstand der VGH berufen – als erste Frau überhaupt. Über diese Position bin ich auch zum Freundeskreis gekommen. Ich muss zugeben, dass ich den Freundeskreis vorher nicht kannte, aber als ich mich dann mit der Geschäftsstelle zusammengesetzt habe, um ein bisschen mehr zu erfahren, war für mich sofort klar, dass ich mitmachen möchte. Denn ich finde die Dinge, die der Freundeskreis macht, unheimlich wichtig.

SE – Ich bin Stefanie Eichel, ein hannöversches Kind, und komme aus der Region Hannover, aus Immensen bei Lehrte. Sobald ich 18 war, bin ich aus dem Dorf in die Stadt geflüchtet. Anfang 1992, mit 25, habe ich mich mit einer Werbeagentur selbstständig gemacht. Anfang 1994 ist mein Sohn geboren, 1997 meine Tochter. Das war eine Herausforderung, aber auch das Beste und Glücklichste und Kraftvollste, was mir je passieren konnte. Ich behaupte bis heute, dass meine Kinder mir Kraft gegeben haben, auch für die Selbstständigkeit. Sie haben keine genommen. Ich hatte damals das Glück, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort zu sein, mit einem coolen Chef, nämlich Albrecht B. von Blücher bei B&B, der in mich investiert hat. So konnte ich die erste Expertin am Apple Macintosh sein und habe DesktopPublishing beherrscht wie kaum eine andere. Das hat mir einen extremen Wettbewerbsvorteil gegeben. Ich durfte großartige Kund*innen betreuen, zum Beispiel Infineon, damals die Siemens-Tochter in München, wo ich mehrmals im Monat hingefahren bin. Dort ist letztlich auch der Grundstein für das gelegt worden, was ich heute tue. Über die Geschäftsführung bin ich mit dem Thema des Sportmarketings in Verbindung gebracht worden. Herr Schumacher aus der Geschäftsführung fragte mich nämlich an einem der Abende, an denen ich da war, ob ich an einem Sportlertreffen teilnehmen möchte. Dieser Abend war für mich der Einstieg in das emotionale Marketing. Was kann ich mit Platzierung im Bereich des Sports, im Bereich der Markenführung und Emotionalisierung von Marken erreichen? So habe ich auch den Kontakt zum Deutschen Sportbund bekommen. Für die Expo 2000 durfte ich diejenige sein, die für den Landessportbund und den DSB das Weltfestival der Sportkulturen betreute. Genau zu dieser Zeit stand die Zukunft des Marathons in Hannover in Frage. Der Landessportbund hat sich in dem Zuge aber so sehr für einen Marathon eingesetzt – weil es das bewegende Breitensportprojekt in einer Landeshauptstadt einfach braucht –, dass sie am Ende gesagt haben, sie nehmen das selbst in die Hand. Und wir durften die Agentur sein, haben bunte Illustrationen erstellt und tolle Prospekte gemacht und als die Organisation in der Endphase sehr viel Akteure erforderte, habe ich sehr viel Engagement gezeigt. So viel, dass ich kurz nach diesem Marathon gefragt wurde, wie ich mir die Zukunft mit dieser Veranstaltung vorstellen könnte. So kam es dazu, dass ich mit der Unterstützung des Landessportbundes und einem mehrjährigen Vertrag mit den Spielbanken Niedersachsen den Schritt gewagt und eichels: Event gegründet habe. Anfangs, einige Jahre, wusste ich nicht genau, ob es die richtige Entscheidung war. Heute ist es meine Herzensveranstaltung. Aus dem, was wir damals zu bewegen begonnen haben, ist das geworden, was wir heute sein dürfen. Nun darf ich mit dieser tollen und bewegenden Vergangenheit, einem klasse Team und immer noch in dieser Stadt, für die Stadt und mit der Stadt viel bewegen.

Du sagtest, es braucht in Hannover als Landeshauptstadt so einen Marathon. Wieso eigentlich?

SE – Weil es einfach über Monate eine extreme Außenwirkung hat. Wir ziehen ganzjährig von Großstadt zu Großstadt, von Sportveranstaltung zu Sportveranstaltung, stehen da und ziehen die Hannover-Fahne hoch. Es ist eine bewegte Stadt, hat eine sehr gute Strecke, tolle Partner*innen, professionelle Strukturen und ist immer eine Reise wert. Wir sind quasi ein bewegender Botschafter dieser Stadt und wir verbreiten auch immer Good News. Wir bieten Emotionen und Attribute, die jedem gut zu Gesicht stehen.

AR – Teamgeist, Teamspirit.

SE – Genau. Gesundheit, Prävention, Kommunikation, Fairness … Also all das, was man gerade im Bereich der Gesellschaft und des Wandels braucht. Wir haben drei Themen rund um die Mobilität. Erstens bewegen wir die Menschen. Das ist die körperliche Mobilität. Dann befinden wir uns immer in einem Wandel: Wir verändern uns, wir werden älter. Das heißt: Das kognitive Sich-Verändern, sich motivieren, sich auch zukunftsorientiert zu entwickeln, ist die zweite Mobilität. Und wenn wir dann losziehen, begeben wir uns auf die nächste Stufe, die Mobilität des Motivierens. Wenn ich selbst mitlaufe und andere dazu motiviere, dann verändern sie ihr Zeitmanagement, ihre Ernährung, ihre Mobilität. Dann springt der Funke über. Dann habe ich nicht nur mich bewegt, sondern dann habe ich auch noch die Kraft, andere zu bewegen.

AR – Aus der Perspektive der Läufer*innen und der Zuschauer*innen zugleich möchte ich auch noch einmal sagen, dass dieses Event als solches einfach toll ist. Ich bin schon oft mitgelaufen, habe auch schon oft an der Strecke gestanden – und beides ist toll. Es fahren keine Autos in der Stadt, die Menschen sind alle an der Strecke, es herrschen Stimmung und gute Laune. Wenn man mit tausenden Menschen an der Startlinie steht und weiß, alle wollen gleich laufen, kriege ich Gänsehaut. Jedes Mal. Ich kriege jetzt schon Gänsehaut, wenn ich nur davon spreche, weil es so ein tolles Gefühl ist, gemeinsam mit so vielen Menschen diese Strecke zu laufen und diese Atmosphäre zu genießen.

SE – Und dafür legen wir ja die ganze Stadt lahm: Der städtische Raum gehört zu dem Zeitpunkt einfach den Läufer*innen, den Zuschauer*innen, den Hausgemeinschaften, den Nachbar*innen, den Bürger*innen, die die Möglichkeit bekommen, vor die Tür zu gehen und entweder etwas für sich zu tun und dabei zu sein, oder aber aktiv das zu unterstützen, was auf dieser Strecke passiert. Ich sage immer: „Wir sind ein sportliches Stadtfest.“

Zu den Events von Eichel Events gehört ja auch der VGH Urban Run. Die VGH ist ja recht häufig als Sponsorin mit dabei. Was ist der Beweggrund dafür?

AR – Dazu muss man vielleicht die DNA der VGH verstehen. Die VGH wurde vor 274 Jahren gegründet, um den Bauern Versicherungsschutz zu gewährleisten. Damals war es so, dass sie einen Bettelbrief schreiben mussten, wenn ihr Hof abgebrannt ist, und dann auf Betteleinnahmen angewiesen waren. Um dem entgegenzuwirken, wurde die Landschaftliche Brandkasse Hannover gegründet – und wir haben bis heute in unserer Satzung stehen, dass der Unternehmenszweck nicht die Gewinnerziehung, sondern das Ausleben dieses Versicherungsprinzips ist. Wenn Gewinne übrig bleiben – und das passiert und ist auch gut so –, dann wird ein großer Teil davon an die Kund*innen zurück ausgeschüttet. Ein weiterer Teil geht ins Eigenkapital, damit wir jederzeit nachweisen können, dass wir in der Lage sind, entstandene Schäden auch zu bezahlen. Und wieder ein anderer Teil des Gewinns wird in soziales Engagement, in Sport und Kultur investiert. Wir haben auch eine eigene Stiftung, weil wir den Menschen, den Institutionen, den Unternehmen in Niedersachsen etwas zurückgeben wollen. Wenn man zum Beispiel auf die Sportplätze geht, ist auf fast jedem ein VGH-Schild zu sehen, weil wir die Sportvereine vor Ort sponsern, Trikots für Kindermannschaften anschaffen oder Ähnliches. Das gehört zu unserer Grundidee, zu unserer DNA.

SE – Als Empfängerin eines solchen Sponsorings kann ich nur sagen, dass es sehr stolz macht, ein VGH-Logo bei sich zu platzieren. In dem Moment, in dem ich einen starken Partner präsentieren kann, gesellt sich auch meist noch ein anderer starker Partner dazu. Das öffnet einem Verein, einer Initiative die Tür, zu sagen: „Ich bin ein gefördertes, ein förderwürdiges Projekt …“ Und das hat auch was mit Qualität und Vertrauen zu tun.

Dienen solche Sponsorings – als Nebeneffekt gesehen – auch dazu, den Standort Hannover attraktiver zu machen, das Image der Stadt aufzuwerten? Um dann auch ggf. auf einen größeren Pool an potentiellen Fachkräften zurückgreifen zu können?

AR – Natürlich geht es auch darum, sich als Arbeitgebermarke zu präsentieren. Allerdings ist das gar nicht fokussiert auf Hannover, denn wir haben ja in Niedersachsen insgesamt zehn Standorte. Dadurch, dass wir so dezentral aufgestellt und sehr breit gestreut sind, sehen wir an allen Standorten zu, dass wir etwas beizutragen. Dadurch, dass unsere Direktion aber in Hannover ist, finden hier die größeren Events statt. Den Urban Run in Hannover stattfinden zu lassen, ist beispielsweise eine ganz bewusste Entscheidung. Damit verbinden wir verschiedene Dinge. Allein die Stimmung, die dadurch in unserem Unternehmen entstanden ist, ist toll … weil wir ganz viele Mitarbeiter*innen haben, die in VGH-T-Shirts mitlaufen und stolz darauf sind, einen eigenen Lauf zu haben. Solche Events haben also nicht nur eine Wirkung nach außen, sondern auch nach innen ins Unternehmen.

Abschließend würden wir gern noch einmal auf eure Mitgliedschaft im Freundeskreis zu sprechen kommen. Inwiefern profitiert ihr davon? Privat und beruflich.

SE – Ich habe mit meiner Mitgliedschaft oder meinem Engagement im Freundeskreis nie ein Unternehmensziel verbunden. Ich glaube, das geht auch nicht so gut auf. Für mich ist der Freundeskreis so wichtig, weil er ein Bürgerverein ist, und weil er für Werte einsteht, die ich teile. Vor allem das Thema der Verjüngung spielt eine große Rolle für mich. Das klingt immer so kritisch, weil man die älteren Mitglieder vermeintlich kritisiert. Das ist aber gar nicht der Fall. Ganz im Gegenteil: Für mich macht der Freundeskreis dann eine gute Arbeit, wenn keines der vorhandenen Mitglieder verloren wird und wir uns zugleich an die junge Generation richten. Ich habe vorhin von meinen Kindern gesprochen. Die sind heute 30 und 27 – und mit ihnen an einem Tisch zu sitzen, führt manchmal zu einem regen Gespräch. Ich meine, wir beide – Annika und ich – sind zwei Menschen, die die Chance haben, etwas zu sagen und gehört zu werden. Diese Chance haben nicht viele. Damit haben wir aber in meinen Augen auch eine Verpflichtung. Dann ist so etwas wie die Demonstration auf dem Opernplatz eines der wenigen, aber sehr notwendigen Dinge, die man dann tut – und die ich auch mit Überzeugung tue. Manchmal, bei all den Krisen, hat man ja gar keine Lust mehr, die Nachrichten zu hören. Aber genau das ist der Grund, warum es jetzt so wichtig ist, etwas zu tun. Genau jetzt ist die Zeit, zwei, drei Reset-Knöpfe zu drücken und das, was gut ist, was gut war, was gut bleiben kann auch gut zu erhalten; aber auch dafür zu sorgen, dass der Freundeskreis zukunftsorientiert und auch liebens- und lebenswert bleibt. Es geht nicht darum, Dinge aufzuarbeiten, die in der Vergangenheit waren, sondern es geht darum, Dinge zu tun, die jetzt in die Zukunft gerichtet sind.

AR – Das sehe ich genau so. Die VGH als solche tritt beim Freundeskreis, abgesehen vom Sponsoring für den Stadt-Kulturpreis, eher weniger in Erscheinung. Bei mir persönlich ist es so: Als mir damals Matthias Görn und Katharina Sterzer berichteten, was sie alles machen, was das Ziel und die Idee des Vereins ist, war ich total begeistert und wollte einen Beitrag dazu leisten können. Damals war es so, dass wir festgestellt haben, dass Mitglieder verloren gehen. Also haben wir uns gefragt, wie man den Verein weiterentwickeln kann, dass er auch für jüngere Menschen in Hannover interessanter wird. Das war und ist ganz wichtig. Ich liebe Hannover und auch, wenn ich zugezogen bin, ist es für mich Heimat. Ich finde, Hannover ist eine unheimlich liebenswerte, großartige Stadt. Man kann hier alles machen und sie ist trotzdem nicht so groß, dass man sich verliert. Genau deswegen macht es mich so stolz, ein Teil davon sein zu dürfen … und ich habe unglaubliche Freude daran.

●CK/LD

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Der Freundeskreis im Gespräch im März

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Der Freundeskreis im Gespräch im März


In diesem Monat haben wir uns mit Stephan Molitor (SM), einem der ärztlichen Geschäftsführer der Sophienklinik, und mit Marko Volck (MV), dem Pressesprecher und Leiter der Unternehmenskommunikation der Hannoverschen Volksbank unterhalten. Im Gespräch haben uns die beiden Freundeskreis-Mitglieder erzählt, was sie an dem Netzwerk schätzen, wie sie dazu gekommen sind und welche Ziele sie verfolgen.

Erzählt uns doch zu Beginn einmal, wer ihr seid, was ihr macht, wie ihr dazu gekommen seid …

SM – Mein Name ist Stephan Molitor. Ich vertrete die Sophienklinik Hannover und bin einer der beiden ärztlichen Geschäftsführer. Ich vertrete mit anderen Kollegen die innere Medizin: Mein Schwerpunkt ist die Behandlung von Allergien und in Zusammenhang stehenden Atemwegserkrankungen. Die Allergologie ist neben der Orthopädie – hier verfügen wir über ein Endoprothetikzentum –, der Sportmedizin und der Schmerztherapie auch ein Schwerpunkt in diesem Haus …

Könnten wir zur Geschichte des Hauses vielleicht auch noch etwas erfahren?

SM – Die Sophienklinik – oder vielmehr das Grundstück der Dieterichsstraße – hat durchaus eine interessante Geschichte: Sie ist inzwischen 73 Jahre alt und ist nach dem Krieg quasi aus den Trümmern entstanden. Als dieses Grundstück seinerzeit verkauft wurde, war die Bedingung des Verkäufers, dass die Klinik Sophienklinik heißt, weil seine Tochter Sophie hieß und damals an diesem Ort im Bombenhagel umgekommen ist. Nach 66 Jahren in der Dieterichsstraße und später auch noch in der Omptedastraße sind wir 2017 in dieses moderne Haus umgezogen. So viel zur Klinik. Was meinen Werdegang betrifft, so habe ich einen Teil der Ausbildung in Hannover gemacht, war allerdings auch noch in anderen Städten – darunter Hamburg, Essen, auch Kapstadt –, aber dann hat es mich wieder hierher zurückgetrieben. Hannover ist eine Stadt, die ich inzwischen sehr zu schätzen gelernt habe. Sie ist sehr vielfältig und bietet eine hohe Lebensqualität: ganz viel Grün und kurze Wege. Hannover weist sowohl in kulturellen Dingen alles auf, was das Herz begehrt, als auch in sportlichen Dingen. Es mangelt hier eigentlich an nichts.

Kommen wir zu dir …

MV – Ich bin Marko Volck und seit 2005 als Pressesprecher bei der Hannoverschen Volksbank tätig. Ich habe ursprünglich Bankkaufmann gelernt und dann Zusatzqualifikationen als Kommunikationswirt und Bankbetriebswirt gemacht. Es passt also ganz gut, dass ich ein bisschen mit den Zahlen umgehen kann und mir Kommunikation auf die Fahne geschrieben habe. In der Hannoverschen Volksbank ist unser Bereich im Vorstandsstab angesiedelt und wir haben die Pressearbeit, also Medienkontakte, wir haben das Thema Netzwerke in Hannover und wir haben unsere Stiftungen, mit der wir in Hannover vielfältige Projekte unterstützen können. Vor 20 Jahren haben wir zudem angefangen, die Sterne des Sports auszuschreiben: Das ist ein Ehrenamtspreis für Sportvereine. Durch diese Ausschreibung bin ich heute auch ehrenamtlicher Vizepräsident des Stadtsportbundes. Dann bin ich außerdem im Kuratorium vom Special Olympics Niedersachsen und in der Jury der Behindertensportler-Wahl für Niedersachsen … und für Hannover sitze ich bei der Hannover Marketing und Tourismus GmbH im Beirat. Und wenn man dann gleich in mehreren Netzwerken ist, dann ist das, so finde ich, eine große Chance, um weitere Anknüpfungspunkte zu finden.

Im Hinblick auf’s Netzwerken ist ja eine Mitgliedschaft im Freundeskreis naheliegend. War denn die Mitgliedschaft eher eine berufliche oder eher eine private Entscheidung?

MV – Also einmal ist es die berufliche Seite, dass ich viele Kontakte über den Freundeskreis habe – die natürlich auch in anderen Netzwerken unterwegs sind, im Freundeskreis jedoch alle in ihrem Engagement für Hannover an einem Strang ziehen. Und das halte ich für eine tolle Sache und bin daher auch privat gerne dabei und investiere meine Freizeit, etwa im Kuratorium.

SM – Auch bei mir ist es sowohl eine private wie auch eine berufliche Entscheidung. Ich hatte ja vorhin schon gesagt, dass ich Hannover sehr schätze; und daher kommt meine persönliche Bereitschaft, an dieser Stadt und ihrer Entwicklung mitzuarbeiten. Und von Seiten der Sophienklinik her ist es so, das wir uns als ein Schwerpunkthaus in dieser Stadt begreifen, als ein Haus mit spezialfachärztlicher Versorgung: Wir sind für diese Stadt da, nehmen in den meisten Versorgungsstufen teil und insofern ist es natürlich auch unsere Aufgabe, sich entsprechend für die Stadt zu positionieren. Und die Sophienklinik ist ja ein Belegkrankenhaus mit Ärzten aus über 50 Arztpraxen, die über die Stadt verteilt sind; und diese haben auch selbst viele Ambitionen in dieser Stadt.

Gibt es bestimmte Ziele, die ihr anvisiert?

SM – Ja, das Image der Stadt sollte weiter gestärkt werden. Das ist eine ganz, ganz wichtige Aufgabe. Wir sind davon überzeugt, dass wir hier in einer tollen Umgebung leben und arbeiten, aber genau das sollte noch stärker transportiert werden. Ich erlebe immer wieder, dass Menschen aus anderen Ländern und anderen Städten, die hier in Hannover sesshaft werden, entdecken, wie toll diese Stadt ist und welche Vorteile sie hat. Das sollten wir mehr nach außen tragen.

MV – Und ich bin quasi der Beweis, dass das funktioniert: Ich bin nämlich waschechter Hannoveraner und hier eigentlich nie weggekommen, sondern habe mein ganzes Leben hier in Hannover verbracht. Ich bin Hannover extrem verbunden und liebe diese Stadt. Kann ich nicht anders sagen. Es ist wirklich toll, hier zu wohnen. Ich brauche ungefähr fünf Minuten bis zur Eilenriede und kann dort Sport machen, kann Radfahren in Hannover und mehr. Aber das sind alles Sachen, die natürlich noch ein bisschen ausgebaut werden könnten. Auch die Attraktivität der Stadt insgesamt, finde ich: Wir haben sicherlich auch in der Innenstadt einiges zu tun bezüglich Weiterentwicklung. Und ich glaube, wenn man da immer mal wieder ein paar Signale setzen kann, auch aus Richtung des Freundeskreises zum Beispiel, dann ist das eine gute Sache.

Beim Stichwort ‚Signale setzen‘ muss ich gerade an die 200-Jahre-Veranstaltung der Sparkasse Hannover, also der Konkurrenz, denken. Welche Beispiele wären denn für die Volksbank zu nennen?

MV – Erstmal muss man ja eins sehen: Wir sind eine regionale Bank. Wir sind in Hannover und in der Region Hannover unterwegs mit Niederlassungen in Hildesheim und in Celle. Und wir sind eine Genossenschaftsbank, das heißt, wir sind nicht gewinnorientiert wie eine Großbank, die für ihre Aktionäre Gewinne erzielen muss. Wir sind für die Förderung unserer Mitglieder da und weiten unsere Unterstützung sogar auf die gesamte Region aus. Zuletzt haben wir zum Beispiel aus unserer Gewinnsparlotterie fast 300.000 Euro in der Region Hannover und in unseren Niederlassungen ausgeschüttet, die für Projekte von Vereinen und Institutionen genutzt werden können. Und pro Jahr unterstützen wir mit 1,3 Millionen Euro durch Sponsoring, Spenden und andere Förderungen verschiedene Aktionen im Sport, in der Kultur und Sozialbereichen.

Gibt es da Äquivalenzen bei der Sophienklinik?

SM – Ja, wir arbeiten an vielen Projekten mit. Ein Leuchtturmprojekt von uns ist zum Beispiel die ökologische Ausrichtung. Das Gesundheitswesen produziert sehr viel CO2, mehr als der gesamte Flugverkehr. Wir haben unser Haus danach ausgerichtet, möglichst wenig CO2auszustoßen. Außerdem sind wir als Haus im Stadtteil sehr verankert. Wir bringen uns in verschiedene, immer wieder aufpoppende Projekte ein und sind entsprechend im Sport verwurzelt. Wir beteiligen uns auch sponsoringmäßig an verschiedenen hannoverschen Sportveranstaltungen sowie auch an kulturellen Veranstaltungen.

Ich nannte ich die Sparkasse Hannover gerade als Konkurrentin der Volksbank. Kann man das so sagen?

MV – Natürlich stehen wir im Wettbewerb mit der Sparkasse, wobei wir uns aber beide als regionale Player sehen und wir von der Volksbank es auch sehr schätzen, dass die Sparkasse ganz viele Projekte in Hannover unterstützt. Das ist wirklich aller Ehren wert. Und das machen wir eben beide – und das ist gut. Wenn es dann allerdings ums Bankgeschäft geht, sind wir ganz klar Wettbewerber. Es ist aber, glaube ich, auch gut für die Region, dass es einen Wettbewerb gibt.

Und wie sieht das bei Kliniken aus? Ist das eigentlich ein auch von Konkurrenz geprägtes Verhältnis?

SM – Ja, auch da gibt es Konkurrenz, je nach Fachgebiet natürlich. Es gibt allerdings auch, muss man betonen, viele Gemeinsamkeiten. Gerade in der aktuellen Gesundheitslandschaft und gesundheitspolitisch bedingt arbeiten wir mit anderen Kliniken zusammen. Besonders mit der MHH, wo wir eine gemeinsame Abteilung betreiben. Außerdem nehmen wir an der Notfallversorgung der MHH teil. Also es gibt definitiv Synergieeffekte. Der Kampf um Patienten – so ich nenne das jetzt mal theatralisch – ist aber natürlich irgendwo präsent.

Wenn ihr nun einmal auf eure bisherige Zeit im Freundeskreis zurückblickt: Sind die Vorstellungen, mit denen ihr Mitglied geworden seid, bisher erfüllt worden?

MV – Ich finde es sehr gut, dass der Freundeskreis immer zu Themen Stellung bezieht, eine klare Meinung hat und immer für diese Gemeinschaft einsteht. Der Freundeskreis kann den Blickwinkel seiner Mitglieder auf Hannover und zu diesen Themen öffentlich gut vertreten. Das finde ich sehr wertvoll und von daher sind wir gerne dabei.

SM – Ich kann dazu natürlich noch gar nicht so viel sagen, weil wir erst am 1. Februar Mitglied geworden sind. Ich könnte aber etwas dazu sagen, was uns bewogen hat … nämlich, dass die Sophienklinik eine Institution ist, die diese Stadt nach vorne bringen will. Das war eigentlich das Hauptmotiv, beizutreten. Aber natürlich auch das Netzwerken, das gehört auch mit dazu.

Es gibt ja gerade die großen Demos gegen Rechts, die unter anderem in Hannover stattfinden und auch etwas Gemeinschaftsstiftendes haben, was mir beim Stichwort Netzwerken gerade in den Sinn kommt. Ist das etwas, in das man sich als Institution dann gern einklinkt?

SM – Unbedingt. Wir haben hier in der Klinik Beschäftigte aus über 32 verschiedenen Nationen. Das heißt, wir haben tagtäglich mit Menschen zu tun, die aus verschiedenen Ländern, verschiedenen Nationen, verschiedenen Erdteilen kommen. Wir empfinden das als eine sehr positive Erfahrung, aber sind umso mehr negativ berührt von dem, was im politischen Umfeld und auch in der Republik passiert. Deswegen empfinden wir diese Demonstrationen natürlich als sehr wichtig. Das war ja in Hannover auch ein großer Erfolg, wenn ich an den Opernplatz denke. Ich selbst war auch da und fand es sehr bemerkenswert, wie viele Menschen dort waren. Das war ein eindeutiges Zeichen und das tut der Stadt gut.

MV – Da kann ich für die Hannoversche Volksbank und auch für mich selbst nur zustimmen. Haltung zu zeigen und Stellung zu beziehen, ist uns wichtig und das machen wir auch. Wir haben zum Beispiel die ganzen Posts im Social Media-Bereich geteilt, weitergegeben und geliked. Das ist eine ganz wichtige Geschichte, ein ganz wichtiges Zeichen. Ich war auch echt super stolz auf die Hannoveraner, dass da 35.000 Menschen auf dem Opernplatz waren. Und natürlich war auch das Netzwerk wieder vertreten. Der Freundeskreis steht nicht allein, sondern TKH und andere Vereine sind mit dabei und alle ziehen an einem Strang – motiviert und koordiniert durch den Freundeskreis. Das ist super.

Laura Druselmann / Christian Kaiser

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Der Freundeskreis im Gespräch im Januar

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Der Freundeskreis im Gespräch im Januar


Katharina Sterzer, Matthias Görn

Diesen Monat haben wir mit Matthias Görn (MG), dem Vorstandsvorsitzenden des Freundeskreis e.V., und mit Katharina Sterzer (KS), noch Geschäftsführerin des Freundeskreises sowie frischgebackene Geschäftsführerin des Asphalt-Magazins, gesprochen: über ihre Zeit beim Freundeskreis sowie über Werte und Ziele des Vereins.

Beginnen wir damit, dass ihr erzählt, wie ihr zum Freundeskreis gekommen seid und wie ihr das Konzept des Vereins erklären würdet.
MG –
Der Freundeskreis ist die schönste Art, mit Hannover verbunden zu sein. Das kann man so auf den Punkt bringen, weil wir das verbinden, was Hannover lebenswert und liebenswert macht. Und das macht es so interessant, sich bei uns für eine Stadt, in der wir alle leben, zu engagieren.
KS – Da habe ich nichts zu ergänzen. Als ich zum Freundeskreis kam – das war 2017 –, war ich gerade im Ausland und habe ein interkulturelles Zentrum gebaut und wollte meine Veranstaltungsagentur hier in Hannover auflösen, weil ich mich nach einem größeren Spielplatz gesehnt habe. Und dann kam ich zurück nach Hannover und habe nach diesem Spielplatz gesucht, denn ich wollte immer an etwas arbeiten, das nachhaltig in dieser Stadt resoniert. Ich war schon vorher Mitglied im Freundeskreis, voller Stolz, und irgendwann habe ich einfach mal von meinen Plänen erzählt und so haben wir zueinander gefunden. Das war wirklich eine intensive Zeit und da merkt man auch, dass so ein Verein nur funktioniert, wenn wirklich alle mit anpacken. Und mit ‚alle‘ meine ich nicht nur den Vorstand und die Geschäftsstelle, sondern alle ehrenamtlichen Mitglieder und auch die Menschen innerhalb der Stadtgesellschaft
MG – Bei mir ist es eine ganz lustige Geschichte. Roger Cericius, mein Vorgänger, und ich haben uns kennengelernt, weil wir im Rahmen der Ausstellung „Als die Royals aus Hannover kamen“ zum Teil zusammengearbeitet und uns schätzen gelernt haben. Und so hat er mich bei einer Tasse Kaffee gefragt: „Mensch, hast du nicht Lust hier im Freundeskreis mitzuwirken?“ Das war 2015. So kam ich zum Freundeskreis und zwei Jahre später hat er mir dann erneut bei einer Tasse Kaffee eröffnet: Es wäre doch schön, wenn ich sein Nachfolger werden würde. Und so kam es dann auch. Es ist eine unglaublich intensive Zeit. Eine Zeit, die ich nicht missen mag und die voller Entdeckungen war. Wir, mit Katharina zusammen, haben uns das Ziel gesetzt, das Thema Geschäftsstelle, aber vor allem auch die Sichtbarkeit des Freundeskreises anders auszugestalten. Das waren unglaublich tolle Erfahrungen, auch mit so einem Team zusammenarbeiten zu können.
Was muss man denn mitbringen, um Mitglied im Freundeskreis werden zu können?
KS –
Lust an Hannover.

Das ist die einzige Voraussetzung? Unabhängig davon, was man z. B. beruflich macht …
KS –
Genau. Das ist eben das Schöne an einem Bürger*innenverein, dass es hier nicht darum geht, was man beruflich macht, sondern darum, dass uns alle eins verbindet: dass wir nämlich gerne in dieser Stadt wohnen. Für eine Mitgliedschaft braucht es tatsächlich nicht mehr als das.
MG – So ist das unter der Mitgliedern auch, da werden keine Unterschiede gemacht. Da ist ein Ministerpräsident genauso Mitglied in dem Verein wie jemand, der einen normalen Beruf ausübt. Das ist auch eine unserer großen Stärken, dass jeder herzlich willkommen ist. Eine Sache, die uns aber sehr wichtig ist, ist, dass wir gemeinsam Werte teilen, also zumindest die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Ansonsten ist jeder herzlich willkommen, Teil dieses Vereins zu werden.

Gab es schon mal Fälle, in denen ihr gezweifelt habt?
KS –
Nein. Nenn man als Verein für gewisse Werte einsteht und Wörter wie Vielfalt und Demokratie proklamiert, dann ist das meistens schon ein Ausschlusskriterium in sich.

Wenn ihr auf die vergangenen Jahre zurückblickt: Was würdet ihr als die größte Herausforderung bezeichnen, mit der ihr im Verein umgehen musstet?
MG –
Also ich glaube, jeder, der in einer führenden Position wie wir war oder ist, hat für eine Zeit lang die Verantwortung, so einen Verein weiterzuentwickeln. Wenn man auf die letzten Jahre zurückschaut, dann sehen wir: Es hat sich eine Menge getan. Wir haben den Verein gemeinsam zukunftsfähig gemacht. Wir haben ihn in ein neues Gewand gepackt. Wir haben versucht, Geschichten anders zu erzählen, die Homepage neu gemacht. Aber, was viel wichtiger ist, wir haben auch die inhaltliche Basis dazu neu aufgebaut. Die Vereinsstrukturen zukunftsfähig zu machen, das war, denke ich, eine der großen Aufgaben, die wir in Angriff genommen haben. Und bezüglich unserer Projekte: Da hat Katharina Sterzer ein wunderbares Händchen gehabt. Man muss sich vor Augen führen, dass die meiste Arbeit gar keiner sieht. Das sind tausende Mails, die im Jahr beantwortet werden. Das sind tausende Telefonate, die geführt werden. Und wenn die Helfer zusammenkamen und den Rundbrief, also unseren Newsletter, eingetütet haben, dann war das immer so ein tolles Gemeinschaftserlebnis. Das ist so eine schöne Art, die da einfach an den Tag gelegt wurde. Wir arbeiten viel mit Leuten, die ein freiwilliges soziales oder kulturelles Jahr gemacht haben und die richtig gewachsen sind, weil sie unglaublich viel selbst getan haben. Sie haben viel Eigenverantwortung bekommen, haben dadurch viel lernen können und sind dem Verein im Regelfall bis heute noch immer verbunden. Das sieht man auf jeder Veranstaltung.
KS – Eine Herausforderung ist auch, dass so ein Verein auch wirtschaftlich stabil stehen muss. Und das war etwas, worin ich als Geschäftsführerin sozusagen meine größte Verantwortung gesehen habe. Wir haben untereinander immer so eine Rollenverteilung gehabt, dass ich das Geld einspare und Matthias es ausgibt. Da hätte ich auch gern einmal die Rollen getauscht. Das ist tatsächlich für mich die größte Herausforderung gewesen. Und wir haben jetzt einen Verein, der eine Buchhaltung hat, wie ein Unternehmen sie führen würde. Das ist etwas, das am Ende extrem viel Arbeit erfordert, die zwar keiner sieht, die aber wichtig ist, um so einen Verein zukunftsfähig zu machen. Und wenn wir über Ehrenamt sprechen, dann muss auch das natürlich betreut werden. Man sagt immer, dass man etwa pro Ehrenamtsstelle ungefähr eine Viertel Personalstelle braucht. Das ist unsagbar viel, wenn man bedenkt, dass wir um die 40 Ehrenamtlichen haben, die uns über das Jahr in verschiedenster Funktion mal weniger und mal mehr betreuen. Das ist dann auch schon sehr aufwendig gewesen.

Da der wirtschaftliche Aspekt gerade angesprochen wurde: Gab es Ziele oder Vorhaben, die ihr gern umgesetzt hättet, wenn der wirtschaftliche Hintergrund des Freundeskreises keine Rolle gespielt hätte?
KS –
Ach, na klar. Hätten wir tatsächlich ein unendliches Budget, dann fände ich ein Haus der Kultur toll. Ein Haus, in dem Ballettschüler*innen und Musiker*innen, Vereine und Verbände einfach unter einem Dach sitzen. So etwas fehlt Hannover. Dann gäbe es einen gemeinsamen Ort, an dem jeder sein Ding machen kann – und man ist trotzdem zusammen. Und gerade die Vereine, die sich in der kulturellen Landschaft tummeln, unter ein Dach zu bringen, wäre mein persönlicher Traum gewesen.
MG – Man muss ja sehen, wo wir herkommen. Wir haben den Verein, glaube ich, zukunftsfähig gemacht … und ihn souverän durch eine Corona-Zeit geführt. Wir haben uns sehr stark gemacht für so eine Bewerbung „Kulturhauptstadt Europas“, die wir nicht geworden sind. Wir kommen ja aus einer Zeit, in der wir die Expo-Zeiten noch vor Augen haben. Wir hatten ein großes Stadtjubiläum. Diese Kulturhauptstadtbewerbung ist ein mutiges Thema gewesen. Dafür haben wir uns stark gemacht. Jetzt kommt der Kirchentag nach Hannover, da freuen wir uns drauf. Ja, und vielleicht auch eine Bewerbung für Olympia … Es ja immer wieder die Frage: Wie können wir eine Begeisterung für diese Stadt auslösen? Was ist ein Ereignis, was verbindet? Das liegt nicht alleine in der Verantwortung des Freundeskreises – aber wir sind eine ganz starke Stimme der Stadtgesellschaft.
KS – Und wenn wir über das Profil des Vereins und die Stimme der Stadtgesellschaft sprechen, dann bedeutet es auch mal, in unangenehmen Momenten die Stimme zu erheben und eben aus einer bürgerschaftlichen Perspektive heraus zu sagen: Das geht so nicht. Oder: Das muss so gehen. Und wir sind da gerade in den letzten Jahren auch extrem politisch geworden. In der Corona-Zeit haben wir uns zum Beispiel einfach mit 3.000 Menschen auf dem Opernplatz getroffen und den Corona-Toten gedacht. Solche Sachen macht der Freundeskreis innerhalb kürzester Zeit. Das ist unsere Stärke: schnell mobilisieren, ein Gefühl für den Zeitgeist haben und verstehen, wo gerade der Schuh drückt, um dann aus bürgerschaftlicher Perspektive dafür aufzustehen.

Glaubt ihr, dass sich dabei jede*r über den Freundeskreis repräsentiert fühlt?
MG –
Es ist gar nicht unbedingt unser Ziel, jeden zu repräsentieren. Was wichtig ist, ist, dass wir als Stadtgesellschaft nicht nur da sind, sondern auch eine Stimme haben. Und das wird geschätzt. Man kann zu einzelnen Themen unterschiedliche Meinungen haben. Das ist auch gut so. Das ist eine Stärke unserer Demokratie. Wofür wir uns aber stark gemacht haben, ist das Einstehen für die Werte, die unser Zusammenleben bestimmen. Das haben wir bisher immer dann gemacht, wenn wir das Gefühl hatten, das braucht es jetzt. Letztlich hat der Freundeskreis eine unglaublich große Stärke, die allseits geschätzt wird: Er ist nicht parteiisch, er ist unabhängig, hat eine Plattform, die ist nicht Partei, nicht Kirche, nicht Gewerkschaft, nicht Stadt.

Mitunter wird ja pessimistisch auf die Zukunft geblickt, was die Entwicklung von Demokratien betrifft. Ihr hattet schon gesagt, dass es keine Fälle gab, in denen Mitglieder unvereinbare Werte sich gebracht haben. Seid ihr anhand eurer Erfahrungen beim Freundeskreis dennoch zuversichtlich, dass das so bleiben wird? Oder glaubt ihr, dass sich die wie die Gesellschaft auch die Einstellung der Mitglieder über die Jahre verschieben kann?
KS –
Also zu so einem gesamtgesellschaftlichen Wandel kann ich gar nichts sagen. Da bräuchte man eine Glaskugel. Aber die Aufgabe des Freundeskreises ist es, auch dann trotzdem optimistisch nach vorne zu schauen und sich – was auch immer sich gesamtgesellschaftlich verschieben sollte – dagegen zu stellen. Der Freundeskreis steht dann aber nicht gegen so einen Wandel – sondern für die Werte, die wir eben besprochen haben.
MG – Was wir sehen, ist, dass die Mehrheit eher selten das Wort ergreift. Die Ränder sind dagegen sehr laut. Und ich glaube, wir haben eine sehr große Mehrheit der Hannoveraner*innen, die sich auch dahinter vereinigen können. Deswegen habe ich keine Sorge. Der Freundeskreis hat ein ganz klares Profil. Wenn wir aber auf Themen schauen, die für unsere Stadt relevant sind, über die auch viel gesprochen wird, dann ist es sehr wichtig, dass wir die Menschen in den Blick nehmen und sie auf den Weg mitnehmen. Wir müssen eine Balance finden.

Welche Wünsche habt ihr denn für die Zukunft?
KS –
Der Freundeskreis hat sich – seit es ihn gibt, seit über 30 Jahren – immer und immer wieder weiterentwickelt. Ich würde mir wünschen, dass es genau so weitergeht; dass er nicht da stehen bleibt, wo er jetzt gerade ist – sondern, dass sich die Geschäftsstelle, der Vorstand und die Mitglieder gemeinsam mit der ganzen Stadt nach vorne entwickeln. Wo auch immer vorne dann sein wird.
MG – Genau. Und, dass jeder Einzelne auch ein Stück dazu beiträgt. Es ganz wichtig, dass wir nicht nur Ideen formulieren, sondern auch bereit sind, dass jeder Einzelne die Ärmel hochkrempelt und versucht, ein Stück daran mitzuarbeiten. Am Ende ist es viel mehr wert, wenn jeder etwas dazu beigetragen hat. Und ansonsten, wie du (KS) es gesagt hast: Der Verein hat sich über 30 Jahre lang sehr gut entwickelt. Er ist heute einer der größten Bürger*innenvereine in Deutschland. Ich würde mich freuen, wenn es gelingt, immer wieder junge oder engagierte Mitglieder zu gewinnen. Und jeder Einzelne wird andere Akzente setzen, die ihm wichtig sind. Jede Zeit hat ihre Themen.

CK/LD

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