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Ein letztes Wort im Februar

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Ein letztes Wort im Februar


Herr Weil, im letzten Interview sind wir zuletzt auf die Arbeit der Bundesregierung zu sprechen gekommen. Und Sie haben gesagt, vor allem in der Kommunikation sei Luft nach oben. Kommunizieren Sie mal: Was hat die Bundesregierung bisher hinbekommen?

Es gab zum Beispiel sehr große Anstrengungen für mehr Investitionen, zum Beispiel das sogenannte Sondervermögen, das aus meiner Sicht völlig zu Unrecht zum Unwort des Jahres erklärt worden ist, denn in vielen Bereichen muss ja dringend investiert werden. Das ist wichtig für die Infrastruktur, außerdem beleben diese Investitionen die wirtschaftlichen Aktivitäten, womit wir das Schlüsselproblem in Deutschland angehen. Wir haben derzeit bereits im fünften Jahr eine stagnierende oder sogar leicht schrumpfende Wirtschaft. Auch außenpolitisch macht die Bundesregierung eine Menge richtig. Wir sind momentan in einer extrem schwierigen Situation und müssen uns in vielen Bereichen neu aufstellen. Bei der Bundeswehr muss eine Menge getan werden, und da bewegt sich auch viel. Und die Bundesregierung versucht auf vielen Ebenen dafür zu sorgen, dass Europa zusammenbleibt.

Was nur so halb gelingt …

…und auch ein richtig dickes Brett ist. Trotzdem ist der Kurs der Bundesregierung richtig. Insgesamt ist die Bilanz also gar nicht so schlecht, aber dann kommt die Kommunikation ins Spiel und manches sorgt für Verärgerung. Ich habe zum Beispiel nicht verstanden, warum es zu den wirklich schlimmen Verhältnissen in Palästina kein klares Wort aus Deutschland gegeben hat. Oder warum jetzt zu den Auseinandersetzungen im Iran sehr laut geschwiegen wird. Und dazu gab es natürlich auch solche unsäglichen Debatten wie die zur Wahl einer Bundesverfassungsrichterin im Sommer. Oder es wird mal eben eine Rentenkürzung verlangt. Irgendwas geistert ständig durch die Medien und irgendwann blickt niemand mehr durch. Es ist darum kein Wunder, wenn 70 Prozent der Bevölkerung mit der Bundesregierung unzufrieden sind. Das wird der Bilanz nicht gerecht, aber das ist nun mal das Erscheinungsbild.

Der Eindruck in der Öffentlichkeit ist tatsächlich katastrophal. Es wird viel geredet, viel gestritten. Wir hatten gerade wieder so ein Beispiel. Klingbeil hat in Berlin eine Idee zur Erbschaftssteuer, Söder räumt das in München mit einem Satz ab …

Ein Beispiel von vielen – leider. Wir brauchen aber gute und realistische Vorschläge und konstruktive Diskussionen. Ich befasse mich momentan in einer Kommission in Berlin mit der Schuldenbremse und weiß darum sehr genau, wie schwierig die Finanzverhältnisse sind. Wenn dann von Seiten der Union gefordert wird, erst mal die Steuern zu senken, dann muss man doch zuerst mal einen Blick auf die Zahlen werfen. Solche Forderungen sind für mich in der aktuellen Situation kaum nachvollziehbar. Aber generell gilt: Es gibt fast querbeet den Wunsch, dass in Berlin vernünftig, ruhig und ohne internen Streit auf offener Bühne regiert wird. Und dass die Entscheidungen nachvollziehbar sind und plausibel erklärt werden.

Was ich schwierig finde bei der Kommunikation, das sind die halbfertigen Ideen. Wenn die SPD beispielsweise bei der Erbschaftssteuer einen Vorschlag hat, warum wird der nicht zuerst vollständig ausformuliert, bis dahin, dass man klar benennt, welche Erbschaften man in welcher Höhe im Auge hat? Stattdessen bleibt genau das zuerst vage. Und die CDU räumt das mit dem Hinweis ab, dass dann ganz viele Familienunternehmen den Bach runtergehen. Warum keine konkreten Zahlen?

In der Tat hilft es, wenn man solche Vorschläge gleich in einen Gesamtzusammenhang stellt. Warum braucht man dieses Geld? Und berührt das nicht auch eine Gerechtigkeitsfrage? Es gibt Menschen in Deutschland, die riesige Vermögen erben. Für mich ist es eigentlich selbstverständlich, dass diese Menschen etwas mehr zum Gemeinwohl beitragen. Dass Familienunternehmen nicht überfordert werden, gehört dabei aber sicher auch zu einem guten Konzept. 

Boris Pistorius kommuniziert sehr klar und hat die besten Zustimmungswerte. Warum gucken sich das die anderen nicht ein bisschen mehr ab? Das scheint doch ein Erfolgsmodell zu sein …

Boris Pistorius macht das exzellent, aber er hat auch einen klaren Auftrag. Ich glaube, dass viele Politiker*innen sich vielleicht scheuen, den Leuten etwas zuzumuten. Das ist ein Fehler. Wenn man die Dinge vernünftig begründet, wird das dann von vielen auch nachvollzogen. Die finden bestimmte Maßnahmen dann vielleicht immer noch nicht toll, aber sie können sie leichter akzeptieren. Und alle müssen wissen, dass die Verantwortlichen in Berlin momentan extreme Herausforderungen zu bewältigen haben und besonders umsichtig handeln müssen. Ich bin mir sicher, es gäbe mehr Rückendeckung, wenn sie es den Leuten ein bisschen leichter machen würden, ihnen zu folgen.

Die Kommunikation ist sicher ein Problem. Aber wenn ich mir ansehe, welche riesigen Probleme in den letzten Dekaden nicht angegangen worden sind und auch jetzt nicht wirklich gelöst werden, dann kann ich nachvollziehen, dass immer mehr Menschen unsere Demokratie für teilweise dysfunktional halten. Ein Beispiel ist die Rente. Seit mehr als 25 Jahren ein Dauerbrenner. Oder nehmen wir die Energiewende. Seit Jahren läuft das im Zickzackkurs. Und die Wirtschaft ruft nach Verlässlichkeit. 

Eine Modernisierung unseres Landes steht tatsächlich auf der Tagesordnung und einige besonders schwierige Themen haben Sie gerade genannt. Das hat auch eine große wirtschaftliche Bedeutung. Das Wirtschaft braucht Planungssicherheit, um zu investieren. Das wiederum ist der Schlüssel zu einer wirtschaftlichen Erholung, die dann auch wieder vieles andere leichter macht. Wenn eine Regierung dafür ein klares Konzept hat, geschlossen auftritt und dann auch vernünftig kommuniziert, nimmt das nicht nur die Menschen mit, sondern schafft auch eine ganz andere Basis für Investitionen. 

Bei der Rente finde ich es gar nicht so schwer. Die SPD wird ein bisschen offener dafür, dass die Leute länger arbeiten, was bei einer weitaus längeren Lebenserwartung eigentlich logisch ist. Und die Union öffnet sich dafür, bei der Finanzierung ein paar neue Wege mitzugehen. Insgesamt ein bisschen flexibler, ein bisschen gerechter und mathematisch machbar. Ist das so schwer?  

Es scheint jedenfalls nicht so leicht zu sein, weil der Fokus jeweils sehr unterschiedlich gesetzt wird. Es muss sich lohnen, freiwillig länger zu arbeiten, aber ich bin entschieden gegen faktische Rentenkürzungen. Und vor allem: Der Kreis derjenigen, die in die Rentenkasse einzahlen, muss größer werden. Und ich würde mir auch wünschen, dass wir bald unser Gesundheitssystem optimieren. Wir haben eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, aber die Lebenserwartung ist in Deutschland niedriger als in anderen vergleichbar entwickelten Staaten. Wir müssen deutlich mehr Gewicht auf die Vorsorge legen, das machen uns andere Länder vor. Das hilft den Versicherten und ist günstiger für die Kassen. Leider redet Frau Warken momentan lieber darüber, Versicherungsleistungen einzuschränken und dann gegebenenfalls auch bei der Vorsorge zu sparen.

Das meine ich mit dysfunktional. Es gibt auf der einen Seite richtig gute Ideen und zahlreiche Beispiele, was in anderen Ländern besser funktioniert, und dann ist da diese Berliner Blase mit ein paar hundert Politiker*innen, drumherum ein paar tausend Mitarbeitende, sehr viele Journalist*innen und sehr viele Vertreter*innen irgendwelcher Lobbygruppen. Und dann dreht sich die Maschine und heraus kommt nichts. Wie kann man das ändern?

Ich bin mit dem Mikrokosmos Berlin nie so richtig warm geworden. Die Landespolitik in Niedersachsen ist dagegen eine reine Idylle. Es würde vielleicht schon helfen, wenn wesentliche Akteur*innen sich entschließen würden, so lange nichts zu einem Thema zu sagen, bis man sich einig ist. 

Da müsste man aber einigen den Mund zukleben.

Oder die Betreffenden wachsen über sich hinaus.

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Editorial 02-2026

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Editorial 02-2026


Liebe Leser*innen,

für diese Ausgabe habe ich Luna Jurado getroffen, Geschäftsführerin im Kulturzentrum Faust. Sie ist in Oldenburg aufgewachsen, schon mit 15 zu Hause ausgezogen, mit 18 ging es dann nach Hannover und für ein Jahr als Praktikantin in die Faust. Im Booking hat sie angefangen. Und ich stelle mal wieder fest, wie klein Hannover ist. Sie hat damals bei der Faust angerufen, um nach der Möglichkeit eines Praktikums zu fragen. Peter Staade hat „vorbeikommen“ gesagt. Peter war lange Jahre unser 96-Kolumnist und ist leider schon mit 50 Jahren an Krebs gestorben. Eines meiner ersten größeren Interviews für das Stadtkind habe ich mit Peter geführt. Damals war er noch im Béi Chéz Heinz aktiv. Ein sehr besonderer Mensch. Luna Jurado erzählt von ihrem Bewerbungsgespräch in der Raucherecke mit acht Männern und ich sehe Peter vor mir, mit der Zigarette in der Hand und diesem speziellen Blick (er hatte ein Glasauge). Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr die Zeit als Praktikantin nicht durchgängig Spaß gemacht hat. Aber es hat offensichtlich doch Spaß genug gemacht, um eine Ausbildung dranzuhängen. Schon mit 25 Jahren hat sie dann die Geschäftsführung in der Faust übernommen, übernehmen müssen, nachdem Hansi Krüger gestorben war. Ein Sprung ins eiskalte Wasser, keine geordnete Übergabe, Tage und Wochen im Krisenmodus. Aber sie übersteht das alles nicht nur, sie geht es frontal an, räumt auf, kümmert sich um die Strukturen. Heute läuft der Laden mit 45 Festangestellten, mit Auszubildenden, mit moderner Technik, einer gut aufgestellten Gastronomie und unglaublich vielen großen und kleinen Veranstaltungen.

Luna Jurado brennt für die Faust, sie lebt diesen Ort. Und sie brennt für die Kultur. Auch als Vorsitzende des Vereins Freie Kunst und Kultur Hannover e. V., besser bekannt als VereinteKulturHannover. Ihre Haltung ist glasklar. Kultur möge am besten nichts kosten, still sein und bloß nicht politisch – mit ihr ist das nicht zu machen. Sie hat sich immer sehr klar positioniert, insbesondere bei den auch aus meiner Sicht absolut fragwürdigen Kürzungen durch die Deutschlandkoalition, was ihr wahrscheinlich nicht nur Freundinnen und Freunde eingebracht hat. Sie hat gerne Klartext gesprochen, trotz des unsichtbaren Drucks, den man in Hannover manchmal spürt, wenn man zu laut auf Probleme hinweist. Und sie spricht noch immer Klartext.

Kultur ist für Luna Jurado keine Dekoration, kein Sahnehäubchen, auf das man im Zweifel verzichten kann. Kultur, Soziokultur, das ist für sie der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Die Faust schafft Räume, in denen Vielfalt nicht bloß plakatiert, sondern gelebt wird. Und von solchen Räumen profitiert die gesamte Gesellschaft, sie machen unsere Demokratie resilienter. Das klingt groß, ist aber sehr konkret. Wenn Kulturorte verschwinden oder kaputtgespart werden, dann verschwinden nicht nur die Bühnen, dann verschwinden Netzwerke, Schutzräume, Diskursräume. Dann wird eine Stadt leiser, aber nicht ruhiger und ärmer, aber nicht günstiger. Wenn in der Kultur Schaden angerichtet wird, dann ist das oft nicht so leicht rückgängig zu machen. Parkhäuser kann man sanieren, eine Szene leider nicht. In Hannover wird schon wieder viel über Geld geredet, über Kürzungen, Umverteilungen, Prioritäten. Und diese Diskussionen werden mit dem beginnenden Wahlkampf immer lauter werden. Ich hoffe, dass alle Beteiligten wissen, dass die Kultur in Hannover kein Posten ist, den man beliebig im Haushalt hin und her schieben kann. Die Lage ist ohnehin schon prekär genug, viele Kulturschaffende arbeiten längst „auf Kante“.

Luna Jurado wünscht sich Planungssicherheit, Augenhöhe und Wertschätzung. Ein klares Bekenntnis, dass Orte wie die Faust in Hannover gewollt sind. Und dass Kulturpolitik nicht nach Parteifarben gemacht wird. Geld für die Kultur ist Investition in die Zukunft. Mehr im Interview ab Seite 56.

Nicht zuletzt: In dieser Ausgabe feiern wir Erwin Schütterles 50. Rätsel. Nicht wenige beißen sich daran mit viel Vergnügen jeden Monat die Zähne aus. Danke, lieber Erwin!

Und jetzt viel Spaß mit dieser Ausgabe!

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Ein offener Brief an… Xavier Naidoo

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Ein offener Brief an… Xavier Naidoo


Mensch Xavier,

da biste ja wieder. Der Augenblick, auf den wir alle gewartet haben. Gut, vielleicht nicht alle. Aber die meisten! Also bestimmt der eine oder andere … wurscht, du bist zurück. Aber dass du dir ausgerechnet Köln ausgesucht hast für diesen Aufschlag – Berlin wäre doch viel passender gewesen. Im Reichstag! Schade auch, dass die Krolloper nicht mehr steht. Wie man hört, ließ es sich dort früher vortrefflich Heimatlieder schmettern. Machst du natürlich alles nicht mehr.

Du warst, wie du selbst sagtest, zwischenzeitlich vom Weg abgekommen, verblendet und was nicht noch alles. Deshalb hast du auch Dinge gesagt und getan, für die du dich heute schämst. Nicht ganz zu Unrecht! Sowohl Corona als auch den Holocaust zu leugnen … tja nun, das war vielleicht ein bisschen ungeschickt. Ein ganz kleines bisschen. Aber man muss auch mal Gras über so eine Sache wachsen lassen. Nein, Xavier, nicht dieses Gras. Obwohl, wenn‘s hilft, dann bitte.

Wo waren wir? Gras, ach ja. Die Menschen vergessen schnell. Vor gerade mal 28 Jahren hat irgend so ein Heini gemeint, Vergewaltigung innerhalb einer Ehe sei etwas gänzlich anderes als außerhalb einer Ehe und müsse deshalb nicht bestraft werden. Und stell dir vor: Genau diesen Heini hat man jetzt zum Kanzler gemacht. Kannste dir nicht ausdenken, so was. So schnell vergessen die Menschen! Damit wollten wir jetzt nicht sagen, dass du mit deinem Comeback bitte noch 23 Jahre warten sollst; wobei, doch, eigentlich schon. Sowohl wir finden das als auch bestimmt die „sogenannten Juden“, die du beleidigt hast, aber das muss man ja nicht so grob formulieren. Eher so: Dieser Weg wurde dir wirklich leicht gemacht, er hätte steiniger und schwerer sein sollen, um dich mal zu zitieren.

Da hast du ganz schön Glück gehabt. Andererseits, das wirst du uns zugestehen, fällt es schwer, an Koinzidenz zu glauben: Das Land befindet sich in … na ja … diesem Zustand und da kommt ein wegen Volksverhetzung angeklagter Popsänger aus der Versenkung und – aber ja, entschuldige, ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Du hast natürlich völlig Recht, man muss Werk und Künstler voneinander trennen. Das haben wir von Morrissey und Roger Waters auch schon so gehört. Habt ihr Drei euch ja fein ausgedacht in eurem Antisemitismus-Club! Nur, Xavier, ist es doch so: Du hast früher mal schöne Lieder geschrieben (und wenn du uns ein bisschen Zeit gibst, fällt uns bestimmt auch eins ein) und danach hast du dann doofe Sachen gesagt. Damit trennen wir doch ganz eindeutig Werk und Künstler. Das schöne Lied (dieses eine, Moment noch, gleich haben wir‘s) geht in Ordnung, wir finden aber nicht, dass wir 60 Euro aufwärts von unserem schwer verdienten Geld ausgeben sollten, bloß damit du im emotionalen Überschwang den Großen Diktator geben kannst.

Aber wir wollen nicht ganz so unversöhnlich enden. Denn weißt du, was wir richtig, richtig gut von dir finden? Dass du dich in Köln um die Sache mit dem Stadtbild kümmerst, die der Kasper (s.o.) da neulich angestoßen hat. Alle Krachlatten, die sonst frei rumlaufen würden, sind nämlich bei dir in der Lanxess Arena. Davor ziehen wir unseren Aluhut und sagen herzlichen Dank, deine Stadtkinder.

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Tonträger Januar 2026

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Tonträger Januar 2026


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Bandporträt Januar 2026: MANTRA

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Bandporträt Januar 2026: MANTRA


MANTRA machen Jazz auf ihre ganz eigene Art. Kürzlich veröffentlichten sie ihr Debütalbum „In Motion“, das die Unruhe und Energie ihrer Generation widerspiegelt.

MANTRA – das sind Valentin Seidl als Songwriter und Pianist, Linus Hutzler am Bass und Dejan Hauch am Schlagzeug.

Valentin und Linus sind beide in Bayern aufgewachsen und haben sich an der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl kennengelernt, wo sie beide eine zweijährige Ausbildung zum Ensemble- und Chorleiter absolvierten. 2022 zogen beide nach Hannover, um im Bereich Popular Music der Hochschule für Musik, Theater und Medien zu studieren. Hier trafen sie auf Dejan, der nach einem Vorstudium an der Glen Buschmann Jazz-Akademie in Dortmund ebenfalls an die HMTMH kam.

Die Musik begleitet alle drei seit der Kindheit. Linus begann auf Wunsch seiner Eltern mit Blockflötenunterricht, wechselte später zur Gitarre und zum Bass, nahm zeitweise Geigenunterricht und spielte in der Bigband und im Orchester seiner Schule. Valentin wuchs in einer musikalischen Familie auf, sein älterer Bruder ist Schlagzeuger – gemeinsam machten sie früh Musik. Auch Dejan kommt aus einer musikalischen Familie.

Obwohl sie Popmusik studieren, machen sie gemeinsam Jazz. Oder genauer: Musik, in der Jazz, Pop und Rock zusammenfinden. Ihre Mission sei es, die Welten miteinander zu verbinden. Valentin schreibt gerne „Songs, die diese ganzen Jazzelemente wie Improvisation und das Zusammenspiel haben, sich aber mehr auf Melodien zentrieren als der klassische Jazz.“ Dabei soll Jazz mit Ohrwurm-Potenzial entstehen. „Ich habe jetzt schon mehrfach mitbekommen, dass Leute einen Ohrwurm von unseren Songs hatten, Das hat mich immer extrem gefreut, weil das eigentlich genau das Ziel ist“, sagt er.

Nach zwei Jahren gemeinsamer Arbeit, veröffentlichte das Trio 2024 ihre erste gemeinsame EP „The Quiet Mind“ mit fünf Songs. Im November 2025 folgte nun das Debütalbum „In Motion“. Der Titel „In Motion“ steht dabei sowohl für den Sound und die Art, wie MANTRA Musik macht – kreativ und offen für Neues – als auch für die Lebensphase der drei Musiker. „Ich glaube der Titel ist ein ganz guter Oberbegriff. Unsere Generation ist irgendwie ein bisschen lost und verwirrt, weil einfach so viel passiert, zum Beispiel in der Politik. Außerdem ist die Phase von 20 bis 25 auch eine, in der privat extrem viel passiert. Manchmal merke ich erst nach dem Schreiben, dass ich dieses Gefühl der Verwirrtheit und das Chaos in den Songs ein bisschen verarbeite“, sagt Valentin. „Ich glaube ‘In Motion‘ steht für ganz viele Gefühle und Gegensätze: Durcheinander, Ruhe und vor allem dafür, in dem ganzen Chaos Balance zu finden“, ergänzt Linus.

Ein Highlight ihrer bisherigen Karriere war das Releasekonzert im Jazzclub Hannover. In Zukunft würden sie gerne in weiteren großen Jazzclubs in Deutschland spielen. Doch als junge, selbstorganisierte Band ist das mit viel Arbeit im Hintergrund verbunden. Bisher kümmern sie sich selbst um alles: Bookings, PR, CD-Produktion und ihre Präsenz in den sozialen Medien. Für Proben und Aufnahmen kommt ihnen ihr Studium zugute, denn sie können dafür die Räume der Hochschule nutzen.

Langfristig möchte die Band bei einem Label unter Vertrag kommen, auf Festivals wie der Jazzwoche spielen und offen bleiben für neue Konstellationen: andere Instrumente, Features und vielleicht Gesang.

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Gründungsstory Januar 2026: All About Midlife – Wie zwei Gründerinnen die zweite Lebenshälfte neu definieren wollen

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Gründungsstory Januar 2026: All About Midlife – Wie zwei Gründerinnen die zweite Lebenshälfte neu definieren wollen


Eine Milliarde Frauen weltweit werden im Jahr 2030 in den Wechseljahren sein. Zwei Drittel von ihnen kämpfen schon heute mit Beschwerden – körperlich, emotional, hormonell. Viele schweigen, viele suchen vergeblich nach kompetenten Ansprechpartner*innen. Für Constanze Stock und Katja Ohly-Nauber ist genau das ein unhaltbarer Zustand. Mit ihrem Startup ALL ABOUT MIDLIFE wollen sie „die weibliche Lebensmitte radikal neu definieren“ – hin zu mehr Gesundheit, Selbstbestimmung und einem neuen, positiven Narrativ über diese Lebensphase.

Die Plattform, die die beiden im März 2025 gegründet haben, verbindet Wissen und Praxis aus Physiotherapie, Ernährung, Beckenbodentraining und Hormoncoaching mit einer aktiven Community. Constanze bringt ihre Expertise als Fitness-Trainerin, Ernährungsberaterin und Atemtherapeutin ein, während Katja als Holistic Health & Wellbeing Coach mit Ausbildungen in Hypnose und Mindset-Arbeit Frauen mental stärkt. Ihr Ziel: Frauen durch eine oft turbulente Zeit begleiten – klar, kompetent, nahbar.

Eine Idee, die aus Erfahrung gewachsen ist

Die Entscheidung zur Gründung fiel zwar erst 2025, doch im Grunde arbeiten die beiden schon seit 15 Jahren auf dieses Projekt hin. „Unsere beruflichen Wurzeln liegen in der Wirtschaft – wir kennen Führungspositionen, aber auch die Bedürfnisse von Frauen in herausfordernden Lebensphasen“, sagt Katja. Mit ihrem ersten „Business-Baby“ LAUFMAMALAUF brachten sie bereits über 100.000 Frauen in Bewegung – ein Erfolg, der deutlich zeigt, wie sehr ihnen Frauengesundheit am Herzen liegt.

Jetzt widmen sie sich der Lebensmitte. „Wir wollen, dass Frauen die körperliche Umstellungsphase stark und energiegeladen durchlaufen“, ergänzt Constanze. ALL ABOUT MIDLIFE kombiniert dafür vier Komponenten: Digital Education, Tracking, Austausch und Telemedizin, gegliedert in die Bereiche Food, Move und Mind. Es geht um Aufklärung, praktische Umsetzung – und darum, endlich über Themen zu sprechen, die lange tabuisiert waren: von Hormonen über Achtsamkeit bis hin zu Sexualität.

Mehr als ein Kurs – ein Kompass für die Lebensmitte

Die Plattform versteht sich nicht als klassisches Online-Programm, sondern als Begleiterin durch eine Zeit, die oft mit Unsicherheit verbunden ist. „Wir sind ein Kompass für eine Lebensphase, die häufig von Tabus, Unwissen und Isolation geprägt ist“, erklären die Gründerinnen. Ihr Angebot reicht von 30 thematischen Kurseinheiten über Workout-Videos, einen dreiwöchigen Trainingsplan, Ernährungspläne mit Kochvideos, ein Rezept-E-Book, Mindset-Tools, Hypnosen und Meditationen bis hin zu digitalen Workbooks, Checklisten und Habit-Trackern.

Wer einsteigen möchte, kann zwischen einem dreiwöchigen Starter-Kurs und dem umfassenden 360°-Online-Kurs über neun Wochen wählen. Einmal gebucht, bleibt der Zugang lebenslang – und wer nicht zufrieden ist, bekommt innerhalb von 14 Tagen sein Geld zurück.

Doch die Gründerinnen denken größer. Immer häufiger werden sie von Unternehmen angefragt, um für das Thema Frauengesundheit am Arbeitsplatz zu sensibilisieren. „Das wird oft unterschätzt, hat aber massive Auswirkungen auf Zufriedenheit und Bindung“, betonen sie. Ihre Vorträge sind inzwischen stark nachgefragt.

Unterstützung durch hannoverimpuls: „Eine echte Möglichmacherin“

Auf ihrem Weg begleitet sie hannoverimpuls – und zwar mit spürbarem Engagement. „hannoverimpuls ist für uns eine echte Möglichmacherin“, sagen Constanze und Katja. Über das Female Startup Mentoring Programm erhalten sie Zugang zu einem starken Netzwerk, Workshops, Mentorinnen und gezielter Unterstützung beim Geschäftsmodell. Auch Wettbewerbe wie Startup-Impuls oder die „Höhle der Karpfen“ brachten große Sichtbarkeit.

Besonders wertvoll sei jedoch die Haltung: „Es geht nicht nur um Beratung, sondern um echtes Mitfiebern und Mitdenken – ein partnerschaftliches Miteinander, das uns enorm vorangebracht hat.

Dass die Energie der beiden im Netzwerk ankommt, bestätigt auch Vivica Bree, Leiterin Gründerinnen-Consult bei hannoverimpuls: „Zwei starke Frauen, die seit vielen Jahren für ihr Thema brennen. Constanze und Katja bringen viel Erfahrung mit und bereichern unsere Netzwerke. Bei unseren eigenen Veranstaltungen sind sie inzwischen sehr gefragte Speakerinnen.

Der Rat der Gründerinnen: Netzwerke nutzen

Anderen Gründer*innen raten die beiden deshalb: „Nutzt die Angebote von hannoverimpuls! Sie helfen, den Blick zu schärfen, Netzwerke aufzubauen und in allen zentralen Bereichen Unterstützung zu bekommen.

Mit ALL ABOUT MIDLIFE wollen Constanze Stock und Katja Ohly-Nauber nicht weniger als eine Kulturveränderung anstoßen – weg vom Defizitblick, hin zu einer starken, sichtbaren, selbstbewussten zweiten Lebenshälfte. Ihre Mission: Frauen dabei unterstützen, diese Phase nicht als Krise, sondern als kraftvollen Neubeginn zu erleben.

Kontakt:

ALL ABOUT MIDLIFE GMBH

0177 5283234

info@allaboutmidlife.com

allaboutmidlife.com

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