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Stadtkinder essen: Cham The Vegan Kitchen

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Stadtkinder essen: Cham The Vegan Kitchen


Bevor die Weihnachtszeit so richtig reinhaut und wir uns nur noch von Lebkuchen oder schweren Hauptgerichten ernähren, dachten wir uns, wir machen vielleicht noch mal einen Ausflug in die vegan-asiatische Welt. Auch die sozialen Medien sind voll davon und alle schwören auf ein Lokal: Das Cham in der List. Also machen wir uns auf den Weg dorthin.

Optisch macht es schon mal einen guten Eindruck – sofern wir etwas erkennen können, denn es ist relativ dunkel hier. Allerdings nicht ungemütlich. Das Cham wirbt mit „nachhaltiger“ Küche und wir sind gespannt, was das bedeuten soll. Alle Gerichte sind vegan und Hauptbestandteil der meisten Angebote auf der angenehm dimensionierten Karte ist Tofu. Über die Nachhaltigkeit im Soja-Anbau sollte vielleicht noch einmal gesprochen werden, aber dieses globale Problem wollen wir heute Abend nicht wälzen. Die Karte empfiehlt, pro Person drei der kleinen Gerichte zu je 5,90 Euro auszusuchen. Es gibt zwar auch Bowls zu je 13,90 Euro, aber wir möchten so viel wie möglich entdecken. Zu trinken wählen wir einen Grauburgunder (8,50 Euro, 0,2l) und eine hausgemachte Maracuja-Limonade namens „Passionate Asian“ (5,90 Euro). Der Wein ist schmackhaft aber nicht über die Maßen beeindruckend, bei der Limonade sieht das schon anders aus: Die vorherrschende Süße wird durch die Säure der frischen Maracuja relativiert. Extrem lecker! Zumindest, solange man sich nicht an dem eher schleimigen Fruchtfleisch stört, aber das tun wir nicht.

Schnell kommen auch unsere Wahlgerichte: „Golden Oyster Mushrooms“ – hinter diesem hübschen Namen verbergen sich gut gemachte „Schnitzelchen“ aus Austernseitling, die mit einer hausgemachten Tamarindensauce gereicht werden. Letztere überzeugt uns nicht so sehr, der Pilz aber umso deutlicher: Knusprig und sehr lecker. Die Tamarindensauce taucht auch bei den „Crispy Sea Bites“ wieder auf, veganen Shrimps am Spieß in Panko-Panade. Auch die sind extrem gut gemacht. Im Inneren befindet sich etwas, das von der Machart an Surimi erinnert. Was genau es ist, können wir nicht sagen, aber es schmeckt nach Shrimp, ist nicht zäh und macht Spaß zu essen. Toll! Auch bei „Golden Hour“ handelt es sich um ein kleines Highlight: Es ist ein rotes Curry mit frischem Gemüse und Tofu, von der Konsistenz eher eine Suppe. Sie erinnert ein wenig an Tom Kha Gai und ist perfekt abgeschmeckt – absolute Probierempfehlung. Die „Crunchy Tofu Sticks“ sind Seidentofu am Spieß im Rice Flakes-Mantel gebacken, zu denen eine Himbeer-Chili-Sauce gereicht wird. Beides begeistert uns und wir sind uns einig, wenn überhaupt, dann nur selten zuvor Tofu in so schöner Konsistenz gegessen zu haben. Kein bisschen Gummi- oder Spülschwamm-artig und mit der Himbeersauce eine richtig schöne Sache. Leider bleiben die letzten zwei Gerichte dahinter ein ganzes Stück zurück: „Chams Pocket“ enthüllt gebackene Teigtaschen mit Karotten-Rettich-Knoblauch-Füllung. Dazu sollte ein hausgemachtes Limetten-Chili-Dressing gereicht werden. Was wir bekommen, ist aber eine Sweet Chili-Sauce, von der wir nicht glauben, dass sie hausgemacht ist. Leider sind die Teigtaschen nicht wie angegeben knusprig. Sie sind weich und schmecken eher etwas tranig – ein bisschen wie zu lang stehengelassene Kartoffelpuffer. Rettich und Karotte sind leider nicht herauszuschmecken. Auch der „Sweet Friend Fried“ überzeugt uns nicht. Süßkartoffelpommes mit einer hausgemachten Mayonnaise mit Trüffelöl – die sollten ebenso knusprig sein. Das ist bei Süßkartoffel aber generell recht schwierig und hier nicht wirklich geglückt. Allerdings sind sie schön gewürzt, auch wenn der Einsatz des Trüffelöls in der Mayo für unseren Geschmack einen Hauch zu beherzt ausfiel. Alles in allem finden wir aber, eine gute Auswahl getroffen zu haben. Schmackhafte und ausgefallene Gerichte zu einem fairen Preis und wir versprechen: Auch einem erklärten Omnivoren wird hier nichts fehlen!

Cham – The Vegan Kitchen

Wedekindstraße 34

30161 Hannover

www.chamthevegankitchen.de

Mo-Sa: 11.30-22.30 Uhr

So: 14-22.30 Uhr

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Neu in der Stadt: Sushifreunde, Studio Lieblich und Coolblue

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Neu in der Stadt: Sushifreunde, Studio Lieblich und Coolblue


Sushifreunde

Am 15. Dezember öffnet Sushifreunde in der Straße Große Barlinge 67. Das Franchise besteht seit 25 Jahren und betreibt inzwischen 30 Filialen an 14 Standorten in Deutschland. Der Fokus liegt auf frischem Sushi, zuverlässigen Lieferzeiten und modernen asiatischen Gerichten, die immer wieder für Abwechslung sorgen. Die Auswahl an Vorspeisen bietet etwas für jeden Geschmack. Vom Glasnudelsalat über würzige Laksa-Suppe, bis hin zu Tempura-Produkten wie Frühlingsrollen, Garnelen, Hähnchen- und Lachs-Stäbchen wird alles frisch zubereitet und sorgen für ein knuspriges Erlebnis. Bei den Sushi-Rollen gibt es eine große Auswahl: Frische Maki mit sorgfältig ausgewählten Zutaten, Inside-Out-Rollen, Crunchy-Varianten und klassische Nigiri gehören zum Sortiment. Verschiedene Dips ergänzen das Angebot. Für die Mittagspause gibt es attraktive Mittags- und Sparmenüs. Kunden haben die Möglichkeit, einen Newsletter oder What’sApp-Kanal zu abonnieren, um keine Rabattaktion zu verpassen.

Große Barlinge 67, 30171 Hannover. Täglich geöffnet 11.30-21.30 Uhr.

Studio Lieblich

Beim Töpfern mit Weinbegleitung trifft Kreativität auf Genuss: Die Idee, beides miteinander zu verbinden, entstand während eines Auslandssemesters in Portugal. Dort verbrachte der Gründer von Studio Lieblich viel Zeit in Werkstätten, lernte zu töpfern, zu malen und zu nähen – und entdeckte, wie inspirierend gemeinsames Arbeiten mit den Händen sein kann. Zurück in Deutschland wollte er dieses Gefühl weitergeben: einen Ort schaffen, an dem Menschen kreativ werden, sich begegnen und genießen können. So entstand das Konzept eines Töpferstudios mit Weinbegleitung – ein Format, das Kunst und Geselligkeit gleichermaßen bietet. Seit einem Monat ist das Studio offiziell geöffnet. Die Workshops starten entspannt: Bei einem Glas Wein lernen die Teilnehmenden verschiedene Techniken kennen, arbeiten an ihren Projekten, und alle 20 bis 30 Minuten wird ein neuer Wein vorgestellt. Das Besondere ist die Balance – kein bloßes Basteln neben einem Getränk, sondern ein bewusstes Zusammenspiel von Kreativität und Wein. Töpfern bedeutet für den Gründer, etwas Eigenes zu erschaffen und Geduld zu lernen. „Du kannst nicht einfach schnell etwas machen – du musst dir Zeit nehmen, korrigieren, weitermachen. Das finde ich schön“, sagt er. Neben offenen Kursen bietet das Studio auch Workshops für Teams, Geburtstage oder Junggesell*innenabschiede an.

Wörthstraße 15, 30161 Hannover. Öffnungszeiten je nach ausgeschriebenen Workshops. Mehr Infos auf www.studiolieblich.de.

Coolblue

Alle Technikbegeisterten dürfen sich freuen, denn der führende Elektronikhändler Belgiens und der Niederlande hat nun seine erste Niederlassung in Hannover eröffnet. In zentraler Lage bietet Coolblue ein Einkaufserlebnis, das digitale Services mit persönlicher Beratung von Experten kombiniert. Auf 1.274 m² verteilen sich acht Produktwelten – von Smartphones, Laptops und Fernsehern über Audio und Gaming bis hin zu Haushaltsgroßgeräten. Ergänzend erleichtern digitale Funktionen wie QR-Code-basierte Produktvergleiche oder Virtual-Reality-Anwendungen zur räumlichen Visualisierung von Produkten in den eigenen vier Wänden die Entscheidungsfindung. Der In-Store-Modus der Coolblue App meldet Kund*innen mit Termin automatisch an – für eine reibungslose Beratung ohne Wartezeit. Alternativ bietet eine Willkommenssäule am Eingang die Möglichkeit, sich unkompliziert zur Beratung oder zur Abholung online bestellter Ware anzumelden. Für eine angenehme Einkaufsatmosphäre sorgen kostenfreier Kaffee und Tee sowie eine Spielecke mit Bausteinen für die kleinen Gäste. Bereits seit Jahresbeginn beliefert Coolblue über das eigene Logistikzentrum in Langenhagen Kund*innen im Raum Hannover mit Haushaltsgroßgeräten und Fernsehern – inklusive Lieferung, Installation und Altgerätemitnahme, bereits ab dem nächsten Werktag. Mit dem neuen Store schafft das Unternehmen nun auch eine zentrale Anlaufstelle in der Innenstadt.

Bahnhofstraße 8, 30159 Hannover. Mo-Sa 10-20 Uhr.

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Der besondere Laden: Lakritz Hannover

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Der besondere Laden: Lakritz Hannover


Lakritz ist sehr vielfältig und daher gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken“, erzählt Bernd Martin und verweist auf seinen Verkaufstresen voller Variationen der salzig-würzigen Nascherei. Am 12. April diesen Jahres, dem internationalen Lakritztag, hat er sein Geschäft in der Jakobistraße 55 eröffnet und verkauft seither an drei Tagen in der Woche „die schwarze Leidenschaft“.


Als „Der Lakritzmann“ ist Martin bereits seit einigen Jahren mit dem Verkaufsfahrrad auf Märkten und Festen in der Stadt und Region Hannover unterwegs. Man kennt ihn unter anderem vom Lister Meilen Fest, dem Herbstmarkt in Mardorf am Steinhuder Meer und jüngst auch vom Winterzauber Herrenhausen. „Lakritz geht immer“, lächelt er. Was mit einer kleinen Auswahl an gefüllten Lakirtzstangen angefangen hat, ist längst zu einem vielseitigen Sortiment herangewachsen. Inzwischen bietet Martin zahlreiche Varianten von buten Lakritzkugeln, -gummibärchen, -schnecken und -bonbons an.

Mit der wachsenden Auswahl wuchs mit der Zeit auch der Bedarf an Lagermöglichkeiten. „Als dann der kleine Laden samt Lagerraum hier in der List frei geworden ist, dachte ich mir ‚Wieso eigentlich nicht?‘ und habe angefangen zu renovieren“. Seit einem Dreivierteljahr verkauft er nun Lakritzspezialitäten aus Skandinavien, den Niederlanden und Deutschland.


„Lakritz gibt es in nahezu jeder Form“, erklärt der Inhaber. „Mittlerweile auch glutenfrei und vegan“. Und auch geschmacklich gibt es keinerlei Grenzen. Chili- und Kokos-Lakritz reihen sich in den Regalen neben Schaumzuckermäusen mit Lakritzgeschmack und Sorten wie „Raspberry Cheesecake“ ein. Einiges aus dem Sortiment, darunter Lakritzkugeln mit Zitrus- oder Cappuccinomantel, erinnern zunächst nicht an die klassischen Happen aus Süßholzwurzel. „Manche glauben gar nicht, dass in den bunten Kugeln wirklich Lakritz ist, denn beim ersten Bissen schmecken sie erstmal nach ihrer Ummantelung. Aber natürlich ist da auch Lakritz drin“, so Martin. „Man könnte sagen, das sind Lakritzpralinen“.


Besonders stolz ist er auf seine große Auswahl an Lakritz der Marke Haupt. „Geschmack und Qualität der verschiedenen Haupt-Lakritze sind wirklich herausragend“. Die Produktion der handgemachten süßen wie salzigen Kugeln, Bonbons und Stangen knüpft an rund 3500 Jahre Lakritztradition an. Gleichzeitig wollen die Hersteller aber auch „die Regeln für den Geschmack und die Verwendung von Lakritz neu definieren“, was sich unter anderem in ihrem „salzigsten Lakritz der Welt“ widerspiegelt. „Zum Probieren oder Verschenken habe ich ein paar dieser so genannten schwedischen Bastarde in kleinen Mengen abgefüllt – die sind wirklich nicht ohne!“


Wer also auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichem ist, ist bei Bernd Martin an der richtigen Adresse. Neben Essbarem sind ebenso, Lakritzgin, Lakritzlikör und Lakritzcola Teil seines Sortiments. Und auch pures, kristallines Lakritz kann man in seinem Geschäft probieren. „Das ist natürlich nicht jedermanns Geschmack, aber interessant, wenn man nur das handelsübliche Lakritz kennt“. Jetzt in der Vorweihnachtszeit bietet Martin außerdem einen eigens zusammengestellten Lakritz-Adventskalender an.


Der besondere Geschmack der Süßholzwurzel lässt sich beliebig kombinieren, sodass das Angebot bei Lakritz Hannover so vielfältig wie variabel ist. „Ich weiß, nicht jeder mag es, aber fast jeder kennt jemanden, der es mag“, strahlt Martin. Wer sich unsicher ist, darf auf Nachfrage die eine oder andere Sorte probieren oder sich eine Auswahl mit nach Hause nehmen. Abgewogen in kleinen Boxen gibt es zum 100g-Preis jede Menge zu entdecken. „Man kann sich ganz einfach etwas nach seinen Wünschen zusammenstellen – für sich selbst, für Freunde oder Familie. Ich freue mich über jeden, der neugierig ist und vorbeikommt.“

Laura Druselmann

Lakritz Hannover

Jakobistraße 55, 30163 Hannover

Tel.: 0151 72597259

E-Mail: lakritz-hannover@mail.de

www.lakritz-hannover.de

Öffnungszeiten

Di & Mi: 15 bis 18 Uhr

Sa: 10 bis 14 Uhr

Sowie nach Vereinbarung

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Ein letztes Wort im Dezember – mit Olaf Lies

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Ein letztes Wort im Dezember – mit Olaf Lies


Herr Lies, so viel hat sich ja noch nicht verändert hier im Büro. Keine Zeit? Keine Lust?

Der Tisch ist größer geworden. Aber an die Bilder an den Wänden, an die Kunst, haben sich ja alle gewöhnt. Und ich bin demjenigen, der hier sehr kunstbeflissen für ein gewisses Ambiente gesorgt hat, gar nicht so undankbar.

Ich habe gehört, dass sie eine unglaubliche Schlagzahl haben und Schlaf eher Nebensache ist. Ein Feldbett sehe ich glücklicherweise nicht. Schaffen Sie es noch jeden Tag nach Hause?

(Lacht) Ich schaffe es in meine Wohnung in Hannover. Ich bin jetzt seit 13 Jahren Wochenendpendler, das ist mittlerweile Routine. Unter der Woche wohne ich hier in Hannover, am Wochenende fahre ich nach Hause nach Sande – das versuche ich jedenfalls. Es wird schwieriger, aber es ist mir wichtig, wenigstens dann bei der Familie in Friesland zu sein. Also keine Sorge, ich schlafe nicht im Büro.

Sie haben in Sande auch viele Tiere. Das ist wahrscheinlich der Ort, um runterzukommen, oder?

Ja, absolut. Das ist am Wochenende ein echter Rückzugsort. Dort spielt Politik keine Rolle, da ist einfach die Familie. Und natürlich unsere Tiere. Man kommt runter, wird geerdet und bekommt den Kopf frei.

Ich habe gelesen, Esel haben es Ihnen angetan. Gibt es da charakterliche Ähnlichkeiten? Sind Sie stur?

Ich? Das kann ich mir gar nicht vorstellen! Aber gewisse Vergleiche würde ich mir schon gefallen lassen. Esel sind ja zum Beispiel sehr intelligente Tiere (lacht). Als wir vor 25 Jahren ein Haus gesucht haben, war klar: wir kaufen nur eins, bei dem wir Esel halten können. Und so haben wir es auch gemacht. Der erste Esel war schon da, bevor wir eingezogen sind. Über die Jahre sind ein paar mehr dazugekommen – meist Tiere, die ein Zuhause suchten. Unser Haus war früher eine Nebenerwerbsstelle – mit Außenbereich, wo man früher nach dem Krieg Tiere halten konnte. Es ist so eine Art geschrumpftes Bauernhaus.

Schaffen Sie es als Ministerpräsident noch aufs Motorrad?

Ganz selten. Das ist schwierig geworden. Vor Jahren hatte ich mal den Gedanken, eins mit nach Hannover zu nehmen. Aber es fehlt einfach die Zeit. Und wenn ich zu Hause in Sande bin, steht die Familie im Mittelpunkt. Da fahre ich ja nicht allein mit dem Motorrad durch die Gegend. Da ist es mittlerweile eher das Fahrrad, da können wir gemeinsam unterwegs sein.

Wann haben Sie zuletzt auf dem Trecker gesessen?

Oh, das ist schon etwas länger her. Meinen eigenen alten Trecker musste ich irgendwann verkaufen, der hat einfach zu viel Platz gebraucht. Aber mein Neffe hat einen, ein bisschen moderner, da steige ich gelegentlich mal drauf. Das macht mir schon Spaß. Wir haben ja auch Land, das man ab und zu bearbeiten muss. Das ist erdend im wahrsten Sinne des Wortes. Ich mag das sehr.

Ich frage mich immer, wie man in so einer Position nicht die Bodenhaftung verliert. Die Termine eng getaktet, alle wollen irgendwas, im Zweifel präsentieren sich alle von der besten Seite und Sie sind nicht Olaf Lies, sondern der Ministerpräsident. Gelingt Ihnen diese Trennung zwischen Amt und Mensch? Wissen Sie, wer gerade gemeint ist? Und wie ist die Verwechslungsgefahr bei Ihnen selbst?

Ich habe glücklicherweise schon in den Ministerämtern meine Erfahrungen sammeln dürfen. Aber klar, Ministerpräsident ist jetzt natürlich noch mal etwas ganz anderes, verbunden mit anderen Erwartungen und anderen Gesprächen, die breiter aufgestellt sind. Aber ich glaube, das kann man gut trennen. Ich sehe mich nicht als „Herr Ministerpräsident“, ich habe einen Namen. Mit allen, die mich ein bisschen besser kennen, duze ich mich, da bin ich dann einfach Olaf, und ansonsten Herr Lies. Aber ich bin nicht „Herr Ministerpräsident“. Das ist ein Amt auf Zeit, verbunden großer Verantwortung und mit gewissen Möglichkeiten. Und natürlich begegnet man darum vielen Menschen, die Interessen haben und etwas erreichen wollen. Aber das will ich ja auch. Ich will Niedersachsen voranbringen.

Würden Sie sagen, dass Sie Menschen um sich haben, die Ihnen sagen, was sie denken?

Auf jeden Fall. Mit einigen arbeite ich schon sehr lange zusammen und das Verhältnis ändert sich ja nicht durch ein neues Amt. Die Gespräche sind bei mir auch nicht immer nur reduziert auf den Beruf und fachliche Themen. Es gibt auch sehr persönliche und vertrauensvolle Gespräche. Es wäre auch nicht schön, wenn das anders wäre. Ich verbringe ja momentan den allergrößten Teil meines Lebens hier. Darum ist es gut, wenn ich mich auch ein Stück weit hier zu Hause fühlen kann.

Kommen wir kurz zur SPD. 2002 eingetreten. Wie ist Ihnen das passiert?

(Lacht) Eigentlich über die Gewerkschaft. Ich war schon in meiner Ausbildungszeit aktiv, später auch Personalratsvorsitzender. Irgendwann hat mich jemand aus meinem Heimatort angesprochen: „Du machst doch ohnehin so viel, willst du nicht Kommunalpolitik machen?“ Also habe ich kandidiert – damals noch parteilos. 2001 war das. Kurz darauf hieß es: „Wir brauchen dringend einen Ortsvereinsvorsitzenden. Willst du nicht in die SPD eintreten?“ So wurde ich Mitglied – und gleich Ortsvorsitzender. Dann Gemeinderat. Und ab dem Zeitpunkt hat sich die Frage nach dem „Warum“ nicht mehr gestellt. Die Frage war immer nur, was wir als nächstes machen. Wie bringen wir die Gemeinde und den Kreis voran? Das hat mir von Anfang an Spaß gemacht.

Was kann denn eigentlich die SPD?

Die Sozialdemokratie kann für Stabilität im Land sorgen. Wir haben eine spürbare Verunsicherung in der Gesellschaft, auch viel Unzufriedenheit. Und ich denke, es braucht darum, gerade jetzt vielleicht mehr denn je, eine Partei, die es schafft, ausgleichend zu wirken. Also nicht ideologiegetrieben, nicht mit maximalen Forderungen, sondern bemüht um einen sinnvollen Konsens für unsere Gesellschaft. Wenn es so einen Konsens gibt, einen Weg, der von einer breiten Mehrheit getragen wird, dann stabilisiert das die Gesellschaft. Und ich denke, dass die SPD sehr gut ist in dieser Rolle der Vermittlung.

Sie haben neulich wieder irgendwo gesagt, dass es der SPD vor allem darum gehen muss, Jobs zu erhalten und Jobs zu schaffen. Wie kann das funktionieren?

Wenn es mehrere Dinge gibt, die wir gleichzeitig wollen, müssen wir uns entscheiden. Was ist aktuell das Wichtigste? Und für mich haben die Jobs momentan die oberste Priorität. Wir müssen uns darauf fokussieren, dass die Menschen sicher sein können, dass sie ihren Arbeitsplatz behalten oder im Zuge einer gelungenen Transformation auch morgen einen Arbeitsplatz haben. Die SPD ist die Partei der Fleißigen, deshalb ist es unsere Aufgabe für sicherere Jobs einzutreten.

Aber der Motor springt noch nicht so richtig an. Mehr Geld allein scheint nicht zu reichen. Was machen wir denn mit der Bürokratie?

Naja, Bundes- und Landeshaushalte müssen erst von den Parlamenten verabschiedet werden, insofern werden die großen Milliardeninvestitionen erst ab dem kommenden Jahr spürbar werden – dabei geht es um Investitionen in Krankenhäuser, Schulen, Schwimmbäder, Straßen, Schienen und vielem mehr. Für die laufenden Ausgaben ist das Geld allerdings weiterhin knapp, das gilt insbesondere für die Kommunen. Und ja, an einigen Stellen wird zu viel Geld ausgeben, weil über zu viel Bürokratie zusätzliche Kosten und Personalaufwand erzeugt werden, was unnötig ist. Vielleicht mal ein Beispiel, dass mich schon als Bauminister umgetrieben hat: Wir haben das Thema Wohngeld plus eingeführt, mehr Menschen haben Anspruch auf finanzielle Hilfe – was in der Sache richtig ist. Aber wir machen es derart kompliziert, dass wir allein in Niedersachsen etwa 30 Millionen Euro jedes Jahr an die Kommunen geben, damit diese ihre Verwaltungsleute bezahlen können, die das Thema bearbeiten. Warum? Weil wir uns eine Misstrauenskultur aufgebaut haben. Ich glaube, wir brauchen eine neue Vertrauenskultur. Und zur Kontrolle gibt es Stichproben. Alles andere führt zu überbürokratisierten Anträgen und unzähligen Formularen. Der Weg zu dieser Vertrauenskultur ist nicht leicht. Trotzdem wir müssen das schaffen, damit am Ende auch die zusätzlichen Investitionsmittel greifen.

Zum Schluss noch ein schnelles, letztes Wort zur Stadtbild-Debatte …

Mich ärgert daran vor allem die Länge dieser Debatte. Ich finde, man hätte das ganz einfach und schnell abräumen können. Wenn ich durch die Stadt gehe, dann sehe ich auch Probleme, das will ich gar nicht leugnen. Aber ich sehe außerdem ganz viele Menschen, die jeden Tag dazu beitragen, dass es bei uns funktioniert – ob nun mit oder ohne Migrationshintergrund, das ist mir dabei völlig egal.

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Editorial 12-2025

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Editorial 12-2025


Liebe Leser*innen,

für diese Ausgabe habe ich Stephan Weil getroffen. Gut, man könnte fragen, ob das jetzt eine so besonders spannende Information ist, denn immerhin ist das in den letzten Jahren häufiger passiert. Aber so ein bisschen besonders ist das schon, denn Stephan Weil ist in gewissem Sinne einer der dienstältesten Mitarbeiter beim Stadtkind. Wir haben unser 200. Interview geführt. Und zu unserem 200. haben wir uns darum auch das Titelinterview gegönnt. Womit sich natürlich die Frage gestellt hat, wer auf der üblichen Seite 114 zu Gast sein soll in dieser Ausgabe. Schwierig …

Mir hat sich vor dem großen Interview mit Stephan Weil noch eine andere schwierige Frage gestellt: Was frage ich jemanden, dem ich bei 200 Gelegenheiten eigentlich schon alle Fragen gestellt habe, die man fragen kann? Ich habe ein bisschen recherchiert im Stadtkind-Archiv. Und festgestellt, dass wir angesichts immer neuer, aktueller Themen im Grunde nie über seinen Werdegang gesprochen haben. Was hat Stephan Weil eigentlich gemacht, bevor er Kämmerer und dann Oberbürgermeister in Hannover war? Er war zum Beispiel Zivi. Ich hatte das mal so ganz am Rande mitbekommen, aber ein Thema in den Interviews war das nie. Ich bin also mit Stephan Weil in dieser Ausgabe ein bisschen tiefer in seine Biografie abgetaucht. Und habe einiges erfahren, was ich tatsächlich noch nicht wusste.

Ich bin in den vergangenen Jahren oft gefragt worden, vor allem von Menschen, die politisch nicht den Sozialdemokraten zugeneigt sind, warum ich immer noch Monat für Monat dieses Interview führe – „mit diesem Sozi“. Dass es vielleicht spannend ist, in einem Stadtmagazin mit einem Oberbürgermeister ins Gespräch zu kommen, das sei einigermaßen einleuchtend – aber warum mit einem Ministerpräsidenten? Das hat zwei Gründe: Neugier ist der erste Grund. Mich hat einfach interessiert, wie sich so ein Mensch wie Stephan Weil verändert im Laufe der Jahre, in seinem neuen Amt als Ministerpräsident. Bleibt der auf dem Boden? Oder schleift sich da etwas ab? Hat der weiter das Große und Ganze im Hinterkopf oder wackelt irgendwann die Nadel im Kompass? Aber es gab noch einen zweiten, für mich sehr wichtigen Grund: Sympathie.

Ich schätze Stephan Weil sehr. Warum? Weil er absolut verlässlich ist. Man kann sich auf sein Wort verlassen. Wir waren und sind uns politisch oft nicht einig, es gibt einige Standpunkte und Grundsätze, mit denen ich meine Schwierigkeiten habe, aber ich habe trotzdem große Achtung, nicht nur vor dem Menschen Stephan Weil, sondern auch vor dem Politiker Stephan Weil. Ich habe in unseren Gesprächen wirklich eine Menge gelernt. Zum Beispiel über Verantwortungsbewusstsein. Dass man sich nicht drückt, nur weil es unbequem wird. Wenn mir heute jemand sagt, dass „die da oben“ doch alle korrupt sind, machtverliebt und egoistisch, dann widerspreche ich sehr vehement. Es gibt noch Politiker in Deutschland, die nicht die Eitelkeit treibt, sondern Verantwortungsgefühl. Stephan Weil gehört für mich dazu. Und das ist der Hauptgrund, warum ich diese Gespräche bis heute so gerne führe.

Er hat sich natürlich verändert im Laufe der Jahre. Er ist ernster geworden. Die Krisen haben Spuren hinterlassen, insbesondere die Corona-Zeit, diese plötzliche, ganz direkte Verantwortung für Menschenleben. Stephan Weil ist mit der Verantwortung gewachsen. Und er spricht ganz offen über Fehler. Über politische Irrtümer. Man muss ziemlich lange suchen, ehe man heute einen Politiker oder eine Politikerin findet, die kein Problem damit haben, derart selbstkritisch mit sich selbst zu sein. Mich hat das in all den Jahren immer wieder beeindruckt. Und mich hat es auch jetzt, bei diesem Interview wieder beeindruckt.

Wir haben in unserem 200. Gespräch aber nicht nur über Stephan Weils Werdegang und über Politik gesprochen, sondern auch über Hannover, über den „entspannten Grundsound“ in der Stadt, in der Stephan Weil auch künftig ganz entspannt seine Runden mit dem Fahrrad drehen wird. Und nicht nur das. Man darf sich sicher sein, dass er sich weiter einbringen wird. Um zu gestalten, um zu verändern. Auch um zu bewahren. Mehr im Interview.

Viel Spaß mit dieser Ausgabe!

Lars Kompa
Herausgeber Stadtkind

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Das Dezember-Kind ist da!

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Das Dezember-Kind ist da!


Über Hannover…im Gespräch mit Stephan Weil, niedersächsischer Ministerpräsident a.D. Stephan Weil und Lars Kompa sind in den letzten 16 Jahren richtige Kumpels geworden. Immerhin haben sie 200 Interviews zusammen gemacht. Und das Jubiläumsinterview darf dann ruhig mal ein bisschen größer und länger sein. Außerdem hat Stephan Weil ja jetzt auch viel mehr Zeit für lange Interviews, oder? Spoileralarm: Nope. Was der ehemalige Stadtkämmerer, Oberbürgermeister und Ministerpräsident jetzt alles so treibt, kann man im Titelinterview des aktuellen Hefts nachlesen. 

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