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Gründungsstory August 2026: Solunar – Ein Ort für Bewegung, Balance und persönliche Entwicklung

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Gründungsstory August 2026: Solunar – Ein Ort für Bewegung, Balance und persönliche Entwicklung


Mit Soluna hat Renata Shenkman in Hannovers Südstadt einen Ort geschaffen, an dem weit mehr passiert als klassisches Fitnesstraining. In ihrem Boutique-Studio in der Großen Barlinge verbindet die 35-Jährige Yoga, Reformer Pilates, Barre, klassisches Pilates und Ayurveda-Coaching zu einem ganzheitlichen Konzept. Kleine Gruppen, persönliche Betreuung und hochwertiges Equipment schaffen eine Atmosphäre, in der die individuellen Bedürfnisse der Gäste im Mittelpunkt stehen.

„Mir war wichtig, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen nicht nur trainieren, sondern ganzheitlich begleitet werden – körperlich, mental und persönlich“, sagt Renata Shenkman. Je nach Lebenssituation und Ziel könne das ein intensives Reformer-Pilates-Training, eine entspannende Yogastunde, eine Ayurveda-Beratung oder ein inspirierender Workshop sein. Ergänzt wird das Angebot durch Retreats, Community-Events sowie die Möglichkeit, die stilvoll gestalteten Räume für private Veranstaltungen zu nutzen.

Der Weg in die Selbstständigkeit begann für die Gründerin zunächst fernab der Gesundheitsbranche. Nach einem Studium der IT und Betriebswirtschaft arbeitete sie fast neun Jahre in der Konzernwelt. Parallel dazu gewannen Yoga und Pilates jedoch immer mehr Bedeutung in ihrem Leben. Sie absolvierte Ausbildungen, begann zu unterrichten und stellte fest, wie viel Erfüllung ihr diese Tätigkeit brachte. „Der Wunsch, einen eigenen Ort für meinen ganzheitlichen Ansatz zu schaffen, wurde immer größer“, erinnert sie sich. Vor einem Jahr wagte sie schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit. Heute bestätigt sie ihre Entscheidung täglich aufs Neue: „Zu erleben, wie Menschen durch unsere Angebote mehr Energie, Balance und Lebensfreude gewinnen, bestätigt mich jeden Tag.“

Das Studio richtet sich an Frauen und Männer aller Altersgruppen aus Hannover und der Region. Einige suchen einen Ausgleich zum stressigen Berufsalltag, andere möchten ihre Kraft und Beweglichkeit verbessern oder bewusster auf ihre Gesundheit achten. Gemeinsam ist ihnen der Wunsch nach persönlicher Betreuung und einer Atmosphäre, die Raum zum Ankommen und Durchatmen bietet.

Auch anderen Gründerinnen und Gründern möchte Renata Shenkman Mut machen. „Mein wichtigster Rat lautet: anfangen“, sagt sie. Eine gute Vorbereitung sei wichtig, Perfektion hingegen unerreichbar. „Vieles lernt man erst in der Praxis. Deshalb sollte niemand aus Angst vor Fehlern auf den ersten Schritt verzichten.“ Gleichzeitig empfiehlt sie, Beratungs- und Netzwerkangebote frühzeitig zu nutzen.

Auf diesem Weg wurde sie von hannoverimpuls begleitet. Bereits in der Gründungsphase unterstützte die Wirtschaftsförderung unter anderem bei Business- und Finanzplan, Rechtsform und Unternehmensaufbau. „Ich habe mich jederzeit ernst genommen, kompetent beraten und vertrauensvoll begleitet gefühlt“, sagt Shenkman. Besonders wertvoll seien darüber hinaus die Seminare und Netzwerkangebote gewesen. Dass der Austausch auch nach der Gründung weitergehe, schätze sie sehr.

Für Tina Reuschel, Projektleiterin Gründung und Entrepreneurship bei hannoverimpuls, ist Soluna ein gelungenes Beispiel für erfolgreiches Unternehmertum. „Der Schritt aus einer sicheren Konzernkarriere in die Selbstständigkeit erfordert Mut“, betont sie. „Soluna zeigt eindrucksvoll, wie aus Fachwissen, Leidenschaft und einer klaren Vision ein erfolgreiches Unternehmen entstehen kann.“ Mit Beratungs- und Netzwerkangeboten begleite hannoverimpuls Gründerinnen und Gründer nicht nur beim Start, sondern auch langfristig auf ihrem Weg.

» AL

Soluna Studio
Bewegung, Regeneration und persönliche Entwicklung
Große Barlinge 50, 30171 Hannover
0176 82093912
info@soluna-studio.de
www.soluna-studio.de
Instagram @soluna.studio_hannover

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Literarisches: Martina Riccarda Niklis

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Literarisches: Martina Riccarda Niklis


Die Hannoveranerin Martina Riccarda Niklis arbeitet als Krankenpflegerin – das Schreiben begleitet sie jedoch schon seit vielen Jahren. In ihrem autobiographischen Debütroman „Ein anderer März“ begibt sich die Erzählerin auf eine eindringliche und befreiende Reise in ihre Vergangenheit.

Menschen entwickeln die unterschiedlichsten Wege und Strategien, um mit traumatischen Erlebnissen umzugehen. Warum das Niederschreiben solcher Erlebnisse für Martina Riccarda Niklis besonders kraftvoll ist, liegt im Zusammenspiel zweier Erfahrungen: Es eröffnet den Menschen durch den authentischen Blick in ihre Geschichte die Möglichkeit, sich darin wiederzufinden, und ermöglicht der Autorin selbst, ihrer eigenen Geschichte eine neue Form zu geben. Mit ihrem ersten Roman „Ein anderer März“ widmet sich die Autorin einer lebensverändernden Aufgabe: der Auseinandersetzung mit einer traumatischen Vergangenheit, deren Aufarbeitung eine gewaltige Herausforderung darstellt. Die in einem März getroffene Entscheidung, das Buch anzugehen, beschreibt sie als Tür, durch die sie trat:

„In diesem anderen Raum, in dem ich mich wiederfand, dachte ich nie mehr über die Entscheidung nach. Ich schrieb bis zum Ende.“ Ausgangspunkt des Buches ist die Rückkehr einer verdrängten Erinnerung an einen sexuellen Missbrauch in einem von Sprachlosigkeit, den Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs und Alkoholismus geprägten familiären Umfeld. Schon als Jugendliche begann die Autorin, Kurzgeschichten und Gedichte zu verfassen. „Mich fasziniert die Suche nach dem einen Wort, das genau den Kern trifft“, sagt sie und spricht dabei nicht nur von ihren persönlichen Erfahrungen, sondern auch über Fragen, die viele Menschen betreffen: Wie wirken sich familiäre Traumata über Generationen hinweg aus? Warum bleiben manche Erfahrungen jahrelang unausgesprochen? Und wie kann aus Schmerz Inspiration entstehen?

Die Tür zur Inspiration möchte Niklis auch für ihre Leserinnen und Leser öffnen. Sie wünscht sich, dass „Ein anderer März“ Menschen dabei unterstützt, einen neuen Blick auf sich selbst und ihre eigene Geschichte zu entwickeln und berichtet: „Immer wieder erzählen mir Leserinnen und Leser, dass sie sich in meinen Worten wiederfinden“. Der Gedanke des Perspektivwechsels zieht sich durch den gesamten Roman, den die Autorin im Kern als eine Erzählung darüber beschreibt, „wie ein Mensch sich Schritt für Schritt seine Würde und seine Verantwortung für das eigene Leben zurückerobert“. Dass diese Botschaft
glaubwürdig wirkt, liegt auch an der Offenheit, mit der sie ihre eigene Geschichte erzählt, ohne dabei den Blick für das Universelle zu verlieren. Literarisch fühlt sich Niklis keiner bestimmten Richtung verpflichtet. Sie liest ebenso begeistert die gesellschaftlich präzisen Romane von Mareike Fallwickl wie die Erzählkunst Stephen Kings, dessen Buch „Das Leben und das Schreiben“ sie nachhaltig geprägt hat. „Ich mag Literatur, die den Mut hat, genau hinzusehen, auch dort, wo es unbequem wird“, sagt sie und beschreibt damit zugleich ihren eigenen literarischen Anspruch.

Für Martina Riccarda Niklis bedeutet „Ein anderer März“ letztlich vor allem eines: Freiheit. Das Buch sei für sie der Beweis, dass Menschen nicht auf das reduziert sind, was ihnen widerfahren ist. Indem sie ihrer Geschichte eine neue Ausdrucksform gibt, entziehe sie sie ein Stück weit den Händen der Vergangenheit. Gleichzeitig versteht sie ihr Debüt nicht als Abschluss eines Kapitels, sondern als Anfang eines neuen Weges: „Während das Buch seinen Weg zu den Leserinnen und Lesern findet, arbeite ich bereits an meinem zweiten Roman. Das Schreiben ist längst zu einem festen Teil meines Lebens geworden, und ich freue mich darauf, diesen Weg weiterzugehen“. Ihr Wunsch für die Zukunft ist Ausdruck ihrer Überzeugung, weiterhin genau hinzusehen und Menschen einzuladen, die eigene Perspektive zu verändern. Denn vielleicht beginnt mit dem Entdecken einer Tür, die den Mut verlangt, geöffnet zu werden, eine andere Zeit.

» Emilia Encke

Ein anderer März
Paperback
418 Seiten
ISBN 978-3-695-17262-7
20 €
www.riccardaniklis.de

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Der Freundeskreis im Gespräch mit Kerstin Tack und Julius Matuschik

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Der Freundeskreis im Gespräch mit Kerstin Tack und Julius Matuschik


Für diese Ausgabe haben wir mit Kerstin Tack (KT), Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen, und Julius Matuschik (JM) vom Cameo Kollektiv gesprochen, stellvertretend für zwei Organisationen, die beide auf ihre Art an derselben Frage arbeiten: Wie könnte eine gerechtere Zukunft aussehen, auch speziell in Hannover? Während das Cameo Kollektiv mit kreativen Mitteln Räume für Begegnung und Teilhabe schafft, kümmert sich der Paritätische als Dachverband um die strukturellen und sozialpolitischen Bedingungen.

Stellt euch zum Einstieg bitte kurz vor …

KT: Der Paritätische Niedersachsen ist ein Dachverband für rund 880 gemeinnützige Organisationen und Einrichtungen. Die arbeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen, zum Beispiel in der Pflege, der Behindertenhilfe, der Kinder- und Jugendhilfe oder der Migrationsberatung. Hinzu kommen unsere eigenen paritätischen Dienste in der Selbsthilfe, der Schulbegleitung, der Suchtberatung oder Essen auf Rädern und viele mehr. Als Paritätische Familie arbeiten damit in ganz Niedersachsen rund 90.000 Menschen. Was uns verbindet, ist der Anspruch, Menschen zu unterstützen und gleichzeitig die Bedingungen zu verändern, unter denen Menschen leben. Ich bin Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen. Mich beschäftigt vor allem die Frage: Unter welchen Bedingungen können Menschen wirklich selbstbestimmt leben – und was müssen wir gesellschaftlich und politisch dafür verändern?

JM: Ich bin Teil des Cameo Kollektivs, einer von ungefähr 30 Vereinsmitgliedern und einer von dreien, die in der Geschäftsstelle arbeiten. Wir vom Cameo Kollektiv versuchen, Methoden aus Kunst und Design zu nutzen, um gesellschaftspolitische Themen zu bearbeiten. Das können Begegnungsprojekte sein, das können Ausstellungen sein, das können Publikationen sein. Die Projekte sind vielfältig.

Das Cameo Kollektiv nennt sein Grundprinzip „UPGRATION – Upgrade durch Migration“. Was bedeutet das ganz konkret, und wie übersetzt sich diese Haltung in eure Projekte?

JM: Upgrade durch Migration ist ein Teil unserer Geschichte und beschreibt unsere Arbeit heute vielleicht gar nicht mehr vollumfänglich. Wir haben damals ein großes Projekt zum Thema Flucht und Migration gemacht. Wir wollten die Menschen in den Mittelpunkt rücken, wir wollten sensibilisieren für ihre Schicksale und Geschichten. Und vor allem wollten wir zeigen, dass Migration nicht nur eine Herausforderung ist, sondern dass Vielfalt eine Innovationsressource ist. Dass die Gesellschaft extrem gewinnt durch Vielfalt. Darum Upgrade durch Migration. Inzwischen hat es sich bei uns erweitert, weil wir ganz generell eine gerechtere Zukunft für alle Menschen fordern und wünschen. Wir machen sichtbar, dass unsere Gesellschaft eben noch nicht gerecht ist, und versuchen gleichzeitig, Prozesse zu initiieren und zu fördern, die positiv wirken. Begegnung finden wir extrem wertvoll. Wir sprechen immer von der Magie der Begegnung. Von diesen Begegnungen erhoffen wir uns mehr Empathie oder auch Verständnis füreinander.

Der Paritätische steht für die klassische Wohlfahrtsarbeit – Beratung, Unterstützung, Interessenvertretung. Wie hat sich diese Arbeit in den letzten Jahren verändert, und was beschäftigt euch aktuell am meisten?

KT: Die soziale Arbeit ist in den letzten Jahren deutlich komplexer geworden. Viele Probleme kommen inzwischen zusammen: steigende Lebenshaltungskosten, fehlender Wohnraum, Personalmangel und mehr Menschen, die Unterstützung brauchen. Was uns aktuell besonders beschäftigt, ist die Frage, wie wir verhindern, dass soziale Angebote weggekürzt werden. Wenn bei Beratung, Jugendhilfe, Pflege, Wohnungslosenhilfe oder Integration gekürzt wird, trifft das Menschen ganz konkret. Und wir erleben einen politischen Rechtsruck. Da muss man aus meiner Sicht sehr klar sein: Wenn Menschen das Gefühl haben, dass ihre Probleme nicht gesehen werden, dürfen wir das nicht denjenigen überlassen, die einfache Antworten anbieten. Soziale Sicherheit und Demokratie gehören zusammen. Wo Menschen Unterstützung bekommen, sich beteiligen und erfahren, dass ihre Stimme zählt, wird Demokratie konkret. Auch aus einer ökonomischen Perspektive brauchen wir eher mehr, als weniger Sozialstaat. Das gilt gerade für Phasen der wirtschaftlichen Stagnation: Investitionen in die soziale Infrastruktur bzw. eine Stärkung der Sozialpolitik können in Krisenzeiten als produktiver und stabilisierender Faktor die wirtschaftliche Lage verbessern.

Was würdet ihr sagen verbindet euch als Organisationen?

KT: Ich glaube, uns verbindet zunächst einmal der Blick auf die Menschen. Wir wollen Menschen nicht auf ihre Probleme oder Defizite reduzieren. Und wir teilen die Überzeugung, dass Teilhabe nicht einfach von allein entsteht. Man braucht Räume, Zugänge und Strukturen. Und natürlich verbindet uns auch der Blick auf Vielfalt. Eine Gesellschaft ist nicht dann gerecht, wenn alle gleich sind, sondern wenn unterschiedliche Menschen mit ihren unterschiedlichen Lebensgeschichten und Bedürfnissen selbstverständlich dazugehören.

JM: Wir arbeiten auf jeden Fall an denselben Themen. Uns geht es darum, Teilhabe zu schaffen und mit der eigenen Arbeit den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Wir sind also ein größeres und ein kleineres Rädchen im gleichen großen Dampfer Demokratie.

Was bedeutet Gerechtigkeit für euch ganz konkret – nicht als großes Wort, sondern im Alltag eurer Arbeit?

JM: Wir denken, dass Gerechtigkeit entsteht, wenn Menschen nicht nur mitreden dürfen, sondern auch mitgestalten können. Und dass dafür viel zu oft die Räume fehlen. Wir glauben, dass Menschen sehr gerne Verantwortung übernehmen, wenn nicht für das große Ganze, so doch im Kleinen, in der Nachbarschaft. Dafür wollen wir Möglichkeiten schaffen. Orte, an denen Menschen ihre Ideen ausprobieren können, wo sie sich und ihre Meinungen und ihre Herausforderungen einbringen können, wo wir gemeinsam Lösungen suchen und finden.

KT: Für mich beginnt Gerechtigkeit ganz grundsätzlich bei der Frage: Kann ich mir mein Leben leisten? Habe ich eine Wohnung? Kann ich meine Miete bezahlen? Bekomme ich die Unterstützung, die ich brauche? Und dann gehört für mich auch ganz klar Geschlechtergerechtigkeit dazu. Wir wissen, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer. Gleichzeitig übernehmen Frauen nach wie vor deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit. Das ist der Gender Care Gap. Gerechtigkeit bedeutet für mich, diese Arbeit sichtbar zu machen und fairer zu verteilen.

Kreativarbeit und klassische Sozialarbeit gelten oft als getrennte Welten. Wo könnt ihr voneinander lernen oder euch gegenseitig stärken?

KT: Soziale Arbeit ist eigentlich viel kreativer, als man manchmal denkt. Man muss jeden Tag neue Lösungen finden und schauen, was für einen Menschen konkret funktioniert. Von kreativen Projekten können wir aber sicher lernen, dass Menschen ganz unterschiedliche Zugänge brauchen. Nicht jeder Mensch wird über ein Beratungsgespräch oder ein Formular erreicht. Viele marginalisierte Gruppen, für die wir das sozialpolitische Sprachrohr sind, erreichen wir nicht immer über unsere Medienarbeit. Für sie funktioniert der Zugang über Musik, Kunst, Film oder gemeinsames Gestalten besser. Aber solche Angebote finden sich tatsächlich in unseren Mitgliedsorganisationen wieder.

JM: Ich denke, dass wir mit unserem interdisziplinären Background, also diesem Haufen aus Sozialwissenschaftler*innen und Gestalter*innen und der Art und Weise, wie wir arbeiten, nämlich mit Methoden aus Kunst und Design, eine besondere Herangehensweise einbringen. Wir nutzen zum Beispiel sehr oft Methoden des Social Design. Wir haben gerade wieder einen Raum eröffnet, in dem Menschen ihre Ideen für Hannover einbringen können, aber in dem sie auch sagen können, was sie in Hannover stört. Wir versuchen dann, das in die Praxis zu bringen. Vielleicht wären solche Projekte auch gemeinsam mit dem Paritätischen möglich. Und was wir lernen können: Wir sind meistens an die klassische Projektarbeit gebunden. Unsere Arbeit wird projektbezogen gefördert, das heißt, es steht für ein Projekt Geld zur Verfügung, vom Start bis zum Ende. Was dann oft fehlt, ist die Perspektive oder die Möglichkeit, das in eine Nachhaltigkeit zu bringen. Ich denke, dass der Paritätische viele Strategien und auch Erfahrungen hat, die eigene Arbeit nachhaltig wirksam zu machen.

Gibt es einen Moment aus eurer Arbeit, der euch besonders in Erinnerung geblieben ist – wo ihr gemerkt habt, dass sich etwas wirklich bewegt?

KT: Solche Momente gibt es viele. Und oft sind es gar nicht die großen politischen Erfolge. Zum Beispiel, wenn jemand, der lange keine Wohnung hatte, durch Housing First wieder einen eigenen Schlüssel in der Hand hält. Oder wenn jemand, der lange nicht gehört wurde, plötzlich selbstbewusst für die eigenen Interessen eintritt. Was mich immer wieder beeindruckt, ist, wie viele Menschen sich jeden Tag dafür einsetzen, dass andere nicht durchs Raster fallen. Das gilt auch für die vielen Menschen, die sich vor Ort für Demokratie engagieren. Gerade angesichts des Rechtsrucks ist es wichtig, dass wir nicht nur sagen: Demokratie ist wichtig. Wir müssen Demokratie erlebbar machen. Genau das kommunizieren wir aktuell auch mit unserer Kampagne „Du bist Demokratie.“ Nur wenn Menschen erfahren, dass ihre Stimme zählt und dass sie etwas bewegen können, dann ist das ein wichtiger Schutz gegen demokratiefeindliche Kräfte.

JM: Ich finde, der alltägliche Austausch mit immer neuen Menschen ist generell großartig. Von den neuen Perspektiven lernen zu können. Momentan steht bei mir unser aktuelles Projekt, der offene Raum, im Vordergrund.

Wie müsste Hannover in zehn Jahren aussehen, damit ihr sagen würdet: Wir sind auf dem richtigen Weg?

KT: Ich wünsche mir ein Hannover, in dem niemand aufgrund seines Einkommens von Teilhabe ausgeschlossen ist. Ich wünsche mir gute und erreichbare soziale Angebote – für Kinder und Jugendliche, für ältere Menschen, für Menschen mit Behinderungen und für Menschen, die in Deutschland ankommen. Ich hoffe außerdem, dass wir in zehn Jahren bei der Pflege weiter sind. Wir brauchen eine Pflegevollversicherung, die die tatsächlichen Pflegekosten absichert und Menschen nicht in die Armut führt. Entscheidend dafür ist, dass alle solidarisch einzahlen. Und ich wünsche mir eine Stadtgesellschaft, in der Vielfalt selbstverständlich ist und in der Demokratie nicht nur als politisches System verstanden wird, sondern als etwas, das im Alltag stattfindet.

JM: Was in anderen Städten bereits massiv passiert und auch bei uns schon passiert ist, das sind Kürzungen in den Bereichen Kultur, Bildung und Soziales. Und ich denke, das ist ein Riesenfehler. Gerade in diesen drei Bereichen liegen ja immense Chancen. Eine Gesellschaft kann nur dann zukunftsfähig werden, wenn sie miteinander lernt. Durch eine gemeinsame Bildung baut sich Vertrauen auf. Und die Kultur trägt mit ihrer Kreativität dazu bei, neue Lösungen zu entwickeln. Darum sollten wir hier auf gar keinen Fall den Rotstift ansetzen. Ich wünsche mir für Hannover, dass diese Potenziale bewahrt und sogar noch einmal neu entdeckt werden.

KT: Das sehe ich ganz ähnlich. Wir müssen uns als Gesellschaft entscheiden: Was ist uns wichtig? Wo setzen wir Prioritäten? Ich finde, wir müssen aufpassen, dass soziale Fragen nicht immer nur unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, was gerade noch finanzierbar ist. Wenn wir soziale Angebote schwächen, schwächen wir auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt und letztlich unsere Demokratie. Die soziale Infrastruktur ist das Rückgrat unserer Gesellschaft.

» LAK

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Ehrenamtliches Engagement: Naturfreundejugend Hannover (NFJ)

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Ehrenamtliches Engagement: Naturfreundejugend Hannover (NFJ)


„Unsere Aktionen sind unvergesslich. Man bekommt die Möglichkeit, persönlich zu wachsen, Verantwortung zu übernehmen und erlebt so viel Tolles“, strahlt Linda. Die 20-Jährige engagiert sich ehrenamtlich in der Naturfreundejugend Hannover. Gemeinsam mit anderen jungen Menschen geht’s raus in die Natur – und regelmäßig rein in kleine Abenteuer.

Manchmal beginnt ehrenamtliches Engagement ganz zufällig: Immer mal wieder paddelte Linda bei Aktionen der Naturfreundejugend im Kanu über die Gewässer Hannovers, als eine hauptamtliche Mitarbeiterin des Vereins auf sie aufmerksam wurde. „Sophie hat mich gefragt, ob ich bei einer Kanuaktion mal mithelfen möchte. Über ein Jahr lang hat sie immer wieder nachgehakt, ob ich Lust hätte, Aktionen der NFJ anzuleiten.“ Und das zahlte sich schließlich aus: Linda ließ sich überzeugen, absolvierte ihre Jugendleiter*innen-Card, kurz Juleica, und ist heute froh, dass Sophie damals so hartnäckig war.

Inzwischen ist Linda Vorstandsmitglied der Naturfreundejugend Hannover, organisiert und begleitet Freizeiten. „Im Mittelpunkt stehen Naturerlebnisse, Mitbestimmung und Nachhaltigkeit, aber vor allem unsere Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche ihre Freizeit aktiv mitgestalten können und sollten.“

All das währt inzwischen seit 100 Jahren. Noch in diesem Sommer wird ein großes Jubiläumsfest gefeiert. Für Kinder zwischen sechs und 16 Jahren gibt es an diesem Tag tolle Einblicke in die Arbeit des Vereins. Unabhängig davon gibt es aber auch das ganze Jahr über Möglichkeiten, den Verein kennenzulernen. Neben den Freizeiten gehören eine wöchentliche Kindergruppe, Angebote im Jugendtreff in der Nordstadt sowie Mitmachaktionen auf Straßenfesten zum Programm. Dort wird beispielsweise Linoldruck ausprobiert oder gemeinsam gebastelt.

Doch die Freizeiten sind für Linda definitiv das Herzstück der Vereinsarbeit. Damit seien besonders intensive Vorbereitung, lange Tage und viel Verantwortung verbunden, die letztlich aber in schöne gemeinsame Erlebnisse für alle Beteiligten münden. „Ein großes Highlight sind die Zeltlager. Die sind meistens extrem anstrengend, aber auch richtig, richtig schön.“ Die 20-jährige berichtet, dass es ihr jedes Mal wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn aus einer Gruppe fremder Kinder innerhalb weniger Tage ein super Team wird. „Es ist schön, zu merken, wenn sich die Kinder wohlfühlen, gut zusammenwachsen und gemeinsam Quatsch machen.“

Ein super Team sind aber nicht nur die teilnehmenden Kinder, sondern auch die Ehrenamtlichen selbst. „Inzwischen besteht mindestens die Hälfte meines Freundeskreises aus Menschen, die Teil der Naturfreundejugend sind oder einmal an einer Freizeit teilgenommen haben“, lächelt Linda. Und das ist kein Zufall: Die Naturfreundejugend setzt bewusst auf Mitbestimmung und darauf, jungen Menschen Verantwortung zu übertragen. Es geht nie nur um Freizeitgestaltung. Hinter jeder Aktion stecken Organisation, Absprachen, Finanzierung und viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit.

Genau dafür wünscht sich Linda künftig mehr gesellschaftliche Anerkennung. „Als außenstehende Person weiß man oft gar nicht, wie viel Arbeit hinter solchen Sachen steckt.“ Ihr Wunsch richtet sich deshalb auch an die Politik. Sie erhofft sich für die Zukunft mehr Unterstützung für die Jugendarbeit, bessere Rahmenbedingungen für hauptamtliche Mitarbeitende und stärkere Anreize für ehrenamtliches Engagement. Gleichzeitig appelliert sie an junge Menschen in Hannover, sich zu beteiligen und den Verein zu entdecken: „Kommt mit auf Freizeiten, werdet Mitglieder oder werdet Ehrenamtliche. Wir freuen uns über jede Person, die Bock hat.“

» Laura Druselmann

Naturfreundejugend Hannover
Maschstraße 24, 30169 Hannover
Tel. 0511 8094566
www.njf-hannover.de

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El Kurdis Kolumne im August: Mehr Licht!

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El Kurdis Kolumne im August: Mehr Licht!


Ich weiß nicht, wann zum ersten Mal fehlendes Licht mit dem Adjektiv „gemütlich“ assoziiert wurde. Aber diese gedankliche Verbindung hat sich offensichtlich flächendeckend durchgesetzt. Googelt man „Gemütlichkeit“ oder vergleichbare Wörter in anderen Sprachen – „cosiness“, „hygge“ – und lässt sich dazu Bilder anzeigen, sieht man neben fluffigen Kissen, Wolldecken, Strickstrümpfen und dampfenden Teetassen vor allem: Kerzen jeder Größe. Oder schummrige Zimmer, in denen mehrere Lampen mit Watt-Zahlen unter der Wahrnehmungsgrenze verteilt wurden. Oder einen Kamin, der nicht nur als Wärme-, sondern offensichtlich auch als einzige Lichtquelle dient. Kurzum: Man sieht saumäßig schlecht beleuchtete Räume!

Ich selbst empfinde allerdings helles Licht als angenehm und behaglich. So definiert übrigens der Duden das Wort „gemütlich“: „Eine angenehme, behagliche Atmosphäre schaffend“. Aber kaum genieße ich einen solchermaßen hell beleuchteten Raum, fühlt sich stets irgendjemand befleißigt, das zu ändern. Ich höre dann Sätze, die für mich wie Drohungen klingen. Zum Beispiel: „Das ist ja wie auf’m OP-Tisch. Ich mach’s uns mal ein bisschen netter“. Und schwupps wird die mein Gemüt auf- und den Raum erhellende Deckenlampe ausgeschaltet und vier bis fünf kleine, oft hinter Sofas versteckte oder gegen die Wand gerichtete Leuchten, sogenannte „indirekte Lichtquellen“, werden angeknipst. Und auch in meinem Herzen wird es dann augenblicklich stockdunkel.

Ich sehe mich diesbezüglich durchaus im Einklang mit der Biologie. Und der Evolution beziehungsweise der Menschheitsgeschichte. Früher, also ganz früher, vor der Erfindung des Feuers, als wir uns noch von Beeren, Knollen, Wurzeln und gelegentlichem rohem Fleisch ernährten, bedeutete Dunkelheit: Schlafen! Und bis heute will unsere Körper dementsprechend reagieren. Möchte man sich aber gegen diese Bevormundung durch die Natur wehren und im Winter nicht schon um 16:00 Uhr ins Bett gehen, muss man es eben hell machen. Richtig hell. Die technischen Möglichkeiten dazu wurden ja inzwischen erfunden. Dieses dustere und düstere „Ich zünde uns eine Kerze an und mach uns noch ’ne Flasche Rotwein auf“ ist so gesehen halbgarer Quatsch.

Die Biologie erklärt das übrigens so: Zufrieden, ausgeglichen und wach fühlen wir uns, wenn das Hormon Serotonin in unserem Körper ausreichend vorhanden ist. Und was regt die Serotoninproduktion an? Licht. Am besten helles Sonnenlicht. Zur Not tut es aber auch eine Tageslichtlampe. Solche oft 10.000 bis 20.000 Lux starke Leuchtkörper werden mittlerweile sogar in der Depressionsbehandlung eingesetzt und wirken – so verschiedenen Studien – bei leichten und mittelschweren Depressionen genau so gut wie moderne Psychopharmaka. Diese SSRI („Selective Serotonin Reuptake Inhibitors“ auf deutsch: „Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer“) arbeiten, wie der Name schon sagt, ebenfalls mit dem Gute-Laune-Hormon. Nur kurbeln sie nicht dessen Produktion an, sondern sorgen dafür, dass das vorhandene Serotonin länger im Körper verfügbar ist.

Der Titel dieser Kolumne bezieht sich übrigens auf die angeblich letzten Worte Goethes, der kurz vor seinem Tod nach „Mehr Licht!“ verlangt haben soll. Wobei die Nachwelt bis heute darüber diskutiert, ob er nur wollte, dass sein Diener den zweiten Fensterladen öffnet oder ob es sich dabei um einen metaphorischen Wunsch nach mehr geistiger Erhellung und Aufklärung handelte. Als Hesse komme ich selbstverständlich auch nicht umhin, die – sorry, aber es muss sein – kalauernde Dialekt-Erklärung zu diesen letzten Worten zu liefern: Der Frankfurter Goethe soll demnach nicht nach „Mehr Licht!“ verlangt, sondern auf Hessisch die Bequemlichkeit seines (Sterbe-)Bettes kommentiert haben: „Mä lischt hier so schlescht!“

Apropos Kultur: Auch im Theater hängen Regisseur*innen und das von ihnen gedungene Beleuchtungspersonal gerne dem Irrglauben an, fehlendes Licht auf der Bühne schaffe „Atmosphäre“ oder eine sogenannte „Stimmung“. Die spezifische Einstellung der Scheinwerfer in einer bestimmten Szene wird ja auch tatsächlich als „Lichtstimmung“ bezeichnet. Kann ich aber nicht richtig erkennen, was die Theatercharaktere machen, stellt sich bei mir nur eine Stimmung ein: Schlechte Laune. Ich habe schon Stücke gesehen, in denen ich größtenteils raten musste, wer grade redet. Dabei lautet die meiner Meinung nach wichtigste und deswegen auch gereimte Theaterregel: Wer spricht, kriegt Licht! Schöner, poetischer und apodiktischer kann man es nicht sagen …

» Hartmut El Kurdi

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Stadtkinder kochen Ravioli mit flüssigem Kern

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Stadtkinder kochen Ravioli mit flüssigem Kern


Mysteriöse Umstände haben dazu geführt, dass ich seit einigen Wochen vorübergehend bei meinem Bruder in dessen Haus auf dem Land wohne. Ja, ernsthaft, der ist drei Jahre jünger als ich und hat ein Haus auf dem Land. Demütigend für mich. Aber nun brauchte er meine Hilfe und hier bin ich. Der Umstand, dass ich mir nichts, dir nichts mein Leben in Hannover zurückgelassen habe, mag implizieren, ich hätte gar keins. Was natürlich Quatsch ist, und um das zu unterstreichen, kommt ein wenig Angeberei ganz gut. Denn ich kann nicht nur kochen und backen wie eine fröhliche Landfrau, nein, auch wie die knallharte Stadtpflanze, die aus mir geworden ist. Und als solche prahle ich mit handgemachten Ravioli mit flüssigem Eigelbkern.

Das ist zwar aufwändig und verursacht erstaunlich viel Dreck in der Küche, sieht dabei aber extrem nach haute cuisine aus und ist trotzdem recht einfach herzustellen. Perfekt also, wenn man ehemaligen Zeitgenossen subtil mitteilen möchte, dass man es in der großen Stadt gar nicht sooo übel getroffen hat. Insgesamt brauchen wir für vier Portionen 200 g Pastamehl (00er), 6 frische Eier, 150 g geräucherten Scamorza-Käse, 50 g Frischkäse, 50 g Butter und eine Prise Salz. Ja, weniger ist manchmal mehr.

Das Tolle am Dorfleben: Viele Menschen haben Hühner und bauen am Straßenrand Eierwagen auf. Darin steht eine kleine Kasse und, klar, ein Vorrat an Eiern zur aufrichtigen Selbstbedienung. Die sechs Stück, die ich kaufe, sind so groß, dass man einen Gynäkologen zum Bauernhof schicken möchte, er möge sich dort doch bitte um diverse Dammrisse kümmern. Dieser Rieseneier nehme ich zwei Stück. Das Mehl häufe ich auf der sauberen Arbeitsplatte zu einem Berg auf, den ich dann in einen Vulkan verwandle, indem ich in die Mitte eine tiefe Mulde drücke. Hier hinein schlage ich die beiden Eier und fange an zu kneten (per Hand! Landfrauenfeeling pur!), bis eine klumpige Masse entsteht. Nach und nach arbeite ich vom Rand immer mehr Mehl ein, bis ich nach etwa zehn Minuten Muskelarbeit einen glatten Teig habe. Der muss nun in Frischhaltefolie gewickelt bei Zimmertemperatur ruhen. Nach einer halben Stunde ist das erledigt und es kann weitergehen.

Während der Wartezeit habe ich den Scamorza sehr fein gerieben, mit Frischkäse vermischt, mit etwas Salz gewürzt und zu einer festen Paste verarbeitet. Da dieser Haushalt dilettantischerweise nicht über einen Dressiersack verfügt, habe ich einen Gefrierbeutel genommen und die Paste hineingefüllt.
Immerhin gibt es eine Nudelmaschine. Den Teig teile ich in zwei Hälften, die ich so lange durch die Maschine schicke, bis zwei lange Streifen daraus werden, durch die ich die Umrisse meiner Hand gerade so erkennen kann. Einen dieser Streifen breite ich nun auf der Arbeitsfläche aus. Ich nehme einen kreisrunden Keksausstecher (ein Trinkglas tut’s auch) als Konturgeber: Ganz leicht stupse ich die stumpfe, bzw. offene Seite auf den Teig, so dass ein Kreis leicht sichtbar ist – vier Mal das Ganze. Nun greife ich zum Gefrierbeutel, schneide eine Ecke ab und spritze innerhalb der Kreismarkierung einen weiteren Ring. Das ist der magische Eigelbschutz! In diesen Ring platziere ich jetzt jeweils einen Dotter aus Norddeutschlands größten Hühnerärschen. Nur den Dotter, nicht das Eiklar! Nun breite ich vorsichtig den zweiten Streifen Teig darüber, nehme wieder meinen Ausstecher, bzw. das Glas und drücke die zweite Teigschicht auf der ersten an. Nicht zu fest, damit ich den Teig nicht perforiere, aber auch nicht so lasch, dass sich die Bindung lösen könnte. Schließlich fahre ich mit einem Teigrädchen um die Form herum, unter Einhaltung einer gewissen „Nahtzugabe“. Ich bringe gesalzenes Wasser zum Kochen und stelle nebenbei eine Pfanne auf den Herd. Darin schmelze ich die Butter langsam. Die Ravioli gleiten nun ins Kochwasser und bleiben dort für exakt 90 Sekunden. Da muss man ein bisschen pedantisch sein. In der Zeit schäume ich die Butter auf, gebe Salbei hinein und schwenke die gekochten Ravioli für einen kleinen Moment darin, ehe ich sie mit etwas Friséesalat, angemacht mit Zitrone (die cremige Schwere schreit nach Frische und Bitternoten), serviere. Stadtpflanze, oder was?

» IH

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